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  • 17.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Kostenmacht, Honorarstreit und Krisenresilienz.
    17.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Kostenmacht, Honorarstreit und Krisenresilienz.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Ein Blick auf Verordnungsmuster, pDL-Vergütung und Resilienzfragen verbindet harte Marktlogik mit den Folgen für Versorgung und Vertraue...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Kostenmacht, Honorarstreit und Krisenresilienz.

 

Heute verdichten sich Marktmechanik, Vergütungsdruck und Forschungsbefunde zu einer Frage nach Verlässlichkeit im Alltag.

Stand: Dienstag, 17. Februar 2026, um 17:50 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Im Verordnungsgeschehen liegt der Kontrast offen auf dem Tisch: riesige Mengen treffen auf erstaunlich geringe Kostenanteile, während wenige Hochkostenmittel Ausgaben bündeln und die Debatte über Steuerung neu aufladen. Parallel eskaliert der Konflikt um pharmazeutische Dienstleistungen, weil alte Preise weiterlaufen, aber die nächste Entscheidung faktisch in die Schiedsstelle wandert. Und über allem steht eine Krisenfrage, die plötzlich sehr praktisch wirkt: Wie stabil bleibt Versorgung, wenn Standorte ausdünnen, Lieferketten nervös werden und Wettbewerb nicht dieselben Pflichten abbildet.

 

Verordnungsgeschehen im GKV-Markt, Kostenlast verschiebt sich, Wirkstoffmassen bleiben billig.

Der Blick auf 2024 ist inzwischen so durchleuchtet, dass er fast wie ein fertiges Modell wirkt, während 2025 noch mit Abstand in die Auswertung hineinrückt. Genau in dieser Lücke entsteht der Eindruck von Gleichzeitigkeit: Die Versorgung läuft weiter, die Mengen scheinen stabil, die Umsätze ziehen trotzdem nach. Für die Detailarbeit sind es vor allem die Kassenperspektiven und ihre Datengerüste, die den Ton setzen, weil sie den Markt nicht erzählen, sondern aufschlüsseln.

Im Zentrum steht eine Zahl, die groß genug ist, um alles zu überdecken: Rund 64,5 Milliarden Euro Brutto-Taxwert im GKV-Gesamtmarkt 2024. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass diese Summe nicht nur aus klassischen Fertigarzneimitteln besteht. Praxisbedarf liegt bei etwa 3,3 Milliarden Euro, und Nicht-Fertigarzneimittel sind mit rund 10,1 Milliarden Euro ein eigener Block, in dem Parenteralia mit 5,9 Milliarden Euro besonders schwer wiegen. Dazu kommen rund 2 Milliarden Euro für Verbandstoffe sowie Krankenpflegeartikel, daneben Rezepturen, Cannabis, Medizinprodukte, Substitution – ein Markt, der nicht „ein Sechstel Nebenraum“ ist, sondern Teil der tragenden Statik. Bei den Apotheken, inklusive Versand, landen ungefähr 53 Milliarden Euro netto, davon gut 42 Milliarden Euro über Fertigarzneimittel.

Die eigentliche Überraschung liegt nicht im Volumen, sondern in der Entkopplung von Masse und Kosten. Bei den definierten Tagesdosen sind es ausgerechnet die Alltagswirkstoffe, die die Mengen dominieren: Ramipril, Candesartan und Pantoprazol bringen es zusammen auf 22,8 Prozent der gesamten Dosismenge von 49,8 Milliarden DDD, während ihr Kostenanteil bei nur 1,7 Prozent liegt. Das ist die stille Normalität des Systems: Die breite Versorgung ist zahlenmäßig riesig und ökonomisch vergleichsweise leicht, und gerade deshalb fällt jede Kostenspitze umso deutlicher ins Auge.

Denn an der Spitze der Ausgaben ist das Bild längst ein anderes. Die umsatzstärksten Präparate bewegen sich inzwischen bei etwa 1,5 Milliarden Euro Nettokosten pro Produkt auf Kassenebene, nach Abzug gesetzlicher Abschläge, ohne Rabattverträge, aber inklusive Zuzahlungen. Danach klafft eine Lücke, und erst dann folgen Darzalex mit 915 Millionen Euro sowie Jardiance und Xarelto in engem Abstand mit rund 913 und 902 Millionen Euro. Es sind zwölf Präparate, die die Schwelle von 500 Millionen Euro Nettokosten erreichen, und 110 Millionen Euro gelten als Eintrittskarte in die Top-100-Liga. Das ist eine Art neue Preissprache: Wenige Positionen sprechen laut, der Rest trägt die Masse.

Noch härter ist die Schere bei den Indikationsgruppen. Onkologika und Immunsuppressiva binden nahezu ein Drittel der Ausgaben, obwohl ihr Verordnungsanteil bei lediglich 1,4 Prozent liegt. In solchen Relationen steckt die politische Sprengkraft, weil sie zugleich nachvollziehbar und kaum „wegzuorganisieren“ ist. Wer an dieser Stelle nur über Mengen redet, redet am Problem vorbei. Wer nur über Kosten redet, versteht die Versorgungsrealität nicht.

Dazu kommt die Verteilung über Lebensalter und Geschlecht, die in der Praxis wie eine zweite, leise Steuerung wirkt. Im Schnitt erhalten GKV-Versicherte 10,1 Verordnungen, Männer 8,9 und Frauen 11,2. Kleinkinder liegen bei etwa acht Verordnungen, die mit durchschnittlich 23,50 Euro pro Packung vergleichsweise günstig sind, danach sinken die Werte auf grob zwei bis sechs Packungen, bevor ab etwa 40 der Anstieg deutlich einsetzt. In den mittleren Fünfzigern wird die Grenze von zehn Verordnungen pro Kopf überschritten, im hohen Alter steigt das auf etwa 25 bis 30. Dass ältere Männer teurer sind, obwohl sie mit maximal rund 26 Packungen etwas weniger verordnet bekommen, zeigt, wie sehr Preisniveau und Morbidität den Takt vorgeben.

Und dann ist da noch der Bereich, der sich in vielen Übersichten wie ein Schatten verhält: Privatverordnungen. Sie kommen im Schnitt mit etwa 15 Prozent obendrauf, teils deutlich mehr je nach Fachgruppe, und genau dort wird die Sicht schlechter, weil Selbstbeteiligungen und Nicht-Einreichung von Rechnungen den Blick verstellen. Der Markt wirkt dann nicht kleiner, sondern nur weniger sauber sichtbar. In dieser Unschärfe steckt ein eigenes Risiko für jede Einordnung, die so tut, als läge die Wahrheit vollständig in den Kassenkurven.

Was sich für 2025 bereits abzeichnet, passt in dieses Bild: Bei der Verordnungsmenge scheint sich wenig bewegt zu haben, die Umsätze steigen dennoch weiter, in der Größenordnung von rund sechs Prozent. Es ist eine Entwicklung, die nicht nach Drama aussieht, aber nach Dauer. Und genau deshalb trägt sie: Nicht weil sie spektakulär ist, sondern weil sie die Logik eines Systems offenlegt, das Masse billig halten kann, während einzelne Spitzen immer mehr Gewicht bekommen.

 

Pharmazeutische Dienstleistungen, Honorardruck steigt, Schiedslogik bleibt als Drohkulisse.

Die Kündigung der pDL-Preise zum 31. März 2026 ist kein symbolischer Akt, sondern ein Griff an die Stellschraube, die in den Apotheken längst knirscht. Wenn die Vergütung seit Start der Dienstleistungen als zu niedrig empfunden wird und Nachverhandlungen ins Leere laufen, bleibt am Ende oft nur noch ein formaler Schritt, der den Konflikt aus dem höflichen Verhandlungsraum in Richtung Entscheidungsebene schiebt. Genau das ist hier passiert: Die Kündigung markiert nicht das Ende des Systems, sondern den Punkt, an dem es nicht mehr still weiterlaufen soll.

Gleichzeitig liegt in der Konstruktion eine fast irritierende Ruhe: Auch nach dem 1. April 2026 können Apotheken die Dienstleistungen zunächst weiter zu den bisherigen Preisen abrechnen. Das wirkt wie ein Widerspruch, ist aber typisch für diese Honorararchitektur. Die alte Vergütung bleibt, bis eine neue Einigung steht – oder bis eine Schiedsstelle entscheidet. Damit entsteht eine Übergangszeit, die nach außen wie Stillstand aussieht, intern aber Druck aufbaut, weil jede Seite weiß: Irgendwann wird ein neuer Wert festgesetzt, und niemand kann sicher sein, ob er näher an der Forderung oder näher am bisherigen Niveau liegt.

Für die Apotheken ist dieser Mechanismus doppelt unerquicklich. Einerseits ist die Vergütung der fünf Dienstleistungen – so wie sie heute steht – nicht das Ergebnis eines gemeinsamen Kompromisses, sondern bereits das Produkt eines Schiedsspruchs. Andererseits ist genau dieser Schiedsspruch der Grund, warum viele Betriebe das System als von Beginn an schief kalibriert empfinden. Die Schiedsstelle hat durchschnittliche Zeiten kalkuliert und daraus eine Minutenvergütung abgeleitet, die unter dem liegt, was für ärztliche Leistungen als Maßstab herangezogen wird. Damit steckt im Kern eine Botschaft, die man nicht laut aussprechen muss, um sie zu spüren: Beratung in der Apotheke wird anders bewertet als Beratung in der Praxis.

In der täglichen Betriebsrealität ist das keine theoretische Kränkung, sondern eine Rechenfrage. pDL sind personalintensiv, sie brauchen Ruhe, Dokumentation, Gesprächsqualität. Sie lassen sich nicht beliebig „zwischen zwei Abgaben“ schieben, ohne dass sie ihren Sinn verlieren. Wenn die Vergütung den tatsächlichen Aufwand nicht abbildet, wird jede zusätzliche Dienstleistung zu einer Entscheidung zwischen Anspruch und Tragfähigkeit. Manche Häuser machen es trotzdem – aus Überzeugung, aus Versorgungsdenken, aus dem Wunsch, die Apotheke als aktiven Gesundheitsort zu zeigen. Andere begrenzen den Umfang oder lassen das Angebot ganz liegen, weil die Kalkulation im Alltag nicht aufgeht. Beides ist rational, und genau darin steckt die eigentliche Brisanz: Das System erzeugt nicht automatisch flächige Versorgung, sondern sortiert nach Belastbarkeit.

Dass der GKV-Spitzenverband sich bei Nachverhandlungen offenbar nicht bewegt hat, überrascht vor diesem Hintergrund kaum. Die Kostenträger sehen pDL als Ausgabenposten, der politisch gut klingt, aber budgetär weh tut. Wenn dann noch die Schiedsstellenlogik im Hintergrund steht, kann eine harte Haltung sogar als Strategie funktionieren: lieber abwarten, bis der Konflikt in die Schiedsstelle wandert, und dort auf ein Ergebnis setzen, das nicht zu weit vom bisherigen Niveau entfernt ist. Für den DAV ist die Kündigung damit auch ein Signal, dass man diese Warteschleife nicht einfach akzeptiert.

Die offene Frage ist nicht, ob es weitergeht, sondern wie lange diese Zwischenphase dauert und welche Botschaft am Ende im neuen Preis steckt. Ein höherer Satz würde sagen: Die Leistung ist gewollt, der Aufwand wird anerkannt. Ein kaum veränderter Satz würde sagen: Die Idee bleibt, aber sie soll sich in den Betrieben irgendwie „von selbst“ tragen. Und genau das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob pDL auf Dauer als echte Versorgungsleistung wachsen – oder ob sie im System als gut gemeinte, aber dauerhaft zu knapp kalkulierte Zusatzaufgabe hängenbleiben.

 

Versandwettbewerb, Vor-Ort-Struktur bricht aus, Krisenlogik kippt in Versorgungslücken.

Wenn ein Großhandelschef über Apotheken spricht, klingt das selten sentimental, weil die Zahlen die Sprache vorgeben. Umso stärker wirkt der Moment, in dem Michael Kuck für Noweda nicht nur über Marktanteile, sondern über Verwundbarkeit redet. Es ist die Art Interview, die nicht wie eine Branchenklage daherkommt, sondern wie ein Lagebericht aus der Lieferkette: Wenn Apotheken ausdünnen, wird das nicht nur für die Betriebe selbst zum Problem, sondern für die Infrastruktur, die sie tagtäglich mit trägt. Und irgendwann wird aus „Wettbewerb“ eine Frage der Reserve.

Der Ausgangspunkt ist nüchtern und trotzdem politisch: Das Versprechen, das Packungsfixum zu erhöhen, ist nicht eingelöst worden. Kuck beschreibt daraus kein einzelnes Betriebsproblem, sondern eine Schieflage, die sich über viele Häuser legt. Etwa ein Drittel der Apotheken ringt ums wirtschaftliche Überleben – und das bleibt nicht ohne Folgewirkung auf die Partner. Noweda verliere zwar nicht massenhaft Mitglieder, sagt er, aber Forderungsausfälle nähmen zu. Das ist der Punkt, an dem eine abstrakte Debatte über Honorare in reale Zahlungsfähigkeit übergeht: Wenn Inhaber Rechnungen nicht mehr begleichen können, wird aus Ertragsdruck ein Systemrisiko, das in der Lieferkette nach hinten durchschlägt.

Dabei geht es nicht nur um die Anzahl der Apotheken, sondern auch um ihre Verteilung. Kuck bringt dafür ein Bild, das jeder aus dem Alltag kennt: Wenn weniger Stellen die gleiche Masse versorgen müssen, wird die Warteschlange länger. Das ist keine Metapher, die man dekorativ versteht, sondern eine Mechanik. Weniger Anlaufstellen bedeuten nicht „weniger Bedarf“, sondern mehr Wege, mehr Gedränge, mehr Zeitdruck – in den verbleibenden Apotheken, im Notdienst, im Umfeld. Die Last verschwindet nicht, sie wandert. Und sie wandert dorthin, wo schon heute knapp kalkuliert wird.

In diesem Zusammenhang fällt sein Blick auf die großen niederländischen Versender besonders scharf aus. Kuck sagt ausdrücklich, er habe nichts gegen fairen Wettbewerb. Der Satz ist wichtig, weil er die Grenze markiert: Wettbewerb ja, aber nicht als Spiel mit unterschiedlichen Pflichten. Der Vorwurf lautet nicht „Versand ist böse“, sondern: Shop Apotheke und DocMorris konkurrieren mit öffentlichen Apotheken, ohne denselben Versorgungsauftrag erfüllen zu müssen. Das ist der alte Kernkonflikt, nur diesmal nicht aus Apothekensicht, sondern aus Großhandelslogik: Wenn sich die Versorgung in Richtung Anbieter verschiebt, die im Krisenfall nicht dieselbe Verantwortung tragen, wird die Resilienz dünner – und das betrifft am Ende jeden, der Medikamente physisch bewegen muss.

Der entscheidende Satz im Gespräch ist deshalb nicht der über Preise oder Markt, sondern der über Krisenszenarien. Kuck erinnert an Corona, weil dort für viele zum ersten Mal sichtbar wurde, wie schnell Lieferketten an Grenzen stoßen. Er geht aber weiter und wirft eine Frage in den Raum, die unangenehm ist, gerade weil sie nicht theoretisch wirkt: Was passiert, wenn Europa militärisch unter Druck gerät? Würden die Niederlande ihren dort ansässigen Versendern im Ernstfall erlauben, Medikamente ins Ausland zu schicken, wenn im eigenen Land Engpässe drohen? Es ist keine Prophezeiung, sondern ein Test auf nationale Prioritäten in der Mangellage. Und dieser Test zielt auf eine einfache Wahrheit: Im Krisenfall zählt Nähe, Zugriff, Lager, Personal – nicht nur das Bestellformular.

In der Summe ergibt sich daraus eine Warnung, die weniger dramatisch formuliert ist, als sie in der Wirkung ist: Apotheken, die verschwinden, kommen oft nicht wieder. Das gilt betriebswirtschaftlich, weil Nachfolger fehlen, und es gilt infrastrukturell, weil einmal gerissene Versorgungsnetze schwer zu knüpfen sind. Für den Großhandel heißt das: Er kann noch so effizient sein, er kann noch so gute Touren fahren – wenn am Ende weniger sichere Ankerpunkte stehen, wird das System nervöser. Und für die Politik heißt es: Wer die Vor-Ort-Struktur ausdünnt, spart vielleicht kurzfristig an einer Stelle, zahlt aber später mit längeren Wegen, höheren Notdienstlasten und einer Versorgung, die in der Krise schneller an ihre Grenzen kommt.

 

Anti-Armut-Strategie der EU, Gesundheit bleibt Randthema, Ungleichheit wird zur Folgekostenmaschine.

Die EU will Armut und sozialen Ausschluss bis 2050 innerhalb ihrer Grenzen überwinden. Das klingt nach einem großen Versprechen, und genau deshalb fällt auf, was im Entwurf der Leitplanken bislang fehlt: Gesundheit steht nicht im Zentrum. Die Kommission arbeitet an einer Strategie, eine Konsultation lief bereits, und doch wirkt der Rahmen so, als könne man materielle Not von gesundheitlicher Benachteiligung abkoppeln. Das ist politisch bequem, aber in der Realität kaum haltbar.

Denn die Ausgangslage ist massiv. Rund ein Fünftel der Menschen in der EU gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, Eurostat beziffert das für 2024 auf 93,3 Millionen Menschen, also 21 Prozent der Bevölkerung. Solche Zahlen sind mehr als ein Sozialindikator, sie sind ein Frühwarnsystem. Wer so vielen Menschen Teilhabe entzieht, produziert nicht nur Einkommensprobleme, sondern auch gesundheitliche Lasten, die sich später in Kliniken, Praxen und Sozialkassen wiederfinden.

Die bisher bekannten Eckpunkte stützen sich auf Grundsätze der „Europäischen Säule sozialer Rechte“: Kinderschutz, Mindesteinkommen, Integration von Menschen mit Behinderungen, Wohnen und Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Das liest sich wie ein Katalog wichtiger Themen, aber ohne den Hebel, der vieles zusammenhält. EuroHealthNet kritisiert genau das: Wenn Gesundheit nicht mitgedacht wird, bleibt die Strategie im Kern unvollständig. Armut wird dann wie ein reines Geld- und Wohnproblem behandelt, obwohl sie sich im Körper festsetzt – in chronischen Krankheiten, in psychischer Erschöpfung, in früheren Erwerbsausstiegen.

Der Zusammenhang ist keine moralische These, sondern eine Wechselwirkung. Finanzielle Unsicherheit, schlechte Wohnverhältnisse, belastende Arbeit, geringe Qualifikation oder harte Kindheitserfahrungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für schlechte Gesundheit. Und umgekehrt verstärkt schlechte Gesundheit die Armut: Wer krank wird, verliert eher Arbeit, wird vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, rutscht in Frühverrentung, hängt an Leistungen wie Krankengeld oder Erwerbsminderungsrente. Das ist ein Kreis, der sich selbst antreibt, weil er an beiden Enden gleichzeitig zieht.

Ein paar Kennzahlen machen sichtbar, wie schnell Gesundheit zur sozialen Trennlinie wird. Nicht gedeckte Gesundheitsbedürfnisse liegen in der EU 2024 bei 2,5 Prozent, in Haushalten mit geringem Einkommen bei sechs Prozent. Bei der Zahngesundheit ist die Kluft besonders deutlich: 13,7 Prozent der Menschen mit geringem Einkommen berichten unerfüllte Bedürfnisse, in der Gesamtbevölkerung sind es 6,3 Prozent. Diese Differenzen sind nicht nur Ungerechtigkeit, sie sind verlorene Zeit, verpasste Prävention, teurere Folgebehandlungen.

Besonders scharf zeigt sich das bei Gruppen, die ohnehin marginalisiert sind. Roma-Frauen haben eine um elf Jahre geringere Lebenserwartung als die Allgemeinbevölkerung, Roma-Männer leben 9,1 Jahre weniger. Obdachlose tragen überproportional viele körperliche und psychische Erkrankungen. Solche Befunde sind nicht „Randlagen“, sie sind Verdichtungen dessen, was passiert, wenn soziale Sicherung, Wohnraum und Gesundheitszugang nicht zusammen gedacht werden.

Hinzu kommen neue Belastungswellen, die Armut noch stärker in Gesundheit übersetzen. Klimawandel und Hitzewellen treffen Arme häufiger, weil Kühlung, Rückzugsräume und Versorgung fehlen. Wohnungsnot ist kein abstrakter Begriff, 2023 gaben 4,9 Prozent in der EU an, entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Ernährungssicherheit kippt ebenfalls: 8,5 Prozent der Europäer und 19,4 Prozent der von Armut bedrohten Menschen können sich nicht einmal jeden zweiten Tag eine proteinreiche Mahlzeit leisten. Gleichzeitig greifen in einkommensarmen Haushalten ungesündere, stark verarbeitete Lebensmittel stärker durch – eine stille Vorstufe für spätere Krankheitslast.

Und dann ist da die mentale Gesundheit, die sich in vielen Ländern sichtbar verschlechtert, besonders bei Frauen und jungen Menschen. Therapieplätze sind begrenzt, Arbeitsbedingungen werden für viele härter, Beschäftigung bleibt in Teilen prekär. EuroHealthNet fordert deshalb nicht nur „mehr Gesundheit“, sondern einen Ansatz, der Prävention, universellen Zugang, psychische Gesundheit und die Reduktion struktureller Ungleichheit zusammenführt. Dahinter steht eine klare Rechnung: Wer die Ursachen nicht adressiert, bezahlt später über Produktivitätsverluste, höhere Krankheitslast und wachsenden Druck auf Sozial- und Gesundheitssysteme.

Die Finanzierung wird damit zur politischen Nagelprobe. EuroHealthNet drängt darauf, Mittel im künftigen Finanzrahmen 2028–2034 deutlich aufzustocken und gesundheitsbezogen zu binden. Gleichzeitig soll es Zwischenziele für 2030 und 2040 geben und eine Einbettung in den europäischen Semesterprozess, damit die Strategie nicht als Absichtserklärung endet. Der härteste Satz in der Argumentation ist der über die Kosten des Nichthandelns: Gesundheitliche Ungleichheiten verursachen laut EuroHealthNet jährlich Wohlfahrtsverluste in Höhe von 9,4 Prozent des BIP der 27 EU-Staaten. Das ist die Dimension, in der „Gesundheit als Randthema“ plötzlich wie ein Luxusfehler wirkt.

 

Fachsprachenprüfung, Drittstaaten dominieren, Anerkennungspfade werden zum Engpass.

Die Zahl wirkt auf den ersten Blick wie eine Randnotiz aus dem Berufsrecht, ist aber in Wahrheit ein Seismograf für die Personallage: 1.809 Fachsprachenprüfungen für Apothekerinnen und Apotheker mit ausländischem Abschluss wurden 2025 bundesweit abgenommen. Im Jahr davor waren es 1.414, 2023 lag der Wert bei 1.190. Das ist kein sanfter Trend, das ist ein Sprung – und er erzählt mehr über die Realität in den Betrieben als jede Sonntagsrede über „Fachkräftesicherung“.

Auffällig ist dabei weniger das Wachstum an sich als die Herkunftsstruktur. 94 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten kommen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Syrien steht mit 623 Absolventinnen und Absolventen an der Spitze, danach folgen Ägypten mit 259 und die Ukraine mit 242. Diese Rangfolge ist nicht nur Statistik, sie zeigt, wie stark die Apothekenversorgung inzwischen auf Zuwanderung aus Drittstaaten angewiesen ist – und wie sehr der deutsche Arbeitsmarkt in diesem Segment längst global rekrutiert, ob offen ausgesprochen oder nicht.

Die Fachsprachenprüfung ist dabei keine Formalie, die man „nebenbei“ erledigt. Sie ist ein zentraler Schritt in einem mehrstufigen Anerkennungsverfahren und setzt ein Fachsprachniveau an, das sich am C1-Niveau orientiert. In der Praxis bedeutet das: Es geht nicht nur um Grammatik, sondern um Fallgespräche, Dokumentation, Rückfragen, Risikoabwägungen, Beratungssicherheit. Wer am HV steht, muss nicht nur freundlich sein, sondern präzise – gerade dann, wenn es um Wechselwirkungen, Dosierungen, Missverständnisse oder akute Situationen geht. Sprache wird hier zur Sicherheitsinfrastruktur.

Interessant ist auch, dass die Prüfung nicht nur Drittstaaten betrifft. Auch Apothekerinnen und Apotheker aus dem nicht deutschsprachigen EU-Ausland müssen sie absolvieren, obwohl ihre Abschlüsse ansonsten anerkannt werden. Allerdings bleiben diese Gruppen zahlenmäßig klein: Rumänien taucht mit 23 Kandidaten auf, Italien mit 16. Das ist eine kleine Spur im Vergleich zur Drittstaatenwelle – und zugleich ein Hinweis darauf, dass die großen Mobilitätsströme innerhalb der EU für diesen Berufsweg offenbar nicht ausreichen, um die Lücken zu schließen.

Für die Apotheken entsteht daraus eine doppelte Spannung. Auf der einen Seite ist jeder bestandene Schritt im Anerkennungsweg ein möglicher Gewinn, weil Teams entlastet werden können und Öffnungszeiten überhaupt erst haltbar bleiben. Auf der anderen Seite ist der Weg bis zur tatsächlichen Berufsausübung lang, bürokratisch, belastend – für die Bewerbenden genauso wie für die Betriebe, die hoffen, planen, warten. Die Prüfung ist damit nicht nur Qualitätsfilter, sondern auch Taktgeber: Wenn sie stockt, stockt Personal.

Die politische Pointe liegt darin, dass dieses System gerade dann an Bedeutung gewinnt, wenn die Grundversorgung unter Druck steht. Fachkräfte aus Drittstaaten werden nicht „nice to have“, sondern Teil der Stabilitätsreserve. Das funktioniert aber nur, wenn Anerkennungsprozesse verlässlich, fair und zügig sind, ohne die fachliche Hürde zu senken. Genau hier entscheidet sich, ob die wachsenden Prüfungszahlen ein Zeichen für gelingende Integration in die Versorgung sind – oder nur der Beleg dafür, wie groß der Abstand zwischen Bedarf und verfügbarer Arbeitskraft inzwischen geworden ist.

 

Epibatidin als Stoff, Nikotinrezeptoren als Ziel, extreme Potenz wird zur Gefahr.

Wenn in Berichten rund um den Tod von Alexej Nawalny der Name Epibatidin auftaucht, wirkt das zunächst wie ein exotisches Detail aus der Toxikologie. Es ist ein Stoff, der nicht aus einem Labor-Standardkatalog stammt, sondern aus der Biologie: ein Alkaloid, das in der Haut eines ecuadorianischen Pfeilgiftfrosches nachgewiesen wurde. Schon diese Herkunft erklärt, warum Epibatidin in der Forschung lange eine merkwürdige Doppelrolle hatte – als faszinierender Kandidat für neue Analgetika und zugleich als Substanz, die genau wegen ihrer Wirkung kaum beherrschbar ist.

Pharmakologisch ist der Kern schnell benannt, aber in der Konsequenz schwer: Epibatidin bindet sehr stark an nikotinische Acetylcholinrezeptoren, besonders an den α4β2-Rezeptor, der im Gehirn eine große Rolle bei Kognition, Lernprozessen und Abhängigkeitsmechanismen spielt. „Nikotiner Rezeptor“ klingt für Laien oft nach Rauchen und Gewohnheit, doch im Körper ist das ein weit verzweigtes Signalnetz. Wer dort mit einem hochaffinen Agonisten eingreift, berührt nicht nur ein Areal, sondern eine ganze Steuerlogik.

Gerade deshalb war der Stoff für die Schmerzforschung einmal so interessant. Epibatidin zeigt in experimentellen Kontexten eine sehr starke, nicht-opioide Analgesie, also Schmerzhemmung ohne die klassische Opioid-Schiene. Diese Eigenschaft hat einen Reiz, weil sie theoretisch an einem der großen Schmerz-Dilemmas vorbeiführen könnte. Aber dieser Reiz kippt sofort, sobald man die zweite Seite mitdenkt: Epibatidin wirkt nicht selektiv nur „im Kopf“, sondern auch an nikotinischen Rezeptoren in der Peripherie, etwa dort, wo Nervenimpulse an Muskeln weitergegeben werden. Was als Signalverstärkung beginnt, kann dann in eine gefährliche Übersteuerung geraten.

In solchen Vergiftungsbildern ist es nicht der „Schmerz“ oder die „Psyche“, die zuerst zum Problem wird, sondern die Körpersteuerung. Kritisch ist vor allem, dass zentrale und periphere Wirkung zusammenlaufen: Atmung, Kreislauf, Muskelkontrolle, Drüsenaktivität. In der klinischen Betrachtung wird Epibatidin gerade deshalb als hochriskant eingestuft, weil die Grenze zwischen Wirkung und schwerer Schädigung extrem schmal ist. Das ist der Grund, warum es trotz seiner Potenz nicht als Medikament eingesetzt wird und in der Forschung eher als Warnsignal gilt: Ein starkes Wirkprinzip ist nicht automatisch ein brauchbares Wirkprinzip.

Dass solche Substanzen überhaupt in politischen oder kriminalistischen Kontexten auftauchen, führt zu einer dritten Ebene: Nachweisbarkeit. Epibatidin lässt sich analytisch erfassen, typischerweise über instrumentelle Verfahren wie Gaschromatographie und Massenspektrometrie. Das klingt technisch, hat aber eine einfache Bedeutung: Man kann eine Spur finden, wenn sie vorhanden ist, und man kann zumindest die Frage stellen, ob ein Stoff in einen Körper gelangt ist. Was daraus folgt, ist dann nicht mehr Pharmakologie, sondern Bewertung – und die hängt an Proben, Ketten, Kontext, und an der Frage, was „nachgewiesen“ in einem konkreten Fall tatsächlich meint.

Der Stoff selbst bleibt dabei unerquicklich eindeutig: Epibatidin ist ein Beispiel dafür, wie gefährlich eine pharmakologisch elegante Idee werden kann, wenn sie den Körper nicht nur punktuell berührt, sondern an einer Schaltstelle dreht, die überall angeschlossen ist. Es ist eine Substanz, die in der Theorie wie eine Abkürzung wirkt – und in der Praxis genau deshalb kein Weg ist.

 

Antibiotikaresistenz im Eis, alte Gene bleiben aktiv, Auftauen wird zum Verteilmoment.

Die Meldung klingt wie ein wissenschaftlicher Thriller, ist aber eher ein nüchterner Blick in eine Zeitkapsel: In einer unterirdischen Eishöhle wurde ein Bakterienstamm isoliert, der rund 5.000 Jahre in einer Eisschicht eingeschlossen war – und dennoch Resistenz gegen eine ganze Reihe wichtiger Antibiotika zeigt. Das staunenswerte Detail ist nicht, dass Mikroorganismen überdauern können, sondern dass ihre Resistenzmechanismen in einem Kontext sichtbar werden, der mit moderner Antibiotikatherapie nichts zu tun hat. Resistenz ist offenbar kein reines Nebenprodukt heutiger Medizin, sondern eine uralte biologische Antwort auf Konkurrenz und Chemie.

Der Stamm trägt die Bezeichnung Psychrobacter sp. SC65A.3 und gehört zu einer Gattung, die Kälte nicht nur erträgt, sondern braucht: psychrophil, also auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lebens- und vermehrungsfähig. Isoliert wurde er aus der Scărișoara-Eishöhle im rumänischen Apuseni-Gebirge. Solche Orte sind nicht einfach „kalte Räume“, sondern stabile Ökosysteme, in denen chemische und mikrobielle Prozesse langsam, aber nicht still ablaufen.

In der Studie wurde der Keim gegenüber verschiedenen Antibiotika getestet und zeigte Resistenz gegen zehn Substanzen aus acht Wirkstoffklassen. Genannt werden Cephalosporine wie Ceftazidim und Cephalothin, das Fluorchinolon Ciprofloxacin, das Aminoglykosid Spectinomycin, Lincosamide wie Clindamycin und Lincomycin, das Glykopeptid Vancomycin sowie Metronidazol, Rifampicin und Trimethoprim. Man muss diese Liste nicht auswendig können, um die Dimension zu verstehen: Es geht nicht um eine einzelne Schutzmauer, sondern um ein ganzes Bündel von Abwehrstrategien.

Noch eindrücklicher ist der genetische Befund. Bei der Genomsequenzierung wurden über 100 Gene gefunden, die mit Antibiotikaresistenzen assoziiert sind. Das heißt nicht automatisch, dass jedes Gen in jeder Situation „voll aktiv“ ist, aber es zeigt ein Reservoir – eine Art Werkzeugkasten, der in ökologischen Konflikten entstanden ist. Bakterien kämpfen seit Milliarden Jahren gegen andere Bakterien, Pilze und natürliche antimikrobielle Substanzen. In diesem Licht wird Resistenz nicht zur „modernen Katastrophe“, sondern zur Grundfunktion. Die Katastrophe entsteht erst, wenn diese Grundfunktion in unsere Versorgungssysteme hineingelangt.

Genau hier kommt die zweite Hälfte der Geschichte ins Spiel: das Schmelzen. Wenn Eis, das über Jahrtausende stabil war, auftaut, werden nicht nur Wasser und Sedimente freigesetzt, sondern auch Mikroorganismen und ihre Gene. Der Gedanke, dass Resistenzen dann an andere Bakterien weitergegeben werden könnten, ist deshalb so relevant, weil horizontale Genübertragung in der Mikrobiologie kein Spezialfall ist, sondern Alltag. Nicht jedes freigesetzte Bakterium wird zum Problem, aber das potenzielle „Genmaterial in Bewegung“ ist das, was Experten nervös macht: Resistenzen müssen nicht als kompletter Keim wandern, sie können als Information wandern.

Die Studie hat noch eine dritte, fast widersprüchliche Pointe. Psychrobacter sp. SC65A.3 zeigte auch antimikrobielles Potenzial: Er produziert offenbar Stoffe, die das Wachstum von vierzehn ESKAPE-Keimen hemmen. ESKAPE steht für eine Gruppe problematischer Krankenhauskeime – darunter Enterococcus faecium, MRSA, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa und Enterobacter-Arten – also Erreger, die in Kliniken wegen Mehrfachresistenzen gefürchtet sind. Der gleiche Fund, der als Risiko beschrieben wird, enthält also auch eine mögliche Ressource: neue antimikrobielle Substanzen oder Mechanismen, die wir noch nicht kennen.

Damit bleibt der Fund ambivalent, aber nicht beliebig. Er zeigt, dass Resistenz nicht erst beginnt, wenn Menschen Antibiotika verschreiben, sondern dass wir mit Antibiotika in ein uraltes Wettrüsten eingreifen. Und er zeigt, dass der Klimawandel nicht nur ein Wetterthema ist, sondern auch ein biologischer Transportmechanismus werden kann: Was lange eingefroren war, kommt wieder in Umlauf. Ob daraus ein Problem oder eine Chance wird, entscheidet sich weniger in der Höhle als in unserem Umgang mit Resistenz, Antibiotikaverbrauch und der Fähigkeit, neue Wirkstoffe überhaupt noch zu entwickeln.

 

Atemluft als Signal, Mikrobiom als Absender, Diagnostik rückt näher an den Alltag.

Mundgeruch ist im Alltag oft ein hygienischer Verdacht, dabei sprechen die neueren Befunde eine andere Sprache: In der Atemluft lassen sich flüchtige organische Verbindungen finden, die mit Zusammensetzung und Aktivität des Darmmikrobioms zusammenhängen können. Das ist kein Zaubertrick, sondern Chemie in Miniatur, die aus einem inneren Stoffwechsel nach außen diffundiert. Der entscheidende Gedanke ist dabei simpel und zugleich weitreichend: Wenn Bakterien bestimmte Moleküle produzieren oder abbauen, dann kann das als Muster in der Atemluft auftauchen.

In einer kürzlich publizierten Studie wurden bei gesunden Kindern Stuhl- und Atemproben parallel untersucht, und dabei zeigte sich eine Korrelation zwischen den VOC-Profilen des Atems und Merkmalen des Darmmikrobioms. Unter den identifizierten Stoffen waren Terpene wie Limonen und Levomenthol, Aromaten wie Toluol und Benzol, Säuren wie Essigsäure, Schwefelverbindungen wie Dimethylsulfid sowie Alkohole, Aldehyde und Ketone. Für sich genommen klingt das wie ein Laborinventar, aber als Profil werden solche Substanzen zu einer Art chemischem Fingerabdruck, der nicht nur „da ist“, sondern in Beziehung zu biologischen Prozessen steht.

Spannend wird es dort, wo die Forschung versucht, Absender und Signal zu verbinden. Um herauszufinden, welche Bakterien welche flüchtigen Verbindungen beeinflussen, wurde in weiteren Versuchen mit keimfreien Mäusen gearbeitet, die gezielt mit einzelnen Keimen kolonisiert wurden. Danach wurde ihr Atem mit instrumentellen Verfahren analysiert, um zu sehen, welche Muster sich verschieben. Solche Modelle sind nie ein perfekter Ersatz für den Menschen, aber sie sind ein kontrollierter Rahmen, um Ursache und Wirkung auseinanderzuziehen.

Die Beispiele zeigen, wie konkret das werden kann. Mit Escherichia coli kolonisierte Tiere atmeten erhöhte Konzentrationen bestimmter Verbindungen aus, darunter Ethylacetat, Benzothiazol und Octanal, die auch in Zellkulturversuchen gemessen wurden. Bei Mäusen mit Collinsella aerofaciens stiegen Toluol-Konzentrationen, während andere Aromaten wie Styrol und o-Xylol reduziert waren, was eher auf mikrobiellen Abbau als auf Produktion hindeutet. Das ist wichtig, weil Diagnostik nicht nur vom „Mehr“ lebt: Manchmal ist gerade das „Weniger“ der Hinweis, dass ein Stoff im Körper nicht stehen bleibt, sondern verstoffwechselt wird.

Der Schritt in Richtung klinischer Anwendung wird sichtbar, sobald Gruppen verglichen werden. In dem beschriebenen Ansatz wurden gesunde Kinder einer Kohorte mit Asthma gegenübergestellt, und es gelang, ein mit Asthma assoziiertes Bakterium über eine VOC-Signatur zu erkennen. Das ist noch keine fertige Diagnostik, eher eine Demonstration, dass das Prinzip nicht nur in Modellorganismen, sondern in realen Gruppenunterschieden greifen kann. Gleichzeitig liegt darin auch die Grenze: Solche Befunde müssen in größeren Populationen validiert werden, mit breiterer Altersstreuung, und mit einer noch besseren Auswahl und Standardisierung der messbaren VOC.

Im Alltag bedeutet dies, dass Atemanalysen perspektivisch mehr sein könnten als ein „Mundgeruchstest“. Sie könnten zu einem nichtinvasiven Fenster werden, durch das sich Stoffwechselzustände, mikrobielle Aktivität und möglicherweise Krankheitsrisiken ablesen lassen, ohne dass man jedes Mal in invasive Proben gehen muss. Der Weg dorthin ist allerdings anspruchsvoll, weil Atemluft auch von Ernährung, Umwelt, Tageszeit und vielen anderen Faktoren geprägt wird, die ein Signal verschmieren können.

Was bleibt, ist eine neue Art Nüchternheit: Das Mikrobiom sendet keine Botschaften in Worten, sondern in Molekülen. Wenn es gelingt, diese Muster verlässlich zu lesen, entsteht ein Diagnostikfeld, das nahe an der Lebenswirklichkeit liegt und trotzdem tief in die Biologie reicht. Und genau an dieser Stelle zeigt sich, wie schnell ein scheinbar banales Thema wie Atemluft zu einer Frage der medizinischen Präzision werden kann.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Viele Entwicklungen wirken einzeln erklärbar, zusammen aber entsteht ein Muster, das im Alltag schneller spürbar wird als in Papieren. Kosten konzentrieren sich, Personalpfade werden enger, und in jeder vermeintlich kleinen Stellschraube steckt eine große Folgewirkung.

Es ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt.
Wenn Politik, Kassen und Markt weiter aneinander vorbeireden, wird Stabilität zur knappen Ressource, die erst in der Störung sichtbar wird.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der Tag zeigt, wie leicht Steuerungsfragen in Versorgungssicherheit umschlagen, sobald Kosten, Personal und Risiko gleichzeitig ziehen.

 

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