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  • 09.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Versorgungslücken, Datensicherheit, Arbeitsstatik unter Druck
    09.01.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Versorgungslücken, Datensicherheit, Arbeitsstatik unter Druck
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Standortschwund, Stromausfall-Resilienz, Zuzahlungsprozesse, Patentstreit und KI-Diagnostik zeigen gemeinsam, wie fragile Schnittstellen u...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Versorgungslücken, Datensicherheit, Arbeitsstatik unter Druck

 

Schließungen, Krankheitskultur, Patentstreit und Blackout zeigen, wie Versorgung, Datenpflichten und Alltagsmedizin gleichzeitig an der Betriebsstatik ziehen.

Stand: Freitag, 09. Januar 2026, um 11:36 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Die sinkenden Apothekenzahlen in mehreren Ländern wirken unspektakulär, sind aber eine klare Systembotschaft: Abgänge bleiben der Normalfall, Zugänge die Ausnahme, und damit verschwindet Puffer aus der Fläche, während in der Arbeitswelt Kranksein, Leistungsdruck und Selbststeuerung neu austariert werden müssen und Betriebe zugleich erwarten, dass Abläufe jederzeit funktionieren; hinzu kommt juristische und wirtschaftliche Schärfe von außen, weil Patentstreitigkeiten um Impfstofftechnologien lange Schatten werfen können und Zuzahlungsbefreiungen zum Jahreswechsel sofort Prozessarbeit, Nachweisfragen und Konfliktpotenzial erzeugen; und schließlich wird die Störanfälligkeit des Alltags greifbar, wenn Stromausfälle Kühlketten, Datenübertragung und Heimversorgung zur Improvisationsprüfung machen, parallel spezialisierte Sprachmodelle die Diagnostikdebatte beschleunigen, Leitlinienfragen bei Statinen neu justiert werden und selbst Wintermobilität wieder zusätzliche Beratungslast auslöst – kein Drama, sondern Verdichtung.

 

Schließungswelle bleibt, Neueröffnungen versiegen, Flächenstatik gerät unter Druck

Der Rückgang in Brandenburg, Bremen, dem Saarland und Schleswig-Holstein wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, und genau das macht ihn gefährlich. Kein einzelnes Ereignis, kein großes Beben – sondern ein Jahr, das wieder mit einem Minus endet, weil Abgänge zur Normalform werden und Zugänge die Ausnahme bleiben. Das ist kein „Zahlenthema“, sondern eine Statikfrage: Wenn der Ersatzkanal nicht zuverlässig nachliefert, wird jede weitere Schließung zur dauerhaften Lücke.

Brandenburg fällt auf 523 Betriebe, nachdem es Ende 2024 noch 529 waren. Dass der Rückgang geringer ausfällt als im Vorjahr, kann man als kurze Atempause lesen – oder als Warnung, wie niedrig die Schwelle inzwischen ist, ab der man Erleichterung empfindet. Zehn Schließungen stehen vier Neueröffnungen gegenüber. In dieser Relation steckt die Kernmechanik: Wer schließt, hinterlässt Versorgungslast, wer eröffnet, muss sie erst wieder aufbauen – Personal, Prozesse, Vertrauen, regionale Einbindung. Ein Betrieb ist kein austauschbarer Punkt auf der Karte.

Bremen landet bei 118 Apotheken. Die nackte Differenz ist klein, die Wirkung kann groß sein, weil sie in einem eng getakteten Umfeld auftritt: wenige Standorte tragen viel Frequenz, und jede Störung drückt sofort auf Wartezeiten, Erreichbarkeit und die interne Belastung der Teams. Wenn sechs Schließungen nur von einer Neueröffnung aufgefangen werden, ist das kein „normaler Strukturwandel“. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Markt nicht mehr automatisch repariert, was er verliert.

Das Saarland zeigt die brutalste Stelle dieser Entwicklung, ohne laut zu werden: 249 statt 255 – und im gesamten Jahr keine einzige Neueröffnung. Dieser Nullwert ist die eigentliche Nachricht. Denn er bedeutet, dass nicht nur Betriebe verschwinden, sondern dass der Weg zurück über Gründung oder Übernahme faktisch aussetzt. Wo keine Nachfolge entsteht, wird jede Schließung endgültig. Das ist die Stelle, an der man aufhören muss, über Prozentpunkte zu sprechen, und anfangen muss, über Zeitachsen zu reden: Wie lange kann ein System abnehmen, ohne irgendwann in Funktionsstörungen zu kippen?

Schleswig-Holstein sinkt auf 554 nach 564 im Vorjahr. Elf Schließungen stehen einer Neueröffnung gegenüber. Auch hier lässt sich sagen: Das Tempo hat sich gegenüber dem Vorjahr verlangsamt. Aber der entscheidende Satz ist ein anderer: Die Richtung ist stabil negativ. Solange das so bleibt, verlagert sich die Last still in die verbleibenden Betriebe – mehr Druck auf Personal, mehr Verdichtung im Tagesgeschäft, mehr Abhängigkeit von wenigen funktionierenden Schnittstellen, mehr Risiko bei Störungen. Ein Ausfall wirkt dann nicht lokal, sondern systemisch.

Die gemeinsame Linie dieser vier Länder ist damit klarer als jede Einzelfallgeschichte: Schließungen werden zur regelmäßigen Betriebsrealität, während Neueröffnungen nicht mehr als zuverlässiger Gegenpol funktionieren. Das ist eine Tragfähigkeitsfrage für den Alltag, nicht nur eine Statistik für Jahresrückblicke. Ein System, das sich dauerhaft ausdünnt, verliert nicht nur Standorte – es verliert Puffer. Und ohne Puffer wird jede Krise schneller zur Überlastung.

 

Krank trotz Arbeitsfähigkeit, Bettkantenentscheidung wirkt, Selbstfürsorge wird Debatte

Viele Beschäftigte gehen trotz gesundheitlicher Beschwerden zur Arbeit, andere melden sich jedoch auch mal krank, obwohl sie arbeitsfähig sind. Das geht aus einer laut eigenen Angaben repräsentativen Umfrage im Auftrag der Pronovia BKK hervor.

Demnach gehen etwa bei Rückenschmerzen 45 Prozent zur Arbeit, andere arbeiten so viel wie möglich von zu Hause aus oder kommen zurück, sobald die schlimmsten Symptome vorbei sind. 11 Prozent bleiben so lange zu Hause, bis sie wieder gesund sind.

Bei Allergien und psychosomatischen Beschwerden gibt es ähnliche Werte. Bei leichter Erkältung geht nach der Umfrage noch jeder Dritte zur Arbeit, bei Bronchitis oder grippalem Infekt sind es noch 15 Prozent.

Es folgte die Frage nach der „Bettkantenentscheidung“: „Sie sind arbeitsfähig, könnten sich aber krankmelden beziehungsweise krankschreiben lassen.“ 7 Prozent der Befragten gaben an, sich dann „häufig“ für die Krankmeldung zu entscheiden. 22 Prozent machen das „manchmal“, 31 Prozent „selten“, 36 Prozent „nie“. Je älter die Befragten, desto häufiger fällt nach der Umfrage die Bettkantenentscheidung auf den Gang zur Arbeit.

„Wenn die Krankmeldung dazu dient, bei psychischer Überlastung oder körperlichen Beschwerden rechtzeitig zu handeln und wieder gesund zu werden, dann ist sie ein Ausdruck wachsenden Gesundheitsbewusstseins und eine legitime sowie wertvolle Strategie der Selbstfürsorge“, sagte Pronova-BKK-Expertin Patrizia Thamm. Oft spielten jedoch persönliche Gründe eine Rolle. Die Pronova BKK ließ laut eigenen Angaben im Oktober bundesweit 1230 Beschäftigte ab 18 Jahren befragen.

 

Bayer klagt Patentrechte ein, mRNA-Streit eskaliert, Lizenzlogik rückt vor

Weil sie mit ihren mRNA-Vakzinen Patente verletzt haben sollen, hat der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern Bayer die Corona-Impfstoffhersteller Biontech, Pfizer und Moderna verklagt. Im Fokus steht eine ältere Technologie der Bayer-Tochter Monsanto.

Eine entsprechende Klage sei bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Delaware eingegangen, wie ein Bayer-Sprecher laut mehreren Medienberichten bestätigte. Bayer wirft den Unternehmen demnach vor, eine Technologie kopiert zu haben, die die Bayer-Tochter Monsanto bereits in den 1980er-Jahren zum Patent angemeldet hatte. Dabei soll es sich um ein Verfahren zur mRNA-Stabilisierung handeln, das Monsanto für die Entwicklung widerstandsfähiger Nutzpflanzen einsetzte.

Eben diese Methoden hätten die Impfstoffhersteller für ihre Corona-Vakzine übernommen, so der Vorwurf aus Leverkusen. Bayer hatte während der Pandemie erfolglos versucht, gemeinsam mit Curevac einen Covid-Impfstoff auf den Markt zu bringen; ein Tandem wie Biontech/Pfizer konnten Bayer und Curevac am Ende nicht kopieren.

Die Klage gegen Pfizer und Biontech konzentriert sich laut „Handelsblatt“ auf den gemeinsam entwickelten Impfstoff. Die Klage gegen Moderna geht demnach über den Corona-Impfstoff hinaus und umfasst auch dessen Grippeimpfstoffkandidaten und den Impfstoff zur Behandlung eines Atemwegsvirus.

Eine ähnliche Klage reichte Bayer gegen den US-Konzern Johnson & Johnson bei einem Bundesgericht in New Jersey ein. Bayer fordert demnach Schadensersatz in nicht genannter Höhe, strebt aber kein Verkaufsverbot für die Impfstoffe an.

Experten sind überrascht vom Zeitpunkt der Klage. Patentstreitigkeiten seien eher Regel als Ausnahme. Diese komme aber spät, so etwa Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, zum „Handelsblatt“. Lohnen könnte sich die Klage für Bayer wegen der möglicherweise fälligen Lizenzgebühren demnach trotzdem.

Hintergrund ist, dass Patentklagen oft zu Verhandlungen über Lizenzgebühren führen. Bei einem Vergleich zahlt der Verletzer rückwirkend Lizenzgebühren oder schließt einen Lizenzvertrag ab. Laut „Handelsblatt“ wird bei Patentverletzungen im Durchschnitt mit Lizenzgebühren von einem bis drei Prozent auf die vergangenen Umsätze gerechnet – angesichts der astronomischen Umsätze der Impfstoffhersteller ein stattlicher Posten. Pfizer und Biontech erreichten 2024 mit ihrem Impfstoff Comirnaty einen weltweiten Umsatz von mehr als 3,3 Milliarden Dollar. Moderna erlöste mit Spikevax 3,2 Milliarden Dollar.

 

Zuzahlungsbefreiung endet jährlich, Nachweis wird Pflicht, Jahreswechsel erzeugt Konflikte

Die Befreiung von der Zuzahlung zu Arzneimitteln und Hilfsmitteln gilt immer nur für ein Jahr und muss für 2026 bei der Krankenkasse neu beantragt werden. Darauf weist der Landesapothekerverband (LAV) Baden-Württemberg hin. Für Hilfsmittel, die über Versorgungspauschalen abgerechnet werden, gilt die Regelung demnach nicht.

Wer befreit ist und es bleiben will, muss demnach aktiv werden. Eine Befreiung aus dem Jahr 2025 habe mit Ablauf des 31. Dezember 2025 ihre Gültigkeit verloren, heißt es vom LAV. Für das neue Jahr sei daher ein neuer Antrag bei der Krankenkasse erforderlich. Erst wenn der entsprechende Nachweis vorliegt und vorgezeigt wird, könne dieser auch in der Apotheke berücksichtigt werden. Ohne aktuellen Nachweis müssten Kunden die Zuzahlung leisten – auch für Rezepte aus dem Vorjahr, die erst jetzt eingelöst werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen können Versicherte von der Zuzahlung befreien, sobald sie mit ihren Zuzahlungen im laufenden Kalenderjahr die persönliche Belastungsgrenze erreicht haben. Als Grundregel gelten zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen als zumutbar, bei chronisch Kranken ein Prozent. Über eine Vorauszahlung kann die Bescheinigung schon zu Jahresbeginn ausgestellt werden. Versicherte müssen also nicht warten, bis die Zuzahlungen tatsächlich angefallen sind.

Hilfsmittel, die über Versorgungspauschalen abgerechnet werden, sind laut LAV von dieser Regelung ausgenommen. Die Abrechnung mit Rezeptkopien reicht demnach über den Jahreswechsel hinaus. Für eine Anschlussversorgung werde allerdings auch hier eine für das neue Jahr gültige Bescheinigung erforderlich.

 

Diagnose bleibt Prozess, KI wird Benchmark, Empathie wird Messwert

Zur richtigen Diagnose zu kommen, ist ein komplexer Prozess. Dabei könnten spezialisierte Sprachmodelle in Zukunft unterstützen. Schon jetzt zeigen sie in Studien bessere Ergebnisse als erfahrene Mediziner – und sind auch noch empathischer.

Um Krankheiten therapieren zu können, müssen sie korrekt diagnostiziert werden. Das ist ein komplexer Prozess, bei dem Heilberufler Anamnese, körperliche Untersuchung und eventuell Bildgebungsdaten und Laborwerte berücksichtigen. Dabei werden Schritt für Schritt Hypothesen aufgestellt und überprüft. Je nach Seltenheit der Erkrankung und Ausprägung der Symptome kann es schwierig sein, die richtige Diagnose zu finden. Hier kann künstliche Intelligenz die Ärzteschaft unterstützen.

Schon jetzt werden etwa in der Kardiologie und der Onkologie Programme zur Auswertung von Bildgebungs- oder EKG-Daten genutzt. Und auch Large Language Models (LLM) wie ChatGPT oder Gemini liefern schon recht gute Ergebnisse, wenn man sie nach Diagnosen zu verschiedenen Symptomen befragt. Aber speziell trainierte LLM und KI-Diagnostiktools sollen in Zukunft noch sehr viel mehr können.

„Ich denke, es ist ziemlich klar, dass wir in den nächsten Jahren Modelle entwickeln werden, die in der Diagnostik besser sind als die überwiegende Mehrheit der erfahrenen Kliniker in jedem Bereich.“ Das sagte vor Kurzem Mustafa Suleyman, Geschäftsführer von Microsoft AI, in einem Kurzinterview gegenüber dem Nachrichtenportal von „Nature“. Das Unternehmen arbeite an einer medizinischen Superintelligenz. Und es ist dabei auf einem guten Weg.

Laut einer Studie, die Suleyman und sein Team im Juli 2025 auf dem Preprint-Server „Arxiv“ veröffentlichten, ist das KI-Tool „Microsoft AI Diagnostic Orchestrator“ (MAI-DxO) in der Kombination mit einem LLM in der Diagnostik bereits viermal präziser als Hausärzte.

Für die Bewertung von KI-Modellen und Ärzten entwickelte das Team von Microsoft zunächst ein Testsystem namens Sequential Diagnosis Benchmark (SDBench), das den mehrstufigen Diagnoseprozess simuliert. Bei diesem kann der diagnostische Akteur – Mensch oder Maschine – selbst entscheiden, welche Fragen er stellt, welche zusätzlichen Tests er anfordert und wann er sich auf eine Diagnose festlegt. Die benötigten Informationen werden auf die Nachfragen geliefert.

Mit dem SDBench-System bewertete das Team um Suleyman und Erstautor Harsha Nori eine Gruppe von 21 erfahrenen Ärzten aus den USA und Großbritannien (mittlere Berufserfahrung von zwölf Jahren, 17 Allgemeinmediziner, vier Krankenhausmediziner) im Vergleich zu mehreren KI-Modellen nach Genauigkeit und Kosteneffizienz. Verwendet wurden dabei 304 echte, besonders herausfordernde Patientenfälle, die im „New England Journal of Medicine“ (NEJM) in einer Serie publiziert worden waren.

Die Gruppe von Ärztinnen und Ärzten erreichte eine Diagnostikgenauigkeit von 20 Prozent bei durchschnittlichen Kosten von 2963 US-Dollar (2530 Euro) pro Patientenfall bei diesen komplexen Fällen. Das LLM GPT-4o von Open AI diagnostizierte genauer (Genauigkeit 49,3 Prozent) bei geringeren Kosten (2745 US-Dollar beziehungsweise 2350 Euro pro Fall), während das Reasoning-Modell o3 von OpenAI, ein fortgeschrittenes LLM, das mehrstufige „Denkprozesse“ durchführt, eine Genauigkeit von 78,6 Prozent erreichte, jedoch bei deutlich höheren Kosten (7850 US-Dollar beziehungsweise 6710 Euro pro Fall).

Der modellunabhängige Orchestrator MAI-DxO, der jedes KI-Sprachmodell in ein virtuelles Ärztegremium verwandelt, verbesserte die Ergebnisse von allen getesteten LLM (unter anderem auch Claude und Deepseek). Das beste Ergebnis erreichte er in Kombination mit dem Reasoning-Modell o3: Die Kombination diagnostizierte mit einer Genauigkeit von 80 Prozent und durchschnittlichen Diagnosekosten von 2397 US-Dollar (2050 Euro) pro Patientenfall. Damit ist sie viermal genauer und 20 Prozent preiswerter als die Diagnostik der Ärztegruppe.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden bislang nur als Preprint und noch nicht in einem Peer-Reviewed Journal veröffentlicht. Das Team weist in einer Mitteilung darauf hin, dass die Ärztegruppe aus Allgemeinmedizinern bestand und nicht aus Spezialisten wie etwa Rheumatologen oder Neurologen, die zumindest für Krankheiten aus ihrem Fachbereich bessere Ergebnisse erreicht hätten. Kein Arzt könne allerdings die gesamte Bandbreite der NEJM-Serie von Patientenfällen abdecken, schreiben die Autoren. KI-Systeme könnten hier in Zukunft eine Lösung sein, weil sie keine Spezialisierung haben.

Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, das an medizinischen KI-Systemen arbeitet. So hat beispielsweise der Mitbewerber Google ein großes Sprachmodell namens AMIE (Articulate Medical Intelligence Explorer) entwickelt, das nicht nur auf medizinischen Daten trainiert, sondern auch speziell für diagnostisches Denken optimiert wurde.

Auch dieses Modell hat sich schon erfolgreich mit Ärztinnen und Ärzten gemessen. Die Ergebnisse stellte ein Team um Daniel McDuff von Google Research im April 2025 im Journal „Nature“ vor (DOI: 10.1038/s41586-025-08869-4). Auch das Google-Team testete sein System an realen Patientenfällen aus der NEJM-Serie. Dabei erstellten jeweils zwei Kliniker für einen Fall eine Liste von potenziellen Differenzialdiagnosen. Dabei konnte jeweils ein Arzt zusätzlich zur Patientenakte auf Suchmaschinen und medizinische Literatur und ein Arzt auf alles plus AMIE zugreifen. Alle Mediziner erstellten zudem ganz zu Beginn eine Differenzialdiagnose ohne Unterstützung.

Es zeigte sich, dass AMIE allein am genauesten diagnostizierte. Hier war die korrekte Diagnose in 59,1 Prozent der Fälle in der Top-10-Liste an Differenzialdiagnosen. Bei Ärzten ohne Unterstützung lag die Quote bei 33,6 Prozent, mit der Hilfe von Suchmaschinen bei 44,4 Prozent. Das Interessante: Selbst mit AMIE-Unterstützung schnitten Ärzte schlechter ab als das Modell allein. Sie erreichten eine Top-10-Trefferquote von 51,7 Prozent. Dabei hatte AMIE nur textbasierte Informationen zur Verfügung, während die Ärzte auch Laborwerte und Bildgebungsdaten mit heranziehen konnten.

„Unsere Studie legt nahe, dass AMIE das diagnostische Denken und die Genauigkeit von Klinikern in anspruchsvollen Fällen verbessern kann und eine weitere Evaluation im realen klinischen Einsatz gerechtfertigt ist“, schreibt das Google-Team.

Dabei ist AMIE nicht nur genauer, sondern auch empathischer als die Ärztegruppe, die für den Vergleich antrat. Das berichten Google-Autoren um Tao Tu in einer zweiten Publikation in „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-025-08866-7). Dafür ließen die Experten von Google-Research AMIE und 20 Allgemeinmediziner diagnostische Dialoge mit Schauspielern, die Patienten spielten, über einen Text-Chat durchführen. Danach wurden die Dialoge und Diagnosen von Fachärzten und den Schauspielern bewertet.

Die Dialoge von AMIE kamen nicht nur zu einem besseren Ergebnis, sie wurden auch von Fachärzten und den Schauspielern in fast allen Konversationsqualitäten besser bewertet: Sie wurden als höflicher empfunden; zudem „hörte“ AMIE besser zu und erklärte Erkrankung und Therapie auch verständlicher.

Dass AMIE als empathischer empfunden wurde, könne auch daran gelegen haben, dass ihre Antworten im Dialog im Schnitt länger ausfielen als die der Ärzte, schreiben die Autoren. Die Ärzte hatten zudem in diesem Studiensetting aufgrund der textbasierten Kommunikation keine Möglichkeit, mit Stimme, Gesten oder Körpersprache zu punkten. AMIE müsse noch in weiteren Studien untersucht werden, bevor sie eines Tages in der Klinik eingesetzt werden könnte.

Bis diese KI-Diagnostik-LLM von Microsoft oder Google neben anderen die klinische Praxis erreichen werden, kann es noch eine Weile dauern. Eine große Hürde ist, Zulassungen der regulatorischen Behörden zu erhalten. Denn noch sind einige Sicherheits- und Datenschutzfragen zu klären.

Als nächstes arbeite man daran, die KI-Tools klinisch zu evaluieren, sagt auch Microsoft-AI-Geschäftsführer Suleyman in dem Nature-Interview. Dabei sieht er ein enormes Potenzial für die künstliche Intelligenz. „Diagnose ist nur der erste Schritt.“ Der nächste Schritt sei, die Patientenwege im Krankenhaus mittels KI zu managen: dass jeder Patient zur richtigen Zeit den richtigen Arzt sieht, ausreichend und geeignete Tests durchläuft und am Ende die richtige Therapie erhält. Diese Funktionen seien bereits heute in den Modellen verfügbar. Bis sie eingesetzt werden, könnte es noch einige Jahre dauern. „Aber es ist definitiv der Weg, den wir eingeschlagen haben“, so Suleyman.

 

Stromausfall zeigt Verwundbarkeit, Kammer zieht Fazit, Vorsorge wird Forderung

Welches Fazit zieht die Apothekerkammer Berlin aus dem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten? Wie können Apotheken besser geschützt werden?

Der Stromausfall im Berliner Südwesten hat deutlich gemacht, dass die pharmazeutische Versorgung im betroffenen Gebiet nur mit großer Anstrengung aufrechterhalten werden konnte, erklärte die Apothekerkammer Berlin auf PZ-Anfrage. Möglich sei dies vor allem deshalb gewesen, weil es dort noch eine ausreichende Zahl an Vor-Ort-Apotheken gebe.

Zudem verdeutliche der Vorfall erneut die Dringlichkeit politischen Handelns, um weitere Apothekenschließungen zu verhindern und die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auch in Krisensituationen dauerhaft sicherzustellen.

Die Zusammenarbeit und Kommunikation mit den öffentlichen Einrichtungen und Stellen wie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) oder dem Krisenstab sei in den vergangenen Tagen konstruktiv und auf Augenhöhe verlaufen, so die Kammer weiter. Fragen und Anliegen konnten im Rahmen der Möglichkeiten zügig und im Sinne der Betroffenen geklärt werden; auch die gegenseitige Hilfestellung sei reibungslos verlaufen.

Darüber hinaus beschäftige sich die Apothekerkammer Berlin seit mehreren Jahren mit präventiven Maßnahmen für Krisenfälle und biete unter anderem den Mitgliedern die Fortbildung „Stromausfall in der Apotheke - Wie können wir uns vorbereiten?“ an. Zudem betrachte die Kammer nicht nur einen Stromausfall als mögliches Szenario, sondern beziehe auch weitere Aspekte und Risiken, die die kritische Infrastruktur betreffen, in die Maßnahmen ein.

Um die Mitglieder bestmöglich vorzubereiten, stellt die Kammer regelmäßig Informationsmaterialien bereit, unter anderem zum „NIS 2 Umsetzungsgesetz“, das in nationales Recht überführt wurde und seit 6. Dezember 2025 in Kraft ist. Die Vorgabe beinhaltet etwa strengere Cybersicherheitsregeln und Vorgaben für IT-Sicherheit und neue Meldepflichten.

Seitens der Kammer bestehe zudem das Angebot, sich aktiv in den Zivil- und Katastrophenschutz einzubringen. Die Situation im Berliner Südwesten habe deutlich gezeigt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Eine Option wäre, dass die Kammer in die Konzeption oder bei Ausarbeitung von Notfallplänen systematisch eingebunden wird. Nach aktuellem Kenntnisstand der Kammer sind die Apotheken noch nicht in die Notfallpläne integriert.

In dem Zusammenhang sei eine weitere Überlegung, dass geprüft wird, ob und in welcher Form Apotheken bei der Anschaffung und Wartung von Notstromaggregaten oder Überbrückungsbatterien unterstützt werden könnten.

 

Statine wirken auch im Niedrigrisiko, Diabetes bleibt Treiber, Studie erweitert Schwelle

Ob ein Patient mit Typ-2-Diabetes ein Statin erhalten soll, hängt von seinem prognostizierten Herz-Kreislauf-Risiko ab. Eine Studie zeigt nun, dass die Anwendung nicht nur für Hochrisiko-Patienten, sondern bereits bei niedrigem Risiko signifikante Vorteile bringt.

Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) haben durch die Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Dieses kann jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein, je nachdem, wie lange der Diabetes bereits besteht und welche weiteren Risikofaktoren vorliegen. Um das persönliche Risiko abzuschätzen, werden im klinischen Alltag Risikorechner wie der QRISK3-Kalkulator verwendet, in den neben dem Alter des Patienten unter anderem auch der Raucherstatus, der BMI sowie Begleiterkrankungen und -medikation eingehen.

Abhängig vom prognostizierten Risiko, innerhalb von zehn Jahren ein kardiovaskuläres (CVD) Ereignis zu erleiden, wird der Einsatz eines Statins empfohlen. Verschiedene Leitlinien sind dabei unterschiedlich rigide in ihren Vorgaben: Während in den USA die American Heart Association und das American College of Cardiology die Gabe eines Statins für alle Menschen mit Diabetes im Alter zwischen 40 und 75 Jahren empfehlen, befürworten in Europa die European Society of Cardiology und die European Atherosclerosis Society die Anwendung nur bei T2D-Patienten mit hohem oder sehr hohem Zehnjahresrisiko.

Die Ergebnisse einer aktuell im Fachjournal „Annals of Internal Medicine“ erschienenen Studie sprechen allerdings eher für einen großzügigeren Einsatz der Statine. Ein Autorenteam um Dr. Vincent Ka Chun Yan von der University of Hong Kong nutzte dafür Daten der britischen Datenbank IQVIA, um die Auswirkungen einer Statin-Therapie bei Typ-2-Diabetikern abhängig vom prognostizierten Zehnjahresrisiko zu vergleichen. Eingeschlossen waren insgesamt mehr als 418.000 Personen zwischen 25 und 84 Jahren mit unterschiedlichem Ausgangsrisiko, von denen drei Viertel ein Statin erhielten und ein Viertel nicht. Der Beobachtungszeitraum betrug zehn Jahre.

Vorteile der Statin-Therapie auf die Endpunkte Gesamtsterblichkeit und schweres CVD-Ereignis waren in sämtlichen Risikostrata vorhanden. Bei den Patienten mit niedrigem Ausgangs-Zehnjahresrisiko (unter 10 Prozent) reduzierte die Therapie das Sterberisiko relativ um 20 Prozent (absolut um 0,53 Prozentpunkte) und das kardiovaskuläre Risiko relativ um 22 Prozent (absolut 0,83 Prozentpunkte). Im Stratum mit mittlerem Ausgangs-Zehnjahresrisiko (10 bis 19 Prozent) betrug der Rückgang des Sterberisikos relativ minus 29 Prozent (absolut minus 1,88 Prozentpunkte) und der Rückgang des kardiovaskulären Risikos relativ minus 28 Prozent (absolut minus 2,14 Prozentpunkte).

Als potenzieller Nachteil der Therapie zeigte sich lediglich ein geringer Anstieg des Risikos für eine Muskelschwäche (Myopathie) im Stratum der Patienten mit mittlerem Risiko. Das Risiko für eine Leberschwäche war in keinem Stratum erhöht.

Die Autoren leiten aus ihren Ergebnissen die Empfehlung ab, dass Ärzte auch bei T2D-Patienten mit einem niedrigen prognostizierten Zehnjahresrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen den Einsatz eines Statins in Erwägung ziehen sollten.

 

Winterglätte erhöht Sturzgefahr, Rollator braucht Tauglichkeit, Alltag wird Risiko

Arztbesuch oder Einkauf müssen sein, doch die Wege sind glatt und rutschig. Wer sich bei Eis und Schnee mit Rollator nach draußen begibt, muss besonders aufpassen, um nicht zu stürzen.

Wichtig ist die Frage, wie wintertauglich die eigene Gehhilfe überhaupt ist. Kleine Reifen mit geringem Profil eignen sich bei Eis und Glätte nicht, warnt die Aktion Das Sichere Haus. Sie bieten zu wenig Halt. Outdoor-Reifen, etwa aus Softgummi, die sich auf manche Rollator-Modelle aufziehen lassen, können hier anders wirken. Informieren kann man sich im Fachhandel.

Im Fachhandel lässt sich auch der Zustand des Rollators prüfen. Gerade im Winter ist es wichtig, dass die Bremsen gut funktionieren. Regelmäßiges Rollator-Putzen ist ebenfalls relevant, wie die Deutsche Verkehrswacht rät, weil Schmutz an der Gehhilfe die Bremsfunktion beeinträchtigen kann.

Bei Winterwetter sollten nicht nur die Rollator-Räder ein tiefes Profil haben, sondern auch das Schuhwerk. Schuhe mit Ledersohlen und auch mit Absätzen sind keine gute Entscheidung. Besser sind Sohlen mit griffigem Profil, so die Aktion DSH. Noch mehr Halt gewinnt, wer sich Spikes über das Schuhwerk zieht.

Als weiterer Punkt wird genannt, dass ein Rucksack gegenüber einer Tasche am Handgelenk Vorteile hat. Baumelt ein Beutel oder ein Täschchen am Handgelenk, kann das im Falle eines Sturzes bedeuten, dass man sich schlechter mit den Händen abfangen kann. Ein Rucksack gilt hier als bessere Lösung.

Für Wege im Dunkeln wird außerdem geraten, gut sichtbar zu sein, etwa durch helle Kleidung sowie Reflektoren und LED-Lichter an Person und Rollator. Beim Winteroutfit gilt neben Wärme, dass Mantel und Kleidung die Beweglichkeit nicht einschränken sollten; für Griff und Bremse werden spezielle Handwärmer erwähnt, die das Versteifen der Gelenke reduzieren und dabei helfen sollen, sicher zu bremsen und festen Halt zu behalten.

Schließlich wird als Gehweise bei Glätte der sogenannte Pinguingang beschrieben: Beim Gehen wird der Körperschwerpunkt leicht nach vorn über den auftretenden Fuß verlagert, der Fuß zeigt leicht nach außen, und man bewegt sich langsam mit kleinen Schritten auf ganzer Sohle. Als Vorteil wird genannt, dass man bei einem Sturz eher nach vorn fällt und nicht auf den Hinterkopf.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die Lage wirkt auf den ersten Blick zerstreut, ist aber ein einziger Belastungstest: weniger Standorte, mehr Pflichtarbeit, mehr Störanfälligkeit. Während Schließungen und ausbleibende Neueröffnungen den Puffer aus dem System ziehen, wächst im Alltag die Reibung, die niemand abrechnet, aber jeder spürt. Gleichzeitig verschiebt sich die Risikogrenze: Daten und Prozesse werden zu Haftungsflächen, Infrastruktur zu einem stillen Engpass, und selbst medizinische Evidenzdebatten landen als Beratungs- und Erwartungsdruck im Betrieb.

Am Ende bleibt die nüchterne Erkenntnis: Versorgung ist Stabilität, nicht Selbstverständlichkeit. Wenn ein regionaler Blackout nur mit Improvisation, privater Logistik und Glück überbrückt werden kann, wird sichtbar, wie schnell aus Normalbetrieb ein Krisenmodus wird, ohne dass es dafür einen klaren Schalter gibt. Parallel dazu zeigt der Blick auf Krankmeldungen, Patentstreitigkeiten und die beschleunigte Diagnostikdebatte, wie stark Verantwortung und Erwartung sich verdichten, während die strukturellen Reserven schrumpfen. Entscheidend ist, ob Regeln, Technik, Personal und Absicherung so zusammenpassen, dass ein einzelner Ausfall nicht zur Kettenreaktion wird.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. In dieser Lage zeigt sich, wie Standortschwund und Pflichtendichte denselben Punkt treffen: die Tragfähigkeit der täglichen Arbeit.

 

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