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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Dienstag, 20. Januar 2026, um 15:07 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Die DAK-Gesundheit sieht den Krankenstand auf hohem Niveau stabil und fordert Ursachenforschung, während die Politik zugleich über Telefon-AU, Missbrauchsgrenzen und neue Modelle diskutiert. In dieses Spannungsfeld setzt DAK-Chef Andreas Storm die Idee einer Teilkrankschreibung: Arbeitsunfähigkeit nicht als Alles-oder-nichts, sondern als zeitlich begrenzte Teilfreistellung bei bestimmten Diagnosen. Die Debatte trifft auf harte Realitäten: Atemwegserkrankungen bleiben der größte Block, psychische Fehlzeiten steigen, ältere Beschäftigte fehlen seltener, aber länger, und besonders belastete Branchen tragen die höchsten Ausfalltage. Damit wird Teilkrankschreibung zur Konstruktionsfrage, nicht zur Gesinnungsfrage: Wer entscheidet, was „teilweise arbeitsfähig“ heißt, wie wird Druck verhindert, und wie werden Kosten fair verteilt, ohne krankes Arbeiten zur neuen Normalität zu machen.
Der Krankenstand ist nicht nur eine Zahl, er ist ein Brennglas. Wenn eine große Kasse für 2025 im Schnitt 19,5 Kalendertage Arbeitsunfähigkeit meldet, fast identisch zu 19,7 im Jahr davor, und daraus 5,4 Prozent Krankenstand ableitet, dann ist das kein Ausreißer mehr, sondern ein Zustand. Der öffentliche Reflex sucht sofort den Hebel: Regeln straffer, Kontrolle enger, Missbrauch kleiner. Genau in diese Spur rutscht die Debatte, sobald die Telefon-AU als möglicher Treiber genannt wird und „Missbrauch ausschließen“ zur politischen Leitformel wird.
Die Teilkrankschreibung klingt in diesem Klima wie ein Kompromiss: nicht ganz raus, nicht ganz drin, ein Teil des Tages krank, ein Teil des Tages arbeitsfähig. Als Idee ist das anschlussfähig, weil es auf den ersten Blick menschlich wirkt. Wer nicht komplett zusammenbricht, soll nicht komplett verschwinden. Wer stabil ist, soll Stabilität behalten. So verkauft sich das Modell als Brücke, als Übergang, als flexibles Instrument für bestimmte Diagnosen. Nur: Genau an dieser Stelle beginnt die Konstruktionsfrage, nicht die Moralfrage.
Denn eine Teilkrankschreibung ist kein medizinischer Satz, sondern ein Systemeingriff. Sie teilt nicht nur Zeit, sie teilt Verantwortung. Sie schafft eine neue Normalform zwischen „krank“ und „gesund“, und damit verschiebt sie die Beweislast: Wer teilweise arbeiten kann, muss ab morgen erklären, warum nicht mehr. Das ist der leise Druck, der in vielen Betrieben nicht ausgesprochen werden muss, um wirksam zu sein. In der Theorie ist es eine Brücke. In der Praxis kann es eine Rampe werden.
Der entscheidende Konflikt liegt nicht im Wort, sondern im Geld. Solange unklar bleibt, wie Lohnfortzahlung, Krankengeld, Zuschläge, Leistungsprämien, Schichtsysteme und die schlichte Frage „wer zahlt was?“ in diesem Teilmodell abgebildet werden, bleibt das Instrument politisch verführerisch und sozial riskant. Das Verteilungsproblem wird nicht gelöst, es wird neu sortiert. Wenn der finanzielle Nachteil beim Beschäftigten landet, entsteht ein Sanktionsgefühl, selbst ohne Sanktion. Wenn der Druck beim Arbeitgeber landet, entsteht ein Kontrollimpuls, selbst ohne Generalverdacht. Und wenn die Kasse den Hebel „weniger Ausfallstunden“ sieht, entsteht eine Kostenlogik, selbst wenn man von Gesundheit spricht.
Hier zeigt sich der Systembruch, den die Debatte gern übertönt: Das System will Krankheit administrierbar machen, obwohl Krankheit sich nicht sauber takten lässt. Atemwegsinfekte sind nicht nur Befindlichkeiten, sie sind Ansteckung. Psychische Erkrankungen sind nicht nur „weniger Stunden“, sie sind Belastungsdynamik, die sich bei falscher Dosierung verschärfen kann. Muskel-Skelett-Probleme sind nicht nur Zeitfragen, sie sind Tätigkeitsfragen. Die Zahlen geben die Richtung: Atemwege bleiben vorn, psychische Fehlzeiten steigen, ältere Beschäftigte fehlen seltener, aber länger. Wer in Krankenhäusern und Pflegeheimen die höchsten Fehlzeiten sieht, sieht zugleich die härteste Realität: Dort ist „Teilzeit krank“ oft nicht dosierbar, weil die Arbeit nicht in saubere Scheiben geschnitten ist. Arbeit ist dort nicht Excel, Arbeit ist Körper, Rhythmus, Verantwortung.
Der Gipfelsatz ist simpel: Ein Teilkrankschreibungsmodell ohne Schutzgitter wird zur institutionellen Einladung, krank zu arbeiten. Und damit dreht es Gesundheit nicht um, sondern dreht am Risiko.
Schutzgitter heißt nicht Bürokratie, Schutzgitter heißt klare Grenzen. Erstens muss es Diagnose- und Tätigkeitslogik geben: Nicht jede Erkrankung und nicht jede Arbeit taugt für „teilweise“. Zweitens muss es Freiwilligkeit ohne verdeckten Druck geben, sonst wird aus Flexibilität ein Leistungsgebot im Krankenstand. Drittens braucht es eine harte Trennung zwischen „Teilzeit arbeiten“ und „Teilzeit bezahlen“, sonst wird das Modell zum Sparinstrument, das sich als Fürsorge verkleidet. Viertens braucht es eine Beweislastregel, die nicht den Kranken zum Verteidiger seiner eigenen Krankheit macht.
Und genau hier kommt deine Katzenmaus-Beobachtung ins Spiel. Wenn Politik heute die Telefon-AU erweitert, morgen den Prüfstand ankündigt, übermorgen Karenztage diskutiert und parallel Teilkrankschreibung ins Fenster stellt, entsteht für Menschen nicht der Eindruck von Lernfähigkeit, sondern der Eindruck von Spielbetrieb. Man ist krank oder gesund – als Lebensgefühl stimmt das, als Regelwerk zerfasert es. Der Bürger spürt nicht die „Ursachenforschung“, er spürt die Verschiebung der Zumutungen. In dieser Wahrnehmung liegt bereits ein Teil der Systemlast: Vertrauen wird zum Nebenkriegsschauplatz, obwohl es der Hauptfaktor ist, wenn man Regeln akzeptieren soll, die tief in den Alltag greifen.
Die politische Kernfrage ist deshalb nicht, ob Teilkrankschreibung modern klingt. Die Frage ist, ob der Staat ein Instrument schafft, das Gesundheit schützt, ohne Krankheit zu verdächtigen, und Leistung ermöglicht, ohne Menschen in die Grauzone zu drücken. Wenn man das nicht kann, sollte man nicht am Zwischenraum basteln, sondern am Offensichtlichen arbeiten: an Arbeitsbedingungen, an Versorgung, an Prävention, an psychischer Entlastung, an Personaldecke, an der simplen Tatsache, dass hohe Fehlzeiten in bestimmten Branchen auch ein Arbeitswelt-Befund sind.
Teilkrankschreibung kann eine Brücke sein, aber nur als Brücke mit Geländer. Ohne Geländer ist sie keine Brücke, sondern eine Abkürzung auf Kosten derer, die ohnehin krank sind — und das ist dann keine Gesundheitspolitik, sondern Risikoauslagerung mit neuem Etikett.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Der Krankenstand ist längst kein Randthema mehr, sondern ein Messpunkt für Überlastung, Misstrauen und politische Ungeduld. Wenn Atemwegsinfekte stabil oben bleiben, psychische Fehlzeiten zulegen und belastete Branchen besonders häufig ausfallen, rückt jede neue Stellschraube sofort ins Scheinwerferlicht. Teilkrankschreibungen wirken dabei wie eine pragmatische Idee, weil sie nicht das Ganze verlangt, sondern nur einen Teil. Genau diese scheinbare Vernunft macht das Modell gefährlich, wenn es ohne Schutz gebaut wird: Dann wird Flexibilität zur Erwartung, Rückkehr zur Pflicht und Krankheit zur Verhandlung.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Teilkrankschreibung kann eine Brücke sein, aber eine Brücke ist nur dann Hilfe, wenn niemand vom Geländer gestoßen wird. Wo Geld, Beweislast und betrieblicher Druck ungeklärt bleiben, wird das „Teil“ nicht zur Entlastung, sondern zur stillen Norm. Dann verschiebt sich das Risiko nach unten, in den Alltag derjenigen, die ohnehin angeschlagen sind. Der entscheidende Test lautet deshalb nicht, ob das Instrument modern klingt, sondern ob es Menschen schützt, ohne sie in die Grauzone zu drängen.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Journalistischer Kurzhinweis: Maßstab ist die Systemwirkung im Alltag, nicht die Lautstärke der Debatte. Journalistischer Kurzhinweis: Im Zentrum steht, ob Teilkrankschreibung als Schutzinstrument funktioniert oder als Drucklogik kippt.
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