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  • 12.01.2026 – Versorgungswerke wanken, Rezeptfälschungen steigen, Apothekenverkauf wird Ertragsprüfung
    12.01.2026 – Versorgungswerke wanken, Rezeptfälschungen steigen, Apothekenverkauf wird Ertragsprüfung
    APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute | Wenn Versorgungswerke unter Druck geraten, Fälschungen den Alltag testen und Übergaben am Ertragsversprechen hängen, braucht...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Versorgungswerke wanken, Rezeptfälschungen steigen, Apothekenverkauf wird Ertragsprüfung

 

Ausgabe Nr. 145 | Der Systemblick von heute zeigt, wie Sicherheit zur Preisfrage wird

Stand: Montag, 12. Januar 2026, um 18:31 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Versorgungswerke, Rezeptfälschungen, Apothekenübergaben

Sicherheit ist ein Wort, das in der Branche ständig fällt, aber selten zu Ende gedacht wird. Es wirkt beruhigend, solange es als Etikett funktioniert: Versorgung ist gesichert, Rente ist solide, Rezepte sind prüfbar, Übergaben sind machbar. Sobald jedoch an mehreren Stellen gleichzeitig sichtbar wird, wie dünn diese Etiketten geworden sind, kippt Sicherheit vom Versprechen zur Verhandlung. Dann geht es nicht mehr um Moral, sondern um Zuständigkeiten, Haftungswege und die Frage, wer am Ende den Verlust trägt.

 

Bei den Versorgungswerken zeigt sich das Problem in seiner reinsten Form: Eine Institution, die konservative Stabilität ausstrahlen soll, wird plötzlich über Projekte und Partner definiert, die nicht nach Stabilität aussehen. Das Reputationsrisiko ist dabei kein Nebenschaden, sondern Teil der Renditegeschichte, weil Vertrauen die eigentliche Währung der Altersvorsorge ist. Wenn Vertrauen beschädigt wird, entsteht keine abstrakte Empörung, sondern eine sehr konkrete Unsicherheit: Wer zahlt den Fehler, wer erklärt ihn, und welche Lehre wird wirklich gezogen, wenn die nächste Renditeverlockung wieder auf dem Tisch liegt.

Parallel dazu laufen die Rezeptfälschungen wie ein Test, ob das System Schutz wirklich ernst meint oder nur Erwartung formuliert. Die Fälle werden professioneller, die Muster wiederholen sich, und der Alltag in der Offizin bleibt der Ort, an dem die Entscheidung fällt: Belieferung oder Stopp, Konflikt oder Abbruch, Zeitverlust oder Risiko. Die ökonomische Pointe ist bitter, weil sie so leise daherkommt: Wenn die Fälschung durchrutscht, wird aus einem kriminalistischen Ereignis ein betrieblicher Schaden, der Liquidität frisst und Personal bindet. Das ist die Stelle, an der Checklisten zwar helfen, aber die eigentliche Frage nicht beantworten: Wie wird aus individueller Wachsamkeit ein verlässlicher Schutz, der nicht nur auf den Schultern einzelner Teams ruht.

Und dann ist da die Übergabe, die in vielen Köpfen noch immer als Abschlussritual der Selbstständigkeit wohnt. In Wahrheit wirkt sie zunehmend wie eine zweite Bilanzprüfung, nur unter verschärften Bedingungen: Käufer und Finanzierungspartner suchen kein Lebenswerk, sondern ein Ertragsversprechen, das auch morgen noch glaubwürdig ist. Wer zu spät merkt, dass Marktgängigkeit nicht aus Tradition entsteht, sondern aus belastbaren Zahlen, erlebt die Übergabe nicht als Gestaltung, sondern als Engpass. Das trifft nicht nur einzelne Inhaber, sondern die gesamte Versorgungslogik, weil jede nicht gelingende Übergabe in der Fläche eine Lücke hinterlässt, die später politisch als Strukturproblem beschrieben wird.

Der naheliegende Einwand lautet: Risiko gehört dazu, absolute Sicherheit gibt es nicht. Das stimmt, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn das Problem ist nicht das unvermeidbare Restrisiko, sondern die wiederkehrende Verschiebung vermeidbarer Risiken in die letzte Reihe, dorthin, wo sie am wenigsten abgefedert sind. Altersvorsorge wird zu einem Thema für Betroffene, Fälschungsabwehr zu einem Thema für einzelne Betriebe, Übergabefähigkeit zu einem Thema für den, der gerade verkaufen muss. So entsteht ein System, das nach außen Stabilität behauptet und nach innen die Kosten dezentralisiert.

Wenn drei Felder gleichzeitig knirschen, ist das kein Zufall, sondern ein Signal: Sicherheit wird nicht mehr automatisch geglaubt, sie muss sichtbar organisiert werden. Transparenz, echte Aufarbeitung und klare Konsequenzen dort, wo Kapital verwaltet wird. Verlässliche, rechtssichere Zusammenarbeit dort, wo Kriminalität in den Alltag drückt. Und ein realistischer Blick auf wirtschaftliche Tragfähigkeit dort, wo ein Betrieb den Staffelstab weitergeben soll. Ohne diese Ordnung bleibt das große Wort Sicherheit ein Sound, der beruhigt, bis er plötzlich teuer wird.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die Lage wirkt plötzlich wie ein gemeinsamer Raum, in dem drei Türen gleichzeitig klemmen. Hinter der ersten steht Altersvorsorge als Versprechen und riecht nach Akten, Gremien und dem Wort konservativ, das man so gern benutzt, bis es einmal weh tut. Hinter der zweiten steht die Offizin, dieser helle Alltag, in dem ein sauber wirkendes Rezept in Sekunden zu einer Entscheidung wird, die nachher niemand mehr als „Sekunde“ gelten lässt. Hinter der dritten steht der Verkauf, der früher wie ein würdiger Schlussakt erzählt wurde und heute oft wie eine Prüfung wirkt, die der Markt mit kalter Hand abnimmt. Wer durch eine dieser Türen geht, merkt: Sicherheit ist nicht verschwunden, sie ist nur vom Zustand zur Leistung geworden.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Der Systemblick von heute zeigt, dass Sicherheit nicht mehr einfach behauptet werden kann, weil sie an Schnittstellen entsteht, an denen Verantwortung gern wandert. Wenn Kapitalverwaltung, Kriminalitätsdruck und Übergabefähigkeit gleichzeitig Reibung erzeugen, ist das kein Zufall, sondern ein Hinweis auf ein Prinzip: Risiken werden dort gefährlich, wo sie zu spät sichtbar werden und zu früh auf einzelne Schultern fallen. Der Preis ist dann nicht nur Geld, sondern Vertrauen, Zeit und Handlungsfähigkeit. Wer Sicherheit ernst meint, muss sie so organisieren, dass sie im Alltag standhält, im Rückblick erklärbar bleibt und im Markt nicht zur Illusion wird.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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