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  • 08.02.2026 – Apothekenversorgungsgesetz entlasten, Zusatzaufgaben begrenzen, Haftungsrisiko in der Fläche klären.
    08.02.2026 – Apothekenversorgungsgesetz entlasten, Zusatzaufgaben begrenzen, Haftungsrisiko in der Fläche klären.
    APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag | Im Bundestag wird die Weiterentwicklung der Apothekenversorgung beraten. Der Kommentar ordnet ein, wann Bürokratieabbau wir...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag

Apothekenversorgungsgesetz entlasten, Zusatzaufgaben begrenzen, Haftungsrisiko in der Fläche klären.

 

Ausgabe Nr. 14 | Der Systemblick des Vortags zeigt, wie ein Entlastungsversprechen zur neuen Pflichtlast werden kann.

Stand: Sonntag, 08. Februar 2026, um 17:36 Uhr

Apotheken-News: Kommentar zum Vortag

Kommentar von Seyfettin Günder zu Apotheken-Nachrichten über Entlastung, Zuständigkeit und Haftung in der Fläche.

Die geplante Weiterentwicklung der Apothekenversorgung wirkt wie ein Rettungsversprechen, ist aber vor allem ein Test, ob Politik endlich zwischen Versorgungsauftrag und Überregulierung unterscheiden will. Wenn Bürokratieabbau, mehr Eigenverantwortung und zusätzliche Aufgaben gleichzeitig als Hebel dienen sollen, entscheidet nicht der Titel des Vorhabens, sondern die Mechanik dahinter: Entweder entsteht Luft für echte Versorgung, oder es entsteht nur ein neues Pflichtpaket, das am Ende wieder Zeit, Personal und Haftung frisst.

Die Kausalkette beginnt im Alltag, nicht im Plenarsaal. Fachpersonalmangel und sinkende Wirtschaftlichkeit in kleineren und ländlichen Betrieben sind keine abstrakten Trends, sondern ein dauernder Druck auf Öffnungszeiten, Lieferfähigkeit, Beratungstiefe und Fehlerresistenz. Wenn Dokumentationspflichten, Prüfregime, Abrechnungsanforderungen und Detailvorgaben wachsen, wird die knappe Ressource nicht Geld, sondern Aufmerksamkeit: Jede Minute, die für Nachweise und formale Absicherung draufgeht, fehlt im direkten Kontakt, im Teamtraining, in der Qualitätssicherung. Der politische Impuls „mehr Flexibilität“ kann das nur heilen, wenn er an der richtigen Stelle ansetzt: weniger formale Last, klarere Regeln, weniger Ausnahmen, weniger Nachjustierungen – und vor allem weniger Unwägbarkeit, die Betriebe zu übervorsichtiger Mehrarbeit zwingt.

Genau hier kippt die Debatte oft ins Bequeme. Zusätzliche Versorgungsaufgaben klingen nach Aufwertung, nach modernem Leistungskatalog, nach Anerkennung. Tatsächlich können sie die Lage sogar verschärfen, wenn sie ohne belastbare Finanzierung, ohne eindeutige Zuständigkeiten und ohne praxistaugliche Standards eingeführt werden. Dann entsteht ein Paradox: Die öffentliche Apotheke soll mehr leisten, während dieselbe Struktur weiterhin die Grundversorgung stabil halten muss. In der Fläche bedeutet das nicht mehr Gesundheit, sondern mehr Schnittstellen, mehr Risiko, mehr Abstimmung – und im Zweifel mehr Streit, wer haftet, wenn eine Leistung zwar politisch gewollt, aber organisatorisch nicht tragfähig war.

Das Gegenargument ist naheliegend und nicht falsch: Ohne neue Aufgaben und ohne zusätzliche Erlösperspektiven wird die Wirtschaftlichkeit nicht besser, und ohne wirtschaftliche Stabilisierung bricht das Netz weiter ausgedünnt weg. Genau deshalb sind erweiterte Leistungen nicht grundsätzlich abzulehnen. Aber sie müssen so gebaut sein, dass sie Entlastung erzeugen, nicht Nebenarbeit. Entscheidend ist, ob die Leistungserweiterung mit echter Vereinfachung zusammenfällt, ob die Finanzierung planbar ist und ob die Verantwortungslinien im System klar bleiben. Sonst wird der Betrieb nicht gestärkt, sondern in eine Doppelrolle gedrückt: Versorger mit wachsendem Pflichtkatalog und gleichzeitig Risiko-Träger für Fehler, die aus Überlastung, Unklarheit oder Widersprüchen entstehen.

Auf der Folgenebene wird daraus eine Systemlast-Frage. Wenn die erste Lesung im Bundestag die Überweisung in den Gesundheitsausschuss vorbereitet, geht es faktisch um die Verteilung von Lasten: Wer trägt den Aufwand, wer trägt den Nachweis, wer trägt das Haftungsrisiko, wer trägt die Finanzierung, und wer trägt die Verantwortung gegenüber Patientinnen und Patienten, wenn die Realität im ländlichen Raum nicht zur Norm passt. Ein Gesetz, das ein flächendeckendes Netz an Präsenzapotheken sichern will, darf nicht über Stellschrauben arbeiten, die am Ende vor allem die Robustheit der Versorgung mindern: mehr Komplexität, mehr Sonderregeln, mehr Nachweispflichten, mehr Prüfpfade, die in der Praxis wie unsichtbare Kosten wirken.

Die zweite Erzähl-Schleife liegt deshalb in der Ordnungsperspektive: Versorgung ist kein Marketingbegriff, sondern eine Verteilungsordnung für Verantwortung, Zeit und Risiko. Bürokratieabbau ist in diesem Rahmen nicht ein symbolisches Versprechen, sondern eine juristische und organisatorische Entscheidung, ob Vertrauen in fachliche Standards wirklich gelebt wird oder ob Kontrolle weiterhin als Ersatz für klare Regeln dient. Wenn Eigenverantwortung ernst gemeint ist, braucht sie eindeutige Grenzen und ein System, das Fehlerprävention nicht durch Papier erzwingt, sondern durch einfache, nachvollziehbare Prozesse. Der ländliche Raum ist dabei nicht nur Kulisse, sondern das schärfste Prüfglas: Dort zeigen sich die Wirkungen zuerst, weil Reserven fehlen, Wege länger sind und Personal nicht beliebig nachgezogen werden kann.

Der Kern der These bleibt: Der Entwurf kann ein Wendepunkt werden, wenn er Belastung herausnimmt, Regeln entwirrt und neue Aufgaben nur dort schafft, wo sie mit realen Ressourcen abgesichert sind. Wird er dagegen nur ein neues Etikett auf einen wachsenden Pflichtenapparat, dann wird er nicht die Wirtschaftlichkeit stabilisieren, sondern die Abwärtsspirale beschleunigen – und am Ende die flächendeckende Ordnung schwächen, die er eigentlich schützen soll.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein Gesetz kann Apotheken stärken, wenn es Zeit zurückgibt, Regeln vereinfacht und Verantwortung eindeutig zuordnet, doch sobald neue Aufgaben ohne klare Finanzierung und praxistaugliche Standards hinzukommen, wächst nicht die Versorgung, sondern die Systemlast.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn der Entwurf nur ein neues Etikett auf einen alten Pflichtenapparat klebt, wird das Netz nicht gesichert, sondern ausgedünnt. Die entscheidende Frage ist nicht, was politisch gut klingt, sondern was im Betrieb wirklich Luft schafft. Dort zählen nicht Absichtssätze, sondern klarere Prozesse, weniger Nachweise und verlässliche Zuständigkeiten. Und genau daran wird sich zeigen, ob Vertrauen in fachliche Standards gilt oder ob Kontrolle weiter als Ersatz für Ordnung dient.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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