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  • 17.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Abda sucht Verhandlungsprofis, Filialdruck kippt Existenzen, Apo.com verbrennt Millionen.
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    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Mehrere Themen deuten auf eine Verschiebung hin, bei der Stabilität stärker über Verfahren und Puffer definiert wird als über Routin...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Abda sucht Verhandlungsprofis, Filialdruck kippt Existenzen, Apo.com verbrennt Millionen.

 

Verhandlungslogik verschiebt Macht, Kostendruck frisst Puffer, Nutzenfragen werden schärfer.

Stand: Dienstag, 17. Februar 2026, um 17:26 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der Tag kippt von der großen Reformtechnik in die harte Betriebswirklichkeit, ohne dass dazwischen noch Luft bleibt. In Berlin wird ein Verhandlungsmodell vorbereitet, das Zahlen in Macht übersetzt und Streit in Verfahren zwingt, während vor Ort sichtbar wird, wie Filialkomplexität und Personalkosten eine Rechnung auch bei gutem Umsatz brechen können. Gleichzeitig warnt der Großhandel vor einer Infrastruktur, die ausgedünnt wird, wenn lukrative Segmente abwandern, und eine kleine Szene wie der Aufkleberstreit zeigt, wie schnell Vollzug Vertrauen beschädigt, sobald Maß und Erklärung fehlen. Selbst der medizinische Nutzenvergleich wirkt in dieser Lage wie ein Spiegel derselben Logik: Entscheidend bleibt das Verhältnis aus Wirkung, Belastung und Kosten, nicht der schönste Einzeleffekt.

 

Apothekenhonorar wird zur Verhandlungssache, Abda sucht Verhandlungsprofis, Warken hält das Ministerium am Hebel.

Die Reformidee klingt zunächst technisch, hat aber einen politischen Kern: Wenn die Vergütung künftig nicht mehr nur über feste Regeln und ministerielle Vorgaben läuft, sondern über Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, verschiebt sich Macht. Genau auf diese Verschiebung reagiert die Abda ungewöhnlich früh mit Personalaufbau und schreibt zwei Stellen als „Referenten Verhandlungen Apothekenvergütung“ aus, angesiedelt im Bereich Wirtschaft und Soziales unter der stellvertretenden Hauptgeschäftsführerin Claudia Korf.

In der Ausschreibung steht der Anspruch, künftig „wesentliche Parameter“ der Vergütung nach Arzneimittelpreisverordnung zu verhandeln. Das ist mehr als ein neues Aufgabenschild: Verhandlung heißt Datengrundlagen, Berechnungen, Argumentationslinien, interne Willensbildung und am Ende die Fähigkeit, Konflikte auszutragen. Der Auftrag reicht ausdrücklich von Vorbereitung über Durchführung bis hinein in mögliche Schiedsstellen- oder Schiedsgerichtswege, also dorthin, wo Verfahren nicht mehr nur fachlich, sondern auch strategisch entschieden werden.

Die Stellenbeschreibung zeigt, wie sehr das geplante Verfahren an Zahlen hängt. Wer verhandelt, braucht belastbare Modelle für Kostenstrukturen, Leistungsvolumina, regionale Unterschiede, Personal- und Sachkosten, sowie eine Logik, die gegenüber Kostenträgern standhält. Dass Erfahrungen aus Kassenverhandlungen „erwünscht, aber nicht zwingend“ sind, wirkt wie ein Signal: Entscheidend ist nicht nur Routine im Kassenkontakt, sondern die Fähigkeit, ein neues System aufzubauen, in dem Kennzahlen, Benchmarks und juristische Leitplanken die Gesprächsführung dominieren.

Politisch ist das Paket noch nicht „durch“, und genau darin liegt die Spannung. Das parlamentarische Verfahren hat erst begonnen, die Zeitachse bis zu späteren Lesungen bleibt offen, und parallel läuft der Verordnungsteil. Trotzdem wird bereits so getan, als sei das Verhandlungsmodell gesetzt. Der Effekt ist doppelt: Nach innen entsteht früh eine Erwartung an ein neues Rollenverständnis, nach außen entsteht der Eindruck, dass die Auseinandersetzung mit den Kassen nicht erst nach der Gesetzesverabschiedung anfängt, sondern mit dem Aufbau der Verhandlungsfähigkeit.

Die Konstruktion, wie sie im Entwurf angelegt ist, macht die Verhandlung zudem nicht zum Endpunkt, sondern zum Zwischenschritt. Nach einer Einigung, notfalls über eine Schiedsstelle, landet das Ergebnis als Vorschlag im Bundesgesundheitsministerium und muss per Verordnung umgesetzt werden. Genau hier liegt die Sollbruchstelle, die Abda-Präsident Thomas Preis in einem Satz zusammengezogen hat: Es darf nicht ins Leere verhandelt werden. Auf Ministeriumsseite wird zugleich betont, dass die letzte Entscheidung beim Verordnungsgeber die Abwägung sichern soll, besonders mit Blick auf die Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung.

An dieser Stelle prallen zwei Verständnisse von „Verhandlung“ aufeinander. Für die eine Seite ist Verhandlung ein Verfahren, das Ergebnisbindung verspricht, weil sonst weder Datenarbeit noch Kompromissbereitschaft Sinn ergeben. Für die andere Seite bleibt Verhandlung ein Instrument, das politische Steuerung nicht ersetzen darf, sondern nur vorbereitet. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat diese Ambivalenz bereits als „unecht“ kritisiert und über den Bundesrat eine Alternative ins Spiel gebracht, die den Schritt zur echten Ergebnisverbindlichkeit stärker betonen würde.

Der Personalaufbau wirkt vor diesem Hintergrund wie ein vorweggenommenes Eingeständnis: Ohne professionelle, dauerhaft arbeitende Verhandlungsstruktur droht die neue Logik zu kippen, bevor sie überhaupt greift. Auffällig ist auch der Hinweis, dass diese beiden Stellen im Haushaltsplan 2026 noch nicht vorgesehen waren, weil Aufwandsposten zeitlich und inhaltlich nicht konkretisierbar gewesen seien. Zwischen den Zeilen steht damit eine zweite Botschaft: Das Verhandlungsmodell ist nicht nur politisch umkämpft, es ist auch organisatorisch teuer, weil es Expertise, Datenpflege und Durchhaltefähigkeit verlangt.

In der zweiten Betrachtung wird deutlich, dass hier weniger „zwei neue Jobs“ entstehen als ein neues Risikoprofil. Sobald Vergütung zum Gegenstand regelmäßiger Auseinandersetzungen wird, entstehen wiederkehrende Konfliktzyklen, und jede Seite versucht, ihre Zahlenwelt zur Wirklichkeit zu erklären. Der Verband muss dann nicht nur argumentieren, sondern auch die eigene Basis mitnehmen, während die Kassen ihre Stabilitätsargumente immer als übergeordnetes Gut setzen können. Die Verhandlungsprofis, die jetzt gesucht werden, sind damit nicht Beiwerk, sondern ein Frühindikator dafür, wie ernst die kommende Auseinandersetzung um die Vergütung geführt werden wird.

 

Filialen fraßen die Reserve auf, Personalkosten kippten die Rechnung, Sanierung gibt der Inhaberin Boden zurück.

Die Zahlungsunfähigkeit kam nicht als Knall, sondern als schleichende Verschiebung im Alltag: Es lief, der Umsatz stimmte, der Kalender war voll, und trotzdem wurde das Polster dünner. Vanessa Schulze, seit fünf Jahren selbstständig, stand zeitweise für drei Standorte in Dortmund und Hamm, und erst rückblickend wird klar, wie gefährlich „gute Zahlen“ sein können, wenn die Kosten schneller wachsen als die Wahrnehmung.

Der Schritt in die Filialen wirkte zunächst wie Expansion mit Rückenwind. Zwei Standorte standen zum Verkauf, sie zögerte nicht lange, und plötzlich war aus einer Inhaberin eine Managerin eines kleinen Verbunds geworden, mit drei Teams, drei Miet- und Technikwelten, drei Abrechnungs- und Personalrealitäten. Der Satz „mehr Umsatz“ half dabei nur begrenzt, weil der Aufwand nicht linear wächst, sondern sprunghaft, sobald sich Komplexität vervielfacht.

Ihr Schlüsselwort ist nicht „Kunden“, sondern „Personalkosten“. Sie beschreibt sie als den teuersten Posten, als den Faktor, der alles andere dominiert. Die Zahlen seien am Anfang „nicht schlecht“ gewesen, sagt sie, und genau das macht die Geschichte so typisch: Wenn der Umsatz die Kosten überdeckt, sieht man nicht sofort, dass die Marge schon ausgehöhlt ist, und wenn dann noch externe Effekte dazukommen, wird aus Druck schnell Schieflage.

Hinzu kam das, was im Alltag leicht unterschätzt wird: Viele kleine Beträge, Mitgliedschaften, Software, laufende Verpflichtungen, die nicht wie ein großer Kredit auf einmal schmerzen, sondern wie eine konstante Entnahme wirken. Dazu kam das Skonto-Urteil als weiterer Abzug, also ein Verlust an Spielraum, den man nicht an einer Stelle kompensiert, sondern der sich über Monate in die Rechnung frisst. Schulze entschied sich im November 2024, eine Filiale zu schließen, Personal zu entlassen, ein Schritt, der die Lage stabilisieren sollte und emotional trotzdem wie ein Einschnitt bleibt.

Sie suchte nach Gegensteuerung, dort, wo politisch und fachlich oft Hoffnung hineingelegt wird: pharmazeutische Dienstleistungen. Ihr Fazit ist ernüchternd, nicht als Abwertung, sondern als Realismus: Dafür braucht es ebenfalls Personal und Software, und die Erlöse reißen ein strukturelles Loch nicht heraus, wenn die Grundkosten zu hoch bleiben. Die Idee, mit neuen Angeboten die Bilanz zu drehen, scheitert dann nicht an der Motivation, sondern an der Mathematik.

Der zweite große Versuch war die Heimversorgung. Drei Pflegeeinrichtungen, für zwei davon sogar Verblisterung, dazu der Anspruch, Versorgung so zu organisieren, wie sie sich das als „vor Ort“ vorstellt. Aber auch dort begegnete sie einer Grenze: Heime sind preissensibel, der Service ist anspruchsvoll, die Änderungsdynamik ist hoch, und jede zusätzliche Kontrolle kostet Zeit, die wiederum Personal bindet. Wenn innerhalb eines Tages vier Medikationsänderungen für eine Person kommen, wird das nicht nur eine logistische Aufgabe, sondern eine Dauerprüfung.

Der Moment, an dem das System von „eng“ auf „akut“ springt, kam über die Bank. Im August 2025, sagt sie, habe die Bank angekündigt, dass „Feierabend“ sei. Gleichzeitig blieb die Hoffnung lange aktiv, das Ruder noch herumzureißen, und genau diese Hoffnung ist in solchen Situationen zweischneidig: Sie hält handlungsfähig, aber sie kann auch dazu führen, dass man den Kipppunkt zu spät akzeptiert. Ende 2025 lief die Insolvenz offiziell an, später wurde auch der Großhandel unruhig, Rechnungen konnten irgendwann nicht mehr bedient werden.

Bemerkenswert ist, was nicht passiert ist: Die Belieferung wurde ihr nicht gesperrt. Schulze beschreibt, dass die Zugehörigkeit zu einer Kooperation und das Vertrauen in die bisherige Partnerschaft dazu geführt hätten, dass weiter geliefert wurde, trotz Einschränkungen im Bestellverhalten. Für die Versorgung war das entscheidend, für sie persönlich war es ein Stück Normalität im Ausnahmezustand, und es zeigt, wie sehr Netzwerke, Reputation und persönliche Beziehungen im Ernstfall zur Infrastruktur werden.

Seit dem 1. Februar hat sie einen Käufer für die verbliebene Filiale gefunden, der Standort bleibt erhalten, Mitarbeitende gehen in neue Hände, während sie selbst den Dortmunder Betrieb in Eigenverwaltung weiterführt. Die Angst vor Stigmatisierung ist dabei fast so präsent wie die Zahlen, weil Insolvenz nicht nur ein Verfahren ist, sondern auch ein sozialer Schatten, der über Jahre wirken kann. Mit Beratung, Teamrückhalt und dem Blick auf Restschuldbefreiung verschiebt sich ihr Horizont: Nicht der Traum von Expansion trägt sie jetzt, sondern die Aussicht, aus der Krise schneller herauszukommen als befürchtet und die eigene Vorstellung von Versorgung mit weniger Ballast weiterzuführen.

 

Kuck warnt vor Glücksrittern, Engpässe treffen die Fläche, Noweda spürt Ausfälle im Großhandel.

Der Satz, der hängen bleibt, kommt nicht aus einem Ministerium, sondern aus dem Maschinenraum: „Glücksritter zerstören unsere Arzneimittelversorgung.“ Wenn der Chef eines großen Vollgroßhändlers so spricht, dann ist das weniger Empörung als Lagebeschreibung aus einem Bereich, der selten zur großen Geste neigt. Dr. Michael Kuck, Vorstandsvorsitzender von Noweda, verbindet in einem großen Zeitungsbeitrag zwei Linien, die sonst getrennt erzählt werden: die Engpassroutine bei Generika und die wirtschaftliche Erosion in der Vor-Ort-Struktur, die am Ende auch beim Großhandel als Forderungsrisiko ankommt.

Vorne im Text stehen die Engpässe, konkret benannt über Wirkstoffe wie Candesartan, Metformin oder hochdosiertes Ibuprofen. Die Pointe ist nicht, dass es Engpässe gibt, sondern wie sie im Tagesgeschäft verwaltet werden: „Nicht alle bekommen alles, was sie bestellt haben.“ Das klingt wie Logistik, ist aber Verteilungspolitik. Denn sobald Zuteilung zur Regel wird, entsteht zwangsläufig Unzufriedenheit, und zugleich eine stille Verschiebung: Wer knapp ist, muss priorisieren, und wer priorisiert, gerät in Erklärungsnot, obwohl das Problem upstream liegt.

Kuck beschreibt Noweda als Anbieter für etwa die Hälfte der öffentlichen Apotheken, und genau diese „Hälfte“ werde kleiner, weil die Apothekenzahl sinkt. Das ist der zweite Strang: nicht die einzelne Schließung, sondern die Verdichtung von Arbeit und Verantwortung auf weniger Betriebe. Seine Formulierung, die Warteschlange werde länger, wenn weniger Apotheken die gleiche Masse versorgen müssen, übersetzt Demografie in Alltag. Der Bedarf wächst, die Zahl der Anlaufstellen schrumpft, und der Druck wird nicht gleichmäßig verteilt, sondern sammelt sich dort, wo noch Kapazität vermutet wird.

Für den Großhandel hat das eine direkte, harte Folge: Forderungsausfälle. Wenn „immer wieder“ Rechnungen nicht beglichen werden können, dann wird aus dem abstrakten Begriff „Apothekensterben“ ein Bilanzposten. Banken fragten härter nach als früher, heißt es; das klingt wie Randnotiz, ist aber ein Indikator. Sobald Kreditlinien, Zahlungsziele und Sicherheiten strenger werden, kippt die Stabilität schneller, weil der Puffer dünner ist und jede Störung früher in Liquidität übersetzt wird.

Gleichzeitig weist Kuck eine bequeme Erzählung zurück, die in politischen Debatten gern genutzt wird: Bei den Apotheken lasse sich „nicht sparen“, sie würden das System nicht retten. Er stellt damit eine Grenze gegen die Idee, man könne die Finanzlöcher der Krankenversicherung durch Kürzungen in der Fläche schließen, ohne Versorgung zu beschädigen. Und er spricht einen Punkt an, der die Diskussion oft spaltet: die regionale Verteilung. Ob sie „so stimmt“, könne man diskutieren. Damit ist gemeint, dass es Ballungen gibt, aber auch Lücken, und dass Strukturfragen nicht mit dem Schlagwort „zu viele“ erledigt sind, wenn zugleich Wege länger und Bedarfe höher werden.

Der dritte Strang ist der Wettbewerb, den Kuck als unfair beschreibt. DocMorris, Redcare und dm seien Rosinenpicker, die wie öffentliche Apotheken auftreten, aber keinen vorgeschriebenen Versorgungsauftrag hätten. Das ist nicht nur Polemik, sondern eine Systemfrage: Wenn profitablere Segmente abfließen und die Lasten in der Fläche bleiben, verschiebt sich die Kalkulation. Kuck nennt die OTC-Abwanderung als ein Beispiel, weil sie die Mischkalkulation im Großhandel beschädigt, also das Modell, mit dem Erträge aus einem Bereich Verluste im anderen ausgleichen.

Interessant wird es, als er die Ökonomie der Hochpreiser beschreibt, gerade bei Abnehmspritzen. Hier fällt die romantische Vorstellung weg, dass teuer automatisch lukrativ sei. Hochpreisige Präparate sind kapitalintensiv, brauchen Lagerfläche, oft Kühlung, Finanzierung des Einkaufs, und der Transport kann aufwendiger sein. Die Vergütung im Großhandel ist gedeckelt, die Kosten sind es nicht. Wenn Kuck sagt, Hochpreiser rechneten sich oft nicht, dann ist das eine Ansage gegen die einfache Gleichung „viel Umsatz = viel Gewinn“ und zugleich ein Hinweis darauf, wie sehr Regulierung und Logistik sich gegenseitig in die Zange nehmen können.

Der Vorwurf an die „Glücksritter“ zielt genau auf diese Kante: auf Anbieter, die einzelne lukrative Segmente besetzen, Infrastruktur nutzen, aber nicht tragen. In Krisenlagen, so seine Argumentation, wären ausländische Versender keine Lösung, während das dezentrale System die Resilienz erhöhe. Das ist der geopolitische Unterton in einer Wirtschaftsdebatte: Versorgungssicherheit hängt nicht nur an Preisen und Bequemlichkeit, sondern an Strukturen, die auch dann funktionieren müssen, wenn Lieferketten reißen oder Nachfrage sprunghaft steigt.

Noweda, so wird es im Beitrag beschrieben, zieht daraus nicht nur Klage, sondern Handlungsprogramme: Ausbau von IhreApotheken.de, Angebote rund um Botendienst, Kundenbindung über Medien, Kooperationen mit Apps. Darin steckt ein Widerspruch, den Kuck selbst benennt: Apotheken müssten mit der Zeit gehen, mehr bieten, um zu binden, während gleichzeitig die wirtschaftliche Basis erodiert. Digitalisierung und Zusatzangebote kosten Zeit und Geld, genau das, was in einer Ausdünnungsphase knapp wird.

In der zweiten Schleife zeigt sich, dass Kucks Warnung weniger eine einzelne Abrechnung ist als eine Systemdiagnose: Engpässe erzwingen Zuteilung, Ausdünnung verlängert Wege und Schlangen, Forderungsausfälle erhöhen das Risiko im Großhandel, Regulierung drückt Margen bei aufwendiger Logistik, und ein Wettbewerb, der Lasten asymmetrisch verteilt, frisst die Mischkalkulation auf. Wenn man diese Kette ernst nimmt, ist „Glücksritter“ nur das zugespitzte Wort für eine Strukturfrage, die in ruhigen Zeiten schon schmerzt und in Krisenlagen zur Belastungsprobe für das gesamte Versorgungssystem wird.

 

Denkmalschutz zwingt zum Umkleben, Neuruppin pocht auf Vorschriften, eine Inhaberin stößt auf Kleinlogik.

Es sind 28 mal 28 Zentimeter, oben in der Ecke, seit ungefähr zehn Jahren an derselben Stelle. Ein Aufkleber, der auf eine Kooperation hinweist, kaum auffälliger als viele andere Hinweise in deutschen Schaufenstern. Und genau darin steckt die Kraft dieser Geschichte: Wenn nach Jahren der Ruhe plötzlich ein Schreiben der Stadt kommt, wird aus einem Detail ein Konflikt über Maß, Zuständigkeit und den Ton, in dem Verwaltung Wirklichkeit ordnet.

Astrid Weick, Inhaberin der Zieten-Apotheke in Neuruppin, beschreibt den Moment als überraschend und ein wenig absurd. Am 4. Februar erreicht sie Post von der Stadt, der Vorwurf lautet: Verstoß gegen Bauvorschriften. Nicht wegen Größe, nicht wegen Inhalt, sondern wegen der Richtung, aus der der Aufkleber aufgebracht wurde. Außen auf der Scheibe sei nicht erlaubt, innen an exakt derselben Stelle dagegen schon. Der Unterschied ist formal, die Wirkung ist real, weil die Konsequenz nicht in „Bitte ändern“ endet, sondern mit der Drohung eines gebührenpflichtigen Verfahrens, falls keine fristgerechte Reaktion erfolgt.

Diese Vier-Wochen-Frist ist der Kern der Eskalation. Denn sie erzeugt Druck ohne Verhältnis zum Objekt. Weick soll innerhalb von vier Wochen mitteilen, wann sie die Sticker entfernt, sonst drohe das Verfahren. Wie hoch die Gebühren wären, steht nicht im Schreiben. Das ist die klassische Asymmetrie: Verwaltung kann mit unbestimmten Kosten drohen, der Adressat muss handeln, ohne die Dimension zu kennen. Und selbst wenn der Aufwand am Ende überschaubar ist, wirkt die Unklarheit wie ein zusätzliches Mittel.

Weick nimmt es zunächst mit Humor und vermutet einen Wechsel im zuständigen Amt. Ihre Vermutung ist nicht Beweis, aber sie ist als Alltagsdiagnose plausibel: Kleine Dinge, die jahrelang geduldet wurden, geraten oft dann in den Fokus, wenn Zuständigkeiten wechseln, wenn eine Satzung neu gelesen wird oder wenn ein Prüfrhythmus plötzlich schärfer wird. „Aktionismus ohne Augenmaß“ nennt sie das, und darin steckt weniger Wut als ein Gefühl, dass das Ziel aus dem Blick geraten ist.

Der Hintergrund ist Denkmalschutz, genauer eine Werbesatzung, in der die Außenanbringung nicht erlaubt sei. Weick betont, sie habe sonst alle Bauvorschriften beachtet, und sie verweist auf eine bewusste Entscheidung von damals: Sie habe sich für eine abgespeckte Variante der Kooperationssichtbarkeit entschieden, tatsächlich nur kleine Aufkleber oben in der Ecke, während an vielen anderen Fenstern deutlich mehr klebe. Die Pointe: Selbst die „kleine Lösung“ wird jetzt zum Problem, obwohl sie im Straßenbild kaum Gewicht hat.

Die praktische Seite des Konflikts ist banal und trotzdem nicht unwichtig. Es ist Winter, es ist kalt, Kleber wird hart, Ablösen wird mühsam, die Gefahr von Rückständen steigt. Weick will wärmere Temperaturen abwarten, bevor sie die Aufkleber entfernt. Das ist kein Trotz, sondern Materialkunde. Gleichzeitig stellt sich die Kostenfrage: Wer trägt die neuen Aufkleber, sind sie im Kooperationsbeitrag enthalten, oder fällt es auf sie zurück. Verwaltung setzt Fristen, aber die Nebenfolgen, die im Betrieb anfallen, stehen selten im Bescheid.

In der zweiten Betrachtung wird daraus ein typisches Muster: Vorschriften sind selten „falsch“, sie sind oft nur blind gegenüber der Wirkung. Denkmalschutz will Fassaden schützen, Werbesatzungen sollen Wildwuchs verhindern, und aus Sicht der Behörde ist außen gleich außen, unabhängig von Größe und Kontext. Aus Sicht der Betroffenen zählt dagegen das Verhältnis: Zehn Jahre Duldung, minimale Sichtbarkeit, kein erkennbarer Schaden, und dennoch ein Verfahrenston, der behandelt, als ginge es um einen gravierenden Eingriff.

Auch die merkwürdige Logik „von außen verboten, von innen erlaubt“ zeigt, wie sehr Regelwerke manchmal Form über Sinn stellen. Der Hinweis bleibt derselbe, die Stelle bleibt dieselbe, das Erscheinungsbild für Passanten ist nahezu identisch, nur die Haftungsebene ist anders. Wenn das Ergebnis gleich bleibt, wirkt der Eingriff wie Ritual. Genau diese Ritualhaftigkeit erzeugt dann Frust, weil sie Arbeit macht, ohne den öffentlichen Zweck sichtbar zu verbessern.

So wird aus einem Sticker ein Lehrstück über Verwaltungspraxis: Nicht die Norm an sich entscheidet über Akzeptanz, sondern Timing, Ton, Transparenz und Verhältnismäßigkeit. Wer nach Jahren plötzlich streng wird, muss erklären, warum. Wer Gebühren androht, muss beziffern, was gemeint ist. Und wer Denkmalschutz durchsetzen will, muss im Alltag erkennen, ob er tatsächlich Schutz erreicht oder nur Bewegung erzeugt. Der Aufkleber wird umziehen, wahrscheinlich auf die Innenseite, und das Schaufenster wird danach fast gleich aussehen, aber das Gefühl bleibt, dass hier mehr Ordnung behauptet als hergestellt wurde.

 

Apo.com wächst, THI zahlt nach, Verluste bleiben zweistellig.

Apo.com steht im Versandmarkt inzwischen stabil auf Rang drei hinter Redcare und DocMorris, und doch wirkt das Geschäftsmodell wie ein Motor, der Drehzahl gewinnt, aber noch nicht sauber einkuppelt. Die Gruppe steigert den Umsatz, erweitert Standorte, baut Technik aus, und schreibt gleichzeitig Jahr für Jahr Verluste, die in ihrer Relation zum Umsatz auffallen. Wachstum ist da, Stabilität im Ergebnis nicht, und genau diese Spannung macht die Zahlen politisch und wirtschaftlich interessant.

Im jüngsten Jahr legte die Gruppe um rund zehn Prozent auf etwa 375 Millionen Euro Umsatz zu, blieb damit unter der eigenen Zielmarke, hielt aber das Wachstumstempo der direkten Konkurrenz. Besonders stark fällt das Rx-Geschäft auf: Das Plus liegt deutlich über dem Wachstum der großen Wettbewerber, nur startet Apo.com von einem niedrigeren Sockel. In der Außenwirkung klingt das nach Aufholjagd, in der Innenlogik heißt es: Der teuerste Teil des Marktes wird aggressiv ausgebaut, bevor die Profitabilität überhaupt greift.

Der Haken steht im Ergebnis. Das operative Ziel eines Break-even wurde bereits im Vorjahr verfehlt, und auch jetzt bleibt die Gruppe im negativen Bereich. Unter dem Strich stehen zweistellige Millionenverluste, die sich über die Jahre zu einem hohen Bilanzverlust aufaddiert haben. Das Bild ist nicht „ein schlechtes Jahr“, sondern ein langer Pfad, auf dem Wachstum immer wieder neue Kostenblöcke mitzieht: Technik, Personal, Logistik, Internationalisierung, Marketing, und im Rx-Bereich zusätzlich die Prozess- und Qualitätsanforderungen, die Skalierung erst teuer machen, bevor sie günstiger wird.

Dass dieses Modell trotzdem durchgehalten werden kann, liegt an der Finanzierungsarchitektur. Bankenverbindlichkeiten spielen eine untergeordnete Rolle, stattdessen wird seit Jahren Kapital nachgeschossen, ergänzt durch Gesellschafterdarlehen. Hinter dem Versender steht die Investmentgesellschaft THI der Familie Hagenmeyer, deren Finanzkraft aus einem früheren Milliarden-Exit stammt. Damit entsteht ein Vorteil, den börsennotierte Wettbewerber so nicht haben: Kein täglicher Kursdruck, keine unmittelbare Abhängigkeit von Marktstimmung, dafür die Freiheit, Verluste als Investitionsphase zu interpretieren, solange der Geldgeber mitgeht.

Diese Freiheit wird sichtbar in der Expansion. Neben Standorten in Deutschland gibt es Niederlassungen und operative Anker in mehreren europäischen Ländern, dazu nennenswerte Umsätze in einzelnen Auslandsmärkten. Internationalisierung ist hier nicht nur Absatzstrategie, sondern auch eine Art Risikostreuung, die zugleich neue Komplexität in Regulierung, Logistik und IT bringt. Je stärker die Gruppe in Prozesse investiert, desto mehr wird sie zu einem Technologiebetrieb mit pharmazeutischem Kern, weniger zu einem klassischen Handelsunternehmen.

Ein eigener Hebel ist der B2B-Bereich unter dem Label „Pro Apo“, der Ärztinnen und Ärzte der ästhetischen Medizin mit hochpreisigen Präparaten beliefert. In diesem Segment wird ein Preisvorteil über eine EU-Konstruktion begründet, die nicht an die deutsche Preisbindung gekoppelt ist. Das ist juristisch als Marktstrategie lesbar und politisch als Reizthema, weil es zeigt, wie stark sich Preissysteme verschieben, sobald Handelswege europäisch werden. Für Apo.com ist es ein Geschäftsfeld mit hohen Warenkörben, für den Markt ist es ein Hinweis darauf, dass Regeln nicht nur eingehalten, sondern auch umgangen werden können, ohne dass es wie „Schmuggel“ aussieht.

Der zweite große Hebel ist Automatisierung. Apo.com fährt einen sehr hohen Anteil maschineller Picks, hat die Rx-Kapazitäten bereits deutlich ausgebaut und verbindet das mit einem Einlöseweg, der ohne separate App-Installation funktionieren soll. Die Führung setzt dabei auf eine Erzählung, die in Versandlogiken oft stimmt: Technik, Skalierung und Standardisierung sollen nicht nur Volumen schaffen, sondern Fehlerquoten drücken und Durchlaufzeiten stabilisieren, gerade wenn die Nachfrage dynamisch steigt.

Nur: Technik allein löst das Grundproblem nicht, wenn die Verlustdynamik strukturell bleibt. Hohe Automatisierung senkt Stückkosten erst dann spürbar, wenn das Volumen dauerhaft durch die Anlagen läuft, ohne dass gleichzeitig neue Investitionswellen fällig werden. Dazu kommt der Wettbewerb um Rx, der nicht nur über Geschwindigkeit, sondern auch über Service, Vertrauen und Prozesse im Hintergrund entschieden wird. Wer schnell skaliert, muss gleichzeitig Rückläufer, Reklamationen, Beratungslasten, regulatorische Prüfketten und Qualitätssicherung so organisieren, dass Wachstum nicht neue Bruchstellen produziert.

In der zweiten Betrachtung wirkt Apo.com wie ein Unternehmen, das sich aus einer Verlustidentität herauswachsen will, aber noch in der Phase steckt, in der jeder Fortschritt doppelt bezahlt wird: mit Geld und mit Komplexität. Die Investorenkraft hält das Modell offen, die Rx-Aufholjagd liefert den Wachstumsnarrativ, die Automatisierung liefert die Effizienzhoffnung, und die Auslandsstruktur liefert Beweglichkeit, während die Bilanz gleichzeitig zeigt, wie teuer „Nummer drei“ in diesem Markt sein kann. Wenn die Skalierung trägt, wird aus dem Dauerdefizit ein Übergang; wenn sie nicht trägt, wird das Wachstum selbst zur Gewohnheit, die jedes Jahr neue Millionen braucht.

 

Warken will Pflegeleistungen dynamisieren, Junge zahlen die Zeche, Finanzierung bleibt der Konflikt.

Während in der Arzneimittelversorgung über Honorar, Struktur und Zuständigkeiten gerungen wird, öffnet die Politik an anderer Stelle ein weiteres großes Finanzfenster: Pflege. Gesundheitsministerin Nina Warken spricht sich dafür aus, Pflegeleistungen künftig regelmäßig zu erhöhen, orientiert an der jährlichen Inflationsentwicklung. Die Idee klingt nach Ordnung und Verlässlichkeit, trifft aber sofort den Nerv einer alten Frage: Wer bezahlt Stabilität, wenn das System ohnehin unter Druck steht.

Die Begründung ist nachvollziehbar: Steigende Eigenanteile in stationären Einrichtungen überfordern viele, und ein Mechanismus, der Leistungen automatisch nachführt, soll Entwertung verhindern und politische Überbietungswettbewerbe ersetzen. Das ist der Charme der Dynamisierung: Sie nimmt das Thema aus dem jährlichen Streit und macht es berechenbarer. Gleichzeitig verschiebt sie den Konflikt nicht weg, sondern nach hinten, weil Automatismen nur dann friedlich sind, wenn die Finanzierungsbasis mitwächst.

Genau hier setzt die Kritik an, wie sie in dem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgegriffen wird. Eine automatische Inflationsanpassung würde nach dieser Logik vor allem die Beitragszahler belasten, und damit besonders die jüngeren Generationen, die über längere Zeiträume die steigenden Ausgaben tragen müssten. Als Argument wird auf eine noch unveröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV verwiesen, die für die kommenden Jahre erhebliche Zusatzkosten sowohl in der Rente als auch in der Pflege skizziert. Der Begriff „Generationenkonflikt“ fällt nicht zufällig, weil er die politische Brisanz markiert: Pflege ist Daseinsvorsorge, aber sie wird in einem beitragsfinanzierten System schnell zu einer Frage der Zumutbarkeit.

Die Zahlen, die im Zusammenhang mit Eigenanteilen genannt werden, zeigen die Wucht des Problems im Alltag. Ein durchschnittlicher Eigenanteil von knapp zweitausend Euro, selbst mit Zuschlägen im ersten Jahr deutlich darüber, was viele aus Rente oder Ersparnissen stemmen können, ist kein Randthema. Gleichzeitig gilt: Eigenanteile sind nicht nur „Pflegekosten“, sondern umfassen Unterkunft, Verpflegung und Investitionen, also Komponenten, die sich nicht durch eine reine Pflegeleistungsanpassung vollständig neutralisieren lassen. Wer nur am pflegerischen Anteil dreht, bremst einen Teil der Belastung, aber nicht das ganze Paket.

Warken verweist zudem auf den „Zukunftspakt Pflege“ einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die bereits erste Ergebnisse vorgelegt hat, und nennt als Ziel, ein Reformgesetz möglichst Ende 2026 in Kraft zu setzen. Das ist ein Zeitanker, der zeigt, dass die Debatte nicht im luftleeren Raum läuft, sondern in eine Gesetzgebungsplanung eingebettet werden soll. Dennoch bleibt offen, ob Dynamisierung ein Baustein einer Strukturreform wird oder eher ein finanzieller Stabilisator, der die sichtbaren Belastungsspitzen abflacht.

Der Gegenhorizont kommt aus der Branche selbst. Thomas Knieling vom Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe bezeichnet die Diskussion als unzureichend, weil die Kosten in der Pflege häufig schneller steigen als die allgemeine Inflationsrate. Eine Dynamisierung, die nur Inflation abbildet, könnte also das Problem bestenfalls dämpfen, aber nicht lösen, wenn Löhne, Personalbedarf und Qualitätsanforderungen weiter nach oben treiben. Sobald über eine Deckelung der Eigenanteile gesprochen wird, steht deshalb sofort die Finanzierungsfrage im Raum: höhere Beiträge, Steuerzuschüsse oder eine Mischung, jeweils mit eigenen Verteilungskonflikten.

In dieser Logik steckt das politische Risiko. Beiträge steigen, dann steigen Lohnnebenkosten, dann wird Standortdebatte daraus, und am Ende trifft es wieder die Gruppe, die ohnehin schon zwischen Mieten, Energiepreisen und Sozialabgaben navigiert. Steuerzuschüsse wirken entlastend, sind aber haushaltspolitisch umkämpft und stehen in Konkurrenz zu anderen Prioritäten. Eine dritte Option, Leistungen zu begrenzen, ist gesellschaftlich schwer vermittelbar, weil Pflegebedürftigkeit nicht als Konsumverhalten gilt, sondern als Lebensrisiko.

In der zweiten Schleife zeigt sich, dass die Dynamisierung im Kern ein Versuch ist, politische Unruhe zu reduzieren, während die strukturelle Unruhe bleibt. Sie verspricht Verlässlichkeit, erzeugt aber neue Verlässlichkeitspflichten in der Finanzierung. Der Konflikt verschiebt sich von der Frage „ob“ zur Frage „wie lange“ das System zusätzliche Lasten tragen kann, ohne dass jüngere Generationen überfordert werden. Wer die Pflegeleistungen automatisch anpasst, entscheidet zugleich automatisch über die Verteilung zukünftiger Milliarden, und solange diese Verteilung nicht breit legitimiert ist, bleibt die Dynamisierung nicht technische Verwaltung, sondern eine der politischsten Stellschrauben im Sozialstaat.

 

Apothekenteams feiern Karneval, Verkleidung stärkt Nähe, Alltag bekommt ein Ventil.

Zwischen Rezepturen, Lieferengpässen und Telefonaten mit Arztpraxen wirkt die fünfte Jahreszeit wie ein bewusst gesetzter Kontrast. Wenn sich Teams verkleiden, Rathäuser gestürmt werden und aus dem nüchternen HV-Alltag plötzlich Konfetti fällt, ist das keine Nebensache, sondern eine soziale Bewegung im Kleinen. Karneval, Fasching, Fasnet oder Fasnacht heißen die Tage je nach Region, doch die Funktion ist überall ähnlich: Gemeinschaft sichtbar machen.

Im Schwarzwald beginnt die Fasnet traditionell mit dem Schmutzigen Dunschdig, an dem Narrenzünfte Rathäuser erobern und fettige Krapfen verteilt werden. In Hüfingen schenkt die Schellenberg-Apotheke Getränke aus, versorgt Vorbeiziehende mit Snacks und Elektrolytlösungen und öffnet ihre Räume für singende und tanzende Gruppen. Inhaberin Sarah Mast beschreibt, wie in diesem Jahr sogar eine vierte Klasse vorbeikam und mit dem als Rehe verkleideten Team einen Gute-Laune-Tanz aufführte. Der Verkaufsraum wird zur Bühne, die Apotheke zum Treffpunkt.

Solche Aktionen haben eine doppelte Wirkung. Einerseits sind sie Marketing im besten Sinne, weil sie Sichtbarkeit erzeugen, ohne nach Werbung zu wirken. Andererseits sind sie Selbstvergewisserung für das Team. Wer sich gemeinsam verkleidet, teilt ein Stück Leichtigkeit in einem Beruf, der stark reglementiert und verantwortungsvoll ist. Die Einladung zur Masken-Bastelaktion in Hüfingen zeigt diese Verbindung besonders deutlich: Kinder holen Masken ab, gestalten sie zuhause und sehen ihre Werke später im Schaufenster wieder. So entsteht ein Fenster, das nicht nur Ware zeigt, sondern Beteiligung.

Auch in Hessen ist die Stimmung greifbar. In der Heegbach-Apotheke in Erzhausen hat das Team einen eigenen Karnevalssong komponiert, angelehnt an einen bekannten Stimmungstitel, mit einem Refrain, der augenzwinkernd Arzneimittel und Pflaster besingt. Inhaber Dr. Nojan Nejatian beschreibt, wie Mitarbeitende geschminkt zur Arbeit kommen und damit nicht nur Kundschaft, sondern auch sich selbst in Feierlaune versetzen. „Helau Erzhausen“ wird so zum regionalen Gruß in einem Raum, der sonst von Dosierungen und Packungsbeilagen geprägt ist.

Interessant ist, wie sehr diese Tage regionale Identität spiegeln. Während im Schwarzwald die Narrenzünfte mit festen Figuren und Ritualen dominieren, prägen in anderen Bundesländern Karnevalsvereine und Umzüge das Bild. Apotheken sind Teil dieses Geflechts, weil sie mitten in den Innenstädten liegen und damit zwangsläufig Teil der Route werden. Wer Getränke reicht oder ein Lächeln verteilt, bindet sich in die lokale Choreografie ein.

Gleichzeitig bleibt der Versorgungsauftrag bestehen. Zwischen Schminke und Musik wird weiter beraten, geprüft und abgegeben. Die Kunst liegt darin, das Festliche nicht in Leichtsinn kippen zu lassen. Elektrolytlösungen und kleine Snacks sind kein Zufall, sondern ein subtiler Hinweis darauf, dass auch Feiern Nebenwirkungen haben kann. Hier zeigt sich die besondere Rolle: Nähe und Professionalität stehen nebeneinander, ohne sich zu widersprechen.

In wirtschaftlich und politisch angespannten Zeiten haben solche Momente eine symbolische Funktion. Sie zeigen, dass Versorgung nicht nur aus Formularen besteht, sondern aus Beziehungen. Wer eine Apotheke als Ort erlebt, an dem gelacht wird, verbindet sie stärker mit dem eigenen Alltag. Das kann in Krisen Vertrauen tragen, weil man nicht nur an eine Institution denkt, sondern an Gesichter.

In der zweiten Betrachtung wird klar, dass Karneval in Apotheken kein dekorativer Zusatz ist, sondern ein soziales Signal. Teams nutzen die fünfte Jahreszeit, um Gemeinschaft zu zeigen, Kundinnen und Kunden als Teil dieser Gemeinschaft zu erleben und den strengen Rahmen des Berufs kurz zu weiten. Wenn Konfetti zwischen Rezeptblöcken landet, ist das kein Widerspruch, sondern ein Ausdruck davon, dass Versorgung auch von Stimmung lebt. Sobald die Kostüme wieder im Schrank hängen, bleibt die Erinnerung an Tage, in denen aus Arbeitsplätzen Begegnungsorte wurden.

 

Duloxetin 120 mg überzeugt bei Fibromyalgie, Pregabalin fällt zurück, Kosten-Nutzen rückt in den Mittelpunkt.

Die kurze Botschaft wirkt wie ein klarer Sieger-Satz in einem Feld, das sonst von begrenzten Effekten lebt: Bei mittelschwerer bis schwerer Fibromyalgie soll Duloxetin in einer Dosierung von 120 Milligramm den größten Nutzen bringen, gemessen an Lebensqualität und akzeptablen Kosten. Der Vergleich richtet sich gegen etablierte Alternativen wie Amitriptylin, Pregabalin oder Milnacipran und verschiebt den Blick von „wirkt irgendwie“ hin zu „wirkt im Verhältnis zu Aufwand und Belastung“.

Schon die Formulierung „größter Nutzen“ verrät, dass es nicht um eine einzelne Symptomskala geht, sondern um eine Nutzenabwägung, die mehrere Ebenen zusammenzieht: Schmerzen, Funktionsfähigkeit, Alltagsbelastung, Verträglichkeit, Therapietreue und indirekt auch Folgeaufwände im System. Fibromyalgie ist genau der Bereich, in dem diese Mehrdimensionalität entscheidend wird, weil es selten den einen Marker gibt, der Therapieerfolg eindeutig macht.

Duloxetin passt in diese Logik, weil es als SNRI nicht nur an einer Stelle ansetzt. Es adressiert Schmerzverarbeitung über zentrale Mechanismen und berührt zugleich Bereiche wie Stimmung, Schlaf und Stressverarbeitung, die bei vielen Betroffenen eng mit dem Beschwerdebild verknüpft sind. Der behauptete Vorteil ist damit nicht „mehr Kraft“ gegen einen einzelnen Schmerzpunkt, sondern ein breiterer Eingriff in eine Symptomlandschaft, die sich gegenseitig verstärkt.

Die Dosierung von 120 Milligramm ist dabei selbst ein Signal. Sie markiert eine Intensivierung, die in der Praxis oft als Grenzbereich zwischen „wirksam genug“ und „Nebenwirkungen limitieren“ erlebt wird. Wenn eine Bewertung gerade diese Dosierung als besonders vorteilhaft ausweist, steckt dahinter die Annahme, dass der zusätzliche Nutzen die zusätzliche Belastung im Durchschnitt überwiegt und sich in Lebensqualitätsmaßen niederschlägt.

Der Vergleich mit Amitriptylin ist deshalb spannend, weil Amitriptylin im Alltag oft über Schlaf und Schmerzmodulation wirkt, aber mit anticholinergen Effekten und Sedierung bezahlt werden kann. Pregabalin steht wiederum für einen anderen Mechanismus, der bei einzelnen stark wirken kann, aber häufig von Müdigkeit, Schwindel, Gewichtszunahme oder Absetzproblemen begleitet wird. Milnacipran ist in dieser Gruppe der weitere SNRI-Kandidat, der je nach Bewertung in Nutzen und Kosten anders abschneiden kann, wenn man nicht nur Symptomreduktion, sondern auch Abbruchraten und Begleitaufwände einpreist.

Das „akzeptable Kosten“-Argument ist der zweite harte Kern. Hier geht es weniger um den Packungspreis als um das Verhältnis aus Kosten und Gewinn an Lebensqualität, inklusive Arztkontakten, Begleitmedikation, Arbeitsausfällen und Folgekosten bei nicht stabiler Symptomkontrolle. In solchen Vergleichen können Therapien mit moderatem Einzelnutzen besser abschneiden, wenn sie mehr Menschen erreichen, länger durchgehalten werden und weniger Zusatzlast erzeugen.

Akteurseitig bedeutet so eine Einordnung eine Verschiebung in der Gesprächslogik zwischen Behandelnden, Betroffenen und Kostenträgern. Für die Versorgungspraxis wird ein Wirkstoff damit nicht nur „Option“, sondern ein Referenzpunkt, an dem sich Alternativen rechtfertigen müssen. Für Kostenträger entsteht ein Anknüpfungspunkt, wenn Wirtschaftlichkeit stärker in Therapiepfade hineinwirkt, ohne dass es offen als Steuerung ausgesprochen wird.

Der Gegenhorizont bleibt, dass Fibromyalgie eine Diagnose mit hoher Varianz ist, in der Durchschnittsvorteile nicht automatisch den Einzelfall treffen. Verträglichkeit, Begleiterkrankungen, individuelle Symptomschwerpunkte und die Stabilität über Zeit können das Bild drehen, selbst wenn eine Bewertung einen klaren Favoriten ausweist. Genau darin liegt die stille Pointe: Ein „bester Nutzen“ kann als Orientierung wirken, aber die Realität bleibt ein Feld, in dem Wirkung, Belastung und Lebensqualität ständig neu austariert werden.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Verhandeln wird zur neuen Währung, weil Daten nicht nur begründen, sondern entscheiden, und weil jede Seite versucht, ihre Zahlenwelt zur Wirklichkeit zu machen, bevor das Gesetz überhaupt durch ist. Die Insolvenzgeschichte zeigt die Kehrseite als Alltag: Kosten wachsen nicht linear, sondern sprunghaft, und wenn der Puffer weg ist, wird Hoffnung zum teuersten Buchungsposten. Der Großhandel macht daraus eine Systemkette, in der Engpässe Zuteilung erzwingen, Zuteilung Reibung erzeugt und Reibung auf weniger Schultern trifft, bis aus Strukturdebatten Bilanzrisiken werden. Und selbst dort, wo es klein wirkt, schlägt dieselbe Mechanik durch: Wenn Vollzug formal richtig sein mag, aber ohne Proportion kommt, verliert nicht die Norm, sondern die Akzeptanz.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Die Tageslage wirkt wie eine Verdichtung, in der Stabilität nicht mehr als Normalzustand erscheint, sondern als etwas, das ständig neu bezahlt werden muss, über Verfahren, Kapitalpuffer und Lastenverteilung. Sobald Ergebnisbindung unsicher bleibt, Kostenläufe kippen und Wettbewerb die Traglasten verschiebt, wird jedes einzelne Thema Teil derselben Frage: Was bleibt verlässlich, wenn an mehreren Stellen gleichzeitig am Puffer gerüttelt wird.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute steht die Verschiebung von Verfahren, Kosten und Traglasten im Mittelpunkt.

 

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