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  • 14.01.2026 – Systempflichten der Apotheken, digitale Störanfälligkeit, fehlende Absicherung
    14.01.2026 – Systempflichten der Apotheken, digitale Störanfälligkeit, fehlende Absicherung
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Der Kommentar ordnet ein, warum E-Rezept, Cyberangriffe und KI die Störanfälligkeit von Pflichtprozessen erhöhen und Absic...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Systempflichten der Apotheken, digitale Störanfälligkeit, fehlende Absicherung

 

Ausgabe Nr. 153 | Der Kommentar zeigt, wie Pflichtsysteme Störungen in Haftungs- und Existenzfragen übersetzen

Stand: Mittwoch, 14. Januar 2026, um 20:24 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Cyberrisiko, E-Rezept, künstliche Intelligenz

Die digitale Pflicht ist im System längst gesetzt, die Schutzarchitektur ist es vielerorts nicht. Das ist der Kern der Schieflage: Prozesse werden verbindlich gemacht, Ausfälle werden als Ausnahme behandelt, und die Konsequenzen landen am Ende im Betrieb. Cyber ist deshalb kein „IT-Thema“, sondern ein Betriebsrisiko mit Sofortwirkung, weil es Arbeitsfähigkeit trifft, Nachweispflichten auslöst und Vertrauen in wenigen Minuten in Misstrauen verwandeln kann.

Das E-Rezept zeigt diese Mechanik wie unter einer Lampe. Papier konnte man im Störfall ersetzen, digitale Ketten kann man nur begrenzt überbrücken. Wenn Verfügbarkeit oder Integrität kippen, ist nicht nur ein Kanal gestört, sondern die Taktung einer Versorgung, die gerade im Alltag auf reibungslose Anschlussfähigkeit angewiesen ist. Aus dem technischen Ereignis wird ein wirtschaftlicher Stopp, und der eigentliche Schaden beginnt oft erst danach: Dokumentation, Rückfragen, Abgrenzung, Kommunikation, interne Aufarbeitung.

Künstliche Intelligenz verschiebt das Risiko nicht weg, sie beschleunigt es. Täuschungen werden plausibler, Varianten werden schneller, der Aufwand auf der Gegenseite steigt. Das ist kein Zukunftsszenario, sondern die logische Folge von Skalierung: Angriffe werden billiger, Abwehr wird teurer, und der Betrieb zahlt zuerst mit Zeit, dann mit Geld, dann mit Reputation. Wer hier noch so tut, als sei das vor allem eine Frage von „Technikzuständigkeit“, übersieht, dass der Betrieb längst die letzte Instanz der Schadensabwicklung ist.

Damit rückt die Frage nach Absicherung in den Mittelpunkt, nicht als Floskel, sondern als Struktur. Prävention ist Pflicht, ja, aber sie ist kein Garant, und sie ersetzt nicht die Klärung von Verantwortungslinien. Ein Pflichtsystem, das Versorgung digital verkettet, muss auch für die Folgen seiner Störanfälligkeit eine klare Ordnung haben: wer informiert, wer entscheidet, wer haftet, wer kompensiert. Ohne diese Ordnung wird aus Fortschritt eine Verlagerung, und aus Verlagerung wird Dauerlast.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein System kann digital sein und trotzdem robust, aber Robustheit entsteht nicht aus dem Anspruch, sondern aus dem Zusammenspiel von Regeln, Rollen und Ressourcen. Wenn Ausfälle eintreten, zählt nicht die Modernität des Prozesses, sondern die Belastbarkeit der Kette: Zugriffsschutz, Wiederanlauf, Eskalationswege, kommunikative Standards, rechtliche Klarheit. Dort, wo digitale Pflichtsysteme den Betrieb binden, muss Absicherung als Bestandteil der Systemstatik begriffen werden, nicht als nachgelagerte Privatentscheidung.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Pflichtsysteme machen Versorgung schneller, aber sie machen Störungen zugleich folgenreicher und teurer. Cyber wird so zur Betriebsfrage, KI zum Beschleuniger, und das E-Rezept zum Hebel, der Abhängigkeit sichtbar macht. Entscheidend ist nicht, ob Digitalisierung kommt, sondern ob Verantwortung und Absicherung mitkommen. Sonst bleibt am Ende nur die paradoxe Lage: Das System verlangt digitale Funktionsfähigkeit, aber es überlässt den Preis des Ausfalls dem Betrieb.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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