Für Sie gelesen
Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Samstag, 17. Januar 2026, um 17:30 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
In Neu-Anspach landet eine täuschend echte Zahlungserinnerung auf dem Tisch, die aussieht wie Staat und klingt wie Frist. 375,50 Euro, sauber aufgeteilt in Verfahrenskosten, Ordnungsgeld und Mahngebühr, dazu Aktenzeichen und Logo – genau die Mischung, die im Betrieb den Reflex auslöst: lieber sofort zahlen als riskieren. Die Plausibilität ist die eigentliche Falle, nicht die Summe. Eine irische IBAN kippt die Sache erst beim zweiten Blick, und auch das nur, weil Irland in anderen Liefer- und Zahlungszusammenhängen längst kein Fremdwort mehr ist. Der Steuerberater erkennt das Muster, sagt den einen Satz, der zählt: auf keinen Fall reagieren.
Der Druck entsteht aus Gleichzeitigkeit, nicht aus Einzelfällen. Betrug kopiert Behördenlogik, Politik arbeitet mit Produktivitätslogik, Handel verkauft Niedrigschwellen-Diagnostik, soziale Medien verstärken Angstlogik. Im Apothekenbetrieb kommt das als Entscheidungszwang an: prüfen, abwehren, erklären, Risiken begrenzen. Zeit wird zur knappsten Ressource, und Zeitknappheit ist der stärkste Fehlerverstärker.
In Neu-Anspach wirkt die Zahlungserinnerung nicht wie Spam, sondern wie Verwaltung. Die Forderung ist exakt aufgeteilt: 155,50 Euro Verfahrenskosten, 205 Euro Ordnungsgeld, 15 Euro Mahngebühr, zusammen 375,50 Euro. Als Begründung steht eine angebliche Offenlegungspflicht-Verletzung für das Geschäftsjahr 2023, unterlegt mit dem Verweis auf § 325 HGB und einer Drohung mit Vollstreckungsmaßnahmen. Die Summe ist nicht das Bedrohliche, sondern die Form: Behördenoptik plus Fristlogik erzeugen im Betrieb den Reflex, lieber sofort zu zahlen als später Ärger zu riskieren. Genau diese Routine wird hier angegriffen.
Die Plausibilitätsfalle sitzt in einem Detail, das längst nicht mehr eindeutig alarmiert: eine irische IBAN als Empfängerkonto. Der Irritationsmoment ist real, weil Irland in anderen Kontexten längst auftaucht und damit nicht automatisch verdächtig wirkt. Die Reaktion ist konsequent: Weiterleitung an den Steuerberater, dort die Einordnung als Fälschung und Phishing-Post, verbunden mit der klaren Empfehlung, auf keinen Fall zu reagieren. Aus dem Umfeld kommt die wichtige Zuständigkeitslinie: Ein Ordnungsgeldverfahren wegen fehlender Offenlegung führt ausschließlich das Bundesamt für Justiz. Der Schaden wird in dieser Lage oft nicht überwiesen, sondern eingepreist: zusätzliche Prüfminuten, zusätzliche Verunsicherung, zusätzliche interne Kommunikation.
Parallel verschiebt die Politik den Ton im Krankheitsfeld. Friedrich Merz greift den Krankenstand auf, spricht von durchschnittlich rund 14,5 Krankentagen und setzt mit der Frage nach der Notwendigkeit eine Misstrauensmarke. Im Zentrum steht erneut die telefonische Krankschreibung, die in der Corona-Zeit begründet wurde und nun als Restriktionspunkt in Koalitionsgespräche soll. Gegenpositionen verweisen auf Prävention statt Gängelei, auf Arbeitsbedingungen und Personalmangel statt Generalverdacht, und auf die Debatte um Karenztage und Lohnfortzahlung. Der Statistikrahmen bleibt entscheidend: 2024 lagen die Krankheitstage im Schnitt bei rund 14,8 Arbeitstagen, und der Anstieg gegenüber 2021 kann auch damit zusammenhängen, dass die eAU seit 2022 vollständiger erfasst, was früher weniger sichtbar war. Der Betrieb spürt nicht nur Ausfälle, sondern den zusätzlichen Druck, Abwesenheit politisch rechtfertigen zu müssen.
In dieses Klima schieben sich Diagnostikangebote im Handel, die mit Messwerten arbeiten, aber Kontext nicht automatisch mitliefern. Ärztliche Kritik zielt auf den Kern: Diagnostik ist nicht im Vorbeigehen, weil Einordnung Anamnese, Untersuchung, differenzialdiagnostisches Denken und Therapieentscheidungen umfasst. Isolierte Werte liefern Momentaufnahmen und können falsche Sicherheit vermitteln oder unnötig verunsichern. Dazu kommt das präanalytische Fehlerfeld vor der Laboranalyse: Blutabnahme, Lagerung, Transport. Drogeriemärkte sind räumlich und personell nicht auf Notfälle vorbereitet, doch die Erwartung entsteht, sobald Diagnostik verkauft wird. Verantwortung wird damit nicht abgeschafft, sondern verlagert, und die Folgelast landet häufig in der regulären Versorgung.
Eine zweite Lastlinie entsteht über Gesundheitskommunikation. Eine neue Datenanalyse widerspricht erneut der Behauptung, Paracetamol in der Schwangerschaft erhöhe Autismus- oder ADHS-Risiken. Die Auswertung umfasst 43 große, qualitativ hochwertige Studien und bezieht Geschwistervergleiche ein, um gemeinsame Genetik und Umwelt besser zu kontrollieren. Ergebnis: kein klinisch bedeutsamer Anstieg der Wahrscheinlichkeit für Autismus-Spektrum-Störung, und auch für ADHS oder geistige Behinderung finden sich bei sachgemäßer Anwendung keine belastbaren Belege. Ältere Befunde werden unter anderem mit Erinnerungsverzerrungen und Fehlklassifizierung durch Selbstauskünfte sowie Störfaktoren erklärt. Die entscheidende Gegenfolie bleibt pragmatisch und riskant: unbehandeltes Fieber und Schmerz in der Schwangerschaft können ernste Risiken erhöhen, bis hin zu Fehlgeburt, Fehlbildungen, Frühgeburt oder Entwicklungsstörungen. Wenn Warnsätze viral werden, entstehen Angst und Schuldgefühle, und Vertrauen in Medizin und Wissenschaft wird beschädigt.
Versorgung zeigt sich zugleich als Logistik- und Steuerungsfrage, sichtbar beim Salbutamol-Engpass. Seit 2023 melden Hersteller verlängerte Ausfälle, Importe und befristete Gestattungen sichern den Bedarf und werden teils verlängert, teils bis Ende 2026 für bestimmte Importvarianten fortgeführt. Gleichzeitig rückt ein fachlicher Hebel nach vorn: leitliniengerechte Nutzung inhalativer Corticosteroide, gegebenenfalls ICS/Formoterol als Bedarfstherapie bei geeigneten Patientinnen und Patienten, kann den SABA-Bedarf senken und akute Anfälle reduzieren. Problematisch bleibt die häufig zusätzliche Salbutamol-Verordnung trotz ICS/Formoterol, fachgesellschaftlich als ohne Indikation kritisiert, weil sie Steuerung und Engpassdruck verschärfen kann. Trockenpulverinhalatoren sind eine Option, aber nicht für alle Patientengruppen praktikabel, und Nebenargumente wie CO2-Bilanzen ändern nichts an der Versorgungsstatik.
Die zweite Erzählschleife beginnt dort, wo die Einzelfälle in Struktur kippen. Betrug, Misstrauenspolitik, Handelsdiagnostik, Mythenkommunikation und Engpässe sind unterschiedliche Phänomene, aber sie greifen in dieselbe Betriebsrealität: Apotheken müssen Fehler verhindern, bevor sie Schaden werden, und sie müssen Entscheidungssicherheit unter Zeitdruck herstellen. Diese Entscheidungssicherheit ist keine Haltung, sondern Prozessdisziplin, und sie kostet Ressourcen. Wer Ressourcen verknappt, macht Systeme anfälliger, selbst wenn jedes Einzelproblem für sich „klein“ wirkt.
Langfristig hängt Versorgung außerdem an Ausbildung und Nachwuchs. Eine Kolumne beschreibt Folgen von Budgetkürzungen an Hochschulen für das Pharmaziestudium in Berlin, verbunden mit einem genannten Haushaltsminus von 37 Millionen Euro. Weniger Mittel bedeuten Druck auf Kapazitäten, Lehrqualität, Betreuungsrelationen und praktische Ausbildung, und genau dort wächst der Nachwuchs- und Versorgungsdruck zeitversetzt. Parallel suchen einzelne Apothekerinnen Wachstum außerhalb des lokalen HV und investieren in Online-Business rund um Eigenherstellung, mit mehreren tausend Euro Gesamtaufwand und rund 10.000 Euro allein für einen neuen Shop plus zusätzliche Investitionen in Maschinen und Mitarbeitende fürs Online-Marketing. Umsatzeinbrüche durch Rohstoffmangel oder defekte Geräte zeigen die Fallhöhe solcher Entscheidungen. Selbst das ISS-Beispiel unterstreicht die Logik: Unter Isolation zählen Training, Checklisten, Vorräte und Notfallausrüstung, weil Selbsthandlungsfähigkeit im Ernstfall nicht improvisiert werden kann, und genau das ist die gleiche Sicherheitsarchitektur im Kleinen.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Die Lage wirkt wie ein Nachrichtenmix, ist aber ein gemeinsamer Druckraum. Behördenoptik wird zur Betrugswaffe, Krankenstand wird zum politischen Hebel, Diagnostik wird als Produkt ohne Kontext normalisiert, Mythen über Arzneimittel werden schneller als Daten, und Engpässe machen Routinen teuer. Apotheken stehen im Schnittpunkt und müssen jeden Tag aus Unsicherheit wieder Ordnung herstellen. Die eigentliche Knappheit heißt nicht Geld, sondern Zeit, Konzentration und Vertrauen.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Betrüger Ordnung imitieren, wird Routine zur Angriffsfläche. Wenn Politik Krankheit als Verdachtszone rahmt, wächst Reibung statt Prävention. Wenn Diagnostik ohne Kontext verkauft wird, wird Verantwortung unsichtbar, aber die Folgelast real. Wenn Mythen Therapieentscheidungen steuern, entsteht Risiko durch Unterbehandlung. Versorgung hält, wenn Sicherungen greifen, bevor Schaden entsteht, und jede weggelassene Sicherung taucht später im Betrieb wieder auf.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Entscheidend ist, ob Verantwortung im Alltag praktisch greifbar bleibt.
Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.
Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.
Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.
Mit der ApoRisk® FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.