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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Dienstag, 13. Januar 2026, um 18:39 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
16.601 Apotheken zum Jahresende 2025, 440 weniger als ein Jahr zuvor, sind mehr als eine Bestandsaufnahme: Die Zahl markiert, wie schnell eine Versorgungsstruktur ohne automatische Korrekturmechanik ausdünnt, während Kostenachsen weiterlaufen. Hinter den 502 Schließungen und 62 Neueröffnungen steht nicht nur Unternehmensschicksal, sondern die Frage, wie viel Redundanz ein System noch besitzt, bevor Erreichbarkeit, Notdienst und Botendienst zur Engpassverwaltung werden. Dass seit 2013 – nach der letzten Fixhonorar-Anpassung – rechnerisch jede fünfte Apotheke verschwunden ist, macht aus dem Trend eine Statikfrage: Wer trägt den Preis dafür, wenn Präsenzversorgung weniger wird, obwohl die Erwartung an Verlässlichkeit steigt.
In dieser Gemengelage greifen die Signale ineinander, weil sie denselben Engpass berühren: Verlässlichkeit unter knapper werdenden Ressourcen. Sinkende Apothekenzahlen verlängern Wege und reduzieren Ausfallpuffer, und ohne tragfähige Zuständigkeits- und Finanzierungslogik wird jede Störung schneller zum Versorgungsproblem. Nicht alles wird größer, aber vieles wird verbindlicher zugleich – Recht, Logistik, Personal und Vertrauen wirken hier nicht getrennt, sondern kumulativ.
Wer über Apothekenschließungen schreibt, kann sich an der Zahl festhalten und „historischer Tiefstand“ sagen. Das ist richtig, aber es bleibt bequem. Die relevante Frage ist nicht, ob 16.601 wenig sind, sondern was diese Dichte im Alltag bedeutet, wenn man sie in Zeitenachsen übersetzt: Notdienstkreise werden größer, Vertretungen werden seltener, Filialverbünde tragen mehr Last, und Ausfälle wirken schneller durch. Die Meldung verweist selbst auf Wetterlagen „wie in diesen Tagen“ und auf die Einschränkung, dass Botendienste den persönlichen Besuch nur teilweise ersetzen. Genau dort liegt der Kern: Botendienst ist eine Kompensation, aber keine echte Redundanz. Redundanz heißt, dass das System Störungen schluckt, ohne dass die Versorgungsqualität sichtbar kippt. Wenn der Weg zur nächsten Apotheke länger wird, kippt Qualität nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten: die spontane Rückfrage fällt aus, die zweite Anfahrt wird vermieden, das „ich komme gleich nochmal“ passiert nicht mehr. Das sind keine rhetorischen Bilder, sondern Verhaltenslogik unter Zeitdruck.
Die zweite Ebene ist die Mechanik, die den Trend antreibt. Die Meldung benennt sie an zwei harten Punkten: 2013 als letzte Fixhonorar-Anpassung und eine Kostensteigerung von 65 Prozent seitdem. Das ist die Schere, die sich in jedem Monat weiter öffnet, weil sie nicht auf eine Krise reagiert, sondern auf Normalbetrieb: Tarif- und Lohnentwicklungen, Mieten, Energie, IT, Dokumentationspflichten, Lieferengpässe als Prozesslast. Wer an dieser Stelle „mehr Geld“ ruft, bleibt im Reflex. Die präzise Formulierung wäre: Ohne eine Korrekturlogik, die Kosten- und Aufgabenrealität regelmäßig in die Vergütung übersetzt, wird jede Verhandlung zu einer politischen Ausnahmeentscheidung. Ausnahmeentscheidungen sind langsam, und Langsamkeit ist in diesem Kontext eine aktive Ursache. Denn der Markt wartet nicht auf Haushaltsberatungen; er sortiert nach Tragfähigkeit. Dass 2025 wieder rund 500 Betriebe verschwunden sind, ist in dieser Logik kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis eines Systems, das Anpassung nicht automatisch zulässt.
Damit kommt die unangenehme Frage, die du in deinem Kommentar triffst: Warum wird über Ursachen so oft nur gesprochen, statt sie durchzusetzen? Ein Verband kann Zahlen liefern, warnen, mahnen. Durchsetzen kann er nur, wenn er den politischen Preis des Nicht-Handelns sauber beziffert und verhandelbar macht. Das ist der Punkt, an dem viele Debatten weich werden: „Daseinsvorsorge“ klingt groß, bleibt aber ohne Messlinie. Eine Messlinie wäre nicht nur „Apothekenzahl“, sondern Erreichbarkeit, Zeit bis zur Versorgung, Notdienstabdeckung, Botendienstkapazität, und – entscheidend – der Moment, an dem regionale Lücken zu Folgekosten führen. Folgekosten sind die Sprache, die in Regierungslogik tatsächlich wirkt, weil sie Haushaltsrealität berührt: zusätzliche Arztkontakte, mehr Klinikeinweisungen bei eskalierenden Verläufen, mehr Pflegeaufwand, mehr Arzneimittelprobleme, die nicht früh abgefangen werden. Wenn diese Kette nicht in Zahlen und Szenarien mit klaren Schwellenwerten übersetzt wird, bleibt der Konflikt moralisch, nicht administrativ. Moral verliert im Alltag der Ressorts oft gegen Verfahren.
Die Meldung enthält dafür einen Ansatzpunkt, der politisch brisant ist: das Koalitionsversprechen aus dem Mai 2025, ein Fixhonorar von 9,50 Euro festzuschreiben. Ein Versprechen ist im politischen Betrieb nur so stark wie seine Anbindung an Gesetzgebung, Zeitplan und Gegenfinanzierung. Hier wird sichtbar, warum die Diskussion so oft im Kreis läuft. Wenn die Erhöhung „im laufenden Vorhaben“ ausgeklammert wird, heißt das nicht nur „nicht umgesetzt“, sondern: Der Reformprozess trennt Strukturänderungen von der zentralen Tragfähigkeitsfrage. Das ist eine typische Verhandlungstaktik, die man nüchtern beschreiben kann: Man bewegt an Randthemen, weil sie leichter konsensfähig sind, und verschiebt die harte Verteilungsfrage auf später. Später ist in einer Ausdünnungsdynamik kein neutraler Zeitpunkt, sondern ein Verstärker. Jede Verzögerung wirkt wie ein zusätzlicher Abschlag, weil Betriebe in der Zwischenzeit schließen und die Rückkehrkosten steigen. Eine geschlossene Apotheke ist nicht „pausiert“, sie ist weg – mit Personal, Standort, Vertrauen. Das Wort „unwiederbringlich“, das in der Meldung selbst fällt, ist deshalb nicht Pathos, sondern korrekt.
Warum kann ein Verband das nicht „einfach“ durchsetzen? Weil Durchsetzung in Deutschland nicht am besseren Argument hängt, sondern an der Fähigkeit, ein Problem als Staatsaufgabe mit klarer Haftungslinie zu definieren. Solange Apothekenpolitik als „Berufsstandsthema“ gerahmt wird, steht sie im Schatten anderer Prioritäten. Erst wenn sie als Versorgungssicherheitsfrage gerahmt ist, wird sie ressortfähig: Innen (Resilienz), Wirtschaft (Standorte), Gesundheit (Versorgungsqualität), Finanzen (Folgekosten). Genau hier liegt die Professionalitätslücke, die du ansprichst: Nicht die Lautstärke fehlt, sondern die Übersetzung in eine Verhandlungsarchitektur, die nicht moralisch bittet, sondern administrativ zwingt. Dazu gehören Zielwerte, Fristen, Triggerpunkte. Ohne Triggerpunkt bleibt jede Warnung eine Erzählung, die man zur Kenntnis nimmt, bis die nächste Krise kommt.
Das führt zur dritten Ebene: Welche Ziele wären überhaupt „Targets“, ohne in technokratische Planspiele zu kippen? Man muss es nicht perfekt machen, man muss es belastbar machen. Ein Beispiel ist die Trennung zwischen Bundeszahl und regionaler Realität. 16.601 ist ein Durchschnitt über sehr unterschiedliche Räume. Die Versorgung kippt aber nicht im Durchschnitt, sondern in konkreten Landkreisen, in Stadtteilen, in Regionen mit dünner Ärztestruktur. Wer politisch Wirkung erzeugen will, braucht ein Raster, das Erreichbarkeit abbildet: wie viele Minuten bis zur nächsten Apotheke, wie viele Notdienste pro Kreis, wie viele Botendiensttouren real leistbar sind, wie häufig Versorgungsleistungen wegen Personal fehlen. Dann kann man Schwellen definieren, bei denen automatisch gegengesteuert wird – nicht aus Gnade, sondern aus Regel. Das wäre der entscheidende Schritt weg vom „Jammern“ hin zur Steuerung: Wenn der Versorgungsgrad unter eine definierte Linie fällt, greift ein Mechanismus. Alles andere bleibt Appell.
Und genau da liegt der Punkt, an dem die Honorarfrage ihre politische Sprengkraft bekommt. Ein Fixhonorar, das seit 2013 praktisch nicht angepasst wurde, zwingt Apotheken in eine permanente Quersubventionierung über Effizienz und Zusatzgeschäft. Effizienz ist endlich, Zusatzgeschäft ist abhängig von Wettbewerb und Nachfrage, und beides ist volatil. In einem solchen Rahmen wird jeder neue Auftrag – neue Dokumentation, neue IT-Anforderung, neue Lieferengpassarbeit – zur unbezahlten Pflicht. Das ist die verdeckte Ursache vieler Schließungen: nicht ein dramatischer Moment, sondern das langsame Aufzehren von Unternehmerzeit. Unternehmerzeit ist im System nicht abgebildet, aber sie ist der Engpass, den man am Ende sieht, wenn die Nachfolge scheitert. Wer eine Übergabe plant, rechnet nicht nur Euro, sondern Risiko, Arbeitsdichte, politische Unberechenbarkeit. Wenn das Gefühl entsteht, dass Regeln wachsen, aber Vergütung nicht folgt, sinkt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Das ist keine Sentimentalität, sondern Rationalität.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Man kann das Apothekensterben als Endpunkt einer Reihe von Betriebsentscheidungen erzählen. Oder man erzählt es als Steuerungsproblem, das sich messen und verhandeln lässt. Der Unterschied entscheidet darüber, ob die Debatte im Symbolischen bleibt oder in Verfahren übersetzt wird. Zahlen sind dann nicht mehr Klage, sondern Trigger, die eine definierte Reaktion auslösen.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn die politische Logik die Anpassung der Versorgungsstruktur stets vertagt, wird die Anpassung durch Schließungen erledigt, und sie ist dann nicht mehr steuerbar. Ein Koalitionsversprechen ohne Frist und Mechanismus verliert gegen den Alltag aus Kosten, Personalengpässen und Prozesslast. Wer den Wendepunkt will, muss die Frage verschieben: weg von der moralischen Empörung über jede einzelne Schließung, hin zu einer Regel, die das Kippen der Erreichbarkeit verhindert, bevor es als Krise sichtbar wird.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Einordnung folgt der Frage, ob Risiken im System gehalten werden oder als Problemfalllast in die Versorgungspraxis kippen. In dieser Lage entscheidet sich Glaubwürdigkeit daran, ob Warnzahlen in verhandelbare Kipplinien und verbindliche Nachsteuerung übersetzt werden.
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