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hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: 18. Februar 2026, 19:15 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Man kann diesen Stoff wie acht getrennte Meldungen lesen, aber dann verpasst man den gemeinsamen Takt: In der Offizin frisst Leerlauf nicht Minuten, sondern Aufmerksamkeit, weil Unterbrechungen und Zuständigkeitslücken den HV zum Reparaturort machen. Gleichzeitig drängen Modelle der Online-Verschreibung in ein Tempo, das Schutzvorschriften, ärztliche Standards und freie Apothekenwahl nicht „modernisiert“, sondern austestet. Im Hintergrund wird dieselbe Logik im Recht und in der Vergütung nachgebaut: Rezeptur wird juristisch geklärt und politisch wieder verengt, Teilmengenlogik steht als Steuerungsversuch im Raum, und damit wächst das Risiko, dass Versorgung über Kalkül statt über Bedarf läuft. Dazu kommt die Honorarfrage als Trägerbalken, weil jeder zusätzliche Auftrag hohl klingt, wenn die Basis nicht trägt. Digital wird es greifbar, wenn ein eHBA wegen Sicherheitslücke getauscht werden muss und die Kostenfrage nicht wie Infrastruktur behandelt wirkt. Prävention bleibt im Widerspruch, wenn Impfquoten in Risikogruppen niedrig bleiben, obwohl neue Orte erlaubt sind. Selbst der Olympia-Satz über Senf passt in dieses Muster: plausibel ist nicht gleich gesichert, und genau diese Differenz entscheidet in einem System, das täglich Stabilität behauptet.
Im Apothekenalltag gibt es eine Sorte Leerlauf, die sich nicht wie Pause anfühlt, sondern wie ein ständiges Wiederanfangen. Man sieht ihn nicht als leere Minute, sondern als dichte Minute mit falschem Inhalt: Unterbrechung, Rückfrage, Zuständigkeitswechsel, nochmal prüfen, nochmal ansetzen. Der Betrieb ist dabei nicht langsam, er ist nur dauernd gezwungen, denselben Vorgang mehrfach zu starten, weil Entscheidungen keinen festen Ort haben. Das ist die stille Mechanik hinter dem Satz „Ich komme zu nichts“ – nicht als Klage, sondern als Beschreibung einer Architektur, die zu oft über die HV-Kante läuft und dort alles gleichzeitig lösen will.
Es ist auch eine Frage der Rollen. Wer entscheidet wirklich, wer prüft nur, wer dokumentiert, wer stoppt, wer priorisiert, wer fängt am Ende auf. Wenn diese Rollen im Alltag verschwimmen, entsteht Doppelarbeit, aber nicht in der komischen Form von zwei Menschen, die dasselbe tun, sondern in der grausamen Form von zwei Menschen, die sich gegenseitig offen lassen, was „fertig“ heißt. Dann wird die Leitung spät hineingezogen, wenn der Tag schon kippt, und Beratung rutscht in eine Restgröße: Man erledigt sie, aber man trägt sie nicht mehr. Und wer einmal gesehen hat, wie Beratung im Störungsmodus klingt, versteht, dass Leerlauf kein Effizienzthema ist, sondern ein Qualitäts- und Vertrauensproblem.
Parallel drückt von außen ein anderes Tempo hinein, das so tut, als wäre es bloß Bequemlichkeit. Online-Verschreibung von Rx-Arzneimitteln per Fragebogen, kombiniert mit schneller Belieferung, flankiert von Gutscheinen und Servicegebühren: Das Modell ist nicht nur ein digitaler Service, es ist eine Umcodierung von Schutzlogik. Ein Fragebogen strukturiert Angaben, aber er überprüft sie nicht. Er erzeugt den Eindruck von Medizin, ohne den Kern der Medizin zu garantieren, nämlich die verlässliche Wahrnehmung und Einordnung individueller Befunde. Wenn Video nur optional oder selten ist, wenn die Prozesszeit so kurz wird, dass der Eindruck von „automatisch geprüft“ naheliegt, dann verschiebt sich Verantwortung aus dem Raum der ärztlichen Prüfung in den Raum der Prozessführung. Das ist der Punkt, an dem Technik plötzlich nicht mehr neutral ist.
Dazu kommt eine zweite Kante, die im Marketing gern verschwindet und im Recht nicht verschwinden darf: freie Apothekenwahl. Wer Rx-Prozesse so gestaltet, dass der Weg zur Selbsteinlösung des Rezepts praktisch nicht angeboten wird, baut eine stille Zuweisungslogik. Das ist nicht nur ein Branchenstreit. Es ist eine Veränderung des Versorgungsgedankens, weil die Apotheke vor Ort nicht mehr als frei gewählter Beratungs- und Sicherungsort funktioniert, sondern als nachgelagerte Option, die im Prozess gar nicht mehr richtig vorkommt. Und wenn dann noch sensible Segmente wie medizinisches Cannabis oder stark nachgefragte Präparate ins Spiel kommen, wird aus dem „Service“ ein Konfliktfeld, in dem Patientenschutz, Werberecht und Berufsrecht nicht als Kulisse taugen.
Man kann das alles für eine Randdebatte halten, bis man erkennt, dass dieselbe Verschiebung auch im Vergütungsraum stattfindet, nur mit anderen Worten. Rezepturpreise, Teilmengenlogik, Hilfstaxe: Hier geht es nicht um ein paar Cent, sondern um die Frage, wer die Risiken trägt, die das System selbst erzeugt. Eine höchstrichterliche Klärung hat Grenzen gezogen, weil eine Praxis, die jahrelang unter dem Deckmantel des Wirtschaftlichkeitsgebots lief, nicht sauber aus der AMPreisV ableitbar war. Das müsste eigentlich ein Ruhepunkt sein. Stattdessen entsteht politischer Druck, Teilmengenmechanik über neue Setzungen und Stofflisten wieder zu verankern. Wer solche Logik in die Fläche schreibt, schreibt auch das Verwurf- und Absatzrisiko in die Fläche – und zwar dort, wo Rezepturen nicht in Serien laufen, sondern in Einzelfällen, bei Kindern, bei seltenen Erkrankungen, bei schwierigen Indikationen, bei Krisenlagen.
Der harte Kern ist nicht ideologisch. Apotheken unterliegen einem Versorgungsauftrag, und Rezeptur ist nicht nur Handwerk, sondern ein Systembaustein. Wenn man sie über Teilmengensteuerung so ausrichtet, dass sie für bestimmte Betriebe zur kalkulierten Selbstschädigung wird, dann entsteht ein Marktgefälle, das man später als „Strukturwandel“ verkauft. Es ist aber ein verordnetes Gefälle: Hohe Frequenz kann Verwurf ausgleichen, niedrige Frequenz kann ihn nicht wegdefinieren. Wer dort keine fairen Verwurfregeln, keine belastbaren Dynamisierungen und keine tragfähigen Arbeitspreise hinterlegt, lässt die Versorgung nicht „effizienter“ werden, sondern fragiler.
Genau an dieser Fragilität hängt die Honorarfrage, die politisch oft wie ein Symbol behandelt wird und im Betrieb wie eine Monatsrechnung wirkt. Wenn Verbandsvertreter warnen, dass sich die flächendeckende Arzneimittelversorgung verschlechtert, falls die zugesagte Honorarerhöhung ausbleibt, ist das kein Ritual. Es ist der Versuch, einen Mechanismus sichtbar zu machen, der sonst leise bleibt: Kosten steigen, Personal wird knapper, Investitionen werden verschoben, Öffnungszeiten werden gekürzt, Nachfolgen scheitern. Das passiert nicht aus Unwillen, sondern weil ein fixierter Erlös einen wachsenden Pflichtenraum tragen soll. Wer dann zugleich neue Aufgaben skizziert, ohne die Basis zu stabilisieren, verschiebt Lasten nach unten und nennt es Reform.
Man merkt, wie stark diese Basisschicht ist, wenn man auf das große Zukunftswort schaut, das seit Jahren über allem schwebt. „Apotheke der Zukunft“ wird gern angekündigt, als wäre sie ein Projektplan. In Wirklichkeit ist sie längst ein Zustand, und dieser Zustand ist nicht romantisch. Reformen kommen, Rechtsprechung zieht Grenzen, Digitalisierung erhöht Abhängigkeiten, Erwartungen steigen, Ressourcen bleiben knapp. Das ist kein nacheinander, das ist gleichzeitig. Und Gleichzeitigkeit ist die eigentliche Härte, weil sie dem Betrieb die Möglichkeit nimmt, Dinge in Ruhe zu verarbeiten. Wer in dieser Lage Stabilität organisieren kann, gewinnt Handlungsspielraum. Wer nur noch reagiert, verliert Gestaltung und rutscht in den Modus „nur noch das Nötigste“. Die Zukunft entsteht dann nicht durch Vision, sondern durch Selektion.
Dass Digitalisierung dabei nicht nur Komfort, sondern Fundament ist, zeigt ein Sicherheitsereignis, das in der Form banal wirkt und in der Wirkung existenziell ist: eHBA-Austausch wegen einer Sicherheitslücke bei einem Chip-Typ. Ein eHBA ist kein Accessoire, er ist Schlüsselmaterial. Ohne ihn stehen Signaturen, Identitäten, Prozesse. Wenn dann nicht alle Betroffenen automatisch eine kostenfreie Lösung erhalten, wenn manche einen Folgeantrag stellen und bezahlen müssen, entsteht ein bitteres Gefühl, das Apotheken inzwischen gut kennen: Infrastruktur ist Pflicht, Folgekosten sind Einzelfall. Technisch mag es Gründe geben, organisatorisch mag es Kategorien geben, aber aus Sicht des Betriebs bleibt der Eindruck, dass Sicherheitslogik zentral gesetzt und dezentral finanziert wird. Und während man den Austausch organisiert, läuft der Alltag weiter. Störungen werden nicht weniger, weil eine Karte getauscht wird, sie werden mehr, weil Übergänge Reibung erzeugen.
Das Präventionsfeld zeigt noch einmal, wie trügerisch es ist, Möglichkeiten mit Wirkung zu verwechseln. Die Influenza-Impfquoten bleiben deutlich unter Zielmarken, gerade in Risikogruppen, und der Anteil der Apotheken an den Impfungen ist bislang sehr klein im Vergleich zu Arztpraxen. Man kann daraus nicht folgern, dass Apothekenimpfen sinnlos sei. Man muss nur ehrlich sein, wo der Hebel liegt: Impfentscheidungen und Impfgewohnheiten sind pfadabhängig, sie entstehen in der hausärztlichen Routine, in Pflegeeinrichtungen, in Erinnerungsketten, in Verantwortungszuweisungen. Ein zusätzlicher Ort allein kippt die Quote nicht, wenn die Primärkette nicht zuverlässig funktioniert. Prävention scheitert dann nicht an der Frage „wer darf“, sondern an der Frage „wer erreicht“, und die Antwort ist unangenehm, weil sie Organisation statt Symbolik verlangt.
Selbst die scheinbar spielerische Olympia-Behauptung über Senf gegen Muskelkrämpfe passt in dieses Bild, wenn man einen Moment länger hinsieht. Es gibt eine plausible Reflexhypothese, die über starke orale Reize und neuronale Hemmung erklärt, warum so etwas schnell wirken könnte. Gleichzeitig ist die Evidenz begrenzt und die individuelle Varianz hoch. Der Reflex kann funktionieren, er muss nicht. Das ist eine kleine Lektion in sauberer Einordnung: plausibel ist nicht gleich gesichert. Und genau dieses Missverständnis zieht sich durch viele Debatten, nur mit größerem Einsatz. Auch bei Telemedizinmodellen, auch bei Vergütungssetzungen, auch bei Digitalpflichten, auch bei Präventionsprogrammen.
Wenn man all diese Linien zusammenlegt, entsteht kein buntes Sammelsurium, sondern ein sehr harter Befund über das, was Apotheken heute leisten. Sie halten nicht nur Versorgung, sie halten Stabilität. Sie müssen Leerlauf bekämpfen, ohne Beratung zu verlieren. Sie müssen rechtliche Grenzen ernst nehmen, während neue Modelle sie austesten. Sie müssen Rezepturkompetenz sichern, während Teilmengenlogik Risiken verschiebt. Sie müssen politische Versprechen in Monatsrechnungen übersetzen. Sie müssen digitale Schlüssel erneuern, wenn Sicherheit es verlangt, auch wenn die Kostenfrage nicht sauber trägt. Sie sollen Prävention mittragen, obwohl die Verantwortung praktisch im ärztlichen Pfad hängt. Und sie müssen in all dem eine Rolle behalten, die nicht zur bloßen Erfüllungslogik schrumpft.
Das ist der Punkt, an dem es nicht mehr reicht, „Zukunft“ zu sagen. Zukunft ist in diesem Feld keine Rhetorik, sondern eine Frage der Tragfähigkeit. Ein System, das Apotheken als Infrastruktur will, muss Infrastruktur auch wie Infrastruktur behandeln: klare Regeln, faire Risikoverteilung, nachvollziehbare Sicherheitsketten, eine Vergütung, die nicht nur Pflichten addiert, sondern Leistungsfähigkeit erhält. Sonst wird die Apotheke der Zukunft nicht modern, sondern dünn. Und dünn heißt im Gesundheitswesen nie nur „weniger bequem“, sondern irgendwann „nicht mehr da“.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Es ist der Moment, in dem ein System nicht mit einem Knall kippt, sondern mit kleinen Verschiebungen, die man erst später als Bruch erkennt. Wenn Leerlauf zum Normalzustand wird, wenn Schutzlogik zur Prozessoption wird, wenn Vergütungsrisiken in die Fläche wandern und Sicherheitslasten beim Einzelbetrieb landen, dann entsteht kein einzelner Skandal, sondern eine neue Grundtemperatur. Apotheken arbeiten dann nicht nur gegen Zeitdruck, sondern gegen eine Architektur, die ihnen immer mehr Reparatur abverlangt und immer weniger Puffer zugesteht.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Apotheken heute Stabilität liefern, dann oft nicht, weil die Regeln sauber tragen, sondern weil Betriebe sie im Alltag nachtragen: mit klarer Verantwortung gegen Leerlauf, mit Grenzbewusstsein gegen Umgehungsmodelle, mit Rezepturkompetenz gegen Teilmengensteuerung, mit Finanzrealismus gegen Reformrhetorik und mit Sicherheitsarbeit trotz unklarer Kostentragung. Die Deutung ist nüchtern: Versorgung wird nicht durch Schlagworte modern, sondern durch eine fair gebaute Lastverteilung, die Praxis nicht auszehrt, während sie das System zusammenhält.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Das Gesamtbild zeigt Apotheken als Stabilitätsanker, die zugleich Prozessdruck, Rechtsverschiebungen, Vergütungsrisiken und digitale Sicherheitslast schultern.
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