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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Sonntag, 25. Januar 2026, um 22:30 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Rossmann folgt dm nicht nur in ein neues Sortiment, sondern in eine neue Kaufgrammatik: OTC wird im Drogerie-Shop zum Mitlaufartikel, der sich an Warenkorb und Lieferbequemlichkeit hängt. Für Vor-Ort-Apotheken ist das kein sauberer Wettbewerb um Beratung, sondern ein Verschieben der Kontaktanlässe, an denen Vertrauen, Bindung und Fixkostenlogik hängen. Je mehr Player denselben Pfad gehen, desto schneller entsteht ein Standard, der nicht diskutiert wird, sondern benutzt wird, und genau darin liegt der Druck: Verantwortung bleibt vor Ort, während Routineumsatz dort landet, wo er am leichtesten wiederholt werden kann.
Die Öffentlichkeit sieht zuerst das neue Angebot, aber die Betriebe spüren zuerst die neue Gewohnheit. Wer ohnehin bestellt, legt OTC dazu, nicht weil ein Beratungsmoment fehlt, sondern weil der Alltag keinen Anlass mehr braucht, um den Klick zu legitimieren. Dadurch rutschen die kleinen, häufigen Kontakte weg, die früher den Betrieb nicht spektakulär, aber zuverlässig getragen haben. Das macht die Lage so tückisch: Es ist kein großer Knall, sondern eine schleichende Verschiebung, die sich im Tagesgeschäft als weniger Anlässe und mehr Last pro verbleibendem Kontakt zeigt.
Rossmanns Ankündigung, einen Arzneimittel-Online-Shop aufzusetzen, steht nicht nur für einen weiteren Anbieter, sondern für eine Verschiebung der Selbstmedikation in eine Plattformroutine. Die These ist eindeutig: Wenn Drogerieketten OTC als normale Shop-Funktion führen, verliert die Vor-Ort-Apotheke nicht nur Umsatz, sondern die Kontaktfrequenz, die Fixkosten, Beratungssichtbarkeit und Bindung zugleich trägt.
Die Mechanik beginnt beim Warenkorb. Wer ohnehin Drogerieartikel, Kosmetik oder Nahrungsergänzung bestellt, legt ein Schmerzgel, ein Antiallergikum oder ein Magenmittel dazu, weil der Kauf nicht mehr an Wege, Öffnungszeiten oder den Anlass eines Gesprächs gekoppelt ist. OTC wird so weniger als Gesundheitsentscheidung begonnen, sondern als Einkaufsvorgang beendet, und genau diese Entkopplung verschiebt den Schwerpunkt vom Anlasskontakt zur Routine.
Drogerieplattformen müssen OTC nicht als eigenständige Kategorie wirtschaftlich tragen, sie nutzen es als Baustein, der Reichweite bindet und Wiederkehrwahrscheinlichkeit erhöht. Damit verschiebt sich der Wettbewerb von fachlicher Differenzierung hin zu Lieferbequemlichkeit, Sortimentsumgebung und der Frage, wer den Alltagseinkauf besser einbettet. Für die Vor-Ort-Apotheke entsteht ein struktureller Nachteil, weil sie keine Plattform ist, sondern ein Versorgungsort mit Personalbindung, Lagerverantwortung und unmittelbarer Haftungsnähe.
Der wirtschaftliche Druck entsteht dort, wo Frequenz die Fixkosten schultert. Selbstmedikation ist oft kleinteilig, aber sie stiftet Kontaktanlässe, in denen Beratung sichtbar wird, Vertrauen erneuert wird und Folgekaufwahrscheinlichkeiten steigen. Wenn diese kleinen, häufigen Kontakte abnehmen, verliert die Apotheke nicht nur einzelne Verkäufe, sondern die Taktung, die den Betrieb stabilisiert. Der Effekt wird überproportional, weil weniger Kontakte weniger Bindung bedeuten, weniger Bindung weniger Planbarkeit, und Planbarkeit im Fixkostenbetrieb eine harte Größe ist.
Ein Gegenargument ist ernst zu nehmen: Zusätzliche Anbieter können Lieferung nach Hause erleichtern, in Randlagen Wege verkürzen und Preisdruck für Verbraucher erzeugen. Außerdem kann Konkurrenz dazu führen, dass Apotheken digitale Kontaktpunkte verbessern und Serviceabläufe sauberer führen, statt sich auf Gewohnheiten zu verlassen. In dieser Sicht wäre der Wandel Modernisierung durch Marktöffnung.
Diese Sicht blendet die Systemlast-Verteilung aus. Die Vor-Ort-Apotheke bleibt der Ort, an dem akute Fragen landen, an dem Interaktionen auffallen, an dem Lieferengpässe erklärt und Rezeptprobleme gelöst werden und an dem Verantwortung greifbar ist. Plattformkäufe ziehen dagegen vor allem standardisierbare, planbare Fälle an, die keinen Gesprächsanlass erzeugen und sich gut in Warenkörbe einfügen. Wenn Verantwortung und Ertrag auseinanderlaufen, wird die Vor-Ort-Struktur zum Puffer, während Routineerlöse in andere Wertschöpfungsketten abfließen.
In der zweiten Runde zeigt sich der entscheidende Hebel: Nicht der Name einer Kette entscheidet, sondern die Entstehung eines Standards. Sobald mehrere Handelsakteure OTC als gewöhnliche Shop-Funktion anbieten, verschiebt sich Erwartungshaltung im Alltag: Selbstmedikation wird über Preis und Lieferzeit sortiert, während fachliche Einordnung als nachgelagertes Optional erscheint. Diese Verschiebung läuft über Gewohnheit, und Gewohnheit verändert, wofür Menschen die Apotheke spontan aufsuchen.
Damit wird die Ordnungsfrage zur ökonomischen Frage. Wenn Versandstrukturen im Alltag wie jeder andere Onlinekauf wirken, muss Verantwortlichkeit entlang der Lieferkette so klar sein, dass sie nicht erst im Schadensfall sichtbar wird. Bleibt diese Klarheit aus, entstehen Reibungsverluste, die sich nicht im Warenkorbpreis abbilden, sondern als versteckte Kosten in der Vor-Ort-Versorgung landen. Die Folge ist eine schrittweise Erosion: weniger Anlässe, dünnere Querfinanzierung, mehr Last pro verbleibendem Kontakt, und eine Apotheke, die gebraucht wird, aber immer schwerer zu tragen ist.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Der Markt wirkt plötzlich größer, aber die entscheidende Veränderung ist kleiner: Es reicht, dass der Klick zur Gewohnheit wird, und der Anlass verliert seine Macht. Was in Warenkörben mitläuft, muss sich nicht erklären, es muss nur verfügbar sein. Vor Ort bleibt das, was sich nicht skalieren lässt: Verantwortung, Klärung, Risiko, Zeit. Die Spannung entsteht dort, wo Gewohnheit schneller wächst als Ordnung.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Der stille Kern ist die Trennung von Routine und Verantwortung: Routine wandert dorthin, wo sie leicht wiederholbar ist, Verantwortung bleibt dort, wo sie haftet. Sobald diese Trennung zum Standard wird, entsteht ein System, das die Vor-Ort-Apotheke als Puffer braucht, ihr aber gleichzeitig die kleinen, tragenden Anlässe entzieht. Tragfähigkeit kippt dann nicht wegen eines einzigen Einschnitts, sondern weil viele kleine Abzüge den Boden dauerhaft dünner machen.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der rote Faden bleibt, ob Finanzierung, Regeln und Sicherheit als eine Kette behandelt werden oder als getrennte Baustellen.
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