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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Sonntag, 11. Januar 2026, um 14:15 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Wenn ein Anwalt Apotheken als Auslaufmodell zeichnet, wird daraus schnell ein Kulturkampftext – und die eigentliche Frage rutscht aus dem Blick: Wer trägt Verantwortung, wenn neue Angebote Versorgung spielen, aber Haftung und Zuständigkeit ausdünnen.
Der Ton ist das eigentliche Ereignis. Ein Rechtsanwalt, Mitgründer eines Verbands für Internetmedizin, spricht in einem Interview über Apotheken, als wären sie ein Reflexapparat, der Innovation grundsätzlich abwehrt, und er setzt das Bild von „Dinosauriern“ gegen den Kometen der Digitalisierung. Das ist nicht nur zugespitzt, es ist ein Framing: Wer so beginnt, legt fest, dass Widerspruch nicht als fachliche Einordnung gilt, sondern als Angstreaktion. Die Debatte wird damit nicht eröffnet, sondern vorentschieden. Im Rohmaterial schwingt mit, dass diese Zuspitzung womöglich provozieren soll; zugleich wird sie als ernsthaft vorgetragen beschrieben. Genau dieser Zwischenraum – Satire oder Überzeugung – ist im Ergebnis irrelevant, weil die Wirkung dieselbe ist: Apotheken erscheinen als Besitzstand, der die Zukunft blockiert.
Inhaltlich greift das Interview zu einer Standardfigur, die sich gut verbreitet, weil sie in zwei Sätzen Welt erklärt: Ärzte und Apotheker fühlten sich „im Bestand angegriffen“, lehnten Innovation „aus Reflex“ ab, und „das Gros“ der Apothekerschaft schütze sich wie eine „Oligarchie“, die Pfründe verteidige, selbst wenn Patienten dadurch schadeten. Das ist die Art von Satz, die sich als Screenshot eignet, aber nicht die Art von Satz, die Versorgung abbildet. Wer so pauschalisiert, muss nicht mehr unterscheiden zwischen berechtigter Kritik an einzelnen Angeboten, berechtigter Sorge um Haftungswege, berechtigter Nachfrage nach Evidenz und bloßer Abwehr. Alles wird in einen Topf gegossen und danach moralisch etikettiert.
Der zweite, entscheidende Punkt steht im Rohmaterial als fast beiläufiger, aber tragender Kontext: Der Anwalt vertritt als Jurist ein Start-up, das bei einem Drogeriemarkt Augenscreenings anbietet. Damit bekommt seine Empörung über Kritik an genau solchen Screening-Angeboten ein anderes Gewicht. Nicht, weil Interessenvertretung per se illegitim wäre, sondern weil die rhetorische Schärfe in dem Moment wie ein Instrument wirkt: Wer Kritiker als reflexhafte Oligarchie beschreibt, spart sich die Arbeit, die Kritikpunkte einzeln zu beantworten. Und die Kritikpunkte liegen bei Angeboten wie Versand, Screening und Blutanalysen selten in der Frage, ob „Digitales“ erlaubt sein soll, sondern in der Frage, wie Verantwortung, Qualitätssicherung, Datenschutz, Einwilligung, Befundkommunikation, Nachsteuerung und Schnittstellen organisiert werden.
Hier zeigt sich ein Missverständnis, das im Interview als Gewissheit verkauft wird: Apotheken würden Digitalisierung nicht wahrnehmen, während sie in der Realität längst in einem Dauerbetrieb aus technischen, rechtlichen und organisatorischen Umstellungen stehen. Digitalisierung in Apotheken ist nicht nur App, nicht nur Chat, nicht nur Online-Shop, sondern Pflichtsysteme, Dokumentation, Rezeptdaten, Warenwirtschaft, Interaktionsprüfung, Verfügbarkeitsmanagement, Rückrufe, Betäubungsmittel- und Kühlkettenlogik, Datenschutz und ein Versorgungsalltag, in dem jede Schnittstelle Zeit kostet. Wer behauptet, dort sei Stillstand, urteilt aus der Ferne oder verwechselt Sichtbarkeit mit Realität. Das Rohmaterial stellt die zugespitzte Frage, ob der Interviewpartner jemals in einer heutigen Apotheke war und die dortige Digitalisierung wahrgenommen hat. Diese Frage ist nicht beleidigend, sie ist eine Plausibilitätsprüfung.
Besonders schief wird es dort, wo das Interview die Rollen von Heilberufen und ihre Zuständigkeiten verwischt. Der Anwalt hält die These bereit, eine ausgereifte künstliche Intelligenz könne eine vollständige Anamnese durchführen und Diagnosen erstellen. Das wird im Rohmaterial als Kernbehauptung markiert. Diese Behauptung mag als Zukunftserzählung funktionieren, sie ist aber im Alltag eine Haftungs- und Zuständigkeitsfrage. Wer diagnostiziert, übernimmt Verantwortung; wer Anamnese erhebt, trägt die Pflicht zur richtigen Einordnung; wer Therapiepfade beeinflusst, muss Fehlerfolgen tragen. In dieser Kette sind Apotheken nicht „Diagnosestellen“, und genau das wird im Rohmaterial ausdrücklich als Wissenslücke benannt: Apotheker dürfen keine Diagnosen stellen. Das ist nicht Haarspalterei, sondern das Fundament der Arbeitsteilung im System. Wenn eine Debatte das ignoriert, wird sie laut – und zugleich unpräzise.
Die rhetorische Pointe des Interviewpartners, Ärzte und Apotheker halluzinierten „auch mitunter“, wenn man einwendet, dass Systeme halluzinieren könnten, ist als Schlagabtausch clever, aber als Argument problematisch. Ein menschlicher Fehler ist kein Freibrief für technische Fehler, sondern der Anlass, Sicherheitsarchitekturen zu bauen: Vier-Augen-Prinzipien, Dokumentationspflichten, Standards, Prüfpfade, Haftungsrahmen. Ausgerechnet die Berufe, die der Anwalt als reflexhaft abwehrend beschreibt, leben im Alltag genau diese Sicherheitsarchitekturen. Sie sind nicht „gegen Innovation“, sie sind gegen Innovation ohne Zuständigkeit. Wer das als Oligarchie framet, greift nicht die Praxis an, sondern die Idee, dass Verantwortung nicht optional ist.
Das Interview arbeitet außerdem mit einem Bild von Zukunft, das sich wie eine Befreiung anhört und doch eine Verschiebung bedeutet. Der Anwalt sagt sinngemäß, die Zukunft der Versorgung mit pharmazeutischen Mitteln werde nicht die „klassische Apotheke“ sein; die künstliche Intelligenz werde einen großen Teil der Beratung übernehmen; Apotheken sollten Leistungen Drogeriemärkten anbieten oder sich ins Online-Geschäft integrieren. Das ist, in seiner Logik, ein Vorschlag zur Anpassung. Im Rohmaterial wird diese Linie bis zur Pointe geführt: Beratung „von Mallorca aus“. Hier kippt der Text in einen Moment, der als Satire gelesen werden kann, weil er den Kern entblößt: Beratung wird als ortloser Service verstanden, entkoppelt von der physischen Versorgung, entkoppelt von Verantwortungsräumen, entkoppelt vom Betrieb, der am Ende die Risiken trägt.
Der eigentliche Konflikt ist damit nicht „digital“ gegen „analog“, sondern Vollzug gegen Erzählung. Ein Drogeriemarkt kann Angebote skalieren, weil er Frequenz und Fläche hat. Ein Start-up kann Angebote pushen, weil es ein Produkt hat. Ein Interview kann Stimmung drehen, weil es Bilder liefert. Aber Versorgung ist die Arbeit im Nachlauf: Was passiert, wenn ein Screening einen Hinweis liefert, der erklärt werden muss. Was passiert, wenn ein Blutwert falsch interpretiert wird. Was passiert, wenn Datenschutzfragen auftauchen, wenn Einwilligungen lückenhaft sind, wenn Schnittstellen nicht greifen. Was passiert, wenn Kunden mit Unsicherheit, Angst, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Mehrfachmedikation kommen, und wenn die Antwort nicht im Marketingtext steht. Apotheken sind nicht deshalb relevant, weil sie „klassisch“ sind, sondern weil sie diese Nachläufe seit Jahrzehnten als Alltag tragen. Wer das ausblendet, kann leicht behaupten, die Zukunft liege woanders.
Dass Kritik aus Ärzte- und Apothekerschaft an Angeboten wie OTC-Versand, Screenings oder Blutanalysen existiert, ist im Rohmaterial der Ausgangspunkt. Diese Kritik kann sich auf sehr unterschiedliche Dinge richten: auf Evidenz, auf Indikationsgrenzen, auf Datenschutz, auf Abgrenzung zur Diagnostik, auf Marketing als Medizin, auf fehlende Einbettung in Versorgungsketten. Wer diese Kritik pauschal als Reflex abtut, macht aus einer fachlichen Debatte einen Charaktertest. Dann geht es nicht mehr um die Frage, ob ein Angebot sinnvoll ist, sondern um die Frage, ob man „modern genug“ ist. Genau das ist eine rhetorische Abkürzung, die im Gesundheitssystem regelmäßig Schaden erzeugt, weil sie Verantwortung in Stimmung auflöst.
Ein weiterer Effekt des Interviewtons ist, dass er die Binnenwirklichkeit der Apotheken ignoriert: In vielen Betrieben ist die Belastung nicht die Angst vor Neuem, sondern der Spagat zwischen Pflicht und Erwartung. Pflicht heißt: Rechtssicherheit, Dokumentation, Abgabevorschriften, Datenschutz, sichere Prozesse. Erwartung heißt: Verfügbarkeit, Schnelligkeit, Beratung, Empathie, Fehlerfreiheit. Wer dann von außen sagt, man könne Beratung künftig „integrieren“ oder „auslagern“, überspringt die Frage, wie die Arbeit bezahlt, abgesichert, qualitätsgesichert und haftungsrechtlich getragen wird. Es ist leicht, eine Versorgung zu entwerfen, wenn man nicht die Fehlerfolgen tragen muss.
Das Rohmaterial nennt das Ganze eine wohl unfreiwillige Satire. Diese Lesart ist verständlich, weil die Formulierungen „Dinosaurier“, „Oligarchie“ und „Mallorca-Beratung“ wie ein Set aus Provokationsbausteinen wirken. Doch selbst wenn es Provokation wäre, bleibt die Pflicht zur Einordnung bestehen: Provokation ist ein Mittel, aber sie ersetzt keine Präzision. Und Präzision wäre hier, die Unterschiede zwischen Digitalisierung in der Versorgung und Digitalisierung als Geschäftsmodell zu benennen. Digitalisierung kann Prozesse verbessern, Fehler reduzieren, Interaktionen besser sichtbar machen, Zugänge erleichtern. Digitalisierung kann aber auch Verantwortung verdünnen, wenn sie Schnittstellen verschiebt und Zuständigkeit unklar wird. Genau diese Unterscheidung fehlt in der interviewten Erzählung, zumindest so, wie das Rohmaterial sie wiedergibt.
Es lohnt, den Blick auf das zu richten, was das Interview indirekt offenlegt: ein Machtkampf um Deutungshoheit. Wer definiert, was Innovation ist. Wer definiert, was Patienten nützt. Wer definiert, ob Kritik berechtigt ist oder nur Angst. In diesem Machtkampf sind Apotheken ein dankbares Ziel, weil sie sichtbar sind, weil sie reguliert sind, weil sie keine Diagnosen stellen, aber in der Praxis oft die Folgen von Diagnosen auffangen müssen. Sie sind die Stelle, an der Menschen mit Zetteln, Apps, Befunden, Wünschen und Unsicherheiten landen. Wer diese Stelle abschreibt, muss erklären, wer die Folgen übernimmt. Wer das nicht erklärt, verkauft Zukunft, aber keine Versorgung.
Der Text im Rohmaterial ist emotional gefärbt, bis hin zur Tagebuch-Stimme. Diese Stimme ist in der Sache nicht entscheidend, aber sie zeigt etwas über den Frust, der in der Branche entsteht, wenn Kritik reflexhaft pathologisiert wird. Der Frust richtet sich weniger gegen Technologie als gegen die Unterstellung, man sei rückständig, während man faktisch in Systemumstellungen steckt. Er richtet sich gegen das Gefühl, dass Menschen, die nicht im Betrieb stehen, mit großen Bildern die Realität kleinreden. Und er richtet sich gegen den Eindruck, dass Interessenkonflikte in der Öffentlichkeit nicht sauber markiert werden, während man gleichzeitig moralisch auflädt.
Am Ende bleibt eine einfache Ordnung: Wer Apotheken kritisiert, darf das, und wer neue Angebote verteidigt, darf das auch. Aber wer beides zugleich tut – neue Angebote verteidigen und Apotheken pauschal als oligarchische Dinosaurier darstellen – muss sich an einem Maßstab messen lassen, der über Rhetorik hinausgeht. Der Maßstab heißt: Zuständigkeit, Haftung, Qualitätslogik, Nachlauf. Sobald dieser Maßstab fehlt, ist die Debatte laut, aber nicht hilfreich. Und sobald Interessenkonflikte nicht transparent mitgedacht werden, wird aus Debatte Werbung mit Feindbild.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Wenn Versorgung zum Erzählkampf wird, gewinnen die Bilder, nicht die Verantwortungswege. Wer Apotheken mit Dinosaurier-Vokabeln trifft, verschiebt Kritik in Charakterdiagnosen und macht aus Nachfragen nach Haftung ein Zeichen von Rückständigkeit. Genau dort liegt das Risiko: Nicht die Technik entscheidet über Nutzen, sondern die Ordnung der Zuständigkeit, die im Hintergrund still funktionieren muss.
Dies ist kein Schluss, sondern der Satz, an dem das Offene bleibt. Die provokante Zukunftserzählung wirkt leicht, weil sie Arbeit entgrenzt und Beratung als ortlosen Service verkauft, doch Versorgung ist kein Ort, sondern eine Kette, die an Übergaben bricht. Wenn die Kette bricht, bleibt das Problem nicht bei der Pointe, sondern landet bei denen, die im System die Folgen tragen. Der Streit um neue Angebote wäre produktiver, wenn er die Begriffe schärft: Innovation ist nicht, wer am lautesten Zukunft sagt, sondern wer Verantwortung so organisiert, dass Fehlerfolgen nicht unsichtbar werden.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Dieser Bericht ordnet den Streit um Drogerie-Angebote als Verantwortungs- und Zuständigkeitsfrage ein.
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