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  • 18.01.2026 – Apotheken im Bundesratsdruck, Fixum bleibt offen, Versand setzt Kante.
    18.01.2026 – Apotheken im Bundesratsdruck, Fixum bleibt offen, Versand setzt Kante.
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Länder erhöhen den Druck: Fixum, Leitung und Versandkontrolle stehen im Bundesrat. Schließungszahlen und Kostenentwicklung machen die V...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken im Bundesratsdruck, Fixum bleibt offen, Versand setzt Kante.

 

Zwischen Ländermehrheiten, Kassenrhetorik und Versorgungszahlen entscheidet sich, ob Stabilisierung politisch passiert oder als Betriebsrisiko weiterläuft.

Stand: Sonntag, 18. Januar 2026, um 19:42 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der Bundesrat wirkt derzeit wie der Ort, an dem Apothekenpolitik nicht nur kommentiert, sondern gedrückt wird. Während im Bund Zusagen in Kommissionslogiken verschwinden können, kommen aus den Ländern konkrete Linien: Fixum jetzt, PTA-Vertretung eher nein, Versandregeln neu denken. Gleichzeitig wird die Versorgungslage durch Schließungszahlen und Kostenentwicklung so sichtbar, dass jeder Versuch, das als „Standortentscheidung“ zu erzählen, wie ein Nebeltrick wirkt. Und über allem liegt eine simple Frage: Wo bleibt Verantwortung, wenn Regeln zu spät kommen.

 

Das Material fühlt sich an wie ein System, das an mehreren Stellen gleichzeitig knirscht. Es ist nicht ein Problem, sondern eine Kette: Honorarbasis, Leitungsstatik, Versandlogik, öffentliche Deutung, Strukturkosten, Vertrauen in Institutionen. Wer eine Stelle „technisch“ behandelt, verschiebt oft nur die Last an eine andere Stelle. Genau deshalb ist die Woche so aufschlussreich: Sie zeigt, welche Verschiebungen bereits laufen – und wo sich Widerstand formiert.

Der stärkste Impuls kommt aus dem Bundesrat, weil dort nicht mehr nur abstrakt über „Apothekenstruktur“ gesprochen wird, sondern über konkrete Stellschrauben. Das ApoVWG und die begleitende Änderungsverordnung bilden den Rahmen, in dem sich jetzt sichtbar wird, wie Länder Verantwortung lesen. Der Gesundheitsausschuss hat das Gesetz nicht nur „beraten“, sondern eine lange Liste von Empfehlungen beschlossen, die dem Bundesratsplenum am 30. Januar zur Abstimmung vorgelegt werden. Das ist ein Verfahrenstermin, der im Apothekenalltag normalerweise weit weg wirkt – und doch hängt daran, ob eine Honorarfrage endlich aus der Warteschleife kommt oder weiter im Nebel bleibt.

Bemerkenswert ist, dass viele Länder eine sofortige Fixumerhöhung signalisieren, obwohl die Änderungsverordnung formal noch nicht offiziell zugeleitet ist. Das ist politisch eine Vorleistung: Man legt sich fest, bevor der Bund sauber sortiert hat. Dass Bayern und Nordrhein-Westfalen nicht zustimmen, ist im Stoff nicht als „gegen Apotheke“ angelegt, sondern als Richtungswahl. NRW will einen jährlich zu vereinbarenden Versorgungszuschlag als neue Norm im Sozialgesetzbuch. Bayern denkt über einen Grundkostenzuschlag nach, der umsatzschwächere Vor-Ort-Apotheken stützen soll, etwa über eine Vergütung für die ersten 20.000 Abgaben verschreibungspflichtiger Arzneimittel pro Jahr – finanziert über höhere Einzahlungen in den Nacht- und Notdienstfonds. Das sind zwei unterschiedliche Architekturen, die beide dieselbe Wahrheit anerkennen: Das System braucht Geld, aber es ringt darum, ob Geld als klare Erhöhung oder als Zuschlagsmechanik kommen soll.

An der PTA-Vertretungsbefugnis wird sichtbar, dass es nicht nur um Euro geht, sondern um Leitungsstatik. Die Länder lehnen sie überwiegend ab, nur Bremen und Sachsen werden als Ausnahmen genannt, Brandenburg will Bedingungen anders gestalten. In der Logik des Systems ist das kein Detail. Führung ist in einer Apotheke nicht nur „Organisation“, sondern Haftung, Verantwortung, Entscheidungskompetenz im Konfliktfall. Eine Erprobungsregelung verändert das Bild von Leitung, und genau deshalb ist der Widerstand so geschlossen: Die Frage lautet, ob man Leitung als Austauschbaustein behandelt, während die wirtschaftliche Basis zugleich offen bleibt.

Der gleiche Blick auf Statik zeigt sich bei den Versandvorschlägen im Länderpaket. Weil die Länderliste als nahezu wirkungslos beschrieben wird, kommt die Idee, EU-Versender zu verpflichten, ihre Tätigkeit beim BfArM anzuzeigen und eine nationale Erlaubnis vorzulegen, die bestätigt, dass deutsche Versandvorgaben eingehalten werden. Dass zehn Länder hinter diesem Antrag stehen, ist ein Hinweis darauf, dass Versand nicht mehr als „Randmarkt“ betrachtet wird, sondern als Regelthema. Sobald die Pflicht zu Anzeige und Erlaubnis im Raum steht, wird Versandhandel vom Image der reinen Bequemlichkeit weggezogen und in den Raum von Kontrolle, Standard und Nachweispflicht gestellt.

Parallel dazu steht die nackte Versorgungsrealität, die jede Verfahrensruhe eigentlich unmöglich macht. 2025 schlossen 502 Apotheken, nur 62 wurden neu eröffnet, unterm Strich minus 440, Bestand 16.601 – der niedrigste Stand seit 50 Jahren. Das ist kein neutrales Statistikbild, sondern ein Strukturbruch, weil er nicht nur einzelne Betriebe trifft, sondern die Sicherheitsreserve des Systems. Jede Schließung reduziert Redundanz. Jede reduzierte Redundanz macht das System anfälliger für Störungen: Personalengpässe, Krankheitswellen, Lieferprobleme, Ausfälle. Und sie verändert die Geografie der Versorgung. Wege werden länger, und Botendienste gewinnen an Bedeutung, ohne den persönlichen Kontakt zu ersetzen. Versand kann Nähe nicht simulieren, wenn es um spontane Klärung, kurzfristige Intervention oder Vertrauensbeziehung geht.

Die Kostenentwicklung seit 2013, die mit 65 Prozent genannt wird, setzt das in einen harten Zeitstrahl. Seit der letzten Honoraranpassung ist die Kostenkurve weitergelaufen. Das ist der Kern der wirtschaftlichen Erschöpfung, weil es nicht um „schlechte Jahre“ geht, sondern um eine lange Phase, in der sich die betriebliche Rechnung gegen die Betriebe dreht. In so einer Lage wird das Fixum nicht zur symbolischen Anerkennung, sondern zur notwendigen Reparatur. Und genau deshalb ist jede politische Verzögerung nicht neutral, sondern eine Entscheidung, die die Last in den Betrieben wachsen lässt.

An dieser Stelle kippt die Debatte in eine zweite Ebene: die Ebene der öffentlichen Deutung. Wenn ein Kassenvertreter wie Florian Lanz sagt, den Apothekeninhabern gehe es insgesamt ziemlich gut, und der Rückgang sei vor allem eine Konzentrationsentscheidung, dann ist das nicht nur „polemisch“, sondern eine systemische Verschiebung. Es macht aus einem Regelproblem ein Unternehmerproblem. Der Stoff selbst hält dagegen: Hinter jeder Schließung steht eine betriebswirtschaftliche Rechnung, die nicht mehr aufgeht. Wenn Betriebe durchhalten, dann oft, weil sie groß genug sind, um Unterdeckung durch Menge zu kompensieren, oder weil andere schließen und die verbleibenden dadurch wachsen. Das ist kein Beweis für „gute Lage“, sondern ein Selektionsmechanismus, der kleine und mittlere Standorte frisst und die Fläche ausdünnt.

Der Vergleich, dass Strukturkosten der Kassen mit 4 Prozent der GKV-Ausgaben genannt werden, während für die Leistung der Apotheken 2 Prozent genannt werden, ist in diesem Kontext nicht nur ein rhetorischer Konter. Er legt einen Maßstabkonflikt offen: Wer fordert Effizienz bei Leistungserbringern, muss erklären, warum die eigene Struktur als gegeben gilt. Und wenn im gleichen Atemzug gefragt wird, warum es rund 100 Kassen und viele Filialen braucht, ist das kein Stammtischsatz, sondern eine Frage nach Systemarchitektur: Wo wird Konsolidierung verlangt, wo wird Vielfalt verteidigt, und wer trägt am Ende die Kosten dieser Architektur.

Die politischen Signale aus Hessen wirken deshalb nicht wie ein Randthema, sondern wie ein Anschluss an die Bundesratslinie. Diana Stolz kündigt an, zwei Anträge einzubringen: die Erprobungsregelung zur PTA-Vertretung der Apothekenleitungen abzulehnen und das Fixum pro Packungsabgabe bei verschreibungspflichtigen Medikamenten zu erhöhen. Dass der Gesundheitsausschuss zustimmt, verstärkt den Eindruck: In den Ländern formiert sich ein Block, der nicht nur Verständnis ausdrückt, sondern Mechaniken stoppen und Geldfragen klären will. Für die Praxis ist daran wichtig, dass diese Forderung nicht in der Luft hängt, sondern in Verfahren einspeist, die den Bund zu Stellungnahmen zwingen.

Die Versandfrage bekommt darüber hinaus eine zusätzliche Schärfe durch den Hinweis, dass ein Rx-Versandverbot zulässig sei, wie Generalanwalt Maciej Szpunar in einem Schlussantrag zu einem griechischen Sachverhalt sagt. Der Stoff zieht daraus keine juristische Abhandlung, aber die Wirkung ist klar: Wenn Zulässigkeit im Raum steht, wird aus „unmöglich“ eine politische Entscheidung. Der HAV nutzt genau diesen Hebel. Holger Seyfarth fordert einen verbindlichen Gesetzgebungsfahrplan für ein Rx-Versandverbot zum Schutz der Patientensicherheit und zum Erhalt der Vor-Ort-Versorgung. Und er koppelt das an ein robustes Regelpaket für den OTC-Versand: Beratung, Interaktionscheck, Dokumentation, Missbrauchs- und Fälschungsschutz. Das ist ein Versuch, Versand nicht moralisch, sondern ordnungspolitisch zu fassen: Wer Versorgung übernehmen will, muss Pflichten übernehmen. Wer Pflichten nicht übernimmt, darf nicht so tun, als sei er gleichwertig.

In diese Kette hinein wirkt Warkens To-do-Liste wie ein Spiegel der Bundeslogik: zu viele Pakete, zu viele Baustellen, und damit die ständige Gefahr, dass Apothekenzusagen zu „Mitläufern“ werden. Das Sparpaket für die GKV dominiert, eine Finanzkommission soll Vorschläge erarbeiten und auch die finanziellen Zusagen aus dem Koalitionsvertrag integrieren, darunter die Fixumerhöhung. Bis Ende März sollen Vorschläge vorliegen. Das ist einerseits ein Datum, andererseits eine Verlagerung. Denn sobald Zusagen in Sparpakete wandern, hängt ihre Realisierung nicht mehr am politischen Willen allein, sondern am Gesamtkompromiss eines Großpakets. Gleichzeitig werden Apotheken als Leistungsträger für mehr Impfungen und Aufgaben in Vorsorge und Früherkennung genannt. Das ist eine Ausweitung von Rolle, die im Betrieb nur dann als Aufwertung ankommt, wenn die Basis stimmt. Sonst wird „mehr Aufgaben“ zur Verstärkung der Last.

Im Klinikbereich deutet Warken mit Advanced Practice Nurses einen Kompetenzumbau an. APN als Master-Weiterqualifikation, Einsatz in spezialisierten Feldern wie chronische Wunden, Übernahme ärztlich vorbehaltener Aufgaben – das ist Systemveränderung. Und genau deshalb ist der Vergleich für Apotheken so bitter: Wenn Kompetenz neu verteilt werden kann, dann kann auch Honorarbasis neu definiert werden. Der Unterschied liegt nicht in der Machbarkeit, sondern in der Priorität.

Die zweite Erzählschleife führt auf einen Punkt, der im Alltag leise wirkt, aber langfristig schwer ist: Vertrauen in Institutionen. Meldungen über Verluste bei Versorgungswerken, etwa schätzungsweise 690 Millionen Euro bei der Bayerischen Versorgungskammer, treffen nicht sofort eine Rentenzahl im Portemonnaie. Aber sie treffen Erwartungssicherheit. Versorgungswerke funktionieren über lange Zeiträume, über Puffer und Strategien, über Governance und Risikokontrolle. Wenn riskante Anlagen Schlagzeilen erzeugen, entsteht bei Mitgliedern das Gefühl, dass Stabilität nicht selbstverständlich ist. In einer Branche, die gleichzeitig wirtschaftlich unter Druck steht, wirkt so etwas wie ein zusätzlicher Riss im Fundament, weil es die Zukunftssicherheit nicht stärkt, sondern fragiler erscheinen lässt.

Am Ende lässt sich diese Woche nicht in einem Satz „zusammenfassen“, weil sie keine einzelne Nachricht ist, sondern eine Mechanik. Länder versuchen, Verantwortung im System zu halten: Fixum, Leitung, Kontrolle im Versand. Kassenkommunikation versucht, Verantwortung umzulenken: Schließungen als Entscheidung. Bundespolitik steht zwischen Großpaketen und Zusagen, die leicht in Verfahren verschwinden. Und die Versorgungslage liefert Zahlen, die nicht mehr als Randnotiz weggeredet werden können. Wer hier nur an einer Stelle dreht, erzeugt an anderer Stelle Druck. Genau deshalb ist das Entscheidende nicht ein einzelner Vorschlag, sondern die Frage, ob das System bereit ist, Stabilisierung als vorrangige Reparatur zu behandeln – oder ob es weiter darauf setzt, dass Betriebe die Lücke „irgendwie“ schließen.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Der Leitfaden ist nicht Empörung, sondern Statik. Wenn Honorare nicht nachziehen, entstehen Schließungen. Wenn Schließungen steigen, wird Versand als Ersatz erzählt. Wenn Versand als Ersatz erzählt wird, müssen Pflichten nachgezogen werden. Wenn Pflichten nicht nachziehen, wird Verantwortung in den Betrieb verschoben. Und wenn Sprache diese Verschiebung legitimiert, wird aus einem Regelproblem eine Charakterfrage. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Politik die Verantwortung zurücknimmt oder ob sie weiter wandert.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Versorgung ist nicht nur ein Angebot, sie ist eine Sicherheitsarchitektur. Wo sie dünner wird, wird jede Verzögerung sichtbarer, jede Ausrede kleiner, jede Zahl schwerer. Und am Ende bleibt eine einfache Frage im Raum: Wer trägt Verantwortung, wenn das System den Betrieb zwingt, die Lücke zu sein.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Maßgeblich ist, ob politische Mechaniken Verantwortung im System halten oder als Betriebslast weiterreichen.

 

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