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  • 18.01.2026 – Fixum bleibt offen, Länder drücken aufs Tempo, Versandregeln werden zur Pflicht.
    18.01.2026 – Fixum bleibt offen, Länder drücken aufs Tempo, Versandregeln werden zur Pflicht.
    APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag | Fixum, Leitungsstatik und Versandkontrolle hängen zusammen: Der Bundesrat treibt Korrekturen, weil ohne Basissicherung Ve...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag

Fixum bleibt offen, Länder drücken aufs Tempo, Versandregeln werden zur Pflicht.

 

Ausgabe Nr. 13 | Zuschläge werden zur Ersatzarchitektur, Leitungsfragen bleiben offen, Versandkontrolle zieht nach.

Stand: Sonntag, 18. Januar 2026, um 19:28 Uhr

Apotheken-News: Kommentar zum Vortag

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Fixum, Leitungsstatik, Versandkontrolle.

Die These ist schlicht: Wenn Honorarfrage und Leitungsstatik gleichzeitig in der Schwebe bleiben, wird Verantwortung nicht gelöst, sondern verlagert. Dann entsteht keine Reform, sondern eine Lücke, die der Betrieb schließen soll – mit Personal, Zeit, Risiko und am Ende mit dem eigenen Geld.

Genau deshalb wirkt das, was im Bundesrat passiert, weniger wie Folklore und mehr wie ein Korrekturversuch. Die Länder lesen die Lage nicht als Stimmung, sondern als Statik. Es geht nicht um ein einzelnes Detail im ApoVWG, sondern um die Kombination: PTA-Vertretungsbefugnis im Entwurf, Fixum weiterhin offen. Das ist die Konstellation, in der sich jeder Satz über „Flexibilisierung“ automatisch verdoppelt, weil er in der Realität an Haftung, Leitung und Verantwortung hängt. Wer Leitung lockert, ohne die Basis zu stabilisieren, erzeugt kein Mehr an Versorgung, sondern ein Mehr an Unsicherheit.

Die Fixumfrage ist dabei nicht nur ein Betrag, sondern ein Signal an die Ordnung des Systems. Dass Länder eine sofortige Erhöhung stützen wollen, bevor die Änderungsverordnung überhaupt offiziell im Verfahren ist, ist eine klare Botschaft: Es reicht nicht mehr, den Ausgleich auf später zu schieben. Das ist kein Luxuswunsch, sondern die Antwort auf Kostenrealität und Erreichbarkeit in der Fläche. Und es ist eine Antwort auf einen blinden Fleck der Politik: Wenn die Struktur ausdünnt, kommt sie nicht in einem großen Knall zurück, sondern verschwindet in kleinen Abständen, in längeren Wegen, in weniger Redundanz.

Dass Bayern und Nordrhein-Westfalen andere Modelle in die Debatte bringen, ist kein Widerspruch, sondern ein zweites Argument für die Dringlichkeit. Zuschläge, Sockelmodelle, Fondsfinanzierung – all das sind Versuche, Grundkosten zu adressieren, ohne nur die Menge zu belohnen. Der Vorteil solcher Architekturen liegt auf der Hand: Sie können gezielter wirken, sie können umsatzschwächere Standorte stabilisieren, sie können die Fläche ausdrücklich zum Ziel machen. Der Preis liegt ebenfalls auf der Hand: Was jährlich zu vereinbaren ist, bleibt jährlich politisch. Was als Zuschlag definiert wird, braucht Kriterien, Nachweise, Abgrenzungen und damit neue Reibung. Es kann stützen, aber es kann auch eine zweite Baustelle eröffnen, die den Stabilitätsgewinn wieder auffrisst.

Das Gegenargument lautet daher ernsthaft: Eine pauschale Erhöhung trifft auch dort, wo es weniger nötig scheint, während Zuschläge oder Sockelmodelle die knappen Mittel dorthin lenken können, wo Versorgung tatsächlich kippt. Daran ist nichts lächerlich. Nur wird dieses Argument in dem Moment schwach, in dem die Grundannahme nicht stimmt, nämlich dass die Stabilität im System bereits ausreichend ist. Wenn das Fundament bröckelt, ist Zielgenauigkeit zwar wünschenswert, aber sie ersetzt nicht die Pflicht zur Basissicherung. Ohne Basissicherung wird Zielgenauigkeit zum Verwaltungsprogramm in einer Lage, die eigentlich nach Entscheidung verlangt.

Am deutlichsten zeigt sich diese Logik beim Versandhandel. Die Diagnose, dass die bisherige Länderliste praktisch wirkungslos bleibt, ist eine Kapitulationserfahrung. Daraus folgt der Versuch, Versand in eine Nachweis- und Erlaubnisstatik zu ziehen, die für inländische Betriebe selbstverständlich ist. Anzeige beim BfArM, nationale Erlaubnis, Bestätigung der Einhaltung deutscher Vorgaben – das ist kein moralischer Reflex, sondern der Versuch, Wettbewerb wieder an gleichwertige Pflichten zu binden. Wenn Pflichten nicht gleichwertig sind, wird der Markt nicht „moderner“, sondern asymmetrisch. Und Asymmetrie landet am Ende dort, wo die Verantwortung nicht ausweichen kann: im Betrieb vor Ort.

Systemisch entsteht daraus eine einfache Rechnung. Jede Verzögerung in der Honorarfrage erhöht den Druck, über Menge, über Personalgrenzen und über Risikoausweitung zu kompensieren. Jede Unschärfe in der Leitungsstatik erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Verantwortung diffus wird, obwohl die Haftung real bleibt. Jede Lücke in der Versandkontrolle verstärkt den Eindruck, dass Regeln je nach Kanal unterschiedlich hart sind. In der Summe entsteht kein Reformgewinn, sondern eine Verschiebung von Lasten – weg von klarer politischer Entscheidung hin zu betrieblicher Improvisation.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Der Bundesrat wird in dieser Konstellation zum Ort, an dem Ordnung gegen Verschiebung gesetzt wird. Nicht aus Sympathie, sondern weil die Statik sonst kippt: Fixum, Leitung und Versandpflichten hängen zusammen, auch wenn sie im Verfahren gern getrennt werden. Wer an einer Stelle nachgibt, verändert die Lastverteilung an allen anderen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Die offene Stelle ist nicht das Verfahren, sondern die Entscheidung. Solange Stabilisierung nur angekündigt, aber nicht gebunden wird, bleibt die Lücke im System – und der Betrieb wird weiter zum Ausgleichsraum für politische Unentschlossenheit.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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