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  • 21.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind AfD nutzt Apotheken-A, Preis erhöht Druck, CDU verschärft Kurs.
    21.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind AfD nutzt Apotheken-A, Preis erhöht Druck, CDU verschärft Kurs.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Der Tag verbindet acht Themenstränge: Wahlkampf-Symbolik um das Apotheken-A, Honorar- und Verhandlungsdruck aus der Standespolitik, CDU-E...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind AfD nutzt Apotheken-A, Preis erhöht Druck, CDU verschärft Kurs.

 

Ein AfD-Wahlplakat vereinnahmt das Apotheken-A, Preis fordert Ergebnisse beim Honorar, CDU-Beschlüsse verschieben Krankschreibung und Cannabis.

Stand: Samstag, 21. Samstag 2026, 17:10 Uhr 

Apotheken-News: Bericht von heute

Heute fällt auf, wie schnell ein Symbol zur Zündschnur wird: Das Apotheken-A taucht im Wahlkampf auf und zwingt Betriebe in eine Abgrenzung, die sie nicht suchen. Gleichzeitig steigt der Druck auf Schwarz-Rot, weil Fixum und Verhandlungslogik im Alltag nicht als Debatte erscheinen, sondern als fehlende Luft im Betrieb. Und aus Stuttgart kommen Linien, die sofort Wege und Erwartungen verändern: telefonische Krankschreibung soll strenger werden, Cannabis steht wieder zur Disposition, Prävention bleibt umkämpft. Im Hintergrund wächst die Fehlerfläche leise weiter – beim Biologika-Austausch, bei Kompetenzfragen zwischen den Berufen, bei Infekten in Schulen und bei Wintermüdigkeit, die der Takt nicht mitdenkt. Entscheidend ist die Gleichzeitigkeit: Politik, Regeln, Alltag, alles zieht an derselben Kante.

 

AfD nutzt Apotheken-A, ein Inhaber widerspricht, die Markenfrage bleibt offen.

Zwischen Wahlplakaten mit Kandidatengesichtern und Parolen hängt in Bad Reichenhall ein Motiv, das wie eine Vereinnahmung wirkt: ein AfD-Plakat, auf dem groß das rote Apotheken-A zu sehen ist, darunter der Satz „Apotheken vor Ort unterstützen!“. Für viele Passanten liest es sich wie ein Gütesiegel. Für einen Inhaber in der Nähe liest es sich wie ein Etikett, das er nicht vergeben hat.

Der Ärger hat weniger mit Parteilogos zu tun als mit dem Mechanismus dahinter. „Apotheke“ ist im Alltag keine beliebige Vokabel, sondern ein Vertrauensanker: Wer das Zeichen sieht, erwartet Beratung, Verantwortung, Regeln. Wird dieses Zeichen in einen Wahlkampf gezogen, entsteht ein falscher Gleichklang – als würde eine Institution für eine Partei sprechen oder als wäre die Partei Sprecherin einer ganzen Berufsgruppe. Genau diese Verwechslung, sagt der Apotheker, mache das Plakat so schwer erträglich.

Hinzu kommt die Schieflage der Symbolik: Die AfD setzt nicht auf ein Gesicht, sondern auf ein bekanntes Zeichen mit hoher Wiedererkennung. Das ist kommunikativ klug, weil es an ein Bedürfnis andockt, das viele teilen – wohnortnahe Versorgung, sichere Wege, kurze Distanzen. Es ist aber auch heikel, weil damit ein Markenbild benutzt wird, das in der Öffentlichkeit nicht als Parteisprache, sondern als Berufs- und Versorgungszeichen verankert ist.

Auf der Sachebene führt das direkt in die Frage nach den Rechten am „gotischen A“ und nach dem Spielraum des Markeninhabers. Nach Darstellung des Apothekers hat er beim Bayerischen Apothekerverband nachgefragt; dort sei ihm – auch mit Hinweis auf den Deutschen Apothekerverband als Rechteinhaber – signalisiert worden, dass man gegen dieses Plakat kaum vorgehen könne. Das kollidiert mit dem, was viele in der Branche als Selbstverständlichkeit kennen: Das Apotheken-A soll als geschütztes Erkennungszeichen gerade nicht beliebig in fremde Kontexte wandern, sondern an klar definierte Berechtigte gebunden bleiben.

Genau an dieser Stelle prallen zwei Logiken aufeinander. Markenführung funktioniert über Kontrolle: Wer das Zeichen führt, soll die Bedingungen erfüllen, unter denen es Vertrauen verdient. Wahlkampf funktioniert über Zuspitzung und Anschlussfähigkeit: Ein Motiv darf so gestaltet sein, dass es Aufmerksamkeit bündelt, auch indem es an bestehende Symbole andockt. Dass Wahlwerbung als solche nicht umfassend gesetzlich „durchreguliert“ ist und sich Parteien dabei auf grundrechtliche Schutzräume berufen können, erklärt, warum die Lage in der Praxis schnell grau wird – selbst dann, wenn ein Zeichen im Alltag klar zugeordnet scheint.

Der Fall legt außerdem offen, wie dünn die programmatische Verbindung tatsächlich ist. Wenn im Umfeld der Partei nur vage Aussagen zu Apotheken auftauchen, die Apotheke neben „Dorfladen“, „Bank“ oder „Post“ als weiteres Angebot in einem Versorgungszentrum mitdenken, wirkt das aus Apothekensicht nicht wie Fachkenntnis, sondern wie Kulisse. Apotheken sind keine Regalfläche, sie sind regulierte Gesundheitsbetriebe mit eigenen Pflichten, Grenzen und Haftungslogiken. Wer sie sprachlich in die Reihe „zusätzlicher Angebote“ stellt, zeigt eher Abstand als Nähe.

Für die Apotheke vor Ort entsteht damit ein Risiko, das nicht in Euro zu messen ist. Vertrauen lebt von Klarheit: Wer spricht wofür, wer steht wozu, wer trägt welche Verantwortung. Wenn ein Wahlplakat diese Klarheit verwischt, bleibt beim Publikum ein Rest: das Gefühl, Apotheke und Partei gehörten irgendwie zusammen. Selbst wenn niemand das beabsichtigt, ist der Effekt real – und er ist schwer wieder einzufangen, weil Symbole schneller wirken als spätere Einordnungen.

Am Ende ist das keine Randnotiz des Wahlkampfs, sondern ein Testfall für die Robustheit eines Berufszeichens. Entweder ein Symbol bleibt sauber an seine Träger gebunden, oder es wird zur Projektionsfläche, auf die sich jeder draufsetzt, der vom guten Klang profitieren will. Die Entscheidung darüber fällt nicht nur vor Gerichten oder in Satzungen, sondern in der Frage, ob die Branche es schafft, ihr Zeichen als institutionelles Versprechen zu verteidigen, ohne es durch Überreaktionen selbst zu beschädigen.

 

Apotheken warten auf Ergebnisse, Thomas Preis erhöht den Druck, der Koalitionsvertrag muss liefern.

Im Saal ist die Geduld kein Stimmungswert mehr, sondern ein Betriebsfaktor. Thomas Preis setzt genau dort an, wo Apotheken zuletzt am empfindlichsten reagieren: bei der Differenz zwischen politischen Zusagen und dem, was im Alltag wirklich ankommt. Seine Formel „Probezeit abgelaufen“ wirkt deshalb nicht wie Kongressrhetorik, sondern wie eine Deadline-Setzung aus der Praxis heraus.

Preis bindet die Erwartung an einen klaren Hebel: die Umsetzung dessen, was im Koalitionsvertrag steht, ohne Hintertüren. Das ist eine Machtverschiebung in der Argumentation. Nicht mehr Apotheken werben um Aufmerksamkeit, sondern Politik wird an den eigenen Text gebunden. Aus dem Gesprächsangebot wird eine Einlösungspflicht.

Der Fixum-Schritt auf 9,50 Euro erscheint in seiner Logik nicht als Geschenk, sondern als Reparatur einer Entkopplung. Kosten steigen, Löhne steigen, Energie und Miete steigen, und die Vergütung bleibt stehen: Diese Schere ist das eigentliche Thema. Wer das Fixum als „Einmalmaßnahme“ behandelt, produziert die nächste Lücke schon mit. Preis insistiert deshalb auf einer Verhandlungslösung, die jährlich nachzieht und nicht jedes Mal neu erkämpft werden muss. Das ist eine Strukturforderung, keine Summe.

An dieser Stelle wird seine Rede politisch schärfer, ohne ins Parteiische zu kippen. Er beschreibt eine wiederkehrende Regierungslogik: Apotheken sollen mehr Verantwortung übernehmen, mehr impfen, mehr Dienstleistungen erbringen, nachts noch stärker bereitstehen – und gleichzeitig heißt es, für mehr Honorar sei kein Geld da. Der Widerspruch ist nicht moralisch, er ist ökonomisch. Mehr Aufgaben ohne verlässliche Finanzierung machen Versorgung nicht besser, sie machen sie fragiler.

Der Konfliktpunkt PTA-Vertretung zeigt, wie schnell ein Strukturversprechen in eine Berufsfrage kippt. Preis’ Satz, eine „Apotheke ohne Apotheker“ werde man nicht zulassen, ist als Grenzlinie formuliert: Delegation ja, Entkernung nein. Dahinter steht nicht Nostalgie, sondern Haftungsrealität. In der öffentlichen Apotheke hängt am Ende eine Person am Tresen und am Verfahren, und genau dieses Ende lässt sich nicht wegmoderieren.

Seine Kritik trifft das Bundesgesundheitsministerium dort, wo viele Verbände gerade die größte Frustration sammeln: Bei der Behandlung von Korrekturvorschlägen. Wenn Abda und Bundesrat Dutzende Punkte melden und die entscheidenden Anpassungen „frostig“ abgelehnt werden, entsteht der Eindruck, Beteiligung sei Kulisse. Das ist gefährlich, weil die Akzeptanz von Reformen nicht aus Überschriften kommt, sondern aus nachvollziehbaren Verfahren. Wer fachliche Einwände systematisch abräumt, bekommt später Widerstand nicht als Emotion, sondern als Organisationsform zurück.

Preis nutzt einen Vergleich, der in der Apotheke sofort verstanden wird: Andere Gesundheitsbereiche verhandeln regelmäßig, Apotheken werden mit Verweis auf Systemknappheit vertröstet. Besonders wirksam ist der Kontrast zu den Honoraranpassungen bei Ärztinnen und Ärzten, die in kurzer Zeit als Einigung präsentiert werden konnten, während Apotheken seit Jahren um eine Anpassung kämpfen. Sein Hinweis auf Größenordnungen – Milliarden hier, knapp eine Milliarde dort – ist keine Neidformel, sondern eine Zumutung an die politische Logik: Wenn Mittel mobilisierbar sind, ist „kein Geld“ eine Prioritätenaussage.

Damit verschiebt er die Debatte vom Jammern zur Ordnungsfrage. Die eigentliche Frage lautet: Welche Infrastruktur soll in Deutschland als verlässlich gelten, und wie wird sie finanziert, wenn sie nicht skalierbar wie Industrie ist, sondern flächendeckend wie Daseinsvorsorge. Apotheken sind kein Projekt, sie sind ein Netz. Netze reißen nicht an einem großen Schnitt, sie reißen an vielen kleinen Nicht-Entscheidungen.

Aus dieser Diagnose folgt sein nächster Schritt: „massive Maßnahmen“ als Begleitung der anstehenden politischen Etappen. Das ist eine Eskalationsansage, aber sie ist zugleich ein Eingeständnis. Wer nach Jahren des Argumentierens zu Maßnahmen greift, signalisiert, dass der klassische Zugang über Gespräche und Papiere nicht mehr ausreicht. Protest wird hier nicht als Stimmung inszeniert, sondern als Druckmittel, um Verfahren wieder in Bewegung zu bringen.

Die angekündigte Petition passt in dieses Bild, weil sie den Adressatenkreis erweitert. Apotheken können intern mobilisieren, aber politisch wirkt es stärker, wenn Versorgung als Bürgerinteresse sichtbar wird. Gleichzeitig steckt darin ein Risiko: Wer die Öffentlichkeit anspricht, wird an Klarheit und Maß gemessen. Druck ohne klare Zielmarken verliert schnell an Wirkung.

Am Ende bleibt von Preis’ Rede eine nüchterne Kernbotschaft: Apotheken verlangen keine Sonderrolle, sie verlangen die Normalität, die anderen bereits haben. Verhandeln, anpassen, nachsteuern – nicht als Gnade, sondern als Systemroutine. Wenn diese Routine ausgerechnet bei der Arzneimittelversorgung ausfällt, ist das kein Detail im Gesundheitswesen, sondern ein Ordnungsfehler.

 

CDU verschärft Sozial- und Gesundheitsthemen, der Parteitag setzt Signale, die Folgen reichen in die Versorgung.

Parteitage produzieren oft Schlagzeilen. In Stuttgart produziert die CDU vor allem Weichenstellungen. Zwischen Social-Media-Altersgrenze, telefonischer Krankschreibung und Cannabis-Rücknahme entsteht ein Paket, das direkt in Alltagsentscheidungen von Patientinnen, Ärzten und Apotheken hineinwirkt.

Die Debatte um eine Altersgrenze von 14 Jahren für soziale Medien ist mehr als Kulturkampf. Sie greift in Prävention, Jugendschutz und Medienkompetenz ein – Themen, die in Beratungsgesprächen längst angekommen sind. Wer psychische Belastungen bei Jugendlichen sieht, weiß, dass Bildschirmzeiten kein Nebenthema sind. Gleichzeitig bleibt die praktische Umsetzung offen: Altersprüfung ist technisch, rechtlich und gesellschaftlich ein Minenfeld. Politische Klarheit ersetzt keine Vollzugslösung.

Konkreter wird es bei der telefonischen Krankschreibung. Die CDU will die Möglichkeit einschränken, sich ohne Praxisbesuch arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Dahinter steht die These, dass eine niedrigere Hürde zu höheren Fehlzeiten führt. Der Begriff „Bettkantenentscheidung“ beschreibt genau diesen Moment zwischen Pflichtgefühl und Schonung.

Für die Versorgung bedeutet das zweierlei. Erstens könnte eine strengere Regelung wieder mehr Präsenztermine in Arztpraxen erzeugen – mit entsprechenden Wartezeiten und zusätzlichem Druck auf Terminstrukturen. Zweitens verschiebt sich die Rolle der Apotheke als erste Anlaufstelle bei leichten Symptomen. Wenn Patientinnen und Patienten früher wieder in Praxen müssen, ändert das Wege, nicht zwingend Krankheitsverläufe. Die Frage ist, ob Kontrolle hier tatsächlich Steuerung bedeutet oder nur Verlagerung.

Auch beim Thema Cannabis setzt der Parteitag ein klares Zeichen. Die Teillegalisierung für Volljährige soll nach dem Willen der CDU rückgängig gemacht werden. Besitz, Anbau und Vertrieb würden dann wieder strafbewehrt. Die Begründung verweist auf soziale und gesundheitliche Risiken, die seit Inkrafttreten der Reform sichtbarer geworden seien.

Für Apotheken ist das kein Randthema. Cannabis ist inzwischen Teil pharmazeutischer Beratung – sowohl im medizinischen Kontext als auch in Abgrenzung zum Freizeitgebrauch. Eine erneute strafrechtliche Verschiebung würde nicht nur Konsumverhalten verändern, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung. Wer heute über Risiken aufklärt, müsste morgen wieder stärker zwischen Legalität und Illegalität differenzieren. Das schafft neue Unsicherheiten im Gespräch.

Die Debatte um eine Limo-Steuer zeigt die andere Seite gesundheitspolitischer Instrumente. Ein Landesverband wollte über gestaffelte Steuersätze den Zuckergehalt in Getränken senken und eine Altersgrenze für Energy-Drinks prüfen lassen. Der Antrag fand keine Mehrheit. Die CDU setzt hier stärker auf marktwirtschaftliche Anreize als auf fiskalische Lenkung.

Auch das berührt Prävention in der Fläche. Übergewicht bei Kindern ist längst ein Thema in ärztlichen Leitlinien und pharmazeutischer Beratung. Die Frage ist, ob Preise Verhalten lenken oder ob Aufklärung allein genügt. Parteitagsbeschlüsse beantworten diese Frage nicht endgültig, sie markieren aber die Richtung, in der politische Instrumente gesucht werden.

Schließlich scheiterte die Junge Union mit weitreichenden Sozialreformplänen. Forderungen nach Karenztagen im Krankheitsfall, Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung oder Änderungen bei der Lohnfortzahlung wurden zur weiteren Diskussion überwiesen. Die Parteispitze warnte vor wahlkampftaktischen Risiken.

Hier wird sichtbar, wie eng Sozialpolitik, Arbeitsrecht und Gesundheitswesen miteinander verwoben sind. Wer an der Lohnfortzahlung rührt, beeinflusst das Verhalten bei Krankheit. Wer Renten an Preis- statt Lohnentwicklung koppeln will, verschiebt finanzielle Spielräume ganzer Generationen. Gesundheitsversorgung ist in diesem Geflecht kein isolierter Sektor, sondern ein Resonanzraum.

Der Parteitag endet ohne spektakuläre Einzelmaßnahme, aber mit einem Bündel klarer Positionsmarken. Mehr Kontrolle bei Krankschreibungen, Rücknahme der Cannabis-Reform, Skepsis gegenüber Zuckersteuern, Zurückhaltung bei radikalen Sozialreformen. Jede dieser Linien kann in Koalitionsverhandlungen relativiert werden. Doch sie geben einen Rahmen vor, in dem Versorgung künftig organisiert wird.

Politische Programme sind keine Rezepte, aber sie definieren den Herd. Wer im Alltag Versorgung trägt, muss wissen, auf welcher Flamme künftig gekocht wird.

 

Apotheken tauschen Biologika, §40c setzt neue Pflicht, Retaxrisiko wächst.

Es klingt nach einer technischen Anpassung, ist aber in Wahrheit ein neuer Alltagstest für die Apotheke: Biologika sollen künftig wie klassische Wirkstoffe im Austauschsystem funktionieren, nur dass bei Biologika jeder „kleine“ Unterschied groß werden kann. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist vom Bundesgesundheitsministerium nicht beanstandet worden, mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger rückt der Startpunkt näher. Der G-BA rechnet mit einem Inkrafttreten frühestens ab April. Damit wird aus einer Spezialregel für bestimmte patientenindividuelle Zubereitungen ein breiteres Austauschregime.

Der neue § 40c der Arzneimittel-Richtlinie ist dabei kein freundlicher Rahmen, sondern ein Prüfpfad mit Stolperstellen. Im Kern geht es um die Frage, ob das abzugebende biotechnologisch hergestellte Arzneimittel wirklich „deckungsgleich“ genug ist, um ausgetauscht zu werden: gleiche Anwendungsgebiete in der Zulassung, passende Applikationsarten, identische Wirkstärke und Packungsgröße, sowie eine Darreichungsform, die nicht nur auf dem Papier passt, sondern im Gebrauch. Genau hier liegt der Unterschied zu vielen chemisch-synthetischen Austauschen: Bei Biologika hängt die sichere Anwendung oft an Details des Behältnisses, also daran, ob es sich etwa um Fertigspritze, Fertigpen oder Patrone handelt und ob Patientinnen und Patienten damit vertraut sind. Ein Austausch, der formal korrekt aussieht, kann praktisch trotzdem zu Fehlern führen, wenn Handhabung, Training oder Routine nicht mitwandern.

Die Richtlinie öffnet den Austausch grundsätzlich in zwei Richtungen: vom Referenzarzneimittel zu seinen Biosimilars und zwischen Biosimilars untereinander, sofern sie auf dasselbe Referenzprodukt zugelassen sind. Das ist wirtschaftlich logisch und politisch gewollt, weil Biosimilars Sparpotenzial bündeln. Für die Apotheke bedeutet es aber, dass die Entscheidung stärker in den Abgabeprozess hineinrutscht. Wo früher „nicht austauschbar“ oft die bequemere Wahrheit war, ist künftig „austauschbar, aber nur wenn…“ der Normalfall.

Die nächste Schicht ist die Kassenlogik. Wenn Rabattverträge für Biologika greifen, ist die Wirtschaftlichkeit aus Sicht der Richtlinie „abgehakt“, ein zusätzlicher Kostenvergleich entfällt. Das klingt entlastend, verschiebt aber den Druck: Die Frage wird nicht mehr „welches ist günstiger“, sondern „welches ist vertraglich richtig und zugleich regelkonform“. Exklusive Rabattverträge mit Laufzeiten von typischerweise zwei Jahren können Versorgung lenken, aber auch verengen. Je stärker die Auswahl auf wenige Präparate fokussiert wird, desto größer wird das Risiko von Nichtverfügbarkeit, kurzfristigen Umstellungen und wiederholten Schulungen, gerade bei chronisch Erkrankten, die Stabilität im Handling brauchen.

Entscheidend ist, dass § 40c nicht als starres Austauschgebot ohne Ausgänge gebaut ist. Wenn die verschreibende Person den Austausch aus medizinisch-therapeutischen Gründen ausschließt, ist die Pflicht weg. Außerdem bleibt der Apotheke die Möglichkeit, den Austausch „unter Würdigung patientenindividueller Aspekte“ zu umgehen, etwa bei bekannten Unverträglichkeiten, Allergien oder Nebenwirkungen. Diese Öffnung ist wichtig, aber sie ist zugleich die Zone, in der Retaxfallen entstehen: Je mehr Ermessensspielraum, desto mehr Dokumentationsbedarf. Wer hier zu knapp bleibt, riskiert, dass eine sachlich sinnvolle Entscheidung im Nachhinein als formaler Fehler gelesen wird.

Damit rückt die Frage nach der Beweisführung in den Mittelpunkt. Bei Biologika wird es nicht reichen, innerlich sicher zu sein. Die Apotheke braucht eine saubere, nachvollziehbare Linie: Warum wurde ausgetauscht, warum nicht, welches Kriterium war ausschlaggebend, und wie wurde die sichere Anwendung abgesichert. Gerade bei Geräten und Applikationsformen ist das kein Luxus, sondern Patientensicherheit im Kleinen. Ein Pen ist nicht nur eine Packung, er ist ein Bedienkonzept.

In der Praxis wird die Warenwirtschaft zur Schaltstelle, aber sie ersetzt nicht das Denken. Die Anlage IIa der Arzneimittel-Richtlinie kann helfen, weil sie zugelassene Biologika und Biosimilars systematisch abbildet. Trotzdem bleibt ein Rest, der nicht automatisierbar ist: die Passung der Applikationsart, die Frage nach identischer Handhabung, die Kontinuität bei Langzeittherapien. Beispiele zeigen, wie breit das Feld ist, von Adalimumab rund um das Referenzprodukt Humira bis hin zu intravitrealen Aflibercept-Anwendungen im Umfeld von Eylea. Gerade bei sensiblen Applikationswegen ist die Hemmschwelle für Fehler niedrig, die Folgen aber hoch.

Für die Apotheke ist das am Ende ein Doppelauftrag. Wirtschaftlichkeit muss erfüllt werden, Patientensicherheit muss bestehen, und beides muss im Zweifel belegbar sein. Der gefährliche Irrtum wäre, den Biosimilar-Austausch als reine Sparroutine zu behandeln. In Wahrheit ist es ein neues Standardverfahren, das Ausbildung, Prozessdisziplin und Kommunikationsfähigkeit verlangt: im Team, gegenüber der Arztpraxis und gegenüber den Patientinnen und Patienten. Wer das früh sauber aufsetzt, reduziert Retaxrisiken und vermeidet unnötige Verunsicherung. Wer es laufen lässt, bekommt die Fehler nicht als Ausnahme, sondern als Serie.

 

Apothekenreform spaltet die Standespolitik, Studierende fordern Debatte, Interprofessionalität rückt ins Zentrum.

Die nächste Generation mischt sich ein. Während sich ärztliche Standesvertretungen und Teile der Apothekerschaft am Entwurf zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz abarbeiten, wählen die Bundesvertretung der Medizinstudierenden und der Bundesverband der Pharmaziestudierenden einen anderen Ton: weniger Abwehr, mehr Analyse.

Im Kern geht es um Kompetenzen. Der Gesetzentwurf sieht vor, Apothekerinnen und Apothekern in bestimmten Konstellationen weitergehende Befugnisse bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln einzuräumen. Für viele Ärztinnen und Ärzte ist das eine rote Linie, weil sie das sogenannte Vier-Augen-Prinzip gefährdet sehen. Die Sorge: Wenn Diagnose, Therapieentscheidung und Abgabe zu nah zusammenrücken, drohen Fehler und Interessenkonflikte.

Die Studierenden halten dagegen nicht mit Parolen, sondern mit der Forderung nach Evidenz. Sie plädieren für eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Diskussion darüber, welche Aufgabenverteilungen in welchen Settings sicher funktionieren können. Das ist ein Perspektivwechsel. Statt die Debatte auf Berufsgrenzen zu verengen, fragen sie nach Versorgungsrealität und Datenlage.

Dabei verweisen sie auf internationale Erfahrungen. In mehreren Ländern arbeiten sogenannte „Supplementary Prescribers“ – nicht-ärztliche Fachkräfte mit klar definierten, zusätzlichen Verschreibungsbefugnissen. Auch größere systematische Auswertungen, etwa aus Cochrane-Analysen, legen nahe, dass bei bestimmten häufigen Erkrankungen vergleichbare Therapieergebnisse erzielt werden können, wenn nicht-ärztliche Gesundheitsberufe strukturiert eingebunden sind. Das ist kein Blankoscheck, aber ein Argument gegen reflexhafte Ablehnung.

Entscheidend ist der Rahmen. Die Studierenden betonen, dass Patientensicherheit oberste Leitlinie bleiben müsse. Erweiterte Kompetenzen seien nur dann sinnvoll, wenn sie rechtlich klar abgegrenzt, ausbildungsseitig unterlegt und interprofessionell abgestimmt seien. Genau hier sehen sie ein Defizit: Medizin- und Pharmaziestudium laufen oft nebeneinander her, obwohl die spätere Versorgung Zusammenarbeit verlangt.

Interprofessionalität wird damit vom Schlagwort zur Strukturfrage. Wer Apothekerinnen und Apotheker stärker in die Versorgung einbinden will, muss auch Ausbildungsinhalte anpassen: gemeinsame Fallseminare, abgestimmte Leitlinien, klare Kommunikationswege. Ohne diese Grundlage entsteht nicht Kooperation, sondern Konkurrenz.

Gleichzeitig ist der Reformdruck real. Deutschland verzeichnet im internationalen Vergleich sehr viele Arztkontakte pro Kopf. Jede strukturelle Entlastung, die medizinisch sinnvoll delegierbar ist, kann hier Effizienzreserven heben. Apotheken sind niedrigschwellig erreichbar, fachlich qualifiziert und flächendeckend präsent. Die Frage ist nicht, ob sie mehr können, sondern unter welchen Bedingungen sie mehr dürfen sollten.

Die Studierenden argumentieren aus einer Zukunftsperspektive. Sie werden in einem System arbeiten, das unter Fachkräftemangel, demografischem Wandel und Kostendruck steht. Ein starres Beharren auf tradierten Grenzziehungen löst diese Probleme nicht. Ebenso wenig hilft eine naive Kompetenzverschiebung ohne Absicherung.

Was aus ihrer Wortmeldung bleibt, ist ein Angebot: Die Reform nicht als Machtkampf zu führen, sondern als Designaufgabe. Welche Leistungen gehören wohin, welche Qualifikation deckt welche Verantwortung ab, und wie wird Haftung verteilt. Wenn diese Fragen sauber beantwortet werden, kann eine Erweiterung von Befugnissen Versorgung stabilisieren statt destabilisieren.

Die Debatte ist damit geöffnet, aber nicht entschieden. Sie verlangt kühle Köpfe und belastbare Daten. Wer sie nur über Standesidentität führt, verpasst die Chance, ein System zukunftsfähiger zu machen.

 

Multiple Sklerose erhöht Psoriasisrisiko, familiäre Belastung verschärft Verlauf, Versorgung bleibt lückenhaft.

Chronische Entzündung kennt keine Disziplinengrenzen. Was lange als getrennte Krankheitswelten betrachtet wurde – Multiple Sklerose im Nervensystem, Psoriasis auf der Haut – zeigt in aktuellen Daten eine engere Verbindung, als es die Fachgebiete vermuten ließen. Eine australische Untersuchung legt nahe, dass MS-Patientinnen und -Patienten deutlich häufiger auch an Schuppenflechte erkranken als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Zahlen sind klar genug, um nicht als Zufall durchzugehen. Während in der allgemeinen australischen Bevölkerung rund 2,4 Prozent mit einer Psoriasis-Diagnose leben, lag der Anteil in der untersuchten MS-Kohorte bei 13,7 Prozent. Das ist ein fast sechsfach erhöhtes Risiko. Hinter dieser Differenz steht mehr als statistische Spielerei; sie verweist auf gemeinsame immunologische Mechanismen. Beide Erkrankungen gelten als chronisch immunvermittelte Entzündungsprozesse, bei denen fehlgeleitete Immunreaktionen körpereigene Strukturen angreifen.

Besonders deutlich wird die Verbindung dort, wo familiäre Vorbelastung ins Spiel kommt. Wer nahe Verwandte mit Psoriasis hat, trägt laut der Untersuchung ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko, selbst zusätzlich zur MS an Schuppenflechte zu erkranken. Die genetische Komponente tritt hier offen zutage. Auffällig ist zudem die Geschlechterverteilung: Frauen mit entsprechender Familienanamnese waren überdurchschnittlich häufig betroffen. Jede Dritte in dieser Untergruppe wies eine Psoriasis-Diagnose auf. Das verschiebt die Risikobewertung deutlich, vor allem in der neurologischen Betreuung.

Die Studie erfasste 204 Teilnehmende mit einem Durchschnittsalter von knapp 49 Jahren, zwei Drittel davon Frauen. Es handelt sich um eine Querschnittsuntersuchung, also um eine Momentaufnahme, die Zusammenhänge beschreibt, ohne Kausalität endgültig zu beweisen. Dennoch sind die klinischen Signale eindeutig. Neben der Diagnose selbst berichteten viele Betroffene über relevante Symptomlast: Juckreiz, schuppende Hautareale an Kopf oder Ohren, saisonale Verschlechterungen, Nagelveränderungen. Für Menschen mit MS, die ohnehin mit Fatigue, motorischen Einschränkungen oder Sensibilitätsstörungen kämpfen, bedeutet eine zusätzliche Hauterkrankung eine spürbare Mehrbelastung.

Ein zweiter Befund wiegt mindestens ebenso schwer: die Versorgungslücke. Nur gut ein Drittel der Betroffenen mit bestätigter Psoriasis befand sich in aktiver dermatologischer Behandlung. Gleichzeitig berichteten fast 40 Prozent derjenigen mit familiärer Vorbelastung, aber ohne formale Diagnose, über neu aufgetretene Hautveränderungen seit Beginn ihrer MS. Hier entsteht ein blinder Fleck. Symptome werden wahrgenommen, aber nicht systematisch abgeklärt oder behandelt.

Für die Therapiewahl bei MS erhält dieser Zusammenhang besondere Relevanz. Einige immunmodulatorische Medikamente wie Dimethylfumarat oder Teriflunomid zeigen positive Effekte auf Psoriasis oder zumindest keine Verschlechterung. Andere Substanzen können Hautsymptome hingegen triggern oder verstärken. Wer beide Erkrankungen im Blick hat, kann gezielter auswählen. Wer die Psoriasis übersieht, riskiert Nebenwirkungen oder vermeidbare Beschwerden.

Die Empfehlung der Forschenden richtet sich daher vor allem an Neurologinnen und Neurologen: MS-Patientinnen und -Patienten sollten systematisch nach Hautveränderungen befragt und bei Verdacht dermatologisch vorgestellt werden. Besonders bei Frauen mit familiärer Vorbelastung ist Wachsamkeit angezeigt. Das ist keine akademische Feinjustierung, sondern eine Frage der Lebensqualität.

Der Befund fügt sich in ein größeres Bild. Autoimmunerkrankungen treten gehäuft gemeinsam auf, weil sie auf ähnlichen genetischen und immunologischen Grundlagen beruhen. Das Immunsystem folgt keinen Facharztgrenzen. Wenn es einmal aus dem Gleichgewicht geraten ist, können unterschiedliche Organsysteme betroffen sein. Diese systemische Perspektive gewinnt in der Forschung an Gewicht und verlangt in der Praxis ein breiteres Denken.

Für die Versorgung bedeutet das eine stärkere Verzahnung von Neurologie und Dermatologie. Interdisziplinäre Kommunikation darf nicht vom Zufall abhängen. Chronische Erkrankungen verlaufen selten monolithisch; sie entwickeln Begleiterkrankungen, die therapeutische Entscheidungen beeinflussen. Wer nur das Leitsymptom behandelt, verpasst oft den Kontext.

Die australische Untersuchung, veröffentlicht in „Frontiers in Neurology“, nutzt Daten der Australian MS Longitudinal Study sowie Befragungen einer Spezialklinik in Nord-Sydney. Auch wenn regionale Besonderheiten nicht eins zu eins übertragbar sind, ist der Kern universell: MS-Patientinnen und -Patienten tragen ein relevantes Zusatzrisiko für Psoriasis, und familiäre Faktoren verstärken dieses Risiko deutlich.

Am Ende steht eine einfache, aber folgenreiche Erkenntnis. Chronische Entzündung ist kein Einzelereignis, sondern ein Netzwerk. Wer dieses Netzwerk versteht, kann Therapien klüger wählen, Symptome früher erkennen und Versorgungslücken schließen. Wer es ignoriert, behandelt Symptome isoliert – und übersieht das Muster dahinter.

 

Norovirus breitet sich an Schulen aus, mehr als hundert Kinder erkranken, Hygienemaßnahmen greifen.

Ein Virus braucht keine große Bühne. In Bad Laer im Landkreis Osnabrück reichen wenige Tage, um aus einzelnen Magen-Darm-Beschwerden einen massiven Ausbruch zu machen. An einer Grundschule wurden inzwischen über 140 Infektionen mit dem Norovirus bestätigt, hinzu kommen mehrere Lehrkräfte. Auch eine Oberschule im Ort ist betroffen.

Die Dynamik ist typisch für Noroviren. Sie sind hochansteckend, stabil in der Umwelt und werden vor allem über Schmierinfektionen übertragen – also über Hände, Oberflächen, Türklinken, Sanitärbereiche. Ein einziger unbeachteter Kontakt kann ausreichen, um eine Kette in Gang zu setzen. Dass sich der Erreger in einer Schule rasch verbreitet, ist deshalb keine Überraschung, sondern fast ein Lehrbuchfall.

Die ersten Krankheitsfälle wurden Anfang der Woche bekannt. Erst nach Laboruntersuchungen stand fest, dass es sich um Norovirus handelt. Der Weg in die Schule lässt sich oft nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Anders als bei klassischen Lebensmittelinfektionen braucht es keinen gemeinsamen Teller. Die hohe Kontagiosität genügt.

Das Schulessen gilt in diesem Fall als unwahrscheinliche Quelle, weil der Caterer auch andere Einrichtungen beliefert, ohne dass dort vergleichbare Häufungen gemeldet wurden. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie zeigt, wie differenziert Ursachen geprüft werden müssen. Nicht jeder Ausbruch ist automatisch ein Hygieneversagen in der Küche; häufig ist es die Alltagsroutine im engen Miteinander.

Der Unterricht läuft weiter, allerdings unter verschärften Hygieneregeln. Erkrankte Kinder sollen frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zurückkehren. Diese Frist ist kein Formalismus. Noroviren können auch nach Besserung noch ausgeschieden werden, sodass zu frühes Zurückkehren neue Infektionsketten begünstigt.

Typische Symptome sind plötzlich einsetzendes starkes Erbrechen und Durchfall, begleitet von Übelkeit und Bauchschmerzen. Besonders bei Kindern besteht die Gefahr der Austrocknung, weil in kurzer Zeit erhebliche Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten verloren gehen. Hier entscheidet schnelles Reagieren über den Verlauf.

Für die Versorgung vor Ort bedeutet ein solcher Ausbruch eine kurzfristige Belastungsspitze. Eltern suchen Rat, fragen nach Elektrolytlösungen, fiebersenkenden Maßnahmen oder Zeichen, bei denen ärztliche Abklärung nötig ist. Wichtig ist die klare Botschaft: Bei Anzeichen von Dehydratation – etwa Teilnahmslosigkeit, trockene Schleimhäute oder verminderte Urinmenge – darf nicht abgewartet werden.

Gleichzeitig zeigt der Fall, wie eng Prävention und Alltag verknüpft sind. Händehygiene, gründliches Reinigen von Oberflächen und konsequentes Zuhausebleiben bei Symptomen sind einfache, aber wirksame Maßnahmen. Sie verlieren jedoch schnell an Verbindlichkeit, wenn der Druck hoch ist, am Unterricht teilzunehmen oder berufliche Verpflichtungen einzuhalten.

Norovirus-Ausbrüche verlaufen meist heftig, aber kurz. Nach wenigen Tagen klingen die Symptome ab, wenn keine Komplikationen auftreten. Entscheidend ist, die Übertragungskette zu durchbrechen. In Gemeinschaftseinrichtungen ist das eine Frage kollektiver Disziplin.

Der Fall in Bad Laer ist deshalb weniger ein außergewöhnliches Ereignis als ein Beispiel für die Verwundbarkeit dichter sozialer Strukturen. Wo viele Menschen eng zusammenkommen, reicht ein kleiner Impuls für große Wirkung. Hygiene ist in solchen Momenten keine Nebensache, sondern die erste Verteidigungslinie.

 

Winterblues trifft viele, Lichtmangel drückt Serotonin, Alltag ignoriert den Energiesparmodus.

Gegen Ende des Winters kippt die Stimmung oft nicht wegen eines einzelnen Tages, sondern wegen der Summe. Wochen mit Grau, Kälte und wenig Tageslicht bauen keinen dramatischen Moment, sie bauen Erschöpfung. Genau das beschreibt der Begriff Winterblues: eine Phase, in der selbst Gesunde sich ausgelaugt, motivationsarm und weniger belastbar fühlen.

Psychiatrische und schlafmedizinische Stimmen ordnen das als erwartbare Reaktion ein. Nach Monaten mit wenig Tageslicht sind Reserven bei manchen Menschen schlicht leer. Dazu kommt ein psychologischer Reibepunkt: die Erwartungsenttäuschung. Der Kopf schaltet gedanklich auf Frühling, die Realität bleibt kalt und trüb. Dieser Konflikt frisst Widerstandskraft, weil er jeden Morgen neu beginnt.

Schlafforscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem saisonalen Energiesparmodus. Der Chronomediziner Dieter Kunz beschreibt es zugespitzt als eine Art Mini-Winterschlaf. Das ist keine Romantik, sondern Biologie: Im Herbst und Winter verschiebt sich die innere Uhr, Schlafbedürfnis steigt, Aktivitätsniveau sinkt. Lange wurde künstlichem Licht dabei ein geringer Einfluss zugeschrieben, weil es im Vergleich zum Tageslicht zu schwach ist. Diese Annahme gilt heute als Fehler. Licht wirkt, auch wenn es nicht „sonnengleich“ ist. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit und der Zeitpunkt.

Ein weiterer Punkt ist die Messbarkeit im Gehirnstoffwechsel. Studien zeigen, dass der Umsatz des Glückshormons Serotonin im Verlauf des Winters deutlich abfallen kann, teils auf 20 bis 30 Prozent. Das erklärt nicht alles, aber es erklärt, warum sich Wintermüdigkeit nicht einfach „wegdenken“ lässt. Stimmung ist auch Neurochemie.

Besonders spannend ist der Befund aus Schlaflaboren: Wenn Erwachsene im Winter ausschlafen dürfen, schlafen sie im Schnitt über eine Stunde länger. Das legt nahe, dass viele Menschen im Alltag chronisch zu kurz schlafen, weil Weckerzeiten im Winter nicht mit dem erhöhten Bedarf mitgehen. Der Körper verlangt mehr, der Kalender gibt es nicht her. Das Ergebnis ist eine stille Schuldenlast, die sich als Müdigkeit, Gereiztheit oder Konzentrationsprobleme zeigt.

Der Alltag nimmt dabei keine Rücksicht. Schule beginnt, Arbeit startet, Termine stehen. Wer im Winter eine Stunde weniger bekommt, verliert nicht nur Schlafzeit, sondern auch Puffer. Das macht Menschen anfälliger für Infekte, senkt Belastbarkeit und verstärkt das Gefühl, „nicht richtig in Gang zu kommen“. Es ist eine physiologische Reaktion auf einen unphysiologischen Takt.

Die Forschung unterscheidet zudem zwischen dem verbreiteten Winterblues und klinisch relevanten Depressionen, die saisonal auftreten können. Diese „Seasonal Affective Disorder“ betrifft je nach Region und Messmethode einen kleineren, aber relevanten Anteil der Bevölkerung. Frauen und jüngere Menschen werden häufiger genannt. Der Unterschied liegt vor allem in der Tiefe und Dauer der Symptome sowie im Funktionsverlust im Alltag.

Auch Temperatur spielt eine Rolle. Tiefschlaf hängt stärker an der Tageslänge, andere Schlafphasen reagieren auf Außentemperatur. Wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt steigen, braucht der Körper teils noch rund zwei Wochen, um Schlafdauer und Traumschlaf wieder zu verkürzen. Das bedeutet: Selbst wenn das Wetter umschlägt, läuft die innere Anpassung verzögert. Der Körper reagiert nicht wie ein Schalter, sondern wie ein System mit Trägheit.

Was bleibt, ist eine einfache Diagnose mit großer Wirkung: Winterblues ist kein persönliches Versagen, sondern eine nachvollziehbare Antwort auf Lichtmangel, Taktzwang und biologische Anpassung. Wer das versteht, bewertet sich weniger hart und erkennt schneller, wann aus saisonaler Müdigkeit eine behandlungsbedürftige Belastung wird. 

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein rotes Zeichen auf einem Plakat kann mehr Unruhe erzeugen als ein ganzer Gesetzesentwurf. Das Apotheken-A ist im Alltag kein Ornament, sondern ein Vertrauenssignal, das Verantwortung behauptet, bevor ein Wort gesprochen ist. Wenn eine Partei dieses Zeichen nutzt, entsteht ein falscher Gleichklang, der sich später kaum sauber trennen lässt. Parallel läuft die härtere Reibung: Mehr Aufgaben werden eingefordert, mehr Dienste erwartet, mehr Stabilität beschworen – und doch bleibt die Honorarlogik im politischen Modus der Ausnahme. Genau deshalb wirkt der Satz von der abgelaufenen Probezeit so scharf, weil er nicht Stimmung misst, sondern Betrieb. Während in Stuttgart Kursmarken gesetzt werden, wächst im Alltag die Zahl der Stellen, an denen Versorgung nicht an großen Reformen scheitert, sondern an kumulierten Kleinigkeiten: Austauschregeln, Retaxrisiken, unklare Zuständigkeiten, Infektketten, erschöpfte Menschen. Das ist der Punkt, an dem man merkt, dass Versorgung immer an der Summe geprüft wird.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Symbolik missbraucht wird, entsteht kein Gespräch, sondern ein Reflex. Wenn Honorare nicht nachziehen, entsteht keine Lücke, sondern ein Schatten im Betrieb. Und wenn Regeln komplexer werden, ohne dass der Alltag entlastet wird, wächst die Fehlerfläche dort, wo niemand sie brauchen kann. Der gemeinsame Nenner ist nicht Empörung, sondern Steuerung: Wer Zeichen führt, wer Verantwortung trägt, wer bezahlt, wer haftet. An diesem Punkt entscheidet sich, ob Apotheken als Institution stabil bleiben oder als Projektionsfläche dienen. Es ist kein Tag der großen Schlagzeilen, es ist ein Tag der stillen Verschiebungen, und genau darin liegt die Schärfe.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute verdichten sich Wahlkampf-Symbolik, Ergebnisdruck beim Honorar und neue Austauschregeln zu einem spürbaren Stressmix.

 

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