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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Mittwoch, 21. Januar 2026, um 17:34 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
„12.000 Apotheken reichen“ klingt wie eine Rechenaufgabe, ist aber eine Systementscheidung: weniger Standorte bedeuten nicht nur weniger Schilder an der Tür, sondern weniger Zugänge zu Beratung, Akutversorgung und Haftungsklarheit – gerade dort, wo Wege ohnehin länger werden und Notdienste nicht verhandelbar sind.
Im Kern steht ein Erfahrungsbericht, der zum Programm wird. Ein 70-jähriger Apotheker, der in Emmerich kurz noch einmal Inhaber war, beschreibt Selbstständigkeit als „Gefängnis-Gefühl“ und erklärt die tägliche Präsenzpflicht zum Treiber der Erschöpfung – verbunden mit dem Schluss, die Zahl der Betriebe müsse deutlich sinken, dann entstünden „starke Apotheken“. Das ist eine nachvollziehbare individuelle Entlastungslogik, aber noch kein Versorgungsbeweis: Systemstärke entsteht nicht automatisch durch Verdichtung, sie entsteht durch Erreichbarkeit, Verlässlichkeit, Reservekapazität und klare Verantwortungszuordnung.
Die Präsenzpflicht wird dabei zur Chiffre für ein größeres Problem: persönliche Haftung und dauerhafte Vor-Ort-Verantwortung sind im deutschen Modell keine Nebensache, sondern der Mechanismus, der Beratung, Dokumentation, Risikoannahme und Notfallreaktion zusammenbindet. Wer die Präsenz als „Gefängnis“ erlebt, beschreibt zugleich den Preis, den das System für Verlässlichkeit verlangt – und die Frage ist nicht, ob dieser Preis hoch ist, sondern wie man ihn so organisiert, dass er tragbar bleibt, ohne den Kern zu zerstören: Verantwortlichkeit darf nicht verdunsten, nur weil Schichtmodelle fehlen und Personal knapp ist.
„12.000“ ist außerdem kein neutraler Punkt auf einer Kurve. Sobald ein Drittel der Apotheken in Kettenhand normalisiert wird – wie als Vergleich mit den Niederlanden skizziert – verschiebt sich das Steuerungszentrum von der lokalen Verantwortung zur Managementlogik. Das kann Effizienz bringen, aber es verändert Prioritäten: Dienstleistungsauswahl, Lagerhaltung, Personalplanung und Öffnungszeiten folgen dann stärker der Skalierbarkeit als der örtlichen Bedarfslage. In Städten mag Verdichtung Reserven schaffen, auf dem Land wird Verdichtung schnell zur Ausdünnung, weil der nächste Standort nicht „fünf Minuten weiter“ liegt, sondern eine Busverbindung entfernt ist.
Versorgungsrealität entsteht nicht nur über Durchschnittszahlen wie „Apotheken je 100.000 Einwohner“, sondern über Verteilungseffekte: Wie viele Orte verlieren den unmittelbaren Zugang? Wie verändert sich der Notdienst, wenn weniger Betriebe die Last tragen? Wie oft wird aus „kurz hinfahren“ ein strukturelles Nicht-Hinfahren, weil Zeit, Mobilität oder Pflegeverantwortung fehlen? In der Alltagsperspektive reicht ein einzelner Ausfall – eine Schließung, ein Krankheitsfall, ein Lieferengpass – um eine Region in die Improvisation zu treiben; im Systemblick steigt dann der Druck auf Arztpraxen, Rettungsdienst und Kliniken, weil Beratung, Triage und frühe Intervention ausdünnen.
Der Text legt noch einen zweiten Hebel offen, der gern unterschätzt wird: die scheinbar einfache Behauptung, PTA könnten „kurz alleine“ arbeiten, wenn der Apotheker telefonisch erreichbar ist. Das klingt pragmatisch, trifft aber auf eine Rechts- und Haftungsarchitektur, die gerade nicht auf Telefon-Überwachung gebaut ist, sondern auf unmittelbare Verantwortung. Jede Lockerung in der Präsenzkette ist deshalb nicht nur eine Personalmaßnahme, sondern ein Haftungs- und Qualitätsumbau – und sie muss entweder sauber neu geregelt werden oder sie produziert Grauzonen, in denen am Ende niemand weiß, wer im entscheidenden Moment tatsächlich die Verantwortung trägt.
An diesem Punkt kippt die Debatte von Meinung zu Staatsauftrag. Arzneimittelversorgung ist keine Lifestyle-Dienstleistung, sondern Teil öffentlicher Daseinsvorsorge mit klaren Erwartungen: Erreichbarkeit, Nacht- und Notdienstfähigkeit, Beratung, Interaktionsmanagement, Risikoabschirmung. Wenn weniger Betriebe „reichen“ sollen, muss die Antwort lauten, wie die entstehende Lücke geschlossen wird – nicht rhetorisch, sondern organisatorisch und finanzierbar. „Starke Apotheken“ sind ohne Investitionen, Personalbasis und planbare Honorierung ein Etikett, kein System.
Und genau hier entsteht der eigentliche Konfliktpunkt: Die „Marktbereinigung“ wird oft als naturgesetzlich dargestellt, obwohl sie zu großen Teilen eine Folge politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen ist – Honorierung, Bürokratie, Retaxrisiken, Personalengpässe, Investitionsstau. Wer dann die Zahl der Apotheken senken will, ohne die Treiber zu adressieren, verschiebt die Last nur: von vielen dünn belasteten Standorten zu wenigen überlasteten – mit dem Nebeneffekt, dass die verbleibenden Betriebe in der Fläche zu kritischen Infrastrukturen werden, deren Ausfall sofort systemisch spürbar ist.
Die zweite Erzählschleife beginnt dort, wo der persönliche Befund wieder zur Systemfrage wird: Wenn Selbstständigkeit „Gefängnis“ ist, dann ist nicht zwingend die Existenz vieler Apotheken das Problem, sondern die Konstruktion, die Inhaberschaft in dauerhafte Präsenzpflicht, Verwaltungsarbeit und Risiko ohne ausreichende Kompensation zwingt. Die Antwort kann dann nicht lauten „weniger Apotheken“, sondern „andere Tragfähigkeit“: verlässliche Vertretungsregeln, sinnvolle Delegationsgrenzen, planbare Honoraranteile für Leistungen, ein Retax-Regime, das nicht als Dauerbedrohung wirkt, und eine Bürokratie, die Kontrolle nicht mit Misstrauen verwechselt. Erst dann wird überhaupt fair prüfbar, welche Struktur – klein, groß, Verbund, Kooperation – die Versorgung trägt, ohne die Menschen zu verschleißen, die sie leisten.
Damit bleibt „12.000“ ein Satz, der Aufmerksamkeit bindet, aber die Beweislast nicht trägt. Eine Systemzahl ist nur dann legitim, wenn sie die Verteilungseffekte, Notdienstlast, Erreichbarkeitskorridore, Personalrealität und Haftungsarchitektur mitdenkt. Alles andere ist ein Projektionswert – und die Rechnung zahlen am Ende diejenigen, die Wege nicht mehr schaffen, Beratung nicht mehr bekommen oder in der Akutsituation an der falschen Tür stehen.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Der Satz „12.000 Apotheken reichen“ wirkt nur solange glatt, wie man ihn wie eine Bilanzzahl behandelt. In dem Moment, in dem er auf Wege, Notdienste und Akutmomente trifft, wird aus der Zahl eine Verteilungsfrage: Wer verliert zuerst den Zugang, wer trägt die Zusatzlast, wer fängt die Folgefehler ab. Verdichtung kann Stärke erzeugen, aber sie erzeugt auch Kanten – und an diesen Kanten entscheidet sich, ob Versorgung noch erreichbar bleibt oder nur noch theoretisch vorhanden ist. Genau deshalb ist die Kernfrage nicht, ob weniger Apotheken „gehen“, sondern ob Verantwortung, Reserve und Erreichbarkeit mitgehen, ohne dass die Pflicht des Systems in die Fläche hinein ausdünnt.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn die Zahl der Apotheken zur Parole wird, entscheidet nicht die Lautstärke, sondern die Landkarte. Jeder Standort, der verschwindet, ist nicht nur ein Betrieb weniger, sondern ein Stück Reserve, das im Notdienst, bei Lieferengpässen und in der Beratung fehlt. Wer „Stärke“ verspricht, muss erklären, wer die Last trägt, wenn der Zugang weiter weg rückt und Verantwortung sich verteilt. Und wer Präsenz als Fessel beschreibt, legt zugleich offen, dass Tragfähigkeit politisch gebaut werden muss – sonst bleibt am Ende nur die Ausdünnung als Ersatz für Reform.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Fokus stehen Struktur- und Verteilungseffekte einer sinkenden Apothekenzahl für Erreichbarkeit, Notdienstlast und Verantwortungszuordnung.
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