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APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag
Stand: Montag, 19. Januar 2026, um 11:23 Uhr
Apotheken-News: Kommentar zum Vortag
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Fixum, Bundesrat, Versandregeln.
Die Lage wirkt auf den ersten Blick vertraut: Ein Honorar bleibt offen, während die Kosten längst weiterlaufen. Neu ist nicht die Klage, neu ist die Statik. Wenn Länder im Bundesrat sichtbarer und konkreter auf Tempo drücken als die Bundesregierung, dann ist das nicht nur politische Folklore, sondern ein Hinweis auf Verantwortungslasten im System: Wer die Fläche hält, spürt früher, wenn sie ausdünnt.
Genau deshalb trifft der Streit um das Fixum nicht irgendeinen Punkt im Gesetz, sondern den Kern der Steuerung. Ein Packungsbetrag, der als „vielleicht später“ behandelt wird, ist in der Apotheke kein später, sondern ein sofort: Miete, Personal, Energie, IT, Warenwirtschaft, Notdienst, Haftung. Wer hier Zeit gewinnt, gewinnt sie nicht im System, sondern auf dem Rücken einzelner Betriebe, die sich jeden Monat neu erklären müssen – der Bank, dem Team, dem eigenen Standort.
Der Bundesrat rückt dabei in eine Rolle, die man im Gesundheitswesen zu selten klar benennt: Er ist kein Versorgungsträger, aber er ist oft der erste Resonanzraum für Versorgungsfolgen. Wenn Länder Grundkostenzuschläge prüfen, Versorgungszuschläge skizzieren oder die Fixum-Anhebung ausdrücklich drängen, dann ist das auch ein Eingeständnis: Mit reiner Marktlogik wird Fläche nicht gehalten. Die Frage ist nicht, ob Vorschläge am Ende „schön“ sind, sondern ob sie den Mechanismus treffen, der derzeit Apotheken still abbaut.
Parallel wächst ein zweiter Strang, der in der öffentlichen Debatte gern als Nebensatz behandelt wird, aber in der Praxis die Scharnierstelle ist: Versandregeln. Wenn EU-Versender stärker angezeigt, kontrolliert oder an nationale Standards gebunden werden sollen, ist das kein Protektionismus-Reflex, sondern der Versuch, gleiche Verantwortung zu erzwingen. Der Apothekenbetrieb ist nicht nur eine Abgabestelle, sondern ein Haftungs- und Dokumentationsraum. Wenn Versand als Ausweichkanal funktioniert, kippt die Reibung aus der Versorgung in die Betriebe, die vor Ort bleiben.
Hier liegt die eigentliche Systemprobe: Der Staat kann Versand nicht gleichzeitig als moderne Lösung feiern und bei den Regeln so tun, als sei es nur ein anderer Vertriebsweg. Beratung, Interaktionsprüfung, Dokumentation, Missbrauchs- und Fälschungsschutz sind keine PR-Begriffe, sondern Kostenstellen und Organisationspflichten. Wer sie bei Vor-Ort-Apotheken politisch hochhält, muss erklären, warum sie bei skalierbaren Modellen nicht mit gleicher Härte gelten sollen.
Dass sich in dieses Bild weitere Signale schieben – etwa neue Schließungszahlen und eine auffällig leichte Kassenrhetorik – macht die Lage schärfer. Wenn die Zahl der Apotheken fällt und gleichzeitig behauptet wird, es gehe den Inhabern „insgesamt ziemlich gut“, ist das keine Analyse, sondern ein Deutungsangebot: Verantwortung soll als private Entscheidung erscheinen. So wird aus Strukturversagen eine Charakterfrage, und aus dem politischen Auftrag zur Daseinsvorsorge ein Hinweis auf „Standortkonzentration“.
Das Gegenargument ist bekannt und verdient ernsthafte Behandlung: Die GKV steht unter Druck, Ausgaben steigen, Effizienz ist Pflicht, Versand kann Wege verkürzen, und das System kann nicht jede Kostensteigerung eins zu eins kompensieren. Zudem gibt es Betriebe, die wachsen, Standorte bündeln und wirtschaftlich zurechtkommen – also sei die Lage nicht so dramatisch, wie sie klingt.
Nur greift dieses Argument an der falschen Stelle. Effizienz ersetzt keine Steuerung, wenn sie zur Legende wird, mit der man Versorgungslücken nachträglich erklärt. Versand kann Wege verkürzen, aber er kann die Versorgungsfunktion der Fläche nicht vollständig substituieren, schon weil Versorgung nicht nur Lieferung ist, sondern Klärung, Einordnung, Rückfrage, Notfall, Verfügbarkeit. Wer die Fläche ausdünnt und zugleich Versand als Beruhigungsmittel einsetzt, akzeptiert schleichende Rationierung – ohne es so zu nennen.
Deshalb wirkt die Bundesratsdynamik wie ein „Balsam“: nicht, weil sie schon rettet, sondern weil sie Verantwortung wieder sichtbar macht. Das Tempo der Länder ist ein indirektes Protokoll darüber, wie nah die Realität bereits am Rand läuft. Ob daraus im parlamentarischen Verfahren wirklich tragfähige Sätze werden, ist offen. Aber die Richtung ist klar: Fixum und Regeln gehören zusammen, weil beides dieselbe Frage beantwortet – wer die Last der Versorgung trägt, wenn es ernst wird.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Manchmal reicht ein einziges Wort, um ein System zu entlarven: „offen“. Offen heißt hier nicht flexibel, sondern unentschieden, während draußen Entscheidungen fallen – durch Schließungen, durch Ausweichwege, durch das stille Umstellen von Versorgung. Wenn Politik Tempo und Haftung voneinander trennt, entsteht ein Raum, in dem die Wirklichkeit schneller ist als das Gesetz. Und genau dort entscheidet sich, ob Versorgung geführt wird oder einfach passiert.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Ein offenes Fixum ist kein Detail, sondern eine tägliche Umverteilung von Risiko in die Betriebe, die vor Ort Verantwortung tragen. Versandregeln sind kein Nebenkriegsschauplatz, sondern die Frage, ob Verantwortung überall gleich schwer wiegt oder ob Skalierung von Pflichten befreit. Wenn Länder schneller reagieren als der Bund, ist das kein Länderbonus, sondern ein Warnsignal aus der Fläche. Die nächste Debatte wird nicht lauter werden müssen – sie wird nur genauer werden müssen, weil die Zahlen längst sprechen.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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