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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Montag, 2. Februar 2026, um 14:20 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
dm ist hier nicht der laute Gegenspieler, sondern der stille Taktgeber: Wer den Erstkontakt in „Gesundheit“ besetzt, formt später Standards, Preissensibilität und Routinen – und damit genau jene Erlösreserve, aus der vor Ort Dringlichkeit, Nachverfolgung, Lieferstress und Pflichtleistungen mitgetragen werden, wenn der Alltag kippt.
Der Einstiegspunkt in Gesundheit ist längst nicht mehr der akute Bedarf, sondern die Gewohnheit. Genau hier setzt dm an – nicht als Arzneimittelhändler im klassischen Sinn, sondern als Struktur, die Erwartungen formt, bevor überhaupt ein Gesundheitsproblem artikuliert wird. Das ist der eigentliche Hebel. Nicht der Preis entscheidet, nicht das Sortiment im Einzelnen, sondern die Frage, wer den ersten Kontakt kontrolliert und damit die Folgelogik bestimmt.
dm erweitert sein Sortiment nicht zufällig um OTC-Arzneimittel. Die Drogerie übersetzt Gesundheit in Alltagsroutine: Produkte, die ohne Schwelle verfügbar sind, eingebettet in bekannte Einkaufswege, flankiert von App-Logiken, Wiederkaufsignalen und einer Markenwahrnehmung, die Nähe und Kompetenz suggeriert. Für Kundinnen und Kunden entsteht kein Bruch, sondern Kontinuität. Gesundheit wirkt wie eine naheliegende Verlängerung des bestehenden Angebots – nicht wie ein eigener, regelgebundener Versorgungsraum.
Damit verschiebt sich der Maßstab. Gesundheit wird nicht mehr primär als situative Ausnahme erlebt, sondern als Sortiment. Das verändert Erwartungen: Beratung wird optional, Dringlichkeit relativiert sich, Verfügbarkeit wird mit Lieferbarkeit verwechselt. Was im Drogerieregal funktioniert, prägt das Verhalten auch dort, wo diese Logik eigentlich nicht trägt. Die Apotheke begegnet dann nicht mehr einem offenen Bedarf, sondern einer vorgeprägten Vorstellung davon, wie „Gesundheit“ zu funktionieren hat.
Ökonomisch wirkt diese Verschiebung zeitverzögert, aber systematisch. OTC-Umsätze und apothekennahe Produkte sind in vielen Betrieben kein Randgeschäft, sondern ein Puffer. Aus ihnen werden Leistungen querfinanziert, die politisch gefordert, aber nicht kostendeckend vergütet sind: Akutversorgung, Lieferfähigkeit am selben Tag, Rezeptlogistik, Notdienst, Umgang mit Engpässen, Dokumentation, Haftung. Wenn dieser Puffer erodiert, kollabiert der Betrieb nicht sofort. Doch seine Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Reserven verschwinden leise.
Hier beginnt die eigentliche Systemlast. Die Aufgaben bleiben lokal gebunden, die Erlöse wandern. Der Markt zieht Mittel ab, ohne die Pflichten mitzunehmen. Für die Fläche bedeutet das nicht plötzlichen Zusammenbruch, sondern schleichende Ausdünnung: kürzere Öffnungszeiten, weniger Personalspielraum, geringere Lieferfähigkeit, steigende Belastung für die verbleibenden Standorte. Versorgung wird fragiler, nicht weil jemand „böse“ handelt, sondern weil die Statik kippt.
An dieser Stelle wird der Staatsauftrag relevant. Der Staat erwartet flächendeckende Versorgung, jederzeitige Erreichbarkeit, Verlässlichkeit auch unter Stress. Gleichzeitig überlässt er wesentliche Erlösbestandteile der Marktlogik. Solange diese Logik lokal gebunden bleibt, ist das handhabbar. Sobald jedoch große Akteure den margenstabilen Teil abschöpfen, ohne die Pflichtanteile zu tragen, entsteht eine Finanzierungslücke, die nicht mehr durch Effizienz zu schließen ist. Dann kollidieren Erwartung und Realität.
Ein naheliegender Einwand lautet: Neue Kundschaft, neue Kanäle, neue Chancen. Doch das greift zu kurz. Das Problem ist nicht der Kunde, sondern die Erwartung, die er lernt. Wer Gesundheit als Drogerie-Routine erlebt, überträgt diese Logik auch auf Situationen, in denen sie nicht trägt. Der Akutfall lässt sich nicht stöbern. Wechselwirkungen lassen sich nicht skalieren. Haftung lässt sich nicht auslagern. Diese Unterschiede werden erst sichtbar, wenn sie fehlen – und dann ist es zu spät.
Genau hier zeigt sich der zweite Umlauf der Erzählung. Was heute als bequeme Ergänzung erscheint, erzeugt morgen Friktion an anderer Stelle. Wenn Vor-Ort-Strukturen dünner werden, steigen Wege, Wartezeiten und Abhängigkeiten. Die verbleibenden Apotheken tragen mehr Last mit weniger Puffer. Der Markt hat dann optimiert, was sich optimieren lässt – und das System steht vor der Frage, wer die nicht marktfähigen Leistungen trägt.
dm ist damit kein Sonderfall, sondern ein Beschleuniger. Das Unternehmen macht sichtbar, was strukturell angelegt ist: Wer den Erstkontakt kontrolliert, kontrolliert später die Konditionen. Nicht aus Absicht, sondern aus Logik. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Drogeriemärkte Arzneimittel versenden dürfen, sondern wie ein Versorgungssystem stabil bleibt, wenn seine Erlösgrundlage vom Ort der Leistung entkoppelt wird.
Am Ende geht es nicht um Moral, sondern um Statik. Versorgung ist kein Warenkorb. Sie funktioniert nur, wenn Verantwortung, Erlös und Haftung zusammenbleiben. Wird diese Verbindung gelöst, verschiebt sich die Last – erst unsichtbar, dann spürbar. Das ist der Punkt, an dem aus Marktbewegung ein Versorgungsproblem wird. Dann ist nicht mehr die Frage, wer verkauft – sondern wer die Versorgung noch trägt.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Der Markt verschiebt gerade den Einstiegspunkt, nicht nur den Warenkorb. Sichtbarkeit wird zur Infrastruktur, und Infrastruktur wird zur Kondition. Das wirkt zunächst harmlos, weil Preise im Moment nicht der Kern sind. Der Kern ist die neue Erwartung: Gesundheit als bequeme App-Routine, Beratung als Ausnahme, Dringlichkeit als Störfall. Wenn dieser Lernprozess sitzt, wird der Puffer der Fläche zur knappen Ressource.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wo der Erstkontakt wandert, wandert später die Verhandlungsmacht. Dann wird nicht die Beratung abgewertet, sondern sie wird unbezahlbar gemacht. Der Staatsauftrag bleibt, aber seine Finanzierung steht auf einer dünner werdenden Erlösdecke. Und genau deshalb entscheidet sich die Zukunft der Versorgung nicht in Empörung, sondern in Statik.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der rote Faden bleibt, ob Finanzierung, Regeln und Sicherheit als eine Kette behandelt werden oder als getrennte Baustellen.
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