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  • 08.02.2026 – Versorgung wird versprochen, Risiko wird ausgelagert, Nachfolge wird zur Exit-Rechnung.
    08.02.2026 – Versorgung wird versprochen, Risiko wird ausgelagert, Nachfolge wird zur Exit-Rechnung.
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Ausgelagerte Risiken, starre Pflichten und fehlende staatliche Absicherung verdichten sich zu einer strukturellen Überforderun...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Versorgung wird versprochen, Risiko wird ausgelagert, Nachfolge wird zur Exit-Rechnung.

 

Ausgabe Nr. 180 | Kommentar zum Vortrag ordnet Versorgung, Risiko und Verantwortung in der Praxis.

Stand: Sonntag, 08. Februar 2026, um 20:06 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu Apotheken-Nachrichten über ausgelagerte Versorgungsrisiken, betriebliche Überforderung und die rationale Entscheidung zur Aufgabe.

Es beginnt oft mit einem Satz, der in der Öffentlichkeit harmlos klingt und im Betrieb wie eine Klammer wirkt: Versorgung soll wohnortnah bleiben. In der Praxis heißt das, dass ein privater Betrieb ein Stück Daseinsvorsorge trägt, Tag für Tag, mit Personal, Notdienst, Haftung, Mietvertrag und einer Bürokratie, die selten fragt, ob der Tag überhaupt noch reicht.

Wer dann vor einer Übergabe steht, sieht nicht zuerst Einrichtung und Lage, sondern Risiko. Der Wechsel wird zur Bilanzfrage: Lässt sich Arbeit so organisieren, dass sie planbar bleibt, oder wird die Leitung selbst zum Puffer für jede Lücke, für jede Baustelle vor der Tür, für jedes fehlende Teammitglied, für jedes Formular, das nicht weniger wird, nur weil die Kundschaft älter wird und mehr Beratung braucht?

Genau hier liegt der Kern der These: Versorgung wird politisch versprochen, aber betriebswirtschaftlich ausgelagert. Der Auftrag bleibt im System, die Folgen landen im Einzelbetrieb. Wenn das so gebaut ist, dann ist Betriebsaufgabe nicht bloß ein persönlicher Rückzug, sondern eine rationale Entscheidung in einem Rahmen, der von Risikotragfähigkeit lebt und nicht vom Bedarf.

Man kann das als Marktgeschichte erzählen: Wer keinen Nachfolger findet, hat eben kein attraktives Angebot, und wer Personal nicht bezahlen kann, ist nicht effizient genug. Das klingt streng, fast ordentlich. Es blendet nur aus, dass Effizienz nicht alles erklärt, wenn Pflichtlasten und Unwägbarkeiten zu einem Paket werden, das sich nicht frei gestalten lässt. Notdienste sind nicht verhandelbar, Genehmigungs- und Dokumentationspflichten verschwinden nicht, eine Baustelle vor der Tür ist keine Managemententscheidung, und ein Mietvertrag kann Ausstiegskosten erzeugen, die aus der freien Wahl einen Zwang machen.

Damit wird sichtbar, wie Governance im Alltag wirkt. Krankenkassen, Aufsicht, Politik, Kommunen und Softwareketten setzen Regeln, Daten, Fristen und Sanktionen, und am Ende entscheidet nicht die beste Absicht, sondern ob die letzte Stelle der Kette die Reibung noch tragen kann. Wenn mehrere Akteure auf Ordnung pochen, aber niemand für die Praxisfolgen haftet, wird Ordnung zur Lastverschiebung. Der Betrieb soll liefern, weil der Bedarf real ist, aber er soll dabei funktionieren, als wäre er ein beliebig skalierbares System.

Das hat Nebenfolgen, die man im reinen Übergabeaufruf nie sieht. Wer spürt, dass die Arbeit nicht mehr planbar ist, investiert defensiver. Wer defensiver investiert, wird für Nachfolger weniger attraktiv. Wer weniger attraktiv wird, kommt schneller in Situationen, in denen Ausstieg teuer ist und Weiterführen körperlich nicht mehr geht. Dann kippt ein Betrieb nicht an einer großen Entscheidung, sondern an einer Serie kleiner Unmöglichkeiten, die sich über Jahre aufschichten.

Der Rücklauf in die Ausgangsfrage zeigt die Spannung, die sich nicht wegmoderieren lässt: Wenn Versorgung privat organisiert bleibt, muss das System dafür sorgen, dass der private Träger nicht als Haftungsziel für strukturelle Lücken endet. Wenn das nicht passiert, entsteht eine stillschweigende Priorität: Nicht die Versorgung entscheidet, sondern die Risikotragfähigkeit der Menschen, die sie im Alltag halten. Und Risikotragfähigkeit hat Grenzen, unabhängig von Berufsethos, Tradition oder Standort.

Man kann das auch andersherum lesen, als Warnung an die, die Regeln machen: Wer Betriebe in die Rolle drängt, zugleich Versorger, Verwaltungsstelle und Notfallpuffer zu sein, bekommt am Ende nicht mehr Ordnung, sondern weniger. Denn wenn die Übergabe scheitert, verschwindet nicht nur ein Laden. Es verschwindet ein Stück Arbeitsteilung, ein Beratungsort, eine Erreichbarkeit, und das Versprechen bleibt als Satz stehen, der immer leichter gesagt ist als gelebt.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Versorgung klingt nach Selbstverständlichkeit, aber sie wird im Alltag zu einer Frage, ob private Träger das Risiko noch tragen können, das ihnen über Pflichten, Prozesse und Unwägbarkeiten zugeschoben wird.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Versorgungsauftrag und Risikotragung auseinanderfallen, entscheidet nicht mehr der Bedarf, sondern die Belastbarkeit der letzten Stelle der Kette, und genau dort bricht Nachfolge zuerst.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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