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  • 09.06.2026 – Apotheken-Themen von heute zeigen, wie Blackout-Risiken sichtbar werden, Telemedizin neue Strukturen verlangt und Sparpolitik den Druck erhöht.
    09.06.2026 – Apotheken-Themen von heute zeigen, wie Blackout-Risiken sichtbar werden, Telemedizin neue Strukturen verlangt und Sparpolitik den Druck erhöht.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Apotheken-Nachrichten zeigen, warum Blackout, Telemedizin, pDL und Sparpolitik die Belastbarkeit der Vor-Ort-Apotheke prüfen.

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Themen von heute zeigen, wie Blackout-Risiken sichtbar werden, Telemedizin neue Strukturen verlangt und Sparpolitik den Druck erhöht.

 

Wenn Stromausfall, neue Digitalpflichten und Kostendruck zusammentreffen, entscheidet sich, ob Apotheken mehr Aufgaben wirklich tragen können.

Stand: Dienstag, 09. Juni 2026, um 21:30 Uhr

Apotheken-Themen: Bericht von heute

Manchmal zeigt ein Ausfall mehr als ein Gesetz. In Reutlingen reicht ein Brand im Umspannwerk, und plötzlich wird sichtbar, was Apotheken im Normalbetrieb unsichtbar zusammenhalten: Kühlketten, Patientenwege, digitale Systeme, Versicherungsfragen und improvisierte Versorgung. Gleichzeitig rückt die assistierte Telemedizin neue Technik-, Datenschutz- und Dokumentationspflichten in die Offizin, während pDL, Prävention und Sparpolitik den ambulanten Bereich weiter belasten. Diese Themen gehören zusammen, weil sie dieselbe Frage stellen: Wie viel zusätzliche Verantwortung kann die Apotheke tragen, wenn ihre eigene Belastbarkeit nicht mitwächst?

 

Der Tag beginnt nicht mit einer Reform, sondern mit einem Ausfall. In Reutlingen brennt ein Umspannwerk, der Strom bricht weg, Apotheken stehen ohne Telefon, ohne verlässliche Information und mit gefährdeter Kühlware da. Genau dieser Moment zeigt, wie dünn die Linie zwischen Normalbetrieb und Versorgungsrisiko geworden ist. Eine Apotheke ist in solchen Stunden kein Verkaufsraum ohne Licht. Sie ist Arzneimittellager, Beratungsort, Notdienstpunkt, Schnittstelle zur Pflege, Verbindung zu Praxen und Verantwortungsstelle für Ware, die nicht einfach warten kann, bis irgendwo eine offizielle Entwarnung erscheint.

Kühlware ist dabei der härteste Prüfstein. Hochpreiser, Impfstoffe, Insulin, Biologika oder Hyposensibilisierungslösungen hängen an Temperaturfenstern, Zeitverläufen, Stabilitätsdaten und Herstellerfreigaben. Wenn die Temperatur steigt, entsteht nicht nur die Frage, ob ein Kühlschrank wieder heruntergekühlt werden kann. Es geht um Verwendbarkeit, Haftung, Dokumentation, Patientenversorgung und Liquidität. Eine Temperaturabweichung kann pharmazeutisch relevant, wirtschaftlich schmerzhaft und organisatorisch aufwendig werden. Dass in Reutlingen Hersteller einzeln angefragt werden mussten, zeigt die reale Arbeit nach dem Stromausfall: Ware sichern, Temperaturverlauf prüfen, Fachinformationen heranziehen, Freigaben einholen, Patienten informieren.

Der Zusammenhalt der Nachbarschaft war stark. Menschen boten Hilfe an, eine Mitarbeiterin brachte ein privates Notstromgerät. Doch genau darin liegt auch die Warnung. Ein Apothekenbetrieb darf nicht darauf angewiesen sein, dass in der entscheidenden Stunde ein privates Aggregat verfügbar ist. Improvisation kann retten, sie darf aber nicht die Betriebsstrategie ersetzen. Wer Kühlgut führt, braucht vorbereitete Abläufe: Notstromkonzept, Temperaturmonitoring, Zuständigkeiten, Quarantäneregeln, Herstellerkontakte, Dokumentationsvorlagen, Versicherungsprüfung und einen Plan für eingeschränkten Betrieb. Blackout-Vorsorge ist keine theoretische Katastrophenübung. Sie gehört in die tägliche Risikoführung einer Apotheke.

Dazu gehört zwingend der Versicherungsschutz. Eine Kühlgutversicherung ist kein dekorativer Zusatz, sondern Schutz gegen ein realistisches Schadenbild. Entscheidend ist nicht nur, ob Waren irgendwie mitversichert sind. Entscheidend ist, ob Kühlgut ausdrücklich erfasst ist, ob Stromausfall und Netzausfall gelten, ob Betriebsunterbrechung abgedeckt ist, welche Nachweise verlangt werden und welche Versicherungssumme tatsächlich trägt. Wenn am Markt Deckungen bis 5 Millionen Euro als beitragsfreier Einschluss in umfassenden Konzepten möglich sind, wird daraus ein Prüfmaßstab. Apotheken mit Hochpreisern, Impfstoffen und sensibler Kühlware müssen wissen, ob ihre Police den Ernstfall wirklich abbildet.

Noch schärfer wird der Fall, wenn die mögliche Brandstiftung als Infrastrukturangriff gelesen wird. Dann ist der Stromausfall nicht nur ein technischer Defekt, sondern ein Vorgang, der zeigt, wie verwundbar Gesundheitsversorgung wird, wenn Energie, Kommunikation und Kühlung gleichzeitig ausfallen. Apotheken gehören zwar selten zur ersten politischen KRITIS-Erzählung, aber ihr Ausfall trifft Patienten unmittelbar: Arzneimittel lassen sich nicht prüfen, digitale Systeme stehen, Kühlgut verliert Sicherheit, Notdienst wird schwieriger, Pflege- und Praxisabstimmung bricht ab. Wer Apotheken in Krisenplänen nur als normale Gewerbebetriebe behandelt, unterschätzt ihren Versorgungswert.

Diese KRITIS-Nähe führt direkt zur Frage der Versicherbarkeit. Nicht jedes Infrastrukturrisiko lässt sich durch eine Police auflösen. Versicherung ersetzt weder Notstrom noch Temperaturüberwachung noch betriebliche Notfallkompetenz. Aber sie entscheidet, ob ein Schadenfall wirtschaftlich verkraftbar bleibt. Gerade deshalb müssen Apotheken nicht nur fragen, ob Kühlgut versichert ist, sondern auch, wie ein Schaden durch externen Netzausfall, Sabotageverdacht, behördliche Einschränkung, verzögerte Wiederherstellung oder Betriebsunterbrechung bewertet wird. Je komplexer die Störung, desto wichtiger wird der Bedingungstext.

Während Reutlingen die Verwundbarkeit der Infrastruktur zeigt, schiebt die assistierte Telemedizin die Apotheke in eine neue digitale Rolle. Ab Juli sollen Apotheken Versicherte bei telemedizinischen Leistungen unterstützen: strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren, Videosprechstunde oder eine Kombination aus beidem. Auf dem Papier klingt das wie ein neues Serviceangebot. Tatsächlich wird die Apotheke damit Betreiberin eines kleinen, abgeschirmten digitalen Versorgungsraums. Datenschutz, Raumtrennung, Technik, Netzwerksegmentierung, gesicherter Browser, gesperrte USB-Anschlüsse, Wartung und Dokumentation werden Teil einer Leistung, die deutlich mehr verlangt als einen Computer in die Ecke zu stellen.

Die Vergütung zeigt zugleich die bekannte Spannung. Zum Start sind 30 Euro vorgesehen, danach sinkt die Pauschale schrittweise bis auf 21,50 Euro. Neue Aufgaben werden also eingeführt, während die künftige Vergütung bereits nach unten geschrieben ist. Für Apotheken stellt sich deshalb nicht nur die Frage, ob assistierte Telemedizin fachlich sinnvoll ist. Entscheidend wird, ob sie wirtschaftlich tragfähig betrieben werden kann. Raum, Technik, Personal, Datenschutz, Dokumentation, Sonderbeleg, Abrechnung und tatsächliche Nachfrage müssen zusammenpassen. Sonst entsteht erneut ein Muster, das Apotheken gut kennen: Versorgungspolitisch gewünscht, betrieblich aber knapp kalkuliert.

Die Anforderungen machen diese Leistung besonders empfindlich. Die versicherte Person soll während der Videosprechstunde allein im Raum sein und die Technik selbst bedienen. Gleichzeitig muss die Apotheke sicherstellen, dass kein Zugriff auf Warenwirtschaft, E-Rezept-Anwendungen oder personenbezogene Daten anderer Personen möglich ist. Der Telemedizin-Rechner soll außerhalb des regulären Apothekennetzwerks laufen. Das ist eine klare Botschaft: Wer diese Leistung anbietet, übernimmt Verantwortung für eine digitale Schutzarchitektur. Damit wird die Apotheke nicht nur Ort der Hilfe, sondern auch Garantin dafür, dass die Hilfe datensicher bleibt.

Daraus entsteht eine Haftungszone, die im politischen Versprechen leicht untergeht. Die Apotheke stellt Technik, Raum und abgesicherte Umgebung bereit, ohne selbst ärztlich zu behandeln. Trotzdem trägt sie Verantwortung für Datenschutz, Zugriffsvermeidung, Wartung, Dokumentation und störungsarme Durchführung. Wenn die Verbindung abbricht, ein Gerät falsch konfiguriert ist, Daten sichtbar werden oder Versicherte nicht selbstständig zurechtkommen, wird aus einer Hilfestellung schnell ein Grenzfall zwischen Service, Technikbetrieb und Organisationsverschulden. aTM wird deshalb nur dort sauber funktionieren, wo der Prozess enger geführt wird als die Vergütung vermuten lässt.

Auch die Vereinbarung mit den Versicherten zeigt, wie stark der Prozess formalisiert ist. Anspruchsvoraussetzungen müssen bestätigt, Versicherungsverhältnisse geprüft, Vereinbarungen unterschrieben und vier Jahre aufbewahrt werden. Die Apotheke trägt zwar nicht die Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben der Versicherten, aber sie muss den Rahmen sauber führen. Das ist typisch für die neue Rolle der Apotheke: Sie soll niedrigschwellig helfen, aber in einem Geflecht aus Signatur, Datenschutz, Abrechnung, Nachweis und Aufbewahrung handeln. Jede neue Aufgabe kommt mit einer eigenen Dokumentationsspur.

Die pharmazeutischen Dienstleistungen bewegen sich in dieselbe Richtung. Die Apotheke soll stärker in Prävention, Arzneimitteltherapiesicherheit und Primärversorgung hineinwachsen. Neue pDL wie Injektionstraining, Tabakprävention, risikoadaptierte Messungen, Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiko sowie Medikationsmanagement zeigen, wohin die Reformlinie führt. Die Apotheke wird nicht kleiner gedacht, sondern breiter. Sie soll beraten, messen, vorbeugen, strukturieren und Therapien begleiten. Gerade darin liegt ihre Chance gegenüber Versandhandel und Drogeriemodellen: Nicht die Packung unterscheidet die Vor-Ort-Apotheke, sondern die Fähigkeit, aus einem Arzneimittelkontakt einen Versorgungskontakt zu machen.

Das Problem liegt in der Wahrnehmung. Viele Menschen wissen weiterhin nicht, welche pDL Apotheken anbieten. Damit bleibt eine Leistung unsichtbar, obwohl sie fachlich zur Kernkompetenz passt. Erfolgreich werden Apotheken sein, die pDL nicht als Zusatztermin am Rand behandeln, sondern systematisch in Beratungsgespräche integrieren. Wer ohnehin nach Anwendung, Problemen, Dauermedikation oder Risikofaktoren fragt, kann niedrigschwellig über passende Leistungen sprechen. Dafür braucht es Prozesse, Teamroutine, digitale Hinweise in der Warenwirtschaft, Verantwortliche im Betrieb und eine Kommunikation, die Patienten nicht bedrängt, sondern den Nutzen verständlich macht.

Aber auch hier reicht der fachliche Anspruch allein nicht. pDL brauchen Personalzeit, Räume, Schulung, Dokumentation und eine klare interne Rollenverteilung. Wenn Leistungen zwar politisch gewünscht, aber im Betrieb nur zwischen Rezeptstapel, Lieferengpass und Personallücke eingeklemmt werden, entsteht keine Versorgungsqualität. Dann wird aus einer Chance zusätzlicher Prozessdruck. Die Frage ist deshalb nicht nur, welche pDL kommen, sondern ob Apotheken die Refinanzierung, die Delegationsgrenzen und die Teamorganisation so lösen können, dass aus dem Angebot keine Überforderung wird.

Parallel dazu protestieren Arztpraxen gegen das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. In Berlin und Baden-Württemberg sollen Praxen schließen, Fortbildungen und Aktionstage sollen zeigen, was Kürzungen im ambulanten Bereich bedeuten könnten. Bemerkenswert ist die Nähe der Argumente zu den Apotheken. Auch die Ärzteseite spricht von steigenden Aufgaben, Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Druck, nicht bezahlten Leistungen, längeren Wartezeiten und gefährdeter Versorgung. Damit verschiebt sich die Konfliktlinie. Es stehen nicht mehr nur einzelne Berufsgruppen mit Einzelinteressen im Raum. Immer deutlicher geraten ambulante Leistungserbringer gemeinsam unter Druck, während Kostenträger und Politik Ausgaben stabilisieren wollen.

Diese Parallelität ist politisch wichtig. Apotheken und Praxen streiten an anderer Stelle um Kompetenzen, Telemedizin, pDL oder Primärversorgung. Aber beim wirtschaftlichen Druck liegt eine gemeinsame Erfahrung. Mehr Aufgaben, höhere Anforderungen, weniger Spielraum. Wenn Praxen schließen, spüren Patienten sofort, was eingeschränkte ambulante Versorgung bedeutet. Wenn Apotheken schließen oder Leistungen nicht tragen können, geschieht Ähnliches leiser, aber nicht weniger wirksam. Der ambulante Bereich wird an mehreren Stellen enger. Wer dort gleichzeitig sparen und ausbauen will, erzeugt einen Widerspruch, der irgendwann im Alltag der Patienten sichtbar wird.

Der Streit um die Pharmaindustrie und die Kassen verschärft diese Verteilungslage. Die Kassen warnen davor, vor der Pharma-Lobby einzuknicken, verweisen auf Rekordausgaben und Rekordgewinne einzelner Hersteller. Die Industrie warnt vor Investitionsrückgang, Standortnachteilen und Abwanderung. Auch hier ist der Kern derselbe: Alle wissen, dass das System finanziell unter Druck steht. Der Streit dreht sich darum, wer die Last trägt. Hersteller, Ärzte, Apotheken, Beitragszahler, Staat oder Kassen. Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird damit zum Verteilungskampf, in dem jeder Akteur Versorgungssicherheit für sich reklamiert und Belastung abwehren will.

Für Apotheken ist diese Debatte doppelt relevant. Einerseits werden sie selbst über Abschläge und Vergütungsfragen belastet. Andererseits sind sie von der Arzneimittelpreispolitik indirekt betroffen, weil Hochpreiser, Lieferfähigkeit, Erstattung, Liquidität und Patientenversorgung in der Offizin zusammenlaufen. Wenn die Politik Hersteller stärker heranzieht, kann das auf Investitionen, Markteinführungen und Lieferstrategien zurückwirken. Wenn sie es nicht tut, steigen Ausgaben und Kostendruck an anderer Stelle. Apotheken stehen dort, wo diese abstrakten Finanzentscheidungen praktisch werden: am Rezept, am Lager, am Patienten, an der Abrechnung.

Die Machtverschiebung liegt darin, dass Kassen ihre Rolle immer offensiver als Stabilitätsinstanz der Beitragszahler auslegen, während Leistungserbringer und Hersteller mit Versorgung, Innovation und Standort argumentieren. Für Apotheken ist das gefährlich, weil sie zwischen beiden Seiten kaum eigene Preissetzungsmacht haben. Sie tragen Versorgung, aber entscheiden weder Arzneimittelpreise noch GKV-Finanzierung. Deshalb wird ihre politische Vertretung nur dann wirksam, wenn sie nicht im Schatten der größeren Akteure verschwindet, sondern die eigene Systemleistung klar abgrenzt: Apotheken sind nicht Pharmaindustrie, aber sie tragen deren Produkte in die Versorgung. Sie sind nicht Arztpraxis, aber sie stabilisieren den ambulanten Alltag. Sie sind nicht Kasse, aber sie fangen die Folgen der Kassenlogik vor Ort auf.

Die Leipziger Lebensstil- und Kognitionsdaten bringen eine andere, aber anschlussfähige Bewegung hinein. Prävention beginnt offenbar deutlich früher, als viele glauben. Schon bei jungen Erwachsenen zeigen sich Zusammenhänge zwischen ungesundem Lebensstil und geringerer kognitiver Leistungsfähigkeit. Rauchen, Bewegungsmangel, depressive Symptome, später Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Fettstoffwechselstörungen verschieben Demenzprävention zeitlich nach vorn. Das ist keine reine Wissenschaftsmeldung. Es ist ein Signal an die Versorgung: Wer Prävention erst im Alter ernst nimmt, kommt zu spät.

Für Apotheken öffnet sich hier ein starkes Feld. Viele der relevanten Risikofaktoren liegen genau dort, wo Apotheken bereits heute ansprechbar sind: Raucherentwöhnung, Blutdruck, Diabetesrisiko, Adipositas, Arzneimitteltherapie, Bewegung, Präventionsgespräche, pDL. Wenn Reformen neue Risikomessungen und Kurzinterventionen ermöglichen, geht es nicht nur um einzelne Leistungen. Es geht um einen früheren Zugang zu Gesundheitsnavigation. Die Apotheke kann ein Ort sein, an dem Prävention nicht als abstrakter Appell erscheint, sondern als konkreter Gesprächsanlass. Das ist besonders wichtig für Menschen, die selten zum Arzt gehen oder für die niedrigschwellige Ansprache entscheidend ist.

So entsteht aus den acht Themen ein gemeinsames Bild. Die Apotheke wird gleichzeitig verletzlicher und wichtiger. Verletzlicher, weil Stromausfälle, digitale Anforderungen, Dokumentationslast, Vergütungsdruck, Spargesetze und Versicherungslücken den Betrieb belasten. Wichtiger, weil genau diese Gesellschaft mehr niedrigschwellige Orte braucht, an denen Versorgung geordnet, Risiken erklärt, Prävention angestoßen und Patienten praktisch begleitet werden. Der Widerspruch ist offensichtlich: Das System erweitert die Aufgaben der Apotheken, während es ihre wirtschaftliche und technische Belastbarkeit immer härter prüft.

Der Blackout liefert dafür das stärkste Bild. Wenn der Strom ausfällt, sieht man sofort, ob der Betrieb vorbereitet ist. Bei Telemedizin sieht man es langsamer, aber genauso deutlich: Ist der Raum geeignet, die Technik getrennt, der Datenschutz sauber, die Abrechnung beherrschbar? Bei pDL zeigt es sich im Team: Werden Leistungen verstanden, angeboten, dokumentiert und in den Alltag eingebaut? Bei Spargesetzen zeigt es sich in der Struktur: Bleiben genügend Leistungserbringer, um Versorgung tatsächlich zu tragen? Bei Prävention zeigt es sich in der Frage, ob Apotheken die Chance nutzen, bevor Krankheit teuer und schwerer beeinflussbar wird.

Für Apothekenbetreiber ist die Folgerung klar. Die Zukunft der Apotheke wird nicht nur über Honorare entschieden, sondern über Belastbarkeit. Ein Betrieb muss fachlich stark, technisch vorbereitet, wirtschaftlich abgesichert, kommunikativ sichtbar und prozessual sauber sein. Notstrom, Kühlgutversicherung, Betriebsunterbrechungsschutz, Telemedizin-IT, pDL-Prozesse, Präventionsansprache und politische Argumentationsfähigkeit gehören enger zusammen, als es im Alltag scheint. Sie alle beantworten dieselbe Frage: Kann die Apotheke auch dann Versorgung sichern, wenn der Normalbetrieb nicht mehr selbstverständlich trägt?

Genau deshalb darf dieser Tag nicht als Sammlung einzelner Nachrichten gelesen werden. Reutlingen zeigt die Infrastrukturfrage. Assistierte Telemedizin zeigt die digitale Rollenverschiebung. pDL zeigen die Präventionschance. Praxisschließungen zeigen den Druck auf den ambulanten Bereich. Der Kassen-Pharma-Streit zeigt den Verteilungskampf. Die Lebensstilstudie zeigt, dass Prävention früh beginnen muss. Zusammen entsteht eine Versorgungslage, in der Apotheken nicht weniger, sondern mehr gebraucht werden. Aber sie werden nur dann mehr leisten können, wenn ihre eigene Resilienz nicht weiter als Selbstverständlichkeit behandelt wird.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Der Blackout liefert das stärkste Bild dieses Tages, weil er in wenigen Stunden sichtbar macht, was sonst im Hintergrund liegt: Apotheken funktionieren nur, wenn Energie, Kommunikation, Kühlung, Dokumentation und Versicherungsschutz zusammenhalten. Kühlware, Hochpreiser, Impfstoffe und Insulin lassen sich nicht mit gutem Willen sichern. Sie brauchen Notfallpläne, Temperaturdaten, Herstellerfreigaben, Notstrom und eine Police, die den Schadenfall wirklich trägt.

Die assistierte Telemedizin verschiebt dieselbe Frage in den digitalen Raum. Apotheken sollen helfen, Technik bereitstellen, Datenschutz sichern, Vereinbarungen dokumentieren und Leistungen abrechnen, während die Vergütung bereits stufenweise sinkt. pDL und Prävention erweitern den Versorgungsauftrag zusätzlich. Gleichzeitig protestieren Praxen gegen Spargesetze, Kassen und Pharmaindustrie streiten um Milliarden, und neue Lebensstildaten zeigen, dass Prävention viel früher beginnen muss. Aus all dem entsteht ein harter Zusammenhang: Apotheken werden wichtiger, aber auch verletzlicher.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt.

Die Apotheke der kommenden Jahre wird nicht nur daran gemessen, ob sie Arzneimittel abgibt. Sie wird daran gemessen, ob sie unter Druck funktionsfähig bleibt: bei Stromausfall, bei Kühlkettenrisiken, bei Telemedizin, bei Prävention, bei Sparpolitik und bei steigender Erwartung an den ambulanten Bereich. Wer Apotheken neue Aufgaben gibt, muss ihre Resilienz mitdenken. Sonst wächst der Auftrag schneller als die Struktur, die ihn tragen soll.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Maßgeblich ist heute, wie Blackout, Telemedizin, pDL, Sparpolitik und Prävention die Apotheke als belastbare Versorgungsstruktur neu vermessen.

 

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