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  • 27.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Kammer-Phishing, EU-Cannabisurteil, Engpassalltag und Klinik-ASS-Rückkehr.
    27.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Kammer-Phishing, EU-Cannabisurteil, Engpassalltag und Klinik-ASS-Rückkehr.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Acht Themen, eine gemeinsame Mechanik: Vertrauen, Zuständigkeit und Lieferrealität werden neu vermessen – von Datenschutzvorfall und...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Kammer-Phishing, EU-Cannabisurteil, Engpassalltag und Klinik-ASS-Rückkehr.

 

Ein Datenschutzvorfall bei einer Kammer trifft die Fläche, ein EuGH-Urteil zieht die Außenkompetenz straff, während Versorgung im Alltag zwischen Engpässen, Klinikware und neuen Ladenformaten neu sortiert wird.

Stand: Dienstag, 27. Januar 2026, um 15:09 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Ein Klick, der wie Routine aussieht, kippt plötzlich in Risiko: Bei einer Kammer reicht eine Phishing-Mail, um Verteilervertrauen anzukratzen, und in den Postfächern der Betriebe entsteht diese leise, nervige Frage, ob der nächste Absender wirklich der ist, der er vorgibt zu sein. Währenddessen zieht Luxemburg eine Linie, die mehr ist als Drogenpolitik: Wer international spricht, spricht gebunden, und ein nationaler Alleingang wird zur Kompetenzfrage. In den Teams bleibt der Alltag trotzdem der härteste Lehrer: Insuline verschwinden aus der Lieferfähigkeit, Sedativa und Retardware hängen in Engpasslisten, und jede Lösung ist ein Gespräch mehr mit Praxis, Heim, Patient und Großhandel. Die Klinikseite bekommt zwar wieder einen Bestellweg für intravenöse Acetylsalicylsäure, aber die Erleichterung hat einen Haken, weil Mangelbilder nicht durch eine einzelne Öffnung verschwinden. Parallel wird Versorgung räumlich neu verhandelt: Ein Gesundheitsshop füllt die Lücke einer geschlossenen Apotheke, Freiwahl geht voran, die Rx-Schiene wird technisch angebunden, und die Kollegenschaft ringt um die Deutung. Im OTC-Markt zeigt das Jahr Müdigkeit, Wachstum wandert weg vom stationären Kanal, und Sortimente verlieren an Selbstverständlichkeit. Und dann rückt noch eine zweite Großbewegung heran: AEP wechselt den Besitzer, Plattformlogik greift in Großhandelsstrukturen, und damit verschiebt sich Macht nicht über Schlagzeilen, sondern über Konditionen, Daten und Lieferrealität. Sogar beim Diabetes-Thema ist die Pointe nicht Pathos, sondern Mechanik: Remission wird als erreichbarer Zustand beschrieben, wenn Ernährung nicht gepredigt, sondern gemessen und individuell zurückgespiegelt wird.

 

Nach Phishing bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, kippen Verteilervertrauen und Mitgliederroutine, Datenschutzdruck wächst.

Montagnachmittag ging die Apothekerkammer Westfalen-Lippe selbst nach vorn und nannte das Kind beim Namen: ein Datenschutzvorfall, ausgelöst durch eine Phishing-Mail, die nicht bei „irgendwem“ landete, sondern bei Mitarbeitenden. Das klingt nach einem klassischen, fast schon alltäglichen IT-Muster, und genau deshalb ist es für Apotheken und Apotheker:innen im Verteiler so unerquicklich. Denn der Schaden beginnt nicht erst dort, wo Daten „weg“ sind, sondern dort, wo Kommunikation als echt gilt, weil sie sich so anfühlt, weil Betreffzeile, Ton und Absenderlogik in den Tagesablauf passen.

Nach Darstellung der Kammer ging es um eine betrügerische Nachricht mit dem Betreff „Apothekerkammer Angebotsanfrage / A2026-055“. Über diese Mail konnten sich Unbefugte Kontakt-Adressdaten einer Mitarbeitendenidentität aneignen, anschließend sei Zugriff auf bestimmte personenbezogene Daten möglich gewesen, betroffen seien E-Mail-Adressen aus dem Kammerverteiler. Die Kammer sagt zugleich: Es gebe keine Anzeichen, dass weitere personenbezogene Daten kompromittiert wurden. Das ist entlastend, aber es ist auch die Stelle, an der die Lage in die zweite Ebene kippt. „Keine Anzeichen“ ist ein Prüfstand, kein Siegel, und jeder Verteiler lebt davon, dass die Empfängerseite die Absenderrolle nicht täglich neu verifizieren muss.

Was den Vorfall so unangenehm macht, ist weniger die einzelne Adresse als die Anschlussfähigkeit. Ein Verteiler ist eine Karte des Systems: wer erreichbar ist, wie breit die Kammer in die Fläche greift, welche Betriebe und Personen als „kommunikativ relevant“ markiert sind. Wenn Dritte diese Karte in die Hand bekommen, entsteht ein Hebel, der nicht über Technik, sondern über Gewohnheit wirkt. Die glaubwürdigste Täuschung ist nicht die perfekte Fälschung, sondern die, die dem Stress entgegenkommt: ein plausibler Betreff, ein schneller Klick, ein Moment, in dem Routine den Platz von Skepsis einnimmt, weil zwischen HV-Tisch, Personalmangel, Rückfragen und Lieferproblemen niemand Zeit für Misstrauen hat.

Die Kammer beschreibt, sie habe den Vorfall umgehend erkannt, die IT-Systeme geprüft, die zuständige Datenschutzaufsicht informiert und die Sicherheitslücke geschlossen. Das ist die sichtbare Schadensbegrenzung, die in solchen Fällen erwartet wird. Unsichtbarer ist die Frage, die Apotheken trotzdem trifft: Wie stabil ist der Kommunikationskanal, über den so viele organisatorische Themen laufen, vom Fortbildungslink bis zur Mitgliederinformation, von Formularen bis zu Terminen? Wenn eine Kammermail als Absenderidee missbraucht werden kann, wird aus einem Datenschutzereignis schnell ein Vertrauensereignis, und Vertrauensereignisse sind im Betrieb schwerer zu reparieren als Passwörter.

Dass im Text der Kammer Empfänger aufgefordert werden, ihre Postfächer auf ungewöhnliche oder verdächtige Aktivitäten zu prüfen, ist richtig und gleichzeitig ein Symptom. Es zeigt, wie sehr die letzte Verteidigungslinie in der Fläche liegt. Die Kammer kann Systeme härten, sie kann Vorfälle melden, sie kann technische Schritte beschreiben, aber sie kann den Moment des Klicks nicht zentral steuern. Apotheken geraten damit in die Rolle, die eigentlich jedes vernetzte System kennt: Sie sind nicht nur Nutzer, sondern Teil der Sicherheitsarchitektur, ob sie das wollen oder nicht, und diese Rolle wächst, während der Alltag nicht leichter wird.

Besonders unerquicklich ist die zeitliche Nähe zu einem weiteren Kammerereignis, das in der Vorwoche aus Nordrhein berichtet wurde. Zwei Meldungen aus berufsständischen Kontexten, kurz hintereinander, reichen nicht für eine Statistik, aber sie reichen für eine Verschiebung im Gefühl: weg vom Einzelfall, hin zur Erwartung, dass auch diese Infrastrukturen angegriffen werden wie jede andere. Genau hier entsteht ein Risiko, das gern unterschätzt wird: Nicht die große Datenbank ist der erste Schritt, sondern die Glaubwürdigkeit einer Absenderrolle, die man im Betrieb nicht permanent hinterfragen kann, ohne handlungsunfähig zu werden.

Am Ende bleibt deshalb weniger die Frage, ob „nur“ E-Mail-Adressen betroffen waren, sondern ob aus dem Vorfall eine belastbare Veränderung in der Identitäts- und Kommunikationsabsicherung folgt, die Routine aushält, ohne Routine zu verlangen.

 

Ungarns Cannabis-Alleingang, bricht EU-Außenkompetenz und Loyalität, EuGH setzt die Kante.

Es wirkt wie eine Randnotiz aus dem Maschinenraum Europas: eine Abstimmung in einer internationalen Suchtstoffkommission, ein Mitgliedstaat, der ausschert, ein Urteil in Luxemburg. Doch der Kern dieses Falls ist nicht Cannabis, sondern Machttechnik. Wer spricht für Europa, wenn Europa nach außen spricht, und wie viel Eigenleben dürfen Regierungen entwickeln, wenn sie sich in der Sache politisch im Recht fühlen.

Der Ausgangspunkt liegt bei den sechs Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation aus dem Januar 2019 zur Einstufung von Cannabis und verwandten Stoffen. Das Ziel war, die Verfügbarkeit von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu verbessern, also die Lagerung im Regelwerk zu verschieben, damit Medizin nicht an Symbolpolitik scheitert. Bevor die Suchtstoffkommission darüber entscheidet, wollten sich die Mitgliedstaaten im Rat der Europäischen Union im November 2020 auf einen gemeinsamen Standpunkt festlegen. Genau an dieser Stelle wird aus einer Sachfrage eine Verfassungsfrage.

Ungarn tat in der Abstimmung etwas, das auf dem Papier nach „nur“ einer abweichenden Stimme aussieht, in der Praxis aber wie ein Riss wirkt: Der Vertreter stimmte nicht nur entgegen dem festgelegten gemeinsamen Standpunkt, er gab zusätzlich eine Erklärung ab, die diesem Standpunkt widersprach, und in der Suchtstoffkommission folgte eine weitere Erklärung, unangekündigt, mit der Botschaft, man wolle nicht, dass WHO-Empfehlungen zu einer Erhöhung der Verwendung führten oder in nationale Politiken eingriffen. Das ist der Moment, in dem Loyalität nicht mehr Gefühl, sondern Handwerk ist. Wer im internationalen Gremium aus dem gemeinsamen Skript springt, stellt die Frage nach dem Sprecherrecht, ohne sie offen zu stellen.

Die Kommission reagierte 2021 mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Ungarn verteidigte sich mit dem Einwand, der Ratsbeschluss sei rechtswidrig. Der Europäische Gerichtshof folgt der Kommission: Entscheidungen zur Einstufung von Stoffen in den einschlägigen UN-Übereinkommen können sich auf die Anwendung von Strafen auswirken, die das Unionsrecht vorsieht; deshalb berühren sie Unionsrecht unmittelbar. Wer hier den Standpunkt festlegt, entscheidet also nicht nur über Diplomatie, sondern über die Wirklichkeit von Regeln, die in Mitgliedstaaten durchschlagen.

Der juristische Kern ist trocken, aber die Konsequenz ist scharf: Die Festlegung eines Standpunkts, den Mitgliedstaaten im Namen der Union in solchen internationalen Fragen vertreten, fällt in die ausschließliche Zuständigkeit der EU. Und wenn diese Zuständigkeit exklusiv ist, dann ist der nationale Reflex, „trotzdem“ zu sprechen, kein Ausdruck von Souveränität, sondern ein Verstoß. Dazu kommt der Grundsatz loyaler Zusammenarbeit: Mitgliedstaaten sollen der EU helfen, ihre Aufgaben zu erfüllen, und sie dürfen keine Maßnahmen ergreifen, die gemeinsame Ziele gefährden. In der Logik des Gerichts hat Ungarn durch das Abweichen nicht nur gegen einen Beschluss verstoßen, sondern die Verhandlungsposition der Union geschwächt, also die Einheit nach außen angekratzt.

Noch härter ist die Nebenlinie: Ein Mitgliedstaat kann nicht, nachdem er gegen Unionsrecht verstoßen hat, in der Vertragsverletzungsklage die Rechtswidrigkeit des zugrunde liegenden EU-Rechtsakts wie eine Art Notausgang nachschieben. Das wäre Selbsthilfe gegen die Rechtsordnung, eine Art „erst brechen, dann klagen“. Nur bei besonders schweren und offensichtlichen Fehlern, die einen Akt als praktisch nicht existent erscheinen lassen würden, wäre das anders. Das ist die Kante im Urteil: Der EuGH schützt nicht nur Kompetenzverteilung, er schützt die Reihenfolge, wie Konflikte ausgetragen werden sollen.

Wer die Sache politisch betrachtet, erkennt die eigentliche Mechanik: Es geht nicht darum, ob jemand Cannabis liberal oder restriktiv sieht, sondern ob nationale Politik sich eine Hintertür in die Außenvertretung bauen kann, wenn sie den inneren Kurs nicht mittragen will. Für die EU ist das gefährlicher als jede einzelne Abstimmung, weil es das Muster etabliert: ein gemeinsamer Standpunkt als Vorschlag, nicht als Bindung. Das Urteil zieht die Linie so, dass die nächste Abweichung nicht mehr als „Signal“ verkauft werden kann, sondern als Regelbruch, und das verändert das Kalkül, bevor der nächste Minister überhaupt die Hand hebt.

 

Levemir verschwindet, Engpassroutine härtet Teams, E-Rezepte machen Tempo.

Lieferengpässe sind längst kein Ausnahmealarm mehr, sondern ein eigener Betriebsmodus, der in Apotheken in den Tageslauf eingebaut wurde, wie früher der Kassensturz oder die Temperaturkontrolle. Deshalb klingt der Satz „Es war schon mal schlimmer“ zunächst fast wie Erleichterung, und doch trägt er eine stille Schwere: Wenn ein System gelernt hat, mit Mangel zu leben, wird Mangel nicht mehr als Störung wahrgenommen, sondern als Normalform, und dann entscheidet nicht mehr die Frage, ob etwas lieferbar ist, sondern wie viel Zeit, Geduld und Vertrauen eine Lösung kostet.

Die Stimmen aus dem Backoffice zeigen die Verschiebung. Eine erfahrene PKA beschreibt Engpässe nicht als spektakuläre Katastrophen, sondern als eine Abfolge von Prüfungen, Rückrufen, Umstellungen, die sich wie ein zweiter Warenfluss neben den eigentlichen Bestellungen legen. Ein Beispiel bleibt hängen, weil es zeigt, wie hart es werden kann, wenn „nicht lieferbar“ nicht bedeutet, dass man ein anderes Präparat nimmt, sondern dass die Therapie in Bewegung gerät: Levemir, Insulin detemir, wird seit Mitte Oktober 2025 als nicht lieferbar beschrieben, Flexpen wie Patrone, und der Hersteller nennt als Grund nur noch Restbestände im Markt, die abverkauft werden, verbunden mit dem Hinweis, dass das Präparat außer Vertrieb gesetzt wird. Hier endet der Reflex „Alternative bestellen“ abrupt. Wenn nichts geht, muss neu eingestellt werden, und das ist ein anderes Gewicht als eine Packungsgröße zu wechseln.

Genau an dieser Stelle wird sichtbar, warum Engpassmanagement nicht nur Logistik, sondern Kommunikation ist. Der Ablauf, den die PKA skizziert, ist nicht kompliziert, aber er ist arbeitsintensiv: zuerst prüfen, ob andere Größen oder Firmen verfügbar sind, dann die verschreibende Praxis informieren, gleichzeitig das Heim in Kenntnis setzen, und zwar so, dass beide Seiten wissen, dass die andere Seite es weiß. In dieser Kaskade steckt ein stiller Schutzmechanismus gegen Schuldzuweisungen und gegen das Chaos, das entsteht, wenn alle parallel handeln. Es ist die Art von Koordination, die man nur entwickelt, wenn man sie oft genug schmerzhaft gebraucht hat.

Interessant ist, was neben den erwartbaren Engpässen auftaucht. Nicht nur Hochpreisiges oder Spezialtherapie fällt aus, sondern auch banale Dinge, etwa unsterile Kompressen, die plötzlich nicht lieferbar sind. Das irritiert, weil es das Gefühl untergräbt, man könne Mangel wenigstens in Kategorien sortieren. Wenn selbst Verbrauchsmaterial schwankt, wird die Lagerhaltung zu einer eigenen Strategiefrage: nicht mehr nur „viel oder wenig“, sondern „welche Lücken sind tolerierbar“, und wer entscheidet das im Team. Dass die Lösung in Einzelfällen über Reimporte läuft, ist dann weniger Trick als Beweis, wie sehr Apotheken inzwischen improvisationsfähig sein müssen, ohne improvisiert wirken zu dürfen.

Gleichzeitig zeigt sich eine zweite Achse: Geschwindigkeit. Im HV ist die Engpasslösung oft nur dann wirklich kundenverträglich, wenn die Rezeptänderung schnell kommt. Die PKA beschreibt das nüchtern: Rücksprache mit der Praxis im Beisein der Kundschaft, Änderung organisieren, Alternativpräparat im besten Fall direkt mitgeben. Und dann fällt ein Satz, der wie eine kleine Tür in eine andere Wirklichkeit wirkt: Schneller gehe es nur mit digitalen Verordnungen, und wenn es um E-Rezepte geht und die Arztpraxis fix signiert, liege die neue Verordnung innerhalb einer Stunde vor. Das ist kein Technikjubel, sondern eine konkrete Entlastung an der Stelle, an der Engpässe Zeit fressen. Hier ist Digitalisierung nicht „Projekt“, sondern schlicht Minutenrettung.

Die aktuellen Beispiele zeigen, dass Engpässe nicht verschwinden, sondern sich verschieben. Quetiapin-Retardtabletten in mehreren Stärken sind betroffen, Produktionsprobleme werden genannt, der Engpass in einer Stärke reicht weit zurück. Und bei Tavor Expidet 2,5 mg, seit Mitte Juli 2023 als Engpass gelistet, gibt es eine neue Meldung vom 20. Januar 2026 mit einer Prognose, dass der Engpass voraussichtlich am 15. Februar endet. Das ist die Sprache der Engpasswelt: Daten, Prognosen, „voraussichtlich“. Für den Betrieb heißt das: Man arbeitet auf Zeit, nicht auf Sicherheit.

Im Hintergrund steht der größere Versorgungsmangel, der nicht durch ein einzelnes Präparat definiert ist, sondern durch Gruppen: acetylsalicylsäurehaltige Arzneimittel in intravenöser Darreichungsform, Salbutamol in pulmonaler Darreichungsform, GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Das sind keine Randprodukte. Das sind Stoffe, die in Klinik, Praxis und Alltag eine Rolle spielen. Wenn sie fehlen, wird sichtbar, wie viel der Versorgung an Ketten hängt, die außerhalb der Offizin entschieden werden, und wie sehr Apotheken am Ende trotzdem die Stelle sind, an der Menschen auf Antwort warten, nicht auf Erklärung.

 

ASS i.v. aus Frankreich, Bestellwege öffnen sich, Versorgungsmangel bleibt.

Dass ein Notfallarzneimittel wieder bestellbar ist, klingt nach Entwarnung, und doch ist es in diesem Fall eher ein Zwischenzustand: Die eingeschränkte Lieferfähigkeit von Acetylsalicylsäure Panpharma i.v. 500 mg aus Frankreich ist aufgehoben, aber der Versorgungsmangel als Lagebild bleibt bestehen. Genau diese Differenz ist der Kern der Meldung. Verfügbarkeit ist nicht gleich Stabilität, und Stabilität ist es, was in Klinikroutinen zählt, wenn es schnell gehen muss.

Die Konstruktion dahinter ist typisch für Engpasszeiten: Ein in Frankreich zugelassenes, dort im Gebrauch befindliches Präparat wird hierzulande mit einer deutschen PZN in Verkehr gebracht, weil das Bundesgesundheitsministerium einen Mangel bei acetylsalicylsäurehaltigen Arzneimitteln in intravenöser Darreichungsform bekanntgegeben hatte. Das ist nicht bloß ein bürokratischer Umweg, sondern ein Signal, wie stark sich Versorgung inzwischen über Sonderwege organisiert. Nicht, weil das elegant wäre, sondern weil es funktioniert, wenn der reguläre Pfad stockt.

Entscheidend für die Praxis ist, dass die Bestellwege konkret beschrieben sind. Ab der fünften Kalenderwoche soll das Präparat verfügbar sein. Krankenhausversorgende Apotheken können direkt bei Panpharma bestellen, öffentliche Apotheken sollen über den Großhandel ordern können, der wiederum ohne Einschränkung beim Zulassungsinhaber bestellen kann. Das klingt sauber, ist aber im Alltag trotzdem eine empfindliche Kette: Je mehr Stationen, desto größer die Frage, wo sich Verzögerung einschleicht und wer am Ende die Auskunft geben muss, wenn es doch wieder hängt.

In der Indikation ist die Sache alles andere als beiläufig. Das Präparat ist für die Initialbehandlung des akuten Koronarsyndroms einschließlich instabiler Angina und Myokardinfarkt zugelassen, wenn eine orale Anwendung wegen fehlender verlässlicher Absorption nicht angezeigt ist. Das ist die Art von Situation, in der „morgen“ nicht reicht und in der eine Alternative nicht immer ein gleichwertiger Ersatz ist. Darum bleibt die Meldung trotz aufgehobener Lieferbeschränkung von dieser Schwere begleitet: Hier geht es nicht um Komfort, sondern um Versorgung im Moment der Entscheidung.

Die Produktgeschichte bringt noch eine zweite Ebene hinein, die man schnell übersieht: Bayer hat nach eigenen Angaben Aspirin i.v. im Dezember 2024 an die Panmedica-Gruppe verkauft, betroffen ist das parenterale Produkt mit D,L-Lysinacetylsalicylat Glycin, nicht der Markenname Aspirin. Künftig läuft es unter der Bezeichnung Acetylsalicylsäure Panpharma i.v. 500 mg, die Vermarktung übernimmt Panpharma als Tochter der Panmedica. In Engpasszeiten rückt damit eine Frage nach vorn, die sonst eher im Hintergrund bleibt: Wer trägt die Kontinuität, wenn Zuständigkeiten und Produktlinien wandern.

Panpharma beschreibt sich als Spezialist für Injektionspräparate und verweist auf langjährige Erfahrung, zudem auf Investitionen in eine neue Vial-Abfülllinie im Werk in Trittau, die die Kapazität deutlich erhöht. Das ist die industrielle Erzählung, die zu der praktischen Hoffnung passt: mehr Output, weniger Bruch, weniger improvisierte Wege. Gleichzeitig bleibt der entscheidende Prüfstein im Alltag schlicht, ob die Ware in der Versorgung tatsächlich ohne erneute Sprünge ankommt, Woche für Woche, Bestellung für Bestellung, ohne dass Teams wieder in den Modus wechseln müssen, in dem Verfügbarkeit nur ein Versprechen auf Zeit ist.

 

Gesundheitsshop nach Apothekenschließung, Freiwahl zieht vor, Versorgung wird neu verhandelt.

Wenn eine Apotheke schließt, entsteht nicht nur eine Versorgungslücke, sondern auch ein symbolisches Loch im Ort: Ein Raum, in dem Gesundheit früher „vor Ort“ stattfand, ist plötzlich leer, und jeder Ersatz wirkt entweder wie Notlösung oder wie Geschäftsmodell. In Langenbach in Bayern versucht ein Apotheker, genau diese Alternative zu bauen, ohne sich auf das klassische Bild eines Terminals in der Ecke reduzieren zu lassen. Er nutzt die Räume der ehemaligen Apotheke und eröffnet dort einen Gesundheitsshop, der zunächst mit Freiwahlprodukten arbeitet und perspektivisch mit E-Rezept-Terminal und Abholautomat nachrüstet.

Der Auslöser ist typisch: Der Betreiber hat bereits vier Apotheken, eine Expansion ist nach dem Apothekengesetz als Filialverbund begrenzt, und als er von der Schließung in Langenbach erfuhr, reifte die Idee, die Versorgung über eine neue Struktur zu halten. Damit beginnt die eigentliche Reibung. Denn sobald ein Apotheker außerhalb der apothekenrechtlichen Hülle handelt, wird jedes Detail zu einer Grenzfrage: Was ist noch Versorgung, was ist schon Ausweichen, was ist Innovation, und wo beginnt Rosinenpickerei. Der Betreiber wehrt diese Lesart ab und behauptet das Gegenteil: Er sehe sich als Alternative für die Gemeinde, nicht als Herauslösen der lukrativen Teile.

Bemerkenswert ist, wie das Konzept organisatorisch gebaut wird. Der Gesundheitsshop läuft nicht über die Offene Handelsgesellschaft der Apotheken, sondern über eine eigene Gesellschaft. Das ist ein Signal: Es geht nicht um eine „versteckte“ Apotheke, sondern um ein separates Geschäft, das bewusst die erlaubten Räume nutzt, in denen Freiwahlprodukte auch außerhalb von Apotheken verkauft werden dürfen. Gleichzeitig werden verschreibungspflichtige Arzneimittel in der Übergangsphase nicht frei im Regal „mitgenommen“, sondern vor Ort über App und Tablets bestellt, unterstützt von früheren Apothekenangestellten, die weiterhin dort beschäftigt sein sollen. Die Lieferung erfolgt über den Versandhandel der St.-Georg-Apotheke. Das ist die Konstruktion, die den Ort als Anlaufstelle erhält und die eigentliche Arzneimittelabgabe in eine andere rechtliche Spur schiebt.

Gerade darin liegt die Brisanz: Versorgung wird modular. Das, was früher in einem Raum unter einer Aufsicht und unter einer Betriebsordnung gebündelt war, verteilt sich auf Bausteine, die einzeln rechtlich sauber sein können, aber zusammen ein neues Bild ergeben. Der Betreiber beschreibt den Shop als Service-Point, als Ort, an dem Dienstleistungen zusammenlaufen, und nennt sogar Post- und DHL-Services als Perspektive. Das macht den Ort alltagsnah, kann aber auch die Frage verschärfen, ob hier ein Gesundheitsanker entsteht oder ein hybrider Laden, der Gesundheitsware mit Infrastrukturservices verbindet, weil das wirtschaftlich tragfähiger wirkt als reine Versorgung.

Aus rechtlicher Sicht wird im Rohmaterial betont, dass freiverkäufliche Produkte wie Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik außerhalb von Apotheken angeboten werden dürfen, zugleich aber Vorsicht geboten ist bei Produkten, die über Depotverträge mit Umfeldklauseln gebunden sind. Genau das ist die Art von Detail, an der solche Modelle hängen: Ein Konzept kann im Großen plausibel sein und im Kleinen stolpern, wenn Herstellerbedingungen, Markenführung oder Vertragsklauseln plötzlich ein Umfeld verlangen, das der Shop nicht bietet.

Die Gegenüberstellung zu Drogeriemodellen spielt im Hintergrund mit. Der Betreiber grenzt sich ab von Anbietern wie dm und argumentiert, das Angebot komme „aus der Apotheke heraus“ und sei regional schneller als Versender: Wer bis mittags bestelle, erhalte Arzneimittel bis zum nächsten Nachmittag, und zwar regional. Das ist ein Versprechen, das nicht nur auf Tempo zielt, sondern auf das Gefühl, dass Versorgung nicht aus dem Nichts kommt, sondern aus einer vertrauten Struktur. Gleichzeitig zeigt der Hinweis auf den Versand, wie stark sich selbst regionale Lösungen inzwischen auf Versandlogik stützen, weil die rechtliche und wirtschaftliche Realität sie dazu drängt.

Politisch wird das Modell nicht als Skandal, sondern als Gesprächsstoff behandelt. Die Bürgermeisterin, mitten im Kommunalwahlkampf, wirbt für den Shop, äußert sich auf Nachfrage aber nicht, und gemeinsam mit der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach steht eine Diskussionsveranstaltung über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Landkreis an, inklusive neuer Versorgungsformen. Das ist der Kontext, in dem solche Projekte wirken: Sie sind nicht nur wirtschaftliche Experimente, sondern Testläufe dafür, wie Politik den Begriff „Versorgung“ künftig fassen will, wenn klassische Apothekenstrukturen ausdünnen und der Ort trotzdem nicht „leer“ bleiben soll. 

 

OTC-Markt 2025 schwächelt, Offizin stagniert, Wachstum wandert weg.

Wenn man den OTC-Markt über Jahre betrachtet, lebt er von einer einfachen Erwartung: Selbstmedikation wächst, weil Menschen mehr Verantwortung übernehmen, weil Prävention und Alltagserkrankungen eine Konstante sind, weil der Griff ins Regal schneller ist als der Arzttermin. Die Analyse, die für 2025 vorliegt, stört diese Erwartung nicht mit einem Crash, sondern mit etwas Unangenehmerem: mit Trägheit. Ein bisschen mehr Umsatz, weniger Packungen, ein Verlauf, der über das Jahr abkühlt. Das ist kein Schlag, sondern ein Abrieb, und Abrieb ist gefährlich, weil er sich in Budgets, Sortimente und Personalplanung frisst, ohne dass es ein klares Ereignis gibt, an dem man festmachen kann, wann es gekippt ist.

Die Datenbasis wird als Abverkaufsanalyse beschrieben, gestützt auf Insight Health und DatamedIQ, ausgewertet von der Beratung Sempora. Das Bild: Konsumenten gaben 2025 nur 1,6 Prozent mehr für Selbstmedikation aus, der Markt bleibt damit unter dem Durchschnitt der letzten vier Jahre, der bei rund vier Prozent Wachstum gelegen habe. Gleichzeitig sank die Zahl der verkauften Packungen um 1,5 Prozent. In dieser Kombination steckt ein leiser Hinweis: Wert steigt, Menge fällt. Entweder werden Produkte teurer, oder es verschiebt sich der Mix, oder beides. Für die Offizin ist das eine ungemütliche Lage, weil der Betrieb am Packungsfluss hängt, nicht nur am Euro.

Noch deutlicher wird der Kanalvergleich. Der Versandhandel legte nach Umsatz um 6,4 Prozent zu, während die Offizin um 0,1 Prozent rückläufig war. Das ist keine dramatische Abwärtszahl, aber es ist ein Signal: Wachstum passiert, aber nicht dort, wo das stationäre Beratungssystem sitzt. Und der Jahresverlauf verstärkt den Eindruck. Im ersten Quartal gab es über beide Kanäle noch ein deutliches Plus, die Versender wuchsen zweistellig, die Apotheken ebenfalls. Danach ging es stufenweise bergab: ein zweites Quartal gerade noch positiv, dann ein drittes und viertes Quartal im Minus. Das fühlt sich an wie eine konjunkturelle Müdigkeit, die sich nicht auf einen Skandal oder eine einzelne Maßnahme zurückführen lässt, sondern auf eine Mischung aus Kaufzurückhaltung, Preissensibilität, vielleicht auch einem verschobenen Alltag, in dem Menschen seltener spontan kaufen und mehr vergleichen.

Der Kommentar aus der Analyse bringt das in einen Satz, der weh tut, weil er so trocken ist: Kunden geben mehr für Selbstmedikation aus, aber das Wachstum findet vor allem außerhalb des stationären Apothekenkanals statt. Das ist die nüchterne Diagnose eines Strukturproblems. Wenn der Markt „in Bewegung“ ist, wie es heißt, entsteht nicht automatisch Gefahr, aber es entsteht ein Zwang zur Entscheidung: Sortiment, Beratungsschwerpunkte, Preislogik, Sichtbarkeit, Bindungsmechanik. Denn wenn das Wachstum den Ort wechselt, bleibt der stationäre Ort nicht einfach so, wie er ist. Er muss erklären, warum er gebraucht wird, ohne sich in eine Rechtfertigungsroutine zu verlieren.

Interessant ist auch der Blick in die Warengruppen. In der Offizin gab es nur bei Mineralstoffpräparaten ein zweistelliges Wachstum, während Darmgesundheit, Präparate gegen trockene Augen und Dermatika immerhin größere einstellige Zuwächse hatten. Gleichzeitig gingen Umsätze in Bereichen zurück, die traditionell viel Frequenz bringen: Homöopathika, Expektorantien, Halsschmerzpräparate. Man kann das als Wetter, als Infektjahr, als Mode lesen, aber im Kern zeigt es, wie empfindlich OTC-Performance an der Schnittstelle von Nachfragewellen und Sortimentserwartungen hängt. Wenn klassische Erkältungs- und Halsprodukte nicht ziehen, fehlt nicht nur Umsatz, es fehlt auch der Anlasskontakt, über den Beratung oft in andere Kategorien überleitet.

Der Satz „mieses Jahr“ ist deshalb weniger Polemik als Verdichtung einer Lage, in der die Offizin nicht abstürzt, aber stehen bleibt, während nebenan jemand anders läuft. Das ist die Art von Marktverschiebung, die viele lange unterschätzen, weil sie nicht spektakulär genug ist, um Alarm auszulösen. Und genau darin liegt die Gefahr: Wer sich erst bewegt, wenn es weh tut, merkt oft zu spät, dass das Wehtun schon nicht mehr ein Ereignis ist, sondern der neue Normalzustand.

 

AEP ist verkauft, Plattformlogik drängt hinein, Großhandel wird Strategiefläche.

Der Verkauf von AEP ist mehr als eine Eigentümermeldung, weil er einen Bereich berührt, der in der Apothekenwelt selten glamourös ist, aber alles trägt: den Großhandel. Wenn ein Player mit Milliardenumsatz, der sich über Jahre als Außenseiterprofil in Konditionen und Logistik positioniert hat, den Besitzer wechselt, dann ist das nicht nur eine Frage nach Kaufpreis oder Managementzitat. Es ist eine Verschiebung der Logik: weg vom klassischen Pharmagroßhandelsbild, hin zu einer Holding- und Plattformwelt, die Wertschöpfung als Kette denkt, nicht als Stufe.

The Platform Group übernimmt AEP mit Sitz in Alzenau, die Österreichische Post als Mehrheitsgesellschafterin und weitere Anteilseigner geben ihre Beteiligungen ab, über den Kaufpreis wird nichts bekannt. Gleichzeitig schwingt im Hintergrund die Geschichte der Verhandlungen mit, in denen bereits über mehrere Angebote berichtet wurde, inklusive einer Steigerung. Schon das zeigt: Hier wird nicht aus Verlegenheit verkauft, sondern weil ein strategischer Wert gesehen wird. Der neue Eigentümer formuliert es auch so: AEP sei der nächste Schritt zur Ausweitung und Etablierung der Geschäftsstrategie im Pharmabereich, man erreiche eine neue Stufe der Wertschöpfung und werde zunehmend zum Komplettanbieter für Apotheken, verbunden mit dem Ziel, lokale Apotheken zu stärken und digitale Aktivitäten der Gruppe zu verknüpfen.

Man kann solche Sätze als Standardrhetorik abtun, doch bei AEP bekommt das eine konkrete Kontur, weil das Unternehmen historisch anders gebaut wurde als die etablierten Mehrfachbelieferungsnetze. AEP beliefert Apotheken nur einmal am Tag, aus einem Zentrallager, mit Trans-o-flex als Logistikpartner. Das ist eine bewusste Abweichung vom eng getakteten Mehrtagessystem anderer Häuser. Die Gegenleistung war immer ein Versprechen: klare, transparente Konditionen. In diesem Versprechen steckt ein Konflikt, der den Markt schon vor Jahren vor Gerichte führte, als ein Skonto-Streit bis zum Bundesgerichtshof reichte. AEP war damit nicht nur Lieferant, sondern ein Testfall für die Frage, wie Preis- und Rabattmechaniken im Großhandel rechtlich und wirtschaftlich gezogen werden.

Dass rund 6000 Apotheken das Angebot nutzen, vielfach als Zweitlieferant, wirkt auf den ersten Blick wie eine Randrolle. Tatsächlich ist genau diese Rolle machtvoll, weil sie Verhandlungsspielräume schafft und weil sie die Preiswahrnehmung verändert. Ein Zweitlieferant ist selten das Herz des Systems, aber oft der Hebel, mit dem Apotheken Bedingungen und Ausfälle managen. Gleichzeitig zeigt das Rohmaterial die Schattenseite: Eine Zeitlang musste AEP sogar vermeiden, als Lieferant nur für margenschwache Hochpreiser eingespannt zu werden. Das ist die Art von Marktverhalten, die alles über Anreize erzählt. Wenn ein Modell als „günstig“ gilt, wird es im Zweifel dort genutzt, wo es dem Nutzer maximal nützt und dem Anbieter minimal. Das ist nicht moralisch, das ist Mechanik.

Die Übernahme bekommt zusätzliche Tiefe durch das, was The Platform Group sonst ist. Die Ursprünge reichen zurück zur Fashionette-Story, Börsengang, die Idee eines neuen Zalando, dann die Wandlung zur Holding für viele Plattformen: Schuhe, Secondhand, Brillen, Marktplätze, Nachhaltigkeit, sogar Möbel und Fahrradteile. Dazu kommt ein Fulfillment Center in Gladbeck und ein Geschäftsteil, der Leistungen für Industrie und Partner erbringt. Wer so gebaut ist, denkt in Skalierung, Prozessketten, Daten, Bündelung. Wenn diese Denkweise in den Pharmagroßhandel einzieht, kann das Effizienz bringen, aber es kann auch die Frage schärfen, wer künftig die Spielregeln definiert: die klassische Pharmalogik mit ihren Sicherungszielen oder die Plattformlogik mit ihren Reichweiten- und Wertschöpfungszielen.

AEP selbst trägt eine Geschichte, die zeigt, dass der Großhandel seit Jahren nach Rationalisierung sucht. Die Ursprünge reichen bis zu Konzepten aus der Celesio-Welt, in denen alternative Logistiker wie Post oder FedEx als Liefermodell gedacht wurden. Die Österreichische Post griff das Konzept auf, unter anderem, um Auslastung im Trans-o-flex-Kontext zu sichern. Investoren aus Industrie und Beratung kamen hinzu, und heute ist Trans-o-flex Teil eines französischen Konzerns. Diese Kette aus Eigentümerwechseln und Logistikverflechtung ist nicht Dekoration, sondern Hintergrundrauschen einer Branche, die immer stärker über Infrastruktur definiert wird.

Das eigentlich Spannende ist, was AEP für The Platform Group ermöglicht: einen Zugang zu einem regulierten Markt über eine operative Stufe, die täglich in Apotheken hineinreicht. Wenn man „digitale Aktivitäten verknüpfen“ sagt, heißt das im Klartext: Plattform will nicht nur Sichtbarkeit, sie will den physischen Fluss, die Konditionslogik, die Verfügbarkeit, den Zeitpunkt. Und wenn diese Parameter in einer Hand liegen, verschiebt sich Macht. Nicht über Schlagzeilen, sondern über die stille Frage, wer im Zweifel schneller liefern kann, wer Konditionen setzt und wer Daten über Nachfrage und Warenbewegung in Systemen bündelt. Genau deshalb ist dieser Verkauf kein Randereignis, sondern ein Hinweis darauf, dass der Großhandel wieder zu einer strategischen Fläche wird, nicht nur zu einer Versorgungsschicht.

 

Remission bei Typ-2-Diabetes, Ernährung wird Hebel, Daten machen Alltagstherapie.

Typ-2-Diabetes ist in der öffentlichen Erzählung lange die Krankheit, die man „hat“ und dann verwaltet: Tabletten, Spritzen, Werte, ein ständiges Hinterherlaufen hinter dem Stoffwechsel. Genau deshalb wirkt die Idee der Remission so provozierend, fast wie ein Bruch mit der Gewohnheit, die Krankheit müsse zwangsläufig fortschreiten. Im Rohmaterial ist der Ton nüchtern, aber die Verschiebung ist groß: Blutzuckerwerte können dauerhaft unter die Diagnoseschwelle sinken, ohne blutzuckersenkende Medikamente – nicht als Wunder, sondern als Folge einer gezielten, datengestützten Verhaltensänderung über Ernährung.

Remission wird dabei nicht als Wohlfühlwort benutzt, sondern an eine Schwelle gebunden: Ein HbA1c unter sechs Prozent über längere Zeit. Schon diese Definition zeigt, wie anspruchsvoll das ist, weil sie nicht den guten Tag belohnt, sondern die Dauer. Und dann kommt die Zahl, die man nicht überlesen kann: 320 Teilnehmende in einer klinischen Untersuchung, knapp ein Viertel erreicht einen Status, in dem die Erkrankung als inaktiv oder in Remission gilt. Dazu eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 4,7 Kilogramm und eine Senkung des HbA1c um 0,80 Prozentpunkte innerhalb von sechs Monaten. Es ist nicht die Art von Ergebnis, die alles löst, aber es ist die Art, die eine alte Gewissheit anknackt.

Der interessante Punkt liegt weniger in „weniger essen“ oder „alles umstellen“, sondern in der Individualität der Reaktion. Der Apfel ist im Text ein schönes, fast banales Bild: Bei einer Person verursacht er kaum einen Anstieg, bei einer anderen hohe Spitzenwerte. Das ist die eigentliche Zumutung für klassische Ernährungsempfehlungen, weil es die Idee sprengt, man könne pauschal sagen, was „gut“ ist. Wenn die Reaktion auf Lebensmittel so stark variiert, dann wird aus Ernährung plötzlich etwas, das man messen muss, wenn man es wirklich steuern will, und damit rückt Technologie in einen Bereich, der bisher von Moral und Gewohnheit dominiert wurde.

An dieser Stelle setzen digitale Gesundheitsanwendungen an, im Rohmaterial wird „Glucura“ als Beispiel genannt. Der methodische Kern ist zweigeteilt: kontinuierliches Glukosemonitoring über Sensoren, also ein Blick auf die Echtzeitreaktion, und darauf aufbauend eine datenbasierte Anpassung, die nicht den kompletten Speiseplan umkrempelt, sondern die wenigen Auslöser identifiziert, die die größten Ausschläge verursachen. Das klingt nach sauberer Logik, aber im Alltag ist es vor allem eine Entlastung. Denn die größte Hürde in der Therapie ist oft nicht das Wissen, sondern die Dauer: das Dranbleiben, wenn der Effekt nicht sofort sichtbar ist und der Alltag das Steuer übernimmt.

Das Pareto-Prinzip wird hier als Erzählrahmen benutzt, und man spürt, warum: Wenn es gelingt, einen großen Teil der gewohnten Ernährung beizubehalten und nur wenige, aber wirkungsstarke Stellschrauben zu verändern, steigt die Chance, dass Menschen nicht gegen sich selbst leben müssen. Der Text nennt als Beispiel den Austausch von Apfelkuchen durch Schokoladenkuchen bei einer Teilnehmerin, ein scheinbar absurder Wechsel, der aber als Illustration dient: Nicht „gesünder“ im moralischen Sinn zählt, sondern metabolisch günstiger im individuellen Sinn. Genau das macht die Sache so sperrig und gleichzeitig so plausibel. Sie nimmt dem Thema die Predigt und ersetzt sie durch Rückmeldung.

Natürlich bleibt eine offene Spannung, die man nicht wegpolieren sollte: Solche Ansätze hängen an Messzugang, Technikakzeptanz, Auswertung, und an der Frage, wie stabil der Effekt bleibt, wenn die Messphase endet und der Alltag wieder ohne Sensoren läuft. Aber selbst mit dieser Vorsicht verändert sich die Blickrichtung: Remission ist nicht mehr nur die Ausnahme, über die man in Randnotizen spricht, sondern ein erreichbares Ziel für einen Teil der Betroffenen, wenn Therapie nicht nur als Medikamentenplan, sondern als Rückkopplungssystem verstanden wird. Und das ist, im Kern, eine andere Art von Medizin: weniger „halten“, mehr „lernen“, aber nicht als Ideologie, sondern als Mechanik.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die Lage wirkt wie acht getrennte Meldungen, ist aber ein gemeinsamer Test: Systeme, die auf Vertrauen laufen, werden an ihren Kontaktflächen angegriffen, und jede Kontaktfläche ist heute digital, organisatorisch und menschlich zugleich. Wenn eine Kammerkommunikation fälschbar wird, wenn internationale Standpunkte bindend werden müssen, wenn Lieferfähigkeit zur eigenen Disziplin wird, dann zeigt sich, wie viel Stabilität in kleinen Routinen steckt, die niemand auf dem Papier feiert.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Je mehr Versorgung aus Einzelbausteinen zusammengesetzt wird, desto stärker entscheidet nicht der große Entwurf, sondern die Belastbarkeit der Übergänge: Postfach zu Identität, Großhandel zu Verfügbarkeit, Terminal zu Verantwortung, App zu Verhalten. Wer diese Übergänge unterschätzt, erlebt keine plötzliche Katastrophe, sondern eine schleichende Umstellung, in der alle weiterarbeiten, aber keiner mehr sicher ist, worauf er sich verlassen darf.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der rote Faden bleibt, ob Finanzierung, Regeln und Sicherheit als eine Kette behandelt werden oder als getrennte Baustellen.

 

 

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