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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Mittwoch, 14. Januar 2026, um 13:20 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Drei Meldungen greifen ineinander, weil sie dieselbe Betriebsstatik berühren: Vertrauen in Zusagen, Tragfähigkeit im Tagesgeschäft und Vollzug an der Schnittstelle. In Bayern meldet die Bayerische Versorgungskammer nach Wertberichtigungen bei US-Immobilien ein weiteres Verlustrisiko, während die bayerische Apothekerversorgung zum Jahreswechsel dazu auffällig still bleibt. In Nordrhein sinkt die Apothekenzahl trotz einzelner Neueröffnungen, und die Kammer warnt, dass ohne spürbare Honoraranpassung Wegezeiten, Versorgungslücken und Notdienstlasten weiter in die verbleibenden Betriebe kippen. Parallel sollen Medizinalcannabis-Regeln nach dem Importboom wieder strenger werden: persönlicher Arztkontakt, Abgabe nach Apothekenberatung, Versandstopp. Zusammen entsteht ein Bild, in dem Stabilitätsversprechen nur tragen, wenn Kommunikation, Finanzierung und Zuständigkeiten nicht auseinanderlaufen.
Zum Jahreswechsel informiert die Bayerische Apothekerversorgung ihre Mitglieder routinemäßig über das abgelaufene und das neue Jahr. In diese Jahresbotschaft fällt jedoch ein auffälliges Schweigen: Kurz vor Weihnachten war bekannt geworden, dass die Bayerische Versorgungskammer (BVK) bei US-Immobilieninvestments einen hohen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben musste und zusätzlich ein weiteres Verlustrisiko benannt hat. Für Apothekerinnen und Apotheker ist das kein fernes Finanzthema, sondern eine Vertrauensfrage: Wie stabil wirkt ein System, wenn Risiken erst in Wellen sichtbar werden und Kommunikation hinterherläuft? Es geht weniger um die Existenz von Risiken an sich, sondern um den Umgang damit, wenn sie konkret werden.
Die BVK ist kein kleiner Spezialfall, sondern ein Schwergewicht: 117 Milliarden Euro Kapitalanlagen und 2,7 Millionen Versicherte machen sie zu einer der größten öffentlichen Pensionskassen in Deutschland. Anders als bei anderen berufsständischen Versorgungseinrichtungen war sie bislang nicht durch hohe Abschreibungen auf besonders riskante Anlagen aufgefallen. Umso härter wirkt der jetzt offen eingestandene Bruch. Bei drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, wurden 820 Millionen Euro investiert. Hinzu kommen drei Bestandsobjekte mit einer Investitionssumme von rund 770 Millionen Euro. In Summe stehen damit 1,6 Milliarden Euro US-Immobilienengagement im Raum, nicht als abstrakte Position, sondern als Bündel aus Projekten, Partnern und Entscheidungswegen.
Schon für das Geschäftsjahr 2024 mussten auf Ebene des Zielfonds Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Millionen Euro vorgenommen werden. Kurz vor Weihnachten folgte dann die nächste Stufe: Die BVK ging von einem weiteren Verlustrisiko in den Zielfonds in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro aus. Diese Zahl ist in ihrer Dimension schwer zu übersehen, selbst wenn die BVK zugleich betont, dass insgesamt weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Stichtag Ende 2024 auf diese Immobilien entfallen und das neu bezifferte Verlustrisiko einem Anteil von rund 0,6 Prozent an der gesamten Kapitalanlage entspreche. Genau hier entsteht die Reibung, die viele berufsständische Systeme kennen: Prozentwerte beruhigen, absolute Summen alarmieren. Beides kann gleichzeitig stimmen, und gerade deshalb entscheidet die Tonlage, ob Einordnung als Transparenz oder als Beschwichtigung gelesen wird.
Die BVK versucht, die Debatte auf Stabilität zu ziehen. Auswirkungen auf die Versorgungszusagen gegenüber Mitgliedern, Versicherten und Leistungsempfängern schließe man aus, weil die breit diversifizierten Kapitalanlagen die Ausschläge ausgleichen könnten. Der Vorstandsvorsitzende Axel Uttenreuther stellt den „verantwortungsvollen Umgang“ mit Beiträgen an die Spitze und verweist darauf, dass 2024 mit einer kapitalgewichteten Nettoverzinsung von rund 3,4 Prozent ein zentrales Ziel erreicht und die erforderlichen Mindestverzinsungen der verwalteten Versorgungseinrichtungen übertroffen worden seien, fast durchweg sogar deutlich. Diese Argumentation ist vertraut: Diversifizierung, Ergebnislage, Zusagenstabilität. Sie trägt jedoch nur dann, wenn gleichzeitig plausibel wird, warum die Problemprojekte überhaupt diese Schärfe bekommen konnten.
Denn der Hintergrund verschiebt die Geschichte von Marktrisiko in Richtung Governance-Risiko. Bei den Problemprojekten soll offenbar mit einem Immobilienentwickler zusammengearbeitet worden sein, der in den USA bereits vor Jahren wegen Steuerbetrugs verurteilt worden war. Wenn solche Hinweise im Raum stehen, reicht es nicht, auf die Breite des Portfolios zu verweisen. Dann rückt die Frage nach Prüfwegen, Partnerauswahl und internen Kontrollen in den Mittelpunkt. Genau deshalb kündigt die BVK ein Maßnahmenpaket an, das nicht wie Routine klingt, sondern wie Schadensbegrenzung mit Strukturanspruch: Für eine Übergangszeit soll ein branchenerfahrener externer Manager an die Spitze des Bereichs Immobilienkapitalanlage berufen werden. Zudem sollen die Grundsätze für die Zusammenarbeit mit Partnern verschärft und die eigene Compliance weiter gestärkt werden, inklusive einer Untersuchung, wie es zu vorherigen Verstößen kommen konnte.
Parallel werden bereits personelle und rechtliche Signale sichtbar. Zwei langjährige Investmentmanager der BVK mussten laut Bericht der Süddeutschen Zeitung ihre Posten räumen. Auch die Staatsanwaltschaft München wurde laut Bericht eingeschaltet und hat Vorermittlungen eingeleitet. Und aus den eigenen Reihen droht zusätzlicher Druck, wenn zwei aus der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals bekannte Anwälte eine „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet haben. Das ist mehr als Begleitrauschen: Es deutet an, dass Aufarbeitung nicht nur intern als Verwaltungsakt laufen soll, sondern als öffentliche Erwartung an Konsequenz und Nachvollziehbarkeit.
Für die Apothekenwelt liegt die Relevanz nicht in der Dramatisierung einer einzelnen Anlageklasse, sondern in der Statik der Zusage. Wenn ein Versorgungswerk sagt, die Altersvorsorge sei sicher, dann ist das mehr als eine beruhigende Formulierung. Es ist eine Art stiller Vertrag über Verlässlichkeit, der kommunikativ immer wieder erneuert werden muss, gerade dann, wenn Zahlen wie 163 Millionen Euro Wertberichtigungen und bis zu 690 Millionen Euro Verlustrisiko aufgerufen werden. Der entscheidende Punkt ist, ob die Verantwortlichen die Mechanik offenlegen, ohne sie kleinzurechnen, und ob Konsequenzen nachvollziehbar zu den Ursachen passen. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Risiken wegmoderiert werden, sondern dadurch, dass sie rechtzeitig benannt, sauber erklärt und konsequent abgearbeitet werden.
Anfang 2025 waren im Bezirk der Apothekerkammer Nordrhein noch 1940 Apotheken gemeldet. Am Jahresende steht darunter eine Zahl, die nicht nach „normaler Fluktuation“ aussieht: 1897. Fünf neue Apotheken sind hinzugekommen, 48 Betriebsstätten haben geschlossen – unter dem Strich ein Rückgang um 43, ein Minus von 2,2 Prozent. Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann macht aus dieser Bilanz keine stille Statistik, sondern ein Warnsignal. Die Apotheke vor Ort, sagt er, sei Rückgrat der Versorgung – und gleichzeitig werde dieses Rückgrat durch wirtschaftliche Belastungen, Personalmangel und strukturelle Herausforderungen immer weiter auf Biegung gefahren.
Der Blick auf die Bundesebene verschiebt die Perspektive nicht zur Entwarnung, sondern zur Einordnung: Deutschlandweit habe das Minus laut Abda 2,8 Prozent betragen, zum Jahreswechsel seien nur noch 16.601 Betriebe übrig geblieben. In Nordrhein wird die Bewegung besonders greifbar, weil die Schließungen nicht irgendwo im Nebel passieren, sondern in kommunalen Karten sichtbar werden. Düsseldorf und Duisburg verzeichnen im vergangenen Jahr jeweils sechs Apothekenschließungen bei lediglich einer Neueröffnung. In der Städteregion Aachen schließen fünf Apotheken, ohne dass eine neue hinzukommt. Der Kreis Viersen verliert vier Apotheken – ebenfalls ohne Neugründung. Ein einzelnes Gegenzeichen kommt aus dem Kreis Heinsberg: eine Neueröffnung, keine Schließung. Solche Lichtpunkte sind wichtig, aber sie sind im Material eher Ausnahmen, keine Trendwende.
Hoffmann zieht die Linie nicht ins Emotionale, sondern in die Belastungslogik der Versorgung: Für Patientinnen und Patienten bedeuten weniger Apotheken weitere Wege – und die Engpässe landen dort, wo noch geöffnet ist. Besonders im Nacht- und Notdienst wird das zur realen Verschiebung von Lasten. Wenn eine Apotheke wegfällt, verschwindet nicht der Bedarf; er verteilt sich neu. Die verbleibenden Betriebe kompensieren Versorgungslücken, die Inhaberinnen und Inhaber tragen mehr Dienste, mehr Verantwortung, mehr Reibung im Alltag. Gleichzeitig steht im Raum, dass das Honorar seit Jahrzehnten stagniere, während Kosten und Personalnot nach oben drücken. Die Botschaft ist: Die Statik passt nicht mehr zusammen.
Politisch wird das zu einer heiklen Stelle, weil Zusagen und Entwurfsrealität auseinanderlaufen. CDU/CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Apothekenhonorars angekündigt. Im Entwurf zur Apothekenreform, den das Bundeskabinett am 17. Dezember vorgelegt hat, fehlt diese Honorarkomponente jedoch vollständig. Aus Kammer-Sicht ist das keine Detailfrage, sondern die zentrale Stellschraube. Hoffmann formuliert es entsprechend scharf: Ohne „klare und spürbare Anpassung“ sei die flächendeckende Versorgung auf Dauer nicht zu halten, die Honoraranpassung sei „kein politisches Wünsch-dir-was“, sondern zwingend notwendig. Der Satz zielt nicht auf mehr Symbolik, sondern auf eine einfache Wirkungsbeziehung: Wenn die wirtschaftliche Basis ausdünnt, wird jede zusätzliche Aufgabe zur Überforderung, nicht zur Weiterentwicklung.
Trotzdem bleibt Hoffmann nicht beim Alarm stehen. Er deutet die fünf Neueröffnungen als Hinweis, dass junge Apothekerinnen und Apotheker weiterhin bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – aber eben nicht im luftleeren Raum. Wer gründet, braucht planbare Rahmenbedingungen, eine Perspektive, die nicht jedes Jahr enger wird. In seiner Schlusslinie steckt eine Art Bedingungen-Formel: Handelt die Politik jetzt und stärkt die wirtschaftlichen Grundlagen, könne die Apotheke vor Ort ihre Rolle nicht nur halten, sondern ausbauen – als Gesundheitsdienstleister, als Ansprechpartnerin für Prävention und Arzneimitteltherapiesicherheit, als moderner Versorgungsanker in der Region. Im Kern bleibt es jedoch eine schlichte Bilanzfrage: Wenn Zahlen wie 1940 zu 1897 werden und die Honorardebatte im Kabinettsentwurf leer bleibt, dann ist die Warnung nicht Rhetorik, sondern ein Protokoll des Verschleißes.
In der Königstor-Apotheke in Minden läuft die Versorgung im Notbetrieb, und das nicht seit gestern. Seit rund einem Monat kann das Team um Inhaber Günter Stange nicht mehr mit dem Kommissionierautomaten arbeiten, weder Ein- noch Auslagerungen funktionieren. Was sonst im Hintergrund als Routine läuft, wird plötzlich sichtbar: Überall im Backoffice stapeln sich Kisten und Wannen, Arzneimittel liegen nicht im System, sondern im Provisorium. Damit verändert sich nicht nur das Bild der Apotheke hinter den Kulissen, sondern der ganze Takt der Arbeit. Jeder Handgriff wird länger, jeder Weg wird mehr, jede Ausgabe an der Kasse hängt an zusätzlicher Suche, zusätzlichem Abgleich, zusätzlichem Stress. Ein technischer Ausfall wird zur täglichen Prozesslast.
Dass es nicht um eine kleine Störung geht, zeigt der Verlauf. Schon im Herbst zeichnete sich ein Schaden ab, das Gerät machte „komische Geräusche“. Seit dem 15. Dezember läuft dann gar nichts mehr. Es gab Technikerbesuche, aber sie konnten den Schaden bislang nicht beheben. Ein Austausch eines kaputten Teils wurde versprochen, ist aber noch nicht passiert, obwohl das Ersatzteil seit einigen Tagen in der Apotheke liegt. Diese Kombination ist es, die die Lage so scharf macht: Nicht nur die Technik streikt, sondern auch die Verlässlichkeit der Hilfe. Das Problem ist nicht mehr die Maschine, sondern die Lücke zwischen Defekt und Reparatur.
Stange beschreibt das, wie es in einem Betrieb klingt, wenn Verantwortung in der Luft hängt. Die Mitarbeitenden fragen, warum er „nichts mache“, und er steht zwischen Erwartung und Realität: Seit Wochen versuche er, Kontakt mit dem Hersteller KLS aufzunehmen, ohne Erfolg. Die Hilflosigkeit sitzt nicht in der Werkstatt, sie sitzt in der Kommunikation. „Man wird im Ungewissen gelassen“, sagt er sinngemäß, und genau das trifft den Kern. Ein Defekt kann passieren. Ein Defekt ohne erreichbaren Ansprechpartner, ohne verbindliche Zeitachse, ohne Rückmeldung wird zur Zumutung. In einem System, in dem Versorgung als Standard gilt, ist fehlende Kommunikation kein Nebenschaden, sondern ein Risiko.
Das Team versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. In den Kisten sind die Arzneimittel alphabetisch eingeräumt, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben. Gleichzeitig laufen im Alltag „Not-Entnahmen, Extrawege und Teamwork deluxe“, wie die Mitarbeitenden es selbst beschreiben. Sie halten nach außen die Fassade, weil Kundinnen und Kunden nicht das Backoffice sehen sollen, aber die Belastung ist trotzdem da. Die Erzählung wird auch deshalb so plastisch, weil sie öffentlich wird: Die Angestellten machen ihren Frust über soziale Netzwerke sichtbar, nicht als reine Klage, sondern als Erklärung an die Kundschaft, warum Wartezeiten länger werden könnten. „Die Kisten stapeln sich wie beim Tetris-Weltrekord. Und wir? Wir laufen. Und laufen. Und laufen.“ Das ist Humor als Ventil, aber es ist auch ein Protokoll darüber, wie schnell eine digitalisierte Arbeitslogik in Handarbeit zurückfällt, wenn ein einziges System aussteigt.
Stange lobt sein Team ausdrücklich. Er beschreibt, dass die Mitarbeitenden „hervorragend“ reagierten und hinter der Apotheke stünden. Gleichzeitig ist die Grenze erreicht. Er nennt ironisch eine „Erschwerniszulage“ von 1000 oder 2000 Euro pro Mitarbeitendem als gerechtfertigt – nicht als Tarifvorschlag, sondern als Maß für das, was an Zusatzbelastung entsteht, wenn Technik nicht nur fehlt, sondern Ersatz über Wochen ausbleibt. Und er bringt den Punkt, an dem aus Ärger Ratlosigkeit wird: Er habe kein Konzept mehr, fragt sich, ob er die Apotheke schließen und zum Anbieter fahren müsse, und formuliert am Ende einen Wunsch, der in seiner Schlichtheit alles sagt: Er möchte, dass wieder alles funktioniert.
Der Anbieter KLS, mit Sitz in Weiskirchen, spielt in der Geschichte eine besondere Rolle, weil Stange seit 2006 in seinen vier Apotheken Automaten dieses Herstellers nutzt. Das ist keine Kurzbeziehung, sondern eine langjährige Abhängigkeit von einem Systempartner. Wenn dann der Geschäftsführer nicht erreichbar ist und eine Stellungnahme ausbleibt, wird aus einem Einzelfall schnell ein struktureller Verdacht: Wer trägt eigentlich welche Pflicht, wenn in einer Apotheke zentrale Infrastruktur ausfällt? Stange kritisiert genau diese Lücke. Apotheken würden von Behörden kontrolliert, etwa bei Mietverträgen. Aber andere Vertragsbeziehungen, die für die Versorgung genauso entscheidend sind – Automatendienstleister, Softwareanbieter –, würden in der Praxis kaum geprüft. Seine Frage ist damit weniger ein Wutausbruch als ein Hinweis auf eine blinde Stelle: Es gibt keine Regelung, die sicherstellt, dass die Arzneimittelversorgung bei solchen Abhängigkeiten „reibungslos funktioniert“. Und wenn die Regel fehlt, trägt der Betrieb das Risiko.
In dieser Geschichte steckt deshalb mehr als ein Technikdefekt. Sie zeigt eine Alltagsschwäche moderner Apothekenorganisation: Je stärker Prozesse automatisiert sind, desto härter trifft es, wenn der Knotenpunkt ausfällt – und desto entscheidender wird, ob Service und Wartung als verlässliche Infrastruktur mitgedacht sind. Dass ein Ersatzteil bereits in der Apotheke liegt und trotzdem nichts passiert, ist dabei fast symbolisch: Die Lösung ist physisch vorhanden, aber sie kommt nicht in die Welt. Für das Team bedeutet das weiterlaufen, weitersuchen, weiterkompensieren. Für die Kundschaft bedeutet es Geduld, die nicht durch „mehr Einsatz“ der Mitarbeitenden entsteht, sondern durch deren Bereitschaft, einen Systemfehler im Alltag auszubaden.
Legales Cannabis wird tonnenweise für den Konsum auf Rezept importiert, doch die politischen Korrekturen daran sind längst mehr als eine Detaildebatte. Im Gesundheitsausschuss des Bundestags prallen dazu heute in Berlin Stellungnahmen aufeinander, die denselben Befund aus völlig unterschiedlichen Richtungen lesen: Polizei- und Ärztevertreter begrüßen Verschärfungen, Patientenverbände und Branche warnen vor einer neuen Hürde für Menschen, die Cannabis tatsächlich als Arzneimittel brauchen. Im Zentrum steht ein Entwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), der die Regeln für Medizinalcannabis nach der Teillegalisierung neu ziehen soll – und damit automatisch auch die Frage, welche Rolle Apotheken künftig als Kontroll- und Beratungsschnittstelle tragen sollen.
Die Ausgangslage ist politisch aufgeladen, weil sie mit Zahlen unterfüttert wird, die wie ein Alarm wirken. Seit April 2024 fällt Medizinalcannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz, und in der Folge ist eine Vertriebs- und Plattformlogik entstanden, die in den Stellungnahmen als Auswuchs beschrieben wird: Privatrezepte aus dem Internet, teils in Kombination mit „mitorganisierten“ Rezeptprozessen, wenig Reibung, schnelle Lieferung. Die Gewerkschaft der Polizei beschreibt das als unvorhergesehenen Effekt der erleichterten Online-Bestellpraxis, eine Art legaler Umgehungsweg für Freizeitkonsum. Dazu passt die Importlinie der Regierung: Im ersten Halbjahr 2025 seien die Importe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 400 Prozent gestiegen, auf 80 Tonnen Medizinalcannabis. Wenn eine politische Debatte solche Sprünge aufruft, wird sie selten leiser, sondern härter.
Aus dem Entwurf wird damit ein Versuch, den Erstkontakt wieder an den Körper zu binden: Künftig soll es nur noch nach persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt verordnet werden dürfen, und die Abgabe soll an Apothekenberatung gekoppelt sein. Versand soll es gar nicht mehr geben. Diese drei Elemente sind kein technischer Feinschliff, sondern eine neue Statik. Sie verschiebt den Zugang vom Klick zur Begegnung, vom Paket zur Beratung, vom Plattformtempo zur professionellen Friktion. Genau deshalb wird der Entwurf von Polizei- und Ärztevertretern als notwendige Bremse gelesen. Die GdP hält das für überfällig, weil „wenige Klicks“ und ein kurzer Online-Fragebogen in ihren Augen eine Praxis befördert, die Missbrauch organisiert, ohne sich selbst als Missbrauch zu bezeichnen.
Die Bundesärztekammer geht in der Logik noch einen Schritt weiter und macht eine Unterscheidung auf, die in der Debatte wie ein roter Strich wirkt: Cannabisblüten hätten – anders als Arzneimittel mit Cannabiswirkstoff – ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial und sollten gar nicht mehr verordnet werden dürfen. Das ist nicht nur eine Forderung nach strengeren Abläufen, sondern nach engeren Indikationen und weniger Produktbreite. Hier kippt die Diskussion von „Wie kommt jemand an das Mittel?“ zu „Wer soll es überhaupt bekommen dürfen?“ – und damit zu einer Frage, die für Patientinnen und Patienten unmittelbar existenziell sein kann.
Auf der Gegenseite steht der Satz, der in vielen Stellungnahmen mitschwingt: Verschärfung kann Versorgung treffen. Patientenvertreter warnen vor einer Regelung, die aus ihrer Sicht einen Alltag trifft, der längst eingespielt ist. Das CannabisSelbsthilfeNetzwerk argumentiert, dass ein Arztgespräch oder eine persönliche Beratung nach Jahren stabiler Therapie in der Regel nicht notwendig sei. In dieser Sicht ist die neue Pflicht nicht Sicherheit, sondern Wiederholung, nicht Schutz, sondern Belastung. Der Deutsche Hanfverband setzt einen anderen Akzent und spricht ein praktisches Problem an, das in der Versorgung gerne übersehen wird: Viele Hausärzte und Apotheker seien angesichts von hunderten Cannabissorten überfordert. Das ist keine Abwertung der Professionen, sondern ein Hinweis auf Komplexität, die im Alltag nur begrenzt „wegberaten“ werden kann, wenn Zeit und Fortbildung nicht mitwachsen.
Der Branchenverband Cannabiswirtschaft versucht die Importzahlen zu entdramatisieren, ohne sie zu leugnen. Er räumt stark gestiegene Einfuhrmengen ein, verweist aber auf Faktoren, die in der politischen Kurve häufig untergehen: wissenschaftliche Verwendungen, notwendige Vernichtungen, Nachholeffekte. Und er warnt vor einem Punkt, der in der deutschen Drogenpolitik immer als Schatten mitläuft: Ein zu harter Zugang könne Patientinnen und Patienten zurück in den Schwarzmarkt treiben. Interessant ist, dass die Stellungnahmen damit indirekt dieselbe Struktur berühren, nur mit entgegengesetztem Ergebnis. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen beschreibt, der Zugang zu legalem Cannabis sei für viele Freizeitkonsumenten ohnehin „hochschwellig“, der Schwarzmarkt spiele trotz Teillegalisierung eine große Rolle. Wer verschärft, nimmt also nicht automatisch Angebot aus dem Markt, sondern kann es verschieben.
In dieser Gemengelage bekommt die Apothekenberatung eine doppelte Bedeutung. Im Entwurf steht sie als Sicherheitsgurt: Abgabe nur nach Beratung. In der Praxis ist sie zugleich das Nadelöhr, weil sie zusätzliche Arbeit und Verantwortung bündelt, während zugleich der Vorwurf im Raum steht, andere Teile der Kette hätten sich entkoppelt. Apotheken werden damit zu einer Instanz, die nicht nur Ware abgibt, sondern Zugang plausibilisieren soll: Sind Indikation, Dosierung, Anwendung, Risiken und Verkehrstüchtigkeit im Blick? Gerade der Straßenverkehr wird ausdrücklich mitverhandelt. Der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats warnt vor „Cannabis-Fahrten ohne ärztliche Kontrolle“ und fordert, das Gesetz solle ohne Abstriche kommen. Dazu kommt ein Punkt, der selten ausgesprochen wird, aber hier auftaucht: Auch Polizeibeschäftigte können Medizinalcannabis benötigen. Gleichzeitig wird eine Nulltoleranz-Strategie für den Dienst gefordert – nicht berauscht arbeiten, um Kolleg:innen und Allgemeinheit zu schützen. Das zeigt, wie schnell aus einer medizinischen Frage eine Organisationsfrage wird.
Am Ende hängt die Debatte an einem Widerspruch, der sich nicht durch ein einziges Verbot auflöst. Medizinalcannabis ist für bestimmte Indikationen beschrieben – etwa bei dauerhaften Schmerzen, Muskelkrämpfen bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie oder ungewolltem Gewichtsverlust, etwa bei AIDS. Gleichzeitig ist das Mittel Teil eines Marktes, der sich an Bequemlichkeit und Skalierbarkeit orientieren kann, sobald digitale Wege es erlauben. Der Warken-Entwurf versucht, diese Skalierbarkeit zu brechen, indem er Kontakt, Beratung und Abgabe wieder enger verknotet. Ob daraus Schutz oder neue Barriere wird, entscheidet sich nicht an einem Schlagwort, sondern daran, ob die Regeln Missbrauchskanäle schließen, ohne die Versorgung für echte Patientinnen und Patienten in eine Warteschlange zu verwandeln.
In Rheinland-Pfalz setzt die CDU im Wahljahr auf ein großes Versprechen, das bewusst nach Daseinsvorsorge klingt: Gesundheit soll Lebensqualität sichern, nicht an der Postleitzahl scheitern, und „wohnortnah“ bleibt das Leitprinzip. In diesem Rahmen tauchen Apotheken nicht als Randbemerkung auf, sondern als Teil einer Versorgungskette, die politisch wieder als zusammenhängende Struktur gedacht werden soll. Die Formulierungen sind dabei klassisch aufgeladen – Respekt für Leistungserbringer, faire Bedingungen, Politik als Stütze statt Bremse –, aber der entscheidende Punkt liegt im konkreten Planungsvorschlag, der in vielen Regionen gerade deshalb verfängt, weil er auf ein reales Loch reagiert: geschlossene Krankenhäuser, lange Wege, ausgedünnte Angebote.
Der Kern der CDU-Idee sind sektorübergreifende Praxiskliniken, also Zentren, die in unterversorgten Regionen haus- und fachärztliche Angebote bündeln und bei Bedarf um passende Bausteine erweitert werden sollen. Gemeint ist nicht nur eine neue Tür mit einem Schild, sondern eine Planungslogik: Landkreis und Land sollen gemeinsam festlegen, was gebraucht wird, die Kommunen sollen beim Ausbau unterstützt werden, und die Zentren sollen medizinische Hilfe auch außerhalb regulärer Sprechzeiten schneller erreichbar machen. Dazu passt der politische Unterton, dass solche Zentren bestehende Krankenhausstandorte „stärken“ und nicht einfach ersetzen sollen. Die CDU koppelt das an Arbeitsbedingungen, die modern und familienfreundlich sein sollen, mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, damit Gesundheitsberufe in der Fläche attraktiv bleiben. Hinter dieser Sprache steckt ein nüchternes Ziel: Versorgungskapazität erhalten, obwohl Personal fehlt.
Für Apotheken ist die interessante Stelle, dass sie nicht bloß als „ganz nett, wenn in der Nähe“ beschrieben werden, sondern ausdrücklich in die regionale Planung einbezogen werden sollen, damit die Versorgung mit Medikamenten in „unmittelbarer Nähe“ sichergestellt ist. Das wirkt wie ein Satz, aber in der Praxis ist es ein Signal: Die Arzneimittelversorgung wird in dieser Erzählung nicht als nachgelagerte Logistik verstanden, sondern als Teil des Versorgungsdesigns. Genau das unterscheidet Planungsrhetorik von Planungsanspruch. Wer Apotheken in eine Praxisklinik-Statik hinein denkt, sagt implizit: Wegezeiten, Notfälle, Entlassmanagement, Versorgungslücken – das alles ist ohne Medikamentenversorgung nicht zu Ende gedacht.
Die CDU verbindet diese Planungsachse mit weiteren Versprechen, die in der Apothekenwelt sofort wie Hebel klingen. Sie will Versorgungsengpässe abbauen und die Studienplätze in der Pharmazie erhöhen. Beides ist als Richtung klar, aber noch nicht als Umsetzung. Studienplätze sind ein Langzeitinstrument, das Jahre braucht, bis es in Betrieben ankommt. Engpassabbau ist ein Sammelbegriff, der schnell plausibel klingt und dann an Zuständigkeiten zerschellt. Trotzdem ist bemerkenswert, dass die Pharmazie hier nicht nur als „mitlaufender“ Beruf auftaucht, sondern als Standort- und Strukturthema: Rheinland-Pfalz soll als Leitstandort für Pharma- und Gesundheitswirtschaft sowie Biomedizin und -technologie positioniert werden. Das ist Wahlprogramm-Sprache, ja, aber es ist auch eine Art Klammer, die Apothekenpolitik, Industriepolitik und Versorgungspolitik miteinander verbinden soll.
Mit dem Konzept der Praxiskliniken geht zudem eine zweite Integrationsidee einher: Pflegerische Angebote sollen dort integriert werden, wenn sie gebraucht werden und ein Träger Verantwortung übernimmt – genannt werden Tages- und Kurzzeitpflege sowie solitäre Nachpflege. Das zeigt, dass die CDU die Zentren als Alltagsknoten denkt, nicht nur als Arztzimmer. Die Begründung ist ebenfalls typisch: bessere Zusammenarbeit zwischen medizinischer und pflegerischer Versorgung, Entlastung pflegender Angehöriger. Für Apotheken steckt darin eine praktische Konsequenz, die im Programm nicht ausbuchstabiert wird, aber mitschwingt: Wo mehr Angebote zusammenlaufen, entsteht mehr Koordination, mehr Schnittstelle, mehr Bedarf an klaren Zuständigkeiten – und damit auch mehr Reibung, wenn niemand den Übergang zwischen Diagnose, Verordnung, Abgabe und Anwendung sauber organisiert.
Ein weiteres Feld, das die CDU im Programm aufruft, ist die Terminlogik: zu lange Wartezeiten auf Facharzttermine, Stärkung der Terminservicestellen, Ausbau digitaler Terminvermittlungen, das Ziel „spürbar kürzere Wartezeiten“. Das ist eine verbreitete politische Linie, weil sie ein reales Ärgernis adressiert. Gleichzeitig legt sie eine Erwartung in die Fläche: Wenn Termine schneller kommen sollen, müssen Kapazitäten steigen oder Prozesse effizienter werden. Genau hier setzt auch der Digitalteil an. Telemedizin und Videosprechstunden sollen fester Bestandteil der Regelversorgung werden, besonders in Regionen mit Ärztemangel, aber ausdrücklich nur als Ergänzung, nicht als Ersatz für Präsenzversorgung im ländlichen Bereich. Dieser Satz ist ein Kompromiss, der einerseits Modernität verspricht und andererseits die Sorge aufgreift, dass „digital“ zur Ausrede für Rückzug wird.
Schließlich setzt die CDU auf Personalprogramme, die wie eine Antwort auf Abwanderung und Teilzeitdebatten wirken: „Start, Stay & Comeback“ soll Medizinerinnen und Mediziner gewinnen oder zur Weiterarbeit motivieren, auch in Teilzeit. Dazu kommt das Versprechen, Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu beschleunigen, bei hohen Qualitätsansprüchen. Auch hier ist die Richtung klar, die Details bleiben offen. Aber der Zusammenhang ist wichtig: Wenn Praxiskliniken und wohnortnahe Versorgung funktionieren sollen, braucht es Menschen, die dort arbeiten – und Programme sind erst dann mehr als Papier, wenn sie die Engstelle wirklich weiten.
Unterm Strich ist das CDU-Paket ein Versuch, Versorgung wieder als regionale Architektur zu beschreiben: Zentren statt Lücken, Planung statt Zufall, Bündelung statt Einzelkämpfer. Für Apotheken ist die zentrale Frage dabei nicht, ob das Programm freundlich klingt, sondern ob aus der Formulierung „in unmittelbarer Nähe“ eine reale Einbindung wird: mit Standortentscheidungen, Erreichbarkeit, Zuständigkeiten, und einem Verständnis dafür, dass Arzneimittelversorgung nicht nur „dazugehört“, sondern das System im Alltag zusammenhält. Wenn das ernst gemeint ist, ist es ein Strukturangebot. Wenn es nur ein Satz bleibt, wird es Wahlprogrammrauschen.
Wenn über Entlastung der Ärztinnen und Ärzte gesprochen wird, beginnt die Debatte oft mit einem Versprechen: mehr Effizienz, bessere Steuerung, weniger unnötige Wege durchs System. Auf der Veranstaltung „AOK im Dialog“ zeigt sich, wie schnell aus diesem Versprechen ein Streit über Verbindlichkeit wird – und wie auffällig Apotheken dabei zwar als naheliegende Ressource existieren, aber in der konkreten Debatte „kaum eine Rolle“ spielen. Genau das macht den Stoff interessant: Es geht nicht nur um neue Strukturen, sondern um blinde Flecken in der Aufgabenverteilung.
Im Kern wird ein verbindlicheres Primärversorgungssystem diskutiert. Damit ist die Idee gemeint, dass der erste Zugang ins System stärker gesteuert und koordiniert wird, statt dass Patientinnen und Patienten frei zwischen Fachärzten, Kliniken und Praxen pendeln. In diesem Zusammenhang tauchen immer wieder Begriffe auf, die im Alltag sofort Spannung erzeugen: Gebühren, Zuzahlungen, Karenztage. Sie stehen für eine harte Form von Verbindlichkeit, also für Steuerung über Hürden. Dr. Armin Grau (Grüne) erkennt zwar die Notwendigkeit, Verbindlichkeit irgendwie herzustellen, setzt aber vor allem auf positive Anreizsysteme. Er warnt, Zuzahlungen würden ein Akzeptanzproblem schaffen. Professor Dr. Hans Theiss (CSU) betont dagegen die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten und hält Steuerungselemente wie Zuzahlungen oder Karenztage für denkbar. Schon an dieser Stelle wird klar, dass „Entlastung“ nicht nur ein Organisationsprojekt ist, sondern auch ein politisches Kulturthema: Wie viel Druck darf das System ausüben, damit es funktioniert?
Parallel läuft eine zweite Achse, die weniger ideologisch wirkt, aber praktisch genauso heikel ist: digitale Ersteinschätzung. Theiss sieht hier Potenzial, will aber keine Verpflichtung, weil viele Menschen – vor allem Ältere – noch nicht digital affin seien. Er rechnet jedoch mit wachsender Nutzung. Grau stimmt der Zeitersparnis grundsätzlich zu, spricht sich aber ebenfalls gegen eine strikte digitale Verpflichtung aus. Hinter dieser doppelten Zurückhaltung steckt eine Erkenntnis, die selten offen ausgesprochen wird: Ein Tool löst nicht automatisch Kapazitätsprobleme, es verschiebt sie nur. Wenn es falsch eingesetzt wird, wird es zum zusätzlichen Schritt, nicht zur Abkürzung.
Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, fordert in dieser Gemengelage eine grundlegende Strukturveränderung. Ihre Linie ist klar: Steuerung der Patientinnen und Patienten über eine einheitliche, digital unterstützte Ersteinschätzung und eine koordinierte Terminvergabe. Das Ziel sei eine möglichst fallabschließende Behandlung auf Primärversorgungsebene, damit Fachärzte entlastet werden. Das klingt nach Systemarchitektur, nicht nach Einzelmaßnahme. Aber es zieht automatisch die Frage nach Zuständigkeiten nach sich: Wer organisiert diese Steuerung, wer trägt die Verantwortung, und wer fängt die Fälle ab, die nicht in ein Schema passen?
Genau dort wird es bei chronisch Kranken konkret. Dr. Anke Richter-Scheer von der KVWL betont, dass es unterschiedliche Patientengruppen gebe. Die meisten würden die Hausarztpraxis als primären Versorgungsort wählen. Chroniker sollen aber die Möglichkeit haben, Fachärzte als Bezugsärzte zu definieren. Gleichzeitig müsse gewährleistet sein, dass auch ein Chroniker bei akuter Erkrankung Zugang zur Primärversorgung hat. Reimann ergänzt: Wer sich bereits in einer Behandlungskontinuität befindet, sollte nicht erneut ein Ersteinschätzungstool durchlaufen müssen. Das sind Sätze, die zeigen, wie schnell ein Steuerungsmodell an der Realität schleift. Chronische Erkrankung ist nicht „Ausnahme“, sondern Alltag – und genau deshalb kann man sie nicht wie einen Sonderfall behandeln, ohne das System zu überfordern.
Grau bringt in diesem Zusammenhang Jahresüberweisungen statt Einzelüberweisungen ins Gespräch. Damit würde ein Teil der administrativen Reibung reduziert: weniger Papierlogik, mehr Kontinuität. Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, setzt dem eine Praxisbeobachtung entgegen: Gerade MS-Patienten hätten einen hohen hausärztlichen Koordinationsbedarf, den Fachärzte allein nicht leisten könnten, etwa bei Hausbesuchen. Hier zeigt sich eine weitere Mechanik: Selbst wenn Fachärzte Bezugsärzte sind, bleibt Koordination oft an der Hausarztpraxis hängen. Entlastung ist also nicht nur eine Frage, wer behandeln darf, sondern wer koordinieren muss – und wie viel dieser Koordination bezahlt, rechtlich abgesichert und organisatorisch möglich ist.
Von dort führt die Debatte zwangsläufig zur Aufgabenverteilung und zur Einbindung anderer Berufsgruppen. Reimann betont, angesichts offener Hausarztsitze und des verschärften Fachkräftemangels müsse die Arbeit in der Primärversorgung auf mehr Schultern verteilt werden. Richter-Scheer fordert stärkere Anerkennung nichtärztlicher Fachberufe und mehr Rechtssicherheit bei der Delegation. Ein Satz fällt dabei besonders auf, weil er die Apotheken explizit nennt, obwohl sie im übrigen Debattenverlauf kaum vorkommen: Theiss fordert ein „radikales Umdenken“ und sagt, Ärzte müssten Dinge abgeben, „Impfen oder Wundversorgung zum Beispiel an Apotheker“. Das ist ein kurzer Moment, aber er ist aufschlussreich. Er zeigt, dass Apotheken als Potenzial gesehen werden – aber eher als Reserve, die man in der Krise heranzieht, nicht als strukturierter Teil eines Primärversorgungskonzepts.
Dass das Thema Geld immer im Hintergrund steht, aber nicht als alleiniger Treiber, sagen die Beteiligten selbst. Ein Primärversorgungssystem werde kurzfristig keine massiven Milliardeneinsparungen bringen, heißt es. Reimann unterstreicht, Geld sei nicht das primäre Thema, sondern die Sicherung der Versorgung angesichts des Fachkräftemangels. Grau hält dagegen an der Erwartung fest, ein gut gemachtes System könne langfristig effizienter und günstiger werden, etwa durch weniger Facharzttermine und weniger Krankenhauseinweisungen, flankiert von Krankenhausreform, Notfallreform und Prävention. Auch hier zeigt sich die typische Spannung: kurzfristig hohe Umbaukosten und Reibung, langfristig Hoffnung auf Entlastung.
Was bleibt, ist ein Bild, das an zwei Stellen knackt. Erstens: Verbindlichkeit wird zwar gefordert, aber die Instrumente dafür sind politisch und gesellschaftlich umstritten. Zweitens: Aufgabenverteilung wird als Schlüssel erkannt, aber die naheliegenden Akteure außerhalb der Ärzteschaft – darunter Apotheken – werden nicht systematisch eingebunden, sondern nur punktuell erwähnt. Das ist nicht zwingend ein Fehler, aber es ist eine Leerstelle. Wer Primärversorgung „fallabschließend“ denkt, muss die Schnittstellen dort stärken, wo Alltag stattfindet. Und Alltag ist nicht nur Praxis, sondern auch die Orte, an denen Menschen täglich vorbeikommen, Fragen stellen, Medikamente holen, Nebenwirkungen melden, Unsicherheiten aussprechen. In der Debatte ist dieses Potenzial präsent – aber noch nicht als Plan.
Die Grippewelle ist inzwischen nicht mehr nur ein Satz aus dem Lagebericht, sondern ein spürbarer Druck im Klinikalltag. In Berlin steigen die Fallzahlen an den Vivantes-Kliniken seit Dezember, wie Pressesprecher Christoph Lang mitteilt, und besonders Kinder sind stark betroffen. Die Dynamik zeigt sich nicht nur in einzelnen Häusern, sondern in mehreren Messpunkten gleichzeitig: in Kliniken, in Laborzahlen, sogar im Abwasser. Dadurch entsteht ein Bild, das schwer wegzudiskutieren ist. Es geht nicht um einzelne Ausreißer, sondern um eine Welle, die sich breit anfühlt und weiterläuft.
An den Vivantes-Häusern müssen vor allem ältere und vorerkrankte Patientinnen und Patienten stationär aufgenommen werden. Isolierung ist Standard, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Gleichzeitig wird nicht beschönigt, dass es auch schwere Verläufe gibt: „Einige werden auch auf Intensivstationen behandelt“, sagt Lang, und genau deshalb richtet sich der Appell ausdrücklich an die Gruppen, bei denen Influenza regelmäßig kippt – über 60-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen. Die Impfung verhindere zumindest in den allermeisten Fällen einen schweren Verlauf, und sie „macht auch jetzt noch Sinn“, weil die Saison noch einige Wochen andauern werde. Das ist eine bemerkenswerte Botschaft, weil sie nicht mit dem typischen Reflex arbeitet, dass „zu spät“ ohnehin nichts mehr bringe.
Ein zweiter Blick auf Berlin stützt diese Einschätzung mit einem ungewöhnlichen Indikator: Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales liegt die Influenza-Viruslast des Typs A im Abwasser in den vergangenen drei Monaten um 15 Prozent höher (Stand 12. Januar). Abwasserwerte sind keine Diagnose im Einzelfall, aber sie zeigen Trends, oft bevor sie im Wartezimmer ankommen. Wenn dort ein Plus sichtbar wird und gleichzeitig Kliniken steigende Fälle melden, passt das wie zwei Linien, die sich gegenseitig bestätigen. Dazu kommt die Meldelinie: Die Zahl der gemeldeten Fälle liege über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre. Das ist nicht automatisch Alarm, aber es ist ein klarer Hinweis, dass „normal“ gerade nicht der passende Vergleich ist.
Auch die DRK-Kliniken berichten, dass sie dieses Jahr bislang 50 Grippefälle mehr zählen als im Vorjahreszeitraum (Stand 12. Januar), so Sprecherin Corinna Schwetasch. Interessant ist dabei die Differenzierung: Viele würden nicht in erster Linie wegen der Grippe behandelt, sondern wegen anderer Beschwerden; die Influenza werde quasi „mitgefunden“. Das ist ein realistisches Detail aus dem Klinikbetrieb, weil es zeigt, wie Influenza als Zusatzlast wirkt. Sie macht bestehende Probleme schlimmer, verlängert Verläufe, zwingt zu Isolation und bindet Personal – auch dann, wenn die Grippe nicht der Hauptaufnahmegrund ist. Gleichzeitig gibt es vereinzelt Fälle auf Intensivstationen, vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen. Die Schwere bleibt also nicht hypothetisch.
Am deutlichsten zeichnet sich die Welle dort ab, wo Systeme am schnellsten an Grenzen stoßen: in der Kinder- und Jugendmedizin. Professor Dr. Tobias Tenenbaum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana-Klinikum Lichtenberg, sagt: „Wir sind bis aufs letzte Bett gefüllt.“ Die Stationen seien stärker ausgelastet als vergangenes Jahr. Viele Kinder mit Grippe würden auf der Intensivstation behandelt, vor allem mit schweren Lungenentzündungen, einige müssten beatmet werden. Betroffen seien vor allem jüngere Kinder, Säuglinge und Kleinkinder, sowohl mit als auch ohne Risikofaktoren. Gleichzeitig fällt ein Satz, der in dieser Lage wie ein vorsichtiges Aufatmen klingt: Einen fatalen Fall habe es in dieser Saison bislang nicht gegeben, und bei allen Kindern habe sich der Gesundheitszustand im Krankenhaus verbessert. Das nimmt der Welle nicht die Schärfe, aber es verhindert, dass aus Belastung sofort Katastrophensprache wird.
In Niedersachsen wird die Lage ebenfalls eng verfolgt. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt rät weiterhin zur Impfung und begründet es mit der erwarteten Dauer: „Da die Welle voraussichtlich noch einige Wochen andauert, kann eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein“, sagt NLGA-Präsident Fabian Feil. Die Behörde untersucht regelmäßig zufällig ausgewählte Proben von Patientinnen und Patienten mit Erkältungskrankheiten. In der zweiten Kalenderwoche wurden bei 36 Prozent dieser Proben Influenzaviren nachgewiesen. Das ist ein hoher Anteil, der zeigt, dass Influenza in der Erkältungslandschaft gerade nicht eine Nebenrolle spielt, sondern eine dominierende. In derselben zweiten Kalenderwoche wurden 1124 laborbestätigte Influenzafälle übermittelt. Und Feil sagt deutlich: „Die Influenza-Welle ist in vollem Gange.“ Der erste bedeutsame Anstieg sei bereits kurz vor Weihnachten registriert worden, also früher als viele es aus dem Bauchgefühl heraus erwarten.
Ein weiterer Punkt wirkt auf den ersten Blick wie eine Nebenbemerkung, ist aber in der pädiatrischen Versorgung ein echtes Signal: Es gebe bislang kaum RSV-Fälle. Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die Ständige Impfkommission seit Sommer 2024 einen Antikörper-Wirkstoff zum Schutz vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus. Der zeige „ganz offenbar Wirkung“. In der Praxis bedeutet das: Wenn RSV weniger drückt, ist zumindest ein Teil der typischen Winter-Mehrfachbelastung abgeschwächt. Das ist keine Entwarnung für Influenza, aber es erklärt, warum manche Kliniken den Winter trotzdem als komplexe Mischung erleben: Eine Welle hoch, eine andere auffällig niedrig.
Auch die Frage nach Todesfällen wird im Material nicht dramatisiert, sondern eingeordnet. Seit Ende Juni seien fünf durch Laboruntersuchungen bestätigte Influenza-Todesfälle an das Landesgesundheitsamt übermittelt worden. Todesfälle allein aufgrund einer Influenzaerkrankung seien eher selten; meist führe die Infektion zusammen mit einer schon vorher bestehenden Grunderkrankung zum Tod. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza lasse sich erst nach Ende der Saison anhand der Todesfallstatistik feststellen. Und als Rückblick steht eine harte Zahl im Raum: In der Saison 2024/25 sind in Niedersachsen 134 Personen mit einer Influenza-Infektion gestorben. Das ist kein unmittelbarer Vergleichswert für die aktuelle Saison, aber es macht deutlich, warum Influenza im Gesundheitssystem nicht als „starke Erkältung“ geführt werden kann.
Schließlich bleibt noch der Zeitfaktor, der in vielen Gesprächen zu kurz kommt. Typischerweise beginnt die Influenza-Saison im Januar und dauert bis Ostern, heißt es. Dieses Mal hatte die Grippewelle einen relativ frühen Start. Und wer jetzt noch impft, muss die Verzögerung im Blick behalten: Nach der Impfung dauert es rund 14 Tage, bis sie ihre volle Wirkung entfaltet. Genau dadurch wird verständlich, warum der Rat „auch jetzt noch sinnvoll“ nicht als Routineformel gemeint ist, sondern als Abwägung: Die Welle läuft, sie läuft noch einige Wochen, und wer heute schützt, schützt sich nicht sofort, aber vielleicht rechtzeitig.
Stillen wird in der öffentlichen Debatte oft fast ausschließlich über das Kind erzählt. Dabei ist seit Langem bekannt, dass auch Mütter profitieren können: Stillende haben zum Beispiel ein geringeres Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ebenso ein niedrigeres Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs. Auch postpartale Depressionen treten seltener auf, wenn die Frau stillt. Was jedoch deutlich weniger klar war, ist die Frage, ob dieser Schutz über das Wochenbett hinaus reicht – ob es also einen langfristigen Effekt auf die mentale Gesundheit geben könnte, der über Monate und Jahre messbar bleibt. Genau dort setzt eine Beobachtungsstudie an, die einen Zeitraum von zehn Jahren nach der Schwangerschaft in den Blick nimmt.
Irische Wissenschaftler werteten Daten von 168 Müttern über zehn Jahre aus. Stillverhalten und das Vorliegen einer Diagnose von Depression oder Angststörungen wurden per Fragebogen erfasst. Am Ende des Beobachtungszeitraums waren die Frauen im Mittel 42,4 Jahre alt. 122 von ihnen, also 72,6 Prozent, hatten gestillt. Die mediane Zeit, in der die Frauen ausschließlich gestillt hatten, lag bei 5,5 Wochen, die durchschnittliche Stilldauer insgesamt bei 30,5 Wochen. Und 63 Frauen, also 37,5 Prozent, stillten im Laufe ihres Lebens – gegebenenfalls in mehreren Schwangerschaften – mindestens zwölf Monate lang. Das sind Zahlen, die nicht nur „ob“ beschreiben, sondern auch „wie“: kurz, mittel, lang, und einmalig oder kumulativ.
Die psychische Belastung, um die es geht, ist nicht klein. 35 Frauen, also 20,8 Prozent, erhielten im Laufe des zehnjährigen Zeitraums die Diagnose einer Depression oder Angststörung. Bei 22 Teilnehmerinnen, 13,1 Prozent, bestand die Diagnose am Ende der zehnjährigen Beobachtungszeit. Damit ist das Thema aus dem Bereich der Einzelfälle herausgehoben. Es beschreibt eine Größenordnung, die in vielen Lebensläufen vorkommt, und gerade deshalb ist die Frage spannend, ob Stillen in diesem langen Fenster als Schutzfaktor sichtbar wird oder ob der Effekt nach dem Wochenbett verpufft.
Die Auswertung zeigt einen Zusammenhang in Richtung geringeres Risiko. Stillen generell war über die gesamten zehn Jahre mit einem geringeren Risiko verbunden, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken. Genannt wird eine Odds Ratio von 0,4 (p=0,03). Auch längeres ausschließliches Stillen und kumulatives Stillen über mehr als zwölf Monate waren mit einem geringeren Risiko assoziiert: für exklusives Stillen wird ein Wert von OR 0,98 pro Woche genannt (p=0,03), für kumulatives Stillen über zwölf Monate OR 0,38 (p=0,04). Besonders ein Detail bleibt hängen, weil es den Befund greifbar macht: Jede Woche, in der die Mütter ausschließlich stillten, verringerte demnach die Wahrscheinlichkeit einer späteren Erkrankung um 2 Prozent. Das klingt nach einer kleinen Zahl – und genau dadurch wirkt es realistisch, weil es nicht wie ein Sprung, sondern wie ein langsamer Effekt beschrieben wird.
Trotzdem bleibt der Stoff nicht bei der Verheißung stehen. Die Autorinnen und Autoren nennen selbst Einschränkungen: Die Zahl der Teilnehmerinnen ist gering, die Studiengruppe ist homogen, und die Daten basieren auf Fragebögen. Entscheidend ist der methodische Satz, der im Material ausdrücklich vorkommt: Es handelt sich um Korrelation, nicht um Kausalität. Stillen könnte also mit anderen Faktoren zusammenhängen, die ebenfalls das Risiko beeinflussen – Lebensumstände, soziale Unterstützung, Gesundheitsstatus, Zugang zu Versorgung, Stressbelastung, vielleicht auch die Frage, wer überhaupt stillen kann und wer nicht. Der Befund sagt nicht: Stillen „macht“ gesund. Er sagt: In dieser Gruppe zeigte sich über zehn Jahre hinweg ein Zusammenhang, der in Richtung Schutz weist.
Gerade dieser nüchterne Rahmen macht die Studie interessant. Sie verschiebt Stillen nicht in eine moralische Pflicht, sondern in eine Perspektive, die sonst oft fehlt: Müttergesundheit als Langzeitfrage. Wenn Stillen mit einem geringeren Risiko für Depressionen und Angststörungen über zehn Jahre assoziiert ist, dann ist das ein Hinweis, dass die Zeit nach der Geburt nicht nur ein kurzer Ausnahmezustand ist, sondern ein Fenster, das in die Zukunft reicht. Gleichzeitig schützt die Kausalitätsgrenze vor falschen Schlüssen: Wer nicht stillt, ist nicht automatisch gefährdet, und wer stillt, nicht automatisch geschützt. Was bleibt, ist ein plausibles Signal aus Daten: Stillen könnte ein Baustein in einem größeren Bild sein – und dieses Bild ist groß genug, um genauer hingesehen zu werden.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Es beginnt nicht mit einem Knall, sondern mit Zahlen, die sich schlecht wegmoderieren lassen: Verlustrisiken in der Altersvorsorge, schrumpfende Apothekenlandschaften, ein Markt, der sich über Plattformen beschleunigt. Jede Meldung für sich wäre erklärbar. Zusammen wirken sie wie ein Hinweis, dass Sicherheit nicht aus Formeln entsteht, sondern aus nachvollziehbaren Prüfwegen, belastbaren Regeln und einer Vollzugslogik, die im Alltag funktioniert. Genau an diesen Nähten wird sichtbar, wie schnell Reibung in Apotheken landet.
Dies ist kein Schluss, das Bild bleibt. Prozentwerte können beruhigen, aber Millionenbeträge und reale Schließungen setzen den Ton im Alltag. Wenn Honoraranpassung politisch angekündigt, im Entwurfsstand aber nicht verankert wird, entsteht ein Vakuum, das Betriebe nicht mit Mehrarbeit füllen können. Wenn Medizinalcannabis über Präsenzkontakt und Beratung gebremst werden soll, entscheidet die Feinmechanik darüber, ob Missbrauchskanäle schließen, ohne Patientinnen und Patienten in neue Hürden zu drücken. Und wenn eine Versorgungseinrichtung nachträglich erklären muss, warum Partner- und Kontrolllogik versagt haben könnte, wird aus Kapitalmarkt ein Governance-Thema, das Vertrauen kostet, bevor es Geld kostet.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute verdichten sich Altersvorsorge-Risiko, Honorarstatik und Cannabis-Vollzug zu einem Test für Betriebssicherheit in Apotheken.
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