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APOTHEKE | Systemblick |
Stand: Dienstag, 16. Dezember 2025, um 21:43 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über dm-med als Debattenobjekt, die Vermischung von Marktmacht und Versorgungsbegriff und die Notwendigkeit einer messbaren Versorgungsdefinition
Der eigentliche Schaden entsteht nicht dadurch, dass neue Anbieter auf den Markt kommen, sondern dadurch, wie über sie gesprochen wird. Wenn ein Beitrag dm-med als „Kampfpreis-Attacke oder Design-Desaster“ aufzieht, mit Spoilern, Klickrhetorik und dem Versprechen „wir lassen uns nicht blenden“, ist das zuerst ein Unterhaltungsformat. Unterhaltung darf zugespitzt sein, aber sie ist im Gesundheitsmarkt nur dann nützlich, wenn sie am Ende mehr Klarheit erzeugt als Erregung. Genau diese Klarheit fehlt in solchen Texten oft: Es wird viel über Fassade, Marktmacht und Gefühle geschrieben, aber wenig darüber, woran Versorgung im Alltag wirklich hängt. Für Apothekenbetreiber ist das entscheidend, weil sie nicht auf Stimmung reagieren können, sondern auf Mechaniken, die Umsatz, Haftung, Personal und Vertrauen gleichzeitig bewegen.
Der Punkt ist nicht, ob der Shop Spaß macht. Der Punkt ist, ob der Prozess trägt. Versorgung ist kein Interface-Urteil, sondern eine Leistungsarchitektur: Erreichbarkeit in relevanten Zeitlagen, Akutfähigkeit, Alternativenkompetenz, Grenzfalllogik, dokumentierbare Verantwortung. Wer über dm-med spricht, aber diese Parameter nicht benennt, hilft Apotheken nicht, sondern lenkt sie in eine falsche Abwehrhaltung. Dann kämpfen Betriebe gegen Schlagworte statt gegen reale Verschiebungen. Marktmacht ist ein strukturelles Thema, ja, aber sie wird erst gefährlich, wenn sie Erwartungen verschiebt: wenn „Apotheke“ als Etikett reicht, obwohl die Parameter der Versorgung nicht erfüllt sind. Genau hier muss die Branche nüchtern werden, nicht lauter.
Dauerpreis und Cross-Selling sind keine romantischen Fragen, sondern psychologische Hebel. Preisstabilität erzeugt das Gefühl von Verlässlichkeit, und Warenkorbkopplung normalisiert den Gesundheitskauf. Das ist nicht automatisch falsch, aber es hat eine Nebenwirkung: Es senkt die Aufmerksamkeit für Grenzen. Im Alltag bedeutet dies, dass Menschen schneller kaufen, aber nicht zwingend besser entscheiden. Wenn dann noch Debattenbeiträge den Konflikt auf „Drogerie-Könige gegen Apotheken“ reduzieren, wird die wichtigste Frage unsichtbar: Wo sind die Stoppschilder im Prozess, die Fehlgriffe verhindern, und wo ist die Einordnung so verankert, dass sie nicht erst greift, wenn der Warenkorb gedanklich schon fertig ist. Wer das nicht fragt, bleibt im Theater, während das System sich im Hintergrund verschiebt.
Apothekenbetreiber brauchen deshalb eine andere Reaktionslogik. Nicht „dagegenhalten“ als Parole, sondern die eigene Überlegenheit als Prozess sichtbar machen. Sichtbar heißt: nicht mit Tradition werben, sondern mit Verlässlichkeit, die messbar ist. Schnelle Lösung im Grenzfall, sichere Alternative bei Nichtverfügbarkeit, klare Weiterleitung, dokumentierte Beratung, echte Erreichbarkeit, Notdienstfähigkeit, unmittelbare Abgabe, Haftungsordnung. Das ist nicht nostalgisch, das ist die moderne Definition von Versorgung. Und sie ist der einzige Rahmen, in dem neue Modelle fair und hart geprüft werden können, ohne dass die Debatte in Lagerdenken kippt. Wer diese Parameter konsequent kommuniziert, zwingt auch Plattformanbieter, sich daran messen zu lassen, statt die Diskussion über Design und Stimmung laufen zu lassen.
Dass manche Formate am Ende „viel Erfolg beim Dagegenhalten“ wünschen, klingt solidarisch, ist aber oft ein Ersatz für Analyse. Erfolg entsteht nicht, weil man sich gegenseitig Mut macht, sondern weil man die richtigen Kriterien setzt und sie in die Öffentlichkeit trägt. Die Branche hat in den letzten Jahren zu oft gelernt, dass Empörung verpufft, wenn sie nicht in eine klare Ordnung übersetzt wird. Genau deshalb ist die effizienteste Botschaft an Verbände und Betriebe heute nicht „wir lassen uns nicht blenden“, sondern „wir definieren die Messlatte“. Wer Versorgung ernst nimmt, beschreibt sie als Pflichtwert, nicht als Marketingbegriff. Und wer Pflichtwerte definiert, gewinnt langfristig auch die Debatte, weil er die Sprache der Verantwortung spricht, nicht die Sprache der Stimmung.
Der eigentliche Konflikt ist daher nicht dm gegen Apotheke, sondern Begriff gegen Realität. Wenn Realität gewinnt, wird jedes Modell besser, weil es sich an Sicherheit orientieren muss. Wenn Begriff gewinnt, wird der Markt lauter, aber nicht sicherer. Apothekenbetreiber sollten deshalb jede Polemik als Anlass nehmen, die eigene Systemfunktion präziser zu benennen. Nicht als Jammern, sondern als Ordnung: Versorgung ist Parameter, nicht Etikett. Wer diesen Satz konsequent lebt, muss sich nicht in jeden Krawall hineinziehen lassen, sondern kann aus jeder Debattenwelle einen Vorteil machen, weil er sie zurück in die Wirklichkeit zwingt.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Manchmal ist der größte Nebel nicht das Angebot, sondern die Sprache darüber. Wenn Kritik zur Show wird, rutschen die entscheidenden Kriterien aus dem Blick: Erreichbarkeit, Grenzfalllogik, Alternativen, Verantwortung. Im Gesundheitsmarkt entscheidet nicht der Klick, sondern der Moment, in dem Unsicherheit eine sichere nächste Handlung braucht. Genau dort muss die Messlatte stehen, nicht im Tonfall.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wer Versorgung verteidigen will, sollte sie nicht mit Parolen schützen, sondern mit Parametern sichtbar machen, die niemand wegmoderieren kann. Marktmacht wird erst dann gefährlich, wenn sie Begriffe ersetzt, die eigentlich Pflichten meinen. Die Antwort darauf ist keine Empörung, sondern eine klare Ordnung, die jeden Anbieter zwingt, Verantwortung im Prozess zu beweisen. Wenn die Branche diese Ordnung spricht, wird sie nicht nur gehört, sie wird zum Maßstab, an dem sich die Debatte neu sortiert.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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