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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Sonntag, 11. Januar 2026, um 18:12 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Man kann „State of the Art“ sagen und trotzdem an einer fehlenden Schichtplanung scheitern. Genau deshalb ist die Videobotschaft der neuen ABDA-Hauptgeschäftsführerin Franziska Erdle mehr als ein freundlicher Start: Sie setzt eine Messlatte, die im Alltag hart zurückschwingt. Erdle beschreibt die ABDA als künftig zukunftsgerichtet, leistungsstark und wirksam, kündigt klare Strukturen und effiziente Prozesse an und verknüpft das mit der Zusage, die Herausforderungen des Berufsstands zu teilen. Gleichzeitig benennt sie die bekannten Druckpunkte – eingefrorenes Honorar, Lieferengpässe, Personalmangel, Bürokratie – als „crunch time“ und verbindet Aufbruch mit dem politischen Satz, die versprochene wirtschaftliche Stärkung dürfe im Gesetzgebungsverfahren nicht verschwinden. Für Apotheken liegt der Kern nicht im Sound, sondern in der Übersetzung: Ob aus Modernisierung eine tragfähige Vergütungs- und Vollzugslogik wird, ob Zuständigkeiten nicht verwässern, und ob Reformelemente im Betrieb nicht als zusätzliche Reibung auftauchen. Der neue Ton kann Vertrauen erzeugen, aber er kann es auch schneller verlieren, wenn er Erwartungen weckt, ohne die Statik zu schließen, die den Alltag tatsächlich trägt.
Franziska Erdle setzt in ihrer Videobotschaft auf ein Vokabular, das nach Aufräumen klingt: planvoll, proaktiv, professionell, klare Strukturen, effiziente Prozesse. Das ist eine Sprache, die man aus Wirtschaftsverbänden kennt, und sie ist in Verbänden nicht zufällig beliebt: Sie erzeugt ein Bild von Steuerbarkeit, bevor irgendein Konflikt gelöst ist. Wer den Berufsstand in Bewegung bringen will, beginnt oft mit einem Versprechen von Ordnung.
Genau dort liegt die erste Bruchstelle. Denn die ABDA ist kein Unternehmen, das Prozesse „einführt“, bis sie funktionieren. Sie ist ein Verband, dessen Wirksamkeit aus dem Zusammenspiel vieler Akteure entsteht, die längst in Überlast laufen: Inhaber, Teams, Kammern, Verbände, Vertragspartner, Politik. Der Satz „Ihre Herausforderungen sind auch meine“ klingt empathisch, aber er wird erst belastbar, wenn klar wird, welche Konflikte als Priorität gelten – und welche rote Linie gezogen wird, wenn Reformen im Gesetzgebungsverfahren wieder dort enden, wo sie seit Jahren enden: bei Zusatzaufgaben ohne tragfähige Statik.
Erdle nennt „crunch time“ und zählt die bekannten Druckpunkte auf: eingefrorenes Honorar, Lieferengpässe, Personalmangel, Bürokratie. Diese Aufzählung wirkt zunächst wie Routine, weil sie in der Branche seit Jahren wiederkehrt. Neu ist weniger der Inhalt als die Positionierung: Der Ton will nicht mehr nur mahnen, sondern führen. Daraus folgt eine Erwartungshaltung, die im Berufsstand schnell kippen kann – nicht aus Ungeduld, sondern weil die Lage kein Geduldsthema ist. Wer heute eine Apotheke führt, verhandelt nicht über Image, sondern über Dienstpläne, Öffnungszeiten, Bonität, Retaxrisiken und die Frage, wie viel zusätzliche Dokumentation überhaupt noch in den Tag passt.
Wenn ein Verband „state of the art“ werden will, muss er deshalb zuerst definieren, woran Wirksamkeit gemessen wird. Nicht an modernen Formulierungen, nicht an der Taktzahl von Stellungnahmen, sondern daran, ob drei Hebel gleichzeitig greifen: Vergütung als Fundament, Zuständigkeit als klare Kette, Vollzug als praxisfeste Mechanik. Jeder dieser Hebel ist für sich schon schwierig, zusammen sind sie die eigentliche Bewährungsprobe.
Beim Fundament ist die Lage brutal einfach. Solange die wirtschaftliche Stabilisierung nicht als harte Größe im Verfahren abgesichert ist, bleibt jede Modernisierung eine riskante Wette: Neue Kompetenzen und neue Dienstleistungen können politisch attraktiv wirken, sie können auch fachlich sinnvoll sein – aber sie kosten Zeit, Personal und Organisation. Ohne Planbarkeit wird daraus kein Fortschritt, sondern ein weiterer Test auf der Fläche, den am Ende Betriebe bezahlen. Das erzeugt nicht nur Frust, sondern eine leise Abwanderungslogik: weniger Investitionen, weniger Nachfolge, weniger Bereitschaft, Verantwortung noch breiter zu schultern.
Bei der Zuständigkeitskette geht es um mehr als Binnenpolitik. Sobald Rollen in der Apotheke „probeweise“ verschoben werden, entstehen Grauzonen, die im Konfliktfall wie ein Rückstoß wirken: Wer haftet, wer entscheidet, wer trägt die Folgen, wenn etwas schiefgeht? In der Versorgung zählt am Ende nicht, ob ein Modell gut gemeint war, sondern ob die Verantwortungslinie im Alltag eindeutig bleibt – für Team, Patienten und auch für Aufsicht und Vertragspartner.
Und beim Vollzug entscheidet sich, ob Reformen die Betriebe entlasten oder nur anders belasten. Wer in Gesetzentwürfen auf Öffnung, Erprobung und neue Schnittstellen setzt, muss zugleich klären, wie Streitfälle, Sanktionen und Nachweislasten laufen. Sonst wird jede neue Regel in der Praxis zur Reibungsfläche: mit Ärzten, mit Kassen, mit Patienten, mit Aufsicht – und die Apotheke ist der Ort, an dem diese Reibung in Zeitverlust und Personalstress übersetzt wird.
Aus dieser Perspektive ist die Videoansage nicht „zu groß“, sie ist riskant präzise. Sie hebt die Messlatte selbst. Wer „Benchmark für andere“ ankündigt, bekommt sofort die Gegenfrage: Woran genau soll sich die ABDA messen lassen, wenn die zentralen Hebel im Verfahren nicht geschlossen werden – und wenn die Mitglieder am Ende das Gefühl haben, sie hätten wieder nur eine professionellere Sprache für denselben Engpass bekommen?
Der entscheidende Punkt ist nicht, ob der Ton moderner wird. Entscheidend ist, ob die ABDA den Mut hat, aus der Modernität eine harte Prioritätenliste zu machen – und zwar so, dass sie auf der Fläche als Entlastung und Schutz ankommt. Wenn das gelingt, wird aus Aufbruch mehr als ein Sound. Wenn es nicht gelingt, wirkt jeder neue Satz wie ein Versprechen, das an der Statik scheitert.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Ein Verband kann sich in drei Minuten neu erfinden – und in drei Monaten an derselben Statik scheitern. Genau deshalb wirkt der neue Ton aus dem ABDA-Hauptamt zugleich wie Aufbruch und wie Risiko: Er verspricht Steuerbarkeit, bevor die Engpässe verschwinden. Für Apotheken zählt am Ende nicht, wie modern eine Botschaft klingt, sondern ob sie in Vergütung, Zuständigkeit und Vollzug so übersetzt wird, dass der Alltag nicht wieder die Rechnung schreibt.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Der Satz „planvoll, proaktiv, professionell“ klingt wie die Versicherung, dass Ordnung möglich ist, aber Ordnung entsteht erst, wenn die Mechanik dahinter passt. Ohne tragfähige Vergütung bleibt jedes Programm ein Stresstest, weil zusätzliche Aufgaben nicht in Texte, sondern in Arbeitszeit übersetzt werden. Ohne klare Zuständigkeitskette wird jede Erprobung zur Grauzone, die im Konfliktfall nach Haftung, Aufsicht und Verantwortung fragt. Und ohne vollzugstaugliche Regeln wird Modernisierung zur Verlagerung: Streit, Nachweise und Sanktionen landen dort, wo ohnehin Engpass ist. Genau hier entscheidet sich, ob die neue ABDA-Spitze mehr liefert als ein neues Vokabular – nämlich eine Statik, die Apotheken nicht nur anspricht, sondern trägt.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Maßstab bleibt, ob Verbandsführung im engen Zeitfenster Vergütung, Haftung und Zuständigkeit zugleich stabilisieren kann.
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