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  • 15.01.2026 – Kassenüberschuss bleibt politisch, Apothekenhonorar bleibt gedeckelt, Versorgung bleibt Risiko
    15.01.2026 – Kassenüberschuss bleibt politisch, Apothekenhonorar bleibt gedeckelt, Versorgung bleibt Risiko
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Wenn Schließungen zunehmen und Kosten steigen, wird „Konzentration“ zur politischen Ausrede, solange Erreichbarkeit, Vorfinanzierun...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Kassenüberschuss bleibt politisch, Apothekenhonorar bleibt gedeckelt, Versorgung bleibt Risiko

 

Die GKV erklärt Apotheken für „ziemlich gut“ aufgestellt, doch Schließungen, Kostenwellen und starre Vergütungsregeln treffen die Fläche anders als Beitragseinnahmen.

Stand: Donnerstag, 15. Januar 2026, um 17:33 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Wenn ein GKV-Sprecher Mitte Januar erklärt, die wirtschaftliche Lage der Apothekeneigentümer sei „insgesamt ziemlich gut“, ist das nicht nur eine steile These, sondern ein Beweismaßstab: Was gilt als Realität, wenn Schließungszahlen steigen, Betriebskosten nachziehen und das Honorar in Regeln gefangen bleibt, die keine spontane Nachsteuerung kennen? Genau hier kippt die Debatte aus der Empörung in die Mechanik. Die Kassen können Einnahmen prozentual aus Löhnen ziehen, die 2025 im dritten Quartal laut Destatis nominal um 4,9 Prozent zulegten, Apotheken müssen mit fixen Stellschrauben arbeiten, während Strom, Personal und Mieten in der Fläche längst nicht linear, sondern sprunghaft wirken. Das ist der Kernkonflikt: Wer mit dem Argument „Preisbindung hebt Vergütung mit“ operiert, muss sich gefallen lassen, dass die gleiche Logik bei den Kassen noch viel direkter greift – und dass Überschüsse, Zusatzbeiträge und Schließungen nur zusammen plausibel werden, nicht getrennt.

 

Im Januar ist der Reflex immer gleich: Kammern und Verbände legen Schließungszahlen vor, Politiker äußern Sorge, die Gegenseite beruhigt. Die Beruhigung ist rhetorisch bequem, weil sie den Blick auf Durchschnittswerte lenkt und damit die erste entscheidende Verschiebung erzeugt: aus dem Risiko einzelner Standorte wird ein „insgesamt“ und aus dem „insgesamt“ wird ein politisches Argument gegen Honorarbewegung. Das Problem ist nicht, dass Durchschnittswerte falsch wären, sondern dass sie im Versorgungssystem eine Nebenwirkung haben: Sie entwerten den Rand. Gerade dort aber entscheidet sich Versorgung, weil die Apotheke am Rand nicht die zweite Filiale, sondern oft die letzte Infrastruktur ist.

Der zweite Dreh sitzt in der Kopplungsbehauptung. Wenn ein Teil der Vergütung an den Medikamentenpreis gebunden ist, steige die Vergütung laufend, so die Argumentation. Das klingt wie ein Naturgesetz, ist aber in Wahrheit eine Rechenfigur, die die Kostenrealität nicht miterzählt. Preisgetriebene Vergütung ist nicht automatisch marginentragfähig, wenn der Betrieb gleichzeitig in Vorleistung geht, wenn Personalengpässe zu teurerer Besetzung führen und wenn der Alltag mehr Zeit frisst, ohne dass die Zeit vergütet wird. Die Apotheke kann nicht „Zusatzbeitrag“ spielen, sie kann höchstens mehr Volumen tragen, und Volumen ist bei gedeckelten Prozessen und wachsender Bürokratie oft die teuerste Form von Wachstum.

Spannend wird es, sobald man die Logik konsequent zurückspielt. Die Kassen ziehen Beiträge prozentual vom Lohn ein, steigen Löhne, steigen Einnahmen. In derselben Debatte stehen Zahlen wie ein Überschuss von 3,6 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten eines Jahres bei 94 Krankenkassen im Raum, während gleichzeitig Zusatzbeiträge erhöht werden. Das ist der Punkt, an dem Kommunikation zur Systemfrage wird: Entweder ist die Lage so schlecht, dass Zusatzbeiträge zwingend sind, dann muss erklärt werden, warum Überschüsse nicht als Puffer wirken. Oder Überschüsse zeigen Spielräume, dann wird die Abwehrhaltung gegenüber Leistungserbringern zur Prioritätenentscheidung, nicht zur Notwendigkeit.

Die dritte Verschiebung ist die Konzentrations-Erzählung: Beschäftigte in Apotheken seien von 139.000 im Jahr 2005 auf 162.000 im Jahr 2024 gestiegen, Versorgung sei nicht weniger geworden, sie habe sich konzentriert. Das ist eine Statistik, die im Alltag eine harte Kante hat. Versorgung ist nicht nur Kopfzahl, sondern Erreichbarkeit, Reaktionszeit, Notfallfähigkeit. Eine größere Apotheke in der Stadt kann vieles besser organisieren, aber sie kann die Entfernung nicht wegorganisieren. Und sie kann die soziale Realität nicht neutralisieren, dass Mobilität, Kinderbetreuung, Pflege und Krankheit nicht nach betriebswirtschaftlicher Optimierung auftreten, sondern nach Tageszeit, Wetter, Angst und Erschöpfung.

Damit landet man beim eigentlichen Streit, den die Debatte oft verdeckt: Apotheken sind keine frei bepreisten Dienstleister, sondern Teil eines gesetzlich gerahmten Systems. Wenn Kassen sagen, „den Apotheken geht es gut“, ist das deshalb nicht bloß eine Meinung, sondern ein Signal: Es verschiebt die Beweislast. Plötzlich müssen Apotheken ihre Notlage beweisen, während die Kasse ihre Beitragserhöhung als Sachzwang inszenieren kann. Im Ergebnis entsteht eine Asymmetrie: Die eine Seite kann über Beiträge nachsteuern, die andere Seite muss über Substanz nachsteuern, also über Öffnungszeiten, Personal, Investitionen, am Ende über Standorte.

Und dann kommt der Satz, der im Betrieb wie ein Hohn klingt: Verwaltungsausgaben der GKV lägen bei rund 4 Prozent, Apotheken bei rund 2 Prozent. Ob man diese Quoten im Detail akzeptiert oder nicht, die Richtung ist das Signal: Die Debatte wird auf Effizienz umgebogen, aber Effizienz ist im Gesundheitswesen nur dann ein Fortschritt, wenn sie nicht Versorgung frisst. Wer 94 Kassen verwaltet, kann nicht so tun, als sei Struktur ein Naturzustand. Wer Apothekensterben als „Konzentration“ umdeutet, kann nicht so tun, als sei Fläche ein Luxus.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die beruhigende Sprache der Kassen hat eine heimliche Nebenwirkung: Sie macht das Wegbrechen der Fläche zu einem statistischen Geräusch, bis es plötzlich eine politische Krise wird. Genau da kippt Verantwortung. Nicht, weil jemand „schuld“ wäre, sondern weil Systeme an den Punkten scheitern, an denen Regeln nicht mehr zur Wirklichkeit passen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn die Kassen ihre eigene Logik ernst nehmen, müssten sie anerkennen, dass prozentuale Einnahmensteigerung kein Beweis für Mangel ist, so wie preisgebundene Vergütung kein Beweis für Gesundheit ist. Das Versorgungssystem lebt davon, dass Belastung dort anerkannt wird, wo sie entsteht, und dass Steuerung nicht mit Beruhigung verwechselt wird.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. In dieser Debatte entscheidet nicht das Wort „insgesamt“, sondern die Frage, ob Fläche als Pflicht oder als Restposten behandelt wird.

 

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