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  • 15.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Bargeldrisiken, Cannabisregeln, Preis- und Plattformdruck
    15.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Bargeldrisiken, Cannabisregeln, Preis- und Plattformdruck
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Die Themen bündeln Sicherheitsrisiken, Gesetzespläne und Marktsteuerung zu einer Kernfrage: Wer hält Verantwortung, wenn Prozesse skali...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Bargeldrisiken, Cannabisregeln, Preis- und Plattformdruck

 

Von Apobank-Ausfällen über MedCanG und Doctolib bis zur Printdebatte zeigt sich, wo Versorgung an Logik, Recht und Vertrauen hängt.

Stand: Donnerstag, 15. Januar 2026, 12:41 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Wenn zwei Berliner Apothekenfälle zeigen, wie schnell 50.000 Euro oder 8000 Euro auf dem Weg zur Bank verschwinden, wird Bargeldlogistik zur Versorgungsfrage: nicht nur wegen Tätermechaniken, sondern weil Police-Definitionen zwischen Trickdiebstahl und Raub über Erstattung entscheiden. Parallel rückt Cannabis zurück in den Gesetzesrahmen: Im MedCanG-Streit prallen Versand- und Plattformbremsen auf Versorgungsargumente, während Werbung und Vollzug als eigentliche Schwachstellen benannt werden. Die TK legt dazu einen Preisdruckanker: 4,37 Milliarden Euro Einsparpotenzial bei internationalen Preisniveaus, 55 Milliarden Euro GKV-Arzneimittelausgaben, teure Patentarzneien als Kostentreiber. Und in der digitalen Zugangslogik fällt ein Urteil wie ein Systemsignal: Doctolib darf GKV-Filter nicht ins Selbstzahlerregal kippen lassen. Selbst die Printfrage der Apotheken Umschau wird damit plötzlich nicht nostalgisch, sondern funktional: Kuratierung als Gegenkraft zur Überforderung. Am Rand laufen Gesundheitsstücke mit, die in den Alltag greifen: Gewichtsverlust verbessert Psoriasis messbar, und der Januar-Blues markiert die Grenze zwischen saisonaler Empfindlichkeit und echter Depression.

 

Apotheken tragen Bargeldrisiken, Apobank trägt Engstellen, Versicherung trägt Begriffe

In Berlin zeigt ein einzelner Vorfall, wie schnell ein technischer Engpass zum Sicherheitsereignis wird. Eine Apothekeninhaberin schildert, dass es in der Stadt nur zwei Standorte gibt, an denen Bargeld direkt eingezahlt werden kann, und dass die Einzahlautomaten dort über Wochen immer wieder defekt waren. Der letzte erfolgreiche Einzahlmoment wird auf den 13. Dezember datiert; danach sammelt sich Bargeld an, nicht aus Absicht, sondern aus fehlender Möglichkeit. Aus Tageseinnahmen wird Wochenbestand, aus Routine wird ein Transport mit sichtbar höherer Fallhöhe.

Am 5. Januar fährt der Ehemann der Inhaberin erneut los, um die Einnahmen von rund drei Wochen einzuzahlen, die Summe liegt bei etwa 50.000 Euro. Der Automat befindet sich in der Parkgarage des Bankgebäudes, der Einzahlversuch scheitert erneut. Nach dem Verlassen der Garage fällt nach wenigen hundert Metern eine Instabilität im Fahrverhalten auf; beim Anhalten wird ein platter Hinterreifen festgestellt. In diesem Moment, so die Schilderung, wird die Beifahrertür geöffnet und die Geldtasche entwendet, der Täter flüchtet auf dem Fahrrad.

Die Polizei wird sofort gerufen und stellt nach Angaben der Inhaberin fest, dass der Reifen in der Parkgarage beschädigt wurde. Zusätzlich wird von Bildmaterial gesprochen, das sowohl Tat als auch Täter zeigen soll; daraus folgt die Fahndung. Das Muster wirkt nicht wie Gelegenheit, sondern wie eine kurze, kalkulierte Verschiebung: Der entscheidende Augenblick ist nicht die Bankfiliale, sondern die Unterbrechung der Aufmerksamkeit nach dem Abbruch der Einzahlung. Dass der Diebstahl nicht im Gebäude, sondern nach dem Losfahren passiert, verändert die Lage nicht nur faktisch, sondern auch juristisch.

Denn im Kern steht nicht nur die Frage nach Täterermittlung, sondern nach der Einordnung: Handelt es sich um Raub oder um Trickdiebstahl? Ein Versicherungsexperte ordnet den Fall im Stoff sicher als Trickdiebstahl ein und verweist zugleich auf die umstrittene Schwelle, ob das Zerstechen des Reifens als Gewaltanwendung gegen die Person gilt. Diese Schwelle ist entscheidend, weil sie in der Praxis über Deckungslogik und Ersatz entscheidet: Nicht das Wort „Überfall“ trägt den Fall, sondern die Definition von Gewalt, Drohung und Wegnahme in einem konkreten Ablauf.

Damit wird aus einem Kriminalfall ein Betriebsrisiko, das an Infrastruktur hängt. Zwei Einzahlstandorte und wiederkehrende Ausfälle sind kein Komfortproblem, sondern ein Mechanikproblem: Wer nicht einzahlen kann, hält Bargeld länger im Betrieb und transportiert später größere Summen. Diese Bündelung erhöht nicht nur das finanzielle Risiko, sondern auch das persönliche Risiko für Inhaberinnen, Inhaber und Mitarbeitende, weil der Transportweg selbst zum exponierten Ereignis wird. Die 50.000 Euro stehen hier nicht für „viel Geld“, sondern für eine Verschiebung des Normalbetriebs über drei Wochen.

Auffällig ist, dass die Bank den Vorfall nach eigener Darstellung nicht kennt, gleichzeitig aber temporäre Ausfälle über den Jahreswechsel einräumt. Zugleich verweist sie auf eine Alternative: Bargeld könne gegen Entgelt in der Apotheke abgeholt werden. In der Logik des Risikos ist das keine Nebennotiz, sondern ein Hinweis, dass sich die Frage nach Sicherheit nicht nur im Verhalten der Betroffenen entscheidet, sondern auch in den angebotenen Prozesswegen. Wenn Technik ausfällt, entstehen Kostenpfade, und diese Kostenpfade werden zu Sicherheits- und Versicherungsfragen.

Am Ende bleibt eine harte, unbequeme Erkenntnis, die über Berlin hinausreicht: Bargeld ist im Apothekenbetrieb nicht nur ein Abrechnungsdetail, sondern ein Sicherheits- und Haftungsthema, sobald die Infrastruktur die Routine bricht. Der Vorfall zeigt, wie schnell ein technischer Defekt in eine operative Zwangslage kippt und wie sehr der Ausgang dann an Begriffen hängt, die erst im Schadenfall ihre ganze Schärfe entfalten. Die eigentliche Zumutung liegt nicht im Streit, ob etwas „Raub“ heißt, sondern darin, dass ein System Engstellen erzeugt, in denen Menschen und Betriebe plötzlich mit einem Risiko unterwegs sind, das sie im Normalbetrieb gar nicht tragen müssten.

 

Drahttrick am Lieferwagen, 8000 Euro weg, Versicherung zahlt nur teilweise

Der zweite Berliner Fall wirkt auf den ersten Blick „kleiner“ als der Verlust von 50.000 Euro – und ist doch fast lehrreicher, weil er die Mechanik des Risikos in Reinform zeigt. Ein Botenfahrer einer Apotheke will die Wocheneinnahmen in eine nahegelegene Bank bringen. Es ist der 14. November. Das Bargeld liegt nicht irgendwo, sondern sauber sortiert: in einer separaten Tasche, zusammen mit einer EC-Karte und einem Zettel, auf dem die Höhe der Summe notiert ist. Diese Tasche wiederum liegt in einem Medikamentenkorb auf dem Beifahrersitz. Der Ablauf ist banal, routiniert, in vielen Betrieben Alltag – und genau deshalb so gefährlich, weil Routine Schutzreflexe abschleift.

Nach etwa 50 Metern Fahrt hört der Fahrer ein „klirrendes“ Geräusch. Baustellen, Sperrungen, improvisierte Fahrspuren – eine typische Stadtumgebung, die man als Ursache sofort akzeptiert. Der Fahrer hält an, steigt aus und entdeckt unter dem Auto ein Stück Stahldraht, das aus dem Bereich des Auspuffrohrs herausragt. Weiterfahren scheint unmöglich, ohne den Draht zu entfernen. Damit ist die Szene gesetzt: Er ist aus dem Fahrzeug, der Wagen steht, und der Fokus verengt sich auf ein technisches Problem, das er lösen muss, um weiterzukommen. Aus dem Sicherheitsblickwinkel ist genau das der Moment, in dem ein Transport kippt – nicht, weil jemand „unvorsichtig“ ist, sondern weil die Situation den Blick zwingend umlenkt.

Alleine kann er den Draht nicht entfernen. Er sucht Hilfe, und „zufällig“ sind zwei Handwerker mit einem Lieferwagen in unmittelbarer Nähe. Er bittet um eine Zange, bekommt das Werkzeug und legt sich erneut unter das Fahrzeug. Als er wieder aufsteht, einsteigt und losfahren will, ist die Geldtasche verschwunden. Die Handwerker und ihr Fahrzeug sind weg. Die Polizei wird sofort gerufen, der Vorfall dokumentiert, der Schaden liegt bei mehr als 8000 Euro. Der Kern ist damit klar: Die eigentliche Tat ist nicht das Wegnehmen in einem dramatischen Moment, sondern die Konstruktion einer Situation, in der Wegnehmen möglich wird, weil die Aufmerksamkeit gezielt umgelenkt wird.

Der Stoff führt das sofort in die nächste, entscheidende Ebene: Versicherungsschutz ist kein Gefühl, sondern eine Kategorie. Der Fall wird als Trickdiebstahl eingeordnet. Und genau dort liegt die strukturelle Brutalität: Trickdiebstahl ist nicht in jeder Police automatisch mitversichert. Selbst wenn er mitversichert ist, greifen häufig Summenlimits, die nicht auf Wochenkassen ausgelegt sind. Als typische Grenze werden etwa 1500 Euro genannt – eine Größenordnung, die eher „Portemonnaieinhalt“ abbildet als einen Apothekenweg zur Bank. In diesem konkreten Fall gelingt es dennoch, 6000 Euro Schadenersatz mit der Versicherung auszuhandeln. Das ist viel – und zeigt zugleich, dass der Ausgang nicht nur von Bedingungen abhängt, sondern auch von Verhandlung, Einordnung und dem, was als gedecktes Ereignis anerkannt wird.

Besonders aufschlussreich ist der Kontrast, der im Stoff selbst gezogen wird: Wäre es Raub mit physischer oder psychischer Gewaltdrohung gewesen, würde die volle Summe ersetzt. Das ist kein moralischer Satz, sondern eine harte Grenzlinie. Sie erklärt, warum Täter, die systematisch vorgehen, häufig nicht auf offene Gewalt setzen müssen: Ein Trick, der ohne Drohung auskommt, kann für die Betroffenen denselben Schaden erzeugen – aber eine andere versicherungsrechtliche Spur. In der Praxis führt das dazu, dass Apotheken nicht nur ihr Bargeldrisiko tragen, sondern zusätzlich das Definitionsrisiko: Was im Betrieb als „Überfall“ erlebt wird, wird im Schadenprozess als „Trickdiebstahl“ verhandelt.

Der Fall zeigt außerdem, wie eng Prozess und Risiko zusammenhängen. Bargeld, EC-Karte und Summenzettel in einer Tasche sind betriebslogisch nachvollziehbar, aber aus Tätersicht maximal verwertbar. Dass die Tasche auf dem Beifahrersitz lag, ist nicht „falsch“, aber es macht den Zugriff schnell. Dass die Aktion nach 50 Metern passierte, ist kein Zufall, sondern ein Hinweis auf Ortskenntnis und Timing: kurz genug, um Routine auszunutzen, nah genug, um das Umfeld der Apotheke als Beobachtungsraum zu nutzen. Selbst die Baustellensituation wird Teil der Methode, weil sie plausibel erklärt, warum etwas am Fahrzeug hängen bleibt und warum man anhält.

In der Summe ist dieser zweite Fall die präzisere Lektion: Nicht die Höhe des Bargelds macht das Ereignis systemisch, sondern die Tatsache, dass die Tatform genau in den Bereich fällt, in dem Versicherungen häufig enger werden. Der Betrieb verliert nicht nur Geld, sondern Zeit, Vertrauen und Nerven – und muss gleichzeitig klären, ob die Police für genau diese Art von Realität gebaut ist. Der Unterschied zwischen 8000 Euro und 50.000 Euro ist finanziell enorm, strukturell aber kleiner als viele denken: In beiden Fällen geht es darum, dass ein kurzer Moment außerhalb des Fahrzeugs genügt, um einen Wochenbestand verschwinden zu lassen – und dass die Frage, wie man es nennt, den Unterschied zwischen voller Erstattung, Teilzahlung oder Null macht.

 

TK-Analyse zu Arzneipreisen, Milliardenhebel für die GKV, Fokuslisten als Machtfrage

Die Techniker Krankenkasse setzt mit ihrer Auswertung einen Preisanker, der nicht nach Gefühl funktioniert, sondern nach Mechanik. Wenn Deutschland bei den 30 umsatzstärksten Arzneimitteln seine Preise an ein internationales Niveau angleichen würde, ließen sich nach TK-Berechnung jährlich rund 4,37 Milliarden Euro einsparen. Das ist keine kleine Korrektur im System, sondern ein Eingriff in die Statik der Arzneimittelfinanzierung. Und es erklärt, warum die Debatte so schnell vom Vergleich zur Forderung nach Gesetzgebung kippt: Wer solche Beträge in den Raum stellt, spricht nicht mehr über Einzelfälle, sondern über Regeln.

Die Argumentation arbeitet bewusst mit dem Kontrast zwischen Packung und Euro. Die zehn umsatzstärksten Produkte des Jahres 2024 hätten demnach mit einem durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von etwa 4300 Euro mehr als elf Prozent der GKV-Gesamtausgaben verursacht, obwohl sie nur rund ein Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen. Hinter dieser Gegenüberstellung steckt die eigentliche Botschaft: Die Ausgabenentwicklung wird nicht durch „mehr Packungen“ erklärt, sondern durch wenige, teure Therapien, die den Durchschnitt nach oben reißen. Insgesamt wurden 2024 Arzneimittel für mehr als 55 Milliarden Euro auf GKV-Kosten abgegeben. In dieser Größenordnung sind Milliardenhebel nicht abstrakt, sondern politisch zwingend.

Als Kostentreiber benennt die TK neue Patentarzneimittel mit einer auffälligen Schieflage: Sie machen nur etwa sieben Prozent der abgegebenen Packungen aus, stehen aber für fast 54 Prozent der Ausgaben. Damit wird der Preis nicht als Randphänomen sichtbar, sondern als dominanter Faktor. Als Beispiel wird ein neues Demenzmittel genannt, dessen Jahrestherapiekosten bei mehr als 40.000 Euro liegen. Das ist der Punkt, an dem die Diskussion typischerweise moralisch wird, weil es um schwere Erkrankungen geht und um Hoffnung. Die TK verschiebt die Debatte jedoch zurück auf Struktur: Nicht die Schwere der Erkrankung entscheidet über die Finanzierbarkeit, sondern die Summe der Preislogiken, die sich systematisch auf die Beitragszahler überträgt.

Der nächste Schritt in der Argumentationskette ist politisch scharf. Im internationalen Vergleich seien einzelne Medikamente in anderen Ländern bis zu 76 Prozent günstiger; genannt werden Länder wie Norwegen, Südkorea oder Japan. Die Schlussfolgerung ist nicht, dass Deutschland „zu viel“ zahlt, sondern dass der deutsche Preis nicht automatisch einen Gegenwert in Form von Produktionsstandorten liefert. Die TK verweist darauf, dass die Pharmaindustrie in Deutschland etwa 0,8 Prozent der nationalen Bruttowertschöpfung erwirtschafte, Deutschland im europäischen Vergleich Platz sieben belege, zugleich aber die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf habe. Die Botschaft lautet: Hohe Listenpreise in der GKV sind kein Industrieprogramm, sondern in erster Linie ein Margenprogramm, finanziert aus Beiträgen.

Aus dieser Diagnose leitet die TK konkrete Hebel ab, die zusammen kurzfristig bis zu elf Milliarden Euro Entlastung bringen könnten. Der größte Brocken ist die Absenkung der Umsatzsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent mit einem Einsparpotenzial von bis zu sieben Milliarden Euro. Dazu kommt die Erhöhung des Herstellerabschlags für Patentarzneimittel auf 17 Prozent, die drei Milliarden Euro bringen könne. Als dritter Hebel werden Arzneimittel-Fokuslisten genannt, die eine weitere Milliarde Euro ermöglichen sollen. Hinter diesem Begriff steckt ein Steuerungsinstrument, das im Alltag schnell unterschätzt wird: Wenn Kassen unter therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl treffen können, verschiebt sich Verhandlungsmacht entlang der Austauschbarkeit. Genau deshalb ist das politisch so sensibel. Fokuslisten sind nicht nur „Sparen“, sie sind eine Sortierlogik im Markt.

Für Apotheken und Versorgung ist an dieser Stelle weniger entscheidend, ob die TK mit jeder Zahl „recht behält“, sondern welche Systemdebatte sie damit anstößt. Wenn Preisvergleiche in Milliarden übersetzt werden, wird jede Maßnahme, die am Preis ansetzt, automatisch zu einer Frage der Versorgungssicherheit, der Lieferketten und der Therapiewahl. Apotheken stehen dann mitten in einem Konflikt, der sie formal nicht adressiert, sie praktisch aber erreicht: teure Präparate bedeuten hohe Abrechnungsvolumina, hohe Sensibilität bei Verfügbarkeit, hohe Erwartung an Beratung und an die sichere Handhabung von Substitution, Retax-Logiken und Austauschregeln. Ein System, das Preise politisch drückt, muss zugleich erklären, wie es Verfügbarkeit, Innovation und Versorgung stabil hält.

Die TK setzt mit ihrer Auswertung einen klaren Impuls: Der Arzneimittelmarkt ist nicht nur medizinisch, sondern fiskalisch ein Kernfeld. Wer im Jahr 2024 über 55 Milliarden Euro Arzneimittelausgaben finanziert, wird über Prozentpunkte sprechen müssen, weil Prozentpunkte Milliarden sind. Und wer zugleich feststellt, dass wenige Präparate mit durchschnittlichen AVP um 4300 Euro bereits zweistellige Ausgabenanteile verursachen, wird sich nicht mehr mit Symboldebatten retten können. Die eigentliche Frage ist damit nicht, ob man handeln sollte, sondern welcher Hebel politisch tragfähig ist, ohne die Versorgung an anderer Stelle zu destabilisieren.

 

Versandapotheken wachsen, Vor-Ort-Apotheken tragen, Pleitefrage wird zur Margenfrage

Der Text in Thema 4 ist kein Nachrichtenstück, sondern eine zugespitzte These – und genau darin liegt seine Wirkung. Er fragt nicht höflich, ob der Versandhandel ein Problem hat, sondern stellt die Pleitefrage als Jahresstart-Signal: Werbe-Ikonen im Vorabendprogramm, E-Rezept als Infrastruktur, Wachstumszahlen als Oberfläche – und darunter ein Kartenhaus, weil die Marge fehlt. Das ist keine stille Diagnose, sondern eine Kampfansage an die Erzählung, dass Größe im Apothekenmarkt automatisch Stabilität erzeugt.

Der zentrale Mechanismus ist simpel und brutal: Wachstum ersetzt keine Marge, wenn das Wachstum teuer erkauft wird. Wer Flächen auf Landkarten füllt, kann zugleich Erträge verdünnen, weil Kundenakquise, Marketingdruck, Logistik und Retouren die Deckungsbeiträge auffressen. Dann entsteht eine Art paradoxe Bewegung: Je größer das System, desto mehr muss es durchlaufen, um die gleiche Wirkung zu erzielen – und desto empfindlicher reagiert es auf kleine Verschiebungen in Kosten, Regulierung oder Nachfrage. Der Text nennt das „sich zu Tode wachsen“. Das ist als Bild gewählt, aber es beschreibt eine reale Unternehmenslogik: Skalierung ist nur dann Rettung, wenn die Einheit profitabel bleibt.

Interessant ist die Gegenfolie, die der Text aufmacht: Die Vor-Ort-Apotheke wird nicht romantisiert, sondern als strukturell anderes Modell gesetzt. „Erfolgsmodell, das man nicht per Post verschicken kann“ heißt nicht, dass Vor-Ort immer glänzt, sondern dass die Wertschöpfung an einer Stelle entsteht, die der Versand nicht repliziert: im unmittelbaren Kontakt, in der Beratung, in der kurzfristigen Verfügbarkeit, im Umgang mit Problemen, die nicht planbar sind. Das E-Rezept nimmt dieser Leistung nicht die Bedeutung, sondern verschiebt nur den Eintrittspunkt. Der Versand kann schneller skalieren, die Vor-Ort-Apotheke kann schneller lösen. Und genau in dieser Differenz entscheidet sich, ob ein System in Krisen trägt.

Für Apothekenbetreiber ist die eigentliche Frage deshalb nicht, ob „die Versandapotheken pleitegehen“, sondern welche Verschiebungen sich daraus ableiten. Wenn ein großer Player in einen langsamen Erschöpfungsmodus gerät, ändert sich der Wettbewerb nicht plötzlich, sondern wellenartig. Marketingdruck kann kurzfristig steigen, weil Wachstum weiter „erzählt“ werden muss. Preissignale können aggressiver werden, weil Kundenzahlen verteidigt werden. Gleichzeitig kann Servicequalität unter Kostendruck leiden, weil Logistik und Personal nicht beliebig billig werden. Für Vor-Ort-Apotheken bedeutet das: Die Auseinandersetzung findet weniger über moralische Argumente statt, sondern über Verlässlichkeit, Lieferfähigkeit, Problemlösung und die Frage, wer im Alltag Verantwortung tatsächlich hält.

Der Text stellt außerdem die Rolle von Werbe-Ikonen in den Mittelpunkt. Das ist mehr als Spott. Es markiert, dass Versandmodelle oft nicht nur über Produktleistung, sondern über Vertrauenstransfer funktionieren: Bekanntheit soll Kompetenz ersetzen, Sympathie soll Risiko überdecken. Wenn das betriebswirtschaftlich nicht mehr trägt, wird Werbung zum Stressindikator: Nicht weil Werbung per se schlecht ist, sondern weil sie in dieser Lesart ein Zeichen dafür ist, dass die Bindung nicht aus der Versorgung heraus entsteht, sondern aus der Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist teuer.

Die These „Team Durchhalten“ wirkt wie ein Spiel, ist aber eine Machtfrage. Durchhalten heißt im Markt: Liquidität sichern, Investoren überzeugen, Kostenstruktur stabilisieren, regulatorische Risiken aushalten. Wenn die Marge fehlt, ist Durchhalten kein Charaktertest, sondern ein Rechenproblem. Genau deshalb ist die Pleitefrage am Anfang des Jahres so wirksam: Sie zwingt dazu, nicht nur auf Wachstumskurven zu schauen, sondern auf die tragende Statik dahinter. Ein Kartenhaus kann sehr groß sein. Es bleibt trotzdem ein Kartenhaus.

Damit ist Thema 4 als Stoff anschlussfähig, aber nur, wenn man seine Gattung ernst nimmt: Es ist ein Kommentarimpuls, der nach einer Betriebsantwort verlangt. Die nüchterne, betriebliche Antwort für Apothekenbetreiber lautet: Nicht in die Erzählung einsteigen, sondern die eigene Wertschöpfung schärfen. Wer sich über Versand nur empört, verliert Zeit. Wer versteht, dass die entscheidende Variable Marge und nicht Reichweite ist, kann daraus eine klare Linie ziehen: Beratung, Verfügbarkeit, Problemlösung, Vertrauen im Nahbereich sind keine weichen Werte, sondern die Punkte, an denen Vor-Ort im Wettbewerb nicht „mitmacht“, sondern anders spielt.

Am Ende bleibt die stärkste Aussage des Textes nicht die Pleiteprognose, sondern die Umkehr der Blickrichtung: Größe rettet nicht, wenn die Substanz fehlt. Und Substanz heißt in diesem Markt nicht nur Umsatz, sondern Tragfähigkeit – im Alltag, im Risiko, im System.

 

Doctolib-Filter, LG Berlin-Urteil, Irreführung bei Kassenterminen wird Systemfrage

Der Streit um Doctolib beginnt nicht mit Technik, sondern mit einem Versprechen. Wer auf dem Portal auswählt, gesetzlich versichert zu sein, aktiviert damit den Filter „Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen“. Das ist eine klare Zusage: Die Suche soll nur das zeigen, was für GKV-Patientinnen und -Patienten tatsächlich buchbar ist. Genau dieses Versprechen wird im Stoff als gebrochen beschrieben, weil trotz Filter weiterhin Termine auftauchen, die faktisch nur für Privatversicherte oder Selbstzahler zugänglich sind. Aus Nutzersicht ist das kein Detail, sondern eine Lenkungswirkung: Der Filter soll Orientierung geben, stattdessen führt er in eine Sackgasse.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat das nicht als Ärgernis behandelt, sondern als Irreführung – und ist vor das Landgericht Berlin gezogen. Entscheidend ist dabei weniger der Einzelfall als die Mechanik: Wenn ein System per Filter suggeriert, eine bestimmte Kategorie auszuschließen, dann aber genau diese Kategorie weiterhin sichtbar lässt, wird aus „Suchergebnis“ eine implizite Empfehlung. Besonders brisant ist das im Gesundheitsbereich, weil Zeitdruck, Krankheitssituation und Informationsasymmetrie dazu führen, dass viele Menschen nicht „prüfen“, sondern buchen. Das ist der Kontext, in dem Gerichte Irreführung häufig strenger bewerten als in normalen Konsumgütern.

Im Stoff wird ein konkretes Beispiel genannt, das die Irreführung greifbar macht. Ein Termin wird angeboten, der in der Beschreibung unmissverständlich klarstellt, dass gesetzlich Versicherte „nur als Selbstzahler“ kommen können – inklusive der Aufforderung, 200 Euro bar in Vorkasse mitzubringen. Genau diese Konstellation zeigt die Schärfe des Problems: Das Portal führt Menschen, die ausdrücklich nach Kassenterminen suchen, bis an die Schwelle einer kostenpflichtigen Privatleistung. Die Irreführung liegt nicht darin, dass Privatsprechstunden existieren, sondern darin, dass sie im Ergebnisraum eines Filters erscheinen, der sie ausschließen soll.

Das Landgericht Berlin gibt der Klage wegen Irreführung statt. Damit wird aus einer Produktkritik ein rechtlicher Maßstab. Für Plattformen bedeutet ein solches Urteil nicht nur, dass ein einzelner Text angepasst werden muss, sondern dass die Logik von Filtern, Ergebnisdarstellung und Zugangsbedingungen rechtssicher zusammenpassen muss. Es reicht nicht, irgendwo im Kleingedruckten zu erklären, dass etwas „eigentlich“ nicht gilt. Der Nutzerpfad ist die Aussage. Und der Nutzerpfad beginnt mit der Auswahl „gesetzlich versichert“ und dem Filterversprechen.

Für das Apotheken- und Versorgungssystem ist das Thema anschlussfähig, weil es denselben Grundkonflikt berührt, den Apotheken täglich erleben: Steuerungswirkung entsteht nicht erst am Ende, sondern schon am Zugang. Bei Arztterminen ist das der Filter, bei Arzneimitteln sind es Verordnungswege, Plattform-Interfaces, Preis- und Lieferinformationen, die Erwartungen formen. Wenn Plattformen die Grenze zwischen GKV- und Selbstzahlerangeboten verwischen, trifft das nicht nur Patientinnen und Patienten finanziell, sondern verändert die Versorgungskette: Wer Termine über Selbstzahlerpfade bucht, kommt mit anderen Rezeptwegen, anderen Erwartungen und oft auch anderem Zeitdruck in die nachgelagerten Versorgungsbereiche.

Zugleich zeigt der Fall eine zweite, weniger sichtbare Ebene: Der Filter „Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung“ ist ein Symbol für Fairness in einem System, das ohnehin als knapp erlebt wird. Kassentermine dauern oft länger bis zur Verfügbarkeit. Wenn dann im selben Suchraum schnellere Optionen auftauchen, die aber faktisch privat bezahlt werden müssen, entsteht ein psychologischer Sog. Das ist genau die Art von Sog, die das Recht als irreführend problematisiert, weil sie nicht neutral informiert, sondern über Darstellung lenkt.

Das Urteil ist damit mehr als eine Plattformkorrektur. Es ist ein Hinweis darauf, dass digitale Versorgungsschnittstellen nicht nur an Datenschutz oder Technik scheitern können, sondern an Wahrheitspflichten in der Darstellung. Wer Filter verspricht, muss Filter liefern. Alles andere ist nicht „ein bisschen ungenau“, sondern eine strukturelle Irreführung – und die kann, gerade im Gesundheitsmarkt, schneller zur Systemfrage werden als vielen Plattformen lieb ist.

 

Apotheken Umschau bleibt Print, HV-Tisch bleibt Anker, Vertrauen bleibt Währung

Die Frage nach der Zukunft der gedruckten Apotheken Umschau klingt zunächst wie eine Medienfrage. In Wahrheit ist sie eine Vertrauensfrage – und damit eine Frage nach der Rolle der Apotheke im Informationszeitalter. Seit 70 Jahren liegt das Heft alle 14 Tage in Apotheken aus. Das ist nicht nur Tradition, das ist ein Verteilmodell, das auf einem besonderen Ort basiert: der Apotheke als niedrigschwelliger Kontaktpunkt, an dem Menschen nicht nur Ware bekommen, sondern Einordnung, Erklärung und manchmal Beruhigung. Wenn dieser Ort unter Druck gerät, gerät nicht nur ein Heft unter Druck, sondern eine ganze Art, Gesundheitsinformation zu verankern.

Im Interview wird ein Satz klar gesetzt: Der Zugang zu Informationen ist einfacher geworden, aber das Finden von Informationen, denen man vertrauen kann, ist für viele schwieriger geworden. Das ist eine Diagnose, die man nicht als Nostalgie abtun kann. Wer heute Gesundheitsinformationen sucht, findet unendlich viel – und genau deshalb wird Auswahl zur Belastung. Zwischen Influencern, Foren, Suchergebnissen, Werbung und algorithmischen Empfehlungen ist „Information“ nicht mehr knapp, sondern überfüllt. In so einem Raum gewinnt nicht, wer am lautesten ist, sondern wer als verlässlich erlebt wird. Und die Umschau wird hier nicht als „Magazin“ verteidigt, sondern als Leuchtturm: als etwas, das nach der Beratung im Apothekenteam die Rolle übernimmt, das Gesagte zu stabilisieren, ohne dass der Leser erneut ins offene Netz hinaus muss.

Die zweite Setzung ist noch wichtiger, weil sie die Abhängigkeit offenlegt: Solange die persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort eine Zukunft hat, hat auch die gedruckte Umschau ihren festen Platz. Das ist kein PR-Satz, sondern eine Koppelung. Das Heft lebt nicht primär von Papier, sondern vom Kontext, in dem es gelesen wird. Es ist ein Medium, das im Umfeld der Beratung eine zweite Ebene schafft: Man kann nachlesen, weiterdenken, entdecken. Das ist eine andere Funktion als die schnelle, spitze Suche per Smartphone, bei der man ein Symptom eintippt und eine Antwort will. Das Interview unterscheidet genau diese zwei Informationsarten: die spitze Information, die man gezielt sucht, und das kuratierte Leseerlebnis, bei dem man auf Inhalte stößt, nach denen man nicht aktiv gesucht hat.

Gerade diese zweite Form ist in einer überreizten Informationswelt eine unterschätzte Stärke. Kuratiertes Entdecken bedeutet: Man bekommt nicht nur das, was man schon wissen will, sondern auch das, was man noch nicht wusste, dass man es wissen sollte. Das ist Bildung als Nebenprodukt, nicht als Pflicht. Und es erklärt, warum Print trotz digitaler Dominanz nicht einfach verschwindet: Print zwingt zur Sequenz, zur Ruhe, zur Auswahl. Es ist nicht schneller, aber oft besser im Sortieren. In einem Bereich wie Gesundheit ist Sortieren oft wichtiger als Tempo.

Das Interview blendet die Gegenargumente nicht aus. Apotheken werden weniger, der wirtschaftliche Druck wächst, Kundenzeitschriften werden als Kostenposten gesehen, und klassische Apothekenkunden „sterben weg“. Diese Sätze sind nicht bequem, weil sie die Geschäftsgrundlage angreifen. Die Antwort darauf ist keine Beschwichtigung, sondern eine Verschiebung des Blicks: Der Interviewpartner behauptet, es gebe den „Nicht-Apothekenkunden“ nicht. Menschen mögen nicht regelmäßig wegen chronischer Diagnosen kommen, aber sie kommen mehrfach im Jahr aus anderen Gründen. Diese These ist nicht nur Reichweitenoptimismus, sie ist eine Erinnerung daran, wie stark Apotheken im Alltag verankert bleiben, selbst wenn die Frequenz sich verändert.

Daraus folgt die Multikanalstrategie: Social Media, Podcasts, ein anderes Angebot am Kiosk. Aber entscheidend ist, wie diese Kanäle im Interview gerahmt werden. Sie sollen nicht das Print ersetzen, sondern die Menschen dort erreichen, wo sie suchen, um sie dann wieder in ein verlässliches Informationsangebot zu führen. Das ist eine Brückenlogik: nicht „Print gegen digital“, sondern „Vertrauen über mehrere Zugänge“. Print bleibt dabei der Ort, an dem das Kuratierte seine volle Wirkung entfalten kann, weil es nicht im Scrollen untergeht.

Für das Apotheken- und Versorgungssystem ist das Thema deshalb mehr als Medienromantik. Es berührt den Kern dessen, was Apotheken in einer digitalisierten Versorgung leisten: Sie sind nicht nur Abgabestelle, sondern Filter gegen Desinformation. Wenn man akzeptiert, dass das Netz zwar viel weiß, aber nicht viel verantwortlich ist, dann wird die Apotheke als verantwortlicher Ort umso wichtiger. Eine Kundenzeitschrift in diesem Kontext ist nicht nur Werbung, sondern ein Instrument, das Beratung verlängert, Missverständnisse reduziert und Gesundheitskompetenz stärkt, ohne dass jede Frage wieder in die Suchmaschine zurückfällt.

Am Ende steht eine stille, aber harte Koppelung: Wenn die Beratung am HV-Tisch ausgehöhlt wird, verliert auch das Printmedium seinen tragenden Boden. Wenn die Beratung hält, hält auch Print – nicht aus Gewohnheit, sondern weil Menschen in Gesundheitsthemen nicht nur Antworten, sondern Gewissheit suchen. Und Gewissheit entsteht selten im schnellsten Ergebnis, sondern im verlässlichen Zusammenhang.

 

Gewichtsverlust senkt PASI, Lebensqualität steigt, Psoriasis wird zur Routinefrage

Die Studie zu Psoriasis und Gewichtsreduktion ist kein „Lifestyle“-Stoff, sondern eine klinische und versorgungspraktische Botschaft: Gewicht ist nicht nur Begleitproblem, sondern ein Faktor, der die Entzündungsdynamik und damit den Krankheitsverlauf messbar beeinflussen kann. Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse legt genau darauf den Fokus und zieht ihre Stärke aus der Bündelung vieler kleinerer Untersuchungen. Sie fragt nicht, ob Abnehmen „gut tut“, sondern ob Interventionen zur Gewichtsabnahme den Schweregrad der Psoriasis und die Lebensqualität verbessern – und ob das stark genug ist, um in Routinebehandlung gedacht zu werden.

Der Hintergrund wird als epidemiologischer Druckpunkt gesetzt: Weltweit betrifft Psoriasis mindestens 60 Millionen Menschen, und ein großer Anteil lebt zugleich mit Übergewicht oder Adipositas. Diese Koppelung ist mehr als Statistik. Sie erklärt, warum Gewichtsreduktion als therapeutischer Hebel überhaupt plausibel ist: Entzündung, Stoffwechsel, Belastung des Körpers und Immunreaktionen sind nicht voneinander getrennt. Wenn Übergewicht die Anfälligkeit erhöht und mit schwereren Verläufen verbunden ist, dann ist es logisch, dass eine Reduktion des Gewichts nicht nur „allgemein gesund“ sein könnte, sondern krankheitsspezifisch wirkt.

Die Metaanalyse umfasst 13 Studien mit insgesamt 1145 Teilnehmenden aus neun Ländern. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 50 Jahren, über 70 Prozent sind Frauen, der mittlere BMI bei 30,8. Die Nachbeobachtungszeit beträgt im Mittel 15,5 Wochen – also kein Langzeitprogramm über Jahre, sondern ein Zeitraum, in dem man frühe Effekte sehen kann. Untersucht werden unterschiedliche Interventionen: Gewichtsreduktion pharmakologisch oder chirurgisch, verglichen mit Standardversorgung oder weniger intensiven Maßnahmen. Damit ist der Ansatz breit: Es geht nicht um „die eine Diät“, sondern um den Effekt des Gewichtsverlusts als solcher.

Die Ergebnisse werden in Zahlen übersetzt, die für Versorgung und Beratung greifbar sind. Über alle Studien hinweg verlieren die Interventionsgruppen im Schnitt 6,7 Kilogramm mehr als die Kontrollgruppen. Parallel sinkt der PASI-Wert – ein Messwert für Schwere und Ausmaß der Psoriasis – um durchschnittlich 2,5 Punkte stärker als in den Vergleichsgruppen. Diese 2,5 Punkte sind keine poetische Größe, sondern klinisch relevant, weil PASI-Veränderungen die Therapieeffekte objektivierbar machen. Ergänzend wird berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit, eine 75-prozentige Verbesserung zu erreichen (PASI 75), in sechs Vergleichen bei den Abnehmenden 1,6-mal höher ist. Das ist nicht „Heilung“, aber es ist ein deutlicher Shift in Richtung guter Kontrolle.

Besonders interessant ist der Blick auf Lebensqualität, weil er die Versorgungsperspektive oft besser abbildet als Hautbilder. In sieben Vergleichen wurde der Dermatology Life Quality Index (DLQI) erfasst. Dort verlieren die Teilnehmenden im Schnitt 7,8 Kilogramm, und die Schlussfolgerung lautet: Dieser Gewichtsverlust verbessert die Lebensqualität um etwa fünf DLQI-Punkte. Und genau diese fünf Punkte werden als Zielwert beschrieben, den Medizinerinnen und Mediziner als erfolgreiche Therapie definieren. Damit wird der Effekt nicht nur medizinisch, sondern alltagsrelevant: weniger Juckreiz, weniger Scham, weniger Einschränkung – kurz: mehr Leben im Alltag.

Die Studie verschweigt ihre Grenzen nicht. Bei strengeren Endpunkten wie kompletter Abheilung oder sehr großen Verbesserungen sind die Effekte statistisch nicht eindeutig, weil zu wenige Studien genau diese Werte untersucht haben. Außerdem ist die Heterogenität oft hoch, was in der Praxis bedeutet: Menschen reagieren unterschiedlich. Manche nehmen schnell ab, andere langsam; manche Psoriasis reagiert stark, andere weniger. Dieser Punkt ist wichtig, weil er verhindert, dass aus einem robusten Durchschnitt ein falsches Versprechen wird. Die Aussage ist nicht: „Abnehmen heilt Psoriasis“, sondern: „Abnehmen verbessert im Mittel die Schwere und die Lebensqualität – und zwar so deutlich, dass man es als Teil der Routinebehandlung ernsthaft erwägen sollte.“

Für Apotheken und Versorgungssystem ist das anschlussfähig, weil es die Rolle von Begleitberatung verschiebt. Psoriasis-Patientinnen und -Patienten sind häufig auf Dauertherapien eingestellt, oft mit systemischen Wirkstoffen oder Biologika, häufig mit Begleitmedikation, manchmal mit Komorbiditäten wie metabolischem Syndrom. In diesem Kontext wird Gewichtsreduktion nicht zur moralischen Forderung, sondern zur zusätzlichen therapeutischen Option, die neben Arzneimitteln wirkt. Für die Versorgung bedeutet das: Therapieerfolg ist nicht nur eine Frage des richtigen Wirkstoffs, sondern auch eine Frage der Rahmenbedingungen, die Entzündungsniveau und Lebensqualität mitbestimmen.

Dass die Arbeit aus Oxford kommt und am 19. Dezember 2025 online im JEADV veröffentlicht wurde, setzt den Aktualitätsanker: Es ist ein frisches Signal aus der evidenzbasierten Dermatologie, das genau in eine Zeit fällt, in der Versorgung immer häufiger integrierte Ansätze sucht. Die harte Pointe der Metaanalyse ist deshalb nicht die Zahl 6,7 Kilogramm, sondern die Verschiebung im Denken: Gewichtsreduktion ist nicht mehr nur „allgemein gut“, sondern ein Therapiebaustein, der in Psoriasis-Routinen hineingehört – nicht als Ersatz, sondern als Verstärker.

 

Januar-Blues, psychische Empfindlichkeit, Abgrenzung zur Depression

Der Januar-Blues ist kein medizinischer Begriff, sondern ein kultureller Sammelbegriff für eine Stimmungslage, die viele Menschen wiedererkennen: weniger Licht, mehr Müdigkeit, ein Gefühl von Druck und Leere, das sich ausgerechnet dann meldet, wenn der Kalender „Neuanfang“ sagt. Der Stoff macht gleich am Anfang eine wichtige Unterscheidung, weil sie die Sache entdramatisiert, ohne sie kleinzureden: Wissenschaftlich lässt sich nicht fundiert belegen, dass der Januar der depressivste Monat ist. Gleichzeitig spricht der Klinikdirektor Rupert Conrad von einer Phase „erhöhter psychischer Empfindlichkeit“. Das ist eine präzise Formulierung, weil sie nicht behauptet, es sei eine Krankheit, aber auch nicht so tut, als sei es nur Einbildung.

Die Gründe werden als Bündel beschrieben, und dieses Bündel erklärt, warum Januar-Blues so oft plausibel wirkt. Da ist zunächst der Kontrast zu den Feiertagen: viel Aktivität, viel soziale Dichte, mehr Rituale, mehr Wärme – und dann plötzlich Alltag, graue Tage, ein normaler Montag, der sich härter anfühlt als ein normaler Montag im April. Dazu kommt der „Druck des Neuanfangs“. Vorsätze, Veränderungswünsche, das Gefühl, man müsse sich selbst neu erfinden, während die Energie genau dafür fehlt. Und dann der Lichtmangel, der den Hormonhaushalt beeinflussen kann, Müdigkeit und gedrückte Stimmung begünstigt. Der Stoff sagt nicht: „Das ist eine Diagnose“, sondern: Das sind Faktoren, die eine Stimmungslage wahrscheinlicher machen.

Interessant ist, dass die ruhigere Zeit im Januar nicht nur als Belastung, sondern auch als Verstärker von Selbstreflexion beschrieben wird. Wenn der Terminkalender leerer ist, wird das Innere lauter. „Ungelöste Themen“ werden spürbarer. Das ist kein Pathologisieren, sondern eine Beobachtung: Wer weniger Ablenkung hat, merkt stärker, wo es zieht. Und genau deshalb kann Januar-Blues so irritierend sein: Er ist nicht nur Wetter, sondern manchmal auch ein Spiegel.

Der Stoff beschreibt, dass man gegen ein typisches Stimmungstief aktiv werden kann, und setzt dabei nicht auf große Heldengesten, sondern auf Alltag. Er verwendet sogar ein Bild aus der Entwicklungsgeschichte: der Mensch als großes Säugetier mit einer Neigung zum Winterschlaf. Das ist nicht als Ausrede gemeint, sondern als Entlastung: Jahreszeiten prägen uns, und es kann helfen, diese Zeit als Phase zu akzeptieren, in der Energie anders verfügbar ist. Akzeptanz ist hier nicht Resignation, sondern eine neue Einordnung: Man muss nicht im Januar die gleiche Leistungsfigur spielen wie im Juni.

Was dann folgt, ist eine Sammlung von Gegenmitteln, die man als psychische Grundhygiene lesen kann: Selbstansprüche senken, die eigene innere Sprache weniger hart machen, positive Reize setzen, Struktur im Tagesablauf halten, im Arbeitsalltag priorisieren, Achtsamkeit als Gegenpol zur inneren Hetze. Der Kern ist nicht: „Mach alles“, sondern: Gib dem Tag wieder Halt. Denn Stimmung kippt oft dort, wo die Tage auseinanderfallen: Schlaf, Rhythmus, kleine Ziele, kleine Belohnungen, und das Gefühl, dass nicht alles gleichzeitig gelingen muss.

Ein wichtiger Teil des Stoffs ist der Blick auf Kinder. Der Januar-Blues kann sie treffen, weil sie empfindlich auf die Stimmung der Erwachsenen reagieren und gleichzeitig weniger Möglichkeiten haben, das einzuordnen. Deshalb wird eine offene Kommunikation betont: Kinder merken, wenn es den Eltern nicht gut geht. Das offen anzusprechen sei günstiger, als es zu verschweigen und die Spannung „atmosphärisch“ weiterzugeben. Auch hier geht es nicht um große Erklärungen, sondern um das Benennen, dass es gerade schwer ist – und um einfache Stabilität durch Tagesstruktur, Bewegung und frische Luft.

Am Ende steht die entscheidende Abgrenzung, die den Stoff seriös macht: Ein vorübergehendes Stimmungstief ist nicht dasselbe wie eine Depression. Maßgeblich sind Dauer, Intensität und Beeinträchtigung. Das ist der Punkt, an dem aus „Januar ist grau“ etwas werden kann, das Behandlung braucht – und genau deshalb ist diese Unterscheidung so wichtig. Der Januar-Blues als Konzept kann entlasten, weil er eine häufige Erfahrung beschreibt. Er darf aber nicht als Etikett dienen, das echte Erkrankung wegschiebt. Der Stoff hält diese Spannung aus: Er gibt Raum für die normale Wintermüdigkeit, und er lässt die Tür offen für den Moment, in dem das Thema größer wird als ein Monat.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Es gibt Tage, an denen das System nicht an einer großen Reform kippt, sondern an einer kleinen Strecke: vom HV-Tisch bis zum Parkhaus, vom Filterklick bis zur Terminbuchung. Was wie Alltag aussieht, ist in Wahrheit eine Kette aus Verantwortung, die nur hält, wenn jede Station ihre Wahrheit spricht. Und wenn sie das nicht tut, wird aus Komfort ein Risiko, aus Reichweite ein Streit, aus Gewohnheit ein Preis.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Die Versorgung verliert nicht zuerst an Leistung, sondern an Eindeutigkeit: Wenn Wege unsicher werden, Begriffe verrutschen und Plattformen Grenzen verwischen, entsteht ein Dauerrauschen, das jede einzelne Entscheidung schwerer macht. Genau deshalb sind die harten Zahlen, die klaren Urteile und die sauberen Zuständigkeiten heute mehr als Nachrichtenstoff. Sie sind die stille Architektur, die entscheidet, ob Apotheken im Alltag entlastet werden – oder ob sie die Reibung des Systems wieder einmal mittragen müssen.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute steht die Frage im Vordergrund, wo Regeln und Wege wieder eindeutig werden müssen, bevor das Vertrauen weiter ausfranst.

 

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