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  • 15.01.2026 – Kassenlogik verklärt Überschüsse, Apothekenlogik trägt Pflichten, Versorgung braucht Ehrlichkeit
    15.01.2026 – Kassenlogik verklärt Überschüsse, Apothekenlogik trägt Pflichten, Versorgung braucht Ehrlichkeit
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Im Zentrum steht die Frage, ob Konzentration von Standorten als Versorgungserfolg gelten darf, obwohl Wege, Pflichtdienste und ...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Kassenlogik verklärt Überschüsse, Apothekenlogik trägt Pflichten, Versorgung braucht Ehrlichkeit

 

Ausgabe Nr. 154 | Der Systemblick von heute zeigt, wie die Kassenrhetorik Apothekenrisiken wegdefiniert

Stand: Donnerstag, 15. Januar 2026, um 17:40 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Krankenkassen, Apothekenhonorar, Versorgungssicherheit

Florian Lanz sagt, es gehe den Apothekeneigentümern „insgesamt ziemlich gut“, und schiebt gleich die nächste Folie hinterher: Ein Teil der Vergütung hänge am Arzneimittelpreis, also steige das Honorar „laufend“ mit. Das klingt beruhigend, fast wie ein naturgesetzlicher Automatismus. Nur hat Versorgung keine Lust auf Automatismen, wenn die Realität auf der anderen Seite schneller dreht als der Preisanker. Strom, Personal, Miete – das sind keine Randnotizen, das sind Monatsrechnungen. Und sie steigen nicht in dem Tempo, in dem sich ein prozentualer Vergütungsbestandteil zufällig mitbewegt.

Das eigentliche Problem steckt in der Perspektive: Wer „Apotheken geht es gut“ sagt, meint meist eine betriebswirtschaftliche Gesamtgröße, die über sehr unterschiedliche Standorte und Lagen gemittelt wird. Schließungen passieren aber nicht im Durchschnitt, sondern an den Kanten: in Orten, in denen die Frequenz nicht wächst, der Nacht- und Notdienst trotzdem Pflicht bleibt und die Reserve des Inhabers längst im Alltag steckt. Ein kurzfristiges Umsatzplus kann dort sogar wie Hohn wirken, wenn es nur die Kannibalisierung beschleunigt: weniger Betriebe, mehr Last pro Betrieb, mehr Risiko pro Entscheidung.

Wenn man Lanz’ Logik ernst nimmt, muss man sie auch auf die Kassen anwenden. Kassen ziehen Beiträge prozentual vom Lohn ein; wenn Löhne steigen, steigen Einnahmen mit. Für das dritte Quartal 2025 wird ein Nominallohnplus von 4,9 Prozent genannt. Und trotzdem wird zugleich der Eindruck gepflegt, die GKV stehe dauerhaft am Abgrund. Dabei melden die Krankenkassen in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres einen Überschuss von 3,6 Milliarden Euro – bei 94 Kassen. Man kann das erklären, man kann es relativieren, man kann es in Rücklagen- und Ausgabenlogik einbetten. Aber man kann nicht gleichzeitig so tun, als seien automatische Einnahmesteigerungen bei Apotheken ein Grund, Probleme kleinzureden, und bei Kassen ein Randdetail, das nichts über die Lage sagt.

Die zweite Lanz-Folie ist noch gefährlicher, weil sie wie ein Versorgungsargument verkleidet ist: Es arbeiteten „so viele Menschen wie noch nie“ in Apotheken; Beschäftigte von 139.000 (2005) auf 162.000 (2024), Versorgung sei nicht weniger geworden, nur konzentriert. Konzentration ist jedoch kein neutrales Wort. In der Logik eines Filialnetzes mag das nach Effizienz klingen, in der Logik eines Gesundheitsberufs klingt es nach Wegstrecken, Wartezeiten und einer Versorgung, die erst dann sichtbar fehlt, wenn sie gebraucht wird: abends mit fieberndem Kind, morgens mit immobilen Patienten, nachts im Notdienst. Eine Geschäftsstelle kann man schließen, ohne dass jemand nachts klingelt. Eine Apotheke nicht.

Und genau hier liegt der politische Kern: Kassen können über Zusatzbeiträge nachsteuern, Apotheken nicht. Apotheken tragen Vorfinanzierung, Personalbindung, Haftungsdruck und Pflichtdienste in einem System, das Preise und Vergütung eng führt. Wenn dann ausgerechnet die Seite, die Spielraum über Beitragssätze besitzt, erklärt, auf der Seite ohne Spielraum sei „insgesamt“ alles ziemlich gut, wird aus einer Debatte über Zahlen eine Debatte über Zuständigkeit. Wer Versorgung will, muss sie als Infrastruktur behandeln – nicht als Bilanzposten, der sich schon irgendwie mitbewegt.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die eigentliche Schieflage ist nicht, dass beide Seiten ihre Zahlen erzählen. Die Schieflage ist, dass die eine Seite ihre Mechanik als Normalität verkauft und der anderen Seite die Mechanik als Ausrede auslegt. So entsteht ein Gespräch, in dem nicht mehr über Versorgung gesprochen wird, sondern über Deutungshoheit. Und Deutungshoheit ist im Gesundheitswesen immer nur geliehen – bis der erste Ort keinen Dienst mehr hat.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn ein System 3,6 Milliarden Euro Überschuss kennt, 94 Kassen verwaltet und zugleich flächendeckende Leistungserbringer mit dem Satz „geht’s doch gut“ abbindet, dann ist das kein Streit um Sympathie, sondern um Statik: Wer darf nachsteuern, wer muss aushalten, wer trägt die Folgen vor Ort. Versorgung kippt nicht durch einen großen Knall, sondern durch viele kleine Zumutungen, die man in der Summe „insgesamt ziemlich gut“ nennt – bis sie plötzlich nicht mehr da ist.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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