Für Sie gelesen
Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Montag, 11. Mai 2026, um 18:46 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Der Vorstoß von dm-Chef Christoph Werner wirkt auf den ersten Blick wie ein Plädoyer für Tempo, Liberalisierung und moderne Kundenorientierung. Für Apotheken steckt darin jedoch eine deutlich tiefere Verschiebung: Wenn Drogerieketten Gesundheitssegmente erfolgreich ausbauen, verändert sich nicht nur der Wettbewerb um einzelne Produkte, sondern die alltägliche Logik von Gesundheit selbst. Kunden erleben Nahrungsergänzung, Prävention, Basismedikation und Gesundheitsbedarf dann stärker als Teil eines normalen Einkaufswegs, während die Apotheke Gefahr läuft, auf Rezept, Notfall und komplexe Beratung verengt zu werden. Genau daraus entsteht die eigentliche strategische Frage: Bleibt die Apotheke im Alltag ein sichtbarer Versorgungsort, oder wird sie schrittweise zum spezialisierten Restpunkt eines Marktes, dessen Kundenbeziehungen längst von Handelsketten, Plattformen und digitalen Ökosystemen geprägt werden?
Wenn dm-Chef Christoph Werner über Geschwindigkeit, Anpassung und Gesundheitsmärkte spricht, klingt das zunächst wie ein wirtschaftspolitischer Gastbeitrag zur Modernisierung des Landes. Tatsächlich liegt der brisante Kern aber tiefer. Es geht nicht nur darum, ob eine Drogeriekette künftig mehr Gesundheitsprodukte verkaufen will. Es geht darum, ob Gesundheit im Alltag der Kunden Schritt für Schritt aus dem Raum pharmazeutischer Versorgung in den Raum allgemeiner Handelslogik verschoben wird. Genau dort beginnt die eigentliche Herausforderung für Apotheken.
Werner formuliert seine These bewusst grundsätzlich: Nicht die Großen verdrängen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Für Apotheken ist dieser Satz gefährlicher, als er auf den ersten Blick wirkt. Denn er beschreibt keinen normalen Wettbewerb um einzelne Produkte. Er beschreibt ein anderes Betriebssystem des Marktes. Drogerieketten wie dm arbeiten mit Frequenz, Gewohnheit, Standortdichte, Eigenmarken, Kundenbindung, Sichtbarkeit und Einkaufserlebnis. Die Apotheke arbeitet mit Beratung, Verantwortung, Regulierung, Arzneimittelsicherheit und heilberuflichem Auftrag. Wenn beide Logiken im Gesundheitsmarkt stärker aufeinandertreffen, entsteht kein symmetrischer Wettbewerb.
Der eigentliche Druck entsteht dort, wo Gesundheit zur beiläufigen Einkaufsentscheidung wird. Wer Nahrungsergänzung, Erkältungsprodukte, Präventionsartikel, Hautpflege, Tests, Wellnessprodukte oder einfache Gesundheitsbedarfe im selben Einkaufskorb wie Waschmittel, Kosmetik und Babynahrung mitnimmt, erlebt Gesundheit anders. Sie wird weniger als eigener fachlicher Bereich wahrgenommen und stärker als normaler Bestandteil des Konsums. Für Apotheken ist das nicht nur ein Umsatzthema. Es ist ein Wahrnehmungsthema. Wenn der erste Griff bei alltäglichen Gesundheitsfragen nicht mehr zur Apotheke führt, verliert die Apotheke schrittweise ihre Selbstverständlichkeit im Alltag.
Genau hier liegt die zweite Schleife des Stoffes. dm muss Apotheken nicht direkt angreifen, um deren Position zu verändern. Es reicht, wenn der Gesundheitsalltag der Kunden anders organisiert wird. Wenn Kunden häufiger in Drogeriemärkten oder digitalen Handelsumgebungen nach Gesundheitsprodukten suchen, verschiebt sich die Gewohnheit. Und Gewohnheit ist im Handel eine Macht. Sie entscheidet darüber, wo Menschen zuerst hingehen, wem sie Verfügbarkeit zutrauen und welche Anbieter im Kopf überhaupt noch als relevant erscheinen.
Für Apothekenbetreiber entsteht daraus ein doppeltes Risiko. Einerseits können Sortimentsbereiche unter Druck geraten, die wirtschaftlich zur Stabilisierung beitragen. Andererseits kann die Apotheke im öffentlichen Bild enger auf Rx, Notfälle, akute Versorgung und komplizierte Fälle reduziert werden. Das wäre eine gefährliche Verengung. Denn viele Vor-Ort-Apotheken leben nicht allein von der Arzneimittelabgabe, sondern auch von Kundenkontakten, Zusatzsortimenten, Beratungssituationen und regelmäßiger Alltagsfrequenz. Wenn diese Frequenz in Handelsketten abwandert, bleibt die Apotheke fachlich wichtig, aber wirtschaftlich verletzlicher.
Hinzu kommt die Eigenmarkenlogik. Drogerieketten können Gesundheitsprodukte nicht nur verkaufen, sondern systematisch in eigene Markenwelten einbauen. Dadurch entstehen Preisanker, Wiedererkennung und Margenstrukturen, die klassische Apotheken kaum in gleicher Weise nachbilden können. Wenn Kunden bei Gesundheitsprodukten zunehmend Eigenmarken großer Händler akzeptieren, verändert sich auch ihr Qualitätsgefühl. Nicht mehr zwingend die pharmazeutische Herkunft oder Beratung entscheidet, sondern Vertrauen in die Handelsmarke. Das kann die Apotheke zusätzlich schwächen, weil ihre besondere Leistung nicht im Produkt selbst sichtbar wird, sondern im Gespräch, in der Prüfung, in der Einordnung und in der Verantwortung.
Gerade deshalb wäre es zu kurz gedacht, das Thema nur als Drogerie gegen Apotheke zu lesen. Es geht um die Frage, wer künftig Gesundheitsroutinen prägt. Drogerien haben starke Alltagskontakte. Plattformen haben Daten und digitale Reichweite. Versandapotheken haben Bequemlichkeit und Preissignale. Apotheken vor Ort haben Nähe, Vertrauen und pharmazeutische Verantwortung. Die entscheidende Frage lautet, welche dieser Kräfte im Alltag der Kunden zuerst wirksam wird.
Wenn dm seine Gesundheitsrolle erfolgreich ausbaut, könnte sich der Markt funktional teilen. Die Drogerie wird dann stärker zum Ort des präventiven, niedrigschwelligen und konsumorientierten Gesundheitskaufs. Die Apotheke bleibt zuständig für Arzneimittel, komplexe Beratung, Rezeptversorgung, Wechselwirkungen, Akutfälle und regulatorisch anspruchsvolle Leistungen. Auf dem Papier klingt das nach Arbeitsteilung. In der Praxis wäre es für Apotheken riskant, weil der alltägliche Kontakt zum Kunden geschwächt würde. Wer nur noch dann aufgesucht wird, wenn es kompliziert, dringend oder vorgeschrieben ist, verliert Teile seiner normalen Bindungskraft.
Besonders kritisch ist dabei die Sprache der Modernisierung. Wenn Handelsketten sich als schneller, kundenorientierter und effizienter darstellen, geraten bestehende Versorgungsstrukturen leicht in die Rolle des Behäbigen. Genau das ist für Apotheken gefährlich. Denn pharmazeutische Vorsicht, Regulierung und Beratung erscheinen dann schnell als Langsamkeit, obwohl sie in Wahrheit Sicherheitsfunktionen erfüllen. Der politische und mediale Druck kann sich dadurch verschieben: Was früher als Schutz galt, wird plötzlich als Bremse beschrieben.
Für Apothekenbetreiber folgt daraus eine strategische Pflicht. Sie dürfen den Gesundheitsalltag nicht kampflos anderen überlassen. Das bedeutet nicht, Drogeriemärkte zu kopieren. Eine Apotheke kann und soll nicht dm werden. Aber sie muss sichtbarer machen, warum Gesundheit mehr ist als ein schneller Warenkorb. Beratung, Wechselwirkungsprüfung, Medikationswissen, Risikoeinordnung, Versorgung bei Lieferengpässen, Betreuung chronischer Patienten und persönliche Erreichbarkeit müssen stärker als eigene Wertschöpfung verstanden und kommuniziert werden.
Dabei wird auch die digitale Frage zentral. Wenn Handelsketten und Plattformen schneller wirken, muss die Apotheke nicht schneller um jeden Preis werden, aber einfacher erreichbar. Digitale Vorbestellung, klare Kommunikation, lokale Sichtbarkeit, Botendienst, Erinnerungsfunktionen, pharmazeutische Dienstleistungen und verlässliche Kundenbeziehungen werden zur Antwort auf eine veränderte Erwartungshaltung. Entscheidend ist nicht, die Handelslogik zu übernehmen, sondern die eigene Versorgungslogik so zugänglich zu machen, dass sie im Alltag nicht verschwindet.
Der Konflikt wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich schärfer, weil die Grenzen zwischen Drogerie, Plattform, Versandhandel, Prävention und Gesundheitsdienstleistung weiter verschwimmen. Wenn Handelsunternehmen Gesundheitskompetenz stärker inszenieren, müssen Apotheken ihre eigene Rolle präziser behaupten. Nicht defensiv, nicht nostalgisch, sondern klar: Die Apotheke ist kein langsamerer Händler. Sie ist ein anderer Typ Infrastruktur. Sie verkauft nicht nur Produkte, sondern trägt Verantwortung für deren Anwendung, Einordnung und Folgen.
Genau deshalb darf die Branche solche Aussagen nicht nur empört kommentieren. Sie muss sie strategisch lesen. Werner beschreibt eine Marktlogik, die längst wirkt. Geschwindigkeit, Anpassung und Kundennähe werden zu politischen Argumenten gegen bestehende Strukturen. Apotheken müssen darauf nicht mit bloßer Besitzstandsrhetorik reagieren, sondern mit sichtbarer Leistung. Wer zeigen kann, dass Beratung, Sicherheit und Versorgung eigene gesellschaftliche Werte sind, stellt sich anders auf als jemand, der nur Preis- und Sortimentskonkurrenz beklagt.
Am Ende entscheidet sich an diesem Thema die größere Frage, wie Gesundheit im Alltag organisiert wird. Wird sie zum schnellen Konsumfeld großer Handelsketten, in dem Beratung nur noch punktuell vorkommt? Oder bleibt sie ein Versorgungsfeld, in dem niedrigschwellige Erreichbarkeit und fachliche Verantwortung zusammengehören? Für Apothekenbetreiber ist das keine abstrakte Debatte. Es betrifft Kundenzugang, Frequenz, Umsatzstruktur, Wahrnehmung und Zukunftsfähigkeit.
Der Satz von den Schnellen und den Langsamen ist deshalb für Apotheken kein harmloses Modernisierungszitat. Er ist eine Warnung. Wer als Apotheke nur auf bestehende Regulierung vertraut, könnte tatsächlich an Sichtbarkeit verlieren. Wer aber seine besondere Funktion offensiv übersetzt, digital erreichbar bleibt und den Unterschied zwischen Konsum und Versorgung im Alltag erlebbar macht, muss sich nicht auf die Rolle des Langsamen festlegen lassen. Die Zukunft der Apotheke entscheidet sich nicht daran, ob sie dm ähnlicher wird. Sie entscheidet sich daran, ob sie stark genug bleibt, gerade nicht beliebig zu werden.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Die Verschiebung beginnt nicht mit einem offenen Angriff, sondern mit Gewohnheit. Ein Kunde geht nicht gegen die Apotheke, wenn er Gesundheitsprodukte im Drogeriemarkt kauft. Er folgt nur dem bequemeren Weg. Genau darin liegt die Macht solcher Handelslogik: Sie verändert nicht zuerst Überzeugungen, sondern Routinen. Was häufig genug beiläufig gekauft wird, verliert irgendwann den Charakter des Besonderen.
Für Apotheken wird deshalb die Sichtbarkeit ihrer Leistung entscheidend. Beratung, Sicherheit und pharmazeutische Verantwortung dürfen nicht erst dann spürbar werden, wenn etwas schiefgeht. Sie müssen im Alltag erkennbar bleiben. Denn die Apotheke verliert nicht an Bedeutung, weil Gesundheit einfacher wird. Sie verliert dann, wenn Komplexität unsichtbar gemacht wird und der Unterschied zwischen Konsum und Versorgung aus dem Blick gerät.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Der Satz von den Schnellen und den Langsamen ist für Apotheken keine bloße Provokation. Er ist ein Hinweis darauf, dass sich Gesundheitsmärkte nicht nur über Gesetze, sondern über Gewohnheiten verschieben. Wer den ersten Kundenkontakt prägt, prägt später auch Erwartungen, Vertrauen und Nachfrage. Die Apotheke muss deshalb nicht zur Drogerie werden. Sie muss deutlicher zeigen, warum sie mehr ist: ein Ort, an dem Gesundheit nicht nur gekauft, sondern verantwortet wird.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Dieser Beitrag bewertet die Aussagen des dm-Chefs als strategisches Signal für Apotheken, Handelsketten und die künftige Ordnung des Gesundheitsmarktes.
Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.
Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.
Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.
Mit der ApoRisk® FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.