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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Dienstag, 20. Januar 2026, um 19:50 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Acht Themen zeichnen eine Linie, die im Alltag oft unsichtbar bleibt: Verantwortung ist nicht dort, wo etwas passiert, sondern dort, wo Zweck, Kontext und Kette stimmen. Das gilt für den Sturz über eine Hundeleine auf dem Betriebsgelände ebenso wie für Diagnostikangebote im Drogeriemarkt, für KI-Antworten in Beratungssituationen, für politische Resilienzformeln in Davos, für die Aufarbeitung pandemischer Nebenfolgen, für die Hustenberatung mit Warnzeichen, für Trauer um Haustiere und für den Zusammenhang von Atmung und Erinnern. Überall steht dieselbe Frage im Raum: Wer ordnet ein, wer trägt die Folgen, wer bleibt erreichbar, wenn aus einer Momentaufnahme eine Entscheidung wird?
Der Weg über den Parkplatz wirkt wie ein Teil des Arbeitstags, weil er zeitlich und räumlich an den Betrieb gebunden ist. Genau dort stürzt der Unternehmer: Auf dem Firmengelände stolpert er über die Leine seines privaten Hundes, fällt und erleidet Hautabschürfungen an Knien und Handflächen. Was nach einem klassischen „Unfall bei der Arbeit“ klingt, wird von der Berufsgenossenschaft nicht als Arbeitsunfall anerkannt.
Das Sozialgericht Dortmund bestätigt die Ablehnung mit Urteil vom 07.07.2025 (Az. S 18 U 347/24). Maßstab ist der Arbeitsunfall als versicherter Unfall, der in wesentlichem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen muss. Diese Klammer heißt sachlicher Zusammenhang. Der Ort allein reicht nicht, auch ein Parkplatz des Betriebs ist kein Garant, wenn die auslösende Verrichtung dem eigenwirtschaftlichen, also privaten und nicht versicherten Bereich zugeordnet wird.
Genau das ist hier der Punkt: Das Mitführen des Hundes bleibt privat. Der Kläger versucht, aus der privaten Tiermitnahme eine betriebliche Veranlassung zu formen. Er beschreibt den Hund als nützlich, als Beitrag zu Wohlbefinden und Betriebsklima, als Respektfaktor, als eine Art Fitnesstrainer, als „Alarmanlage“ durch Präsenz und als Werbezweck über die Website. Das Gericht lässt diese Begründungen nicht als überwiegend betriebliche Gründe gelten. Es sieht keine echte Wach- oder Schutzfunktion, keine besondere soziale Funktion und keine relevante Werbewirkung, die die private Mitnahme in eine versicherte Handlung kippen könnte.
Damit bleibt die Tiermitnahme eigenwirtschaftlich. Die Konsequenz ist juristisch klar, auch wenn sie sich lebensnah unerquicklich anfühlt: Fehlt der sachliche Zusammenhang, besteht kein Anspruch auf Anerkennung als Arbeitsunfall. Das gilt selbst dann, wenn der Unfall auf dem Firmengelände passiert und subjektiv als „arbeitsnah“ erlebt wird. Der Fall zwingt damit zu einer Unterscheidung, die in der Praxis häufig verwischt: Zwischen „es passiert im Betrieb“ und „es passiert wegen einer versicherten Tätigkeit“ liegt eine Grenze, die im Streitfall hart gezogen wird.
In solchen Konstellationen taucht häufig der Hinweis auf, dass der Weg zur Arbeit grundsätzlich versichert sein kann. Auch dieser Gedanke ändert hier nichts am Ergebnis, weil nicht der Weg als solcher, sondern die private Verrichtung das Geschehen prägt. Die Leine ist nicht eine zufällige Betriebsgefahr, sondern unmittelbarer Ausdruck der privaten Mitnahme. Das Unfallereignis hängt damit rechtlich nicht an der versicherten Tätigkeit, sondern an einer privaten Handlung im betrieblichen Umfeld.
Die Entscheidung wirkt wie ein Stoppschild gegen nachträgliche Nutzenargumente. Ein Betrieb kann private Elemente dulden, integrieren, sogar als angenehm empfinden. Die gesetzliche Unfallversicherung fragt jedoch nicht nach Stimmungs- oder Komfortgewinnen, sondern nach objektivierbaren, wesentlichen betrieblichen Zwecken. Wo diese nicht tragen, bleibt der Vorgang privat, auch wenn er im Betrieb stattfindet. Die Grenze verläuft nicht beim Ort, sondern bei der Handlung, und sie bleibt dort, selbst wenn der Alltag sie gerne übermalt.
dm inszeniert Gesundheitschecks als niedrigschwellige Prävention: Messungen von Haut, Augen oder Blut sollen im Ladenformat verfügbar werden, dort, wo Menschen ohnehin einkaufen. Der Schritt wirkt modern, weil er Gesundheitsverhalten in den Alltag zieht. Genau diese Verschiebung löst den Konflikt aus, weil Diagnostik nicht nur aus Messwerten besteht, sondern aus Einordnung, Verantwortung und der Kette, die im Zweifel mit Entscheidungen über Abklärung und Behandlung endet.
Seit Sommer 2025 laufen Angebote in ausgewählten Stores, im Oktober wird juristischer Gegenwind öffentlich: Die Wettbewerbszentrale kündigt Klagen gegen dm und einen Kooperationspartner an und sieht Rechtsverstöße. In der Debatte steht nicht nur die Frage, ob einzelne Aussagen oder Abläufe zulässig sind, sondern ob ein Drogeriemarkt überhaupt der Ort sein kann, an dem diagnostische Leistungen in dieser Form angeboten werden. Der Konflikt ist damit kein Randstreit, sondern berührt die Struktur von Verantwortung: Niedrigschwellige Verfügbarkeit gegen professionelle Haftungskette.
Der Präsident der Bundesärztekammer schärft die Warnung in einer Sprache, die bewusst auf Risiken zielt. Diagnostik, so der Kern der Kritik, sei nicht „im Vorbeigehen“ zu haben. Messungen seien Momentaufnahmen, die ohne Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls Differenzialdiagnostik in die Irre führen können. Gerade bei Blutuntersuchungen gehe es nicht nur um das technische Abnehmen und Analysieren, sondern um Fachkunde, um Vor- und Nachtestwahrscheinlichkeiten, um das Vermeiden falscher Sicherheit ebenso wie das Vermeiden unnötiger Verunsicherung. Wer diagnostische Leistungen anbiete, trage Verantwortung, und diese Verantwortung lasse sich nicht an den Kassenbereich delegieren.
In der Logik der Kritik steckt ein einfacher Satz: Ein Messwert ist kein Befund, solange er nicht in einen medizinischen Kontext gestellt wird. Kontext meint Vorgeschichte, Begleiterkrankungen, Medikamente, Symptome, Risikofaktoren und die Konsequenzen, die ein auffälliger oder unauffälliger Wert nach sich zieht. Wenn dieser Rahmen fehlt, kann ein unauffälliges Ergebnis wie ein Freibrief wirken, während ein auffälliges Ergebnis ohne Einordnung Angst erzeugt, Arztbesuche ohne Not provoziert oder die Aufmerksamkeit auf Nebenschauplätze lenkt. Die Warnung ist deshalb nicht nur berufsständische Grenzziehung, sondern verweist auf die Folgekosten falscher Routinen.
Hinzu kommt die Frage nach der Infrastruktur. Drogeriemärkte sind, so die Ärztekritik, nicht auf Notfälle oder Komplikationen vorbereitet. Das Argument ist nicht, dass es ständig zu Zwischenfällen kommen müsse, sondern dass das Setting die verantwortliche Kette schwächt: Wenn eine Untersuchung auffällig ist, braucht es definierte Wege, klare Ansprechpartner, eine saubere Übergabe und einen Umgang mit Situationen, in denen Menschen akut verunsichert oder belastet reagieren. Ein Laden, der auf Durchlauf und Verkauf optimiert ist, bildet diese Struktur nicht automatisch ab, selbst wenn er sich präventionsorientiert nennt.
Die juristische Dimension verdichtet den Konflikt, weil sie verschiedene Regelwerke berühren kann. Im Raum stehen Vorwürfe, es könnten Vorgaben etwa aus dem Heilmittelwerbegesetz, dem Heilpraktikergesetz oder der Gebührenordnung für Ärzte tangiert sein. Entscheidend ist dabei weniger, welche Norm am Ende trägt, als die Linie, die sich aus einem Verfahren ergeben kann: Wird Diagnostik als Dienstleistung definiert, die an professionelle Verantwortungsräume gebunden bleibt, oder wird sie als konsumnahe Messung toleriert, deren Risiken über Information und Haftung abgesichert werden sollen. Das Ergebnis hätte Signalwirkung über dm hinaus, weil es das Verhältnis zwischen Handel, Gesundheit und Professionen neu austariert.
In der öffentlichen Wahrnehmung wirkt das dm-Zielbild zunächst freundlich: Prävention, Gesundheitsförderung, Zugänglichkeit. Die Gegenposition wirkt streng: Verantwortung, Einordnung, Haftungskette. Der Streitpunkt ist jedoch nicht die Idee, Menschen früh zu sensibilisieren, sondern die Gefahr einer gefährlichen Deprofessionalisierung, wenn Kernaufgaben aus professionellen Strukturen in vereinfachte Settings verlagert werden, ohne dass die medizinische Infrastruktur mitwandert. Genau dort liegt die politische Forderung nach Klarstellung: Wenn die Grenzen verschwimmen, entstehen Grauzonen, die im Ernstfall nicht nur juristisch, sondern auch gesundheitlich teuer werden.
So steht am Ende ein Konflikt, der nicht mit einem Werbeversprechen oder einem Verbotssatz erledigt ist. Diagnostik ist mehr als Technik, sie ist Entscheidungsvorbereitung, und Entscheidungsvorbereitung verlangt Kontext. Niedrigschwelligkeit kann Versorgung stärken, sie kann aber auch Verantwortung entkoppeln, wenn sie sich vom professionellen Rahmen löst. Ob die angekündigten Klagen diese Linie schärfen oder ob der Gesetzgeber sie nachzieht, ist der nächste Schritt in einem Streit, der im Kern um die Frage kreist, wer wofür haftet, wenn Gesundheit im Ladenformat stattfindet.
Markus Gabriel erzählt die KI-Entwicklung nicht als lineare Erfolgsgeschichte der Technik, sondern als Serie von Verschiebungen: Das, was Menschen lange als ihre Bastionen empfanden, wird nacheinander unterlaufen. Rechnen verliert seinen Status, Schach folgt, später rückt das Kontextverstehen ins Zentrum, und plötzlich wirkt es, als ob Systeme nicht nur Muster erkennen, sondern Bedeutung simulieren. In dieser Perspektive ist KI nicht bloß Werkzeug, sondern eine Machtverschiebung im Denken, weil sie dort eindringt, wo Menschen sich ihrer Überlegenheit sicher fühlten.
Der historische Abriss, den er skizziert, dient nicht der Nostalgie, sondern der Einordnung. Seit den 1930er-Jahren wird an Maschinenintelligenz gedacht, in den 1980er-Jahren, mit einem Wendepunkt um 1986, gewinnen neuronale Netze und Trial-and-Error-Ansätze neue Bedeutung, dann folgt ein „KI-Winter“, weil Rechenkosten und Erwartungen auseinanderlaufen. Erst als Rechenleistung und Datenverfügbarkeit explodieren, kippt die Kurve erneut. GPT-Modelle, so die These, modellieren Aufmerksamkeit und ermöglichen eine Form von Kontextverstehen, die für viele Nutzer nicht mehr wie Statistik wirkt, sondern wie Gespräch.
Hier setzt Gabriels Warnung an: Wenn Systeme so gebaut sind, dass sie nicht nur rational wirken, sondern emotional treffen, entsteht gesellschaftliche Verwundbarkeit. Die Gefahr liegt weniger in einer einzelnen falschen Antwort als in der Kombination aus Autoritätsgefühl, Sprachfluss und psychologischer Anschlussfähigkeit. Wer sich verstanden fühlt, folgt leichter. Genau deshalb nennt er bestimmte, unregulierte Systeme „brandgefährlich“: Nicht weil sie wie Maschinen klingen, sondern weil sie wie Menschen klingen, ohne menschliche Verantwortung zu tragen.
Diese Verantwortung versucht Gabriel über Ethik als Schlüssel zu fassen, und zwar nicht im Sinne einer dekorativen „Ethik der KI“, die nachträglich Leitplanken aufklebt. Er spricht von „Ethischer Intelligenz“ als Zusammenarbeit von Mensch und KI bei moralischen Problemen. Dahinter steckt die Annahme, dass es moralische Tatsachen oder zumindest stabile Äquivalenzklassen gebe: Situationen, die sich in ihrer moralischen Struktur ähneln, auch wenn sie äußerlich verschieden sind. KI könnte, so die Idee, dabei helfen, diese Struktur sichtbar zu machen, nicht indem sie den Menschen ersetzt, sondern indem sie wie ein „magischer Spiegel“ wirkt, der Argumente, Nebenfolgen und blinde Flecken zurückspielt.
In dieser Perspektive wird Regulierung zur Gretchenfrage, aber nicht als Bürokratenspiel, sondern als Schutz gegen Übergriffigkeit. Übergriffigkeit meint hier nicht, dass ein System „böse“ wäre, sondern dass es in Entscheidungen eindringt, ohne dass Grenzen und Transparenz klar sind. Gabriel kritisiert, dass Regulation oft hinter der Entwicklung herläuft, und setzt einen provokanten Satz dagegen: „Bürokraten in Brüssel werden das Silicon Valley nicht stoppen.“ Der Satz ist weniger Kapitulation als Warnsignal, dass Papierregeln allein nicht reichen, wenn Systeme in Alltag, Politik und Gesundheit hineinwirken.
Aus dem Alltag kommt dann die Praxisfrage, die seine Theorie erdet: Menschen treten mit KI-Diagnosen auf, mit Ausdruck, Screenshot oder selbstbewusster Schlussfolgerung. Die gewünschte Antwort ist nicht ein Verbot, sondern eine Art „Fahrassistenten für die KI“: verpflichtende Hinweise darauf, wie ein System zu Aussagen kommt, wo Wissenslücken liegen, welche Wahrscheinlichkeiten nur geschätzt sind und welche Aussagen ohne Kontext nicht tragfähig sein können. Transparenz wird damit nicht zum Selbstzweck, sondern zur Bedingung für Mündigkeit im Umgang mit Systemsprache.
Genau hier lässt sich die Bastionsmetapher noch einmal drehen: Wenn KI eine Bastion nach der anderen verschiebt, bleibt als letzte Bastion nicht das Rechnen oder das Schach, sondern die Fähigkeit zur Verantwortung. Verantwortung heißt, dass jemand haftet, erklärt, begrenzt und Konsequenzen trägt. Systeme können das nicht von allein. Sie können nur so gestaltet werden, dass sie Verantwortung nicht simulieren, sondern sichtbar machen, wo sie endet. Das ist die eigentliche Ethikfrage: Nicht, ob KI klug klingt, sondern ob sie so eingebettet ist, dass Menschen nicht in die emotionale Falle einer scheinbaren Autorität laufen, die sich jeder Rechenschaft entzieht.
Davos ist in diesen Tagen weniger Konferenz als Symbolmaschine. Die Eröffnung am Montagabend, das offizielle Programm am Dienstag, und am Mittwoch wird Donald Trump erwartet, flankiert von einer großen US-Delegation. In diesem Takt entsteht Druck: Wer dort spricht, spricht nicht nur zu einem Saal, sondern in eine Weltlage hinein, die sich nach außen als Dialog inszeniert und nach innen als Machtprobe anfühlt. Das Treffen trägt das Motto „A Spirit of Dialogue“, doch der Rahmen ist von geopolitischen Spannungen geprägt.
Nina Warken setzt genau in diesem Umfeld ihr Thema: ein krisenfestes, resilienteres Gesundheitssystem. Ihre Argumentation bindet Gesundheit nicht an Fürsorge, sondern an Staats- und Standortlogik. Demografie, Fachkräftemangel und internationale Konflikte seien nicht getrennte Baustellen, sondern Belastungslinien, die im Krisenfall auf Versorgungsketten durchschlagen. Resilienz wird damit als Widerstands- und Anpassungsfähigkeit verstanden, die nicht nur Ausfälle abfedert, sondern ein System so aufstellt, dass es in Krisen handlungsfähig bleibt, ohne in Improvisation zu zerbrechen.
Warken spricht von Reformen in der Primär- und Notfallversorgung und verbindet Effizienz mit Robustheit. Das Ziel wird als „resilient und effizient“ beschrieben, und der Satz, Investitionen in Gesundheit seien Investitionen in gesellschaftliche Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstand, ist in diesem Rahmen bewusst doppelt codiert: Er adressiert Menschen, die Versorgungssicherheit als Teil sozialer Ordnung sehen, und zugleich Akteure, die Gesundheitspolitik als wirtschaftliche Grundlage begreifen. In Davos ist diese Dopplung kein rhetorischer Schmuck, sondern ein Übersetzungsversuch zwischen Politik, Industrie und internationaler Öffentlichkeit.
Die Termindichte unterstreicht den politischen Anspruch. Warken nimmt an einer Diskussionsrunde teil, trifft den WHO-Generaldirektor Tedros und Vertreter der Pharmaindustrie. Das ist mehr als Fotopolitik, weil es die Linie markiert, die sie ausdrücklich betont: keine bilateralen Alleingänge. Multilateralismus wird als abgestimmtes Handeln über Institutionen und Partner gesetzt, und die WHO bleibt in dieser Logik nicht Dekoration, sondern Knotenpunkt. In Zeiten, in denen internationale Kooperation schnell als Schwäche gelesen wird, ist dieser Verweis zugleich Selbstvergewisserung und Abgrenzung.
Parallel läuft die Davos-Erzählung der USA. Trump wird als Bühne erwartet, es ist sein dritter Besuch, und es gibt Hinweise auf eine harte US-Strategie, die sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch zuspitzen könnte. In diesem Kontext wird sogar auf Pläne zur Grönland-Annexion verwiesen. Solche Signale verändern den Resonanzraum für jede europäische Position: Wer Multilateralismus sagt, sagt es gegen die Möglichkeit von Alleingängen, nicht im luftleeren Raum. Die große US-Delegation ist damit nicht nur Teilnehmer, sondern Hintergrundrauschen, das Entscheidungen härter erscheinen lässt.
Warkens Begriff der Resilienz bekommt dadurch eine zweite Ebene. Resilienz ist nicht nur die Fähigkeit, Lieferketten oder Kliniken durch eine Krise zu führen. Sie ist auch die Fähigkeit, politisch handlungsfähig zu bleiben, wenn internationale Rahmen wackeln. Das betrifft etwa die Frage, wie ein Pharmastandort gestärkt wird, wie Antibiotikaresistenzen bekämpft werden, wie Medizintechnik und Pharma in Dialogformate eingebunden werden. In solchen Themen liegt die Spannung zwischen Versorgung und Industriepolitik offen: Ein krisenfestes System braucht Produktions- und Innovationskapazitäten, doch Kapazitäten entstehen nicht ohne Standortbedingungen, und Standortbedingungen werden im globalen Wettbewerb verhandelt.
Gerade deshalb wirkt die Ablehnung bilateraler Alleingänge wie eine Klammer, die zwei Risiken zusammenhält. Das erste Risiko ist die Versuchung, im Krisenmodus schnelle Deals zu machen, die kurzfristig entlasten, aber langfristig Abhängigkeiten schaffen. Das zweite Risiko ist, dass internationale Institutionen an Autorität verlieren, während Probleme, von Pandemien bis zu Resistenzen, grenzüberschreitend bleiben. Multilateralismus ist in dieser Sicht keine Ideologie, sondern eine Art Versicherung gegen die Illusion, nationale Lösungen könnten globale Störungen dauerhaft aushebeln.
Am Ende steht ein Davos-Auftritt, der bewusst nicht auf Schlagworthöhe stehen bleibt, sondern auf Strukturfragen zielt. Resilienz wird als Staats- und Standortfrage gesetzt, nicht als weiche Wohlfühlformel. Das ist ein Signal an die eigene Politik, weil es Reformen legitimiert, und ein Signal an internationale Partner, weil es Kooperation einfordert. Und es ist ein Signal an die Industrie, weil es Gesundheit als Teil wirtschaftlicher Stabilität definiert, ohne dabei die Verantwortung aus der Hand zu geben. In einem Umfeld, das Dialog behauptet und Härte testet, ist diese Linie eine Entscheidung: Stabilität durch Systeme, nicht durch Einzeldeals, und Krisenfähigkeit als gemeinsames Projekt, nicht als Solopfad.
Wenn eine Gesellschaft in der Krise entscheidet, entstehen nicht nur Maßnahmen, sondern Spuren. Im Thüringer Corona-Untersuchungsausschuss spricht Hendrik Streeck über genau diese Spuren, und er wählt dafür eine Sprache, die nicht nachträglich glätten will. Er sagt, es sei mit Teilen der Bevölkerung nicht gut umgegangen worden, und er benennt Unrecht und Fehler in der Pandemiepolitik als reale Erfahrung, nicht als abstrakte Kategorie. Die Aufarbeitung sei notwendig, um zu lernen, und Lernen sei Voraussetzung, um ähnliche Fehler künftig zu vermeiden.
In seinem Blickpunkt steht die Ausgrenzung Ungeimpfter. Die Pandemie habe gesellschaftliche Trennlinien verschärft, und Entscheidungen, die im Modus der Gefahrenabwehr getroffen wurden, hätten Menschen zu Gruppen gemacht, über die gesprochen wurde, statt mit ihnen. Streeck verbindet diesen Punkt mit einem zweiten Schwerpunkt: den psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Zusammenhang mit Schulschließungen. Damit rückt er Nebenfolgen ins Zentrum, die in Krisen oft als unvermeidbare Kollateralen behandelt werden, später aber als eigentliche Langzeitlast sichtbar werden.
Sein Plädoyer enthält drei Bewegungen, die in dieser Kombination selten sind: Aufarbeiten, Lernen, Verzeihen. Aufarbeitung meint hier nicht Ritual, sondern systematische Analyse von Entscheidungen, Wirkungen und Nebenfolgen. Der Untersuchungsausschuss ist als parlamentarisches Instrument genau dafür gedacht: Sachverhalte aufklären, Verantwortungsstränge nachvollziehen, und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Gleichzeitig existiert eine Enquete-Kommission, die Lehren aus künftigen Krisenlagen erarbeiten soll. In dieser Doppelstruktur zeigt sich ein institutioneller Versuch, die Vergangenheit nicht nur zu bewerten, sondern aus ihr Regeln für die Zukunft zu gewinnen.
Streeck setzt dabei einen realistischen Kontrapunkt, der seine Kritik nicht schwächt, sondern einordnet: Perfekte Entscheidungen gebe es in der Krise nicht. Das ist ein Satz, der leicht als Entschuldigung missverstanden werden kann, aber bei ihm als Grenzmarke wirkt. Er trennt den Anspruch auf Fehlerfreiheit von der Pflicht zur Verantwortung. Gerade weil Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden, wird die Frage zentral, wie man mit den Folgekosten umgeht, die aus diesen Entscheidungen erwachsen. Wer das Perfekte nicht liefern kann, muss das Korrigierende liefern, sobald der Nebel sich lichtet.
Die Debatte über Ausgrenzung und Schulschließungen berührt dabei nicht nur moralische Empörung, sondern die Statik des politischen Vertrauens. Legitimität entsteht nicht allein aus dem Verweis auf Notwendigkeit, sondern aus der Bereitschaft, Folgen anzuerkennen und Irrtümer nicht zu verteidigen, nur weil sie einmal beschlossen wurden. Streecks Satz, man müsse lernen, um Fehler zu vermeiden, ist in diesem Sinne ein institutioneller Appell: Wenn Aufarbeitung ausbleibt, bleibt der Eindruck, dass Macht sich selbst rechtfertigt. Wenn Aufarbeitung gelingt, kann sie in Vertrauen zurückübersetzt werden.
Das Motiv des Verzeihens bringt eine dritte Ebene hinein. Verzeihen ist nicht Vergessen, sondern ein sozialer Mechanismus, der die Rückkehr in eine gemeinsame Sprache ermöglicht. Dazu gehört auch die Bereitschaft, um Verzeihung zu bitten. In einer polarisierten Debatte ist das riskant, weil jedes Eingeständnis als Schwäche gelesen werden kann. Genau deshalb ist es politisch wirksam: Es verschiebt die Logik weg von Sieger-Verlierer-Erzählungen hin zu einer Ordnung, die Fehler als Teil von Krisen anerkennt, ohne sie zu normalisieren.
Der Untersuchungsausschuss steht damit vor einer doppelten Aufgabe. Er muss klären, was geschehen ist, und er muss so klaren, dass die Aufklärung nicht selbst zur neuen Polarisierung wird. Der Unterschied zwischen Aufarbeitung und Abrechnung ist in solchen Verfahren dünn. Aufarbeitung fragt nach Mechanismen, nach Informationslagen, nach Entscheidungswegen, nach Alternativen, die damals möglich waren oder nicht. Abrechnung sucht Schuldige, die man symbolisch aus dem System entfernen kann. Die erste Form schafft Lernfähigkeit, die zweite schafft kurzfristige Genugtuung, aber selten bessere Krisenlogik.
In Streecks Aussagen steckt deshalb ein Maßstab: Nicht das Gefühl entscheidet, ob Aufarbeitung notwendig ist, sondern die Tatsache, dass Krisenentscheidungen soziale Folgelasten erzeugen. Ausgrenzung, psychische Belastung, Schulschließungen sind nicht Randnotizen, sondern zentrale Wirkungen, die künftig mitgedacht werden müssen. Wenn eine Gesellschaft in der nächsten Krise schneller werden will, muss sie heute präziser werden: präziser im Abwägen, präziser im Benennen von Nebenfolgen, präziser in der Bereitschaft, Fehler als Teil der Verantwortung zu behandeln. Der Untersuchungsausschuss ist dafür kein Endpunkt, sondern ein Werkzeug, und das Werkzeug wirkt nur, wenn es nicht aus der Hand gelegt wird, sobald es unbequem wird.
Husten wirkt banal, bis er es nicht mehr ist. Im Apothekenalltag beginnt die Klärung deshalb nicht bei einem Produkt, sondern bei der Frage, was da eigentlich passiert: ein trockener Reizhusten, der quält und vor allem nachts stört, oder ein produktiver Husten, bei dem Sekret gelöst und abtransportiert werden muss. Diese Unterscheidung ist mehr als Semantik, weil sie darüber entscheidet, ob gedämpft, gelöst oder beides in einer sinnvollen Reihenfolge angegangen wird. Und sie entscheidet darüber, ob die Symptomlinderung Sicherheit schafft oder Warnzeichen überdeckt.
Ein erster Rahmen entsteht über die Zeit. Akut bedeutet bis zu drei Wochen, subakut bis zu acht Wochen, chronisch länger als acht Wochen. Diese Einteilung wirkt formell, ist aber in der Beratung ein Frühwarnsystem: Je länger Husten anhält, desto weniger plausibel sind harmlose, selbstlimitierende Ursachen als alleinige Erklärung. Gerade beim Reizhusten ist diese Zeitlogik wichtig, weil das subjektive Leid oft hoch ist, die Ursache aber nicht automatisch schwer. Die Grenze ist deshalb nicht die Stärke des Hustens, sondern die Kombination aus Dauer, Begleitsymptomen und Risikoprofil.
Beim trockenen Reizhusten stehen Schleimstoffe und antitussive Wirkstoffe als zwei unterschiedliche Strategien nebeneinander. Schleimstoffe wie Isländisch Moos, Eibisch, Primel oder entsprechende Kombinationen legen sich wie ein Film auf gereizte Schleimhäute und können den Hustenreiz mildern, ohne zentral zu dämpfen. Antitussiva wie Dextromethorphan, Dropropizin oder Pentoxyverin wirken anders, sie dämpfen den Hustenreiz und sind deshalb besonders dann im Spiel, wenn die Nacht zur Erschöpfung führt. Zugleich steckt in dieser Strategie eine harte Begrenzung: Antitussiva gehören in die Kurzstrecke. Wenn der Reizhusten anhält oder ungewöhnlich ist, kippt die Logik weg von „überbrücken“ hin zu „abklären“.
Genau hier greifen die Warnzeichen, die nicht als Panikliste taugen, sondern als Sicherheitsnetz. Blutiges Sekret ist ein anderes Signal als harmloser Auswurf. Hohes Fieber, Atemnot, Zyanose, Stridor, Tachykardie, Thoraxschmerz oder ein Tumorverdacht sind nicht Symptome, die man im Regal löst. Sie markieren Situationen, in denen die Ursache potenziell ernst ist oder rasch ernst werden kann. Das Ziel der Beratung ist dann nicht, „etwas zu geben“, sondern die richtige Weiche zu stellen, damit Zeit nicht verloren geht.
Beim produktiven Husten kehrt sich die Strategie um. Sekret soll gelöst und abtransportiert werden, weil zäher Schleim Atemwege reizt, Infektionen verlängern kann und das Husten selbst verstärkt. Expektoranzien wie N-Acetylcystein oder Ambroxol, aber auch Myrtol, setzen hier an, ebenso pflanzliche Optionen wie Efeu oder Thymian, Kombinationen oder Kapland-Pelargonie. Ätherische Öle werden in manchen Präparaten genutzt, wobei auch hier die Einordnung zählt: Nicht jeder verträgt sie, nicht jede Atemwegssituation profitiert davon. Entscheidend ist, dass „lösen“ nicht gleich „heilen“ ist, sondern eine Maßnahme, die den Verlauf erleichtert und Komplikationen vermeiden kann, solange die Ursache im Rahmen bleibt.
Nicht-pharmakologische Elemente sind dabei kein Beiwerk, sondern oft der Teil, der den Alltag wirklich verändert. Sole-Inhalation per Vernebler ist ein Beispiel für eine Maßnahme, die Schleimhäute befeuchten, Sekret verflüssigen und den Hustenreiz indirekt dämpfen kann, ohne an zentralen Mechanismen zu drehen. In der Beratung wirkt so etwas häufig wie ein Ruhepol: Es ist nicht spektakulär, aber es passt zu dem Ziel, Symptome zu lindern, ohne Warnzeichen zu verdecken. Im Alltag bedeutet dies, dass eine gute Hustenberatung nicht nur Wirkstoffe sortiert, sondern eine sichere Kombination aus Entlastung und Beobachtung ermöglicht.
Ein weiterer Punkt wird leicht übersehen, obwohl er für chronischen oder hartnäckigen Husten entscheidend sein kann: Dauermedikation als Auslöser. ACE-Hemmer sind ein klassischer Trigger für Reizhusten, Betablocker können Bronchien beeinflussen, und bei manchen Wirkstoffen steht sogar pulmonale Toxizität im Raum, etwa bei Amiodaron oder Methotrexat. Auch Inhalatoren können durch lokale Reizung Husten verstärken. Diese Ebene verändert die Beratung vollständig, weil sie die Frage stellt, ob der Husten nicht Symptom einer Infektion, sondern Nebenwirkung oder Wechselwirkung einer Therapie ist. Dann ist das Ziel nicht, den Husten „wegzudrücken“, sondern die Ursache im Therapiesystem zu identifizieren.
Die praktische Konsequenz ist eine klare triadische Logik in der Beratung: Reiz stillen, Sekret lösen oder beides, aber immer unter dem Vorzeichen der Sicherheit. Bei untypischen Hustensymptomen oder weiteren Beschwerden verschiebt sich die Verantwortung von Symptommanagement zu Abklärung. Das ist keine Kapitulation, sondern das eigentliche Qualitätsmerkmal. Hustenberatung entscheidet nicht nur darüber, was jemand einnimmt, sondern darüber, ob jemand zu spät reagiert. Und genau deshalb ist der wichtigste Schritt oft nicht das Mittel, sondern die Einordnung, die verhindert, dass ein Warnsignal im Lärm der Symptome untergeht.
Der Tod eines Haustiers wird oft als private Episode behandelt, als etwas, das man „halt“ verkraftet, weil es gesellschaftlich in eine kleinere Kategorie sortiert wird. Genau diese Sortierung ist Teil des Problems. Eine Studie, die in „Plos One“ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass der Verlust eines Haustieres für viele Menschen nicht nur schmerzlich ist, sondern in einer Intensität erlebt werden kann, die sie selbst überrascht. Nicht, weil das Tier „mehr wert“ wäre als ein Mensch, sondern weil Bindung, Alltag und soziale Anerkennung hier auf eine Weise zusammenkommen, die im Umfeld häufig nicht gesehen wird.
Die Datenpunkte sind klar und zugleich verstörend in ihrer Normalität. In einer Befragung aus März 2024 gaben 32,6 Prozent an, einen Haustierverlust erlebt zu haben. 21 Prozent nannten den Verlust eines Haustieres als ihren schmerzlichsten Verlust überhaupt. In einer Stichprobe von 975 Erwachsenen erfüllten 7,5 Prozent Kriterien einer anhaltenden Trauerstörung. Das ist eine Zahl, die hängen bleibt, weil sie zeigt, dass die Belastung nicht nur momenthaft ist, sondern bei einem relevanten Anteil in eine Form übergehen kann, die das Leben länger und stärker beeinträchtigt. Gleichzeitig wird im Kontext darauf verwiesen, dass vergleichbare Raten auch bei Verlust naher Menschen beschrieben werden, was die Schärfe des Befunds noch einmal erhöht.
Warum kann ein Tierverlust so tief gehen. Ein Erklärungsansatz, der im Material auftaucht, verweist auf die Qualität der Beziehung. Für viele sind Haustiere konfliktarm. Sie sind präsent, ohne zu fordern, sie sind konstant, ohne zu bewerten, sie sind Teil des Tagesrhythmus. Wer morgens aufsteht, füttert, geht raus, begegnet Menschen, hat Routinen, die nicht wie „Beziehungsarbeit“ aussehen und doch genau das sind: eine tägliche Form von Bindung. Wenn dieses Bindungsstück wegbricht, verschwindet nicht nur ein Wesen, sondern auch ein Gerüst aus Gewohnheiten, das dem Alltag Halt gibt. Im Alltag bedeutet dies, dass Trauer nach einem Haustierverlust oft weniger in großen Gesten sichtbar wird, sondern in der Leerstelle der kleinen Abläufe.
Hinzu kommt der kulturelle Status, der die Trauer entweder trägt oder isoliert. Eine US-Studie wird als Kontext genannt: 97 Prozent betrachten ihr Haustier als Familienmitglied, etwa die Hälfte als gleichwertig. Dieser familiäre Status ist emotional, aber er hat auch eine soziale Funktion: Er beschreibt, wie stark das Tier in Identität und Lebensführung integriert ist. Wenn die Umwelt diese Integration nicht anerkennt, entsteht eine zweite Wunde: Scham. Menschen fühlen sich verlegen, sie ziehen sich zurück, weil sie erwarten, dass ihr Schmerz belächelt oder abgewertet wird. Das Material spricht davon, dass Trauer „zu wenig Platz“ bekomme, und genau dieser fehlende Platz kann die Belastung verlängern, weil Trauer nicht nur ein innerer Prozess ist, sondern auch ein sozialer.
Damit berührt der Befund eine strukturelle Frage: Was gilt als legitimer Verlust. Bei Menschen sind Rituale, Kondolenzen, Trauerzeiten, sogar institutionelle Rahmen etabliert. Bei Tieren fehlen solche Rahmen oft oder wirken improvisiert. Gleichzeitig ist der klinische Status von anhaltender Trauerstörung international auf Menschenverluste bezogen. Tierverluste werden in den Kriterien bislang nicht berücksichtigt. Das ist nicht nur eine diagnostische Feinheit, sondern eine Aussage darüber, welche Bindungen als „zählbar“ gelten. Wenn ein relevanter Anteil der Betroffenen Symptome zeigt, die zu anhaltender Beeinträchtigung führen, entsteht ein Spannungsfeld: gesellschaftlich groß erlebt, klinisch klein kodiert.
Die Studie zeigt damit nicht nur individuelle Trauer, sondern ein Anerkennungsproblem. Trauer wird nicht am „Objekt“ des Verlusts gemessen, sondern an Bindung, Alltagseinbettung und sozialer Resonanz. Fehlt diese Resonanz, steigt das Risiko von Isolation und anhaltender Belastung. Die Empfehlung im Material bleibt deshalb nüchtern: Trauer akzeptieren, nicht kleinreden. Und wenn die Alltagsbeeinträchtigung massiv und länger anhaltend ist, professionelle Hilfe in Betracht ziehen. Das ist keine Dramatisierung, sondern eine Grenzziehung, die verhindert, dass Menschen in einer Trauerform steckenbleiben, die sie selbst nicht mehr regulieren können.
Gerade für den Apothekenalltag liegt in diesem Thema eine stille Relevanz. Menschen bringen nicht nur Symptome, sondern Lebenslagen an den HV-Tisch. Trauer nach einem Haustierverlust taucht selten als „Hauptanliegen“ auf, eher als Nebensatz, als Müdigkeit, als Schlafproblem, als Nervosität, als fehlender Appetit oder als das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Wenn dann das Umfeld den Schmerz abtut, verstärkt sich das Schweigen. Die Studie macht sichtbar, dass dieses Schweigen nicht harmlos ist, sondern Teil der Belastung. Sie zwingt zu einer einfachen, aber schweren Einsicht: Für viele Menschen ist der Verlust eines Haustieres nicht weniger real, nur weil er gesellschaftlich kleiner gemacht wird. Und wo Trauer keinen Platz bekommt, findet sie andere Wege, sich zu zeigen.
Man kann Gedächtnis als etwas ansehen, das im Kopf sitzt, abgeschottet vom Körper. Die Studie, die im „The Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde, setzt genau dagegen eine überraschend klare Idee: Atmung ist nicht nur Begleitmusik, sondern Taktgeber. Nicht im Sinne von Esoterik, sondern als Rhythmus, an den sich Wahrnehmung und Abruf offenbar anlehnen. In den Daten wird sichtbar, dass der Moment, in dem ein Hinweisreiz gegeben wird, und der Moment, in dem Erinnerung tatsächlich abgerufen wird, nicht zufällig über den Atemzyklus verteilt sind.
Das Experiment ist in seiner Anlage nüchtern. 18 Personen verknüpfen 120 Bilder mit Wörtern. Danach folgt ein Abruf, einmal sofort und einmal erneut nach einem zweistündigen Mittagsschlaf. Währenddessen werden Atmung und Hirnaktivität aufgezeichnet, unter anderem per EEG, um Muster erfolgreicher Erinnerungsprozesse zu erfassen. Gerade weil die Aufgabe einfach klingt, ist der Befund so wirksam: Er hängt nicht an einer besonderen Lebenssituation, sondern an einem Standardsetting, das Lernen und Abrufen technisch sauber trennt.
Das Ergebnis beschreibt eine funktionale Zweiteilung. Hinweiswörter, die während oder kurz vor dem Einatmen präsentiert werden, fördern das Erinnern. Der Abruf selbst passiert überwiegend während der Ausatmung. Es ist, als ob der Körper den Prozess verteilt: Einatmen öffnet, richtet Aufmerksamkeit aus, macht sensibel für den Reiz, Ausatmen trägt dann die Rekonstruktion des Gespeicherten. In den EEG-Daten werden dazu passende Muster berichtet, etwa eine Abnahme von Alpha- und Beta-Aktivität, was als Marker von Fokussierung verstanden wird, und Gedächtnisreaktivierungen, also das Wiederauftreten neuronaler Muster, die beim Lernen aktiv waren.
Diese Befunde sind nicht nur interessant, weil sie ein neues Detail zeigen, sondern weil sie die Vorstellung verschieben, wo Kognition „wohnt“. Wenn Atmung als natürlicher Taktgeber wirkt, dann ist Gedächtnis nicht nur Inhalt, sondern Prozess, der mit physiologischen Rhythmen verschaltet ist. Das ist keine triviale Erkenntnis, weil sie erklärt, warum Leistung im Alltag schwankt, ohne dass sich Motivation oder Wissen ändern. Im Alltag bedeutet dies, dass Erinnerung manchmal nicht deshalb schwerfällt, weil etwas vergessen ist, sondern weil der Zugriff in einem ungünstigen Moment versucht wird, in dem Aufmerksamkeit und Abruf nicht optimal zusammenpassen.
Gleichzeitig betont die Studie ihre Grenzen, und diese Grenzen sind wichtig, um den Befund nicht zu überdehnen. Untersucht wurde natürliche Atmung, keine kontrollierte Atemmanipulation. Das heißt, es wurde beobachtet, wie der Körper ohnehin atmet, nicht wie er atmen sollte. Daraus folgt eine offene Frage: Was passiert, wenn der Atem bewusst verändert wird. Eine zweite offene Frage betrifft die zeitliche Tiefe des Gedächtnisses. Die Aufgabe arbeitete mit frisch gelernten Verknüpfungen und einem Abruf nach kurzer Verzögerung, inklusive Mittagsschlaf. Ob sehr alte Erinnerungen ähnlich getaktet sind, bleibt offen. Und ob der Effekt sich in komplexeren, emotional geladenen Erinnerungsräumen wiederfindet, lässt sich aus diesem Setting nicht einfach ableiten.
Trotzdem bleibt die Kernaussage robust genug, um sie ernst zu nehmen: Wahrnehmung und Abruf scheinen entlang des Atemzyklus funktional verteilt. Diese Verteilung passt zu einer Logik, die man auch ohne Messgeräte kennt. Einatmen ist oft mit Aufmerksamkeit verbunden, Ausatmen mit Entladung und Ordnung. Die Studie macht daraus keinen Lebensrat, sondern einen Mechanismus: Die Atemphase beeinflusst, wann ein Hinweisreiz am besten greift und wann das Gehirn am ehesten rekonstruiert, was gespeichert ist.
Für die Einordnung hilft, die Begriffe zu klären, die in solchen Befunden schnell verschwimmen. Abruf ist die Rekonstruktion gespeicherter Information, nicht das reine Abspielen einer Datei. EEG misst elektrische Hirnaktivität und zeigt keine Gedanken, sondern Zustände und Muster. Alpha- und Beta-Aktivität sind Frequenzbänder, die in diesem Kontext als Marker für Aufmerksamkeits- und Abrufzustände beschrieben werden. Gedächtnisreaktivierung meint, dass Lernmuster im Gehirn wieder auftauchen, wenn etwas erfolgreich erinnert wird. Der Atem ist dabei nicht Ursache im simplen Sinne, sondern ein Rhythmus, an den sich diese Zustände koppeln können.
Am Ende bleibt eine leise, aber weitreichende Verschiebung: Gedächtnis ist nicht nur ein Speicher, sondern ein Zusammenspiel aus Signal, Zustand und Timing. Wenn Timing mit Atmung zusammenhängt, dann wird der Körper zum Teil des kognitiven Systems, nicht zum Träger, der es nur herumtransportiert. Die Studie zeigt eine Struktur, keine Methode. Sie öffnet Fragen, statt sie abzuschließen. Aber sie macht sichtbar, dass es im Gehirn nicht nur um Inhalte geht, sondern um Rhythmen, und dass ein so alltäglicher Rhythmus wie die Atmung eine Rolle spielen kann, wenn wir uns erinnern wollen.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Die acht Themen wirken wie verschiedene Räume, in denen dieselbe Regel greift: Ein System wird nicht an seinem Anspruch gemessen, sondern an seiner Haftungskette. Wenn private Tiermitnahme im Betrieb als „nützlich“ erzählt wird, entscheidet am Ende nicht das Gefühl, sondern der sachliche Zusammenhang. Wenn Diagnostik in den Laden wandert, wird nicht nur eine Dienstleistung verlagert, sondern Verantwortung. Wenn KI Antworten gibt, entstehen Wirkung und Vertrauen, bevor Einordnung passiert. Und selbst dort, wo es leise wird – Trauer, Husten, Atmung, Erinnerung – bleibt die Kernfrage dieselbe: Was darf schnell sein, ohne flach zu werden?
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Grenzen werden oft erst dann sichtbar, wenn etwas schiefgeht: ein Sturz, ein Messwert, ein Satz aus einem Chatfenster, ein Symptom, das nicht weggeht. Genau deshalb ist Einordnung keine Zierde, sondern der eigentliche Schutzraum. Wer Diagnostik anbietet, steht nicht nur für Zahlen, sondern für Konsequenzen. Wer Beratung leistet, muss Warnzeichen sehen, ohne Angst zu verkaufen. Wer Resilienz verspricht, muss Versorgungsketten so bauen, dass sie nicht in Symbolik enden. Und wer über Aufarbeitung spricht, spricht im Kern über Legitimität: Sie entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch das Eingeständnis von Nebenfolgen, durch Lernen und durch klare Zuständigkeit.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verantwortung in Recht, Versorgung und Alltag so bleibt, dass sie nicht in Momentaufnahmen verdunstet.
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