ApoRisk® auf Facebook ApoRisk® auf X
  • 25.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind ApoVWG im Bundestag, Protesttag der Abda, Streit um Anhörung und Expertise.
    25.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind ApoVWG im Bundestag, Protesttag der Abda, Streit um Anhörung und Expertise.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Lesung und Anhörung zum ApoVWG laufen an, doch die Honorarlücke bleibt der Konfliktkern: Die Abda reagiert mit einem bundesweiten Prot...

Für Sie gelesen

Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind ApoVWG im Bundestag, Protesttag der Abda, Streit um Anhörung und Expertise.

 

Die Reform startet in Lesung und Anhörung, während Honorar, Beteiligung der Verbände und Versorgungssicherheit gleichzeitig umkämpft bleiben.

Stand: Mittwoch, 25. Februar 2026, um 17:29 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der Tag bündelt acht Linien, die sich gegenseitig verstärken: Das ApoVWG läuft in Lesung und Anhörung an, aber die zugesagte Honorarkomponente bleibt als Lücke sichtbar. Die Abda beantwortet diese Lücke mit einem bundesweiten Protesttag samt flächendeckender Schließung bei gesichertem Notdienst – ein Druckmittel, das Versorgung zeigt und Normalität unterbricht. Parallel wird die Anhörung selbst zur Bühne: Wer eingeladen wird und wer nicht, erzeugt politische Deutungskämpfe bis hin zur Frage, ob eine Stimme nur über ein Ticket der AfD hörbar wird. In der Fläche stehen Personal- und Rollenfragen daneben nicht still: PTA werden als unverzichtbar beworben, während Betriebe wirtschaftlich ausdünnen. Und über allem liegt die Grundspannung der Vergütungslogik, die mit der Einladung der 2hm-Autorin wieder aufgerufen wird, während die Bundesregierung Apothekenschließungen eher über „vielfältige Gründe“ erklärt und harte Strukturparameter ausspart. Dazu kommen zwei versorgungsnahe Themen, die zeigen, wie sehr Apotheke Alltag bleibt: eine neue S3-Leitlinie zu opioidbezogenen Störungen mit wachsender Verantwortung und ein wintertypisches Hautproblem, bei dem Beratung über Verlauf entscheidet.

 

ApoVWG geht in den Bundestag, Honorar bleibt offen, Abda setzt Protesttag an.

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz geht in die parlamentarische Spur, während die Honorarfrage daneben liegen bleibt. Genau diese Asymmetrie ist der Zündstoff: Ein Reformpaket läuft an, aber der wirtschaftliche Teil, der im Koalitionsvertrag als Zusage steht, ist im Text nicht sichtbar. Für die Abda ist das nicht nur eine Lücke, sondern eine gefährliche Verschiebung der Reihenfolge. Erst wird beraten, später wird vielleicht nachgereicht – und in diesem „vielleicht“ liegt die Angst, dass die Vergütungsfrage am Ende nur noch als Randnotiz behandelt wird.

Der Verband zieht daraus eine klare Konsequenz: Ein Protesttag bekommt ein Datum, und damit bekommt die Forderung ein Zeitfenster. Am Montag, den 23. März, sollen Apotheken bundesweit geschlossen bleiben. Das ist die härteste Form, die Fläche als Argument sichtbar zu machen, ohne sie nur zu beschreiben. Gleichzeitig wird die Absicherung sofort mitgeliefert: Notdienstapotheken sollen die Versorgung gewährleisten. Damit steckt im Protest selbst bereits die Antwort auf den erwartbaren Vorwurf, die Versorgung zu gefährden. Die Regelversorgung wird unterbrochen, die Grundfunktion bleibt im Notdienst-Korridor intakt. Der Protest ist also nicht Chaos, sondern bewusst als strukturierter Einschnitt angelegt.

Dass es dazu kommt, wirkt nicht wie eine spontane Eskalation. Ende Januar hatte Abda-Präsident Thomas Preis den „Frühling der Proteste“ angekündigt. Daraus wurde zuerst Sichtbarkeit: Plakate im öffentlichen Raum, etwa an Bahnhöfen und im ÖPNV, dazu Social-Media-Aktionen unter dem Slogan „Uns gibt es nicht zum Nulltarif!“. Danach Mobilisierung: eine Online-Petition, die Bürgerinnen und Bürger als Unterstützer einbindet. Jetzt folgt der Schritt, der politisch am meisten kostet: Betriebsruhe als Signal. Die Reihenfolge ist nicht zufällig. Sie arbeitet sich von der Wahrnehmung über die Zustimmung bis zur realen Unterbrechung vor.

Die Konfliktspannung liegt in einem Satz, der im Raum steht, ohne dass er ausgesprochen werden muss: Wenn ein Gesetz ohne Honorarerhöhung anläuft, verliert die Zusage ihren Rang. Das Gesetzgebungsverfahren hat seine eigenen Routinen, und genau davor will die Abda die Honorarfrage schützen. Lesung und Anhörung sind die Phase, in der Änderungsfenster real sind. Wenn die Vergütung nicht dort sichtbar wird, wird sie später schwerer als zwingend zu markieren, weil dann bereits das Argument dominiert, „das Paket“ müsse jetzt nur noch „zu Ende“ gebracht werden.

Preis versucht, den Protest zugleich zu entgiften und zu schärfen. Entgiften, indem er ihn nicht gegen jemanden richtet, sondern „für etwas“: für die finanzielle Stärkung der Apotheken. Schärfen, indem er die Erwartung an die Politik ohne Relativierung formuliert: Der Koalitionsvertrag sehe eine Erhöhung von 8,35 auf 9,50 Euro pro Packung vor; diese Zusage müsse eingelöst werden „ohne Wenn und Aber“. Hier steckt ein taktischer Kern: Je weniger Ausweichräume sprachlich bleiben, desto weniger Ersatzlösungen lassen sich später als „eigentlich gemeint“ verkaufen.

Die innere Logik der Begründung soll von der Emotion weg und in die Rechnung hinein. Preis nennt: Kostensteigerung um 65 Prozent in 13 Jahren, stagnierende Vergütung. Auch ohne jede Zusatzzahl ist die Richtung eindeutig: Wenn die Kostenkurve steigt und die Vergütung nicht mitgeht, ist die Fläche nicht stabil. Stabilität ist dann nicht mehr eine Frage von Idealismus, sondern von Liquidität und Personalbindung. Die Schließungswelle wird in dieser Sicht nicht als Schicksal beschrieben, sondern als Folge einer Mechanik: Ein Betrieb, der dauerhaft gegen die Kosten arbeitet, verliert zuerst Puffer, dann Investitionsfähigkeit, dann Nachfolgeattraktivität.

Die Nebenfolgen eines bundesweiten Schließtages sind trotzdem real. Der Notdienst ist keine neutrale Ersatzversorgung, sondern ein Belastungsmodus. Wer an einem Protesttag Notdienst fährt, wird zur sichtbaren Ausnahme, die die Regel bestätigt: Es geht noch – aber nur, weil ein Sonderregime greift. Für Patientinnen und Patienten ist das spürbar; für die Politik ist es die zugespitzte Erinnerung, dass Versorgungsfähigkeit nicht automatisch aus „System“ entsteht, sondern aus geöffneten Türen, Personal und Finanzierung. Genau dieses Spürbar-Machen ist der eigentliche Zweck.

Die zweite Schleife liegt im politischen Risiko. Ein Protest, der als „für die Ministerin“ beschrieben wird, bindet sie als Referenzfigur ein: Sie habe vertrauenswürdig gesagt, eine Fixum-Erhöhung komme. Das kann Rückhalt schaffen, aber es kann auch kippen. Wenn die Erhöhung später nicht kommt oder anders ausfällt, wird die gleiche Bindung zur Enttäuschungsfalle. Dann richtet sich die Härte der Formel „ohne Wenn und Aber“ nicht mehr nur an Fraktionen, sondern an den gesamten politischen Raum, der die Zusage getragen hat.

 

ApoVWG-Anhörung ohne FA, AfD-Ticket bleibt, Neutralität gerät unter Druck.

In der Anhörung zur Apothekenreform taucht ein Name nicht auf: die Freie Apothekerschaft. Rund 35 Verbände und Sachverständige stehen auf der Liste, die FA nicht. Das ist formal möglich, weil die Fraktionen im Einvernehmen entscheiden, wen sie hören wollen. Genau darin steckt aber das Problem: Die Auswahl ist ein Machtinstrument, auch wenn sie als Verfahren daherkommt. Wer nicht eingeladen wird, verschwindet aus der offiziellen Verdichtung des Gesetzgebungsprozesses – aus dem Protokoll, aus den Zitaten, aus der politischen Erinnerung.

Die FA ist kein Randphänomen, sondern ein Verband mit rund 2000 Mitgliedern, der sich aktiv in die Gesundheitspolitik einmischt. Daniela Hänel und ihr Umfeld haben versucht, auf die Liste zu kommen. Kontakte wurden gesucht, Wege über Wahlkreisabgeordnete ausprobiert. Das Ergebnis bleibt negativ, während andere Zusammenschlüsse – Heimversorger, Sterilhersteller, Klinikapotheker, Versandapotheken, Kooperationsverbände, innovative Verbände und sogar weitere freie Vereinigungen – dabei sind. Aus Sicht der FA kann das nicht mehr als Zufall gelesen werden, weil es eine auffällige Selektivität erzeugt.

Die innere Spannung entsteht aus dem, was nicht gesagt wird. Eine sachliche Begründung für den Ausschluss liegt nicht vor. Stattdessen kommen Standardformulierungen: übliche parlamentarische Verfahren, Abstimmung der Berichterstatter, Einvernehmen der Fraktionen. Das ist verfahrenslogisch korrekt, aber inhaltlich leer. Je leerer die Begründung, desto stärker wächst die Deutungsfläche. Hänel deutet an, dass Klagen gegen den Bund und eine unbequeme Linie den Verband aus Sicht der Regierungsfraktionen unattraktiv gemacht haben könnten. Ein Beweis fehlt – aber genau diese Unbeweisbarkeit ist politisch wirksam, weil sie Misstrauen nicht widerlegt, sondern nur verwaltet.

Dann kommt das zweite Moment: die AfD als möglicher Einladungsweg. Ein Ticket von dort schafft eine Zwickmühle. Wer annimmt, wird hörbar, aber unter einem parteipolitischen Schatten, der Inhalte überdeckt. Wer ablehnt, bleibt unsichtbar, verliert aber den Moment, in dem das Gesetz noch formbar ist. Neutralität wird damit nicht als Haltung geprüft, sondern als Belastungsprobe: Neutral sein wollen und dennoch nur über einen polarisierenden Kanal sprechen können, ist eine strukturelle Falle.

Die Mechanik dieser Falle ist nicht moralisch, sondern kommunikativ. Eine Aussage, die in einem AfD-Rahmen fällt, wird sofort anders gelesen – unabhängig davon, was genau gesagt wird. Selbst der Versuch, Neutralität zu betonen („mit jedem sprechen“), wird nicht als Schutzschild wirken, sondern als Angriffsfläche. Gleichzeitig bietet die AfD, wie im Material angedeutet, tendenziell mehr Redezeit, weil sie weniger eigene Sachverständige „bespielen“ muss. Mehr Redezeit klingt nach Chance, ist aber auch ein Köder: Sichtbarkeit wird gegen Kontext getauscht.

Die Nebenfolgen reichen über die FA hinaus. Wenn Akteure das Gefühl bekommen, dass nur „bequeme“ Stimmen in Anhörungen vorkommen, sinkt die Akzeptanz des Prozesses. Dann geht es nicht mehr nur um Honorar und Strukturen, sondern um die Legitimation der Verdichtung selbst: Wer definiert, was „relevant“ ist? Wer gilt als repräsentativ? Wer wird als Störfaktor aussortiert? In einer Berufsgruppe, die ohnehin zwischen politischer Zusage und ökonomischer Realität steht, wirkt diese Frage wie ein zusätzlicher Bruch.

Hänel kündigt an, anwaltlich nachzufragen, warum keine Einladung erfolgte. Damit wird aus einem politischen Vorgang ein rechtlich flankierter Konflikt. Das kann kurzfristig nichts ändern, aber es verschiebt das Kräfteverhältnis: Die Fraktionen geraten in die Lage, zumindest intern begründen zu müssen, warum eine Stimme fehlt. Auch wenn diese Begründung später nie öffentlich wird, verändert sie die Situation, weil sie die Selbstverständlichkeit der Auswahl unterbricht.

Die zweite Schleife liegt im Langzeitschaden: Wenn Anhörungen als geschlossene Räume wahrgenommen werden, verlagert sich die Debatte auf andere Bühnen – Medien, soziale Netzwerke, Aktionen, Proteste. Dann verliert das Parlament nicht formell, aber faktisch den Charakter als Ort der geordneten Konfliktbearbeitung. Der Ausschluss eines Akteurs erzeugt nicht Stille, sondern andere Lautstärke.

 

PTA-Beruf bleibt gefragt, Apothekenschließungen verschieben Arbeitsorte, Ausbildung muss Realität tragen.

In Osnabrück wirbt die Völker-Schule für die PTA-Ausbildung und setzt dabei bewusst gegen den Schließungsdruck in der Fläche: PTA seien aus Apotheken nicht mehr wegzudenken, die Ausbildung eröffne viele Wege. Das ist kein Wohlfühlsatz. Es ist eine Ansage gegen einen Markt, der gleichzeitig Fachkräfte braucht und Betriebe verliert.

Die Ausbildung liefert tatsächlich ein breites Kompetenzpaket: Beratung, Abgabe, Laborarbeit, Umgang mit Rezepturen, Organisations- und Dokumentationspraxis. Dazu kommen Einsatzfelder außerhalb der Offizin – Krankenhaus, Versand, Labor, Institute, Industrie. Das ist die erste Stoffebene: berufliche Anschlussfähigkeit. Sie ist real.

Die zweite Stoffebene ist härter und entscheidet über „Zukunft“. PTA-Nachfrage entsteht nicht nur aus der älter werdenden Gesellschaft oder medizinischem Fortschritt, sondern aus der Verschiebung der Versorgungsarbeit nach unten in die Teams. Wenn Arztpraxen in Regionen schließen, landet mehr Alltag in der Apotheke: Medikationsfragen, Wechselwirkungen, Rezeptprobleme, Verfügbarkeit, akute Bagatellfälle, Versorgungslücken am Rand. Genau dort steht oft zuerst die PTA am HV. Das macht den Beruf systemisch wichtiger. Und es macht ihn gleichzeitig anfälliger für Überlastung, wenn die betriebliche Basis dünner wird.

Denn jeder Schließungsfall hat Nebenfolgen, die in klassischen Zukunftsformeln gern fehlen. Eine geschlossene Apotheke ist nicht nur ein Standort weniger. Es sind weniger Dienstpläne, weniger Teams, weniger Ausbildungsmöglichkeiten, weniger Mentoren, weniger Einarbeitungskapazität. Der Markt verliert damit nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch die Fähigkeit, Nachwuchs sauber in Routine und Verantwortung hineinzuziehen. Das ist eine Kettenwirkung. Sie frisst Zeit.

Mit pharmazeutischen Dienstleistungen wächst zudem die operative Verantwortung. Dokumentation, Gesprächsführung, strukturiertes Erfassen, Rückfragen an Praxen, Abgleich von Medikationsplänen – vieles davon läuft über PTA-Hände. Das stärkt die Rolle im Team, aber es verändert das Risikoprofil: Fehler werden sichtbarer, Abläufe müssen stabiler sein, und die Erwartung an Professionalität steigt schneller als die Personaldecke. Ein kurzer Satz reicht hier nicht. Es ist die Realität vieler Offizinen.

Die „Zukunftsfähigkeit“ hängt deshalb an zwei Achsen, die nicht identisch sind. Achse eins: Fachlich bleibt PTA unverzichtbar, gerade wenn Versorgung stärker in die Fläche gedrückt wird. Achse zwei: Strukturell braucht es genügend stabile Betriebe, die diese Unverzichtbarkeit in verlässliche Arbeitsverhältnisse übersetzen. Wenn die wirtschaftliche Lage Apotheken zwingt, Stunden zu kürzen, Stellen zu teilen oder Aufgaben zu verdichten, wird der Beruf zwar gebraucht, aber unattraktiver. Das ist das Paradox.

Die zweite Schleife liegt im Übergang zwischen Schule und Betrieb. Eine Ausbildungsstätte kann Perspektiven versprechen, doch die erste Arbeitsstelle prägt das Berufsbild. Wenn Einsteiger in ein Umfeld kommen, in dem ständig Notfälle, Lieferengpässe, Personalmangel und Kostendruck dominieren, wird aus „abwechslungsreich“ schnell „dauerangespannt“. Umgekehrt: Wo Teams stabil sind, wird aus demselben Stoff eine tragfähige Profession. Das entscheidet sich nicht im Lehrplan allein, sondern im System der Apothekenökonomie.

Am Ende bleibt eine nüchterne Folgerung: PTA-Zukunft ist nicht nur Berufsberatung, sondern Strukturpolitik durch die Hintertür. Wer über Honorar, Fixum und Reformmechanik spricht, spricht indirekt über die Arbeitsplätze, an denen PTA überhaupt entstehen und bleiben können. Das ist der Boden. Ohne Boden nutzt die beste Werbung nichts.

 

2hm-Gutachten kehrt zurück, Fixum steht im Streit, Anhörung öffnet alte Fronten.

Mit der Benennung von Iris an der Heiden vom IGES-Institut für die Anhörung zum ApoVWG wird ein Gutachten wieder sichtbar, das in der Apothekerschaft als rotes Tuch gilt. Das 2hm-Gutachten aus dem Jahr 2017, beauftragt vom Bundeswirtschaftsministerium, trug den Auftrag in sich, das Apothekenhonorar anhand der Preisregelungen der Arzneimittelpreisverordnung zu bewerten. Sein Ergebnis war nicht „mehr Geld“, sondern Einsparpotenzial – und zwar in einer Größenordnung, die bis heute nachwirkt: 1,24 Milliarden Euro.

Die Zahlen sind scharf umrissen: 250 Millionen Euro Einsparung bei Sterilrezepturen, 780 Millionen Euro bei „übrigen“ Apotheken, 210 Millionen Euro beim Großhandel. Der Fixzuschlag sollte von 8,35 Euro auf 5,84 Euro sinken, während die prozentuale Spanne auf fünf Prozent steigen könnte. Zusätzlich wurden Prüfaufträge formuliert, etwa zur Belieferungsfrequenz des Großhandels oder zu einem möglichen Beitrag von OTC zur Finanzierung des Notdienstes. Und es steht im Material eine zentrale Zumutung: Die Umstellung solle innerhalb vorhandener Rabattspielräume von Apotheken, Großhandel und Industrie ausgeglichen werden, damit OTC und Freiwahl kostendeckend bleiben.

Die Konfliktspannung liegt in der Kollision zweier Leitbilder. Auf der einen Seite die politische Zusage, das Fixum zu erhöhen. Auf der anderen Seite ein Modell, das pauschale Zuschläge reduzieren und Vergütung stärker an einzelne Leistungen knüpfen will. Beide Perspektiven lassen sich nicht einfach addieren; sie ziehen in unterschiedliche Richtungen. Wenn die Autorin des Einsparmodells als Sachverständige in einer Reformanhörung sitzt, ist das kein Personalthema, sondern eine Rahmensetzung: Die Debatte wird nicht nur „Wie viel?“, sondern „Wie überhaupt?“.

Die innere Logik des Gutachtens ist dabei konsequent, auch wenn sie umstritten ist. Leistungen sollen dort vergütet werden, wo sie erbracht werden. Pauschalen, die auch Akteuren zufließen, die bestimmte Pflichten nicht erfüllen, sollen korrigiert werden. Nacht- und Notdienst, BtM-Abgabe, Rezepturaufwand – all das wird als Leistungsbündel verstanden, das gezielt bepreist werden könne. Gleichzeitig soll Quersubventionierung zwischen Rx und OTC zurückgedrängt werden. Das klingt nach Systemhygiene. Es ist aber nur dann tragfähig, wenn die Datenbasis und die Modellannahmen stimmen.

Und genau dort setzt die Kritik an, die im Material genannt ist. Frank Diener, damals Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover, kritisierte methodische und konzeptionelle Mängel, eine erweiterte Aufgabenstellung im Nachgang und eine problematische Datenbasis. Er sprach davon, das Gutachten sei „nicht der Rede wert“. Dieser Satz ist mehr als Polemik. Er markiert die Front: Es geht nicht um einen Rechenfehler, sondern um Vertrauen in die Fähigkeit eines Modells, die Wirklichkeit der Offizin abzubilden.

Nebenfolgen ergeben sich schon durch die Wiederkehr des Gutachtens im parlamentarischen Raum. Selbst wenn niemand ernsthaft eine Absenkung des Fixums auf 5,84 Euro plant, wird die Existenz dieser Option als Denkfigur wirksam. Sie verändert die Verhandlung: Wer mehr Geld fordert, muss sich stärker erklären; wer Leistungsorientierung fordert, bekommt einen Referenzanker. Dadurch kann die Debatte kippen – weg von der Frage der Stabilisierung hin zur Frage der Umverteilung innerhalb eines fixen Kostendeckels.

Die zweite Schleife liegt in der paradoxen Botschaft des Gutachtens: Es behauptet, die „klassische Apotheke“ werde im Kern durch Leistungsorientierung gestärkt, gleichzeitig wird ihr Fixzuschlag massiv reduziert. Diese Kombination ist kommunikativ gefährlich, weil sie als „Stärkung durch Kürzung“ gelesen werden kann. In einem Feld, in dem Kostensteigerungen und Schließungen dominieren, wirkt ein Einsparmodell nicht wie Modernisierung, sondern wie Entzug. Genau deshalb ist die Einladung der Autorin politisch brisant: Sie öffnet alte Fronten, während die Reform eigentlich Befriedung bräuchte, um handlungsfähig zu werden.

 

Apothekensterben wird breit erklärt, Risiko bleibt unbeziffert, Nachfolge scheitert an Planbarkeit.

Die Aufforderung des Bundesrates zielt auf eine klare Frage: Warum übernehmen weniger Apothekerinnen und Apotheker, warum wird seltener gegründet, warum dünnt die Fläche aus? Die Antwort aus dem Bundesgesundheitsministerium bleibt im Modus „vielfältige Gründe“: Lebensplanung, Verdienstvorstellungen, Fachkräftemangel, demografischer Wandel. Das ist als Liste nicht falsch. Es ist als Erklärung zu weich.

Denn die erste Stoffebene ist betriebswirtschaftlich und sehr konkret. Übernahme bedeutet Bindung: Mietverträge, Modernisierung, Warenlager, IT, Pflichtprozesse, Personal. Dazu kommen regulatorische Pflichten, die nicht verhandelbar sind. Viele Kosten laufen jeden Monat, egal wie der Tag war. Ein kurzer Tag macht keine kurze Rechnung. Genau hier wird aus „Lebensplanung“ ein Risikokalkül.

Die zweite Stoffebene ist Planbarkeit. Selbstständigkeit ist nicht nur Mut, sondern Erwartung an stabile Parameter. Wenn zentrale politische Signale – etwa eine angekündigte Honoraranpassung – im Verfahren offen bleiben, steigt Unsicherheit. Unsicherheit verteuert Entscheidungen. Und sie bremst Nachfolge. Wer einen Betrieb übernimmt, will wissen, ob die Erlösseite in zwei Jahren noch dieselbe Mechanik hat oder ob sie wieder verschoben wird.

„Verdienstvorstellungen“ klingt nach individueller Anspruchshaltung. In der Wirklichkeit hängt es oft an der Frage, ob das Verhältnis aus Verantwortung, Arbeitszeit, Haftungsdruck und Kapitalbindung noch tragfähig ist. Viele Apotheken tragen heute ein Leistungspaket, das über reine Abgabe weit hinausgeht: Beratung, Probleme lösen, Lieferengpässe managen, Rückfragen klären, Dokumentation, Dienstpläne, Fortbildungen, Notdienstbelastung. Wenn die Erlösstruktur diese Komplexität nicht sichtbar abbildet, entsteht ein Gefühl von Schieflage. Das ist nicht Eitelkeit, sondern Bilanz.

Der Verweis der Bundesregierung auf Maßnahmen im ApoVWG, die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit verbessern sollen, ist die dritte Stoffebene. Hier wird es entscheidend: Attraktivität ist kein Wort, sondern eine Rechnung. Ohne Benennung, welche Stellschrauben wie stark wirken, bleibt es ein Versprechen. Genau das ist der Knackpunkt. Versprechen ersetzen keine Kalkulation.

Nebenfolgen sieht man in der Fläche sofort. Wenn Apotheken schließen, wandert Versorgung nicht einfach „ins System“. Sie wird anders: mehr Wege, mehr Belastung der verbleibenden Teams, mehr Notdienstlast, weniger spontane Beratung, weniger Alltagspuffer. Die verbleibenden Apotheken tragen dann mehr Volumen. Das kann kurzfristig Umsatz stabilisieren, aber es frisst Personalreserven und steigert Fehleranfälligkeit. Ein System kann so eine Zeitlang kompensieren. Es zahlt dafür später.

Ein weiterer Strang ist der Versandhandel, den der Bundesrat dezidierter prüfen lassen wollte. Der Vorschlag, Versanderlaubnisse stärker zu verifizieren und bei Verstößen widerrufen zu können, wird von der Bundesregierung als nicht zielführend eingeordnet, mit Hinweis auf bestehende Regelungen, Logos und Europarecht. Das ist die formale Ebene. Die praktische Ebene bleibt: Wenn Vor-Ort-Apotheken das Gefühl haben, dass sie strenger kontrolliert werden als große Player, dann steigt das subjektive Risiko der Selbstständigkeit. Ungleichgewicht wirkt wie ein stiller Abschlag auf Zukunft.

Die zweite Schleife liegt in der Erzählung „individuelle Gründe“. Je stärker die Politik das Problem in die Sphäre persönlicher Entscheidungen verschiebt, desto weniger muss sie die eigenen Stellhebel präzisieren. Das kann taktisch entlasten, hat aber eine Nebenwirkung: Im Feld entsteht der Eindruck, dass die strukturelle Frage aus dem Zentrum herausgezogen wird. Wer dann überlegt zu übernehmen, liest zwischen den Zeilen: Die Unsicherheit bleibt. Und sie bleibt nicht nur gefühlt, sondern finanziell.

Am Ende steht eine nüchterne Logik: Nachfolge scheitert selten an einem einzigen Punkt. Sie scheitert an einem Bündel aus Unklarheit, Arbeitslast, Kapitalbindung und dem Gefühl, dass Regeln sich schneller ändern als Investitionen amortisieren. Wer die Fläche halten will, muss diese Bündelwirkung auflösen – nicht mit einer Ursachenliste, sondern mit belastbaren Parametern. Sonst wird das Apothekensterben weiter erklärt, aber nicht gebremst.

 

ApoVWG-Lesung verschoben, Anhörung gekürzt, Zeitfenster wird enger.

Die erste Lesung zum ApoVWG sollte am Donnerstag stattfinden, ist nun auf Freitag verschoben. Die Anhörung im Gesundheitsausschuss wird von ursprünglich 90 Minuten auf eine Stunde gekürzt. Beides sind formale Änderungen im Ablauf. Politisch sind es Eingriffe in die Taktung – und Taktung ist bei Reformen nie nur Kalenderlogik, sondern Prioritätslogik.

Die Konfliktspannung entsteht, weil Zeit knapper wird, während Themen zahlreich sind. Knapp 40 Verbände und Experten stehen auf der Liste. In einer Stunde bleibt pro Stimme kaum Raum, um mehr als Kernthesen zu setzen. Anhörungen dienen eigentlich dazu, Widersprüche sichtbar zu machen: Wo passt die Regelung nicht zur Praxis? Wo entstehen neue Risiken? Wo sind Nebenfolgen bereits absehbar? Wenn diese Funktion auf Minuten zusammenschnurrt, verändert sich der Charakter: Aus Tiefenprüfung wird Positionsabgabe.

Die innere Logik der Verknappung wirkt über Auswahlmechanismen. Wer fragt, entscheidet, was als relevant gilt. Je weniger Zeit, desto stärker werden Fragen vorgeformt und entlang politischer Linien zugeschnitten. Für Honorar, Versorgung, Versandhandel, Kompetenzen, Strukturentwicklung konkurrieren dann nicht Argumente, sondern Slots. Das Verfahren bleibt korrekt, aber die Realität des Verfahrens wird härter: Nicht alles kann im Plenum ausgetragen werden.

Nebenfolgen ergeben sich auch kommunikativ. Eine Verschiebung der Lesung wirkt in der Außenwahrnehmung schnell wie Unentschlossenheit oder interne Konflikte, selbst wenn es nur organisatorische Gründe gibt. In einem Feld, das ohnehin auf klare Signale wartet, erzeugt das zusätzliche Nervosität. Denn jede Verzögerung wird in die wirtschaftliche Frage übersetzt: Kommt die Stabilisierung, bevor die nächste Apotheke kippt? Diese Übersetzung passiert automatisch, weil die Betriebe nicht in Legislaturperioden rechnen, sondern in Monaten.

Dazu kommt, dass parallel Anträge einzelner Fraktionen auf der Tagesordnung stehen. Das bindet die Reform in parteipolitische Erzählungen ein. Das kann klären, wer wofür steht. Es kann aber auch dazu führen, dass das Gesetz als Bühne für Profilierung genutzt wird, während Detailarbeit in Hinterzimmer wandert. Und dort, in Arbeitsgruppen und bilateralen Gesprächen, ist Transparenz naturgemäß geringer.

Die zweite Schleife betrifft genau diese Verlagerung. Wenn Anhörungen und Debattenzeiten schrumpfen, wächst die Bedeutung informeller Kanäle: Verbände, die gut vernetzt sind, gewinnen; kleinere Akteure verlieren. Das ist keine Verschwörung, sondern eine Folge von Zeitknappheit. Wer schneller Zugang hat, hat mehr Einfluss. Wer ihn nicht hat, bleibt auf öffentliche Aktionen angewiesen. Damit wird der Ablauf selbst zum Strukturverstärker der Ungleichheit.

Am Ende bleibt ein einfacher, harter Befund: Je enger das Zeitfenster, desto weniger wird öffentlich geprüft, desto mehr wird intern entschieden. Das kann zu schnellen Ergebnissen führen. Es kann aber auch dazu führen, dass Nebenfolgen erst nach Inkrafttreten sichtbar werden – und dann teuer korrigiert werden müssen.

 

S3-Leitlinie zu Opioidstörungen, Substitution wird gestärkt, Apotheke wird Mitakteur.

Die neue S3-Leitlinie zu opioidbezogenen Störungen zieht das Thema aus der Grauzone einzelner Versorgungsbereiche in einen systematisch abgestimmten Rahmen. Im Material steht eine Größenordnung, die das Problem in Deutschland greifbar macht: mehr als 200.000 Menschen sollen illegal Opioide konsumieren. Damit ist klar, worum es geht: eine chronische Erkrankung mit hoher Rückfallgefahr, erheblichen sozialen Folgen und relevanten Gesundheitsrisiken.

Auf der ersten Stoffebene wird Struktur festgelegt. Zu Beginn von Maßnahmen soll ein Ziel gemeinsam mit dem Patienten bestimmt werden: Abstinenz oder substitutionsgestützte Behandlung. Vor Reha- oder Entwöhnungsmaßnahmen soll eine qualifizierte Entzugsbehandlung angeboten werden, häufig stationär, mit medizinischer Begleitung sowie psycho- und soziotherapeutischer Unterstützung. Entzug soll langsam und ausschleichend erfolgen, um Abbrüche zu vermeiden. Das ist keine Detailpflege, sondern der Versuch, Rückfallmechanik früh zu bremsen.

Zentral bleibt die Opioid-Agonisten-Therapie als Goldstandard. Genannt werden zugelassene Substitutionsmittel wie Methadon, Levomethadon, Buprenorphin (auch Depotform), Kombinationen mit Naloxon, retardiertes Morphin und in speziellen Fällen Diamorphin. Die Leitlinie betont: zu niedrige Dosierungen erhöhen das Risiko von Beikonsum illegaler Opioide. Damit wird Dosierung zu einem Steuerungsinstrument gegen Rückfall, nicht zu einer Routinefrage. Und sie betont die Gefahr nach Entzug: sinkende Toleranz kann dazu führen, dass frühere Dosierungen lebensgefährlich werden.

Die Konfliktspannung liegt nicht in der Leitlinie, sondern in ihrer Umsetzung im Alltag. Substitution ist hoch reguliert, dokumentationsintensiv, gesellschaftlich stigmatisiert. Eine Leitlinie kann Standards setzen, aber sie kann nicht die Reibung aus dem System nehmen: Wartezeiten, regionale Versorgungsunterschiede, Belastung einzelner Praxen, die Schnittstelle zwischen ärztlicher Verordnung, psychosozialer Betreuung und Abgabe. Gerade an dieser Schnittstelle wird die Apotheke sichtbar, weil sie den Punkt markiert, an dem Therapie zur täglichen Realität wird.

Nebenfolgen entstehen durch die Ausweitung der Rolle der Apotheke. Die Leitlinie empfiehlt Take-Home-Naloxon für Betroffene oder Angehörige, sofern eine Schulung erfolgt. Damit wird die Offizin zu einem Ort der Notfallprävention. Das erweitert Verantwortung: Beratung, sachgerechte Abgabe, sensible Kommunikation, und ein Umgang mit einem Feld, das medizinisch komplex und sozial belastet ist. Zugleich ist es ein klarer Nutzen: Naloxon kann in akuten Situationen Leben retten.

Die innere Logik dieser Erweiterung ist präzise: Wenn Überdosierungsrisiko nach Entzug steigt, ist ein Antagonist als Notfalloption sinnvoll. Wenn Angehörige oder Betroffene geschult sind, steigt die Chance, dass im Ernstfall richtig gehandelt wird. Die Apotheke wird damit nicht zum Ersatz für Therapie, aber zum stabilisierenden Knotenpunkt. Sie kann zudem auf Selbsthilfeangebote und Anlaufstellen hinweisen, wie im Material beschrieben.

Die zweite Schleife liegt im Systemvergleich. Im Material wird die US-Opioidkrise als Hintergrund genannt, ohne Deutschland gleichzusetzen. Genau daraus ergibt sich ein präventiver Wert: Standards sollen verhindern, dass Fehlentwicklungen eskalieren. Das funktioniert nur, wenn Versorgungsketten nicht reißen. Und Versorgungsketten reißen dort, wo Alltagsprozesse überfordert werden: zu wenig Zeit für Beratung, zu wenig Stabilität in der Substitutionsabgabe, zu wenig Einbindung psychosozialer Unterstützung. Die Leitlinie ist ein Rahmen. Ob der Rahmen trägt, entscheidet sich im Zusammenspiel der Akteure – und damit auch in der Tragfähigkeit der Apotheken vor Ort.

 

Winterrhagaden entstehen physikalisch, Pflege muss mechanisch denken, Persistenz deutet auf Systemursachen.

Unter acht Grad kippt die Logik der Hautoberfläche. Die Talgdrüsen drosseln ihre Produktion, der verbleibende Talg wird zäh, verteilt sich schlechter, der Schutzfilm wird dünn. Gleichzeitig trocknet die Umgebung von innen: Heizluft senkt die Luftfeuchtigkeit, Wasser verdunstet schneller. Die Haut wird spröde. Dann reicht ein Griff, ein Schritt, ein Lächeln, und an den belasteten Stellen reißt sie ein.

Rhagaden sind keine „trockene Stelle“. Sie sind ein Riss bis in die Lederhaut, dort wo Nerven und Blutgefäße liegen. Deshalb schmerzt es. Deshalb blutet es. Und deshalb verlängert jede Bewegung die Heilung, wenn der Riss nicht entlastet wird. Ein kurzer Cremeimpuls ist hier zu wenig.

Die erste Stoffebene in der Beratung ist Physik: Feuchtigkeit ohne Film hilft bei Winterkälte oft nicht, weil sie nicht bleibt. Öl-in-Wasser-Emulsionen fühlen sich gut an, sind aber bei Kälte häufig zu „leicht“. Wasser-in-Öl-Emulsionen und Salben bauen einen okklusiven Schutz, reduzieren den transepidermalen Wasserverlust und ersetzen den fehlenden Lipidmantel. Das ist keine Geschmacksfrage. Das ist Struktur.

Die zweite Stoffebene ist Mechanik: Ein Riss entsteht dort, wo Spannung sitzt. Dicke Hornhaut an der Ferse macht die Kante starr, Fingerkuppen reißen beim Greifen, Mundwinkel reißen durch permanente Mikrobewegung. Deshalb braucht die Behandlung eine Abfolge, die nicht beliebig ist. Erst Spannung raus. Dann Regeneration. Dann Schutz.

Keratolyse mit höher dosiertem Urea (im Bereich 15–25 %) kann verhärtete Ränder aufweichen und die Spannung mindern. Danach kommt Regeneration, häufig mit Dexpanthenol, weil es die Epithelisierung unterstützt. Bei Mundwinkeln kann Zinkpaste sinnvoll sein, wenn Feuchtigkeit das Areal ständig aufweicht und die Ränder „matschig“ bleiben. Und dann: Fixierung. Hydrokolloidpflaster schaffen ein feuchtes Wundmilieu, Fingerkuppenpflaster entlasten punktuell, Flüssigpflaster kann bei schlecht zu fixierenden Stellen eine Brücke schlagen. Jede Stufe erfüllt eine Funktion. Ohne Fixierung reißt es wieder auf.

Nebenfolgen sind praktisch und oft unterschätzt. Offene Rhagaden sind Eintrittspforten für Keime, vor allem an Händen. Schmerz verändert Verhalten: Betroffene greifen anders, laufen anders, belasten andere Stellen, es entstehen Folgeschmerzen. Manche gehen mit aggressiven Desinfektionsmitteln oder häufigem Waschen dagegen an – was die Barriere weiter schwächt. Dann entsteht ein Kreislauf. Kurz.

Die dritte Stoffebene ist Differenzial ohne Diagnosesprung: Nicht jede „Winterrhagade“ ist nur Winter. Wenn Risse trotz konsequenter Fettpflege nicht abheilen, wenn sie ungewöhnlich lokalisiert sind oder immer wiederkehren, liegt der Gedanke nahe, dass etwas mit der Regeneration nicht stimmt. Häufige Kandidaten sind Mangelzustände wie Eisen, Zink oder Vitamin B2, manchmal auch chronische Hauterkrankungen oder Belastungen durch Kontaktstoffe. Hier entscheidet die Beratung darüber, ob man nur die Oberfläche versiegelt oder ob man eine plausible zweite Ebene öffnet.

Dazu kommt ein Sonderfall: Lippen und Mundwinkel. Im Lippenrot fehlen Talgdrüsen, der Schutz ist naturgemäß schwächer. Gleichzeitig wirken Speichel, Essen, Kälte und Heizungsluft im Wechsel. Wenn dort Risse entstehen, ist „mehr Feuchtigkeit“ nicht automatisch die Lösung, weil Feuchtigkeit ohne Schutz den Rand weiter aufweichen kann. Man braucht dann Schutzlogik, nicht nur Pflegegefühl.

Die zweite Schleife ist die Erwartung an Geschwindigkeit. Viele wollen, dass es „morgen weg“ ist. Rhagaden heilen aber nach Mechanik, nicht nach Wunsch: Entlastung und Schutz beschleunigen, Reizung und Spannung verzögern. Wer das erklärt, reduziert Frust und Fehlanwendung. Und wer Persistenz ernst nimmt, verhindert, dass ein eigentlich kleiner Riss zum dauerhaften Problem wird.

So bleibt das 8-Grad-Phänomen als Auslöser plausibel. Aber der Verlauf entscheidet, ob es beim Wetter bleibt oder ob ein inneres Thema sichtbar wird. Genau dort liegt die Verantwortung im Gespräch: nicht dramatisieren, aber auch nicht kleinreden.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

In der Offizin wirkt Politik oft wie Wetter: Man spürt sie, bevor man sie beziffern kann. Ein Gesetz rückt in den Kalender, eine Anhörung schrumpft, ein Protest bekommt ein Datum – und plötzlich wird aus dem langen Druck ein konkreter Tag, an dem Türen zu bleiben sollen, damit etwas offen bleibt. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Versorgung nicht nur aus Paragrafen besteht, sondern aus Menschen, die bleiben, Teams, die tragen, Routinen, die nicht reißen dürfen. Es ist diese stille Gleichzeitigkeit, die den Ton setzt: Der Konflikt wird nicht lauter, er wird dichter.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn ein System sich nur noch in Terminen, Listen und Zuständigkeiten beruhigt, kippt der Alltag in die Gegenrede. Dann wird ein Montag zum Marker, eine Anhörung zum Filter, ein Beruf zur Frage nach dem Ort, an dem er überhaupt noch gelebt werden kann. Und während draußen Kälte die Haut aufreißen lässt, zeigt sich drinnen derselbe Mechanismus im Großen: Ohne Schutzfilm verliert etwas Elastizität. Die eigentliche Deutung liegt nicht im Streit, sondern in der Simplizität der Kette: Stabilität ist keine Haltung, sie ist eine Finanz- und Verfahrensrealität.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Die acht Themen zeigen gemeinsam, wie Honorar, Verfahren, Personal und Versorgung sich gegenseitig unter Spannung setzen.

 

Zurück zur Übersicht

  • Pharmarisk® OMNI: Die Allrisk-Police zu Fixprämien
    Pharmarisk® OMNI: Die Allrisk-Police zu Fixprämien
    Allgefahrenschutz online berechnen und beantragen

Wir kennen Ihr Geschäft, und das garantiert Ihnen eine individuelle und kompetente Beratung.

Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.

Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.

  • Die PharmaRisk® FLEX
    Die PharmaRisk® FLEX
    Eine flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
Nutzen Sie unsere Erfahrung und rufen Sie uns an

Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.

Mit der ApoRisk® FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.

  • Die PharmaRisk® CYBER
    Die PharmaRisk® CYBER
    Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken