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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Mittwoch, 21. Januar 2026, um 22:02 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Ein ehemaliger Kettenbauer sagt, weniger Betriebe seien genug, während gleichzeitig um Honoraranpassung, Präsenzpflicht und Nachwuchs gerungen wird. In Davos wird Gesundheit als Wohlstandsfrage verkauft, zu Hause rutschen Konflikte in die Fläche: Plattformlogik trifft Arzneimittelrecht, Hersteller schließen Standorte, und selbst eine Formulierungsänderung bei einem Biosimilar wird zur Sicherheitsfrage. Am Ende geht es nicht um Schlagworte, sondern um Zuständigkeit: Wer entscheidet, wer haftet, und wer trägt die Systemlast, wenn der Alltag kippt.
Der Satz „zwölftausend reichen“ klingt wie eine Zahl aus der Ferne, aber er trifft einen Nerv, weil er nicht nur über Standorte spricht, sondern über Zumutbarkeit. Gerben Klein Nulent beschreibt die Selbstständigkeit als enges Korsett, nicht als Freiheit: Präsenz als Pflicht, Regelwerk als Daueranspannung, Verantwortung als ständiges Dabeisein. Das ist mehr als ein persönlicher Abgang; es ist eine Diagnose, warum Gründungslust verdunstet, obwohl das Handwerk und die Versorgungsidee viele noch tragen würden. Wer täglich im Betrieb gebunden ist, verliert nicht nur Zeitfenster, sondern auch die Möglichkeit, ein Unternehmen zu führen, das sich entwickeln muss, um gegen Versanddruck, Personalmangel und neue Dienstleistungen zu bestehen.
Dass er ausgerechnet Ketten als Entlastungsmodell skizziert, ist dabei weniger Provokation als Folgerichtigkeit aus seiner Biografie. Er kennt die Mechanik: zentralisierte Prozesse, geteilte Verantwortung, planbare Vertretung. Gleichzeitig zieht er eine klare rote Linie: keine Apotheke ohne approbierte Endverantwortung. Genau dort liegt die deutsche Sollbruchstelle. Das System verlangt persönliche Haftung und Präsenz, es will Verantwortung an einer Person festmachen, und es erklärt diese Festlegung gleichzeitig zum Qualitätsanker. Nur: Je stärker die wirtschaftliche Lage kippt, desto schwerer lässt sich diese Verantwortung als Einzelperson tragen, ohne dass sie zur Überforderung wird. So entstehen zwei Lager, die einander oft nicht zuhören: die, die Liberalisierung als Ausweg sehen, und die, die im Fremdbesitzverbot den letzten Schutz gegen reine Renditelogik erkennen.
Parallel läuft das zweite Streitfeld: nicht Kette oder nicht Kette, sondern Honorar oder Auszehrung. „Honorarerhöhung statt Kettenträume“ ist eine Gegenrede zur bequemen Abkürzung. Sie sagt: Viele Schließungen sind nicht „Markt“, sondern Ergebnis von Unterfinanzierung und Personalengpässen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Wer jetzt mit Strukturreform, Zweigapotheken, Teilnotdiensten und befristeten Vertretungsmodellen hantiert, kann punktuell entlasten, aber er ersetzt damit keine betriebswirtschaftliche Basis. Wenn gleichzeitig unzulässige Boni Kundenströme lenken und Marketingkampagnen die Sichtbarkeit verzerren, wird aus Wettbewerb ein Verteilungsspiel, in dem die Vor-Ort-Struktur die Last trägt, aber den Ertrag nicht nachziehen kann. Die Folge ist nicht nur weniger Betriebe, sondern ein anderer Takt: mehr Notdienststress, längere Wege, weniger Spielraum für Lagerhaltung, weniger Luft für Investitionen in Personal, Digitalisierung und Beratung.
Während die Strukturdebatte noch zwischen Prinzipien pendelt, zeigt das dritte Feld, wie schnell digitale Logik die Grenzen verschiebt. Das Hamburger Landgericht untersagt eine Vermarktung von Medizinalcannabis, die den Eindruck vermittelt, Bestellung und Behandlung seien so einfach wie ein Plattformkauf. Die Kammer Nordrhein hat damit nicht nur einen Anbieter gestoppt, sondern eine kulturelle Verschiebung markiert: Wenn Telemedizin, Plattformen und Lieferdienste dieselbe Sprache sprechen wie Konsumgüter, wird aus Arzneimittelversorgung ein Prozess, der sich an Reibungslosigkeit orientiert. Reibungslosigkeit ist aber nicht das Ziel im Gesundheitswesen. Dort ist genau die „Reibung“ oft der Schutz: Anamnese, Arzt-Patienten-Kontakt, Indikationsprüfung, pharmazeutische Sorgfalt, Dokumentation. Wenn diese Schritte als lästige Hürden erscheinen, wächst das Risiko, dass die falschen Dinge schneller werden.
Diese Entwicklung passt zur großen Bühne in Davos, wirkt dort aber wie die Rückseite einer Hochglanzbotschaft. Nina Warken spricht von Investitionen in Gesundheit als Investitionen in Wohlstand und Stabilität, von Resilienz, Effizienz, Krisenvorsorge. Das ist inhaltlich plausibel, aber es bleibt abstrakt, solange im Alltag die Zuständigkeiten wandern. Resilienz bedeutet nicht nur Geld und Programme, sondern auch klare Rollenketten: wer darf was, wer muss wann ansprechbar sein, wer überprüft, wer sanktioniert, wer erklärt. Die Cannabis-Entscheidung zeigt: Ohne eindeutige Regeln und Durchsetzung wird „Innovation“ schnell zum Geschäftsmodell, das am Patientenschutz vorbei optimiert.
Dass Verantwortung im System nicht nur juristisch, sondern auch sozial verhandelt wird, zeigt ein vierter Schauplatz: Aristo/Advance Pharma, Warnstreiks, Sozialplan, Interessenausgleich, Betriebsstilllegung. Das ist keine Apothekerdebatte, aber es ist Versorgungspolitik in der Realität. Wenn Produktionsstandorte schließen und Beschäftigte um faire Bedingungen kämpfen, geht es um mehr als Arbeitsrecht: Es geht um Lieferketten, Planungssicherheit und Vertrauen, dass der Standort Deutschland nicht nur auf Podien verteidigt, sondern im Konfliktfall auch praktisch stabilisiert wird. Ein Sozialplan löst keine Marktlogik auf, aber er sagt etwas darüber, wie ein System mit den Menschen umgeht, die es trägt.
Noch unmittelbarer wird es bei der Arzneimittelsicherheit selbst: Remsima als Biosimilar, eine neue intravenöse Flüssigform, und plötzlich ist nicht der Wirkstoff das Problem, sondern ein Hilfsstoff. Sorbitol ist für Patientinnen und Patienten mit hereditärer Fruktoseintoleranz hochgefährlich; die Botschaft ist brutal einfach: Formulierungswechsel ist kein Detail, sondern kann zur Kontraindikation werden. Für Beratung und Klinikpraxis heißt das: Packung, Darreichungsform, Hilfsstoffe, Applikationsweg – alles muss sauber unterschieden werden. Und genau hier zeigt sich wieder Systemlast: Wer fängt solche Änderungen auf? Wer sorgt dafür, dass Information nicht irgendwo hängen bleibt, sondern am Bett, am Tresen, in der Verordnung ankommt? Es sind nicht die Podiumssätze über Wettbewerbsfähigkeit, die entscheiden, sondern die Klarheit in der Kette zwischen EMA-Hinweis, Herstellerinformation, Klinikprozess und Beratungsgespräch.
Dass Beratung gleichzeitig wissenschaftlich sauber und alltagstauglich sein muss, spiegeln die beiden letzten Themen: Atemwegsinfekte und Schlafstörungen bei Kindern. Bei Infekten sind Antibiotika in den meisten Fällen nicht angezeigt, Leitlinien betonen Zurückhaltung, und dennoch bleibt der Erwartungsdruck hoch: „Mach was, gib was, damit es schneller geht.“ Phytotherapie und symptomatische Optionen können sinnvoll sein, aber sie sind nicht automatisch harmlos. Ätherische Öle, Menthol, Kampfer, Eukalyptus – das klingt nach Hausmittel, hat aber klare Kontraindikationen, gerade bei kleinen Kindern und bei bestimmten Atemwegserkrankungen. Gute Beratung ist hier keine Kür, sondern Risikomanagement: Wirkung erklären, Grenzen nennen, Warnsignale sauber benennen, ohne Panik zu erzeugen.
Bei kindlichen Schlafstörungen wird derselbe Mechanismus sichtbar, nur leiser: Eltern suchen schnelle Entlastung, der Markt bietet einfache Lösungen, und die Biologie zieht ihre eigene Linie. Schlafhygiene, Routinen, Licht, Melatoninregulation – das ist erklärbar, aber nicht in einem Satz „abzugeben“. Gleichzeitig ist Melatonin kein Bonbon, sondern ein Wirkstoff mit Indikation, Dauer und Dosierungslogik, die in die Lebensphase passen muss. Wieder stellt sich die Verantwortungsfrage: Wer übersetzt Evidenz in Alltag, ohne in Verkaufsrhetorik zu kippen? Wer setzt Grenzen, wenn „Routinegabe“ droht? Und wer bleibt ansprechbar, wenn das Familienleben unter Druck gerät?
Hier schließt sich die zweite Erzählschleife: Das System diskutiert Strukturfragen oft so, als ginge es um Modelle auf Papier. In Wirklichkeit sind es Rollen im Alltag. Die Präsenzpflicht fühlt sich wie ein Gefängnis an, sagt der ehemalige Inhaber; zugleich ist sie ein Sicherheitsversprechen, das das System auf eine Person legt. Plattformlogik verspricht Bequemlichkeit, aber sie verschiebt medizinische Verantwortung in den Klick. Industriepolitik wirbt um Investitionen, während vor Ort Standorte schließen und Beschäftigte Absicherung erzwingen müssen. Und selbst dort, wo alles „nur“ nach Formulierung aussieht, kann ein Hilfsstoff das Risiko drehen. Das gemeinsame Muster ist nicht „zu wenig Innovation“, sondern zu wenig Klarheit, wer welche Last trägt, wenn die Dinge schneller werden sollen.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Es gibt einen Satz, der in Davos immer gut klingt: Wettbewerbsfähigkeit. Im Gesundheitswesen entscheidet sich Wettbewerbsfähigkeit aber oft an Stellen, die niemand plakatiert: an eindeutigen Zuständigkeiten, an sauberer Regulierung, an der Fähigkeit, Informationen ohne Verlust bis an den letzten Übergabepunkt zu tragen. Wenn die Versorgung vor Ort ausdünnt, werden Wege länger, Fehler teurer und Erwartungen härter. Wenn Arzneimittel wie Konsumgüter vermarktet werden, ist nicht Modernisierung erreicht, sondern die falsche Abkürzung genommen. Und wenn Personal fehlt oder Betriebe überfordert sind, dann wird aus „Resilienz“ ein Wort, das im Alltag nicht einlöst, was es verspricht.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wer die Systemlast nach unten durchreicht, bekommt kurzfristig Ruhe in der Debatte, aber langfristig mehr Bruchstellen in der Versorgung. Der Preis ist nicht immer sofort sichtbar. Er zeigt sich, wenn Beratung unter Zeitdruck zur Floskel wird, wenn Sicherheitsinformationen im Alltag versanden, wenn Gründungen ausbleiben, weil Verantwortung nur als Dauerfessel organisiert ist.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verantwortung in Recht, Versorgung und Alltag so bleibt, dass sie nicht in Momentaufnahmen verdunstet.
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