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  • 30.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Falsche Fünfziger, Digitalwechsel bei Gesund.de, Notdienstlast bis zur RSV-Welle.
    30.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Falsche Fünfziger, Digitalwechsel bei Gesund.de, Notdienstlast bis zur RSV-Welle.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Der Tagesmix reicht von Falschgeldfällen über Konzern-Digitalstrategien und Filialschließung bis zu Reformdebatte, Sachsen-Position, ...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Falsche Fünfziger, Digitalwechsel bei Gesund.de, Notdienstlast bis zur RSV-Welle.

 

Zwischen Kassenrisiko, Konzernplattform und Winterglätte rücken Versorgungslücken und Prävention gleichzeitig näher.

Stand: Freitag, 30. Januar 2026, um 14:08 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Man merkt es daran, dass der Alltag plötzlich Prüfstand wird: Der Fünfziger an der Kasse, der sonst nur Wechselgeld ist, wird zur Risikoentscheidung – in Hagenow landeten innerhalb einer Woche drei Anzeigen, zwei Zahlungen liefen über Apotheken. Gleichzeitig wandert bei Gesund.de eine Schlüsselrolle weiter, weil Maximilian Achenbach in Frankreich bei Phoenix OCP das Digitalgeschäft steuern soll, und damit der deutsche Plattformaufbau zur Vorlage für einen Konzernmarkt wird. In Dortmund zeigt sich die andere Seite derselben Woche: Notdienste, dünnes Personal und ein Minusgeschäft bringen eine Filiale nach nur einem Jahr zur Schließung, weil Belastung nicht mehr kompensierbar ist. Auf Bundesebene zieht AOK-Chefin Carola Reimann die fiskalische Linie, lobt Entbürokratie, lehnt ein höheres Fixum ab und stellt den pDL-Topf als Symbol ungenutzter Mittel ins Schaufenster. In Sachsen wird der Konflikt politisch, als Petra Köpping die Zustimmung im Bundesrat verweigert, während ein DDR-Zahlenvergleich im Studio genau die falsche Wunde trifft. Und selbst die scheinbar leichten Themen haben Kanten: Vitamin C am Morgen und Retinoide am Abend funktionieren nur, wenn Tempo und Verträglichkeit stimmen; gleichzeitig schickt Glätte in Berlin Menschen in Notaufnahmen, während über Salz gestritten wird. Dazu beginnt die RSV-Welle, die Fallzahlen steigen, aber bei Säuglingen verändert die Antikörper-Prophylaxe die Schwere – mehr Verkehr, weniger Intensivdramaturgie.

 

Falsche Fünfziger im Alltag, Kassenmoment als Risiko, Apotheken geraten ins Visier.

Drei Anzeigen in einer Woche, ein Ort, der sonst nicht nach Großstadt klingt: In Hagenow sind Fälle von Falschgeld aktenkundig geworden, und das Polizeipräsidium Rostock schiebt die Warnung nach, weil zwei der Zahlungen ausgerechnet dort stattfanden, wo der Bargeldkontakt noch Alltag ist. In zwei Apotheken sollen Unbekannte mit gefälschten 50-Euro-Scheinen bezahlt haben, ein weiterer falscher Fünfziger fiel an einer Supermarktkasse auf. Es ist kein spektakulärer Coup, eher die Sorte Delikt, die von Routine lebt: eine schnelle Übergabe, ein kurzer Blick, ein Beleg, der schon gedruckt ist, bevor jemand merkt, dass hier etwas nicht stimmt.

In der Apotheke ist der Moment besonders tückisch, weil er oft nicht nach „Kasse“ aussieht, sondern nach Beratung, nach Eile, nach der nächsten Frage. Wer am HV-Tisch noch die Packung erklärt, wechselt im nächsten Atemzug in die Zahlungslogik, und genau dort sitzt die Schwachstelle: Das Gehirn ist noch im Gespräch, die Hände sind schon beim Wechselgeld. Falschgeld braucht keine perfekte Fälschung, wenn es nur schaffen muss, die ersten drei Sekunden zu überstehen.

Die Polizei erinnert dabei nicht nur an die Merkmale, sondern an die Rechts- und Handlungslage, die den Druck im Ernstfall erhöht: Festgestelltes Falschgeld darf nicht weitergegeben werden, sondern ist zu übergeben. Wer es in Umlauf bringt, macht sich strafbar. Das ist die zweite Kante an der Geschichte, weil sie aus einem peinlichen Kassenfehler sofort ein Risiko mit Konsequenzen macht, das nicht mehr nur betriebswirtschaftlich ist. Es geht dann nicht um „Minus fünfzig“, sondern um die Frage, wie sauber der Vorgang dokumentiert, wie klar intern gehandhabt und wie schnell die Entscheidung getroffen wurde.

Die Prüflogik, auf die die Polizei verweist, ist deshalb weniger Technik als Ritual: fühlen, sehen, kippen. Echtes Banknotenpapier hat eine feste, griffige Struktur, es wirkt nicht glatt oder wachsartig; auf der Vorderseite sind Elemente fühlbar, Wasserzeichen, Porträt-Hologramm und Sicherheitsfaden gehören zur Grundprüfung. Bei den 50- bis 500-Euro-Scheinen der ersten Serie verändert sich bei einer Kippbewegung die Farbe der Wertzahl rechts unten. Das klingt nach Lehrbuch, ist aber im Tagesbetrieb nur dann wirksam, wenn es als Handgriff sitzt und nicht als guter Vorsatz.

Und damit kippt die Warnung in eine stille Managementfrage, die viele Teams kennen: Wie bleibt die Kasse wach, wenn der Tag müde macht. Falschgeld ist kein Thema, das sich groß ankündigt; es fällt auf, wenn jemand hinsieht, und es bleibt hängen, wenn niemand hinsieht.

 

Gesund.de unter Phoenix-Mehrheit, Achenbachs Wechsel nach Frankreich, Digitalmacht verschiebt sich.

Man kann diesen Abgang als Karriereschritt erzählen, als sauberen Übergang vom Startup-Gefühl in die Konzernspur. Aber die eigentliche Bewegung liegt darunter: Maximilian Achenbach verlässt die Geschäftsführung von Gesund.de und rückt in Frankreich bei Phoenix OCP ins Executive Committee, zuständig für das Digitalgeschäft. Phoenix ist längst Mehrheitseigner der Plattform, und genau deshalb wirkt der Wechsel weniger wie ein persönliches Kapitelende, sondern wie eine Organisationsentscheidung, die eine Achse sichtbar macht: Das digitale Know-how, das in Deutschland aufgebaut wurde, wird jetzt in einen Markttransfer übersetzt.

Achenbach war 2021 von Phoenix zu Gesund.de gewechselt, gemeinsam mit Dr. Peter Schreiner stand er für den Aufbau, und seine Zuständigkeiten lasen sich wie das klassische Dreieck aus Technik, Betrieb und Marktzugang: Technologie, Operations, Marketing. Das klingt auf dem Papier nach sauberer Ressortaufteilung, im Alltag einer Plattform ist es aber die Stelle, an der Produktlogik und Prozesslogik zusammenkleben müssen. Wer dort sitzt, hält nicht nur Roadmaps, sondern auch die Frage, wie schnell ein Versprechen zur funktionierenden Routine wird.

Dass Phoenix OCP in Frankreich Marktführer ist, gibt dem Schritt eine zweite Schicht: 9,5 Milliarden Euro Umsatz, rund 40 Prozent Marktanteil, das ist keine Experimentierbühne. Wenn Achenbach nun das E-Commerce-Geschäft dort voranbringen soll, dann ist die Botschaft nicht: „Wir probieren digital mal aus“, sondern: „Wir operationalisieren digital in einem Kernmarkt.“ Und genau an dieser Stelle wird Gesund.de zur Art Blaupause, nicht als Kopie, sondern als Erfahrungsraum: Was hat im Aufbau funktioniert, wo sind Reibungen entstanden, was war in der Realität teurer als in den Folien.

Phoenix selbst liefert, zwischen den Zeilen, das passende Timing: Wechsel gibt es immer wieder, das Karussell ist Teil der Konzernmechanik. Anfang 2024 ging Sven Simons als Co-CEO bei Gesund.de raus und wechselte zu Phoenix, zuletzt gab es Bewegung beim Softwarehaus ADG. Solche Linien sind nicht nur Personalnachrichten, sie sind Verdichtung: Digital, Plattform, Software und Vermarktung werden nicht als Beifang behandelt, sondern als Schaltstellen, die man mit Personen festzieht.

Die Abschieds- und Dankesformeln gehören zum Ritual, und sie sind hier zugleich ein Fingerzeig. Dr. Roland Schütz spricht von strategischer Ausrichtung und erfolgreicher Entwicklung, Achenbach selbst von einer prägenden Aufgabe und der Möglichkeit, die digitale Transformation eines Marktführers in einem zentralen europäischen Markt aktiv mitzugestalten. Man kann das als höfliche Abschlussrede lesen. Man kann es aber auch als Hinweis lesen, dass die Plattformphase, in der Aufbau das Hauptwort war, jetzt in eine Phase übergeht, in der Skalierung und Konzernintegration das Tempo setzen.

Und dann bleibt als nüchterne Frage, die jede solche Personalie aufwirft: Wer übernimmt die Funktion im Alltag, nicht auf dem Papier. Plattformen sind keine Projekte, die man „fertig“ übergibt, sie sind Dauerbetrieb mit ständigen Störungen, kleinen Korrekturen, unausgesprochenen Prioritäten. Der Wechsel zeigt, wie stark die digitale Linie in Phoenix inzwischen als europäischer Hebel gedacht wird. Er zeigt aber auch, wie schnell ein deutsches Aufbauprodukt zur Ressource wird, die in andere Märkte wandert, sobald die Konzernlogik die nächste Stufe zündet.

 

Notdienst frisst Lebenszeit, Filiale kippt ins Minus, Schließung wird zur Versorgungsentscheidung.

Es ist eine dieser Geschichten, die auf dem Papier wie Betriebswirtschaft aussehen, in der Wirklichkeit aber nach Körper und Kalender riechen. Wafaa Choukrane ist 34, sie expandierte vor einem Jahr, übernahm zwei Apotheken von Frank Grote und hielt den Vorbesitzer als Angestellten im Team. Mit der Hauptapotheke in Bochum waren es plötzlich drei Standorte, drei Dienstpläne, drei Kassenabschlüsse, drei Mal die Erwartung, dass es irgendwie „läuft“. Und dann kommt das Wort, das in vielen Inhaberbiografien nicht nach Pflicht klingt, sondern nach Verschleiß: Notdienst.

Choukrane beschreibt es nicht als heldenhafte Belastungsprobe, sondern als Problem, das sich nicht delegieren ließ. Der Vorbesitzer wolle nach zwanzig Jahren Selbstständigkeit keine Nachtschicht mehr machen, das ist menschlich, aber es ist auch die erste Verschiebung: Wissen und Erfahrung bleiben, die Nacht nicht. Und das Personal? Nicht zu motivieren, schwer zu finden, besonders für Dienste. Wer schon einmal versucht hat, Notdienste mit einer dünnen Decke zu planen, erkennt die Mechanik: Man baut erst kleine Ausnahmen ein, dann werden Ausnahmen zum System, und irgendwann steht die Inhaberin selbst dort, weil es keinen dritten Weg mehr gibt.

Die Zahlen, die sie nennt, sind deshalb so brutal, weil sie nicht nach Statistik aussehen, sondern nach Durchhalten: mitunter 72 Stunden durchgehend in der Apotheke, Monate mit fünf Notdiensten oder zwei direkt hintereinander. Ein Jahr ohne Urlaub, gleichzeitig ein Minusgeschäft. Das ist die zweite Ebene dieser Geschichte: Nicht nur „zu viel Arbeit“, sondern Arbeit, die das ökonomische Fundament nicht mehr trägt. Und dann wird Notdienst nicht mehr als Beitrag zur Versorgung erlebt, sondern als Kostenblock aus Zeit, Gesundheit und Risiko – weil man am nächsten Tag wieder in der Offizin steht, obwohl der Körper längst in einer anderen Zeitzone ist.

An diesem Punkt reicht es nicht mehr, an Stellschrauben zu drehen. Choukrane stellt die Filiale an der Wasserburg in Dortmund auf den Prüfstand und schaut in die Zahlen. Das Ergebnis wirkt, als hätte es sich schon vorher angekündigt: wirtschaftlich läuft sie nicht. Hohe Stromkosten für die Klimaanlage, die sich bei der Kundenfrequenz nicht rechnen. Dazu die Personalsituation, die Servicequalität gefährdet, weil man am Ende nicht in eine Lage rutschen will, in der das Telefon nur noch als zusätzliche Zumutung empfunden wird. Das ist ein Satz, der hängen bleibt, weil er nicht über Marketing redet, sondern über Würde im Betrieb: Wenn die Erreichbarkeit kippt, kippt oft schon vorher der innere Zustand.

Die Schließung wird dann nicht als Rückzug formuliert, sondern als Priorisierung der Versorgung: Es gibt eine andere Filiale, die Ardey-Apotheke, etwa 500 Meter entfernt. Die Entfernung sei nicht groß, Botendienst ist da, das Personal wurde übernommen. Man hört darin den Versuch, den Schaden zu begrenzen, nicht nur für das Team, sondern für die Patienten. Und man hört auch die implizite Logik, die in vielen Städten inzwischen zur Normalität wird: Versorgung wird nicht mehr über neue Standorte gesichert, sondern über Konzentration auf den Standort, der im Alltag tragfähig bleibt.

Und trotzdem ist das kein reines Standortthema. Choukrane benennt, was als politische Forderung immer wiederkehrt, aber hier aus dem Erlebten heraus kommt: Honorar müsse steigen, sonst seien die höheren Personalkosten nicht zu finanzieren, und wenn nichts passiere, verschwinden kleine Apotheken. Man kann das als bekannte Debatte abtun. Man kann es aber auch als Lagebericht lesen: Wenn Notdienst nicht mehr durch Vergütung und Personal abfangbar ist, dann ist Schließung nicht der Ausnahmefall, sondern die letzte Form von Steuerung, damit die zwei verbleibenden Standorte überhaupt noch stabil beraten und abgeben können.

 

Reform mit Entbürokratie, pDL-Millionen als Streitpunkt, Fixum wird zur Finanzprobe.

Man kann die Debatte um die Apothekenreform gerade an einem Satz festmachen, weil er zwei Wirklichkeiten gegeneinander schiebt: Dr. Carola Reimann, Chefin der AOK, nennt die vorgesehenen Erleichterungen „sehr gute Vorschläge“ – und sagt im selben Atemzug, eine Fixumerhöhung sei „vollkommen verfehlt“. Das ist keine rhetorische Schärfe aus Lust am Konflikt, sondern die offene Markierung einer Priorität: Wenn die GKV-Finanzen als Krisenrahmen gesetzt werden, dann wird jede Vergütungsfrage zum Test, wer in dieser Lage noch zusätzliche Mittel beanspruchen darf.

Reimann lobt, was nach Verwaltung aussieht und in der Fläche nach Alltag: weniger Bürokratie, leichterer Weg zu Zweigapotheken, Schritte gegen den Fachkräftemangel, Chancen für ausländische Fachkräfte und für qualifizierte PTA, auch die Vertretung spielt hinein. Das sind Bausteine, die nicht sofort Geld verteilen, aber den Betrieb beweglicher machen sollen. Und dennoch bleibt der Kern ihrer Intervention ein Stoppschild, dort, wo die Apothekerschaft seit Jahren drückt: beim Fixum.

Interessant ist, wie sie dabei den zweiten großen Hebel der Reform aufgreift und ihn umdreht. Pharmazeutische Dienstleistungen begrüßt sie grundsätzlich als Idee der heilberuflichen Einbindung, sie nennt auch das Impfen als Beispiel. Aber sie stellt die Ausweitung in der geplanten Form infrage und setzt eine Bedingung, die wie ein Strukturtest wirkt: Vernetzung mit Primärversorgung und Versorgungssteuerung. Wenn pDL unverbindlich bleiben, wenn sie nicht in ein Steuerungsmodell eingebunden sind, dann erscheinen sie aus ihrer Sicht nicht als verlässlicher Versorgungsbeitrag, sondern als Angebot, das politisch gut klingt und praktisch wenig bindet.

Und dann kommt die Zahl, die den Ton in solchen Debatten verändert, weil sie nicht nach „Potenzial“ klingt, sondern nach liegendem Geld: Im Fonds für pharmazeutische Dienstleistungen lägen rund 600 Millionen Euro. Reimanns Forderung, diese Mittel zurückzuführen, ist mehr als eine Haushaltsidee; sie ist ein Deutungsangebot: Wenn Milliardenlöcher prognostiziert werden und gleichzeitig ein Topf nicht abfließt, entsteht der Eindruck, dass Steuerung und Bedarf nicht zusammenpassen. Sie schlägt vor, das Geld an die Beitragszahlenden zurückzugeben und die pDL-Regeln so zu verändern, dass tatsächliche Bedarfe vor Ort adressiert werden können. Dahinter steckt die Botschaft: Nicht die Existenz von Angeboten zählt, sondern die Passung zwischen Bedarf, Verbindlichkeit und Systemarchitektur.

Bei der Fixumfrage bleibt sie konsequent auf der GKV-Linie und zieht die Kulisse groß: schwache Wirtschaftslage, Beitragssätze auf Rekordniveau, ungebrochene Ausgabendynamik, dazu ein von der Politik selbst benanntes zweistelliges Milliardendefizit, das 2027 zu stopfen sei. In dieser Lage eine Fixumerhöhung zu beschließen, sei inkonsistent. Man spürt, dass hier nicht mehr über „ob“ Reform, sondern über „wessen Realität“ gesprochen wird: die betriebliche Realität in den Betrieben, oder die fiskalische Realität der Kassen.

Die dritte Kante ihrer Kritik zielt auf die Abgabeökonomie, also auf das, was im System schon heute die großen Summen bewegt. Reimann warnt vor einer weiteren Aufweichung der wirtschaftlichen Abgabe, weil dadurch vertragliche Regelungen außer Kraft gesetzt und Rabatterlöse riskiert würden. Sie verankert das mit einer zweiten Zahl, die wie ein Schutzschild wirkt: über sechs Milliarden Euro Einsparungen durch Rabattverträge pro Jahr. Und sie verweist darauf, dass es im Rahmenvertrag bereits Regelungen für Nichtverfügbarkeiten und Akutversorgung gebe. Der Subtext ist klar: Wenn man an dieser Stelle lockert, verliert das System Geld, das es nach ihrer Lesart gerade nicht hat.

So wird die Reform zu einem Doppelbild. Auf der einen Seite die Entbürokratisierung als Handgriff, der sofort hilft. Auf der anderen Seite die Vergütungs- und Abgabefrage als große Statik, an der jede Bewegung sofort zur Kassenbilanz durchschlägt. Reimann fordert einen „Realitäts-Check“ im weiteren Prozess und eine Abstimmung mit der Finanzkommission Gesundheit. Das klingt nach Gremiensprache, ist aber im Kern eine Grenzziehung: Erst muss die Finanzlogik stimmen, dann darf die Reform größer werden. Und genau dort liegt der Konflikt, der die nächsten Runden prägen wird: Ob Versorgungssicherung als Investition verstanden wird, oder als Kostenanstieg, den man sich in dieser Phase nicht leisten will.

 

Sachsen unter Druck, Köppings Nein im Bundesrat, DDR-Vergleich trifft die falsche Stelle.

Es ist selten, dass ein politischer Satz in einer Talkshow so schnell zu einem Reizwort wird, dass er den Rest des Gesprächs überstrahlt. In Zwickau, in der MDR-Sendung „Fakt ist!“, passiert genau das. Daniela Hänel, Inhaberin der Linda Apotheke in der Nordvorstadt und Vorsitzende der Freien Apothekerschaft, beschreibt die Lage nicht als Branchenjammern, sondern als Kollaps-Szenario: kein Nachwuchs, wirtschaftliche Lage als Abschreckung, für Patientinnen und Patienten Wege von 29 Kilometern bis zur nächsten Notdienstapotheke. Das sind keine abstrakten Kilometer, das sind Fahrten, die man im Winter nicht schönredet.

Hänel nutzt die Bürgerarena, wie sie gedacht ist: konkret, zugespitzt, mit zwei Fragen, die beide nach Verbindlichkeit riechen. Erstens: Warum gibt es in Sachsen keine Apothekerquote, vergleichbar mit der Landarztquote – also ein Modell, bei dem junge Menschen nach dem Studium in eine Existenzgründung und damit in die Fläche gebunden werden. Zweitens, an den Ministerpräsidenten Kretschmer adressiert, aber am Ende von der Ministerin beantwortet: Wird Sachsen im Bundesrat die Zustimmung zum geplanten Apothekenreformgesetz verweigern, solange es keine echte, inflationsgerechte Honoraranpassung gibt, die flächendeckende Versorgung überhaupt erst wieder tragfähig macht. In einem Nebensatz steckt ein weiterer Anker: viele tausend Frauenarbeitsplätze, die an diesen Betrieben hängen.

Petra Köpping antwortet ohne diplomatischen Nebel: „Wir werden dem so nicht zustimmen.“ Es ist dieser Satz, der in einem politischen Prozess Gewicht hat, weil er das übliche „wir prüfen“ überspringt. Sie verweist auf mehrere Änderungsvorschläge, die man vorgelegt habe, und zeichnet den Weg, der dann folgt, wenn sie nicht aufgenommen werden: Vermittlungsausschuss. Sie betont den „kurzen Draht“ zu Kammer und Verband, und sie setzt eine Linie, die in solchen Runden fast immer gezogen wird, aber hier in der Schärfe auffällt: Man wolle die Apotheke vor Ort, man wolle nicht, dass „da ein Automat steht und Medikamente ausgibt“, man brauche Beratung und das, „was sie da machen“. Das ist Anerkennung, ja, aber es ist auch ein Hinweis darauf, wie sehr die Politik inzwischen über Bilder arbeitet: Automat versus Beratung, Fläche versus System.

Bei der Quote wird es dann kompliziert, und man spürt, dass hier nicht nur Wille, sondern Rechtsrahmen die Grenze setzt. Köpping sagt, bei Ärztinnen und Ärzten gebe es eine gesetzliche Versorgungsvorgabe, bei Apothekerinnen und Apothekern in dieser Form nicht. Deshalb sei eine Apothekerlandquote aktuell gesetzlich nicht möglich. Gleichzeitig kündigt sie an, das Thema in Berlin einzubringen und über Ausbildungskapazitäten zu sprechen. Und dann fällt der Satz, der den Raum kippen lässt: In Sachsen gebe es noch etwa 800 Apotheken, es seien mal tausend gewesen, und zu DDR-Zeiten habe es 400 gegeben – „um auch mal die Relation ein Stück weit zu zeigen“.

Genau an dieser Stelle platzt der Vergleich. Hänel ärgert sich nicht, weil sie Zahlen nicht kennt, sondern weil der historische Bezug eine falsche Logik nahelegt: Wenn es damals mit 400 ging, warum heute nicht auch. Hänel sagt, man könne das nicht vergleichen, Bevölkerung sei größer, älter, Aufgaben seien mehr, Bürokratie verschlinge Zeit, die es damals in dieser Form nicht gab. Und man merkt, dass hier ein tieferes Missverständnis offenliegt: Politik verwechselt gern „Apothekenzahl“ mit „Versorgungsleistung“. Die Zahl ist aber nur die Hülle. Was heute in einer Apotheke an Dokumentation, Abgabeprozessen, IT, Austausch, Lieferengpass-Management und rechtlicher Präzision zusammenläuft, ist ein anderes Feld als der reine Zugang zu Arzneimitteln.

Die Szene zeigt deshalb zwei Wahrheiten, die sich gegenseitig nicht aufheben. Die erste: Sachsen signalisiert im Bundesrat Widerstand, wenn das Gesetz aus Sicht des Landes die ökonomische Tragfähigkeit der Betriebe nicht stabilisiert. Das ist ein klares Machtinstrument. Die zweite: Selbst dort, wo Anerkennung ausgesprochen wird, rutschen in der politischen Kommunikation Vergleiche hinein, die den Kern der Belastung verfehlen, weil sie die Aufgabenlast von heute ausblenden. Wenn dann noch die Frage nach der Quote im Raum steht, wird sichtbar, wie groß die Lücke zwischen Problemwahrnehmung und rechtlicher Handlungsmacht ist: Die Versorgung ist politisch gewollt, aber die Werkzeuge, sie zu erzwingen oder zu sichern, sind nicht sauber hinterlegt.

Und so bleibt aus dieser Talkrunde etwas zurück, das größer ist als der Moment im Studio. Nicht, weil Talkshows Gesetze machen. Sondern weil hier die Grundspannung der nächsten Monate in einem Satzpaar aufleuchtet: „Wir werden dem so nicht zustimmen“ auf der einen Seite, „zu DDR-Zeiten gab es 400 Apotheken“ auf der anderen. Das erste ist ein Hebel. Das zweite ist eine Nebelmaschine.

 

Vitamin C am Morgen, Retinoid am Abend, Beratung wird zur Verträglichkeitsarbeit.

Trends haben oft diesen Tonfall, als hätte jemand ein Geheimnis entdeckt, das gestern noch niemand kannte. Dabei ist die Routine „Vitamin C morgens, Vitamin-A-Derivat abends“ weniger ein Geheimtipp als eine saubere Aufteilung von Mechaniken: tagsüber Schutz und Stabilisierung, nachts Umbau und Erneuerung. Dass es auf Social Media trotzdem wie eine neue Offenbarung wirkt, liegt nicht an der Chemie, sondern am Bedürfnis nach einfachen Regeln. Genau da beginnt das Beratungsproblem: Einfach klingt gut, aber Haut reagiert nicht auf Regeln, sondern auf Dosis, Tempo und Geduld.

Vitamin C, topisch angewendet, ist das klassische Antioxidans in der Tageslogik. Es fängt freie Radikale ab, die unter UV-Belastung entstehen, und es wird mit Effekten auf Kollagensynthese und Pigmentausgleich in Verbindung gebracht. Retinoide wie Retinol oder Retinal sind das Gegenstück in der Nachtlogik: Zellerneuerung, glattere Oberfläche, Einfluss auf Kollagen und Matrix, ein Remodelling, das nicht in zwei Tagen passiert. Die Kombination wirkt deshalb so plausibel, weil sie sich nicht doppelt, sondern komplementär verhält. Man kann sie aber auch missverstehen, und dann wird aus Komplementarität schnell Überforderung der Hautbarriere.

In der Darstellung, die dazu kursiert, werden gern konkrete Zahlen genannt, weil Zahlen beruhigen: eine Zunahme der epidermalen Dicke um etwa ein Viertel, eine Verringerung der Faltentiefe im Bereich von 15 bis 20 Prozent, eine Steigerung der Elastizität um rund 20 Prozent, begleitet von Veränderungen bei Kollagen-Markern. Solche Angaben erzeugen den Eindruck von Präzision, und genau deshalb ist es wichtig, die zweite Ebene mitzudenken: Viele Untersuchungen sind offen angelegt, nicht placebokontrolliert, und sie arbeiten mit Regimen über Wochen. Das ist nicht „schnell und sicher“, sondern „langsam und konsequent“. Wer den Zeitfaktor unterschätzt, greift oft zu hoch dosiert, zu häufig, zu früh.

Für Apothekenteams ist das nicht primär ein Beauty-Thema, sondern ein Strukturthema der Beratung. Denn an Retinoiden hängen typische Anfangsreaktionen: Trockenheit, Rötung, Schuppung, ein Gefühl, als hätte man die Haut „zu sehr gewollt“. Wer dann gleichzeitig Vitamin C in einer Formulierung nutzt, die selbst schon potenziell reizt, addiert nicht einfach Wirkung, sondern Reiz. Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Substanz, sondern das falsche Tempo. Und Tempo ist in der Beratung schwer, weil es keine dramatische Pointe hat: weniger ist am Anfang mehr, und mehr ist später vielleicht möglich.

Die Frage „Welches Retinoid?“ wird deshalb zur Übersetzung von Wirksamkeit in Alltag. Retinol gilt als wirksam und in vielen Produkten gut steuerbar, Retinal braucht weniger Umwandlungsschritte und wird oft als potenter beschrieben, kann aber auch schneller spürbar sein. Retinylester sind eine mildere Einstiegsvariante, Bakuchiol wird als pflanzliche Alternative genannt, die ähnliche Anti-Aging-Effekte erzielen soll, ohne die typischen Reizungen. Das sind keine Hierarchien, das sind Pfade. Der richtige Pfad hängt davon ab, ob jemand schon eine robuste Routine hat oder ob die Haut schon bei Wetterwechseln protestiert.

Und dann kommt die Stelle, an der aus Trend ein Risiko wird: Konzentrationen. Wenn Einsteiger mit 0,1 bis 0,3 Prozent Retinol starten sollen oder bei Retinal mit sehr niedrigen Bereichen, dann steckt dahinter kein Marketing, sondern die Erfahrung, dass Haut sich an Retinoide gewöhnen muss. Die langsame Einführung nach einer einfachen Wochenlogik – einmal, dann zweimal, dann dreimal – klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen „funktioniert“ und „abgebrochen“. Dazu gehört der Hinweis, dass Retinoide abends gehören, weil sie die Lichtempfindlichkeit erhöhen können, und dass täglicher Sonnenschutz am Morgen kein optionales Extra ist, sondern die Bedingung, damit der ganze Plan nicht ins Gegenteil kippt.

Die zweite Erzählschleife liegt bei diesem Thema in einem Satz, den viele gern überlesen: Verträglichkeit schlägt Maximalkonzentration. Die Routine ist nur so gut wie die Haut, die sie aushält. Und wer Beratung ernst nimmt, verkauft hier nicht „das stärkste Produkt“, sondern eine Logik, die Menschen in ihrem Alltag durchhalten können: langsam starten, Reaktionen beobachten, Feuchtigkeitspflege als Begleitung, UV-Schutz als Pflicht, Erwartungen an Wochen statt an Tage. Der Trend ist nicht falsch. Falsch wird er erst, wenn er so tut, als gäbe es keine Haut, sondern nur ein Rezept.

 

Glätte schickt Menschen ins Krankenhaus, Räumpflicht wird zum Streit, Berlin sucht Salz als Ausweg.

Es fängt mit einem Geräusch an, das in Berlin gerade viele kennen: der kurze, harte Aufprall, bevor man überhaupt versteht, dass der Gehweg nicht „ein bisschen glatt“ ist, sondern spiegelglatt. Was dann als Einzelfall beginnt, endet als Systemlast. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht von einer verstärkten Belastung der Notaufnahmen und stationären Bereiche durch Glätteunfälle, besonders betroffen seien Regionen im Osten, und Berlin sticht heraus, weil dort so viele Menschen zu Fuß unterwegs sind. Die Aussage wirkt nüchtern, aber sie trägt eine Lagebeschreibung in sich: Wenn Glätte über Tage bleibt, wird jeder Weg zur Risikofrage.

Das BG Unfallkrankenhaus in Berlin, heißt es, sei derzeit jeden Tag voll; Betten und Personalkapazitäten seien mehr als ausgelastet, die Chirurgen arbeiteten die Nächte durch. Hinter solchen Sätzen steckt kein dramatischer Effekt, sondern das Gegenteil: Routine unter Überlast. Das Verletzungsspektrum ist breit, von Knochenbrüchen und schweren Prellungen bis zu Gehirnerschütterungen und Platzwunden, dazu einige Schwerverletzte, und es trifft nicht nur Ältere. Glätte ist demokratisch, sie schickt jeden auf den Boden, der den falschen Schritt macht.

Interessant ist, wie schnell sich bei solchen Lagen der Blick von der Witterung auf Zuständigkeiten verschiebt. Während Straßen oft eisfrei gehalten werden, kritisiert die Krankenhausgesellschaft, funktioniere die Räumpflicht auf Geh- und Radwegen weder flächendeckend noch werde sie konsequent durchgesetzt. In Berlin kommt dann die klassische Großstadtmischung dazu: private Grundstückseigentümer, die zuständig sind, eine Verwaltung, die kontrollieren müsste, und ein Wetter, das diese Lücke gnadenlos sichtbar macht. Das klingt nach Ordnungsrecht, ist aber plötzlich Gesundheitspolitik, weil die Folgen nicht im Rathaus, sondern im OP landen.

Mitten hinein in diese Gemengelage platzt eine Debatte, die in Berlin fast zwangsläufig zur Symbolfrage wird: Streusalz. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner fordert auf X eine schnelle Gesetzesänderung, um den Einsatz von Tausalz auf eisglatten Gehwegen in Ausnahmen zu ermöglichen. Der Vorstoß sorgt für Spott, weil er auf der Plattform wie ein Betteln um Mehrheiten wirkt, und weil Winter eben Winter ist. Gleichzeitig zeigt die Reaktion, dass die Lage längst über die Frage hinausgeht, ob man den Einsatz von Salz „schön findet“. Wenn Menschen in Serie stürzen und Kliniken volllaufen, verliert die Debatte ihren akademischen Ton.

Die Regel in Berlin ist bekannt und in der Logik des Umweltschutzes sauber: Auftaumittel sind weitgehend verboten, stattdessen Split oder Sand, und nur die Stadtreinigung darf Auftaumittel einsetzen, zudem nur auf bestimmten verkehrswichtigen Straßen oder in Ausnahmesituationen. Für Gehwege sind die Anlieger zuständig. Das Problem ist, dass sich ein Regelwerk nur dann bewährt, wenn es im Ernstfall umgesetzt werden kann. Wenn es das nicht wird, entstehen zwei Schäden gleichzeitig: Verletzte und Vertrauensverlust. Dann wirkt der Staat, als hätte er ein Verbot verwaltet, aber die Realität nicht im Blick.

Ute Bonde, Berlins Umwelt- und Verkehrssenatorin, fordert ebenfalls eine Änderung des Straßenreinigungsgesetzes und verweist darauf, dass Hamburg so etwas getan habe. Sie räumt die Umweltrisiken von Salz ein, betont aber, bei Gefahr für Leib und Leben müssten Ausnahmen möglich sein. Man hört darin die klassische Abwägung: Schutz des Grundwassers versus Schutz von Menschen auf Gehwegen, und dazwischen die Frage, ob man eine Ausnahmeregelung so baut, dass sie nicht zur Dauerlösung wird.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die banal klingt und trotzdem weh tut: Winter ist planbar, Glätte nicht immer. Was nicht planbar ist, ist die Kette, die daraus entsteht, wenn Räum- und Streupflichten in einer Stadt nicht funktionieren: Sturz, Rettungswagen, Notaufnahme, OP, Bett, Personal, Nachtarbeit. Die Debatte um Salz ist deshalb nicht nur eine Umweltdebatte. Sie ist eine Debatte darüber, ob Berlin in der Lage ist, Grundregeln des Alltags so zu organisieren, dass Krankenhäuser nicht die Rechnung für fehlenden Winterdienst bezahlen.

 

RSV zieht an, Abwasser bestätigt die Welle, Antikörper verschieben die Schwere.

Es ist diese Jahreszeit, in der Zahlen schneller steigen als die Gelassenheit. Das Robert Koch-Institut datiert den Beginn der RSV-Welle nach seiner Definition rückblickend auf die Woche ab dem 5. Januar. Seitdem zieht die Kurve sichtbar an: In der Woche vom 5. bis 11. Januar waren rund 1670 Fälle gemeldet, eine Woche später bereits 2675, mit dem Hinweis, dass Nachmeldungen die Werte noch verändern können. Das ist die nüchterne Seite. Die andere Seite ist das, was viele in der Praxis längst spüren: Es wird wieder voller, wieder hustiger, wieder kleinkindlastiger.

Interessant ist, wie sich in dieser Welle die Messmethoden selbst in den Vordergrund schieben. Weil insgesamt nur noch selten getestet wird, werden Abwassermessungen zu einem wichtigen Hinweisgeber – und auch dort zeigt sich eine steigende Viruslast. Das ist eine stille Verschiebung in der Beobachtung: weniger individualisierte Diagnostik, mehr populationsweite Signale. Für die Kommunikation ist das heikel, weil Menschen gern ein Testergebnis als Gewissheit mögen. Abwasser ist kein persönlicher Befund, aber als Trendanzeige oft ehrlicher als die Statistik, die von Testfreude abhängt.

Die Sentinel-Tests aus Arztpraxen, die regelmäßig Proben an das RKI senden, zeigen zuletzt vor allem Nachweise bei Säuglingen und Kindern zwischen null und vier Jahren. Das passt zur Erfahrung: RSV ist für die Kleinsten das größere Risiko, während es bei älteren Kindern und Erwachsenen oft wie eine Erkältung durchläuft, manchmal hartnäckig, manchmal banal. Und genau hier sitzt die zweite Erzählschleife dieser Lage: Die Fallzahlen steigen, aber die dramatischen Bilder aus den Intensivstationen sollen seltener geworden sein.

Dr. Jakob Maske, Kinderarzt in Berlin und Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt:innen, bringt es in einem Satzpaar auf den Punkt: Ja, die RSV-Fälle nehmen sehr stark zu, aber man sehe kaum noch Kinder, die schwer erkranken und auf die Intensivstation müssen. Er nennt als Grund den großen Erfolg der passiven Immunisierung, die die Ständige Impfkommission seit 2024 für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt. Das ist der entscheidende Unterschied zu früheren Wellen: Die Welle ist da, aber die Last verschiebt sich in ihrer Schwere.

Dazu passt die Analyse, die RKI-Expertinnen und -Experten im August 2025 veröffentlicht haben: Seit Einführung des Antikörper-Wirkstoffs hätten sich die Fälle bei Säuglingen halbiert. Das ist kein kleines Detail, weil es genau die Gruppe betrifft, bei der RSV die gefährlichste Dynamik entfalten kann: Babys bis zu einem Alter von zwölf Monaten. Wenn hier die Fallzahlen und vor allem die schweren Verläufe zurückgehen, dann verändert das nicht nur Klinikstatistiken, sondern auch die innere Nervosität, mit der eine Saison in Kinderarztpraxen und Familien beginnt.

RSV bleibt trotzdem ein Erreger, der sich nicht wegreden lässt. Man kann in jedem Alter erkranken und sich auch wiederholt infizieren. Und die STIKO-Empfehlungen zeichnen das breite Bild: Neben Säuglingen wird eine RSV-Impfung allen Menschen ab 75 Jahren empfohlen sowie Personen zwischen 60 und 74 Jahren mit schwerer Grunderkrankung. Das ist die Erinnerung daran, dass RSV nicht nur „Kinderkrankheit“ ist, sondern in bestimmten Risikogruppen auch im Erwachsenenalter klinisch relevant sein kann.

So entsteht eine Lage, die man falsch erzählen kann, wenn man nur eine Zahl sieht. Wer nur die Anstiege sieht, übersieht den Effekt der Prophylaxe. Wer nur den Rückgang der Intensivfälle hört, unterschätzt die Wucht des Infektionsgeschehens im Alltag. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Reibung dazwischen: mehr Fälle, mehr Belastung in der Versorgung, aber eine verschobene Schwere, die zeigt, dass Prävention nicht spektakulär sein muss, um das System zu entlasten.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Wenn eine Woche gleichzeitig an der Kasse, im Dienstplan und in der Politik knirscht, wirkt sie wie ein einziges Geräusch: Papier, das sich falsch anfühlt, Nächte, die nicht enden, Zahlen, die als Argument herumgereicht werden. Der gemeinsame Nenner ist nicht Skandal, sondern Reibung – überall dort, wo Verantwortung in Sekunden entschieden wird, ohne dass Reserve sichtbar ist. Wer heute einen Schein prüft, eine Plattform skaliert oder einen Notdienst durchsteht, merkt: Systeme kippen nicht durch einen großen Knall, sondern durch viele kleine Momente, die niemand mehr abfedert.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Vielleicht ist das die nüchternste Nachricht des Tages: Nicht die großen Überschriften machen das System teuer, sondern die unsichtbare Mehrarbeit, die entsteht, wenn jeder Schritt doppelt geprüft werden muss und trotzdem etwas durchrutscht. Falschgeld, Notdienst, Glätte und Viruswellen sind nur verschiedene Oberflächen derselben Frage, wie viel Puffer eine Gesellschaft noch hat. Und solange Puffer nur gefordert, aber selten gebaut wird, wird jede Woche zur Prüfung, auch wenn sie wie Routine beginnt.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verantwortung in Recht, Versorgung und Alltag so bleibt, dass sie nicht in Momentaufnahmen verdunstet.

 

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