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  • 13.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Rezeptbetrug stoppt, GKV-Debatte verschärft sich, Rezepturrecht spaltet Politik.
    13.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Rezeptbetrug stoppt, GKV-Debatte verschärft sich, Rezepturrecht spaltet Politik.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Von der Festnahme nach einem Mounjaro-Betrugsversuch über KBV-Forderungen zu versicherungsfremden Leistungen und das Rezeptur-Urteil bis ...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Rezeptbetrug stoppt, GKV-Debatte verschärft sich, Rezepturrecht spaltet Politik.

 

Von Mounjaro-Fälschungen über Kassenfinanzen bis Pilzresistenzen zeigt sich, wie Kontrolle, Versorgung und Vertrauen gleichzeitig unter Druck geraten.

Stand: Freitag, 13. Februar 2026, um 19:01 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Acht Meldungen laufen auf denselben Prüfpunkt zu: Wo Regeln nicht klar genug sind oder nicht schnell genug nachziehen, wird Kontrolle zur Handarbeit. In Bonn wird ein Mounjaro-Betrüger nicht durch Technik gestoppt, sondern durch Verdacht, Verzögerung und einen kurzen Draht zur Polizei, während in Zülpich ein sauber wirkendes Papierformular reicht, um eine Spur zu hinterlassen, aber keinen Zugriff. Parallel zieht die KBV die GKV-Krise auf die Zuständigkeitsfrage, während das Rezeptururteil des BSG eine Rechtslinie markiert und das BMG zugleich am „anteilig“ festhält, was neue Retax-Fronten verspricht. Dazwischen liegen Signale von außen: Pilz-Resistenzdaten werden sichtbar, Nothilfe in Mosambik wird zur Frage der Infrastruktur, Pestizidrückstände bei Schnittblumen treffen den Arbeitsschutz, und Verzicht wird als Lifestyle neu verhandelt. Das Gemeinsame ist nicht das Thema, sondern die Belastungsprobe: Ob ein System Vertrauen hält, zeigt sich dort, wo es im Alltag geprüft wird.

 

Eine Bonner Apotheke lockt Rezeptbetrüger, Mounjaro bleibt gesichert, die Lücke beim Papierformular wird sichtbar.

Der Anruf klingt zunächst wie Routine: Ein angeblicher Patient kündigt telefonisch an, ein teures Medikament abholen zu wollen. Doch schon die Kombination aus Vorbestellung, fremder Region und dem Namen „Mounjaro“ verändert die Lage. Es ist kein Gespräch über Lieferzeiten, sondern über Risiko, weil ein einziges Präparat fast den Gegenwert eines kompletten Tagesumsatzes haben kann.

In der Engel-Apotheke in Bonn fällt die Entscheidung früh und unspektakulär aus. Hochpreisige Medikamente werden nicht für Unbekannte vorbestellt, Ausnahmen gelten nur für Stammkundschaft. Apothekeninhaberin Ute Freieck wirkt dabei nicht alarmistisch, sondern nüchtern: In der Region gab es zuletzt Warnungen des Amtsapothekers, und diese Warnungen richten den Blick auf Muster, nicht auf einzelne Gesichter.

Der mutmaßliche Täter versucht es trotzdem, zunächst im Notdienst. Er wird nicht abgewiesen, sondern auf den nächsten Tag vertröstet. Damit verschiebt sich das Geschehen von einem Moment der Überrumpelung in eine Lage, in der Zeit zum Prüfen und zum Abstimmen entsteht, und genau diese gewonnene Zeit ist in solchen Fällen oft der entscheidende Faktor.

Während der Mann noch glaubt, die Abholung sei nur vertagt, ist die Polizei bereits informiert. Als er am nächsten Tag wiederkommt, wird keine Szene gemacht. Die Inhaberin sagt, sie müsse im Kühlschrank nach dem Medikament suchen, eine Formulierung, die im Alltag völlig plausibel klingt und zugleich den Sekundenraum öffnet, den man für einen Anruf braucht.

Parallel ruft die Tochter, Sophia Freieck, die Polizei an, ohne dass es im Verkaufsraum eskaliert. Der Mann merkt, dass er ohne Ware nicht weiterkommt, und setzt zum Abgang an. In dem Moment, als er die Apotheke verlassen will, erscheint die Polizei und nimmt ihn fest. Der Vorgang wirkt wie eine Falle, ist aber vor allem ein abgestimmtes Handeln aus Verdacht, Verzögerung und einem klaren Kommunikationsweg.

In Zülpich, nur etwa 40 Kilometer entfernt, zeigt sich dieselbe Mechanik mit anderem Ausgang. In der Apotheke am Münstertor wird ebenfalls eine große Packung Mounjaro angefragt, wieder mit einem Rezept aus einer anderen Region. Das Rezept wirkt optisch „sehr, sehr gut“, wie eine Mitarbeiterin sagt, und genau das ist der Punkt: Die Qualität der Fälschungen verschiebt die Grenze dessen, was man auf den ersten Blick erkennen kann.

Die Nachfrage nach der Krankenkassenkarte wird dort zum Prüfstein. Der Mann sagt, er hole sie aus dem Auto, und kehrt nicht zurück. Zurück bleibt kein Schaden in der Kasse, aber ein offener Fall, denn ohne Person und ohne Ware gibt es wenig Greifbares außer dem Muster. Die Polizei ermittelt weiter, Hinweise fehlen bislang.

Aus beiden Fällen entsteht in den Teams eine neue Art von Innenlogik. Es geht nicht um Misstrauen als Haltung, sondern um Abgleich als Routine: Versichertenkarte und Rezeptname, regionale Plausibilität, Rückruf in der Arztpraxis, manchmal sogar die Frage, ob es die Praxis überhaupt gibt. Jede zusätzliche Prüfung kostet Zeit, und diese Zeit fehlt anderswo, doch sie wird zur Versicherung gegen ein Schadensereignis, das in einer einzigen Abgabe stecken kann.

Die zweite Erzählspur liegt tiefer und betrifft das System, nicht nur die einzelnen Häuser. Solange Papierrezepte im Umlauf sind, bleibt eine Angriffsfläche bestehen, die sich mit besserem Druckbild und besserer Schauspielerei weiter ausnutzen lässt. Gleichzeitig entsteht eine still wachsende Kooperation zwischen Apotheken, Amtsapothekern und Polizei, die nicht auf große Programme wartet, sondern auf kurze Wege und klare Signale.

 

Die KBV benennt versicherungsfremde Lasten, die Regierung setzt auf Kommissionen, ein Primärarztsystem rückt als Steuerungsmodell vor.

In Berlin sitzt ein Verband vor Mikrofonen und versucht, die Debatte auf einen Begriff zu ziehen, der sperrig klingt, aber politisch wuchtig ist: versicherungsfremde Leistungen. Der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen stellt ihn nicht als Nebenthema dar, sondern als Kern der Misere der Gesetzlichen Krankenversicherung. Wer ihm zuhört, hört weniger Empörung als ein Rechenversuch, der die Richtung vorgeben soll.

Gassen spricht von einer Deckungslücke durch fehlende Bundesmittel, die bis zu 45 Milliarden Euro umfassen könne. Er setzt diese Größe in Relation zur gesamten vertragsärztlichen Versorgung und markiert damit eine Grenze: Nicht die Versorgung sei zu teuer, sondern der Finanzierungsauftrag sei unscharf verteilt. Das ist eine Botschaft, die in Zeiten wachsender Defizite sofort Anschluss findet, weil sie nicht nach Kleinsparen klingt, sondern nach Zuständigkeitsklärung.

Die Lage, in die diese Forderung fällt, ist bereits aufgeladen. Die Bundesregierung hat eine Expertenkommission eingesetzt, die Reformideen und Einsparmöglichkeiten erarbeiten soll; im März sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Während Kommissionen rechnen, laufen Verbände und Parteien bereits warm: mal mit Vorschlägen, den Leistungskatalog zu beschneiden, mal mit Ideen, neue Einnahmequellen zu erschließen, etwa über breitere Beitragspflichten. Das Feld ist so dicht, dass jedes neue Papier wie ein Stein in einen bereits bewegten Strom fällt.

Die KBV versucht, daraus eine klare Kette zu bauen. Sie verweist auf die Ausgaben der GKV für Empfänger von Grundsicherung in einer Größenordnung von etwa neun Milliarden Euro pro Jahr und verbindet das mit einem juristischen Nebengleis, das schnell zur Hauptstrecke werden kann: die Unterstützung der Klage des GKV-Spitzenverbandes vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen gegen Zuweisungsbescheide des Bundesamtes für Soziale Sicherung. Die Botschaft dahinter ist schlicht: Wenn der Bund Aufgaben über das System laufen lässt, muss er die Finanzierung nicht nur ankündigen, sondern tatsächlich liefern.

Parallel setzt die KBV ein zweites Thema, das weniger nach Haushalt klingt, aber in die Versorgungslogik greift: ein Primärarztsystem. Patientinnen und Patienten sollen Fachärzte künftig nicht mehr ohne Überweisung aufsuchen, Prävention soll gestärkt werden, Steuerung soll planbarer werden. Der stellvertretende Vorsitzende Stephan Hofmeister spricht von langfristigen Effekten, die erst später tragen, dann aber erheblich sein könnten. Die KBV erinnert daran, dass sie schon im Juni 2025 ein eigenes Konzept vorgelegt hat, also nicht nur reagiert, sondern führen will.

Dazu kommt eine dritte Spur, die in Praxen und KVen oft mehr Alltag ist als jede Kommissionsgrafik: Bürokratie und Regress. Die KBV fordert Bagatellgrenzen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen, den Abbau von Impfhürden über die Abschaffung bestimmter Regressrisiken und ein Ende von Regressen wegen Formfehlern, wenn die Verordnung medizinisch sachgerecht ist. KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner warnt, solche Regresse seien nicht nur ein Verwaltungsthema, sondern existenzgefährdend und abschreckend für Nachwuchs, der sich eine Niederlassung überhaupt erst vorstellen muss.

In der zweiten Erzählrunde wird sichtbar, wie eng diese drei Spuren zusammenhängen, auch wenn sie in der politischen Debatte oft getrennt abgeheftet werden. Wenn versicherungsfremde Leistungen nicht sauber gegenfinanziert sind, entsteht Druck auf Beiträge und Ausgaben, und dieser Druck erzeugt Vorschläge, die schnell nach Kürzung aussehen. Wenn zugleich über Steuerung über Hausärzte gesprochen wird, droht die Debatte zwischen „Ordnung“ und „Rationierung“ zu kippen. Und wenn Regress- und Bürokratierisiken hoch bleiben, schrumpft die Bereitschaft, Verantwortung im System zu übernehmen, genau dort, wo Steuerung überhaupt erst funktionieren müsste.

Auffällig ist, dass die KBV bei der Finanzierung nicht nur nach dem Bundeshaushalt ruft, sondern auch nach Lenkungssteuern: höhere Abgaben auf Alkohol und Tabak, eine Zuckersteuer für Getränke, Einnahmen direkt für das Gesundheitssystem. Das wirkt wie ein Brückenschlag zwischen Prävention und Kasse, aber es verschiebt die Konflikte nur: Steuern treffen Konsum, Beiträge treffen Arbeit, und jede Verschiebung hat Gewinner und Verlierer. In diesem Spannungsraum versucht die KBV, die Debatte zu ordnen, bevor die März-Ergebnisse der Kommission neue Automatismen erzeugen.

Bis dahin bleibt offen, welche Logik politisch stärker wird: die klare Trennung zwischen Beitrags- und Staatsaufgaben, die steuernde Idee eines Primärarztsystems oder die kurzfristige Suche nach Einsparungen, die sich am schnellsten beziffern lassen. Genau in dieser Unentschiedenheit liegt die Bedeutung der KBV-Position: Sie ist weniger ein fertiges Programm als ein Versuch, die Reihenfolge der Fragen festzulegen, bevor die Reihenfolge der Maßnahmen feststeht.

 

Das BSG stärkt Rezepturabrechnung, das BMG hält am „anteilig“ fest, der Bundestag wird zur entscheidenden Schaltstelle.

Es klingt nach einem Detail aus der Welt der Paragrafen, aber es landet regelmäßig im Maschinenraum der Versorgung: Wie wird abgerechnet, wenn für eine Rezeptur eine Packung angebrochen wird, aber nur ein Teil tatsächlich verarbeitet wird. Genau an dieser Stelle hat das Bundessozialgericht eine Linie gezogen, die auf den ersten Blick eindeutig wirkt: Apotheken müssen keine Teilmengen abrechnen – weder bei Fertigarzneimitteln noch bei Wirk- und Hilfsstoffen.

Damit trifft das Gericht einen Nerv, weil die Branche seit Jahren im vertragslosen Zustand arbeitet. Nachdem die Apothekenseite die Anlagen 1 (Stoffe) und 2 (Gefäße) der Hilfstaxe gekündigt hat, taxieren Apotheken Rezepturen nach den Vorgaben der Arzneimittelpreisverordnung. Diese Verordnung ist seither nicht nur Regelwerk, sondern auch Konfliktfeld, weil sie Begriffe enthält, die juristisch sauber, praktisch aber dehnbar sind.

Der entscheidende Anker liegt in § 5 Absatz 2 AMPreisV. Dort ist die Vergütung für Zubereitungen aus Stoffen geregelt, und dort steht das Wort, über das sich seit Monaten Retaxationen entzünden: maßgebend ist die Abpackung beziehungsweise die „erforderliche Packungsgröße“. Für Apotheken bedeutet das häufig: Wenn für eine Rezeptur eine bestimmte Packungsgröße erforderlich ist, wird diese Packung in der Abrechnung angesetzt. Kassen sehen das oft anders und verlangen eine anteilige Berechnung nach tatsächlich verwendeter Menge. Aus dieser Differenz entsteht nicht Theorie, sondern Praxisstress: Rechnungskürzungen, Wellen von Retaxationen, Klagen.

Das BSG hat nun die Verordnung „auf Grundlage des derzeit geltenden Wortlauts“ ausgelegt. Genau diese Formulierung greift das Bundesgesundheitsministerium auf – allerdings nicht als Einladung, das Urteil in der Praxis umzusetzen, sondern als Begründung, warum das Urteil die politische Regelungshoheit nicht bindet. Der Sprecher des Ministeriums macht es in einem Satz klar: Gerichtliche Auslegungen lassen die Kompetenz des Gesetz- und Verordnungsgebers unberührt. Juristisch ist das korrekt, politisch ist es ein Signal.

Denn das Ministerium hat sich mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz inhaltlich längst positioniert: auf der Seite der Kassen. Bei Stoffen und Zubereitungen aus Stoffen soll die Abrechnung künftig „anteilig nach der für die Abgabe tatsächlich verwendeten Menge“ erfolgen. Die Stoffe werden dazu in einer neuen Anlage 3 zu § 129 Absatz 5f SGB V genannt, die weitgehend der früheren Hilfstax-Anlage 1 entspricht und als Preisverzeichnis dienen soll. Es ist also nicht nur eine Formulierung, sondern ein Systemumbau: weg von der Packungslogik, hin zur Mengenlogik.

Genau das „Wörtchen anteilig“ war schon im Referentenentwurf Ende Oktober der Reizpunkt. Die Apothekenseite kritisierte die Folgen, weil „anteilig“ in der Praxis nicht nur weniger Vergütung bedeuten kann, sondern auch mehr Streit: Welche Menge ist „tatsächlich verwendet“, welche Verluste sind unvermeidbar, welche Packungsgrößen sind am Markt überhaupt verfügbar, wie wird dokumentiert, was in der Rezeptur tatsächlich passiert. Trotzdem blieb die Formulierung im Entwurf, den das Kabinett im Dezember gebilligt hat – und das, obwohl das BSG-Urteil im November bereits ergangen war. Spätestens mit den veröffentlichten Urteilsgründen wurde klar, dass das Gericht seine Auslegung ausdrücklich auch auf Stoffe und Hilfsstoffe bezieht, nicht nur auf Fertigarzneimittel.

Die Apothekerseite sieht darin eine Phase der Rechtssicherheit. Der Deutsche Apothekerverband begrüßte die Entscheidung, weil sie aus seiner Sicht Retaxationen entwertet und Kassen verpflichtet, ungerechtfertigte Kürzungen zurückzunehmen. Das ist nicht nur ein Grundsatz, sondern auch eine praktische Hoffnung: Wenn die Rechtslage klar ist, könnten laufende Verfahren schneller abgeschlossen werden. Gleichzeitig ist der Boden unruhig, weil viele Kürzungen bereits verrechnet wurden. Der Hinweis, dass auch Zinsen geltend gemacht werden könnten, zeigt, dass aus Rechtsfragen rasch Liquiditätsfragen werden. Wer Geld zurückholen will, muss oft selbst aktiv werden, und nicht jeder Betrieb hat dafür Ressourcen oder Nerven.

In der zweiten Erzählrunde verschiebt sich die Perspektive vom Urteil auf die Systemlogik dahinter. Der Kernkonflikt ist nicht, ob Packungsgröße oder Teilmenge „gerechter“ ist, sondern wer das Abrechnungsrisiko trägt, wenn Märkte und Packungsformen nicht zur idealen Menge passen. Die Packungslogik legt Risiko und Restmengen eher beim Kostenträger ab, die Mengenlogik drückt Risiko und Verlustmanagement stärker in die Herstellbetriebe. Gleichzeitig wächst bei der Mengenlogik der Dokumentationsdruck, weil jede Abweichung wieder retaxierbar wird. Genau hier liegt die paradoxe Gefahr: Ein Gesetz, das Streit beenden soll, kann Streit reproduzieren, wenn es neue Prüfpunkte schafft.

Darum wird der Bundestag zum eigentlichen Drehpunkt. Das Ministerium verweist darauf, dass Änderungen im parlamentarischen Verfahren möglich sind. Und das BSG weist selbst darauf hin, dass der Gesetzgeber Regelungen überprüfen und neu fassen kann. Diese Offenheit ist kein Trost, sondern der Hinweis auf eine Übergangszeit, in der zwei Wahrheiten nebeneinanderstehen: die aktuelle Rechtslage, die das BSG beschrieben hat, und die politische Absicht, die das BMG in den Entwurf geschrieben hat. Für die Betriebe bedeutet das: Heute zählt das Urteil in konkreten Streitfällen, morgen kann ein neues System gelten, das die Konfliktlinie neu zieht.

 

Aponet.de gewinnt erneut Vertrauen, Focus Money bestätigt Reichweite, Qualitätsversprechen wird zur strategischen Währung.

Es ist ein kleiner Satz, der nach außen wie eine Auszeichnung klingt und nach innen wie ein Arbeitsauftrag: aponet.de ist erneut zum besten Gesundheitsportal Deutschlands gekürt worden. Nicht zum ersten Mal, sondern zum dritten Mal in Folge. Für die Redaktion und die verantwortliche Avoxa-Mediengruppe ist das eine öffentliche Bestätigung, dass man in einem unübersichtlichen Online-Markt mit geprüften Inhalten durchdringen kann, obwohl Aufmerksamkeit heute oft eher über Zuspitzung als über Sorgfalt organisiert wird.

Die Grundlage der Bewertung stammt aus einem „Deutschland Test“ von Focus Money, der sich auf eine Umfrage unter gut 57.000 Teilnehmenden stützt. In der Kategorie Gesundheitsportale landet aponet.de wieder auf Platz eins, dahinter folgen in diesem Jahr lifeline.de und onmeda.de. Solche Ranglisten wirken schnell wie Medienrituale, aber in einem Feld, in dem es kaum verbindliche Qualitätskennzeichen gibt, werden sie zu Signalen, an denen sich Nutzerinnen und Nutzer orientieren.

Die Auszeichnung hängt deshalb nicht allein an Reichweite, sondern am Versprechen, seriöse Informationen zu liefern, ohne den Ton von Beratung und Alltag zu verlieren. Focus Money verweist ausdrücklich auf das Problem unseriöser Gesundheitsinformationen im Netz und empfiehlt etablierte Angebote. Das ist der Kontext, in dem das Portal seine Rolle definiert: offizielles Gesundheitsportal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker, fachlich nah an der Versorgung, zugleich journalistisch so aufbereitet, dass Menschen ohne Vorwissen verstehen, was für sie relevant ist.

Chefredakteur Rüdiger Freund beschreibt den Kern nicht als Marketingidee, sondern als Arbeitsprinzip: wissenschaftlich fundierte Inhalte, verständliche Sprache, keine reißerischen Zuspitzungen. Das klingt selbstverständlich, ist es im Netz aber nicht, weil die ökonomische Logik vieler Plattformen Aufmerksamkeit belohnt, nicht Genauigkeit. Wer auf Zuspitzung verzichtet, muss anders überzeugen – über Vertrauen, Wiederkehr, Nutzwert.

In der Praxis bedeutet das, dass Themen nicht vom Abstrakten her aufgezogen werden, sondern vom Alltag der Menschen. Welche Beschwerden tauchen auf, welche Sorgen werden im Gespräch formuliert, welche Fragen stellen sich, bevor jemand überhaupt in eine Praxis oder Apotheke geht. Daraus entstehen Formate, die nicht nur informieren, sondern Orientierung geben sollen. Als Beispiel nennt Freund einen Nachrichtenpodcast, „aponet in 3 Minuten“, der Aktualität und Niedrigschwelligkeit verbindet. Kurze Formate sind nicht automatisch oberflächlich; sie können präzise sein, wenn die Auswahl stimmt und die Sprache klar bleibt.

Ein weiterer Baustein ist die Arbeit mit Studien und Expertinnen-Statements. Freund beschreibt das als journalistische Herausforderung: Inhalte so aufzubereiten, dass sie verständlich sind, aber nicht an Genauigkeit verlieren. Das ist eine Form von Übersetzungsarbeit, die Zeit frisst und redaktionelle Erfahrung verlangt, weil medizinische Details schnell entweder überfordern oder in Vereinfachung kippen. Der Vergleich mit Beratungsgesprächen aus der Apotheke ist dabei nicht nur ein Bild, sondern eine Methodik: Fragen ernst nehmen, Begriffe erklären, Nebenwirkungen nicht verschweigen, aber auch nicht dramatisieren.

In der zweiten Erzählrunde wird sichtbar, warum solche Portale mehr sind als digitale Visitenkarten. Gesundheitskommunikation ist längst Teil der Versorgungsrealität. Menschen informieren sich vor dem Arzttermin, nach dem Arzttermin, mitten in Symptomen, mitten in Unsicherheit. Wenn sie dabei auf unseriöse Quellen stoßen, entstehen Fehlentscheidungen, unnötige Ängste, unnötige Käufe, manchmal auch das Gegenteil: gefährliche Sorglosigkeit. Ein Portal, das Vertrauen bündelt, kann diese Spiralen nicht vollständig verhindern, aber es kann sie abschwächen, indem es einen stabilen Referenzpunkt bietet.

Gleichzeitig wirkt das Vertrauen, das Focus Money hier misst, zurück auf die Absenderrolle. Freund sagt offen, dass bei der Auszeichnung auch mitschwinge, wie viel Kompetenz Menschen mit Apothekerinnen und Apothekern verbinden. Das ist ein positives Signal, aber es ist auch ein fragiles Kapital: Es wächst langsam und kann in kurzer Zeit beschädigt werden, etwa durch Skandalisierung, falsche Erwartungen oder den Eindruck, Information werde als Verkaufsinstrument missbraucht. Deshalb wird „Verzicht auf reißerische Zuspitzung“ zur strategischen Entscheidung, nicht zur Stilfrage.

Der Wettbewerb um Gesundheitsinformation wird sich weiter verschärfen, weil Plattformen, Influencer und KI-gestützte Inhalte schneller werden als klassische Redaktionen. In diesem Umfeld ist die eigentliche Leistung nicht, dass ein Portal Inhalte publiziert, sondern dass es eine verlässliche Logik erkennbar macht: Nach welchen Kriterien wird ausgewählt, wie wird geprüft, wie werden Unsicherheiten benannt, wie wird Sprache so gebaut, dass sie hilft. Genau darin liegt die stille Bedeutung einer dritten Auszeichnung in Folge: Sie zeigt, dass Nutzende diese Logik wahrnehmen – und dass Qualität im Netz nicht nur ein Anspruch, sondern ein wiederholbar messbarer Unterschied sein kann.

 

Das RKI öffnet Pilz-Resistenzdaten, die Fallzahlen steigen messbar, Therapiesicherheit wird zur Monitoringfrage.

In vielen Kliniken und Praxen gehört der Blick auf Resistenzlagen bei Bakterien seit Jahren zur Routine. Bei Pilzinfektionen war das lange anders: weniger Daten, weniger Standard, weniger öffentliche Sichtbarkeit. Nun liegt erstmals eine Auswertung vor, die genau diese Lücke adressiert. Das Robert-Koch-Institut hat Resistenzdaten für fünf humanpathogene Pilzarten veröffentlicht und macht sie abrufbar – ein Schritt, der nüchtern klingt, aber für die Therapieplanung eine klare Verschiebung bedeutet.

Denn Pilze sind keine Randerscheinung mehr. In Einrichtungen, die kontinuierlich an der Antibiotika-Resistenz-Surveillance teilnehmen, haben die Nachweise von Pilzinfektionen zwischen 2019 und 2024 deutlich zugenommen: im stationären Bereich um 14 Prozent, im ambulanten Bereich sogar um 31 Prozent. Diese Zahlen erzählen nicht automatisch von einer „neuen Epidemie“, sie erzählen von einer Zunahme, die das Versorgungssystem spürt – und die zugleich Fragen nach Diagnostik, Risikoprofilen und Behandlungsstrategien nach vorn schiebt.

Abrufbar sind die Daten über amr.rki.de für Candida albicans, Candida parapsilosis, Candida tropicalis, Nakaseomyces glabratus (synonym Candida glabrata) und Aspergillus fumigatus. Schon die Auswahl zeigt, worum es geht: um Erreger, die in schwerer Erkrankung, Immunsuppression oder stationären Kontexten eine besondere Rolle spielen können, aber eben auch zunehmend im ambulanten Raum auftauchen. Dass das RKI diese Erreger in die sichtbare Überwachung holt, ist ein Signal, dass Pilzinfektionen in der Resistenzdiskussion nicht länger nur „mitlaufen“, sondern eigenständig betrachtet werden müssen.

Die vorläufige Auswertung zeigt für 2024 insgesamt niedrige Resistenzanteile bei wichtigen Wirkstoffklassen, aber sie zeigt auch Spannungen im Detail. Gegenüber Echinocandinen liegen die Resistenzanteile zwischen 0,3 und 1,9 Prozent, gegenüber Azolen zwischen 0,4 und 16,6 Prozent. Diese Spanne wirkt klein und groß zugleich: klein, weil ein niedriger Prozentwert beruhigt; groß, weil in kritischen Situationen schon einzelne Resistenzfälle die Therapieentscheidung verändern können, wenn Alternativen toxischer, teurer oder weniger verfügbar sind.

Entscheidend ist dabei nicht nur der Durchschnitt, sondern die Bewegung. Bei Nakaseomyces glabratus ist der Resistenzanteil gegenüber Fluconazol in den vergangenen Jahren gesunken, während Candida tropicalis zunehmend resistenter gegen dieses Antimykotikum wird. Wer Therapieempfehlungen aus Gewohnheit ableitet, kann genau an solchen Stellen in die falsche Richtung laufen. Die Daten legen nahe, dass es nicht „die“ Pilzresistenz gibt, sondern unterschiedliche Dynamiken je Erreger, Wirkstoffgruppe und Versorgungsbereich.

Damit verschiebt sich auch die Rolle des Monitorings. Bei bakteriellen Resistenzen ist die Logik etabliert: Surveillance erzeugt Frühwarnung, Frühwarnung steuert Leitlinien, Leitlinien steuern Praxis. Bei Pilzen kommt diese Kette erst richtig in Bewegung. Die Veröffentlichung ist deshalb nicht nur ein Datensatz, sondern eine Aufforderung an die Versorgungsrealität: Diagnostik muss präziser sein, weil „Pilz“ als Kategorie zu grob ist, und Therapie muss adaptiver sein, weil Resistenzentwicklung nicht linear verläuft.

In der zweiten Erzählrunde wird sichtbar, wie sehr diese Entwicklung mit systemischen Veränderungen zusammenhängt. Mehr Nachweise können auf mehr Erkrankungen hinweisen, auf bessere Diagnostik, auf eine alternde Bevölkerung, auf mehr komplexe Therapien, auf mehr immunsupprimierte Patientinnen und Patienten. Jede dieser Erklärungen trägt ein Stück Wahrheit, aber keine reicht allein. Gerade deshalb braucht es eine stabile Datenlage: um Entwicklungen zu unterscheiden, statt sie nur zu vermuten.

Für die Versorgung bedeutet das eine doppelte Last und eine doppelte Chance. Die Last besteht darin, dass invasive Mykosen und komplizierte Pilzinfektionen Therapieentscheidungen erschweren und manchmal eskalieren können, wenn Resistenzen greifen. Die Chance liegt darin, dass frühe, transparente Resistenzdaten die Qualität der Entscheidungen verbessern, bevor sich problematische Muster verfestigen. Der Satz „Das verdeutlicht die Notwendigkeit eines Monitorings“ wirkt in Pressemitteilungen oft wie ein Standardsatz; hier ist er sachlich begründet, weil die Daten bereits zeigen, dass die Erreger nicht gleich laufen und die Wirkstoffe nicht gleich wirken.

Wer diese Veröffentlichung liest, liest deshalb nicht nur Statistik, sondern ein Stück Realität in Zahlenform: Pilzinfektionen werden häufiger nachgewiesen, Resistenz bleibt insgesamt niedrig, aber nicht uniform, und die Steuerung über Monitoring wird vom Nebenschauplatz zur Voraussetzung für Therapiesicherheit.

 

AoG entsendet ein Team nach Mosambik, Überschwemmungen beschädigen Gesundheitsstrukturen, Cholera wird zur akuten Systemfrage.

Wenn Wasser nicht nur Straßen überflutet, sondern Gesundheitszentren abschneidet, verändern sich Risiken in Tagen. Mosambik erlebt seit dem Jahreswechsel eine der schwersten Überschwemmungskatastrophen der letzten Jahrzehnte, und mit jedem weiteren Starkregen verschiebt sich die Lage von der materiellen Zerstörung hin zur Frage, ob Versorgung überhaupt noch erreichbar bleibt. In diesem Kontext kündigt Apotheker ohne Grenzen Deutschland einen Nothilfeeinsatz an: Kommenden Montag soll ein erstes Team nach Mosambik aufbrechen.

Die Organisation beschreibt ein Bild, das sich aus vielen Details zusammensetzt: ganze Landstriche wochenlang überflutet, mehr als 700.000 Menschen betroffen, beschädigte oder nicht erreichbare Gesundheitszentren, knappes sauberes Trinkwasser. Und über allem die bekannte, nüchterne Folgerung nach Fluten: Das Risiko für Cholera und andere Infektionskrankheiten steigt, nicht irgendwann, sondern täglich. Internationale Organisationen wie Unicef sind bereits im Einsatz; AoG setzt nun auf einen pharmazeutisch geprägten Ansatz, der Lücken schließen soll, bevor sie zu Ausbrüchen werden.

Mitreisen soll Vorstandsmitglied Petra Isenhuth. Sie benennt den Einsatzrahmen in einem Satz, der weniger nach Spendenaufruf klingt als nach Lagebeschreibung: Nach Überschwemmungen sei schnelle, gezielte Unterstützung entscheidend, um Cholera-Ausbrüche zu verhindern und Gesundheitspersonal zu schützen. Das ist eine Verschiebung des Blicks: Nicht nur Patientinnen und Patienten sind gefährdet, sondern auch diejenigen, die unter Druck, mit knappen Mitteln und in beschädigten Einrichtungen arbeiten müssen.

Auffällig ist die Wahl der Zielregion. AoG nennt als aktuelle Zielregion die Provinz Tete im Osten des Landes, obwohl diese nicht zum Hauptflutgebiet gezählt wird, das in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Gaza, Sofala oder Maputo verbunden ist. Die Begründung ist pragmatisch: In Tete steige die Zahl der Cholera-Fälle, und dort seien die Kompetenzen einer pharmazeutischen Hilfsorganisation in der aktuellen Lage von größerem Nutzen. Das ist eine klassische Priorisierung in Katastrophenlagen: nicht dorthin, wo die Bilder am dramatischsten sind, sondern dorthin, wo die Intervention mit dem eigenen Profil am meisten bewirken kann.

Im ersten Schritt plant AoG ein Assessment. Ausgewählte Gesundheitszentren sollen besucht werden, um die Lage zu prüfen und Bedarfe konkret zu machen. Das klingt nach Verwaltung, ist aber der Moment, in dem falsche Annahmen teuer werden. In überfluteten Regionen kann eine einzige beschädigte Kühlkette, ein fehlender Zugang zu sauberem Wasser oder ein überlastetes Personalteam die Wirksamkeit jeder Medikamentenlieferung begrenzen. Assessment ist daher nicht Verzögerung, sondern Voraussetzung, damit Maßnahmen passen.

Als mögliche erste Maßnahmen nennt AoG den Aufbau eines oralen Rehydratationspunktes zur Behandlung von akutem Flüssigkeitsverlust. In der Sprache der Hilfslogik ist das ein klassischer, schneller Hebel: Rehydratation rettet Leben, wenn Durchfallerkrankungen eskalieren, und sie entlastet Einrichtungen, weil sie strukturiert und standardisiert organisiert werden kann. Dazu kommt die Evaluierung und Beratung zu Infektionspräventions- und Kontrollmaßnahmen, ein IPC-Assessment, das vor allem eines will: das Risiko reduzieren, dass Behandelnde selbst zu Betroffenen werden oder dass Versorgungseinrichtungen zu Multiplikatoren werden.

Ein dritter Block betrifft Schutz und Schulung. Persönliche Schutzausrüstung soll bereitgestellt werden, wo sie dringend fehlt, und das lokale Gesundheitspersonal soll geschult werden. In Katastrophenlagen ist das oft die Grenze zwischen Stabilität und Ausfall: Wenn Teams krank werden oder sich unsicher fühlen, bricht die Versorgung nicht nur punktuell, sondern kaskadenartig. Vierter Baustein sind Wasser-, Sanitär- und Hygienestandards, WASH, in Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner des Arbeiter Samariter-Bundes. Damit rückt AoG in eine Schnittstelle aus Versorgung und Infrastruktur, weil Medikamentenarbeit ohne sauberes Wasser in Ausbruchslagen schnell an die Wand läuft.

Zudem will die Organisation den akuten Bedarf an Medikamenten prüfen und, wo nötig und möglich, gezielt Arzneimittel bereitstellen. Auch hier steckt weniger Pathos als Logik dahinter: In Flutlagen verschieben sich Bedarfe, manche Arzneimittel fehlen plötzlich, andere werden unbrauchbar, Lieferwege reißen ab, Lager werden beschädigt. „Gezielt“ ist deshalb das Schlüsselwort, weil jede ungeplante Lieferung am Ende Last statt Hilfe sein kann.

In der zweiten Erzählrunde zeigt sich, was solche Einsätze systemisch bedeuten. Sie sind nicht nur Hilfe „vor Ort“, sondern auch eine Art Schutzring um fragile Strukturen. Wenn Gesundheitszentren beschädigt oder nicht erreichbar sind, entsteht ein Vakuum, in dem Krankheiten schneller zirkulieren und gleichzeitig weniger diagnostiziert, behandelt und dokumentiert wird. Die Intervention, die AoG beschreibt, zielt auf die Stabilisierung dieser Schnittstellen: Flüssigkeitsmanagement, Infektionskontrolle, Schutz des Personals, Hygieneinfrastruktur, bedarfsgerechte Arzneimittelversorgung.

Der Spendenaufruf, den AoG im Zusammenhang mit dem Einsatz formuliert, ist die finanzielle Rückseite dieser Logik. Solche Einsätze sind zeitkritisch, aber nicht planbar im Sinne eines Haushaltsjahres. Die Organisation macht damit transparent, dass die Fähigkeit, schnell zu reagieren, nicht nur von Expertise abhängt, sondern von Ressourcen. Gleichzeitig bleibt der Kern des Vorhabens klar: Ein erstes Team soll nicht „alles lösen“, sondern prüfen, stabilisieren und dort ansetzen, wo das Risiko am schnellsten in eine größere Gesundheitskrise kippen kann.

 

Zum Valentinstag steigen Rosenimporte, Pestizidrückstände bleiben unreguliert, Floristen tragen das stille Gesundheitsrisiko.

Der Weg einer Rose im Februar beginnt oft nicht in einem Gewächshaus um die Ecke, sondern in einem Logistiknetz, das Kontinente verbindet. Zum Valentinstag werden Millionen Schnittblumen eingeflogen, und die Klimabilanz ist nur die sichtbare Seite dieser Bewegung. Weniger sichtbar, aber für die Gesundheit relevanter, ist ein zweites Problem: Gerade importierte Blumen sind häufig mit Pestizid-Cocktails belastet, darunter auch Substanzen, die in der EU wegen ihrer Risiken längst nicht mehr zugelassen sind.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland beschreibt eine Marktrealität, die auf Nachfrage und Verfügbarkeit getaktet ist. Rosen sind die meistverkauften Schnittblumen in Deutschland und rund um den Valentinstag besonders gefragt. Ein großer Teil stammt im Winter aus dem globalen Süden, vor allem aus Kenia, wo großflächige Plantagen produzieren. In den Sommermonaten dominieren Lieferungen aus den Niederlanden. In Summe werden jährlich deutlich mehr als eine Milliarde Rosen importiert, mit Hunderten Millionen aus Kenia und einem noch größeren Anteil aus den Niederlanden. Hinter diesen Zahlen steckt nicht nur Handel, sondern auch die Frage, unter welchen Produktionsbedingungen diese Ware entsteht.

Denn Rosen werden intensiv gedüngt und gegen Insekten und Pilze behandelt. Nach Darstellung des BUND sind Blumen aus dem globalen Süden sehr häufig massiv belastet, nicht als Einzelfall, sondern als Muster. Die Expertin Corinna Hölzel spricht von einem „Pestizid-Cocktail“, der Umweltmedien verunreinigen kann und zugleich ein Gesundheitsproblem für Beschäftigte auf den Plantagen darstellt, die oft wenig über Gefahren informiert sind und kaum Zugang zu Schutzkleidung haben. Was dort als Produktionsmittel eingesetzt wird, bleibt nicht am Feldrand. Rückstände auf und in den Blumen gelangen nach Europa und damit in Haushalte, in Geschäfte, in Arbeitsplätze.

Hier wird die rechtliche Lücke zentral. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es in der EU für das Inverkehrbringen von Schnittblumen keine rechtlichen Regelungen zu Rückständen von Pflanzenschutzmitteln. Das bedeutet nicht, dass jede Blume gefährlich ist, aber es bedeutet, dass ein systematischer Grenzwert-Rahmen fehlt, wie er bei Lebensmitteln selbstverständlich ist. Die Ware wird gehandelt, ohne dass Rückstandsgrenzen den Markt disziplinieren. Damit verschiebt sich die Risikolast nach unten, in die Berufe, die täglich mit der Ware arbeiten.

Für Floristinnen und Floristen ist das nicht abstrakt. Wer über Jahre häufig mit pestizidbelasteten Pflanzen in Kontakt kommt, trägt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, und der BUND verweist darauf, dass Studien ein höheres Parkinson-Risiko nahelegen. Parkinson ist in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt, nicht nur bei Landwirten, Gärtnern und Winzern, sondern auch bei Floristen. Damit wird aus einem „Umweltthema“ ein Arbeitsschutzthema, aus einem Konsumprodukt ein Langzeitkontakt.

Die Frage lautet also nicht nur, ob man Rosen schenken sollte, sondern welche Signale der Markt setzt, wenn Nachfrage Spitzen produziert, die nur über Importketten bedient werden können, in denen Rückstandskontrolle keine harte Leitplanke ist. Der Valentinstag wirkt dann wie eine Lupe: kurzfristige Romantik trifft auf langfristige Produktionsrisiken, und die Folgen landen nicht dort, wo der Kaufimpuls entsteht, sondern dort, wo angebaut, behandelt, geschnitten, transportiert und gebunden wird.

Der BUND empfiehlt, auf Siegel zu achten, die man aus dem Lebensmittelbereich kennt: Bio-Siegel, Slowflower, Fairtrade. Dahinter steckt weniger Ideologie als ein Versuch, den unsichtbaren Teil der Kette sichtbarer zu machen. Alternativen sind saisonale Blumen wie Tulpen, Narzissen oder Ranunkeln, die häufiger aus Europa stammen und tendenziell weniger belastet sind als Winterrosen. Auch Topfblumen werden als Option genannt, sofern sie in torffreier Erde kultiviert und in wiederverwendbaren Töpfen angeboten werden, und vorausgesetzt, man hat die Möglichkeit, sie später weiter zu nutzen oder einzupflanzen. Sogar Zweige heimischer Sträucher oder Obstbäume, die im warmen Zimmer austreiben, werden als Alternative beschrieben, weil sie lokale Verfügbarkeit mit einem anderen Symbolwert verbinden.

In der zweiten Erzählrunde geht es weniger um die einzelne Kaufentscheidung als um die Logik dahinter. Wenn für Schnittblumen keine Rückstandsregeln gelten, entsteht ein Markt, in dem die Kosten der Chemie nicht sauber im Preis abgebildet sind, sondern in Gesundheit und Umwelt auslagern. Das betrifft Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter ebenso wie Menschen, die beruflich täglich mit Blumen umgehen. Und es betrifft auch die Frage, wie „Qualität“ im Blumenhandel definiert wird: als Optik und Haltbarkeit oder als Zusammenspiel aus Anbau, Schutz, Rückständen und Verantwortung entlang der Kette.

 

Fasten wird Lifestyle, Verzicht wird Selbsttest, soziale Medien verschieben die Maßstäbe.

Fasten ist in Deutschland lange als religiöse Praxis mit festen Zeiten und klarer Symbolik verstanden worden. Wer verzichtet, markiert eine Phase, in der Alltag unterbrochen wird, um sich auf etwas anderes auszurichten. Heute taucht Fasten in einem ganz anderen Licht auf: als Reset, als Selbstexperiment, als Methode, den eigenen Konsum zu ordnen, ohne dass eine religiöse Bindung zwingend dazugehört.

Das zeigt sich schon an den Begriffen, mit denen der Trend erzählt wird. Intervallfasten, Dry January, Digital Detox – das sind Etiketten einer urbanen Gegenwart, die Verzicht nicht als Mangel, sondern als Fähigkeit inszeniert. Professorin Eva Barlösius beschreibt, wie komplex die Verzichtslandschaft geworden ist: Menschen verzichten auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol, aber auch auf Smartphone, Fernsehen oder Autofahren. Entscheidend ist dabei weniger das Objekt als der Mechanismus: Etwas, das angenehm ist, wird zeitweise gestrichen, um Kontrolle zurückzugewinnen.

Damit verschiebt sich auch die Abgrenzung. Barlösius betont, Fasten sei zeitlich begrenzt; sonst werde es zum Lebensstil. Genau dieser Übergang ist heute ein Reibungspunkt, weil Verzicht oft als Identitätsmerkmal gelesen wird. Wochenlang keine Wurst wirkt wie Fasten, dauerhaft keine Wurst wirkt wie Weltanschauung. In der Praxis verschwimmen die Grenzen, weil die Motive sich mischen: Gesundheit, Abkehr vom Überkonsum, Achtsamkeit, Selbstoptimierung.

Die Zahlen stützen, dass es sich nicht um eine kleine Nische handelt. In einer von der DAK-Gesundheit beauftragten repräsentativen Forsa-Umfrage sagen 72 Prozent der Befragten ab 18 Jahren, dass ein Verzicht aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll sei. Mehr als die Hälfte gibt an, schon häufiger vorübergehend auf Genussmittel oder ein Konsumgut verzichtet zu haben. Besonders hoch ist die Zustimmung in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen. Alkohol, Süßes und Fleisch stehen in der Umfrage vom März 2025 oben auf der Verzichtliste.

Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder deutet diese Entwicklung als Wohlstandsphänomen. Fasten sei besonders verbreitet unter urbanen, eher gebildeten und gut situierten Menschen, die es im klassischen Sinne oft „nicht nötig“ hätten. Der Verzicht wird dann weniger zur materiellen Notwendigkeit als zur moralischen oder ästhetischen Geste: Man zeigt, dass man sich leisten kann, nicht zuzugreifen, und dass man Zeit, Wissen und Disziplin besitzt, um den Alltag zu strukturieren.

Gleichzeitig warnt Hirschfelder vor einer riskanten Nebenbedeutung, die vor allem junge Menschen betreffen kann. Wenn Fasten in sozialen Medien mit dem Imperativ verbunden wird, schlank zu sein oder einen bestimmten Normkörper zu erreichen, kann aus einem zeitlich begrenzten Verzicht ein Druckmuster werden. In diesem Punkt kippt das Thema von Selbstbestimmung zu Fremdmaßstab, weil der Verzicht nicht mehr dem eigenen Befinden folgt, sondern einem Blick von außen.

Das Verhältnis zur Religion bleibt dabei ambivalent. Hirschfelder sagt, christliches Fasten werde heute in weiten Teilen eher negativ gesehen, während der Ramadan in größeren Teilen der islamischen Community eine neue positive, identitätsstiftende Praxis ausgebildet habe. Das allabendliche Fastenbrechen, oft in Gemeinschaft, macht aus Verzicht nicht nur Disziplin, sondern soziale Bindung. Das ist eine andere Logik als viele säkulare Fastenformen, die eher individualisiert funktionieren und ihren Sinn aus Selbstkontrolle und Selbstbefähigung ziehen.

In der zweiten Erzählrunde wird sichtbar, dass Fasten heute weniger eine einzelne Methode ist als ein Spiegel für gesellschaftliche Spannungen. Einerseits wächst Wissen über Ernährung und Gesundheit, und viele Menschen suchen nach Wegen, Gewohnheiten zu unterbrechen, die sich „suchthaft“ anfühlen können. Andererseits werden Lebensrealitäten ungleicher: Wer mehrere Jobs, Care-Arbeit oder Schichtdienst trägt, hat weniger Spielraum für ritualisierte Selbstexperimente. Verzicht wird dann nicht nur Frage des Willens, sondern auch Frage von Zeit, Alltag und sozialer Lage.

Auch deshalb ist der Trend gleichzeitig stabil und fragil. Stabil, weil er an ein Grundbedürfnis anschließt: den Wunsch, wieder Einfluss auf das eigene Verhalten zu gewinnen. Fragil, weil er schnell in Normen kippen kann, die nicht mehr entlasten, sondern belasten, und weil die Motive so verschieden sind, dass dieselbe Praxis für den einen Ruhe bedeutet und für den anderen Druck. Am Ende steht kein fertiger Ausweg, sondern ein Kräftefeld, das sich bis März weiter verdichten dürfte.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Es beginnt klein, fast beiläufig: ein Anruf, ein Rezept, ein Verdacht, der nicht laut wird. Dann kippt das Gewicht in andere Räume, in denen Zahlen wie Argumente wirken und Worte wie „anteilig“ eine ganze Praxis in neue Streitlinien drücken können. Während an einem Ort ein Team Zeit gewinnt, indem es sie bewusst verlangsamt, verliert an anderer Stelle ein System Zeit, weil es Zuständigkeiten nicht sauber trennt. Und über allem liegt eine stille Logik: Wo Risiken wachsen, wird Aufmerksamkeit zur Währung, aber sie hat Grenzen, wenn sie dauerhaft auf Menschen statt auf stabile Verfahren verteilt wird.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt.
Wenn in einem Notdienst eine Festnahme möglich wird, ist das kein Triumph, sondern ein Hinweis, wie dünn die Linie zwischen Versorgung und Schadensfall geworden ist. Wenn eine Finanzdebatte mit Milliarden hantiert, aber am Ende in Regressrisiken und Formularfehlern landet, wandert Verantwortung dorthin, wo sie am teuersten ist: in die tägliche Entscheidung unter Zeitdruck. Und wenn Daten zu Resistenzen, Katastrophenhilfe, Pestiziden oder Verzicht nebeneinanderstehen, entsteht kein bunter Themenstrauß, sondern ein Prüfstreifen dafür, wie robust ein Gemeinwesen gegen Nebenfolgen ist, die nicht im Mittelpunkt geplant werden. Was trägt, ist nicht die große Erklärung, sondern die Klarheit darüber, wer wofür zuständig ist, bevor der Alltag es erzwingt.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Entscheidend ist, ob Verantwortung in Verfahren, Prüfregeln und Finanzierung bleibt oder als operative Last in den Betrieben landet.

 

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