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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Mittwoch, 14. Januar 2026, um 14:20 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Acht Meldungen setzen an unterschiedlichen Stellen an, treffen aber dieselbe Statik des Gesundheits- und Versorgungssystems: In Bayern steht ein hoher dreistelliger Millionenabschlag auf US-Immobilien der Bayerischen Versorgungskammer im Raum, dazu ein beziffertes Verlustrisiko bis 690 Millionen Euro, flankiert von Compliance- und Ermittlungsdetails. In Nordrhein sinkt die Apothekenzahl deutlich, und die Kammer warnt, dass ohne Honoraranpassung Versorgungslücken und Notdienstlasten in die verbliebenen Betriebe kippen – zumal im Kabinettsentwurf zur Apothekenreform die Honorarkomponente fehlt. Praktisch wird es in Minden: Ein defekter Kommissionierautomat zwingt eine Apotheke seit dem 15. Dezember in den Notbetrieb, während Serviceketten nicht greifen. Politisch wird es bei Medizinalcannabis: Nach Importanstieg auf 80 Tonnen im ersten Halbjahr 2025 und einer Missbrauchsdebatte stehen Präsenzkontakt, Apothekenberatung und Versandstopp im Raum. Dazu kommen Strukturideen aus der Landespolitik zu Praxiskliniken, die Debatte um Primärversorgung mit digitaler Ersteinschätzung und Delegation, eine spürbare Grippewelle mit hoher Kinderbelastung – und eine Langzeitbeobachtung, die Stillen mit niedrigerem Depressions- und Angstrisiko über zehn Jahre verbindet.
Die Lage wirkt nicht wie ein einzelnes Thema, sondern wie eine Klammer über das System: Dort, wo Zusagen Stabilität versprechen, steigen die Begründungslasten. Dort, wo Politik Entlastung ankündigt, bleibt die Finanzierungslinie dünn. Und dort, wo digitale und technische Ketten „einfach laufen“ sollen, genügt ein Ausfall, um Versorgung wieder in Handarbeit zurückzuwerfen. Für Apotheken ist das keine abstrakte Debatte, sondern Alltag: Verantwortung bleibt, auch wenn Zuständigkeiten verschwimmen.
Die bayerische Meldung wirkt auf den ersten Blick wie ein Spezialthema aus der Welt der Kapitalanlagen. Genau deshalb hat sie Sprengkraft. Die Bayerische Versorgungskammer verwaltet 117 Milliarden Euro für 2,7 Millionen Versicherte, und wenn dort bei US-Immobilienprojekten nach Wertberichtigungen von rund 163 Millionen Euro für 2024 ein weiteres Verlustrisiko „bis zu 690 Millionen Euro“ genannt wird, ist die Zahl nicht nur Bilanztechnik. Sie ist ein Vertrauensereignis. Dass gleichzeitig von externem Management, verschärften Partnergrundsätzen, Compliance-Untersuchungen und Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft München die Rede ist, verschiebt die Wahrnehmung: Aus „Markt“ wird „Governance“. Und in berufsständischen Systemen zählt diese Verschiebung doppelt, weil Stabilität nicht nur versprochen, sondern geglaubt werden muss.
Für Apotheken kommt die zweite Linie näher an den Tresen, weil sie nicht über Vermögen, sondern über Existenz entscheidet. Im Kammerbezirk Nordrhein sinkt die Zahl von 1940 auf 1897 Apotheken: fünf Neueröffnungen, 48 Schließungen, netto minus 43, ein Rückgang von 2,2 Prozent. Bundesweit werden 16.601 Betriebe zum Jahreswechsel genannt, ein Minus von 2,8 Prozent. Das ist nicht mehr „Strukturwandel“ als beruhigender Begriff, sondern eine geografische Realität: Düsseldorf und Duisburg jeweils sechs Schließungen bei einer Neueröffnung, Städteregion Aachen fünf Schließungen ohne Ersatz, Viersen vier ohne Ersatz. Je sichtbarer diese Lücken werden, desto weniger trägt der Satz, man könne Versorgung „irgendwie“ verteilen. Wegezeiten, Nacht- und Notdienst, Personalbindung: Alles hängt an Standorten. Und genau dort landet der Satz „Honoraranpassung ist kein politisches Wünsch-dir-was“ wie ein Stempel auf der Lage, weil im Kabinettsentwurf zur Apothekenreform die Honorarkomponente fehlt, obwohl sie politisch angekündigt war.
Dass Systemstatik bis ins Backoffice reichen kann, zeigt der Fall aus Minden. Seit dem 15. Dezember funktioniert weder Ein- noch Auslagerung am Kommissionierautomaten, das Ersatzteil liegt schon in der Apotheke, der Einbau bleibt aus. Man kann so etwas als Einzelfall abtun – bis man sich klar macht, was daran strukturell ist: Versorgung hängt an Technik, Technik hängt an Serviceketten, Serviceketten hängen an Reaktionspflichten, die im Alltag oft nicht durchsetzbar wirken. Wenn eine Apotheke „seit Wochen aus Kisten“ versorgt, entstehen Extrawege, Not-Entnahmen, längere Wartezeiten, offener Frust. Und wenn der Inhaber fragt, ob er „die Apotheke schließen“ müsse, um jemanden zu erreichen, ist das kein Drama-Satz, sondern eine Eskalationsbeschreibung. Interessant ist der Blickwinkel, der im Material mitschwingt: Apotheken werden in vielen Bereichen kontrolliert, aber die Frage, ob Dienstleisterverträge und Servicezusagen in der Praxis die Versorgung absichern, bleibt wie eine offene Flanke im System.
Parallel läuft eine Debatte, die den Vollzug an eine andere Stelle verschiebt: Medizinalcannabis. Seit April 2024 fällt es nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz, und mit der erleichterten Online-Bestellpraxis ist ein Markt entstanden, der schneller skaliert als die klassischen Kontrollreflexe. Der Importanstieg auf 80 Tonnen im ersten Halbjahr 2025, ein Plus von über 400 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, ist die Zahl, die im Raum stehen bleibt. Daraus folgt der politische Entwurf: persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, Abgabe nach Apothekenberatung, kein Versand. Polizei- und Ärztevertreter begrüßen Verschärfungen, die Bundesärztekammer geht teils weiter und stellt Cannabisblüten grundsätzlich in Frage, Verbände warnen vor Zugangshürden und einem Ausweichen auf den Schwarzmarkt. Apotheken tauchen in dieser Debatte nicht als Randnotiz auf, sondern als Drehpunkt: Beratung soll wieder Teil der Bremse sein. Gleichzeitig steht im Raum, dass viele Hausärzte und Apotheken bei hunderten Sorten überfordert sein könnten – das ist nicht als Vorwurf formuliert, sondern als Kapazitätsfrage.
Die politische Flächenlogik wird im Wahlprogramm der CDU in Rheinland-Pfalz sichtbar, mit Blick auf Landtagswahlen im März. „Praxiskliniken“ sollen sektorübergreifend Versorgung bündeln, gerade dort, wo Krankenhäuser geschlossen wurden. Und Apotheken sollen in die regionale Planung einbezogen werden, damit die Medikamentenversorgung „in unmittelbarer Nähe“ gesichert ist. Das klingt zunächst wie eine freundliche Zeile in einem Programm, aber es zeigt, wohin die Diskussion wandert: Versorgung soll stärker als Netzwerk gedacht werden, nicht nur als einzelne Praxis oder einzelnes Haus. Dazu kommen Versprechen wie mehr Pharmazie-Studienplätze, stärkere Terminservicestellen, digitale Terminvermittlung, Telemedizin als Ergänzung. Der kritische Punkt ist weniger das Zielbild als die Umsetzungslogik: Wer plant, wer finanziert, wer trägt die Schnittstellen – und wer bleibt am Ende verantwortlich, wenn die Alltagspraxis nicht zur Programmsprache passt.
Genau deshalb ist die Debatte um ein verbindlicheres Primärversorgungssystem so anschlussfähig. Auf „AOK im Dialog“ treffen unterschiedliche Steuerungsfantasien aufeinander: positive Anreize versus Zuzahlungen oder Karenztage, digitale Ersteinschätzung als Option, nicht als Pflicht, koordinierte Terminvergabe als Hebel. Es fällt ein Satz, der in Apotheken hängen bleibt, weil er Delegation konkret macht: Ärzte müssten Dinge abgeben, „Impfen oder Wundversorgung zum Beispiel an Apotheker“. Das ist nicht automatisch eine Lösung, aber es ist eine Verschiebung der Rolle, die juristische, organisatorische und finanzielle Fragen nach sich zieht. Und es ist bemerkenswert, dass Apotheken in der Debatte „kaum eine Rolle“ spielen, obwohl ausgerechnet an ihnen Delegationsideen festgemacht werden. Das ist eine typische Systemspannung: Aufgaben sollen wandern, aber die Einbindung bleibt vage.
In der Versorgungslage gibt es zudem den Winterdruck, der aus dem politischen Radar oft herausfällt, aber in Kliniken sehr real ist. Die Grippewelle ist spürbar, Fallzahlen steigen seit Dezember, Kinder sind stark betroffen. In Berlin wird berichtet, dass Kinderstationen bis „aufs letzte Bett“ gefüllt sind, es gibt Intensivbehandlungen, schwere Lungenentzündungen, teils Beatmung. Niedersachsen meldet für die zweite Kalenderwoche 1124 laborbestätigte Influenzafälle, bei 36 Prozent der untersuchten Proben werden Influenzaviren nachgewiesen. Gleichzeitig heißt es: Impfung kann auch jetzt noch sinnvoll sein, weil die Welle noch Wochen andauert und die volle Wirkung nach rund 14 Tagen einsetzt. Das ist keine Apothekenmeldung im engen Sinn, aber es ist Versorgungssystem-Stoff: Wer die Belastung in Kliniken ernst nimmt, versteht, warum Beratung, Impfkommunikation und die Frage nach vulnerablen Gruppen nicht bloß „Saison-Thema“ sind.
Der letzte Baustein wirkt im Vergleich leiser, aber er erweitert das Bild in eine Richtung, die oft übersehen wird: mentale Gesundheit von Müttern über lange Zeiträume. Eine Beobachtungsstudie über zehn Jahre mit 168 Müttern zeigt einen Zusammenhang zwischen Stillen und einem niedrigeren Risiko für Depression oder Angststörungen. 35 Frauen (20,8 Prozent) erhielten im Zeitraum eine entsprechende Diagnose, 22 (13,1 Prozent) hatten sie am Ende der Beobachtungszeit; Stillen war mit niedrigeren Odds Ratios assoziiert, und jede Woche ausschließliches Stillen entsprach einer Risikoreduktion von 2 Prozent. Gleichzeitig wird klar begrenzt: Korrelation, keine Kausalität, kleine und homogene Gruppe. Für das Versorgungssystem ist das trotzdem ein Signal, weil es zeigt, wie sehr Prävention und Lebensphasenmedizin auf Daten angewiesen sind, die länger reichen als das Wochenbett.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Je länger man auf diese acht Themen schaut, desto weniger wirken sie zufällig. Überall taucht dieselbe Frage auf: Wer trägt, wenn etwas wackelt? Die Versorgungskammer beruhigt mit Prozentanteilen, die Kammer Nordrhein warnt mit Schließungszahlen, ein Betrieb in Minden zeigt die Handarbeit hinter der Technik, und bei Cannabis entscheidet sich Regulierung an Kontakt, Beratung und Versandwegen. Dazu kommen Strukturprogramme, Primärversorgungsideen und Winterdruck. Es ist ein System, das Stabilität verspricht, aber an Schnittstellen oft erst dann sauber wird, wenn es knirscht.
Dies ist kein Schluss, das Bild bleibt. Die Lage wird nicht dadurch besser, dass man sie in einzelne Zuständigkeiten zerlegt, denn genau das ist das Muster, das Reibung in den Betrieb drückt: Kapitalmarkt hier, Honorar dort, Servicevertrag da, Plattformen woanders. Wenn Honoraranpassung angekündigt, aber im Entwurfsstand nicht verankert wird, entsteht ein finanzielles Vakuum, das Schließungen wahrscheinlicher macht und Notdienstlasten verschiebt. Wenn Cannabis über Präsenzkontakt und Apothekenberatung neu geordnet werden soll, entscheidet die konkrete Ausgestaltung darüber, ob Missbrauchskanäle schließen, ohne Versorgung zu blockieren. Wenn Technik ausfällt und Serviceketten nicht reagieren, zeigt sich, wie wenig „Digitalisierung“ zählt, wenn sie keine Pflichten kennt. Und wenn Primärversorgung auf Delegation setzt, ohne Apotheken strukturell einzubinden, bleibt die Idee ein Satz, aber keine Statik.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute verdichten sich Honorardruck, Vollzugsfragen und Serviceketten zu einem Belastungstest für Apotheken im Versorgungssystem.
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