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  • 11.01.2026 – Apotheken-Nachrichten der Woche sind Abda-Neustart, Reformstatik, Betriebserosion im Markt
    11.01.2026 – Apotheken-Nachrichten der Woche sind Abda-Neustart, Reformstatik, Betriebserosion im Markt
    APOTHEKE | Wochenspiegel & Presse | Neue Abda-Töne treffen auf Reformentwürfe mit offenen Kernfragen, während Kammerzahlen, Skonto-Erwartungen und ein zugespitzter Digit...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Wochenspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten der Woche sind Abda-Neustart, Reformstatik, Betriebserosion im Markt

 

Zwischen modernem Anspruch, harten Gesetzeslinien und dem Alltag, der schneller bricht als jedes Narrativ.

Stand: Die Woche vom 05. bis 11. Januar 2026

Apotheken-News: Themen der Woche

In dieser Woche prallen drei Kräfte sichtbar aufeinander: Der Berufsverband versucht, sich mit neuer Sprache und neuem Führungsversprechen als politisch wirksam zu setzen, während die Reformentwürfe zugleich an Zuständigkeit, Vollzug und betriebliche Tragfähigkeit rühren. Parallel läuft die Erosion weiter, belegt durch Kammerzahlen und Schließungsankündigungen, die längst nicht mehr wie Ausnahme wirken, sondern wie Normalbetrieb. Dazu kommt ein Nebenschauplatz, der keiner ist: Die Skonto-Debatte klingt nach kassenneutraler Entlastung, droht aber im Markt als Selektionsmechanik zu wirken, wenn Liquidität und Verhandlungsmacht über den Zugang entscheiden. Und schließlich verschiebt ein zugespitztes Interview den Ton der Digitalisierung in Richtung Kulturkampf, weil Kritik als Reflex gedeutet wird, statt Verantwortungsketten zu klären. Am Ende entsteht ein Gesamtbild, das nicht von Einzelmaßnahmen lebt, sondern von Statik: Wer in Gesetzen nur an Rändern korrigiert, bekommt in der Fläche keine Ruhe, sondern mehr Reibung.

 

Abda-Neustart, Erdles Tonfall, Erwartungsdruck im Apothekenmarkt

Die neue Hauptgeschäftsführerin der Abda betritt die Bühne mit einem Versprechen, das größer ist als ihre Person: Aus dem Verband soll ein „zukunftsgerichteter, leistungsstarker und wirksamer Berufsverband“ werden. In der Botschaft steckt weniger ein konkreter Maßnahmenkatalog als ein Anspruch auf Modernisierung, Sichtbarkeit und Schlagkraft – und genau darin liegt die erste Reibung. Denn solche Formeln sind in der Verbandspolitik vertraut, fast ritualisiert: neue Spitze, neues Vokabular, neue Hoffnung, dieselben Altlasten. Die Frage ist nicht, ob der Satz gut klingt, sondern ob er nach außen und nach innen etwas verschiebt.

Auffällig ist der Stil: viel Gegenwartsenglisch, viel Selbstverortung, viel Management-Sprache. Erdle stellt sich als Juristin, politische Netzwerkerin, Kommunikatorin und erfahrene Verbandsmanagerin vor – ein Profil, das eher nach Wirtschaftsverband als nach klassischer Standesvertretung klingt. Das kann ein Vorteil sein, wenn es um politische Taktung, Medienfähigkeit und Verhandlungstechnik geht. Es kann aber auch Erwartungen wecken, die im Apothekenalltag sofort auf Wirklichkeit treffen: Mitglieder wollen keine Benchmark-Behauptung, sondern Ordnung in den Baustellen. „Planvoll, proaktiv, professionell“, „klare Strukturen“, „effiziente Prozesse“ – das sind Begriffe, die man unterschreiben kann, ohne dass schon klar wäre, wer welche Last abnimmt.

Denn die Lage, auf die sie sich bezieht, ist hart und konkreter als jedes Videoformat: eingefrorenes Honorar, Lieferengpässe, Personalmangel, Bürokratie, ein Zustand, der „so nicht bleiben kann und nicht bleiben darf“. Damit legt sie sich kommunikativ fest – und zugleich entsteht ein Prüfstein. Wenn die im Koalitionsvertrag versprochene wirtschaftliche Stärkung tatsächlich im Gesetzgebungsverfahren zu verschwinden droht, dann entscheidet sich sehr schnell, wie wirksam diese neue Abda-Spitze ist: nicht an der Anzahl der Schlagworte, sondern daran, ob sie in Berlin Resultate erzwingt oder ob sie am Ende nur besser erklärt, warum es nicht ging.

Der Schlusssatz „Packen wir es an“ wirkt wie ein klassischer Mobilisierungsimpuls, und genau dort sitzt die eigentliche Statik: Ohne Mitglieder läuft nichts, aber Mitglieder erwarten zuerst, dass der Verband die Bedingungen verbessert, unter denen Apotheken überhaupt noch liefern können. Modernisierung kann ein nützliches Dach sein, wenn darunter Prioritäten klar werden: Honorar und Betriebswirtschaft, Versorgungssicherheit und Personal, Bürokratieabbau und rechtliche Entlastung. Wenn das Dach nur glänzt, ohne den Regen abzuhalten, wird aus „state of the art“ schnell ein Satz, der im Betrieb als Fernsehlicht wahrgenommen wird – hell, aber ohne Wärme.

 

Apothekenreform, Kabinettsentwurf, offener Bruch

Seit Mitte Dezember liegt der überarbeitete Kabinettsentwurf für das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz vor, parallel dazu der zweite Teil der Reform als Verordnungsentwurf, der unter anderem Apothekenbetriebsordnung und Arzneimittelpreisverordnung berührt. In der politischen Erzählung sollen beide Teile zeitgleich in Kraft treten. Genau an dieser Kopplung entzündet sich schon jetzt Skepsis, weil zwei Gesetzeswege zwar gemeinsam angekündigt werden können, aber am Ende an unterschiedlichen Widerständen hängen: parlamentarisch, fachlich, juristisch, im Vollzug.

Im Vergleich zum früheren Referentenentwurf sind nach dem Rohmaterial zwar Verbesserungen erkennbar, also Spuren davon, dass Einwände aus der Apothekerschaft überhaupt gehört wurden. Gleichzeitig bleibt der Eindruck: Die Reform ist nicht „repariert“, sondern eher nachjustiert, ohne dass die Grundspannung aufgelöst wäre. Diese Grundspannung ist im Kern betriebswirtschaftlich. Wenn der Betrieb an Tragfähigkeit verliert, helfen Strukturversprechen nur dann, wenn sie in spürbare Entlastung übersetzt werden. Genau das wird im Stoff als weiterhin ungeklärt beschrieben, weil zentrale Kritikpunkte im Entwurf stehen bleiben.

Ein solcher Punkt ist die Vertretungsbefugnis für PTA. Der Entwurf verschiebt das Thema in eine Erprobungslogik und versucht, die Voraussetzungen enger zu fassen. Das klingt nach Vorsicht, lässt aber die Kernfrage unberührt, die im Rohmaterial ausdrücklich gestellt wird: Was bringt das am Ende der einzelnen Apotheke, außer mehr Komplexität und eine neue Grenzfläche in der Verantwortungsordnung. Der Streit geht hier weniger um Goodwill als um Statik. Wenn der Betrieb ohnehin unter Druck steht, wird jedes zusätzliche Regelwerk zum Prüfstein, ob es Zeit spart oder Zeit frisst.

Ähnlich ambivalent wirkt die Weiterentwicklung der pharmazeutischen Dienstleistungen. Das Paket soll wachsen, zugleich wird die Steuerung komplizierter, weil einzelne Leistungen an eine ärztliche Verordnung gebunden werden, während andere aus der Apotheke heraus veranlasst werden können. Der Stoff betont vor allem die Dokumentations- und Informationspflichten, die damit einhergehen. Die Reform baut an einer Leistungsarchitektur, aber die Vergütung bleibt in der Darstellung eine Unbekannte, die erst über spätere Vereinbarungen zwischen Spitzenverband und Verband geklärt werden soll. Für den Betrieb bedeutet das: Mehr Prozess, mehr Schnittstelle, mehr Pflicht – und die Frage, ob der Gegenwert am Ende stimmt, bleibt zunächst offen.

Auch der Bereich der Versorgung ohne klassischen Rezeptweg wird als nachjustiert beschrieben. Künftig soll eine Anschlussversorgung von Chronikern möglich sein, ebenso eine Versorgung bei bestimmten akuten, unkomplizierten Erkrankungen, allerdings abhängig von einer noch zu erlassenden Rechtsverordnung. Diese Konstruktion wirkt auf dem Papier wie ein Kompromiss, im Alltag aber wie eine Doppelbelastung: Ohne präzise Verordnung bleiben die Grenzen unklar, mit präziser Verordnung wächst der Dokumentationsdruck. Dazu kommt die absehbare Reibung mit der Ärzteschaft, die im Stoff bereits als Konfliktlinie benannt wird. Damit entsteht ein Szenario, in dem Apotheken eine Verantwortung tragen sollen, die politisch attraktiv klingt, praktisch aber an Vollzug und Akzeptanz hängt.

Über allem liegt die Frage, ob die angekündigte zeitgleiche Umsetzung beider Reformteile realistisch ist. Der Entwurf kann besser formuliert sein als zuvor und dennoch scheitern, wenn der politische Fahrplan mit der Konfliktlage kollidiert. Aus dem Rohmaterial spricht genau diese Spannung: Es gibt Bewegung, aber keine Beruhigung. Der Betrieb bekommt Signale, aber keine Gewissheit. Und solange die großen wirtschaftlichen Fragen – insbesondere die Perspektive auf eine tragfähige Honorarbasis – nicht eindeutig geklärt sind, bleibt jedes Detail ein Nebenschauplatz mit hoher Folgelast.

 

Fixum-Leerstelle, Verordnungsentwurf, Apotheken unter Druck

Der zweite Teil der Apothekenreform trägt im Rohmaterial einen Satz wie eine rote Lampe: Das Wichtigste fehlt noch immer, die Anpassung des Apothekenfixums auf neun Euro fünfzig. Alles, was im Verordnungsentwurf an Präzisierungen, Verbesserungen oder Handgriffen auftaucht, steht damit unter einem Schatten. Denn solange die Honorarbasis nicht sichtbar tragfähiger wird, bekommen Detailkorrekturen eine seltsame Doppelrolle: Sie sollen Entlastung signalisieren, können aber zugleich wie kosmetische Arbeit wirken, weil der Kern unangetastet bleibt.

Im Entwurf wird immerhin versucht, die Logik der künftigen Anpassung zu ordnen. Die Vereinbarung zur Anpassung des Fixums und der prozentualen Vergütung soll nicht mehr nur „regelmäßig“, sondern „jährlich“ erfolgen, und als Parameter werden Verbraucherpreisindex, Beitragssatzstabilität und die Kostenentwicklung der Apotheken bei wirtschaftlicher Betriebsführung genannt. Das klingt nach Systematik. Gleichzeitig liegt in genau dieser Systematik ein Risiko: Je mehr Begriffe in eine Regelung geschrieben werden, desto größer werden die Interpretationsräume, sobald es ernst wird. „Kostenentwicklung“ und „wirtschaftliche Betriebsführung“ sind keine Zahlen, sondern Deutungsflächen. Am Ende geht es nicht um die Eleganz der Formel, sondern um die Macht im Verhandlungsraum.

Und dieser Verhandlungsraum ist, so wie es im Stoff anklingt, ein strukturell ungleiches Setting. Auf der einen Seite professionelle, routinierte Funktionärsapparat-Logik, auf der anderen Seite ehrenamtliche Verbandsspitzen, die nebenbei noch Betriebe führen. Das ist keine Abwertung, sondern eine Statikbeschreibung: Wer mehr Zeit, mehr Daten, mehr institutionelle Routine hat, setzt leichter Takt und Rahmen. Wenn dann der Entwurf zwar eine jährliche Vereinbarung vorsieht, aber nicht erklärt, wie die Asymmetrie im Prozess ausgeglichen werden soll, wird „jährlich“ schnell zum Rhythmus, der Aufwand produziert und Ergebnis offen lässt.

Eine greifbare Verbesserung gibt es in der Notdienstvergütung, die dauerhaft auf einundvierzig Cent je Rx-Packung erhöht werden soll. Das ist, im Maßstab der täglichen Betriebsstatik, ein Signal der Anerkennung, aber kein Befreiungsschlag. Es zeigt eher, wie kleinteilig Entlastung derzeit gedacht wird, während die großen Linien ungeklärt bleiben. Dass zusätzlich bei „handelsüblichen Skonti“ eine kleine Verbesserung genannt wird, passt in dieses Bild: Es gibt Stellschrauben, aber es bleibt die Frage, ob sie in der Fläche wirken oder vor allem dort, wo ohnehin Verhandlungsmacht und Liquidität stärker sind.

Auch der Teil zur ständigen Dienstbereitschaft zeigt, wie die Reform zwischen Entlastungsversprechen und Ordnungspflicht schwankt. Im Referentenentwurf war eine Aufhebung vorgesehen, nun soll sie bleiben, ergänzt um Mindestöffnungszeiten. Das ist ein klassischer Kompromiss, der in der Praxis wieder zwei Effekte erzeugen kann: Er stabilisiert Erwartung und Verfügbarkeit nach außen, erhöht aber nach innen den Druck, diese Verfügbarkeit personell und organisatorisch abzubilden. Apotheken bekommen damit eher Pflichten in neuer Form als echte Luft.

Bei Filial- und Zweigapotheken werden Erleichterungen skizziert, die auf den ersten Blick pragmatisch wirken. Wenn Identitätsprüfung zentral in einem Verbund erfolgen kann, fällt nicht überall ein Prüflabor an. Gleichzeitig bleibt die Rezeptur als Pflicht erhalten, nur bei Zweigapotheken ist der Rahmen schmaler, Offizin ohne Mindestfläche und ein ausreichender Lagerraum. Hier entsteht eine Debatte, die im Rohmaterial bereits als Schritt zur „Apotheke light“ gespiegelt wird. Man kann das als Modernisierung lesen oder als Absenkung von Standards, abhängig davon, welchen Maßstab man an Versorgung, Qualitätssicherung und Präsenz legt.

Am Ende kehrt der Blick immer wieder zur Fixum-Leerstelle zurück. Solange die Anpassung nicht im Entwurf steht, bleibt die Reform eine Konstruktion, die mehr an Struktur und Vollzug arbeitet als an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Die Präzisierung, dass künftig jährliche Empfehlungen und Parameter eine Rolle spielen sollen, ist ein Versuch, Verfahren zu ordnen. Aber für Apotheken ist Verfahren nur dann ein Fortschritt, wenn es nicht zu einer jährlichen Wiederholung von Erwartung und Enttäuschung wird. Genau dort liegt die Spannung, die der Verordnungsentwurf derzeit nicht auflöst: Er kann Details verbessern, doch ohne den Kern bleibt er ein Text, der mehr regelt als rettet.

 

Abda-Position, Reformschmerz, Lieferpflicht der Verbandsspitze

Die Abda reagiert auf die Änderungen im Kabinettsentwurf mit einem Satz, der zugleich Zustimmung und Warnung ist: Es gebe deutliche Verbesserungen gegenüber dem Referentenentwurf, aber die wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheke fehle. Dieses Doppelbild ist politisch verständlich. Ein Verband muss zeigen, dass er gehört wurde, sonst wirkt er machtlos. Er muss aber zugleich markieren, dass die zentrale Erwartung nicht erfüllt ist, sonst verliert er seine Mitglieder. In der Praxis ist genau diese Balance riskant, weil sie nach außen schnell wie Zufriedenheit gelesen werden kann, während nach innen die Ungeduld wächst.

Im Rohmaterial wird die Fixum-Anhebung auf neun Euro fünfzig als Leerstelle benannt, also als fehlender Kern. Damit wird klar, warum der „Aufschrei“ ausbleibt und dennoch Schmerzpunkte bleiben: Der Entwurf bewegt sich, aber er bewegt nicht die Tragfähigkeit. Wenn die Abda im gleichen Atemzug Verbesserungen nennt und das Hauptproblem als ungelöst markiert, ist die entscheidende Frage, welche Wirkung diese Kommunikation im Gesetzgebungsverfahren entfaltet. Wird „deutliche Verbesserungen“ als Signal genutzt, dass der Konflikt entschärft ist, oder wird es als Zwischenstand verstanden, der nur den Startpunkt markiert.

Die weiteren Kritikpunkte, die die Abda aufführt, zeichnen eine Linie: Es geht nicht um Kleinigkeiten, sondern um Grundfragen der Verantwortungsordnung und der betriebswirtschaftlichen Statik. Die Vertretungsbefugnis der PTA bleibt für die Abda ein klares Nein, weil sie die Idee einer Apotheke ohne Apotheker auch nur zeitweise ablehnt. Das ist nicht nur eine Standesfrage, sondern eine Haftungs- und Qualitätsfrage, die im Alltag an Personalnot und Öffnungsdruck gekoppelt ist. Wenn politische Entwürfe an dieser Stelle experimentieren, wird aus einem Entlastungsversprechen schnell ein Risiko für den Betrieb.

Bedenken zur Zweigapotheken-Regelung passen in denselben Rahmen. Eine leichtere Struktur kann Versorgung sichern, wenn sie kontrolliert ist. Sie kann aber auch Standards verschieben, wenn sie als Sparmodell verstanden wird. Genau deshalb wird die Regelung im Rohmaterial nicht als neutrale Modernisierung behandelt, sondern als potenziell systemische Verschiebung, weil sie die Frage berührt, was eine Apotheke in der Mindestform noch sein soll.

Besonders heikel ist der Punkt der Vertragsstrafen und Versorgungsausschlüsse. Wenn die Paritätische Stelle Verstöße gegen den Rahmenvertrag ahnden kann, will die Abda die persönliche Haftung ausschließen, und sie geht weiter: Haftungsrisiken für verhängte Vertragsstrafen oder Versorgungsausschlüsse sollen vom Staat übernommen werden. Das ist ein harter Vorschlag, der die Dimension des Problems sichtbar macht. Er sagt im Kern: Hier geht es nicht mehr um kleine Retaxkonflikte, sondern um existenzielle Risiken, die der einzelne Betrieb nicht tragen kann, wenn das System zugleich hohe Pflichtlasten auferlegt.

Auch die Anschlussversorgung von Chronikern wird in der Abda-Liste als Systemfrage behandelt, nicht als Serviceidee. Sie dürfe keine Selbstzahlerleistung sein. Dahinter steckt eine Sorge, die im Apothekenalltag sofort verständlich ist: Wenn Versorgungslücken geschlossen werden sollen, muss die Finanzierung klar sein, sonst wird die Apotheke zum Puffer, der medizinisch sinnvoll handelt, aber ökonomisch ins Risiko läuft. Ähnlich gelagert ist die Forderung, dass Medikationsmanagement als pharmazeutische Dienstleistung ohne ärztliche Verschreibung möglich sein müsse. Das ist eine Frage der praktischen Zugänglichkeit und der Prozesslogik. Wenn eine Leistung in der Theorie sinnvoll ist, aber in der Praxis an zusätzlichen Arztkontakten hängt, wird sie entweder selten oder bürokratisch.

Der letzte Punkt der Liste, die Pflege des elektronischen Medikationsplans inklusive AMTS-Checks als weitere Dienstleistung, zeigt, dass die Abda nicht nur blockiert, sondern auch eine aktive Rolle der Apotheken in der digitalen Versorgung betont. Gleichzeitig ist das wiederum eine Frage der Vergütung und der Vollzugsfähigkeit. Wenn neue Aufgaben hinzukommen, muss klar sein, ob es sich um echte Entlastung durch Sinn und Finanzierung handelt oder um zusätzliche Pflichtarbeit, die im Betrieb als Dauerlast landet.

Am Ende läuft alles auf den Zeitdruck hinaus, der im Rohmaterial ausdrücklich genannt wird. Der Fahrplan ist straff, es bleibt wenig Zeit, Einfluss zu nehmen. Und genau deshalb wird die neue Hauptamtsspitze der Abda liefern müssen. „Liefern“ heißt in diesem Kontext nicht, noch ein Papier zu schreiben, sondern politisch so wirksam zu werden, dass zentrale Punkte im Gesetzgebungsverfahren nicht einfach hängenbleiben. Wenn das nicht gelingt, steigt die Unzufriedenheit im Berufsstand, nicht weil Apotheken „alles ablehnen“, sondern weil sie in einem System arbeiten, das ihnen immer mehr Aufgaben zuschiebt, während die wirtschaftliche Basis weiter als verhandelbares Detail behandelt wird.

 

Union, Apothekenversprechen, politische Erinnerungslücken

Aus Sicht vieler Apotheken wirkt die Rolle der Union in der aktuellen Reformdebatte wie ein irritierender Rollenwechsel. Als das unionsgeführte Bundesgesundheitsministerium den Gesetzentwurf mit PTA-Vertretungsbefugnis und lediglich vager Perspektive auf eine Fixumserhöhung vorlegte, stellte sich genau jene Frage, die im Rohmaterial anklingt: Warum übernimmt die Union zentrale Elemente eines Reformansatzes, den sie in der Opposition noch scharf kritisiert hatte. Der Kontrast ist deshalb so scharf, weil die Erinnerungen noch frisch sind.

Im Jahr 2023, damals noch in der Opposition, hatte die Union die wirtschaftliche Lage der Apotheken deutlich beschrieben. Bürokratische Auflagen, Inflation, steigende Personalkosten und Fachkräftemangel wurden als Belastung benannt, die sich gegenseitig verstärken. Man sprach von einer drohenden Schieflage der Apotheken und bekannte sich zu Arzneimittel- und Versorgungssicherheit als politischem Auftrag. In dieser Phase formulierte die Union Forderungen, die aus Apothekensicht klar und anschlussfähig waren: eine angemessene Anhebung des Fixhonorars und eine regelmäßige Berichtspflicht der Bundesregierung zur Entwicklung des Apothekenhonorars, orientiert an der Kostenentwicklung.

Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Entwurf wie ein Bruch mit der eigenen Analyse. Die Probleme, die 2023 benannt wurden, sind nicht verschwunden, im Gegenteil. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe hat sich weiter verschärft, die Zahl der Apothekenschließungen ist gestiegen, und die strukturellen Belastungen sind eher größer als kleiner geworden. Dass nun ein Reformpaket vorliegt, das diese Realität zwar in Worten anerkennt, aber beim zentralen Hebel, der Honorarbasis, ausweicht, wird im Rohmaterial als schwer erklärbar beschrieben.

Hinzu kommt ein veränderter Kontext, der politisch gern als Begründung herangezogen wird: die Finanzmisere der Krankenkassen. Diese war 2023 in dieser Schärfe noch nicht sichtbar. Doch genau hier setzt die Skepsis an. Die Frage, ob Krankenkassen an den Apotheken „genesen“ sollen, verweist auf eine Grundsatzentscheidung. Apotheken sind Teil der Versorgung, nicht der Ausgleichsmasse für systemische Finanzprobleme. Wenn Einsparlogik und Stabilisierung der Kassen auf Kosten der Vor-Ort-Struktur betrieben werden, entsteht kein nachhaltiger Effekt, sondern eine Verschiebung der Risiken in die Fläche.

Der Rohstoff der politischen Kritik ist deshalb weniger Empörung als Enttäuschung. Wer einmal klar formuliert hat, was Apotheken brauchen, muss erklären, warum diese Erkenntnis in Regierungsverantwortung verblasst. Es geht nicht um parteitaktische Feinheiten, sondern um Glaubwürdigkeit. Wenn politische Akteure ihre eigenen früheren Diagnosen nicht mehr ernst nehmen, verlieren Zusagen an Gewicht. Für Apotheken bedeutet das, dass sie sich weniger an Wahlprogrammen und mehr an konkreten Gesetzentwürfen orientieren müssen.

Am Ende bleibt eine unbequeme Frage offen, die im Stoff deutlich mitschwingt: Wann wäre aus Sicht der Politik eigentlich ein „guter Zeitpunkt“ für eine Honorarerhöhung. Wenn steigende Kosten, Personalmangel, Schließungen und Versorgungsrisiken keinen solchen Zeitpunkt markieren, dann verschiebt sich die Debatte in eine Endlosschleife. Genau diese Schleife ist es, die den Frust in der Branche nährt. Nicht, weil Erwartungen unrealistisch wären, sondern weil politische Versprechen und politische Praxis immer weiter auseinanderdriften.

 

Apothekensterben, Kammerzahlen, politische Kälte

Das Rohmaterial zeichnet kein Stimmungsbild, sondern eine fortlaufende Zahlenlinie: Apotheken verschwinden weiter, Jahr für Jahr, und die Meldungen aus den Kammern zeigen, dass es nicht um Einzelfälle geht, sondern um Struktur. Thüringen wird als Beispiel genannt, wo die Zahl der Apotheken im fünfzehnten Jahr in Folge gesunken ist, im vergangenen Jahr mit dreizehn weniger. Das Entscheidende daran ist nicht die einzelne Zahl, sondern die Kontinuität. Wer fünfzehn Jahre in Folge sinkt, erlebt keinen temporären Effekt, sondern eine Dauererosion.

Dass weitere Schließungen bereits für März angekündigt sind, verstärkt den Eindruck, dass die Entwicklung längst antizipiert wird, bevor sie offiziell in Statistiken auftaucht. Schließungen werden nicht mehr nur vollzogen, sie werden angekündigt, geplant, eingeordnet. Damit wird sichtbar, wie tief der Pessimismus in die betriebliche Erwartung eingedrungen ist. Kammergeschäftsführer Danny Neidel wird im Rohmaterial mit dem Befund zitiert, die Reform werde daran nichts ändern, und er verbindet das direkt mit der PTA-Vertretungsbefugnis. Diese werde nicht als Entlastung gesehen, sondern als Bankrotterklärung und als Schritt in eine Zweiklassenversorgung.

Der Begriff „Zweiklassenversorgung“ ist hier nicht als Schlagwort zu verstehen, sondern als Warnung vor einem Mechanismus: Wenn Standards abgesenkt werden, um Versorgung „irgendwie“ zu sichern, entsteht eine Versorgung, die regional und strukturell auseinanderläuft. Wo Personal und Wirtschaftskraft reichen, bleibt das Modell klassisch stabil. Wo beides knapp ist, entsteht ein „light“-Modus, der mehr von der Not getrieben ist als vom Anspruch. Genau diese Statik steht hinter der scharfen Bewertung im Rohmaterial.

Westfalen-Lippe ergänzt das Bild mit einem zweiten Zahlenraum. Insgesamt dreiundvierzig Apotheken weniger im Vergleich zum Vorjahr, neunundvierzig Schließungen bei sechs Neueröffnungen, und der Langzeitvergleich macht den Einschnitt greifbar: Vor etwa zwanzig Jahren waren es zweitausendzweihundertfünfundvierzig Apotheken, heute eintausendsechshundertdreizehn. Das ist keine kleine Delle, sondern ein Rückbau, der die Fläche verändert. Wenn solche Zahlen in einem der bevölkerungsreichen Kammerbereiche genannt werden, ist die Botschaft klar: Das Problem ist nicht regional begrenzt.

Auffällig ist der Hinweis, dass zehn der Apotheken, die 2025 vom Netz gingen, direkt in den Tagen nach dem Apothekertag der Kammer meldeten, dass sie schließen werden. Das ist ein Indiz, dass Veranstaltungen, die eigentlich Orientierung und politische Signale liefern sollen, für manche Betriebe eher das Gegenteil bewirken: Sie markieren, dass keine kurzfristige Hilfe zu erwarten ist. Der Rohmaterialsatz, Nina Warkens Ankündigung, die Honorarsteigerung werde nicht kommen, habe bei vielen jede Hoffnung schwinden lassen, setzt genau hier an. Hoffnung ist in diesem Kontext keine Emotion, sondern ein betriebswirtschaftlicher Faktor. Wenn die Perspektive fehlt, werden Entscheidungen früher getroffen.

Der Schlussgedanke im Rohmaterial ist drastisch, aber konsequent: Die Politik lasse die flächendeckende Versorgung den Bach runtergehen. Die Schärfe kommt nicht aus einer Einzelmaßnahme, sondern aus der Summe: Schließungszahlen, ausbleibende Honorarsteigerung, Reform, die keine tragfähige wirtschaftliche Grundlage liefert, und Maßnahmen, die als Entlastung verkauft werden, aber im Betrieb als Risiko gelesen werden. Wenn diese Summe über Jahre wächst, entsteht das Gefühl politischer Kälte. Nicht, weil niemand redet, sondern weil Reden nichts ändert.

Das Apothekensterben ist damit nicht nur eine Branche in der Krise, sondern ein Test dafür, ob Gesundheitspolitik Versorgung als Infrastruktur begreift oder als verhandelbare Größe. Wer Infrastruktur verhandelt, verliert sie nicht plötzlich, sondern schrittweise. Genau das zeigt die Zahlenlinie, die im Rohmaterial steckt: Jahr für Jahr weniger, bis aus einer flächendeckenden Normalität eine lückenhafte Karte wird.

 

Skonto-Hoffnung der Apotheken, Großhandelslogik, Verteilungsrisiko

Die Idee klingt so verführerisch, dass sie sich fast von selbst verbreitet: mehr Geld für Apotheken, ohne dass Krankenkassen oder Steuerzahler zusätzlich belastet werden. Skonto wird dann wie ein stiller Ausweg gelesen, eine Art Rückgewinnung aus dem Einkauf. Genau darin liegt der erste Trugschluss. Skonto ist keine politische Zuwendung, die man beschließt und die dann gleichmäßig im Markt ankommt. Skonto ist eine Kondition, die an Zahlungstempo, Liquidität und Verhandlungsmacht hängt – und diese drei Größen sind im Apothekenmarkt ungleich verteilt.

Skonto belohnt, wer früh zahlen kann. Das ist keine Wertung, sondern Mechanik. Wer Reserven hat oder Zahlungsströme so stabil führen kann, dass die Rechnung vor Fälligkeit kein Risiko ist, bekommt Zugang zu Vorteilen, die anderen strukturell fehlen. Wer das nicht kann, verhandelt nicht über Konditionen, sondern über Fristen. In dieser Verschiebung steckt der Grund, warum „Mehr Skonti“ als allgemeine Lösung zu groß gedacht ist: Das Instrument entlastet dort am stärksten, wo Stabilität ohnehin vorhanden ist, und es wirkt in der Fläche gerade dort am schwächsten, wo die Not am größten ist.

Dazu kommt der zweite Haken, der oft erst spät ausgesprochen wird: Großhändler können Vergünstigungen nur geben, wenn sie sie tragen können. Konditionen sind keine freundliche Geste, sondern eine finanzierte Leistung. Wenn Spielräume eng sind, wird das Angebot nicht automatisch großzügiger, nur weil der Rechtsrahmen es wieder zulässt. Es wird taktischer. Und wenn Skonto juristisch eingehegt wird, tauchen häufig alternative Wege auf, die im Alltag genauso wirken, aber anders heißen: Gebührenvergünstigungen, Bündelmodelle, Servicepakete, Mischkonditionen. Für Apotheken bleibt das Ergebnis dann schwerer zu überblicken, obwohl der Wunsch nach Entlastung gerade Transparenz bräuchte.

Dass umsatzstarke, große Apotheken für den Großhandel interessanter sind als kleine, ist dabei keine Polemik, sondern ein nüchterner Selektionsmechanismus. Volumen bedeutet Planbarkeit, Planbarkeit bedeutet Effizienz, und Effizienz ist im Kostendruck eine Währung. Wenn Konditionen verteilt werden, fließt diese Währung zuerst dorthin, wo sie sich am schnellsten rechnet. Skonto kann so, im schlechtesten Fall, als Verstärker wirken: Die wirtschaftlich stabileren Häuser werden zusätzlich stabilisiert, die fragileren bleiben im Standardkorridor. Das ist die ökonomische Kehrseite einer Debatte, die gern als „kassenneutral“ verkauft wird.

Juristisch wird es deshalb nicht nur um die Frage gehen, ob Skonto wieder erlaubt ist, sondern wie eng oder wie offen der Korridor gezogen wird. Jede Präzisierung, die Ordnung schaffen soll, schafft Streitflächen im Vollzug. Jede Unschärfe, die Praxis ermöglichen soll, schafft Auslegungsräume, die später geschlossen werden müssen. Darum ist es plausibel, dass große Erwartungen nicht automatisch erfüllt werden. Der Text kann einen Rahmen setzen, aber die Wirkung entsteht erst in Vertragsbeziehungen und Marktpraxis.

Skonto ist damit kein Unsinn. Er kann Luft schaffen, gerade dort, wo Zahlungsfähigkeit vorhanden ist und Prozesse gut geführt werden. Nur ist Luft nicht gleich Lösung. Die Strukturfrage bleibt: Kommt Entlastung dort an, wo Versorgung am fragilsten ist – oder wird sie zu einer Variablen, die vor allem die Unterschiede im Markt sichtbar macht. Genau deshalb trifft der Satz „Mehr Skonti sind nicht die Lösung“ den Punkt: Skonto kann helfen, aber er ordnet nicht automatisch die Statik, an der Apotheken aktuell tatsächlich hängen. 

 

Vorberg-Interview, Drogerieangebote, Apothekenrealität

Der Text lebt von Überhöhung, und genau deshalb ist er als Debattenbeitrag so gefährlich bequem. Wer Apotheken als „Dinosaurier“ beschreibt, die auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz zulaufen wie auf einen Kometen, setzt keine These, sondern ein Bild, das Widerspruch schon als Rückständigkeit etikettiert. Die Pointe sitzt sofort, sie funktioniert als Stichwort für Empörung und Zustimmung zugleich, und sie ersetzt die Arbeit, die eine solche Behauptung eigentlich leisten müsste: die konkrete Auseinandersetzung mit Zuständigkeit, Haftung, Schnittstellen und Versorgung im Nachlauf.

Das zweite Element ist die Pauschalisierung. „Ärzte und Apotheker fühlen sich im Bestand angegriffen“, „lehnen aus Reflex Innovation ab“, „schützen sich wie eine Oligarchie“ – solche Sätze wirken wie moralische Abkürzungen. Sie schlagen ein Feld platt, das in der Praxis voller Differenzen ist: Kritik an einzelnen Angeboten ist nicht automatisch Kritik an Digitalisierung, Nachfragen nach Evidenz sind nicht automatisch Besitzstandswahrung, und der Wunsch nach klaren Verantwortungswegen ist kein Zeichen von Angst, sondern ein Grundprinzip im Gesundheitswesen. Wer all das in einen Reflex-Topf wirft, schafft ein Feindbild, das sich gut wiederholen lässt.

In diesem Fall kommt eine Schicht hinzu, die den Ton nicht erklärt, aber in ein anderes Licht stellt. Wenn jemand, der sich so empört über Kritik an Screening-Angeboten zeigt, zugleich als Anwalt ein Unternehmen vertritt, das genau solche Angebote in einer Drogerieumgebung platziert, verändert das die Wahrnehmung. Nicht, weil Interessenvertretung verboten wäre, sondern weil der aggressive Gestus dann wie ein Werkzeug wirkt: Kritik wird nicht beantwortet, sondern delegitimiert. Der Konflikt wird nicht geklärt, sondern als Charakterfrage inszeniert.

Am schärfsten wird es dort, wo die Rollen im System verwischt werden. Die Behauptung, künstliche Intelligenz sei „ausgereift genug“, um vollständige Anamnese zu führen und Diagnosen zu erstellen, klingt wie Zukunftsmusik, ist aber im Kern eine Verantwortungsbehauptung. Anamnese und Diagnose sind nicht nur Textproduktion oder Mustererkennung, sondern Ausgangspunkte für Entscheidungen, die Folgen haben. Und genau deshalb wirkt die Gegenrede aus dem Rohmaterial so treffend, wenn sie trocken feststellt: Apotheker dürfen keine Diagnosen stellen. Das ist keine Nebensache, sondern die Statik der Arbeitsteilung im System. Wer diese Statik ignoriert, kann alles „disrupten“, ohne zu sagen, wer den Schaden trägt, wenn es schiefgeht.

Die rhetorische Figur, Menschen halluzinierten ja auch, wenn man auf Fehlleistungen hinweist, mag als Schlagabtausch funktionieren, als Argument ist sie unerquicklich. Fehler im System werden nicht dadurch akzeptabel, dass man sie verallgemeinert, sondern dadurch beherrschbar, dass man sie einhegt. Gerade die Berufe, die hier pauschal angegriffen werden, sind im Alltag ständig damit beschäftigt, Fehlerfolgen zu begrenzen: durch Plausibilitätsprüfungen, Rückfragen, Dokumentation, Interaktionschecks, Abgabevorschriften, Datenschutzpflichten und die schlichte Tatsache, dass am HV-Tisch jemand den Blickkontakt aushalten muss, wenn Unsicherheit im Raum steht. Das ist keine Romantik, das ist Verantwortung in Echtzeit.

Der Vorschlag, Apotheken sollten ihre Leistungen Drogeriemärkten anbieten oder sich ins Online-Geschäft integrieren, wird als pragmatische Zukunftsoption präsentiert. In der Oberfläche klingt das wie Modernität, im Kern ist es eine Entkopplung: Beratung wird als austauschbarer Service gedacht, losgelöst von der physischen Versorgung und den Betriebsrisiken, die in der Fläche hängen bleiben. Der Satz mit „Mallorca“ ist dabei mehr als eine putzige Pointe. Er entlarvt das Denken, dass die reale Versorgungsarbeit im Hintergrund schon irgendwie passieren werde, während vorne ein Modell skaliert.

Denn genau hier liegt der Punkt, den die Kometenrhetorik überdeckt. Bei Angeboten wie OTC-Versand, Screenings oder Blutanalysen geht es selten zuerst um die Frage, ob Technik erlaubt sein soll. Es geht um die Folgearbeit, die nicht im Marketing steckt: Was passiert mit auffälligen Befunden, wer erklärt sie, wer steuert nach, wer trägt die Haftung, wer verhindert Fehlinterpretationen, wer schließt die Lücken zwischen Ergebnis, Arztkontakt, Therapie und Arzneimittelanwendung. Wenn diese Kette nicht sauber gebaut ist, wird aus Innovation ein Risiko, das sich erst später zeigt, wenn das Angebot längst verbreitet ist.

Die Zuspitzung gegen Apotheken trifft deshalb einen Nerv, weil sie eine Realität ignoriert, die jeder Betrieb täglich spürt: Apotheken sind längst digitalisiert, nur nicht als Pose, sondern als Pflichtbetrieb. Es ist der Unterschied zwischen Digitalisierung als Produktversprechen und Digitalisierung als Prozesslast. Wer behauptet, dort herrsche Stillstand, erkennt entweder die Arbeit nicht oder hält nur das für digital, was nach außen glänzt. Der Ärger im Rohmaterial kommt nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern aus dem Gefühl, dass ein Außenblick die Innenarbeit verspottet und gleichzeitig so tut, als sei Verantwortung eine Frage von Haltung.

Am Ende bleibt von der ganzen Satire-Atmosphäre eine ernste Frage übrig. Wenn Apotheken angeblich auslaufen, wer übernimmt dann den Teil, der nicht auf Folien passt: die Nachsteuerung, die Abklärung, die Schnittstellenarbeit, die Haftungslogik, den Alltag mit Multimedikation, Wechselwirkungen, Lieferproblemen, Dokumentationspflichten und dem Druck, dass es am Ende stimmen muss. Wer darauf nur Bilder liefert, liefert keine Versorgung. Und wer Kritik als Reflex abtut, zeigt vor allem eines: dass er den Unterschied zwischen Deutung und Vollzug nicht ernst nimmt.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die Woche zeigt, wie schnell Worte größer werden als ihre Wirkung: Modernität wird angekündigt, während Betriebe an Zahlen und Pflichten messen, ob sich wirklich etwas verschiebt. Reformteile laufen parallel, aber die Erwartungen laufen voraus, weil wirtschaftliche Entlastung nicht als Kern gesetzt ist. Sobald dann Skonto als Hoffnung und Digitalisierung als Kampfbegriff in dieselbe Woche fallen, wird sichtbar, worum es wirklich geht: Ordnung, Verantwortung und Tragfähigkeit müssen zusammenpassen, sonst bleibt nur Bewegung ohne Halt.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. In der politischen Oberfläche klingt vieles nach Aufbruch, doch die Woche spricht in der Sprache der Betriebe: Schließungen, Zweifel, Pflichtlast, fehlende Stabilisierung. Wer Reform als Korrektur am Rand versteht, bekommt im Markt keine Entspannung, sondern eine neue Runde an Schnittstellen, Deutungskämpfen und Verteilungsfragen. Ein Verband kann sich modern nennen, ein Entwurf kann präziser werden, ein Interview kann laut sein – entscheidend bleibt, ob Versorgung als Infrastruktur behandelt wird oder als Variable, die man in guten Zeiten verspricht und in schlechten Zeiten vertagt.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Diese Woche gewichtet Wirkung vor Rhetorik und liest Reform, Verband und Markt konsequent aus dem Betrieb heraus.

 

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