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  • 12.02.2026 – Das Apothekenhonorar bleibt vertagt, das Kabinett weist Alternativen zurück, die Versorgungsreserve schrumpft.
    12.02.2026 – Das Apothekenhonorar bleibt vertagt, das Kabinett weist Alternativen zurück, die Versorgungsreserve schrumpft.
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Der Kommentar ordnet die Honorarvertagung als Governance-Entscheidung ein und beschreibt, wie Verlagerung von Unsicherheit Resi...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Das Apothekenhonorar bleibt vertagt, das Kabinett weist Alternativen zurück, die Versorgungsreserve schrumpft.

 

Ausgabe Nr. 180 | Das Kabinett vertagt das Fixum und weist Alternativen ab, die Kassenlogik gewinnt Zeit, die Betriebe zahlen mit Unsicherheit.

Stand: Donnerstag, 12. Februar 2026, um 11:52 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu Apotheken-Nachrichten über Honorarvertagung, Beitragslogik und betriebliche Planbarkeit.

Man kann eine Gegenäußerung als Technik lesen, als Verfahren, als notwendige Schleife zwischen Bundesrat und Bundesregierung. Aber in der Honorarfrage wirkt diese Technik wie eine Gewohnheit: zurückstellen, abweisen, vertagen, und dabei so tun, als sei das die neutralste Form der Verantwortung. Neutral ist daran nichts. Wenn eine Regierung sagt, sie wolle die 9,50 Euro „jetzt“ nicht angehen, dann trifft sie eine Prioritätsentscheidung, und sie entscheidet zugleich darüber, wo die Reibung landet. Sie landet nicht im Gesetzblatt, sie landet im Betrieb.

Der Mechanismus ist simpel und genau deshalb so hart. Kosten laufen täglich, Vergütung läuft politisch. Personalkosten, Mieten, Energie, Finanzierung, Digitalisierungspflichten, Dokumentationslast – all das steigt nicht im Rhythmus von Kabinettsbefassungen, sondern im Takt der Monatsabrechnung. Wenn der zentrale Vergütungsanker nicht mitgeht, wird die Lücke nicht verschwinden, sie verschiebt sich. Sie verschiebt sich in Schichtenpläne, in die Frage, ob man eine Stelle nachbesetzen kann, in die Entscheidung, ob man investiert oder weiter auf Verschleiß fährt, in die Bereitschaft, noch eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, die sich auf dem Papier klein liest, aber im Alltag Stunden frisst.

Die Ablehnung alternativer Vergütungsvorschläge ist dabei mehr als ein Nein zu zwei Modellen. Sie ist das Signal: Die Grundlogik bleibt, die Anpassung soll über Nebenpfade passieren. Das kann man ordnungspolitisch sauber finden, weil es die Struktur nicht „verkomplizieren“ soll. Man kann aber auch feststellen, was es in der Realität bedeutet: Entlastung wird kleinteilig, ungleich und abhängig von Betriebsprofilen. Wer strukturell am Limit ist, braucht keinen Trostpreis, sondern Planbarkeit. Und Planbarkeit entsteht nicht aus dem Versprechen, dass man es später wieder aufnimmt, sondern aus einer Mechanik, die den Abstand zwischen Kostenrealität und Vergütung nicht jedes Jahr neu zum politischen Verhandlungsobjekt macht.

Damit sind wir bei der Interessen- und Governance-Frage, die in dieser Debatte gern unter „GKV-Finanzlage“ versteckt wird. Beitragsstabilität ist ein legitimes Ziel. Aber sie wird zur bequemen Begründung, wenn man sie nur als Kassenruhe definiert und nicht als Stabilität der Versorgung. Wer die Ausgabenlinie kurzfristig glätten will, kann eine Erhöhung verschieben. Wer Versorgungsstabilität will, muss offen sagen, wie viel Infrastruktur er im ambulanten Alltag für gesamtgesellschaftlich notwendig hält – und wie er sie bezahlt, ohne die Last still in unternehmerische Selbstausbeutung zu verschieben. Das ist der blinde Fleck an der Vertagungslogik: Sie spart politische Sichtbarkeit, aber sie produziert betriebliche Unwucht.

Nebenfolgen sind kein rhetorischer Trick, sie sind der eigentliche Preis. Eine vergütungsseitige Unsicherheit macht Standorte nicht sofort dicht, sie macht sie leiser. Sie macht Investitionen kleiner, sie macht Übergaben schwieriger, sie macht Nachwuchsprojekte unattraktiver, weil ein junger Übernehmer nicht nur einen Standort übernimmt, sondern einen Konflikt zwischen Kosten und Regelwelt. Sie erhöht den Druck auf Teams, weil man fehlende Erlösdynamik durch Mehrleistung kompensiert, bis Mehrleistung zur Normalität wird. Und in dem Moment, in dem Normalität Überlastung ist, sinkt die Fehlertoleranz. Das merkt man nicht in der Kabinettsvorlage, das merkt man später in einer Struktur, die an den Rändern dünner wird, in längeren Wegen, in mehr Notdienstlast für die übrigen Standorte, in der schleichenden Verschiebung von Versorgung in den Modus „gerade so“.

Jetzt der Gegenimpuls, weil er dazugehört und weil man ihn fair benennen muss. Es ist nicht so, dass man jede Erhöhung einfach beschließen kann, ohne die Finanzierung mitzudenken. Es ist auch nicht so, dass ein einzelner Betrag alle Probleme löst. Wer nur auf eine Zahl starrt, übersieht Bürokratie, digitale Pflichtlasten, Personalmarkt und die Tatsache, dass strukturelle Entlastung manchmal mehr über Zeitgewinn als über Euro wirkt. Und ja: Wenn man Vergütung reformiert, braucht man eine Logik, die nicht jeden Fehlanreiz verstärkt. Aber genau deshalb ist Vertagung das schlechteste Instrument, weil sie weder die Zahl löst noch die Mechanik. Sie lässt alles offen, außer dem, was Betriebe dringend bräuchten: einen verlässlichen Anpassungsmodus.

Die zweite Erzählschleife führt zurück zu dem Punkt, an dem diese Debatte eigentlich entschieden wird: nicht in der Frage, ob man „jetzt“ erhöht, sondern ob man eine stabile Versorgungsordnung will, die in der Lage ist, Kostenentwicklung, Personalknappheit und Pflichtlasten auszuhalten, ohne dass Betriebe die Lücke alleine tragen. Wenn man das will, braucht es eine doppelte Klarheit. Erstens: eine dynamische Grundlogik, die nicht jedes Jahr politisch neu verhandelt werden muss. Zweitens: flankierende Entlastungen, die tatsächlich Zeit zurückgeben, statt nur neue Prüfpfade zu eröffnen. Ohne diese Kombination bleibt der Verschiebebahnhof attraktiv, weil er kurzfristig ruhig aussieht, aber langfristig die Struktur ausdünnt.

Offen bleibt damit die zentrale Frage, die in der Gegenäußerung zwar umkreist, aber nicht beantwortet wird: Ab welchem Punkt ist die Stabilität der Versorgung ein ebenso hartes Finanzargument wie die Stabilität der Kassen? Solange diese Frage nicht entschieden ist, wird jede Vertagung als Vorsicht verkauft, aber als Risiko erlebt. Und Risiko, das systematisch verlagert wird, verschwindet nicht. Es sammelt sich dort, wo es am wenigsten sichtbar ist – bis es sichtbar wird.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Eine Vertagung klingt wie Ordnung, wirkt aber wie Umlenkung: Was politisch als Schonung der Kassen erscheint, wird im Betrieb zur täglichen Rechenaufgabe, weil Kosten nicht warten und Planbarkeit nicht vertagt werden kann, ohne dass Substanz, Personalbindung und Übergabefähigkeit leiser werden.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn die Politik die Grundvergütung parkt und Alternativen abräumt, entscheidet sie nicht nur über einen Betrag, sondern über die Stelle, an der Unsicherheit zu Hause ist, und sie verlagert sie dorthin, wo sie am meisten Schaden anrichtet: in die operative Realität, die Versorgung tragen muss, während sie zugleich enger gerechnet wird.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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