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  • 27.01.2026 – Gesundheitsshops verschieben Verantwortung, Terminals ersetzen Präsenz, Politik senkt die Messlatte.
    27.01.2026 – Gesundheitsshops verschieben Verantwortung, Terminals ersetzen Präsenz, Politik senkt die Messlatte.
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Kommentar über Notlösung und Normalisierung: Ersatzmodelle verlagern Verantwortung, weshalb Präsenz, Haftung und Finanzierun...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Gesundheitsshops verschieben Verantwortung, Terminals ersetzen Präsenz, Politik senkt die Messlatte.

 

Ausgabe Nr. 169 | Gesundheitsshops sind Symptom, nicht Idee.

Stand: Dienstag, 27. Januar 2026, um 18:10 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Gesundheitsshops, Terminalmodelle und Versorgungsdichte.

Gesundheitsshops entstehen nicht, weil jemand den Landhandel neu erfinden will, sondern weil Versorgung in der Fläche an mehreren Stellen gleichzeitig ausdünnt: erst Post, Bank und Bäcker, dann Arztpraxis und Apotheke, und am Ende bleibt die Frage, ob man Funktionen stapeln muss, damit überhaupt wieder ein Ort existiert, an dem Hilfe erreichbar wirkt. Genau deshalb klingt die Kombination aus Rx-Bestellterminal, Freiwahlbereich und pharmazeutischem Personal außerhalb der Offizin so verführerisch pragmatisch. Sie verkürzt Wege, sie macht Präsenz sichtbar, sie nimmt dem Alltag etwas Strecke. Wer das reflexhaft abtut, versteht die Not nicht.

Der Preis liegt nicht im Terminal, sondern in der Verantwortungsdichte. Was früher in einer vollverantwortlichen Struktur gebündelt war, wird in ein Ersatzmodell überführt, das über Bestellwege, Lieferung, Beratung am Rand und eine neue Grauzone aus Aufsicht, Herstellerlogik und Exklusivität funktioniert. In dieser Grauzone entscheidet sich nicht nur, ob ein Konzept formal zulässig ist, sondern ob es im Alltag verlässlich bleibt: wer dokumentiert, wer haftet, wer fängt Fehlanwendungen ab, wer trägt den Aufwand, wenn Beratung nicht nur freundlich, sondern belastbar sein muss.

Politisch wird es dort, wo ein halbwegs funktionierendes Provisorium zur bequemen Erzählung wird, die Lücke sei ja gefüllt. Dann verschiebt sich die Debatte leise, aber entscheidend: weg von der Frage, wie echte Versorgungsdichte finanziert und gehalten wird, hin zur Frage, wie Ersatzversorgung organisiert werden kann. Aus einer Übergangslösung wird ein Standard, ohne dass man ihn je beschlossen hat. Und Standards, die nicht beschlossen wurden, haben eine typische Eigenschaft: Sie bekommen keine saubere Finanzierung, keine klare Haftungszuordnung und keine echten Qualitätsroutinen, sondern nur Erwartungsdruck.

Das ernsthafte Gegenargument bleibt trotzdem stehen. Übergangslösungen können Leben erleichtern, sie können Präsenz zurückbringen und Erfahrungen liefern, die sonst niemand sammelt. Gerade weil sie aus Not geboren sind, verdienen sie eine faire Prüfung. Aber Fairness ohne Leitplanken ist nur ein anderes Wort für Gewöhnung. Wenn Exklusivität, Aufsicht und Herstellerbindungen im Ungefähren bleiben, wenn Verantwortung in den Lieferketten verschwindet, wenn der Betrieb am Ende alles auffängt, dann ist der Shop nicht die Rettung, sondern der Moment, in dem man sich daran gewöhnt, dass weniger genug sein soll.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein geschlossener Apothekenraum wird zum Shop, ein Terminal wird zur Abkürzung, eine Beratung wird zur Randbedingung. Es sieht nach Lösung aus, weil wieder etwas da ist, wo vorher nichts war. Aber genau in dieser Erleichterung steckt die gefährliche Gewöhnung: Wenn Erreichbarkeit als gleichwertig gilt, wird Verantwortung unscharf, und das Provisorium bekommt den Rang, den eigentlich nur eine voll finanzierte Versorgungsstruktur tragen kann.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Ein System, das Lücken mit Ersatzmodellen füllt, muss gleichzeitig beweisen, dass es den Maßstab nicht senkt, sondern hält. Dafür braucht es klare Zuständigkeit, prüfbare Qualität, eine echte Haftungslogik und eine Finanzierung, die nicht so tut, als sei Präsenz kostenlos. Wenn das fehlt, wird aus dem Experiment ein Standard ohne Rückgrat. Und der nächste Schritt der Ausdünnung kommt dann nicht als Schock, sondern als stille Fortsetzung.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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