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  • 17.02.2026 – Apotheke unter Druck, Honorar streitet, Risiken verschieben Lasten.
    17.02.2026 – Apotheke unter Druck, Honorar streitet, Risiken verschieben Lasten.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Eine Einordnung von Marktmechanik und Vergütung bis hin zu Personalwegen, Sozialdruck und neuen Risikoachsen in der Versorgung.

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheke unter Druck, Honorar streitet, Risiken verschieben Lasten.

 

Acht Stränge verdichten sich zu einer Lage, in der Marktmechanik, Vergütung, Personalwege und Sozialdruck die Versorgung fragiler wirken lassen.

Stand: Dienstag, 17. Februar 2026, um 18:50 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der Arzneimittelmarkt liefert gerade eine unbequeme Klarheit: Die Masse läuft über günstige Wirkstoffe, die Spitze zieht Milliardenblöcke, und dazwischen steht die Versorgungsinfrastruktur, die beides gleichzeitig tragen muss. Auswertungen zeigen die Schieflage zwischen Dosismengen und Kosten, die Alterskurve der Verordnungen macht Kapazität zur Tagesfrage, und Praxisstreuungen sowie Privatanteile zerlegen den Durchschnitt in viele Realitäten. In diese Statik greift die pDL-Vergütung: Die Kündigung der Preise ist ein Signal, dass Arbeitszeit in der Offizin nicht mehr plausibel abgebildet wird, während die alte Vergütung vorerst weiterläuft und die Spannung Richtung Verhandlung oder Schiedsstelle wandert. Aus der Kette kommen parallel Frühzeichen, die man nicht wegmoderieren kann: Forderungsausfälle klingen nach Liquidität, bedeuten aber Versorgungssicherheit, wenn weniger Betriebe dieselbe Masse stemmen müssen. Dazu läuft die Personalachse als Engpass hinter allem – steigende Fachsprachenprüfungen und Anerkennungspfade zeigen, wie sehr Teams an Durchlaufzeiten hängen. Und über allem liegt Sozialdruck: Eine Anti-Armuts-Strategie ohne Gesundheitskern riskiert, dass Krankheitslast später teurer zurückkehrt. Forschung öffnet Diagnosepfade über Atemsignaturen und Mikrobiom, doch ohne Validierung bleibt es ein Versprechen. Resistenzdynamik und toxikologische Befunde markieren schließlich, wie eng Versorgung längst an globale Risikoachsen gekoppelt ist.

 

Es gibt Tage, an denen der Arzneimittelmarkt wie eine Statistik wirkt. Und Wochen, in denen er wie eine Lagebeschreibung klingt. Dies ist so eine Woche.

Auf der großen Ebene fällt zuerst die innere Schieflage ins Auge: Die Masse ist billig, die Spitze ist teuer. Ramipril, Candesartan, Pantoprazol – riesige Dosenmengen, ein Kostenanteil, der fast schon irritiert. Gleichzeitig stehen wenige Hochpreiser mit Summen, die mittlerweile in Milliardenregionen reichen. Dazwischen liegt eine breite Zone, die den Alltag trägt, aber selten Schlagzeilen macht. Genau dort sitzt die Infrastruktur. Und die muss beides können: Routine und Ausnahme.

Wer die Marktfolie ernst nimmt, landet schnell bei den harten Größenordnungen. Ein GKV-Gesamtmarkt 2024 von rund 64,5 Milliarden Euro zu Brutto-Taxwerten, dazu Praxisbedarf und ein großer Block Nicht-Fertigarzneimittel – Parenteralia, Verbandstoffe, Krankenpflegeartikel, Rezepturen, Substitution, Cannabis, Medizinprodukte. Das ist nicht „Hintergrund“. Das ist die Statik. Wenn 2025 die Verordnungsmenge kaum wackelt, die Umsätze aber weiter steigen, verschiebt sich der Druck nicht in der Stückzahl, sondern im Mix. Das spürt man, bevor man es sauber auswerten kann.

Auch die Verordnungsrealität selbst ist ein Treiber, den man oft zu glatt erzählt. Im Durchschnitt sind es gut zehn Verordnungen pro GKV-Versichertem, mit spürbaren Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Entscheidend ist aber die Kurve: In jungen Jahren niedrig, ab etwa 40 deutlich ansteigend, ab Mitte 50 überschreitet der Schnitt die Zehnerlinie, im hohen Alter sind 25 bis 30 Verordnungen keine Seltenheit. Das ist keine abstrakte Demografie. Das sind Arbeitstage. Und dazu kommt die Streuung: Teilzeitmodelle, Praxisgemeinschaften, Landarztpraxen mit höheren Patientenzahlen. Privatverordnungen obendrauf, je nach Fachgruppe stärker. Das macht „Durchschnitt“ im Betrieb schnell wertlos.

In diese Lage hinein platzt die Vergütungsfrage bei den pharmazeutischen Dienstleistungen. Der DAV kündigt die Preise zum 31. März 2026. Das ist formal ein Schritt, praktisch aber eine Eskalationsmarke: Der Verband hält die Vergütung für zu niedrig, Nachverhandlungen liefen, der GKV-Spitzenverband zeigte offenbar keine Bereitschaft, anzuheben. Ergebnis: Kündigung. Die alten Preise laufen trotzdem weiter, auch nach dem 1. April 2026, solange keine Einigung oder ein Schiedsspruch da ist. Das klingt nach Ruhe. Es ist keine.

Denn die eigentliche Geschichte steckt in der Herkunft dieser Preise. Sie stammen schon aus einem Schiedsspruch. Zeitansätze wurden kalkuliert, Minuten bewertet, das Ergebnis wurde kritisiert – auch, weil die Minutenbewertung geringer ausfiel als bei Kassenärzten. Diese Wunde ist nicht zu. Eine Kündigung ist dann nicht nur Taktik, sondern die Ansage: So kann man Beratung, Prävention und Prozessarbeit nicht dauerhaft betreiben. Nicht auf dieser Basis.

Und während man in Berlin und in Gremien über Minuten streitet, kommt aus der Versorgungskette ein Satz, der wie ein Alarmsignal wirkt: Wenn Apotheken um ihr Überleben bangen, geht es auch dem Großhandel nicht gut. Noweda-Chef Michael Kuck beschreibt im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung genau das. Noch keine große Mitgliederwelle weg. Aber: Forderungsausfälle nehmen zu. Apothekeninhaber können Rechnungen nicht mehr begleichen. Das ist die Stelle, an der Ökonomie plötzlich sehr konkret wird.

Dann folgt der Alltagssatz, der alles übersetzt: Wenn weniger Apotheken die gleiche Masse versorgen müssen, wird die Warteschlange länger. Das ist nicht „Service“. Das ist Kapazität. Kapazität ist Sicherheit. In Städten bedeutet es Druck auf Teams, in der Fläche Wege und Abbrüche, im Notdienst Spitzen, die nicht verschwinden, nur weil es eine App gibt. Und der zweite Satz sitzt dahinter: Verschwinden Apotheken vor Ort, kommen sie oft nicht wieder zurück. Schließungen sind im Gesundheitsbereich selten reversibel.

Der Konflikt mit den Versendern bekommt dadurch eine andere Schärfe. Kuck sagt, er habe nichts gegen fairen Wettbewerb. Gleichzeitig benennt er den Kern: Shop Apotheke und DocMorris konkurrieren um Kundschaft, ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Versorgungsauftrag im selben Sinn zu erfüllen wie öffentliche Apotheken. Ob man das politisch teilt oder nicht – die Lastfrage bleibt. Wer trägt Fläche, Notdienst, Krisenlogik? Wer trägt Pflicht, wer trägt Markt? Das ist der Punkt, an dem sich „Wettbewerb“ nicht mehr wie Wirtschaft anfühlt, sondern wie Systemdesign.

Sein Krisenbild ist bewusst hart: „Stellen Sie sich vor, Europa wird von Russland angegriffen.“ Die Frage dahinter ist klarer als der Satz selbst: Was passiert mit grenzüberschreitenden Lieferwegen, wenn Staaten zuerst an sich denken? Der Satz ist kein Szenario-Feuilleton. Er ist ein Stresstest. Und Stresstests sind im Gesundheitswesen selten bequem.

Parallel zur Geld- und Strukturachse läuft die Personalachse. Still, aber gnadenlos. Die Zahl der Fachsprachenprüfungen ist 2025 deutlich gestiegen, bundesweit wurden 1.809 Prüfungen abgenommen. Der Großteil der Kandidatinnen und Kandidaten kommt aus Drittstaaten, 94 Prozent. Syrien führt, danach Ägypten und die Ukraine. Das sind nicht nur Herkunftsländer. Das sind künftige Teams.

Für Drittstaaten ist die Fachsprachenprüfung Teil eines mehrstufigen Anerkennungsverfahrens, oft mit zusätzlicher Kenntnisprüfung. Für nicht deutschsprachige EU-Länder gibt es die Fachsprachenprüfung ebenfalls, aber die Abschlüsse werden ansonsten anerkannt, die Gruppe ist deutlich kleiner. Das Ergebnis ist simpel: Integration wird zur Versorgungsfrage. Nicht irgendwann. Jetzt. Wer heute über Öffnungszeiten und Belastung spricht, spricht automatisch auch über Durchlaufzeiten im Anerkennungssystem.

Dann schiebt sich ein Thema ins Bild, das gern als „weit weg“ abgetan wird und in Wahrheit ganz nah ist: Armutspolitik. Die EU will bis 2050 Armut innerhalb ihrer Grenzen beseitigen, eine Anti-Armuts-Strategie ist angekündigt. In der ersten Kontur fällt aber auf, dass Gesundheit nicht als eigener Grundsatz geführt wird. Genau das kritisiert EuroHealthNet: Armut und gesundheitliche Ungleichheit sind ein Kreislauf. Armut macht krank. Krankheit drückt Menschen aus dem Arbeitsmarkt, erhöht Abhängigkeit von Leistungen, verstärkt soziale Ausgrenzung. Das ist die Mechanik.

Eurostat-Zahlen nennen für 2024 rund 93,3 Millionen Menschen in der EU, die von Armut oder sozialem Ausschluss bedroht sind. Nicht gedeckte Gesundheitsbedürfnisse steigen, in Haushalten mit geringem Einkommen deutlich stärker. Bei Zahngesundheit klafft die Lücke noch weiter. Dazu kommen Wohnungsnot, Ernährungssicherheit, Hitze- und Luftbelastungen, mentale Gesundheit, begrenzter Zugang zu Therapie. Das sind keine moralischen Appelle. Das sind Vorstufen von Krankheitslast. Wer hier wegschaut, bekommt später die teuerste Version des Problems zurück.

Und während Politik und Alltag ringen, kommen aus der Forschung Signale, die in ein paar Jahren Versorgung werden können – oder auch nicht. Die Atemluft-Mikrobiom-Befunde sind so ein Signal: Flüchtige organische Verbindungen im Atem korrelieren mit Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms. In einer Studie wurden Stuhl- und Atemproben von Kindern untersucht, Terpene, Aromaten, Säuren, Schwefelverbindungen identifiziert, Tiermodelle genutzt, keimfreie Mäuse gezielt kolonisiert. Es ist ein sauberer Ansatz. Aber er steht noch am selben Punkt, an dem viele gute Ansätze stehen: Validierung. Größere Population, andere Altersgruppen, mehr VOC-Panel, robuste Standards. Erst dann wird aus „spannend“ ein Werkzeug.

Das Resistenzthema wirkt auf den ersten Blick wie eine wissenschaftliche Randnotiz. Es ist keine. Ein 5.000 Jahre alter Stamm aus einer Eishöhle, resistent gegen zehn Antibiotika aus acht Wirkstoffklassen, plus über 100 Gene mit Resistenzbezug im Genom – das ist ein Hinweis, wie breit Resistenz gedacht werden muss. Dazu kommt die Klimakomponente: Schmelzendes Eis könnte Keime freisetzen und Resistenzgene weitertragen. Gleichzeitig steckt in dem Fund auch eine Gegenrichtung: antimikrobielles Potenzial gegen ESKAPE-Keime. Fluch und Segen in einem Satz. So sieht Gegenwartsmedizin oft aus.

Und schließlich gibt es Stoffe, die die Grenze zwischen Wissenschaft und politischem Raum berühren. Epibatidin, ein Alkaloid aus dem Kontext eines Pfeilgiftfrosches, wirkt als hochaffiner Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren, besonders α4β2. Es zeigt starke analgetische Effekte, wurde als Schmerzmittel untersucht – und scheitert an der Toxizität. Das Entscheidende ist hier nicht die Kuriosität, sondern die Einordnung: Nachweisbarkeit über Gas- und Massenspektrometrie, die Debatte über Absicht, die Gefahr von Instrumentalisierung. Das ist nicht Offizinalltag. Aber es betrifft das Klima, in dem Belege zählen sollen.

Acht Themen. Eine Lage.

Marktstruktur und Hochpreis-Spitze drücken, Vergütung macht Zeit zur Mangelware, wirtschaftlicher Druck wird früh über Forderungsausfälle sichtbar, Versand- und Krisenlogik verhandeln Lasten, Personal hängt an Anerkennung und Sprache, Armutspolitik entscheidet über künftige Krankheitslast, Forschung könnte Diagnostik verschieben, Resistenz und Toxikologie zeigen globale Risikoachsen. Wer das als Einzelmeldungen liest, verpasst die Mechanik. Wer die Mechanik sieht, versteht, warum schon kleine Verschiebungen im Alltag große Folgen haben.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Man kann diese Woche als einzelne Meldungen lesen und dennoch das Entscheidende übersehen. Der gemeinsame Nenner ist Tragfähigkeit. Eine Struktur trägt nur, solange sie Puffer besitzt: Zeit im Betrieb, Personal im Team, Liquidität in der Kette und Vertrauen in Regeln. Genau diese Puffer stehen gleichzeitig unter Druck. Nicht spektakulär, sondern schrittweise. Und gerade weil es schrittweise ist, wirkt es im Alltag früher als in jeder Debatte.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn mehrere Stellschrauben zugleich nachgeben, wird aus einer Debatte eine Systemlage. Marktstruktur, Vergütung, Liquidität, Personalpfade und Sozialdruck greifen ineinander und erzeugen eine Dynamik, die Versorgung schneller verändert als politische Prozesse reagieren können. Stabilität entsteht dann nicht durch einzelne Korrekturen, sondern durch das Bewusstsein, dass jede Verschiebung Folgen entlang der gesamten Kette hat.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Die Einordnung folgt der Frage, wie Tragfähigkeit in Markt, Vergütung und Personalpfaden unter wachsendem Sozialdruck erhalten bleibt.

 

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