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  • 30.01.2026 – Apotheken zwischen Zumutbarkeit, Marktgeschwindigkeit, Standesstatik.
    30.01.2026 – Apotheken zwischen Zumutbarkeit, Marktgeschwindigkeit, Standesstatik.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Die Einordnung verbindet eine historische Zumutbarkeitsbegründung mit Marktgeschwindigkeit und Standesreaktionen und zeigt, weshalb Anp...

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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken zwischen Zumutbarkeit, Marktgeschwindigkeit, Standesstatik.

 

Die alte Zumutbarkeitslogik kehrt zurück, nur heute als Systemlast in Reformen und Wettbewerb.

Stand: Freitag, 30. Januar 2026, um 17:03 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Falkenstein liefert keine Folklore, sondern ein Muster: Wenn Versorgung über „Zumutbarkeit“ definiert wird, verschiebt sich Verantwortung still nach unten. Damals war es der Fußmarsch, heute sind es Tempo, Skalierung und die Erwartung, dass sich Strukturen ohne echte Reserve anpassen. Der Markt drückt auf Geschwindigkeit, die Politik auf Regeln, und die Standespolitik reagiert oft wie eine Abwehrkette: Veränderung wird als Risiko markiert, statt als Lage, die gestaltet werden muss. Genau darin entsteht die neue Zumutbarkeit: nicht als Wegstrecke, sondern als dauerhafte Systemlast, die Betriebe tragen, während andere am Erstkontakt drehen. Ausgerechnet die historische Nebenlinie – der Beerenwein als zweites Standbein – zeigt die Pointe: Flexibilität ist da, aber sie wird erst sichtbar, wenn sie nicht als Systembruch behandelt wird.

 

Vor rund 175 Jahren wurde eine Apothekenkonzession im oberpfälzischen Falkenstein mit einer Begründung abgelehnt, die heute zugleich fremd und erschreckend vertraut wirkt. Die nächste Offizin liege nur fünf Stunden Fußmarsch entfernt, dieser Weg sei den Menschen zuzumuten. Damals war Zumutbarkeit eine Strecke, ein Tageslauf, eine körperliche Rechnung.

Heute wirkt der Satz wie eine Vorstudie zu einem moderneren Prinzip. Zumutbarkeit ist nicht verschwunden, sie hat nur den Aggregatzustand gewechselt. Sie heißt nicht mehr Fußmarsch, sondern Reaktionszeit, Marktgeschwindigkeit, Dokumentationslast, Personalengpass, Investitionsstopp, und am Ende die stille Frage, wie lange eine Struktur noch trägt, wenn sie permanent in Bewegung gesetzt wird.

Der Witz vom „Same Day Delivery“ im Jahr 1850 trifft deshalb so gut, weil er den Fortschritt nicht feiert, sondern die Verschiebung offenlegt. Niemand muss mehr einen Halbmarathon laufen, um Medikamente zu bekommen. Gleichzeitig wird der Arzneimittelmarkt attraktiver für jene, die Veränderung nicht als Verantwortung, sondern als Beute begreifen: Geschwindigkeit skaliert, Erstkontakt wird gestaltet, Loyalität wird umprogrammiert.

In dieser Lage braucht es eigentlich das Gegenteil von Standesstatik: Wendigkeit, Flexibilität, die Fähigkeit, Marktveränderungen nicht nur zu kommentieren, sondern zu antizipieren. Das kann im Ausnahmefall sogar Rückenwind erzeugen, etwa wenn politische Debatten plötzlich Chancen öffnen. In der Regel jedoch kommen Reformen als Paket aus Erwartungen, Pflichten und Einbußen, und genau dort wird die Reaktionsweise entscheidend.

Wenn jede Flexibilisierung reflexhaft als gefährlicher Systembruch markiert wird, entsteht ein politischer Preis, der sich nicht sofort als Schlagzeile zeigt. Vertrauen in Gestaltungsfähigkeit sinkt, Kompromissräume werden enger, und die Rolle wird auf Verteidigung reduziert. Die „Catenaccio“-Metapher ist in diesem Kontext keine Polemik, sondern eine Diagnose: Wer nur abblockt, überlässt das Spiel den anderen.

Das Bittere ist, dass ausgerechnet die Geschichte selbst den Gegenbeweis liefert. Der Nachfahre des Apothekers, der 1853 schließlich doch eine Zulassung in Falkenstein bekam, hat Flexibilität nicht gepredigt, sondern praktiziert. Weil die Offizin wirtschaftlich zu ertragsschwach war und auf dem Land kaum jemand Geld für Medikamente hatte, baute er ein zweites Standbein auf und kelterte Beerenweine – mit Erfolg.

Diese „Success Story“ ist mehr als eine hübsche Anekdote. Sie zeigt, dass Anpassungsfähigkeit in diesem Berufsfeld nicht fehlt, sondern häufig erst dann sichtbar wird, wenn sie nicht als Verrat am Leitbild behandelt wird. Die Pointe liegt nicht im Beerenwein, sondern im Mechanismus: Flexibilität existiert, wenn die Umgebung sie zulässt und wenn sie nicht sofort als Entwertung von Verantwortung gerahmt wird.

Genau hier dreht der Stoff nach außen. Die alte Zumutbarkeitslogik kehrt wieder, nur heute in modernem Gewand: Veränderung wird schneller, der Markt drückt stärker, die Politik verlangt mehr, und die Reserve wird nicht automatisch mitgebaut. Wer dann nur die Statik beschwört, verliert den Raum, in dem Statik überhaupt geschützt werden kann.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Zumutbarkeit ist das freundlichste Wort für Lastverschiebung. In Falkenstein war es der Fußmarsch, heute ist es die Erwartung, dass sich Strukturen anpassen, ohne dass Regeln, Geld und Personal gleichzeitig mitwandern. Wer Veränderung ausschließlich als Systembruch markiert, lässt zu, dass Veränderung von außen definiert wird. Und wer Flexibilität nur im Ausnahmefall erlaubt, wird vom Ausnahmefall irgendwann regiert.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Falkenstein zeigt, wie schnell ein System das Unbequeme als zumutbar etikettiert, wenn es selbst keine Reserve bauen will. Der Witz über „Same Day Delivery“ verdeckt nur kurz, dass Geschwindigkeit heute nicht die Strecke ersetzt, sondern die Last verlagert. Wo Standespolitik aus Abwehr besteht, wird Flexibilität fremdbestimmt; wo Flexibilität als Gestaltungsraum akzeptiert wird, kann Verantwortung stabil bleiben, ohne zu verhärten. Zumutbarkeit ist zurück, und die entscheidende Frage ist nicht, wie weit jemand gehen muss, sondern wie lange eine Struktur tragen soll, ohne dass man ihr Reserve zugesteht.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der rote Faden bleibt, ob Finanzierung, Regeln und Sicherheit als eine Kette behandelt werden oder als getrennte Baustellen.

 

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