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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Dienstag, 27. Januar 2026, um 21:40 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
In einem Ort ohne Apotheke klingt jedes Versorgungsplus wie ein Sieg über die Leere. Genau darin liegt die Spannung: Wenn ein Apotheker Postfiliale, Rezept-Terminal und ein kleines Freiwahlsortiment in ein gemeinsames Dienstleistungszentrum zieht, verbessert er den Alltag – und setzt zugleich ein Bild in die Welt, das später gegen die Branche arbeiten kann. Denn wer Versorgung als „Zugangspunkt mit Regal und Gerät“ lernt, fragt irgendwann nicht mehr nach Verantwortung, sondern nach Standort. Und dann wird Abgrenzung plötzlich zu einer nachträglichen Erklärung.
Ducherow hat seit mehr als drei Jahren keine Apotheke mehr. Was geblieben ist, sind Rezeptbriefkästen, Fahrwege, ein Ausweichen auf den nächsten Ort, und die stille Normalisierung, dass Versorgung eben „irgendwie“ stattfindet. In diese Lücke setzt Apotheker Florian Köster nun ein Dienstleistungszentrum in einer Sparkassenfiliale: Postfiliale, Bürgermeisterbüro, perspektivisch vielleicht mehr – und als Besonderheit ein Terminal, über das Rezepte eingelöst werden können, inklusive Papierrezepte oder das Abfotografieren von Packungen. Die Arzneimittel sollen anschließend von seiner Cothenius Apotheke in Anklam geliefert werden. Zur Eröffnung ist ein früher Termin angekündigt, eine Arztpraxis liegt in der Nähe, eine Bedarfsliste soll den lokalen Bedarf an nicht rezept- und nicht apothekenpflichtigen Produkten sichtbar machen.
Der Fall wirkt wie pragmatische Daseinsvorsorge, und genau so ist er auch gemeint. Wo die Fläche keinen Apothekenstandort mehr hält, sucht ein Inhaber eine Konstruktion, die im Alltag funktioniert. Kösters Argument ist dabei nicht Technikromantik, sondern Betriebspraxis: Terminals an „fremden“ Standorten laufen oft schlecht, weil niemand danebensteht, der erklärt. Eine Postfiliale hat Personalpräsenz während der Öffnungszeiten; aus einem Automaten wird damit ein betreuter Zugang. Die Idee ist nicht, eine Apotheke zu imitieren, sondern eine Brücke zu bauen, die den Ort zurück an Versorgung anschließt.
Genau hier beginnt die heikle Verschiebung, die man nicht wegmoderieren kann. Ein Terminal ist nicht nur Technik, sondern ein Bedeutungswechsel: Es markiert, dass die Apotheke als Ort nicht mehr zwingend ist, sondern die Apotheke als System aus Übermittlung, Auswahl, Belieferung. Für die Versorgung eines apothekenlosen Ortes kann das ein Fortschritt sein. Gleichzeitig formt es ein Bild, das nach außen leicht in eine andere Logik kippt: Versorgung als Interface, ergänzt um „kleine Dinge“ im Regal, eingebettet in ein Dienstleistungszentrum. Sobald dieses Bild zur Normalität wird, schrumpft die Unterscheidungskraft, obwohl die heilberufliche Verantwortung im Hintergrund weiter voll trägt.
Das Problem ist nicht, dass ein Apotheker eine Postfiliale betreibt. In dünn besiedelten Regionen ist Mehrfachnutzung oft die letzte Infrastruktur, die noch trägt. Das Problem ist der Nebeneffekt im Berufsbild: Wenn das heilberufliche Systembild in der Öffentlichkeit als kombinierbares Modul zwischen Post, Verwaltung und vielleicht weiteren Diensten erscheint, wächst die Versuchung, die Apotheke selbst als austauschbaren Baustein zu behandeln. Dann wird aus einer Versorgungsfrage eine Standort- und Sortimentsfrage. Und genau diese Verschiebung ist die Steilvorlage für Handelslogik: Wer nur den Zugangspunkt sieht, hält es für plausibel, dass andere Zugangspunkte dasselbe anbieten könnten.
Hier sitzt der Systembruch im Kleinen. Der Versorgungsauftrag lebt davon, dass Prüfung, Beratung, Verantwortung und Abgabe als Einheit wahrgenommen werden, nicht als lose Kette. Im Hybridmodell wird die Einheit funktional getrennt: Hier der Ort, der den Zugang organisiert, dort die Apotheke, die beliefert. Das kann korrekt, sicher und gut organisiert sein. Aber es verändert Erwartungen: Wer ein Rezept am Terminal „einlöst“, erlebt eine Dienstleistung, die sich wie Handel anfühlt, weil der Kontaktpunkt ein Gerät ist und nicht die heilberufliche Situation. Wer vor Ort zuerst Freiwahl wahrnimmt, lernt die Apotheke schneller über Ware als über Verantwortung. Und diese Lernspur ist später schwer zurückzudrehen.
Ein Gegenargument muss trotzdem stehen bleiben, sonst wird der Text zum Reflex. In Ducherow gibt es gerade keinen Apothekenstandort; moralische Reinheit hilft niemandem, der ohne Auto lebt oder Angehörige versorgt. Ein betreuter Zugang kann Versorgung überhaupt erst wieder praktisch machen, und der Versuch, den Bedarf vor Ort abzufragen, ist ein Schutz gegen Konzept-Blindheit. Auch der politische Impuls, Förderbedarf sichtbar zu machen, ist nachvollziehbar: Wenn solche Projekte nur aus Improvisation entstehen, wird der ländliche Raum dauerhaft zur Experimentierfläche, und Versorgung wird zur Bastellösung.
Gerade daraus folgt die unbequemere Folgerung. Wenn Post, Terminal und Sortiment gebündelt werden müssen, um eine apothekenlose Gemeinde wieder anzuschließen, dann ist das kein romantisches Innovationsbild, sondern ein Indikator für strukturelles Wegbrechen. Versorgung wird zur Schnittstellenfrage: Wer erklärt, wer dokumentiert, wer ist erreichbar, wer trägt Verantwortung, wenn Abläufe kollidieren? Je stärker die Leistung in Module zerlegt wird, desto mehr steigt die Systemlast, diese Verantwortungskette sichtbar zu halten – und desto leichter wird sie von außen als „reine Logistik“ missverstanden.
Die Gefahr ist real, weil sie leise wirkt. Während Apotheken gegen die Verwischung ihrer Rolle kämpfen, entsteht hier ein Modell, das aus Notwendigkeit heraus selbst an dieser Verwischung mitschreibt. Apotheken dürfen deshalb nicht überrascht sein, wenn Außenstehende die falsche Lehre ziehen: „Dann ist das offenbar auch nur ein Angebot unter vielen.“ Die Aufgabe ist doppelt: Versorgungslücken pragmatisch schließen, ohne das Berufsbild kommunikativ zu entkernen. Das verlangt eine schärfere Linie in der Darstellung: Terminal als Zugang zu heilberuflicher Leistung, nicht als Ersatz-Apotheke; Freiwahl als Nebenfunktion, nicht als definierendes Bild; Infrastrukturpartnerschaften als Notbrücke, nicht als neue Normalität.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Ein Dorf ohne Apotheke ist nicht nur ein logistisches Problem, sondern ein Test dafür, was „Versorgung“ im Alltag noch bedeutet. Wer mit hybriden Zugängen arbeitet, gewinnt Wege zurück, verliert aber leicht die klare Erzählung, wofür die Apotheke als Institution steht. In dem Moment, in dem das Bild auf Gerät, Regal und Abholung zusammenschrumpft, wird Verantwortung unsichtbar, obwohl sie weiter getragen wird. Genau dort kippt die Debatte: vom Versorgungsauftrag zur Standortfrage, und vom Heilberuf zur Angebotslogik.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Apotheken Versorgungslücken mit Schnittstellenlösungen schließen, entsteht der Preis zuerst im Bild, nicht im Warenkorb. Ein Terminal kann Versorgung retten, aber es kann auch die falsche Vergleichbarkeit erzeugen, die später von anderen Marktlogiken genutzt wird. Die Folgekosten sind dann nicht nur organisatorisch, sondern politisch: Abgrenzung wird zur Verteidigung nach dem Umbau. Und der ländliche Raum wird zum Beweisstück dafür, dass der Staat Versorgung nicht mehr hält, sondern nur noch ihre Symptome verwaltet.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der rote Faden bleibt, ob Versorgung als Verantwortungskette sichtbar bleibt oder in Schnittstellen zerfällt.
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