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  • 14.02.2026 – Apotheken wehren Betrug ab, Regeln erzeugen Retaxdruck, Zugang wird zur Versorgungshürde.
    14.02.2026 – Apotheken wehren Betrug ab, Regeln erzeugen Retaxdruck, Zugang wird zur Versorgungshürde.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Betrug bei Rezepten, Retaxfallen durch AV-Status und Nachfolger sowie Zugangsbarrieren aus der Stadtplanung greifen ineinander und mache...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken wehren Betrug ab, Regeln erzeugen Retaxdruck, Zugang wird zur Versorgungshürde.

 

Wenn Fälschungsdruck, Datenstatus und Stadtplanung zugleich ziehen, wächst die Systemlast im Alltag schneller als der Vollzug.

Stand: Samstag, 14. Februar 2026, um 17:59 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Es beginnt nicht mit Paragrafen, sondern mit einem Tonfall am Telefon, der zu normal klingt, um Alarm auszulösen. Dann kippt ein Montagabend im HV in Sekunden von Routine zu Verdacht, weil Name und Papier passen können und trotzdem etwas nicht stimmt. Parallel wächst die zweite, leisere Unsicherheit aus dem System selbst: Statusmeldungen und Nachfolger-Verknüpfungen wirken wie Hilfe, können aber zur Retaxfalle werden, wenn Identität nicht nur ähnlich, sondern wirklich identisch sein muss. Währenddessen verändern Versandlogiken den Markt ohne die Beratungs- und Haftungslast mitzunehmen, und Infrastrukturentscheidungen machen aus ein paar hundert Metern eine reale Hürde für Versorgung. Wer das als Einzelfälle liest, verpasst das Muster: Die Apotheke trägt immer mehr Prüf- und Abfederungsarbeit, bis das System nicht mit einem Knall, sondern mit einer Gewöhnung an weniger kippt.

 

Es fängt nicht mit einem Gesetz an. Es fängt mit einer Stimme an. Ein Mann am Telefon, freundlich, routiniert, schnell. Er bestellt einen Hochpreiser. Er sagt, das Rezept bringe er bei der Abholung mit. Kein Zittern, keine Eile. Nur dieser Ton, der so normal klingt, dass man ihn im Stress fast dankbar annimmt.

In der Apotheke ist es dann nicht „ein Vorgang“, sondern ein kleiner Riss im Tagesplan. Ware zurücklegen, prüfen, vormerken, nebenbei weiterarbeiten. Es bleibt dieses Versprechen im Hintergrund, wie eine offene Klammer. Man möchte glauben, dass es einfach nur praktisch gemeint war.

Am Montagabend kommt nicht der Anrufer.

Es ist eine Frau, die das Medikament „für ihn“ abholt. Der Name stimmt. Das Rezept wirkt auf den ersten Blick, als könne es stimmen. Und in genau dieser Sekunde zeigt sich, was sich verändert hat: Der Beruf verlangt längst nicht mehr nur Wissen, sondern einen trainierten Misstrauensmuskel. Nicht als Pose. Als Überlebensinstinkt im Betrieb.

Die Apothekerin in Bielefeld erkennt die Fälschung. Sie gibt nicht ab. Sie kopiert das Rezept. Sie ruft bei der Fachärztin an, die angeblich ausgestellt haben soll. Dort kommt die nüchterne Antwort, die wie ein Schlag wirkt, gerade weil sie so schlicht ist: Der Mann ist dort kein Patient. Später passt auch die Adresse nicht zum Namen. Man kann das als „gut gelöst“ abhaken. Im Betrieb bleibt etwas anderes hängen: Die Entscheidung fiel nicht im Recht, sie fiel im Blick. Und dieser Blick muss Tag für Tag funktionieren, auch wenn der Kopf müde ist.

Erlensee zeigt, wie schnell der gleiche Mechanismus kippt, wenn ein Detail nicht auffällt oder ein Moment zu hektisch wird. Ein Täter ist erfolgreich. Das Arzneimittel hat einen Wert von 1445 Euro. Gemerkt wird es erst danach. Danach heißt: wenn die Packung längst weg ist, wenn das Gespräch nicht mehr zurückgeholt werden kann, wenn aus einem Fehler kein Korrigieren, sondern nur noch Aufarbeiten wird.

Kevelaer und Zülpich liefern die Varianten, die inzwischen wie aus einem Baukasten wirken, nur dass sie im echten Leben stattfinden. Da ist der Versuch, hochdosierte Schmerzmittel mit gefälschtem Privatrezept zu bekommen. Da sind Videoaufnahmen. Da sind Zeugenaufrufe. Da ist diese eine Bewegung, die immer wieder auftaucht: die Gesundheitskarte als Hürde, der Satz, man hole sie kurz, und dann das Verschwinden. Es ist nicht spektakulär. Es ist repetitiv. Und gerade deshalb frisst es Ressourcen.

Der Preis ist nicht nur Geld. Der Preis ist Zeit, die niemand sieht. Zeit, die nicht nach außen verkauft werden kann. Zeit, die innen wehtut, weil sie auf Kosten von Beratung geht. Jeder zusätzliche Prüfgriff macht den Vorgang langsamer. Und wenn Vorgänge langsamer werden, wird der Tag enger. Ein enger Tag macht Menschen ungeduldig. Ungeduld macht Fehler wahrscheinlicher. Das ist die einfache Kette, die im Alltag wie ein stilles Uhrwerk läuft.

Während außen Menschen versuchen, Apotheken über Rezepte zu täuschen, baut innen die Regelwelt ihre eigenen Stolperstellen. „Außer Vertrieb“ klingt wie Verwaltungssprache, aber es ist ein Endpunkt. Nicht mehr auslieferbar. Nicht zurückdrehbar. Und trotzdem kann es Situationen geben, in denen noch abgegeben werden darf. Seit dem 1. November 2019 gilt, dass ein AV-gemeldetes Arzneimittel bei der Abgaberangfolge nicht berücksichtigt werden muss, aber abgegeben werden darf, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Das klingt nach Klarheit. Im Betrieb fühlt es sich oft nach Risiko an.

Denn dann kommt diese scheinbar hilfreiche Information: ein Nachfolger ist verknüpft. Verknüpft heißt in der Wahrnehmung vieler: ersetzt. Nur dass es nicht so einfach ist. Aut-idem hängt nicht an „ähnlich“, sondern an Identität. Wirkstärke. Packungsgröße. Indikation. Darreichungsform. Sobald eine Normgröße wechselt, wird aus dem „Nachfolger“ nicht Rettung, sondern Problem. Und bei Darreichungsformen wird es endgültig eng, weil Austausch nur unter bestimmten Bedingungen überhaupt zulässig sein kann.

Das Gemeine an dieser Falle ist ihr Timing. Die Entscheidung fällt in Sekunden, im Fluss, zwischen Kundenfragen, Telefon, Kasse, Rücksprache, Nebenbei. Das Risiko materialisiert sich später, sauber, kalt, ohne das Geräusch des damaligen Tages. Retax ist dann nicht nur ein Betrag. Retax ist ein Urteil über einen Moment, den niemand von außen wirklich gesehen hat.

So wird der Betrieb von zwei Seiten gedrückt. Von außen durch Täter, die Routine ausnutzen. Von innen durch Regeln, die richtig gemeint sein können und dennoch in der Handhabung eine Art Schein-Sicherheit erzeugen, wenn Softwareverknüpfungen menschliche Vorsicht ersetzen wollen.

Und dann kommt der dritte Druckpunkt, der nicht als Druckpunkt verkauft wird: der Markt.

Seit Mitte Dezember werden OTC-Arzneimittel aus einem Standort in Tschechien in den deutschen Markt versendet. Die Wettbewerbszentrale sieht eine Vermischung von Drogerie- und Apothekenangebot und zusätzlich die Frage, ob durch Grenzstandort eine Struktur umgangen wird, die im Inland schützen soll. Dm hält dagegen: dm-med sei eigenständig, eine tschechische Apotheke mit Präsenz- und Versandbetrieb, geführt von Fachpersonen; Kundinnen und Kunden würden im Bestellprozess über die Trennung informiert; Apothekenartikel blieben logistisch getrennt bis zur Ankunft.

Beides kann gleichzeitig wahr sein und trotzdem bleibt der Systemtest bestehen. Denn die Kundin denkt nicht in Gesellschaftsrecht. Sie denkt in Marke. Sie denkt in Warenkorb. Sie denkt in Bequemlichkeit. Der Einkauf fühlt sich wie ein Vorgang an, die Verantwortung wird im Hintergrund in Schichten aufgeteilt. Diese Schichten werden meist erst sichtbar, wenn es hakt. Im Alltag wirkt es wie glatte Reibungsreduktion. Und Reibungsreduktion ist ein mächtiger Wettbewerbshebel, gerade im OTC-Bereich.

Die Vor-Ort-Apotheke bleibt dabei der Ort, an dem Beratung erwartet wird und an dem Fragen landen, auch wenn der Kauf an anderer Stelle passiert. Das ist keine Moral. Das ist eine Verhaltenslogik: Menschen gehen dorthin, wo sie eine Antwort bekommen, nicht unbedingt dorthin, wo sie gekauft haben. Die Last bleibt. Die Wertschöpfung wandert.

Politik versucht, diese Verschiebung in einen Kontrollrahmen zu fassen. Die Länder wollten ausländische Versender stärker binden, Erlaubnisse zentral vorlegen lassen, Bestätigungen deutscher Vorgaben verlangen und bei Verstößen einen Widerruf ermöglichen. Der Bund verweist auf europarechtliche Vorgaben, Listen und das EU-Logo als Sichtbarkeitsinstrument und betont bestehende Anforderungen im Apothekenrecht, kündigt aber zugleich neue Versandanforderungen per Verordnungsänderung an. Das ist die Art Doppelbewegung, die sich im Betrieb wie ein Schulterzucken anfühlt: Es ist alles geregelt, und trotzdem muss nachgeregelt werden. Sichtbarkeit ist vorhanden, aber die Frage im Alltag ist nicht Sichtbarkeit. Die Frage ist Reaktionsfähigkeit. Wie schnell wird aus einem Hinweis eine Konsequenz. Wie spürbar ist die Grenze, wenn jemand sie testet.

Und dann gibt es noch eine Ebene, die nichts mit Versand oder Betrug zu tun zu haben scheint und doch dieselbe Mechanik hat: Zugang.

In Poppenbüttel werden seit Dezember 2024 Poller installiert, um Gehwegfahren und Parken vor der Ladenzeile zu unterbinden. Ein Planungsziel, nachvollziehbar. Im Alltag entsteht aber ein anderer Effekt: Menschen können nicht mehr kurz halten, der Weg wird länger, der Umweg über die Hauptstraße nervt, für viele ist er einfach zu viel. „Ein paar hundert Meter“ werden zur Hürde, wenn man nicht gut zu Fuß ist.

Die Apotheke zieht eine Konsequenz, die niemand gern zieht. Samstags bleibt geschlossen, weil Einnahmen Kosten nicht mehr decken. Am Freitag fallen Nein-Verkäufe an, weil Menschen sagen: Dann eben woanders. Eine Petition mit mehr als 1600 Unterschriften ist übergeben. Das Thema landet im Arbeitsprogramm 2026 ohne konkreten Zeitplan. Demokratie ist langsam. Umsatzverlust ist sofort.

Infrastruktur ist damit keine neutrale Kulisse. Sie ist ein stiller Steuerungshebel. Sie entscheidet, ob Versorgung praktisch erreichbar ist, bevor irgendjemand eine gesundheitspolitische Debatte beginnt.

Wenn man diese Linien zusammenzieht, entsteht nicht ein „großes Narrativ“, sondern ein hartes Betriebsgefühl. Mehr Fälschungen bedeuten mehr Prüfaufwand. Mehr Prüfaufwand bedeutet weniger Tempo. Weniger Tempo bedeutet höhere Kosten pro Vorgang und mehr Stress. Mehr Stress bedeutet mehr Fehlergefahr. Parallel steigt der Regelprüfdruck durch AV-Konstellationen und Nachfolgerfallen. Parallel verschiebt sich Nachfrage durch glatte OTC-Logik. Parallel wird Zugang durch Stadtplanung ausgedünnt. Und über allem steht ein Kontrollrahmen, der in der Theorie erklärt, aber im Alltag erst dann zählt, wenn er schnell und wirksam wird.

Das Ergebnis ist nicht die plötzliche Schließung, die man dann betrauert. Das Ergebnis ist die schleichende Defensive. Mehr Rücksprache, mehr Nein, mehr „bitte neue Verordnung“, mehr Abwarten, mehr Abbruch. Das ist keine Bosheit. Das ist Selbstschutz eines Systems, das seine Risiken nicht mehr nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich und rechtlich tragen muss.

Und genau da liegt die eigentliche Verteilungsfrage, die man nicht wegmoderieren kann. Soll die kumulative Last weiter am HV-Tisch hängen, in den Sekundenentscheidungen, in der stillen Nacharbeit, im Risiko der Retax und im Erklären der Umwege. Oder wird das System so gebaut, dass Sicherheitsarbeit nicht als unsichtbare Zusatzaufgabe läuft, dass digitale Logik keine Schein-Erlaubnisse erzeugt, dass Zugang als Teil von Versorgung geplant wird, und dass Wettbewerb nicht nur über Reibungsfreiheit funktioniert, sondern über belastbare Versorgungsqualität.

Solange diese Lastverteilung nicht korrigiert wird, bleibt die Vor-Ort-Apotheke der Ort, an dem alles zusammenfällt: Betrug, Regelprüfung, Beratungserwartung, Zugang und wirtschaftlicher Druck. Das System kann dann auf dem Papier noch stehen. Im Alltag wird es dünn. Und wenn es dünn wird, kippt es nicht mit einem Knall. Es kippt leise, als Gewöhnung an weniger. 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Man sieht kein einzelnes Problem, man spürt ein Klima: Der Zweifel wird zur stillen Grundhaltung, weil Betrug und Datenlogik denselben Nerv treffen, und der Alltag wird enger, weil ein paar Meter Weg, ein später Retaxbescheid und ein zu glatter Warenkorb gemeinsam daran ziehen, was vor Ort noch selbstverständlich wirken soll.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Sicherheit zur Nebenpflicht wird, Regeln zur Falle werden können und Zugang zur stillen Schwelle wird, entsteht kein großes Ende, sondern ein leises Ausdünnen, bei dem Versorgung formal noch da ist und im Alltag schon knapper wirkt.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Entscheidend ist, ob die kumulative Last aus Prüfung, Haftung und Zugang so verteilt wird, dass Versorgung vor Ort nicht defensiv werden muss.

 

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