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  • 29.01.2026 – Empfindlichkeit als Strategie, Sponsoring als Bühne, Versorgung als Rechnung.
    29.01.2026 – Empfindlichkeit als Strategie, Sponsoring als Bühne, Versorgung als Rechnung.
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Ein Kommentar über politische Empfindlichkeit nach gesponserten Auftritten, die Logik von Nähe und Rückzug und die Frage, wi...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Empfindlichkeit als Strategie, Sponsoring als Bühne, Versorgung als Rechnung.

 

Ausgabe Nr. 170 | Empfindlichkeit als Strategie, Sponsoring als Bühne, Versorgung als Rechnung

Stand: Donnerstag, 29. Januar 2026, um 20:10 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Christos Pantazis, DocMorris-Nähe in der Reformdebatte und die Verlagerung von Versorgungsverantwortung.

Die eigentliche Nachricht ist nicht, was Christos Pantazis auf einem von DocMorris gesponserten Panel sinngemäß gesagt haben soll, sondern was danach passiert: Ein politisches Signal wird in den Raum gestellt, der Raum reagiert, und im Rückwärtsgang wird aus Haltung plötzlich „Missverständnis“. Diese Abfolge ist kein Ausrutscher, sie ist eine Methode, weil sie zugleich zwei Ziele bedient: Nähe zeigen, ohne Bindung zuzugeben, und Distanz behaupten, ohne das eigene Signal zu widerrufen. Wer so agiert, verkauft Beweglichkeit als Professionalität, produziert aber in Wahrheit Unberechenbarkeit.

Gerade im Apothekensystem ist Unberechenbarkeit kein Nebengeräusch, sondern ein Kostenfaktor. Betrieb, Personal, Lager, Notdienst, Ausfallrisiken, all das lässt sich nicht auf Zuruf umstellen, nicht mit einer Gegendarstellung glätten, nicht mit semantischer Spitzfindigkeit aus der Welt reden. Wenn Reformpolitik in Bühnenlogik gerät, verschiebt sich die Achse: Nicht die Versorgungsfrage führt, sondern die Deutungsfrage, und Deutung gewinnt, wer Sichtbarkeit, Zugang und die passende Kulisse hat. Das ist der Punkt, an dem Versorgung zur nachgeordneten Variable wird.

Pantazis’ Empfindlichkeit im Nachgang wirkt deshalb weniger wie persönliche Kränkung als wie der Reflex eines Systems, das Kritik nicht als Korrektiv, sondern als Störung behandelt. Wer austeilen kann, muss einstecken können, sonst wird Öffentlichkeit zum Feindbild und Verantwortung zur PR-Disziplin. Die alte Szene aus dem Bundestag 2007, in der der Tonmitschnitt plötzlich „nicht mehr auffindbar“ war, passt nicht wegen der Personen, sondern wegen der Mechanik: Erst wird Raum geschaffen, dann wird das Gedächtnis unscharf gemacht. Ein Versorgungssystem kann so nicht geführt werden, weil es auf Verlässlichkeit angewiesen ist, nicht auf nachträgliche Nebelkerzen.

Der gefährlichere Teil liegt tiefer: Wenn Politik Wettbewerb und Plattformlogik als Fortschritt markiert, ohne die Stabilisierung der Fläche gleichzeitig sichtbar mitzubauen, entsteht eine stille Verlagerung der Staatsaufgabe. Dann tragen Betriebe vor Ort den Puffer, halten die Lücken, übernehmen die Systemlast, während an anderer Stelle Anschlussfähigkeit und Geduld in Richtung Skalierer wachsen. Heute sind es Versender, morgen Plattformen, übermorgen Drogerieketten mit Gesundheitswelten, immer unter dem Etikett „niedrigschwellig“, immer mit dem Unterton, Stabilität sei Besitzstand. Das Ergebnis ist nicht Modernisierung, sondern Ausdünnung: weniger Personalbindung, weniger Investitionsbereitschaft, mehr Schließungsdruck, später erkannt, härter abgefangen, teurer getragen.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Politik verliert ihre ordnende Kraft nicht durch einzelne falsche Entscheidungen, sondern durch ein Muster aus Andeutung, Rückzug und nachträglicher Empfindlichkeit. Sobald Nähe zu Sponsoren als Gespräch verkauft wird und Distanz erst dann entsteht, wenn Reaktionen laut werden, verschiebt sich der Maßstab. Nicht Versorgung strukturiert Politik, sondern Bühne strukturiert Bedeutung. Für die Apotheken bedeutet das einen schleichenden Rollenwechsel: vom verlässlichen Bestandteil der Daseinsvorsorge hin zum stillen Puffer eines Systems, das seine Prioritäten situativ setzt. Stabilität wird eingefordert, ohne sie politisch abzusichern, Anpassung verlangt, ohne Verantwortung klar zu verorten. So entsteht Systemlast nicht durch Reform, sondern durch das Ausbleiben klarer Setzungen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn politische Kommunikation beweglicher wird als ihre Verantwortung, wird Versorgung zum Kollateralschaden strategischer Unschärfe. Apotheken tragen dann nicht nur wirtschaftliches Risiko, sondern kompensieren staatliche Zurückhaltung mit eigener Substanz. Wer das als Modernisierung verkauft, verwechselt Flexibilität mit Führung. Ein Staat, der seine Versorgungsaufgabe ernst nimmt, braucht keine Empfindlichkeit gegenüber Kritik, sondern Verlässlichkeit gegenüber denen, die das System täglich tragen

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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