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  • 18.02.2026 – In Apotheken verschwinden Papierbelege, Finanzierungen kippen, die ePA frisst Zeit.
    18.02.2026 – In Apotheken verschwinden Papierbelege, Finanzierungen kippen, die ePA frisst Zeit.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Drei Entwicklungen verdichten sich: E-Rechnung verschiebt Belegprozesse, Übernahmefinanzierungen offenbaren Liquiditätsfallen, und die...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

In Apotheken verschwinden Papierbelege, Finanzierungen kippen, die ePA frisst Zeit.

 

Im Apothekenalltag werden Prozesspflichten schärfer, Liquiditätsreserven dünner, digitale Reibung spürbarer.

Stand: Mittwoch, 18. Februar 2026, um 18:57 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Im Alltag kippen große Systeme selten mit einem Knall. Sie kippen mit kleinen Verschiebungen, die sich erst nach Wochen wie ein neues Grundrauschen anfühlen. Bei den Belegen ist es diese Verschiebung vom Papier zur Pflichtlogik: Was früher greifbar war, wird zur Datei, zur Schnittstelle, zur Frage, ob der Nachweis im richtigen Moment wirklich da ist. Bei Übernahmen ist es dieselbe Mechanik, nur teurer: Solange der Umsatz stabil ist, wirkt die Finanzierung „machbar“, und erst wenn ein Verordner wegfällt, eine Miete drückt oder eine Investition fällig wird, zeigt sich, ob Reserve geplant wurde oder ob man sie nur gehofft hat. Und bei der ePA ist der Reibungspunkt nicht das Konzept, sondern der Weg dorthin: Registrierung, Sortierung, Störungen – alles Dinge, die in der Versorgung keine Minute zurückgeben, wenn sie nicht funktionieren. Zusammengenommen entsteht kein Drama, sondern etwas Gefährlicheres: ein Alltag, der dauerhaft mehr Aufmerksamkeit frisst, während die Reserven nicht mitwachsen.

 

Der Druck entsteht nicht, weil ein einzelnes Thema „groß“ wäre, sondern weil mehrere Umstellungen gleichzeitig an denselben knappen Stellen ziehen: an Zeit, Ordnung, Reserve. Wer im Betrieb gerade versucht, Abläufe zu stabilisieren, merkt schnell, wie wenig Spielraum bleibt, wenn der Alltag ohnehin voll ist und jede neue Pflicht nicht nur erledigt, sondern verlässlich beherrscht werden muss.

Bei den Belegen zeigt sich diese Verschiebung besonders nüchtern. Ein Jahr nach dem Start der E-Rechnung im B2B ist weniger die Grundsatzfrage spannend als der Praxistest: Kommt alles in dem Format an, das weiterverarbeitet werden kann, ist die Zuordnung klar, und findet sich der Nachweis später ohne Sucherei wieder. Papier war oft ein Ersatznetz, das man im Zweifel anfassen, abheften, nachreichen konnte. In der digitalen Belegwelt ist das Ersatznetz nur dann vorhanden, wenn Prozess und System sauber ineinandergreifen. Sonst entsteht das, was Betriebe am meisten ermüdet: Doppelarbeit, Schattenablagen, eine Mischung aus „zur Sicherheit“ und „später sortieren“, die am Ende weder sicher noch sortiert ist.

Die gefährlichere Variante derselben Mechanik zeigt sich bei Übernahmen. Dort werden Fehler nicht in Minuten, sondern in Jahren fällig. Zwei verfremdete Praxisbilder machen klar, wie schnell eine solide Arbeit an einer unpassenden Finanzierung scheitern kann. Im einen Fall trifft ein überhöhter Kaufpreis von 820.000 Euro zuzüglich Warenlager auf einen Betrieb, dessen Umsatz 2009 zwar 2,2 Millionen Euro beträgt, aber rückläufig ist, und auf Fixkosten, die schon im Normalbetrieb eng kalkuliert sind: 4.500 Euro Nettokaltmiete in einem denkmalgeschützten Gebäude mit teuren Reparaturen, eingeschränkten Umbauten, ohne realisierbaren barrierefreien Zugang und mit schwieriger Parkplatzsituation. Dazu kommt ein Klumpenrisiko, das am Tag der Unterschrift leicht verdrängt wird, später aber den ganzen Plan kippt: Rund 35 Prozent Umsatz hängen an einer Arztpraxis, deren Hauptverordner zum Zeitpunkt der Übernahme 60 ist und deren Nachfolge ungeklärt bleibt. Die Finanzierung ist fast vollständig fremd, 720.000 Euro Darlehen, 5.900 Euro Kapitaldienst im Monat, ohne Reserve. Vier Jahre wirkt das tragfähig, dann geht der Verordner in Ruhestand, die Nachfolge verzögert sich, der Umsatz bricht um 28 Prozent ein, und plötzlich ist nicht die Führung das Problem, sondern die fehlende Luft. Zusätzliche Sicherheiten, verpfändete Lebensversicherung, keine Privatentnahmen, keine Modernisierung, und am Ende ein Objekt, das durch diese Kombination aus Lasten und Risiko kaum noch vermarktbar ist.

Im zweiten Fall ist der Betrieb selbst nicht der Schwachpunkt, sondern die Tilgungslogik. Eine wirtschaftlich solide Apotheke mit 2,9 Millionen Euro Umsatz, nach IDW S1 bewertet, gerät in Schieflage, weil bei niedrigen Zinsen eine zu hohe Tilgung gewählt wird: 4,5 Prozent statt 2,0 bis 2,5 Prozent, 6.700 Euro Monatsrate, wieder ohne ausreichende Reserve. Die Apotheke bleibt rentabel, aber die Rentabilität wird nicht verfügbar, weil Liquidität fehlt. Ein konkreter Auslöser reicht dann, um das System sichtbar zu machen: eine ausgefallene Klimaanlage, 18.000 Euro Reparaturkosten, keine Rücklagen. Von dort geht es in einen Zustand, den man in Zahlen leicht unterschätzt, den man aber im Alltag sofort fühlt: gestreckte Zahlungsziele, Dispo als Normalität, sinkende Privatentnahmen, fehlende Steuerrücklagen. Erst die Umschuldung 2019 bringt Luft, aber teuer erkauft, mit höherem Zins und längerer Laufzeit. Der Kern bleibt derselbe: Kapitaldienst muss zum realen Cashflow passen, nicht zur optimistischen Ertragsidee.

Parallel läuft die digitale Infrastrukturfrage, die eigentlich entlasten soll, aber in der Praxis gerade häufig als Reibung erlebt wird. Bei der ePA kommt das in zwei Perspektiven zusammen, die sich gegenseitig verstärken. In den Praxen wird kritisiert, dass der Registrierungsweg so kompliziert ist, dass selbst digital affine Menschen aufgeben, und dass viele Patientinnen und Patienten ihre Akte nie öffnen oder nicht einmal wissen, dass sie existiert. Gleichzeitig wird die Akte im Alltag als unsortierte PDF-Sammlung beschrieben, ohne Volltextsuche, mit mühsamer Orientierung durch viele Dokumente. Wenn dann noch Störungen und Ausfälle der Infrastruktur dazukommen, wird aus „Digitalisierung“ ein Zeitfresser. Das ist im Versorgungssystem die ungünstigste Konstellation: Pflicht steigt, Nutzen bleibt dünn, und Teams bauen Ausweichwege, weil verlässlich gearbeitet werden muss, nicht weil Technik „nicht gewollt“ wäre.

Aus Sicht der Versicherten wird das Problem noch greifbarer, weil es sich nicht als Fehlermeldung zeigt, sondern als fehlender Anlass. Viele merken von ihrer ePA erst etwas, wenn ein Hinweis der Kasse kommt oder in der Praxis davon die Rede ist, und selbst dann bleibt für viele offen, wofür sie im eigenen Alltag gut sein soll. Wenn zentrale Anwendungen fehlen, bleibt die ePA ein Begriff, kein Werkzeug. Dazu kommen der Wunsch nach klarer Steuerbarkeit, wer welche Daten sehen darf, und der Punkt Vertrauen: Wenn Menschen nicht das Gefühl haben, Kontrolle zu behalten und verständlich informiert zu werden, wird die ePA nicht zur Gewohnheit, sondern zur Aufgabe, die man „irgendwann“ erledigt. „Irgendwann“ ist im Alltag oft nie.

Im Berufsrecht wird die Härte des Systems nicht durch große Worte sichtbar, sondern durch Situationen, in denen ein Team im Dienst spürt: Das geht so nicht. Vertretung ist dann keine Personalie, sondern eine Frage, ob Verantwortung überhaupt noch sauber übergeben werden kann. Genau deshalb sind die Maßstäbe präventiv. Es reicht, dass plausible Anhaltspunkte Eignungszweifel begründen und eine Untersuchung zur Klärung angeordnet wird. Der entscheidende Kipppunkt ist nicht die Behauptung, sondern die Aufklärung. Wenn die Mitwirkung ausbleibt, wird aus der offenen Frage eine Sicherungslogik, nicht als Strafe, sondern als Schutzschranke, weil die Berufsausübung nicht teilbar ist. Für den Betrieb ist das unerquicklich, für das System ist es konsequent.

Manchmal sitzt das Risiko nicht in der großen Architektur, sondern im Handgriff. Ein Nasenspray ist dafür fast das Musterbeispiel: schnell, vertraut, „harmlos“ im Gefühl. Und genau da sitzt die Gefahr, wenn Begleitmedikation im Hintergrund läuft. Xylometazolin ist in bestimmten Konstellationen eben nicht nur ein Erkältungshelfer, sondern kann, etwa bei MAO-Hemmern, die Kreislaufreaktion so verschärfen, dass aus Routine ein Risiko wird. Das ist keine akademische Fußnote, sondern Alltagshandwerk: ob jemand die Dauermedikation nennt, ob nachgefragt wird, ob Warnfenster ernst genommen werden. Versorgungssicherheit entsteht oft dort, wo später niemand mehr hinschaut, weil nichts passiert ist.

Und dann gibt es Nachrichten, die scheinbar weit weg starten und doch sofort als Vertrauensfrage im Alltag landen. Wenn das Umweltbundesamt in Urinproben von Kindern und Jugendlichen einen Stoff in sehr großer Breite nachweist, ist das nicht automatisch Alarmismus, aber es ist auch nicht nur ein Randbefund. Der Kern liegt in der Kette: nicht zugelassen heißt nicht unsichtbar, wenn Verunreinigungen über Produktionspfade in Massenprodukte geraten können. Besonders heikel wird es, wenn der plausible Pfad in ein Feld führt, das gesellschaftlich gewollt ist, weil es schützt. Sonnenschutz bleibt notwendig; die Lieferkette muss trotzdem beweisen, dass Schutz nicht zur stillen Expositionsquelle wird. Dass strengere Grenzwerte erst später greifen, erklärt die Zeitachse, löst aber nicht das Gefühl, dass Messdaten Gegenwart sind und Regeln Zukunft.

Das Gesamtbild ist damit nicht „alles wird schlimmer“, sondern „alles wird enger“. Belege werden digital und verlangen Prozessdisziplin, Finanzierung verlangt Reserve statt Hoffnung, digitale Akten verlangen Nutzen statt Pflicht, und parallel laufen Haftung, Beratung, Qualität und Vertrauen weiter. Wer das als einzelne Baustellen behandelt, verliert Zeit in Übergängen. Wer es als Systemlage erkennt, versteht, warum Betriebe müde werden, obwohl sie funktionieren: Weil zu viele Reibungspunkte gleichzeitig an denselben Reserven ziehen.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Es ist eine leise Verschiebung: Papier wird zur Ausnahme, Liquidität zur Nervenfrage, digitale Akten zur Geduldsprobe. Was auf dem Papier nach Fortschritt klingt, wirkt im Betrieb oft wie eine neue Pflicht, die erst dann gut wird, wenn sie nicht mehr erklärt werden muss. Genau dort hängt die Versorgung – nicht am Motto, sondern an der Reibung zwischen Anspruch und Umsetzung.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Belege verschwinden, muss das System beweisen, dass es auch ohne Ersatznetz verlässlich ist. Wenn Finanzierung kippt, kippt nicht nur ein Geschäftsplan, sondern oft ein Versorgungsort. Wenn die ePA Zeit kostet, wird sie zur Gegenkraft der Digitalisierung, bis Nutzen und Bedienbarkeit endlich zusammenfallen. Und wenn diese drei Linien gleichzeitig drücken, entsteht das eigentliche Risiko: dass Alltag zur Dauer-Ausnahme wird und Verantwortung dorthin wandert, wo die wenigsten Reserven liegen.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Pflicht, Finanzierung und Digitaltechnik im Alltag so greifen, dass Verlässlichkeit nicht zur Ausnahme wird.

 

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