ApoRisk® auf Facebook ApoRisk® auf X
  • 10.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Beratung als Kernleistung, Abrechnungsbetrug, Versandkühlung.
    10.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Beratung als Kernleistung, Abrechnungsbetrug, Versandkühlung.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Der Tag bündelt Beratung als Kernleistung, Betrugs- und Haftungslogiken, Qualitätsnachweise beim Versand sowie politische und wissenscha...

Für Sie gelesen

Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Beratung als Kernleistung, Abrechnungsbetrug, Versandkühlung.

 

Damit stehen Qualität nicht als Schlagwort, sondern als Prüfspur im Mittelpunkt, während Infektionsdruck, Stoffwechselforschung und Finanzierungsvorschläge den Hintergrund verdichten.

Stand: Dienstag, 10. Februar 2026, um 16:13 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Acht Themen zeigen denselben Riss: Anspruch wird überall behauptet, aber erst im Nachweis wird er real. Wenn Beratung in der Offizin wieder Stärke sein soll, entscheidet nicht der gute Wille, sondern die Prozessfähigkeit unter Druck, weil sonst die erlebte Wirklichkeit die Kompetenz überdeckt. Der Prozess in Hannover wirkt wie ein Fremdkörper, ist aber ein Systemspiegel: Masse lässt sich abrechnen, solange Plausibilität nachläuft, und Kontrolle wird erst scharf, wenn Geldflüsse auffallen. Beim Versand kühlpflichtiger Arzneimittel prallt Komfort auf Belegpflicht, weil Wirksamkeit kippen kann, ohne dass Verpackung oder Inhalt etwas verraten. Gleichzeitig verschiebt die SPD mit Abgaben- und Pflichtversicherungsdebatten die Frage, ob Stabilität über mehr Einnahmen oder über Ausgabenordnung entsteht, während der Hinweis auf beitragsfremde Leistungen die Trennlinie neu zieht. In der Forschung zeigt Hexokinase, dass Umgebung Abhängigkeiten erzeugt, und damit wird aus einer alten Warburg-Frage eine präzisere Zielstruktur-Diskussion. Penicillium erinnert daran, dass Nutzen immer an Kontrolle hängt und Ambivalenz kein Makel ist, sondern Realität. Adipositas verstärkt Infektionsschwere messbar, und die Grippewelle macht sichtbar, wie schnell saisonale Normalität zur Versorgungsbelastung wird, wenn Risikobasen wachsen und Komplikationen nachlaufen.

 

Apotheken gewinnen Stärke zurück, Nicolas Klose fordert Prozessberatung, Kundenerlebnis entscheidet über Vertrauen.

Beratung ist kein Zusatz, sie ist die Währung der Vor-Ort-Apotheke. Am HV-Tisch wird eine Packung über den Scanner gezogen, der Blick wandert kurz zum Rezept, dann wieder zum nächsten Kunden. Und genau in dieser kleinen Bewegung entsteht die Lücke zwischen dem, was Apotheken sein wollen, und dem, was Menschen tatsächlich erleben.

Der Anspruch ist hoch, weil das Produkt hoch ist: Arzneimittel sind keine Ware, die sich selbst erklärt. Trotzdem wirkt Beratung im Alltag häufig wie ein Nebenprodukt des Betriebs, eingeklemmt zwischen Telefon, Lieferengpass und Kassenstau. Das ist nicht das Versagen einzelner Personen, sondern die Folge einer Logik, die Minute für Minute entscheidet, worauf Aufmerksamkeit fällt. Die Stärke der Apotheke verdunstet nicht, sie wird unsichtbar.

Unsichtbar wird sie, wenn Beratung nur noch als „gesprochener Hinweis“ existiert, nicht als spürbarer Prozess. Der Kunde merkt, ob eine Frage aus Routine kommt oder aus echter Abklärung; er merkt auch, ob die Apotheke einen Faden hält oder nur reagiert. In vielen Betrieben wird parallel an zu vielen Fronten gearbeitet: Rezept, Retaxrisiko, Verfügbarkeit, Kasse, Dokumentation. Sobald fünf Dinge gleichzeitig „gleich wichtig“ sind, wird das wichtigste leise.

Hier setzt die Perspektive eines Beraters wie Nicolas Klose an, ohne dass sie moralisch klingen muss: Beratung kehrt nicht zurück, indem man mehr spricht, sondern indem man die Voraussetzungen schafft, dass das Richtige überhaupt gesagt werden kann. Eine Apotheke kann in drei Minuten mehr Vertrauen erzeugen als in zehn Minuten Floskeln. Entscheidend ist, ob der Ablauf so gebaut ist, dass die beratungsrelevante Information rechtzeitig auftaucht und nicht erst, wenn der Kunde schon mit dem Bon in der Hand abdreht.

Das ist eine betriebliche Frage, keine Rhetorikfrage. Wenn der Betrieb Beratung wirklich als Kernleistung betrachtet, wird sichtbar, wo sie im Prozess „verhungert“: an unklaren Rollen, an ständigem Unterbrechen, an fehlender Vorbereitung, an einem HV, der alles gleichzeitig sein soll. Der Konflikt ist hart, weil er wirtschaftlich ist: Jede Unterbrechung kostet Zeit, jede Zeit kostet Personal, jedes Personal kostet Geld, und doch kostet die fehlende Beratung langfristig mehr. Die Apotheke verliert Differenzierung nicht in einem Knall, sondern in tausend kleinen Abkürzungen.

Die zweite Ebene liegt in der Erwartung der Menschen selbst. Viele Kunden kommen mit einem Online-Vorbild im Kopf: schnell, bequem, ohne Gespräch. Sie sind nicht „beratungsfeindlich“, sie sind umstellungsgewohnt. Wenn Beratung dann nur als Pflichtsatz auftaucht, wirkt sie wie ein Hindernis im Weg zum schnellen Abschluss. Beratung, die als Stärke wahrgenommen werden soll, muss daher in Form und Timing passen: nicht als Verzögerung, sondern als erkennbare Klärung, die dem Kunden etwas abnimmt.

Darin steckt auch der Gegenhorizont: Es gibt Apotheken, die beraten gut, aber der Markt misst es nicht mehr so wie früher. Plattformlogik belohnt Preis, Lieferzeit und Klickkomfort; das verschiebt Wahrnehmung, selbst wenn die Qualität im Raum hoch bleibt. Nur: Genau deshalb wird Beratung zur strategischen Waffe, nicht zur nostalgischen Tugend. Wenn sie nicht als Erlebnis ankommt, ist sie betriebswirtschaftlich nicht vorhanden.

Der entscheidende Moment ist selten der lange Satz, sondern der richtige Zeitpunkt. Beratung wird zur Stärke, wenn sie nicht als Zusatz erscheint, sondern als sichtbare Ordnung im Ablauf – auch dann, wenn es eng wird. Viele Betriebe spüren das, aber sie lösen es noch nicht systematisch, weil Alltag immer zuerst gewinnt. Genau deshalb bleibt das Thema nicht „mehr Beratung“, sondern die Frage, welche Prozesse Beratung überhaupt wieder zulassen.

 

Das Amtsgericht Hannover verhandelt Testbetrug, 161000 Abrechnungen stehen im Raum, Geldwäschehinweis löste Ermittlungen aus.

Am Dienstag sitzt in Hannover ein 27-Jähriger auf der Anklagebank, und plötzlich wirkt eine Zahl wie ein eigener Tatort: 161.000 Corona-Tests. Nicht als Statistik, sondern als behauptete Leistung, die sich in Abrechnungszeilen übersetzt. Wer diesen Prozess liest, versteht schnell, warum Betrug selten am großen Trick hängt, sondern am geduldigen Wiederholen.

Der Vorwurf ist klar umrissen: Zwischen März und Dezember 2022 soll der Mann für einen Standort in Hannover-Anderten eine stark überhöhte Testanzahl bei der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben. Der Schaden wird mit rund 1,64 Millionen Euro beziffert. Der Stoff ist dabei so nüchtern wie die Formulare, und gerade das macht ihn gefährlich: Ein System, das Masse kann, kann auch Masse verlieren.

Auffällig ist der Einstieg der Ermittlungen über eine Geldwäscheverdachtsmeldung. In der Logik solcher Meldungen steckt eine stille Wahrheit: Die Abrechnung wird oft nicht am Ursprung gestoppt, sondern am Abfluss erkannt. Erst wenn Geld in Luxusgüter, Autovermietung oder Hotels wandert, entsteht der Anlass, genauer hinzusehen. Kontrolle kommt dann nicht als Schutzschirm, sondern als Rückspiegel.

In der Gerichtsmitteilung steht auch die Prozessmechanik: elf Zeugen sind geladen, ein Fortsetzungstermin ist vorsorglich für den 17. Februar angesetzt. Das wirkt wie Routine, zeigt aber, wie aufwendig Rückwärtsaufklärung ist, wenn eine Leistungswelt schon in Zahlen gegossen wurde. Jede einzelne Behauptung muss wieder an Ort, Zeit, Ablauf und Dokumentation zurückgebunden werden, obwohl das eigentliche Geschäft längst vorbei ist.

Der Fall erzählt damit mehr als eine individuelle Geschichte. Er legt offen, wie eine Pandemie-Infrastruktur aus Geschwindigkeit geboren wurde und deshalb Kontrolllücken erbt. Als Testen politisch gewollt war, mussten Strukturen schnell verfügbar sein; in diesem Tempo entsteht ein Raum, in dem Plausibilitäten nicht Schritt halten. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung, warum „zu viel“ so lange mitlaufen kann, bis es sich im Kontostand verrät.

Dann kommt die juristische Schärfe: In Betrugsfällen droht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen sechs Monate bis zu zehn Jahre. Besonders schwer ist der Fall nach der gängigen Beschreibung etwa bei gewerbsmäßigem Handeln, bandenmäßiger Begehung oder Vermögensverlust großen Ausmaßes. Auch diese Strafrahmen sind Teil der Systembotschaft: Der Staat muss zeigen, dass sich Masse nicht als Geschäftsmodell lohnt.

Die zweite Erzählung beginnt dort, wo der Blick normalerweise endet: bei den Folgekosten für alle, die korrekt arbeiten. Jeder große Betrugsfall verschiebt das Gleichgewicht, weil nachträglich meist nicht nur der Täter gesucht wird, sondern die Regel verschärft wird. Mehr Nachweise, mehr Prüfpfade, mehr Dokumentationslast – und am Ende trägt das die ehrliche Mehrheit mit, während der eigentliche Schaden schon entstanden ist.

Und es bleibt eine unbequeme Frage stehen, die der Prozess nicht allein beantworten kann. Wenn Kontrolle erst anspringt, wenn Geld auffällig wird, dann ist das System nicht blind, aber spät. Die Akte aus Hannover zeigt, wie leicht eine Struktur, die auf Vertrauen und Tempo gebaut ist, in ein Abrechnungsrad kippen kann, das nur noch Mengen kennt.

 

Kammerpräsident Scholz widerspricht Redcare, Temperaturabweichungen bleiben unsichtbar, Versandkühlung wird zur Belegpflicht.

Der Karton wirkt harmlos, wenn er ankommt. Pappe, Füllmaterial, ein Kühlakku vielleicht, außen ein Etikett, innen ein Arzneimittel, das im Kühlschrank wohnen sollte. Genau diese Normalität ist der eigentliche Streitpunkt, weil sie den Eindruck erzeugt, die Sache sei erledigt, sobald nichts ausgelaufen ist und nichts zerbrochen aussieht.

In der Debatte treffen gerade zwei Sprechweisen frontal aufeinander. Der Redcare-CEO Olaf Heinrich nennt Temperaturkontrollen beim Versand ein „Non-Thema“, die Frage sei gelöst. Bremens Kammerpräsident Klaus Scholz hält dagegen: Dass ein Schaden nicht sichtbar ist, beweist nicht, dass keiner entstanden ist, und bei Arzneimitteln ist Unsichtbarkeit kein Komfortmerkmal, sondern ein Risiko.

Das Argument ist im Kern chemisch, nicht politisch. Viele Wirkstoffe und Zubereitungen verändern sich nicht wie ein angebrochener Joghurt, der riecht, oder wie ein Glas, das springt. Verpackung und Produkt können völlig unauffällig bleiben, während sich Wirksamkeit, Stabilität oder physikalische Eigenschaften langsam verschieben. Es ist das unangenehme Prinzip der „stillen Abweichung“: Man sieht nichts, aber die Dosis im Alltag stimmt nicht mehr so, wie sie soll.

Genau deshalb macht die Industrie Stabilitätstests und definiert Lagerbedingungen, Verfalldaten und Temperaturfenster. Diese Vorgaben sind kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis von Grenzverläufen, die man im Labor nachstellt, damit die Therapie im Wohnzimmer nicht vom Zufall abhängt. Wenn Scholz darauf verweist, ist das weniger ein Appell als eine Erinnerung daran, worauf die Temperaturpflicht überhaupt beruht.

Die Praxis des Versands bringt dabei eine zweite Realität ins Spiel: Zeit und Strecke. Messungen und Erfahrungswerte nennen Zustellzeiten von ein bis fünf Tagen, und damit nicht nur die Fahrt, sondern auch Liegezeiten in Zustellfahrzeugen, Depots und Umschlaglagern. Dort wirken Wetter und Saison nicht als Kulisse, sondern als physikalische Kraft, die über Stunden oder Tage auf das Paket einwirkt, mal als Hitze, mal als Frost.

Die Liste der Beispiele, die Scholz nennt, ist deshalb so lang, weil das Risiko nicht auf ein einzelnes Präparat reduziert werden kann. Erythropoetin wird als Beispiel für veränderte Temperaturvorgaben nach beobachteten Problemen erwähnt, Insulin als Klassiker für Wirksamkeitsverlust bei Wärme und Totalausfall bei Gefrieren, Impfstoffe als Kategorie, bei der eine unterbrochene Kühlkette die Schutzwirkung unklar machen kann. Dazu kommen Formen wie Salben, Gele oder Zäpfchen, die nicht „giftig“ werden müssen, aber physikalisch zerfallen können, und damit in der Anwendung etwas anderes tun als geplant.

Das klingt schnell nach Grundsatzdebatte, ist aber am Ende eine Frage der Belegfähigkeit. Wenn der Versand sagt „gelöst“, meint er meist Prozesskontrolle, Verpackungskonzepte und Routine. Wenn die Kammer sagt „nicht sichtbar“, meint sie den Nachweis: Wo ist die dokumentierte Temperaturführung, die im Zweifel zeigt, dass die Vorgabe eingehalten wurde, nicht nur wahrscheinlich, sondern belegbar. Genau hier kippt die Diskussion von Technik in Haftung, weil Patientensicherheit in der Praxis immer auch Beweislast bedeutet.

Und damit sind wir wieder bei dem Karton, der so normal auf dem Tisch liegt. Für den Empfänger zählt nicht, wie die Branche den Streit rahmt, sondern ob das Arzneimittel die Qualität hat, die auf dem Etikett versprochen wird, und ob im Zweifel jemand das Gegenteil widerlegen kann. Solange dieser Nachweis nicht als Standard gedacht wird, bleibt die Behauptung „Non-Thema“ ein Satz, der nur funktioniert, wenn man die Unsichtbarkeit der Abweichung mit der Abwesenheit des Problems verwechselt.

 

Die SPD will neue Kassenabgaben, die GKV warnt vor Ausgabentrend, Warken verweist auf Bundeshaushaltspflichten.

Ein Vorschlag genügt, und das System reagiert allergisch. Die SPD bringt neue Finanzierungsquellen für Kranken- und Pflegekassen ins Spiel, und schon verschiebt sich der Ton von nüchtern zu grundsätzlich. Es geht um Beiträge, aber eigentlich geht es um Ordnung: Wer trägt was, und wofür genau.

Der Kern der SPD-Idee ist schnell beschrieben. Arbeitseinkommen tragen heute den Hauptteil der Last, während Kapital- und Mieteinkünfte außen vor bleiben. Diese Schieflage, so die Argumentation, belaste Beschäftigte und hemme soziale Gerechtigkeit. Wer breiter verteilt, könne das System stabilisieren und im besten Fall sogar Beiträge senken. Es ist ein klassischer Verteilungsgedanke, neu verpackt, politisch erwartbar.

Die Gegenreaktion fällt ebenso routiniert aus. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung warnt davor, reflexhaft die Einnahmeseite zu erhöhen. Mehr als eine Milliarde Euro pro Tag stünden dem System bereits zur Verfügung, sagt der Verband, entscheidend sei die Ausgabendynamik. Dahinter steckt die Sorge, dass neue Einnahmen alte Strukturen konservieren, statt sie zu verändern. Geld, so die Botschaft, löst kein Steuerungsproblem.

In der Union wird der Vorschlag als falsches Signal gelesen. Carsten Linnemann spricht offen aus, dass er davon wenig hält, verweist auf Eigentumsbildung und die soziale Marktwirtschaft. Neue Abgaben auf Kapital oder Miete träfen am Ende auch Menschen mit mittleren Einkommen und geringen Rücklagen. Der Vorwurf lautet: Man öffnet die Kasse, ohne vorher zu klären, was darin eigentlich finanziert werden soll.

Parallel taucht ein zweites Fass auf, das größer ist als die Beitragsdebatte selbst. Die SPD will die Rentenversicherungspflicht auf Beamte, Selbstständige und Mandatsträger ausweiten. Damit rührt sie an ein vollständig eigenständiges Versorgungssystem, das bisher getrennt läuft. Die Beamtenversorgung kennt keine betriebliche Zusatzlogik, sie ist anders gebaut, anders finanziert, anders legitimiert. Genau deshalb wirkt der Vorschlag wie ein Strukturtest, nicht wie eine Detailkorrektur.

Interessant ist, wie schnell die Diskussion zwischen Fronten und Brücken wechselt. Während Fachpolitiker scharf formulieren, bleiben die Generalsekretäre im Ton versöhnlich. SPD dürfe „SPD pur“ vorschlagen, CDU mache das auch. Zwischen den Zeilen steht der Hinweis auf den politischen Kalender: Landtagswahlen, Parteitage, Zeitfenster für Reformen. Die Debatte läuft nicht im luftleeren Raum, sondern im Takt des Wahljahres.

Eine weitere Achse bringt Gesundheitsministerin Nina Warken ins Spiel. Sie lenkt den Blick auf beitragsfremde Leistungen, etwa die Finanzierung der Krankenversicherung von Bürgergeldbeziehenden. Diese Kosten, so die Argumentation, sollten aus dem Bundeshaushalt kommen, nicht aus Beiträgen. Das verschiebt die Frage: Nicht wer mehr zahlt, sondern was überhaupt beitragsfinanziert sein darf.

Damit wird deutlich, warum die Debatte so schnell verhakt. Sie vermischt drei Ebenen: Verteilungsgerechtigkeit, Ausgabensteuerung und Systemarchitektur. Wer nur an einer Schraube dreht, löst an der nächsten Spannungen aus. Neue Einnahmen ohne Ausgabenreform wirken wie ein Blankoscheck, Ausgabenbremsen ohne Finanzierungsdebatte wie Realitätsverweigerung.

Am Ende steht kein fertiges Konzept, sondern ein offenes Spannungsfeld. Die Vorschläge markieren Positionen, keine Lösungen, und sie legen offen, wie empfindlich das Gleichgewicht zwischen Beitrag, Leistung und Verantwortung geworden ist. Solange diese Ebenen nicht sauber getrennt werden, bleibt die Frage nicht, ob das System mehr Geld braucht, sondern welches System mit diesem Geld eigentlich stabilisiert werden soll.

 

Forscher um Jason Cantor erklären Warburg neu, Hexokinase 2 wird abhängig vom Medium, Target-Hoffnung trifft Kompensationsrisiko.

Es klingt wie ein Paradox aus dem Lehrbuch, und es ist seit fast hundert Jahren nicht wirklich verschwunden. Krebszellen vergären Glucose zu Lactat, obwohl Sauerstoff da ist, obwohl die Mitochondrien den effizienteren Weg anbieten würden. Otto Warburg hat diese Beobachtung in die Welt gestellt, und seither steht sie wie eine offene Tür im Flur der Biochemie: Man geht ständig daran vorbei, aber niemand kann sagen, warum sie dort offen bleibt.

Der Streit ist deshalb so hartnäckig, weil er nie nur um Energie ging. Wenn man Krebsstoffwechsel auf „zu wenig ATP“ reduziert, wirkt die aerobe Glykolyse wie Verschwendung. In Wahrheit ist sie oft ein Umlenken: Kohlenstoffflüsse werden so geführt, dass Zellen nicht nur überleben, sondern wachsen und sich teilen können. Wachstum ist kein Stromzähler, es ist ein Bauplan aus vielen Zwischenprodukten, und dieser Bauplan verlangt Geschwindigkeit und Verfügbarkeit an bestimmten Stellen, nicht nur Gesamtleistung am Ende.

Genau hier setzt die neue Arbeit an, die die Aufmerksamkeit auf Hexokinase lenkt. Hexokinase katalysiert den ersten Schritt des Glucose-Metabolismus, Glucose wird zu Glucose-6-Phosphat, und dieser Schritt ist mehr als ein Startschuss. Er ist ein Schalter, der bestimmt, wie viel Glucose überhaupt in den Stoffwechsel „eingebucht“ wird und in welchem Raum der Zelle das geschieht. Es gibt mehrere Isoformen, vor allem Hexokinase 1 und 2, und viele Krebszellen tragen beide.

Die Forscher beobachten nun etwas, das so banal klingt, dass es lange unterschätzt wurde: Das Medium entscheidet. In normalem Standard-Zellkulturmedium sind beide Formen in einem Maß entbehrlich, das den Eindruck erweckt, die Zelle sei flexibel. In einem „human plasma like medium“, das menschlichem Blutplasma nachempfunden ist und viele Metabolite enthält, die Standardmedium nicht kennt, kippt die Lage. Krebszellen ohne Hexokinase 2 stellen ihr Wachstum ein. Plötzlich ist eine Isoform nicht mehr „nice to have“, sondern funktionell kritisch.

Der Mechanismus dahinter ist eine Frage der Lokalisation. Unter den HPLM-Bedingungen lagert sich Hexokinase 1 stärker an die Membran der Mitochondrien an, die zytosolische Hexokinase-Aktivität sinkt. Das klingt nach Detail, ist aber der Drehpunkt: Proliferierende Zellen brauchen eine hohe zytosolische Aktivität, weil dort die Flüsse in Richtung Biosynthese und fermentative Wege organisiert werden. Wenn HK1 in den „falschen Raum“ wandert, entsteht eine Lücke, die HK2 offenbar schließen muss.

Damit verschiebt sich auch die klassische Frage, wozu der Warburg-Effekt gut sein soll. Die Arbeit legt nahe, dass nicht die Gesamtmenge an ATP das entscheidende Signal ist, sondern dessen räumliche Verteilung und die Kopplung an Prozesse, die lokal Energie und Zwischenprodukte brauchen. In nicht proliferierenden Zellen kann Pyruvat überwiegend oxidativ verwertet werden, in proliferierenden Zellen wird die Glucose stärker in die Richtung gelenkt, die schnelle Bausteine liefert. Der vermeintlich ineffiziente Weg ist dann kein Fehler, sondern eine Prioritätensetzung.

Aus dieser Perspektive wird Hexokinase 2 als Zielstruktur interessant. Wenn HK2 in einem physiologischeren Nährmilieu essenziell wird, dann könnte sie in vivo ein verwundbarer Punkt sein, zumindest in bestimmten Tumorkontexten. Das ist die Art von mechanistischem Hebel, die Onkologen lieben: ein klarer Engpass, der nicht nur korreliert, sondern trägt. Aber genau dort beginnt die zweite Erzählung, die oft zu schnell weggelassen wird.

Denn ein Target ist nicht automatisch eine Therapie. Hexokinase sitzt am Eingang eines zentralen Stoffwechselwegs, und Eingänge sind riskant, weil der Körper selbst sie braucht. Tumoren sind zudem Meister der Umleitung: Wenn ein Weg blockiert wird, werden andere verstärkt, oder Zellen verändern ihr Nährstoffangebot, ihre Mikroumgebung, ihre Transporter. Was im Modell unter HPLM-Bedingungen zwingend erscheint, kann im lebenden Organismus durch Kompensation, Heterogenität oder Gewebeunterschiede anders aussehen.

Trotzdem ist der Erkenntnisgewinn nicht klein. Die Arbeit zeigt, wie sehr wir in der Zellkultur an eine Welt gewöhnt sind, die die Biologie glattzieht, weil sie einfach zu handhaben ist. Sobald man Bedingungen näher an Blutplasma rückt, ändern sich Abhängigkeiten, und plötzlich wird aus einer theoretischen Debatte ein konkreter Angriffspunkt. Und genau diese Verschiebung zwingt die Forschung, den Warburg-Effekt nicht als Mythos zu behandeln, sondern als Frage, die sich je nach Umgebung neu beantwortet.

 

Penicillium wird Mikrobe 2026, Lebensmittel nutzen kontrollierten Schimmel, Antibiotika-Erbe verlangt klare Trennlinien.

Schimmel ist im Alltag meist das Signal, dass etwas weg muss. Eine Ecke Brot, die zu pelzig wird, eine Orange, die weich nachgibt, der Rand im Marmeladenglas. Und genau deshalb wirkt es erst einmal wie ein kleiner Kulturbruch, wenn eine Schimmelgattung zur „Mikrobe des Jahres 2026“ gekürt wird. Penicillium soll gefeiert werden, nicht gefürchtet, und schon ist man mitten in einem Thema, das immer zwei Gesichter trägt.

Penicillium ist kein einzelnes Wesen, sondern eine große Gattung mit rund 350 Arten. Wer das vergisst, rutscht schnell in falsche Vereinfachungen. Nicht jeder Pinselschimmel ist ein Held, und nicht jeder Schimmel ist automatisch gefährlich. Biologie ist selten schwarz-weiß, sie ist ein Spektrum aus Stoffwechselwegen, Metaboliten und Bedingungen, unter denen etwas nützt oder schadet.

Das berühmteste Kapitel ist die Medizin. Penicilline stehen als Symbol für den Moment, in dem aus einem Zufallsbefund ein Wirkprinzip wurde, das Millionen Leben verändert hat. Dieser Mythos ist so stark, dass er oft die zweite Realität überblendet: Antibiotika sind nicht nur Erfolgsgeschichte, sie sind auch Anlass für Resistenzen, für falsche Erwartungen und für den dauernden Wettlauf zwischen Erreger und Therapie. Penicillium gehört damit nicht nur in die Historie, sondern in die Gegenwart einer Medizin, die ihre eigenen Werkzeuge schützen muss.

Die andere Seite ist die Küche, und sie ist mindestens so wirkmächtig wie die Apotheke, wenn es um Wahrnehmung geht. Schimmelpilze sind nicht nur der Feind des Kühlschranks, sie sind auch Handwerker des Geschmacks. In bestimmten Käsesorten sind sie nicht Unfall, sondern Rezept, und dort zeigt sich, wie präzise der Unterschied zwischen „kontrolliert“ und „unkontrolliert“ ist. Dass etwas schimmelt, sagt weniger über „gut“ oder „schlecht“ als über Kontext, Art und Steuerung.

Genau diese Steuerung ist der eigentliche Wert einer Auszeichnung wie „Mikrobe des Jahres“. Sie zwingt dazu, über Mikroorganismen nicht in Ekelkategorien zu sprechen, sondern in Funktionskategorien. Was produziert der Organismus, unter welchen Bedingungen, mit welchen Nebenprodukten, mit welchem Risiko. Bei Penicillium führt das in die Welt der sekundären Metabolite, der Enzyme, der industriellen Nutzung – und in die banal wirkende, aber zentrale Erkenntnis, dass Nutzen fast immer an Kontrolle hängt.

Hier beginnt die zweite Erzählung, die im Alltag oft verloren geht: Schimmel im Haushalt ist nicht automatisch das gleiche wie Schimmel in der Biotechnologie. Wer in der Küche eine verschimmelte Marmelade „großzügig wegkratzt“, handelt mit einem Gefühl von Sicherheit, das biologisch nicht zwingend gedeckt ist. Und wer umgekehrt alles, was Schimmel heißt, pauschal als Gefahr etikettiert, verpasst zu verstehen, wie viele unserer Werkzeuge aus genau solchen Organismen stammen. Penicillium ist ein Beispiel dafür, wie nah Nutzen und Risiko beieinander liegen, wenn man nur das Wort, aber nicht die Art kennt.

Dass eine Universität oder ein wissenschaftliches Umfeld so eine Gattung in den Vordergrund stellt, ist deshalb weniger Folklore als Lehrstück. Es geht um Wissenschaftskompetenz in einem Feld, das in der öffentlichen Wahrnehmung ständig zwischen Naturromantik und Panik schwankt. Mikroben sind nicht „gut“ oder „böse“, sie sind Systeme mit Eigenschaften, und die Frage ist, wer diese Eigenschaften erkennt und beherrscht.

Und damit wird Penicillium plötzlich ein sehr gegenwärtiges Thema. In einer Zeit, in der Ernährungstrends, Antibiotika-Debatten und Gesundheitsängste oft lauter sind als Wissen, ist es fast provokant, ausgerechnet einen Schimmelpilz als Mikrobe des Jahres zu wählen. Provokant, weil es den Reflex stört, und nützlich, weil es zeigt, dass der entscheidende Unterschied nicht im Anblick liegt, sondern in der Kontrolle über Bedingungen, Stoffe und Folgen.

 

Eine Lancet-Analyse misst Infektionsrisiken, BMI 40 verdreifacht schwere Verläufe, Systemlast wächst trotz Korrekturen.

Ein Infekt beginnt oft banal. Ein Kratzen im Hals, ein paar Tage Fieber, Husten, Ruhe. Aber die gleichen Erreger schreiben nicht bei allen die gleiche Geschichte, und manchmal hängt der Unterschied nicht an der Virenvariante, sondern an der Körperlage, in der das Immunsystem arbeiten muss. Genau dort setzt die neue Analyse an, die Übergewicht nicht als Randfaktor behandelt, sondern als Verstärker für schwere Verläufe.

Die Datenbasis ist groß genug, um den Reflex „Einzelfall“ auszuschalten: Gesundheitsdaten von mehr als 540.000 Patientinnen und Patienten aus Großbritannien und Finnland wurden ausgewertet. Das Ergebnis ist abgestuft, nicht dramatisierend, und gerade deshalb überzeugend. Leichtes Übergewicht lässt das Risiko für schwere Infektionsverläufe nur moderat steigen, in der Größenordnung von zehn bis gut dreizehn Prozent, je nach Land. Mit Adipositas wird daraus ein anderer Maßstab.

Bei Adipositas der Kategorie 1, also einem BMI von 30 bis 34,9, liegt das Risiko bereits deutlich höher als bei Normalgewichtigen, in der Größenordnung um die Hälfte. Und bei Adipositas der Kategorie 3, BMI ab 40, wird aus dem Trend ein Sprung: etwa 2,69-fach höher in Finnland und 3,07-fach höher in Großbritannien. Solche Zahlen sind nicht mehr „Lifestyle“, sie sind Risikomedizin.

Der Ausgangspunkt der Arbeit ist zugleich ein Erinnerungsstück. Während der Covid-19-Pandemie war der Zusammenhang zwischen Übergewicht und schweren Verläufen in vielen Studien sichtbar, aber er blieb für viele im Modus „Pandemie-Sonderfall“. Die neue Analyse fragt: Gilt das auch jenseits von Covid, also bei Infektionen insgesamt, mit Krankenhausaufenthalt oder Tod als harte Endpunkte. Die Antwort fällt eindeutig aus: Ja, der Zusammenhang bleibt.

Wichtig ist, was die Studie nicht behauptet. Sie liefert keine vollständige Kausalkette, sie zeigt Assoziationen, die robust bleiben, selbst wenn Faktoren wie Alter, Geschlecht oder sozioökonomischer Status berücksichtigt werden. Das ist eine Stärke und eine Grenze zugleich. Stärke, weil der Effekt nicht einfach durch „andere Umstände“ weg erklärt werden kann. Grenze, weil die konkrete Mechanik im Körper nicht aus Registerdaten herausoperiert werden kann.

Die plausible Mechanik liegt dennoch auf dem Tisch, weil sie in vielen Teilbefunden zusammenpasst. Adipositas geht häufig mit chronischer niedriggradiger Entzündung einher, mit Insulinresistenz, Hyperglykämie und einem Stoffwechselmilieu, das Immunantworten verändert. Man kann es nüchtern so sagen: Der Körper hat weniger Reserve, wenn er schon im Grundzustand mehr arbeiten muss. Und ein Erreger nutzt jede Schwäche nicht moralisch, sondern biologisch.

Spannend wird es dort, wo die Forscher den Blick von der individuellen Ebene auf die Systemebene drehen. Sie übertragen die Ergebnisse auf Daten der „Global Burden of Disease“-Studie und errechnen so, wie groß der Anteil adipositasassoziierter Infektionssterblichkeit in Ländern und Regionen ist. Für Deutschland wird für 2023 ein Anteil von 14,7 Prozent der infektionsbezogenen Todesfälle genannt, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen sollen. Das liegt unter den USA, aber deutlich über Ländern wie China oder Indien. Zahlen dieser Art sind keine endgültigen Urteile, aber sie markieren eine Systemlast, die sich nicht in Arztgesprächen allein auflösen lässt.

Hier beginnt die zweite Erzählung, die in der Debatte oft zu kurz kommt. Wenn Adipositas schwere Infektionen wahrscheinlicher macht, steigt der Druck auf Kliniken, auf Intensivkapazitäten, auf Prävention und auf die Planung von Impfstrategien. Das ist nicht die alte, moralische Erzählung vom „selbst schuld“, sondern eine nüchterne Versorgungslogik: Mehr Hochrisiko bedeutet mehr Komplikation, mehr Dauer, mehr Kosten. Gesundheitspolitik, die Infektionen ernst nimmt, kann Gewicht nicht als Nebenthema behandeln.

Gleichzeitig bleibt Raum für Gegenhorizonte. Beobachtungsdaten können Restkonfounding nicht vollständig ausschließen, und nicht jede Infektion reagiert gleich. Auch ist BMI ein grober Marker, der Körperzusammensetzung, Fitness, Begleiterkrankungen und Medikamente nur unvollkommen abbildet. Aber selbst mit diesen Einschränkungen bleibt die Botschaft der Zahlen stabil: Mit wachsender Adipositas steigt nicht nur die Häufigkeit chronischer Erkrankungen, sondern auch die Härte akuter Infektionen.

Und genau diese Härte ist der Punkt, an dem das Thema wieder in den Alltag zurückfällt. Ein Land kann sich an volle Wartezimmer gewöhnen, es kann sich an saisonale Wellen gewöhnen. Was es nicht ohne Preis kann, ist sich an eine wachsende Risikobasis zu gewöhnen, die aus einem gewöhnlichen Infekt schneller einen schweren Verlauf macht.

 

Das RKI meldet starke Influenza-Aktivität, Millionen Atemwegsfälle füllen Praxen, Impfen bleibt im Spätfenster sinnvoll.

Es beginnt mit dem Satz, den man im Wartezimmer inzwischen zu oft hört: „Alle sind krank.“ Kinder fehlen in der Schule, Kolleginnen fallen aus, in der Praxis stehen Menschen dicht an dicht, und die Stimmung kippt von Gelassenheit in Erschöpfung. Eine Grippewelle ist kein abstrakter Bericht, sie ist ein logistisches Problem, das sich über Tage in den Alltag schiebt.

Die aktuellen RKI-Zahlen zeichnen genau dieses Bild, ohne es zu dramatisieren. Für die Woche vom 26. Januar bis 1. Februar wird die Inzidenz akuter Atemwegserkrankungen auf rund 8.800 pro 100.000 Einwohner geschätzt. Hochgerechnet entspricht das etwa 7,4 Millionen Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen, unabhängig davon, ob sie einen Arzt aufsuchen. Dazu kommen rund 1,6 Millionen Arztbesuche mit dieser Indikation. Das ist hoch, aber für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich, und genau diese Kombination ist tückisch: „üblich“ heißt nicht „leicht“.

Im Laborbild dominieren Influenza-A-Viren, und die Zahl der gemeldeten, laborbestätigten Fälle hat seit Saisonbeginn eine Größenordnung erreicht, die man nicht wegdiskutieren kann. Insgesamt wurden seit Anfang Oktober 149.955 Fälle registriert, allein zuletzt stieg die Zahl um 24.513. Jeder vierte Fall mit Labornachweis musste im Krankenhaus behandelt werden. In dieser Saison sind bislang 717 Todesfälle mit Grippebezug erfasst, und 96 Prozent davon betreffen Menschen ab 60 Jahren. Das Muster ist bekannt, aber es bleibt jedes Jahr brutal konkret.

Parallel steigen RSV-Fälle, während Covid-19 in der Schätzung niedrig bleibt. Das klingt nach Entwarnung, ist aber eher eine Verschiebung der Last. In Kliniken tauchen weiterhin Covid-Fälle auf, oft bei Menschen mit Vorerkrankungen, aber die dominierende Welle läuft derzeit über Influenza und die klassischen Atemwegserreger. Für die Krankenhäuser wird das sichtbar in den Diagnosen: Vier von zehn neu aufgenommenen Patienten hatten eine Influenza-Diagnose, bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren gab es zuletzt einen leichten Anstieg bei den Einweisungen.

In dieser Lage wirkt der Satz eines Infektiologen wie eine kleine Provokation: „Es macht immer noch Sinn, sich impfen zu lassen, auch wenn gerade Saison ist.“ Der Punkt ist nicht, dass eine Impfung einen perfekten Schild baut. Der Punkt ist die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe. Die Impfung reduziert deutlich das Risiko, wegen Influenza auf die Intensivstation zu kommen oder Folgeereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Gerade bei vulnerablen Gruppen entscheidet sich die Saison nicht am ersten Husten, sondern an dem, was der Infekt im Körper anstößt.

Hier beginnt die zweite Erzählung, die im Alltag oft untergeht. Influenza ist nicht nur ein Virus, sie ist ein Trigger. Menschen, die wegen Grippe im Krankenhaus behandelt werden, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse, und wer bereits einen Herzinfarkt hatte, ist in einer anderen Gefahrenklasse als jemand, der „nur“ Fieber bekommt. Dass sich diese Risiken in der Wahrnehmung kaum abbilden, liegt auch daran, dass der Zusammenhang zeitlich versetzt ist: Erst kommt die Grippe, dann kommt das Ereignis.

Die Empfehlungen zielen deshalb nicht auf „alle, immer“, sondern auf klare Risikogruppen: Menschen ab 60, Schwangere, medizinisches Personal, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Menschen mit Vorerkrankungen, in bestimmten Konstellationen auch Kinder. Das ist keine moralische Setzung, sondern Risikorechnung. Die Frage ist nicht, ob man sich „stark“ fühlt, sondern ob der Körper im Ernstfall Reserven hat, die man vorher nicht merkt.

Und doch bleibt die Lage ambivalent, weil das System gleichzeitig entlasten und aushalten muss. Praxen brauchen Triage, Kliniken brauchen Betten, Personal braucht Schutz, und die Kommunikation muss ehrlich bleiben: Die Impfung schützt nicht hundertprozentig, aber sie verschiebt Wahrscheinlichkeiten so, dass aus einem saisonalen Hoch weniger Intensivfälle und weniger Komplikationen werden. In einer Welle, die „üblich“ sein kann und dennoch Millionen trifft, ist genau diese Verschiebung oft der Unterschied zwischen belastet und überlastet.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Heute steht nicht das Ereignis im Vordergrund, sondern die Kette dahinter: Beratung, die wieder spürbar sein will, Abrechnungen, die nur so ehrlich sind wie ihre Plausibilität, Versandwege, die Qualität behaupten, obwohl Abweichungen unsichtbar bleiben, Kassenideen, die nach Gerechtigkeit klingen und sofort nach Ausgabenordnung riechen, Forschung, die zeigt, wie Umgebung Abhängigkeit baut, und Winterdruck, der aus Statistik wieder Wartezimmer macht – alles zieht gleichzeitig, und genau deshalb wirkt das Ganze wie ein einziger Test darauf, ob Nachweis, Verantwortung und Alltag noch zusammenfinden.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Systeme nicht mehr daran gemessen werden, was sie versprechen, sondern daran, was sie belegen, kippt das Gewicht von Worten zu Spuren: Beratung verliert gegen Taktung, Kühlkette gegen Bequemlichkeit, Finanzierung gegen Gewohnheit, Prävention gegen Müdigkeit – und dann entsteht Vertrauen nicht durch gute Absicht, sondern nur noch dadurch, dass an jeder Stelle der Kette das Unsichtbare mitgedacht wird, bevor es als Schaden sichtbar wird.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute verdichtet sich alles auf dieselbe Prüfspur: Ob Beratung, Kühlkette, Abrechnung, Finanzierung und Prävention im Alltag belegbar tragen, bevor aus Unsichtbarkeit ein Schaden wird.

 

Zurück zur Übersicht

  • Pharmarisk® OMNI: Die Allrisk-Police zu Fixprämien
    Pharmarisk® OMNI: Die Allrisk-Police zu Fixprämien
    Allgefahrenschutz online berechnen und beantragen

Wir kennen Ihr Geschäft, und das garantiert Ihnen eine individuelle und kompetente Beratung.

Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.

Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.

  • Die PharmaRisk® FLEX
    Die PharmaRisk® FLEX
    Eine flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
Nutzen Sie unsere Erfahrung und rufen Sie uns an

Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.

Mit der ApoRisk® FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.

  • Die PharmaRisk® CYBER
    Die PharmaRisk® CYBER
    Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken