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APOTHEKE | Systemblick – Kommentar zum Vortag
Stand: Samstag, 20. Dezember 2025, um 20:19 Uhr
Apotheken-News: Kommentar zum Vortag
Kommentar von Seyfettin Günder zu den Apotheken-Nachrichten des Vortags über Reformentwurf ohne Honorarimpuls, Notdienstordnung, Eskalation der Erwartungslage
Gestern war nicht der Tag der großen Überraschung, sondern der Tag der erkennbaren Linie. Wenn ein Kabinettsentwurf die Bühne erreicht, aber die zentrale Erwartung der Betriebe ausspart, entsteht keine „Dialogphase“, sondern eine neue Art von Gewöhnungsdruck. Das Verfahren läuft weiter, die Kosten laufen ohnehin, und dazwischen entsteht ein Raum, in dem jede Formulierung wie eine Beruhigung klingt, die sich im Alltag nicht einlösen lässt. Genau dort beginnt der strukturelle Schaden: nicht in einem einzigen Satz, sondern in der Summe der Signale.
Das erste Signal war die Botschaft der Nullrunde im Kernbereich, auch wenn sie rhetorisch in spätere Finanzrunden verschoben wird. Eine Honorarfrage, die in die Zukunft delegiert wird, ist für Betriebe kein neutraler Aufschub, sondern ein betriebswirtschaftlicher Zinseszins der Unsicherheit. Wer Personal halten soll, wer Investitionen verantwortet, wer Öffnungszeiten organisiert, kann nicht mit einem „später“ kalkulieren, wenn „jetzt“ die Kasse ist, die jeden Monat prüft. Im Alltag bedeutet dies, dass Planung nicht mehr auf Entwicklung zielt, sondern auf Durchhalten.
Das zweite Signal lag in der Ordnungsebene: Notdienst- und Öffnungsregeln werden nicht nur als Entlastung diskutiert, sondern als Architekturfrage, die Verantwortung verlagert. Sobald die Pflichtlogik komplizierter wird, wachsen Dokumentations- und Abstimmungsrisiken, und die Debatte kippt von Versorgung zu Zuständigkeit. Es entsteht das paradoxe Bild, dass „Flexibilisierung“ als Erleichterung verkauft wird, während die Pflicht zur verlässlichen Erreichbarkeit als dauerhafte Erwartung stehen bleibt. Die Systemfrage lautet dann nicht mehr, ob Apotheken leisten wollen, sondern ob das System ihre Leistung als Infrastruktur behandelt oder als Kostenstelle.
Das dritte Signal war die kommunikative Eskalation: Protest und Warnungen sind nicht bloß Emotion, sondern ein Indikator für eine gerissene Übersetzungskette zwischen Politik und Betrieb. Wenn Betriebe das Gefühl haben, dass Versprechen nicht mehr in belastbare Schritte übersetzt werden, wird Vertrauen zu einer knappen Ressource. Dann verlieren auch gut gemeinte Reformpassagen an Akzeptanz, weil sie im Schatten der ungeklärten Kernfrage stehen. Ein leiser Satz hängt über allem: Wer Versorgung stabil halten will, darf sie nicht in einen Zustand dauerhafter Selbstrechtfertigung treiben.
Systemisch betrachtet zeigt der Vortag damit eine Verschiebung, die über diese Reform hinausweist. Das Gesundheitswesen gewöhnt sich daran, die Leistungserbringer über Verfahren zu beschäftigen, während die finanziellen und organisatorischen Kanten vertagt werden. Das ist eine riskante Form von Politik, weil sie kurzfristig Ruhe erzeugt, aber langfristig die Reserve kappt, die Krisen auffängt. Im Alltag bedeutet dies, dass Versorgungssicherheit nicht mehr aus Stärke kommt, sondern aus Restbeständen an Belastbarkeit.
Heute muss daraus keine Panik folgen, aber eine klare Diagnose. Wenn das politische System die Apotheken als Infrastruktur behauptet, muss es sie auch so behandeln: mit verlässlicher Kalkulationsbasis, nachvollziehbarer Ordnung und einer Kommunikation, die nicht nur erklärt, sondern bindet. Sonst wird aus Reform ein fortgesetzter Test, wie lange Betriebe noch funktionieren, ohne dass das System seine Zusagen in Substanz übersetzt. Ein kurzer Moment, ein langer Abrieb.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Gestern war ein Tag, an dem das System leise gesprochen hat und gerade deshalb laut wirkte. Nicht, weil neue Schlagworte erfunden wurden, sondern weil alte Erwartungen offen liegen blieben. Wenn Verfahren voranschreiten, ohne die Last zu tragen, die sie auslösen, entsteht ein Gefälle aus Geduld und Wirklichkeit. Und genau dieses Gefälle entscheidet am Ende darüber, ob Versorgung als Versprechen bleibt oder als Ordnung bestehen kann.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Der Vortag hat gezeigt, dass nicht die Reformpassage selbst den härtesten Druck erzeugt, sondern die Lücke zwischen Anspruch und Absicherung. Wo Politik Stabilität sagt, aber Kalkulation vertagt, wird jede Woche zur Probe auf Betriebskraft. Das ist keine Frage der Stimmung, sondern eine Frage der Reserve, die in stillen Schichten abgetragen wird. Wenn diese Reserve weg ist, hilft kein Appell mehr, weil Versorgung dann nicht scheitert, sondern ausdünnt. Und genau deshalb ist der eigentliche Konflikt nicht der Ton, sondern die Architektur.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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