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APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute
Stand: Sonntag, 11. Januar 2026, um 13:00 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Apotheke, Personalbruch und Versorgungsauftrag.
Es gibt Momente, in denen das große Wort „Versorgungsauftrag“ plötzlich ganz klein wird, weil es an einer einzigen Stelle hängt: an der Schichtplanung für nächste Woche. Nicht an der Nachfrage, nicht am Standort, nicht am Willen, weiterzumachen. Sondern daran, ob eine Schlüsselrolle besetzt ist, ob Verantwortung rechtlich sauber getragen wird, ob jemand unterschreiben, führen, organisieren kann.
Der Personalbruch in Apotheken ist dabei nicht bloß Mangel, er ist eine Funktionsstörung. Wenn eine Filialleitung wegfällt und kein Ersatz kommt, reißt nicht nur eine Stelle, sondern eine Statik. Die Kasse kann stimmen, der Verbund kann Vorteile bringen, sogar der Betrieb kann im Alltag noch „laufen“ – bis er es eben nicht mehr darf, weil Leitung nicht teilbar ist. Dann ist Schließung kein ökonomischer Schlussstrich, sondern eine Betriebsnotwendigkeit.
So wird sichtbar, wie politischer Rahmen in den Betrieb hineinwirkt, ohne dass er sich als Paragraf auf den HV-Tisch legt. Honorierung und Planbarkeit sind kein abstraktes Thema, sie sind die Bedingung dafür, Personal zu halten, Personal zu gewinnen, Personal zu entwickeln. Wenn diese Bedingung wackelt, wird jede Abwerbung, jede Alternative, jede „modernere“ Struktur zu einem Magneten. Nicht aus Bosheit, nicht aus Ideologie, sondern weil Menschen Verlässlichkeit suchen, bei Geld, bei Zeit, bei Perspektive.
Das unangenehme an dieser Mechanik ist, dass sie leise ist. Ein geschlossenes Schild erklärt nichts über die Monate davor: über gestiegene Kosten, über das Einfrieren von Spielräumen, über das Verschieben von Verantwortung in Dokumentation, Rückfragen, Haftungszonen. Im Alltag bedeutet dies, dass eine ohnehin knappe Personaldecke nicht nur dünner wird, sondern nervöser: Jeder Ausfall ist nicht mehr kompensierbar, jede Kündigung wird zur Systemfrage.
Gleichzeitig entstehen neue Marktrollen, neue Angebote, neue Vertriebspfade, die sich nicht dafür rechtfertigen müssen, wie sie Leitung, Verantwortung und Personalbindung im Versorgungsalltag absichern. Wer diese Rollen fördert, ohne die Vor-Ort-Erlösbasis zu stabilisieren, organisiert ungewollt den Abfluss von Fachkräften – und macht Versorgung zur Frage des Zufalls, ob irgendwo noch eine Leitung verfügbar ist.
Dabei geht es nicht um ein romantisches Bild der „klassischen Apotheke“. Es geht um eine nüchterne Frage: Wer trägt am Ende die Verantwortung, wenn es kompliziert wird, wenn Arzneimittel fehlen, wenn Interaktionen drohen, wenn ein Patient nicht in ein Raster passt. Verantwortung lässt sich nicht skalieren wie Versandlogistik, sie braucht Präsenz, Entscheidungsfähigkeit, Personal, das bleibt.
Die politische Debatte flüchtet gern in große Begriffe: Reform, Digitalisierung, Entbürokratisierung. Im Betrieb zählt jedoch die Kette: Erlösbasis bestimmt Personalspielraum, Personalspielraum bestimmt Betriebsfähigkeit, Betriebsfähigkeit bestimmt Versorgung. Sobald ein Glied bricht, helfen Überschriften nicht mehr. Dann kommt der Versorgungsauftrag als Forderung zurück, aber ohne Werkzeug, ihn einzulösen.
Es ist eine unbequeme Wahrheit, dass der Staat den Versorgungsauftrag nicht einfach ausrufen kann, während er die Bedingungen so setzt, dass die Verantwortungsträger im Personalmarkt strukturell verlieren. Wer Versorgung will, muss Planbarkeit liefern: nicht als Versprechen, sondern als Mechanik, die Löhne, Vertretung, Fortbildung und Führung im Alltag möglich macht. Alles andere ist Rhetorik, die am Montagmorgen an der Dienstplantauschbörse scheitert.
Und genau dort entscheidet sich die Zukunft der Vor-Ort-Struktur: Nicht zuerst an der Nachfrage, sondern an der Fähigkeit, Dienstpläne zu halten.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Eine Apotheke schließt nicht, weil niemand mehr kommt, sondern weil niemand mehr führen kann. Das klingt banal, ist aber der Punkt, an dem Versorgung zur Organisationsfrage wird. Wenn eine Leitungsrolle wegbricht, kippt nicht nur ein Dienstplan, sondern eine Verantwortungskette – rechtlich, praktisch, menschlich. Und genau dort zeigt sich, wie politische Rahmenbedingungen im Alltag wirken: nicht als Schlagwort, sondern als Spielraum bei Lohn, Bindung, Fortbildung und Vertretung. Die Frage ist nicht, ob Versorgung gebraucht wird, sondern ob sie noch getragen werden kann.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Versorgung endet selten mit einem Knall; sie endet mit einer Lücke, die niemand mehr schließen kann. Wenn Leitung nicht verfügbar ist, wird der Standort nicht „unwirtschaftlich“, er wird schlicht unbetreibbar. Dann werden Reformversprechen zu Papier, weil der Engpass längst woanders sitzt: bei Personal, das bleibt, und bei Verantwortung, die übernommen werden darf und kann. Wer neue Marktrollen wachsen lässt, ohne die Vor-Ort-Basis planbar zu halten, verschiebt Fachkräfte nicht absichtlich – aber zuverlässig. Am Ende steht keine große Debatte, sondern ein Schild an der Tür und die stille Gewissheit, dass Versorgungsauftrag ohne Träger nur ein Satz bleibt.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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