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APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute
Stand: Sonntag, 08. Februar 2026, um 19:27 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu Apotheken-Nachrichten über dm-med und die OTC-Konkurrenz.
dm ist im OTC-Geschäft nicht die Apotheke im Drogeriegewand, sondern ein neuer Eingang in dieselbe digitale Komfortlogik, die der Markt seit Jahren kennt: Marke, App, Reichweite, Warenkorb. Das wirkt auf den ersten Blick groß, weil dm groß ist. Aber die Größe steht an der falschen Stelle. Entscheidend ist nicht, wie viele Filialen eine Kette hat, sondern was im Moment der Gesundheitsentscheidung zählt: Zeit, Risiko, Kontext, Verantwortung.
Wer OTC wirklich „braucht“, meint selten Lustkauf. Es geht um eine Beschwerde, eine Unsicherheit, ein Kind, das nicht schlafen kann, einen Husten, der kippt, eine Hautreaktion, die plötzlich da ist. Dann ist ein Versandweg mit drei bis vier Werktagen kein Angebot, sondern ein Umweg. Und Beratung per Telefon oder Formular ist keine Beratung am Tresen, weil sie die Lage nicht sieht, die Person nicht kennt, die Packung nicht in der Hand hat und oft erst spät erkennt, dass hinter dem scheinbar kleinen Wunsch die falsche Entscheidung lauert.
Die Drogerie spielt Stärke aus, wo Gesundheit wie Alltag funktioniert: Wiederkauf, Routine, Bequemlichkeit, Preissensibilität, Markenvertrauen. Die Apotheke gewinnt, wo Gesundheit nicht Routine ist: wenn Symptome gedeutet werden müssen, wenn Wechselwirkungen im Raum stehen, wenn eine Selbstmedikation Grenzen hat, wenn es schnell gehen muss, wenn jemand sich schämt, wenn jemand Angst hat. Diese Unterscheidung ist kein romantischer Rettungsanker, sondern Marktmechanik. Drogerieangebote erweitern den Warenkorb, Apothekenleistungen tragen das Risiko.
Das führt direkt zur Frage, warum „Angst vor dm“ so schnell zur Erzählung wird. Angst ist ein Gefühl, aber im Wettbewerb ist sie auch ein Signal: dass man die eigene Differenz nicht mehr laut genug ausspricht. Wenn die Apotheke sich im OTC nur als „auch ein Laden“ erklärt, wird sie zwangsläufig mit Läden verglichen. Wenn sie sich als Gesundheitsort erklärt, wird sie nach anderen Kriterien gemessen. Genau hier sitzt die Chance: Qualifikation ist nicht Beiwerk, sie ist die eigentliche Produktqualität. Sie schützt vor Fehlgriffen, sie reduziert Folgekosten, sie verhindert Eskalationen, sie schafft Vertrauen, und Vertrauen ist im Gesundheitsmarkt keine weiche Währung, sondern eine Entscheidungserleichterung.
Natürlich gibt es ein Gegenargument, das ernst genommen werden muss: Für einen Teil der Kundschaft reicht „gut genug“. Wer genau weiß, was er will, wer Zeit hat, wer ohnehin online bestellt, wird dm-med als weiteren Anbieter nutzen, vielleicht auch aus Sympathie zur Marke oder aus App-Gewohnheit. Das ist real. Aber daraus folgt nicht, dass die Apotheke verliert, sondern dass sie schärfer trennen muss, welche Fälle sie führt und wie sie diese Führung sichtbar macht: nicht als Belehrung, sondern als Lösung im Moment, als Sicherheit, als schnelle Klärung, als ruhige Zuständigkeit.
Und dann kommt die zweite Ebene, die oft übersehen wird: Governance und Verantwortung. Im Versand ist Zuständigkeit verteilt, Prozess und Distanz bauen Reibung ein, Reklamation und Rückfragen laufen über Kanäle, nicht über Blickkontakt. In der Vor-Ort-Apotheke ist Zuständigkeit konkret, und diese Konkretheit ist im Gesundheitsbereich ein Vorteil, weil sie Haftung, Sorgfalt und Entscheidung an einen Ort bindet. Das entlastet nicht die Apotheken, es verpflichtet sie. Aber genau diese Verpflichtung ist der Unterschied zu einem Erlebnis- und Routinehandel.
Am Ende steht nicht die Frage, ob Drogerien „auch Gesundheit“ können. Sie können Teile davon handeln. Die offene Frage ist, ob die Apotheke ihren Kern so führt, dass er nicht im Preisrauschen untergeht: Sofortigkeit, Kontextkompetenz, Risikoentscheidungen, echte Nähe. Wenn sie das konsequent lebt, ist dm kein Schreckgespenst, sondern ein Spiegel, der zeigt, wo die Apotheke zu leise geworden ist und wo sie wieder laut werden muss, ohne lauter zu werden als die Sache.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Zwei Millionen Kundinnen und Kunden am Tag sind ein Eindruck, kein Beweis. Der Beweis liegt im Moment, in dem jemand nicht shoppen will, sondern sicher sein muss: ob das Mittel passt, ob es zu den anderen Präparaten passt, ob es überhaupt passt. Genau dort kippt der Warenkorb in Verantwortung, und genau dort beginnt die Vor-Ort-Apotheke zu wirken, weil sie nicht nur liefert, sondern entscheidet hilft. Der Versand kann die Oberfläche glätten, aber er kann den Augenblick nicht ersetzen, in dem ein Satz am HV-Tisch eine Fehlentscheidung verhindert. Wenn dm-med in drei bis vier Werktagen ankommt, ist das bequem, aber nicht gegenwärtig. Gegenwart ist die Währung der Versorgung.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. dm kann OTC in eine App schieben, die Apotheke kann Gesundheit aus der App herausziehen. Wer den Unterschied versteht, sieht keine Bedrohung, sondern eine Aufgabe: den eigenen Vorsprung nicht zu behaupten, sondern zu zeigen, jedes Mal, wenn eine schnelle Abgabe, eine kluge Rückfrage und ein kurzer Blick auf die Gesamtlage mehr wert sind als ein Rabatt und ein Markenlogo. In der Drogerie ist Gesundheit oft ein Versprechen im Regal, in der Apotheke ist sie ein Ergebnis im Gespräch. Und solange Menschen krank werden, wird das Ergebnis wichtiger bleiben als das Versprechen.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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