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  • 26.02.2026 – Versorgung unter Druck, Regeln im Wandel, Apotheke muss Stabilität neu verhandeln.
    26.02.2026 – Versorgung unter Druck, Regeln im Wandel, Apotheke muss Stabilität neu verhandeln.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Vergütungssignale aus dem Großhandel, neue Alltagswege bei Streptokokken-Tests, Zollunsicherheit, Biosimilar-Substitution, Europol-Erm...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Versorgung unter Druck, Regeln im Wandel, Apotheke muss Stabilität neu verhandeln.

 

Wie Vergütung, Selbsttests, Handelspolitik und Prävention entlang der Kette zugleich Risiken und Chancen verschieben.

Stand: Donnerstag, 26. Februar 2026, um 19:12 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

1,03 Euro je Packung stehen neben 73 Cent Festzuschlag, und plötzlich wirkt Versorgung wie eine Rechenaufgabe, die nicht mehr aufgeht: Der Großhandel signalisiert, dass gesetzliche Pflicht ohne wirtschaftliche Basis in eine Reduktionslogik kippt. Parallel wandert die erste Infektionsabklärung mit Streptokokken-Tests aus der Apotheke in Drogerien und an den Küchentisch, während § 34 IfSG aus einem privaten Ergebnis sofort Organisationsfolgen in Kitas und Schulen macht. Die Industrie meldet Wachstum und lebt zugleich mit Zoll- und Abkommensunsicherheit, die Investitionen und Planung nervös macht. Dazu kommen neue Regeln rund um Biosimilar-Substitution, ein harter Zugriff auf Arzneimittelkriminalität, Forschungssprünge im Tierversuch und die nüchterne Realität, dass Prävention auch eine Kostenrechnung bleibt.

 

Der Phagro-Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beginnt mit einer Zahl, die wie ein Korrekturmaß wirkt: 1,03 Euro je Packung. Daneben steht der gesetzliche Festzuschlag von 73 Cent. Dazwischen liegt kein politischer Tonfall, sondern eine betriebswirtschaftliche Differenz. Marcus Freitag und Kerem Inanc schreiben, sollte eine angemessene Vergütungsanpassung ausbleiben, bleibe den Mitgliedsunternehmen nur, jeweils für sich zu prüfen, den gesetzlichen Sicherstellungs- und Versorgungsauftrag auf das wirtschaftlich leistbare Maß zu reduzieren. Ein Auftrag wird hier nicht bestritten. Er wird in Relation gesetzt.

Rund 750 Millionen verschreibungspflichtige Packungen werden laut Verband jährlich ausgeliefert. Rund 500 Millionen davon könnten nicht mehr kostendeckend beschafft, gelagert und verteilt werden; 65 Prozent der Rx-Packungen seien wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Der Engpass sitzt bei niedrigpreisigen, rabattvertragsgebundenen Generika, also bei genau jenen Arzneimitteln, die die Basis der Versorgung bilden. Seit 2012 sei die gesetzliche Großhandelsvergütung nicht substanziell angepasst worden, während Tariflöhne um mehr als 40 Prozent stiegen und Energie- sowie Zinskosten deutlich zulegten. Der massiv gestiegene Anteil hochpreisiger Arzneimittel verschärfe die Lage zusätzlich, weil die Deckelung des variablen Zuschlags bei 37,80 Euro höhere Kosten nicht automatisch in höhere Erlöse übersetzt. Mehr Wert im Karton bedeutet in dieser Konstruktion mehr Aufwand, nicht mehr Marge.

Gefordert wird deshalb eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV), konkret eine Erhöhung des Festzuschlags um mindestens 30 Cent pro Packung. Der Verband rechnet vor, dass selbst damit nur eine annähernde Kostendeckung erreichbar sei, künftige Steigerungen seien noch nicht eingepreist. Der Konflikt liegt offen: Ein gesetzlicher Versorgungsauftrag ohne ökonomische Grundlage wird zur formalen Verpflichtung ohne reale Tragfähigkeit. Hier verschiebt sich die Frage von „ob“ zu „wie lange“.

Währenddessen kursieren Scharlach-Erreger in Kitas und Schulen. Streptokokken-A-Laientests, die in Apotheken abgegeben werden dürfen, sind nun auch in Drogerien erhältlich. 2 bis 15 Euro pro Test wirken unspektakulär. Die Verschiebung liegt im Ort der Entscheidung. Die erste Abklärung passiert nicht mehr zwingend in der Praxis, sondern am Küchentisch.

Die Anwendung ist einfach: Rachenabstrich mit sterilem Wattestäbchen, möglichst auch die Mandeln, Stäbchen in Testlösung, Tropfen auf den Teststreifen, Ergebnis nach wenigen Minuten. Ein positives Resultat macht eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe A sehr wahrscheinlich, ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus. Genau hier entsteht die Spannung zwischen Geschwindigkeit und Sicherheit. Das Ergebnis liegt schnell vor, die Gewissheit bleibt relativ.

Rechtlich kommt eine zweite Ebene hinzu. Scharlach ist nicht namentlich meldepflichtig beim Gesundheitsamt, unterliegt jedoch der Benachrichtigungspflicht in Gemeinschaftseinrichtungen nach § 34 IfSG. Eltern müssen Schule oder Kita informieren. Die Rückkehr ist an 24 bis 48 Stunden nach Beginn einer Antibiotikatherapie gebunden; ohne Behandlung kann die Ansteckungsfähigkeit bis zu drei Wochen betragen. Ein Teststreifen wird so Teil eines organisatorischen Gefüges. Ein privater Befund zieht öffentliche Konsequenzen.

Die deutsche Pharmabranche meldet für das vergangene Jahr ein Produktionsplus von 4,5 Prozent und einen Umsatzzuwachs von 5,5 Prozent, besser als Ende 2025 erwartet. Mehr als 60 Prozent des Umsatzes werden im Export erzielt, rund ein Viertel der Ausfuhren geht in die USA. Stabilität zeigt sich hier als internationale Verflechtung.

Gleichzeitig wächst die Unsicherheit. Anfang des Vorjahres nutzten Unternehmen Vorzieheffekte und schickten angesichts drohender US-Zölle große Mengen Arzneimittel über den Atlantik. Wachstum entsteht dann aus Erwartung, nicht zwingend aus Nachfrage. Ein US-Gericht untersagte Präsident Donald Trump, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle weltweit zu verhängen. Das EU-Parlament legte in der Folge die Umsetzung des Zollabkommens zwischen Brüssel und Washington aus dem Sommer 2025 auf Eis, die zentrale Zollobergrenze von 15 Prozent steht auch für Pharma-Importe wieder infrage. Sinkende Inlandsbestellungen und steigender Druck durch Importe aus Asien verstärken das Bild. Planungssicherheit wird zur knappen Ressource. Investitionen reagieren empfindlich auf regulatorische Unklarheit.

Beim ApoVWG steht die Substitution von Biosimilars kurz vor dem Inkrafttreten, weil der entsprechende Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses nur noch im Bundesanzeiger veröffentlicht werden muss. Pro Generika fordert deshalb eine Biosimilar-Klausel, die Exklusivverträge verhindert, und plädiert für Open-House-Vorgaben.

Die Logik ist klar beschrieben: Mit Inkrafttreten der Substitution verschärft sich der Wettbewerb, und Unternehmen können es sich faktisch nicht leisten, Open-House-Verträgen fernzubleiben, weil ihre Produkte sonst als unwirtschaftlich gelten und nicht mehr abgegeben werden dürfen. Krankenkassen erhalten dadurch die Möglichkeit, höhere Rabattsätze vorzugeben. Open House hält den Markt formal offen, exklusive Ausschreibungen würden ihn schließen. Da Biosimilars oft mit zeitlichem Abstand nach Patentablauf erscheinen, könnte ein exklusiv vergebener Markt späteren Anbietern den Zugang versperren. Pro Generika verlangt daher zusätzlich eine verbindliche Evaluation zwei Jahre nach Inkrafttreten, durchgeführt durch eine neutrale Instanz wie BfArM oder PEI. Kontrolle wird zur Voraussetzung von Wettbewerb.

Zwischen April und November gingen Ermittler in 30 Ländern im Rahmen der von Europol koordinierten Operation „Shield VI“ gegen Arzneimittelkriminalität vor. Sichergestellt wurden gefälschte Medikamente und illegale Produkte im Wert von rund 33 Millionen Euro, darunter etwa 140.000 Arzneimittelpackungen, 3,3 Tonnen Pulver und Rohmaterial, rund 900 Liter konzentrierte Wirkstoffe, etwa 3,2 Millionen Tabletten sowie knapp 920.000 Ampullen und Fläschchen. 3354 Personen wurden strafrechtlich verfolgt, 907 Ermittlungen eingeleitet, 66 Websites abgeschaltet, fünf Untergrundlabore und zehn Produktionsstätten geschlossen. Das Ausmaß zeigt eine parallele Infrastruktur.

In Rheinland-Pfalz geriet ein Apotheker ins Visier eines Gemeinsamen Ermittlungsteams, der seit 2020/2021 mutmaßlich erhebliche Mengen legal erworbener Arzneimittel weiterverkauft haben soll. Der Vertrieb lief über Online-Shops im Darknet und im Clearnet. Im September 2025 wurden Durchsuchungsbefehle vollstreckt, beschlagnahmt wurden unter anderem Benzodiazepinpräparate. Die Betriebserlaubnis ist verloren. Wenn legale Bezugswege als Quelle für illegale Märkte dienen, verschiebt sich das Problem von der Peripherie in den Kern der Versorgung.

Am 19. Februar wurde in „Science“ die Studie „Mucosal vaccination in mice provides protection from diverse respiratory threats“ veröffentlicht. Forschende der Stanford Universität berichten über ein intranasales Vakzin, das in Mausmodellen Schutz gegen verschiedene Atemwegsbedrohungen zeigte, darunter SARS-CoV-2 und verwandte Coronaviren sowie Krankenhauskeime wie Staphylococcus aureus und Acinetobacter baumannii. Zusätzlich wurde eine abgeschwächte Reaktion auf Hausstaubmilben beobachtet. Die Studie befindet sich im Stadium von Tierversuchen.

Die Mechanik ist präzise: Eine liposomale Formulierung kombiniert TLR-4- und TLR-7/8-Liganden mit einem Modell-Antigen, aktiviert Alveolarmakrophagen und erzeugt langlebige Gedächtnis-T-Zellen direkt in der Lunge. Die Schutzwirkung hielt bei den Versuchstieren mindestens drei Monate an, nach Infektion bildeten sich rasch erregerspezifische Antikörper. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen. Genau daran entscheidet sich, ob aus einem Laborbefund eine neue Impfstrategie wird.

Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) in Wien berichtet in seinem Jahresbericht von Fortschritten bei Impfstoffen gegen Substanzabhängigkeit und spricht von „erheblichem Potenzial“. Genannt werden Tierversuche zu Oxycodon, bei denen Antikörper die Passage ins Gehirn verhindern sollten, sowie erste Tests eines Vakzins gegen Kokainsucht in den USA, bei denen das Verlangen zurückgegangen sein soll. Gleichzeitig weist der Bericht auf dramatisch zunehmenden Kokainschmuggel nach West- und Zentraleuropa, wachsende Herstellung synthetischer Drogen innerhalb Europas und die Sorge über synthetische Opioide wie Nitazene hin. In den USA und Kanada gingen Überdosis-Fälle zuletzt zurück, ein stabiler Trend wird jedoch nicht bestätigt. Forschung und Markt bewegen sich hier in entgegengesetzter Geschwindigkeit.

Die Analyse von Mycare setzt beim Rauchstopp auf eine Dreimonatsrechnung. Für schwache Raucher werden Kosten für Nikotinkaugummi mit 144,24 Euro, für Spray mit 247,92 Euro, für Tabletten mit 260,45 Euro und für Pflaster mit 330,03 Euro beziffert. Für starke Raucher liegen die Werte höher, bis zu 520,91 Euro für Tabletten. Demgegenüber stehen Einsparungen von bis zu 803 Euro in drei Monaten bei starkem Konsum. Ein früher angebotener Nicorette-Inhalator wäre mit bis zu 854,55 Euro die teuerste Variante gewesen, ist jedoch weitgehend abverkauft. Drei Monate gelten als Zeitraum, in dem sich der Körper an die neue Routine gewöhnt. Die finanzielle Differenz ist greifbar. Die Entscheidung bleibt persönlich.

Versorgung, Wettbewerb, Kriminalität, Forschung und Prävention bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen, greifen jedoch ineinander. Wo wirtschaftliche Basis erodiert, regulatorische Unsicherheit wächst und Parallelmärkte entstehen, wird Stabilität nicht durch einzelne Maßnahmen gesichert, sondern durch die Konsistenz der gesamten Kette.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein Festzuschlag, der seit Jahren stillsteht, beginnt zu sprechen, sobald 500 Millionen Packungen als nicht mehr kostendeckend beschrieben werden. Ein Teststreifen, der in Minuten ein Ergebnis zeigt, zieht 24 bis 48 Stunden Zutrittsregeln nach sich und macht aus Biologie Organisation. Ein Zollsatz, der noch nicht gilt, verändert trotzdem Lager, Lieferungen und Erwartungen, weil Unsicherheit längst vor dem Stichtag arbeitet. Und wenn gleichzeitig Parallelmärkte mit Tonnenware auffliegen, wird klar, dass Stabilität nicht nur eine Frage von Produkten ist, sondern von Ketten, die sich gegenseitig tragen oder gegeneinander laufen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt.
Die acht Signale erzählen nicht dieselbe Geschichte, aber sie drücken auf denselben Punkt: Wer Versorgung als Pflicht definiert, muss auch die Mechanik sichern, die Pflicht in Leistung verwandelt. Wo Preisrecht, Vertragsmodelle und Ausschreibungslogik nur auf Einsparung optimieren, entstehen Engpässe, Eintrittsbarrieren und Ausweichmärkte, die später teurer werden als jede kurzfristige Entlastung. Forschung kann Reichweite versprechen, doch die Umsetzung entscheidet sich in Genehmigungen, Lieferketten und Akzeptanz, nicht im Abstract. Prävention wirkt dann belastbar, wenn sie nicht als Moral verkauft wird, sondern als planbarer Pfad, der Kosten, Verhalten und Systemregeln zusammenbringt.

JKH – Journalistischer Kurzhinweis
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Fokus steht, wie Vergütung, Regulierung und Parallelmärkte die Versorgungslogik bis in den Apothekenalltag hinein verschieben.

 

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