Für Sie gelesen
Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Wochenspiegel & Presse |
Woche: Montag, 28. September 2026 bis Sonntag, 4. Oktober 2026
Apotheken-News: Themen der Woche
Die Apotheken-Themen der Woche führen durch eine Nachrichtenlage, in der politische Sparpläne auf empfindliche Versorgungsstrukturen treffen, neue Gesundheitsangebote näher an den Alltag rücken und Apotheken Aufgaben übernehmen, die ihr Verhältnis zu Patienten, Ärzteschaft und Krankenkassen verändern. Die mögliche Rückkehr von Zytostatika-Ausschreibungen zeigt, wie schnell Kostendruck spezialisierte Strukturen berühren kann. Gleichzeitig stellt der Direktvertrieb etablierte Lieferwege infrage, während CubeDoc mit Telemedizin im Supermarkt einen neuen Zugang zur medizinischen Versorgung erprobt. Apotheken gewinnen beim Impfen an Reichweite und könnten durch Empfehlungen der Krankenkassen auch bei Medikationsanalysen stärker eingebunden werden. Die ePA macht jedoch deutlich, dass technische Verfügbarkeit allein noch keine Nutzung schafft. Bei Botanicals führt dieselbe Nachrichtenlage auf eine andere Ebene: Gesundheitsangebote tragen nur dann dauerhaft, wenn Qualität, Verantwortung und Vertrauen miteinander Schritt halten.
Es ist eine gesundheitspolitische Idee, die schon einmal erhebliche Probleme verursacht hat: Rund zehn Jahre nach der Abschaffung könnten Ausschreibungen für die Versorgung mit Zytostatika auf Apothekenebene zurückkehren. Union und SPD sollen sich auf eine entsprechende Regelung verständigt haben. Über Änderungsanträge zum Notfallreform-Gesetz sollen zusätzliche Einsparungen für die gesetzliche Krankenversicherung erreicht werden. Damit steht erneut eine Versorgungsstruktur zur Debatte, bei der Wirtschaftlichkeit und wohnortnahe Versorgung unmittelbar aufeinandertreffen.
Gerade bei individuell hergestellten Zytostatika ist die Versorgung jedoch mehr als eine Frage des günstigsten Angebots. Sie lebt von der engen Zusammenarbeit zwischen behandelnder Arztpraxis, herstellender Apotheke und Patientinnen und Patienten. Genau diese gewachsenen Beziehungen waren ein wesentlicher Grund dafür, dass frühere Ausschreibungsmodelle so umstritten waren. Werden Aufträge auf wenige Anbieter konzentriert, verändert sich nicht nur der Markt. Es verändern sich Wege, Zuständigkeiten und die Nähe zwischen Herstellung und Behandlung.
Der Deutsche Apothekerverband warnt deshalb vor einer erneuten Marktkonzentration. DAV-Chef Hans-Peter Hubmann befürchtet, dass künftig nur noch wenige Apotheken die Versorgung mit Zytostatika übernehmen könnten. Für spezialisierte Apotheken wäre das eine wirtschaftliche Existenzfrage; für Patientinnen und Patienten könnte es bedeuten, dass wohnortnahe Strukturen verloren gehen. Bei individuell hergestellten Krebsmedikamenten erhält die Entfernung zwischen Herstellung und Anwendung damit ein anderes Gewicht als bei gewöhnlichen standardisierten Produkten.
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Einwand. Zum 1. Oktober sind bereits neue Preise in der Hilfstaxe in Kraft getreten, durch die Einsparungen von rund 160 Millionen Euro erreicht werden sollen. Damit stellt sich die Frage, welchen zusätzlichen Nutzen Ausschreibungen tatsächlich bringen und ob der mögliche Spareffekt die strukturellen Risiken rechtfertigt.
Die Debatte reicht zudem über Zytostatika hinaus. Auch eine Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich steht politisch im Raum. Aus einer einzelnen Sparmaßnahme wird damit eine grundsätzlichere Richtungsentscheidung: Soll Versorgung stärker über Ausschreibungsmechanismen organisiert werden, auch wenn dadurch bestehende regionale und spezialisierte Strukturen unter Druck geraten?
Genau an diesem Punkt öffnet sich der Blick auf eine zweite Ebene derselben Versorgungsfrage. Denn nicht nur Ausschreibungen können bestehende Strukturen verändern. Auch die Wege, auf denen Arzneimittel überhaupt in Apotheken gelangen, werden neu verhandelt.
Direktvertrieb belastet Apotheken, Großhandel verteidigt seine Rolle, die Arzneimittelversorgung wird zur Strukturfrage
Wenn Hersteller Arzneimittel zunehmend direkt vertreiben, geht es zunächst um Geschäftsmodelle und Lieferwege. Für Apotheken reicht die Bedeutung jedoch weiter. Entscheidend ist, wie zuverlässig Arzneimittel verfügbar bleiben, welche Rolle der pharmazeutische Großhandel übernimmt und welche Folgen entstehen, wenn etablierte Belieferungsstrukturen an Gewicht verlieren.
Der Großhandel versteht seine Funktion nicht lediglich als Transport zwischen Hersteller und Apotheke. Seine Stärke liegt darin, Produkte verschiedener Hersteller zu bündeln und Apotheken aus einem breiten Sortiment heraus zu beliefern. Direktvertriebsmodelle verändern diese Logik. Für Apotheken können zusätzliche Bestellwege, unterschiedliche Konditionen und ein höherer organisatorischer Aufwand entstehen. Was auf Herstellerseite als eigener Vertriebsweg erscheint, kann auf Apothekenseite zu einer komplexeren Beschaffung führen.
Damit wird aus einer wirtschaftlichen Auseinandersetzung eine Versorgungsfrage. Apotheken benötigen Arzneimittel nicht irgendwann, sondern dann, wenn Patientinnen und Patienten sie brauchen. Die Leistungsfähigkeit einer Lieferstruktur zeigt sich deshalb nicht allein am Preis. Verfügbarkeit, Geschwindigkeit, Bündelung und Verlässlichkeit gehören ebenso dazu.
Der Konflikt berührt damit eine ähnliche Grundfrage wie die Zytostatika-Debatte: Wie weit lassen sich etablierte Strukturen verändern, ohne dass die Versorgung an Stabilität verliert? Dort geht es um spezialisierte Herstellung und regionale Nähe, hier um die tägliche Belieferung der Apotheken. In beiden Fällen steht hinter einer wirtschaftlichen Veränderung eine praktische Konsequenz für den Versorgungsalltag.
Während Politik, Hersteller, Großhandel und Apotheken über diese Infrastruktur ringen, entsteht an anderer Stelle bereits eine ganz andere Form gesundheitlicher Versorgung. Dort verändert sich nicht der Weg des Arzneimittels zur Apotheke, sondern der Ort, an dem Menschen medizinische Leistungen erhalten.
CubeDoc bringt Telemedizin in Edeka-Märkte, Diagnostik zieht in Gesundheitswürfel, Apotheken bekommen neue Nachbarschaft
Ab Januar 2027 sollen in einem E-Center in Überlingen am Bodensee und im Marktkauf Ostfildern Gesundheitswürfel des Unternehmens CubeDoc stehen. Die etwa 1,5 mal 1,5 Meter großen Kabinen verbinden telemedizinische ärztliche Beratung mit diagnostischen Möglichkeiten. Herz-Kreislauf-Checks, Lungenfunktionstests und Basis-Laboranalysen sollen dort möglich sein. Erhobene Vitaldaten und Laborwerte werden digital in Echtzeit an einen Arzt übertragen, der sie für Analyse, Diagnose und Behandlung nutzen kann.
Telemedizin verlässt damit den Bildschirm zu Hause und bekommt einen sichtbaren Ort mitten im Alltag. Wer zum Einkaufen geht, trifft im selben Gebäude auf eine technisch ausgestattete Gesundheitskabine. Die Schwelle zwischen gewöhnlichem Lebensumfeld und medizinischer Versorgung wird kleiner.
CubeDoc hat solche Systeme bereits in Seniorenpflege- und Wohnheimen installiert. Mit den geplanten Standorten im Lebensmitteleinzelhandel verändert sich jedoch die Reichweite. Die Kabine richtet sich nicht mehr an eine klar abgegrenzte Einrichtung, sondern potenziell an jeden Kunden des Marktes.
Für Apotheken entsteht daraus eine konkrete Abgrenzungsfrage. Auch für sie ist assistierte Telemedizin als mögliche Versorgungsleistung relevant. Wenn gleichzeitig unassistierte oder weitgehend technisch geführte telemedizinische Angebote im Einzelhandel entstehen, treffen unterschiedliche Modelle aufeinander. Offen bleibt dabei, wer die Leistungen im Markt finanziert und wie viele Ärztinnen und Ärzte tatsächlich für telemedizinische Sprechstunden zur Verfügung stehen können.
Die Entwicklung zeigt, dass niedrigschwellige Gesundheitsangebote nicht mehr automatisch an klassische medizinische Orte gebunden sind. Genau darin liegt allerdings auch eine Chance, die Apotheken selbst längst nutzen. Beim Impfen zeigt sich bereits, dass ein leicht erreichbarer Versorgungsort Menschen erreichen kann, die andere Wege möglicherweise nicht gehen.
Grippeimpfungen gehen zurück, Apotheken erreichen zusätzliche Menschen, niedrigschwellige Versorgung gewinnt an Bedeutung
In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Grippeimpfungen in den vergangenen Saisons deutlich zurückgegangen. Daten des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts zeigen diese Entwicklung; eine eindeutige Erklärung für den Rückgang gibt es nicht. Gerade deshalb bekommt die Frage Gewicht, wie Menschen leichter für eine Schutzimpfung erreicht werden können.
Apotheken bieten dafür einen zusätzlichen Zugang. Anders als eine Arztpraxis mit Termin oder Voranmeldung sind sie für viele Menschen ohnehin Teil des Alltags. Wer Medikamente abholt oder sich beraten lässt, kann dort unmittelbar auf das Impfangebot aufmerksam werden. Niedrigschwellig bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: weniger organisatorische Hürden zwischen Impfentscheidung und tatsächlicher Impfung.
Die Entwicklung in Sachsen-Anhalt liefert dafür einen bemerkenswerten Kontrast. Während die Grippeimpfungen insgesamt zurückgingen, stieg die Zahl der Impfungen in Apotheken kontinuierlich. Das beweist nicht, dass Apotheken allein den allgemeinen Rückgang umkehren können. Es zeigt aber, dass sie zusätzliche Menschen erreichen und damit einen eigenen Beitrag zur Impfversorgung leisten können.
Der Versorgungsort wird dadurch erneut zum entscheidenden Faktor. Bei CubeDoc zieht Telemedizin in den Supermarkt. Beim Impfen erweitert die Apotheke ihr klassisches Tätigkeitsfeld um eine präventive Leistung. In beiden Fällen geht es darum, medizinische Angebote näher an den Alltag der Menschen zu bringen.
Bei den Apotheken bleibt diese Entwicklung allerdings nicht auf einzelne Betriebe beschränkt. Die ABDA versucht inzwischen, das Impfen offensiv als sichtbare Leistung des Berufsstands zu etablieren. Damit wird aus einer wachsenden Versorgungspraxis eine berufspolitische Position.
ABDA wirbt fürs Impfen, fast 220.000 Menschen nutzen Apotheken, der Konflikt um Zuständigkeiten wird schärfer
„Mit dem gelben Heft zum roten A? Bei euch piekt’s wohl!“ Mit diesem bewusst augenzwinkernden Motto wirbt die ABDA für Impfungen in Apotheken. Die Kampagne soll das Angebot bekannter machen und mehr Apotheken motivieren, selbst Impfungen anzubieten.
Die Zahlen liefern der Kampagne eine praktische Grundlage. In der vergangenen Impfsaison wurden fast 220.000 Menschen in Apotheken geimpft – etwa doppelt so viele wie zuvor. ABDA-Präsident Thomas Preis erwartet, dass die Zahl der impfenden Apotheken weiter steigen wird. Für die Betriebe stellt die ABDA Kampagnenmaterial zur Verfügung.
Damit wächst nicht nur die Zahl einer einzelnen pharmazeutischen Dienstleistung. Das Berufsbild selbst verschiebt sich sichtbar. Die Apotheke bleibt Ort der Arzneimittelversorgung und Beratung, übernimmt aber zugleich Aufgaben, die früher wesentlich eindeutiger anderen Bereichen des Gesundheitswesens zugerechnet wurden.
Genau deshalb ist das Impfen politisch umkämpft. Teile der Ärzteschaft wenden sich gegen Impfungen in Apotheken, während die ABDA demonstrativ für das Angebot wirbt. Hinter dem Streit steht eine größere Frage: Welche Leistungen sollen Apotheken künftig eigenständig übernehmen und wie werden Zuständigkeiten zwischen den Gesundheitsberufen verteilt?
Die tatsächliche Nutzung durch fast 220.000 Menschen gibt dieser Auseinandersetzung zusätzliches Gewicht. Es handelt sich nicht mehr um ein theoretisches Zukunftsmodell. Die Leistung ist im Versorgungsgeschehen angekommen.
Und sie bleibt nicht die einzige Aufgabe, bei der Apotheken stärker in die direkte gesundheitliche Betreuung einbezogen werden sollen. Auch bei der Arzneimitteltherapie zeichnet sich eine Entwicklung ab, bei der aus einem vorhandenen pharmazeutischen Angebot ein stärker gelenkter Zugang werden könnte.
Krankenkassen könnten Beratung empfehlen, die Bundesregierung unterstützt den Vorstoß, Medikationsanalysen gewinnen an Gewicht
Krankenkassen könnten Versicherte künftig gezielt auf pharmazeutische Beratung aufmerksam machen. Die Bundesregierung unterstützt einen entsprechenden Vorschlag des Bundesrats. Im Mittelpunkt steht eine Leistung, die bereits existiert: die pharmazeutische Dienstleistung zur Medikationsanalyse.
Der Bundesrat verweist darauf, dass damit bereits ein geeignetes Unterstützungsangebot zur Verfügung steht. Die Bundesregierung hält die Idee einer Empfehlung durch Krankenkassen für sinnvoll, um schwerwiegende Gesundheitsgefährdungen erkennen zu können, die durch eine Arzneimitteltherapie entstehen können.
Der Unterschied zur bisherigen Situation liegt damit weniger in einer neuen pharmazeutischen Leistung als im Zugang zu ihr. Eine Medikationsanalyse kann vorhanden sein, ohne dass alle anspruchsberechtigten oder geeigneten Patientinnen und Patienten sie kennen oder nutzen. Wenn Krankenkassen aktiv darauf hinweisen dürfen, verändert sich die Rolle des Angebots. Es wartet nicht mehr ausschließlich darauf, entdeckt zu werden, sondern könnte gezielt in Richtung der Versicherten vermittelt werden.
Für Apotheken wäre das eine weitere Stärkung ihrer Rolle in der unmittelbaren Patientenversorgung. Nach Impfungen tritt damit erneut eine Leistung in den Vordergrund, bei der pharmazeutische Kompetenz nicht erst bei der Abgabe eines Arzneimittels endet. Die Apotheke wird stärker zum Ort, an dem Arzneimitteltherapie begleitet, überprüft und auf mögliche Probleme untersucht wird.
Ob daraus tatsächlich eine spürbare Veränderung entsteht, hängt jedoch vom weiteren Gesetzgebungsverfahren und von der späteren praktischen Nutzung ab. Auch die Honorierung bleibt für die Apotheken relevant. Eine politisch gewünschte Leistung muss wirtschaftlich tragfähig sein, wenn sie dauerhaft in der Fläche angeboten werden soll.
Die Richtung ist dennoch erkennbar: Bestehende pharmazeutische Dienstleistungen sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden. Doch zwischen einem vorhandenen Angebot und seiner tatsächlichen Nutzung kann eine erhebliche Lücke liegen. Genau das zeigt derzeit ein anderes Großprojekt des Gesundheitswesens.
Millionen Dokumente füllen die ePA, nur wenige Versicherte nutzen sie aktiv, der digitale Durchbruch bleibt aus
Seit einem Jahr sind Leistungserbringer verpflichtet, die elektronische Patientenakte ihrer Patientinnen und Patienten zu befüllen. Auf den ersten Blick entstehen dabei beeindruckende Mengen: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden wöchentlich rund drei Millionen Dokumente hochgeladen. Mehr als 35 Millionen digital gespeicherte Listen mit verschriebenen Arzneimitteln wurden geöffnet.
Doch die Menge gespeicherter Informationen sagt wenig darüber aus, wie stark die ePA im Alltag der Versicherten tatsächlich angekommen ist. Für rund 73 Millionen gesetzlich Versicherte wurde eine elektronische Patientenakte angelegt. Sieben Prozent haben widersprochen. Aktiv registriert und tatsächlich genutzt wird die ePA dagegen nur von etwa fünf Millionen Versicherten.
Zwischen technischer Existenz und aktiver Nutzung liegt damit eine große Lücke. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung besitzt zwar eine Akte, beschäftigt sich aber offenbar kaum mit ihr. Als Hürden gelten weiterhin Anmeldung und Registrierung. Hinzu kommt die Frage, wie verständlich Krankenkassen und Bundesgesundheitsministerium Nutzen und Möglichkeiten der ePA kommunizieren.
Auch technische Probleme belasten den Durchbruch. Das Potenzial der elektronischen Patientenakte ist damit nicht verschwunden. Die Infrastruktur wächst, Dokumente werden eingestellt und Arzneimittelinformationen digital verfügbar. Doch eine digitale Versorgungsstruktur erfüllt ihren Zweck nicht allein dadurch, dass sie technisch vorhanden ist. Sie muss von den Menschen angenommen und praktisch genutzt werden.
Damit schließt sich eine Verbindung zu den vorherigen Themen. Impfangebote in Apotheken gewinnen durch niedrige Zugangshürden. Pharmazeutische Dienstleistungen könnten durch aktive Empfehlungen der Krankenkassen sichtbarer werden. Die ePA zeigt die Gegenprobe: Ein großflächig bereitgestelltes Instrument entfaltet noch keine entsprechende Wirkung, wenn Zugang, Kommunikation und Nutzung nicht zusammenfinden.
Am Ende dieses Flows steht deshalb kein weiteres neues Versorgungsmodell. Der Blick richtet sich vielmehr auf eine ältere und grundsätzlichere Frage: Was geschieht, wenn gesundheitsbezogene Produkte längst im Alltag der Verbraucher angekommen sind, die Anforderungen an ihre Qualität aber nicht mit ihrer Wahrnehmung Schritt halten?
Botanicals sehen Arzneimitteln ähnlich, Qualitätsnachweise bleiben begrenzt, Fachleute verlangen strengere Regeln
Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel können äußerlich den Eindruck eines Arzneimittels vermitteln. Verpackung, Inhaltsstoffe und gesundheitliche Erwartungen rücken manche Botanicals in die Nähe pharmazeutischer Produkte. Rechtlich gehören sie jedoch zum Lebensmittelbereich. Genau aus dieser Differenz entsteht der Konflikt, auf den Fachleute aufmerksam machen.
Zu den Kritikern gehören unter anderem die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft und der Münsteraner Pharmazieprofessor Andreas Hensel, Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie und Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster. Die Experten verlangen politische Konsequenzen und wollen die aus ihrer Sicht unzureichend geregelte Situation im Interesse des Verbraucherschutzes verändern.
Der zentrale Unterschied liegt bei den Anforderungen vor dem Marktzugang. Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen kein Arzneimittel-Zulassungsverfahren. Identität, Reinheit und Gehalt wirksamer Bestandteile müssen deshalb nicht auf dieselbe Weise nachgewiesen werden. Hersteller müssen ihre Produkte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registrieren.
Gerade diese Konstruktion sehen die Fachleute kritisch. Immer wieder gebe es Probleme bei Qualität und Deklaration. Hensel warnt davor, dass bestehende Lücken von Herstellern genutzt werden können, ohne Nahrungsergänzungsmittel deshalb pauschal abzuwerten.
Die Forderung richtet sich deshalb auf konkretere gesetzliche Vorgaben. Hersteller und Vertriebsunternehmen sollen bereits bei der Anmeldung korrekte und verständliche Informationen liefern müssen. Aus einer Debatte über einzelne Produkte wird damit eine Regulierungsfrage: Welche Nachweise müssen verlangt werden, wenn Produkte gesundheitlich wahrgenommen und entsprechend genutzt werden?
Nach Ausschreibungen, Lieferwegen, neuen Versorgungsorten, Impfangeboten, pharmazeutischen Dienstleistungen und digitaler Infrastruktur endet die Bewegung damit bei einer elementaren Voraussetzung des Gesundheitsmarktes: Vertrauen braucht nachvollziehbare Qualität. Je stärker sich Versorgung erweitert und je mehr Angebote Menschen unmittelbar erreichen, desto wichtiger wird die Frage, auf welcher belastbaren Grundlage Entscheidungen getroffen werden können.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Was in dieser Woche zunächst wie eine Folge sehr unterschiedlicher Apotheken-Themen wirkt, zieht bei genauerem Hinsehen eine gemeinsame Bewegung durch Versorgung, Politik und Alltag. Ausschreibungen können gewachsene Strukturen ausdünnen, Direktvertrieb kann etablierte Lieferwege aufbrechen und Telemedizin kann medizinische Leistungen an Orte bringen, die bislang nicht zur klassischen Gesundheitsversorgung gehörten. Gleichzeitig zeigen Impfungen und Medikationsanalysen, dass auch Apotheken selbst neue Wege besetzen können. Die ePA macht sichtbar, dass technische Reichweite ohne tatsächliche Nutzung unvollständig bleibt, während die Debatte über Botanicals daran erinnert, dass Nähe und Verfügbarkeit nur dann Vertrauen tragen, wenn Qualität nachvollziehbar gesichert ist. Aus acht Stoffräumen entsteht damit kein Nebeneinander, sondern eine gemeinsame Verschiebung: Versorgung wird neu verteilt, und mit jeder Verschiebung wächst die Bedeutung klarer Verantwortung.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt.
Denn hinter den einzelnen Bewegungen dieser Woche steht dieselbe entscheidende Frage: Wer schafft Nähe, ohne Verlässlichkeit zu verlieren? Für Apotheken liegt die Antwort nicht darin, jede neue Struktur nachzuahmen, sondern ihre pharmazeutische Kompetenz dort wirksam zu machen, wo Versorgung neu organisiert wird. Je stärker Gesundheitsangebote, digitale Systeme und neue Marktmodelle ineinandergreifen, desto wertvoller wird ein Ort, an dem Erreichbarkeit, fachliche Einordnung und überprüfbare Qualität zusammenkommen.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Mittelpunkt dieser Wochenausgabe stehen Versorgungsstrukturen, neue Gesundheitszugänge, pharmazeutische Aufgaben, Digitalisierung und Qualitätsanforderungen und ihre Folgen für den Apothekenalltag.
Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.
Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.
Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.
Mit der ApoRisk® FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.