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  • 09.12.2025 – Vertrauen bleibt Gesundheitswährung, dm beschleunigt Machtverschiebungen, unabhängige Versorgung braucht Schutz
    09.12.2025 – Vertrauen bleibt Gesundheitswährung, dm beschleunigt Machtverschiebungen, unabhängige Versorgung braucht Schutz
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Die Analyse beleuchtet den geplanten OTC Versand von dm, ordnet Chancen und Risiken für Apothekenteams ein und zeigt, warum strategisch...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Vertrauen bleibt Gesundheitswährung, dm beschleunigt Machtverschiebungen, unabhängige Versorgung braucht Schutz

 

Die Analyse zeigt, wie ein branchenfremder Konzern mit großer Marktmacht die Versorgung verschieben kann und warum Vertrauen zur entscheidenden Währung für Apothekenteams wird.

Stand: Dienstag, 09. Dezember 2025, um 19:30 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Die Drogeriekette dm bereitet ihren Einstieg in den OTC-Versand aus Tschechien vor – offiziell ohne Starttermin, faktisch aber mit einem klaren Signal an den Markt: Wenn der Konzern die letzte Kurve nimmt, wird ein neuer Akteur mit enormer Markenbekanntheit, Logistikpower und Preissensibilität in ein ohnehin fragiles System hineinfahren. Apotheken erleben seit Jahren, wie Versender wie DocMorris oder Shop Apotheke Kundschaft und Rezepte abziehen, doch dm bringt eine andere Dimension mit: ein dichtes Filialnetz vor Ort, eingeübte Kundenbeziehungen, digitale Reichweite und die Option, perspektivisch noch stärker in Gesundheitsleistungen hineinzuwachsen. Gerade weil die rechtlichen Grenzen für Mehrbesitz und Versorgungsaufträge politisch umkämpft sind, stellt sich die Frage, wie viel Vertrauen die Gesundheitsbranche in einen Player legen kann, der sein Geschäftsmodell primär an Frequenz, Warenkörben und Skaleneffekten ausrichtet. Der bevorstehende Einstieg ist deshalb nicht nur eine Meldung aus der Versandnische, sondern ein Stresstest für die Frage, wie ernst es Politik und Standesvertretungen mit dem Schutz einer pluralen Versorgungsstruktur wirklich meinen.

 

Der Einstieg der Drogeriekette dm in den Versand mit rezeptfreien Arzneimitteln wirkt auf den ersten Blick wie eine weitere Facette des ohnehin wachsenden Onlinehandels, doch in Wahrheit markiert er eine neue Qualitätsstufe des Wettbewerbs. Anders als klassische Versandapotheken wie DocMorris oder Shop Apotheke bringt dm eine enorme Filialdichte, eine eingespielte Logistik und eine starke Marke mit, die für Millionen Menschen längst Teil ihres Alltags ist. Wenn ein solcher Player beginnt, Arzneimittel über eine Versandapotheke im Ausland anzubieten und mittelfristig weitere Schritte in Richtung Gesundheitsmarkt zu testen, verschieben sich die Koordinaten für die wohnortnahe Versorgung. In dieser Konstellation reicht es nicht mehr, den „Versendern“ allgemein zu misstrauen, vielmehr stellt sich die Frage, ob sich ein integriertes Drogerie-Apotheken-Modell etablieren könnte, das viele kleinere Betriebe schlicht überrollt.

Die besondere Brisanz liegt darin, dass dm bereits heute etwas besitzt, worum Apotheken seit Jahren kämpfen: eine selbstverständliche Kundenfrequenz und hohe Sichtbarkeit im Alltag. Für viele Familien ist der Drogeriemarkt der Ort, an dem Windeln, Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik und Gesundheitsprodukte ohnehin im Korb landen. Wenn in dieses gewohnte Umfeld sukzessive ein „Arzneimittel-Service“ eingebettet wird – zunächst als Onlineangebot über eine Versandapotheke in Tschechien, später vielleicht mit zusätzlichen Dienstleistungen –, entsteht ein Ökosystem, das Gesundheit, Pflege und Konsum miteinander verzahnt. Die Vor-Ort-Apotheken stehen dem mit zersplitterten Strukturen, sehr unterschiedlichen Markenbildern und einer seit Jahren nicht angepassten Honorierung gegenüber. Was heute als punktuelle Erweiterung wirkt, kann mittelfristig zu einem Sogeffekt führen, der Marktanteile in OTC-Segmenten und bei serviceorientierten Produkten umverteilt.

Für die Apothekenbranche ist dm deshalb weniger ein weiterer Wettbewerber im bestehenden Spielfeld als ein möglicher Architekt eines neuen Spielfelds. Während die politische Debatte sich an Versandapotheken, eRezept-Fragen und Modellprojekten aufreibt, entsteht im Hintergrund ein Szenario, das aus anderen Ländern bekannt ist: große Ketten, die Beratung, Handel und Service unter einem Dach bündeln und damit Skaleneffekte realisieren, von denen Einzelbetriebe nur träumen können. Noch verhindert das Fremd- und Mehrbesitzverbot in Deutschland, dass Drogerieketten direkt Apotheken betreiben. Doch wenn der Versand aus dem Ausland etabliert ist, digitale Kundenschnittstellen ausgebaut sind und die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt, wächst der Druck auf diese Schutzmauern. Politische Entscheidungen der kommenden Jahre werden daher darüber entscheiden, ob die Apothekenlandschaft aus vielen eigenständigen Betrieben besteht – oder ob sich wenige große Verbünde durchsetzen.

Aus Risikosicht der Inhaberinnen und Inhaber verschärft dieser mögliche Strukturwandel mehrere ohnehin bestehende Bruchlinien. Auf der Einnahmeseite stehen ein seit Jahren eingefrorenes Fixhonorar, steigende Personalkosten, Lieferengpässe und ein wachsender Anteil an Leistungen, die nicht oder nur unzureichend vergütet werden. Auf der Wettbewerbsseite drängen Versandapotheken, Plattformen und Handelsriesen auf die Endkundenbeziehung. Wenn nun ein Akteur mit der Marktmacht von dm das Feld der OTC-Arzneimittel systematisch erschließt, wird jede strategische Fehlentscheidung in der Offizin teurer: verspätete Digitalisierung, fehlende Profilierung, unzureichende Spezialisierung oder mangelnde betriebswirtschaftliche Absicherung können schneller existenzbedrohend werden. Die Frage „Was passiert, wenn der Riese wirklich anläuft?“ ist kein theoretisches Planspiel, sondern eine ernstzunehmende Zukunftsprojektion, die in jede Risikoanalyse eines Apothekenbetriebs gehört.

Gleichzeitig darf man das Thema nicht auf reine Konkurrenzrhetorik verkürzen. Denn der eigentliche Kernkonflikt liegt im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit und Marktlogik. Apotheken übernehmen Aufgaben, die weit über den Verkauf von Produkten hinausgehen: Medikationsanalyse, Interaktionschecks, niederschwellige Ersteinschätzung, Krisenversorgung bei Engpässen und Notdiensten. Diese Funktionen lassen sich nicht ohne Weiteres in ein reines Versand- oder Drogeriemodell übertragen, erst recht nicht in ländlichen Regionen oder sozial angespannten Quartieren. Wenn jedoch Umsatzströme im lukrativen OTC-Segment abwandern, verlieren gerade diejenigen Betriebe Puffer, die die Versorgung vor Ort noch sichern. Auf Dauer untergräbt dies die Stabilität des Netzes, das die Politik eigentlich bewahren will, und verschiebt Verantwortung vom öffentlichen Auftrag hin zu kaufmännischen Optimierungspfaden.

Vertrauen als Währung der Gesundheitsbranche spielt in diesem Spannungsfeld eine doppelte Rolle. Einerseits vertrauen Kundinnen und Kunden großen Marken, die in der Werbung, im Regal und im Alltag ständig präsent sind – genau hier punktet dm. Andererseits ist das Vertrauenskapital der wohnortnahen Apotheke ein anderes: Menschen legen ihre Medikationspläne offen, sprechen über Sorgen, lassen sich bei sensiblen Diagnosen beraten und erwarten, dass hier mehr zählt als der schnellste Klick. Wenn die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass dieses Vertrauenskapital wirtschaftlich ausgehöhlt wird, verlieren nicht nur Apotheken, sondern das Gesundheitssystem insgesamt eine seiner stabilsten Ressourcen. Der Staat muss entscheiden, ob er dieses Kapital durch kluge Regulierung schützt oder ob er zulässt, dass es schleichend in marktdominante Strukturen abwandert, in denen Gesundheitsleistungen nur ein weiteres Angebotsmodul neben vielen sind.

Für Apothekeninhaberinnen und -inhaber folgt daraus, dass sie die Entwicklung nicht einfach als „fernes Versandthema“ abtun dürfen, sondern strategisch darauf reagieren müssen. Dazu gehört eine klare Positionierung jenseits des bloßen Warenverkaufs: hochwertige Beratung, nachvollziehbare Qualität, spezialisierte Dienstleistungen und sichtbare Einbettung in die lokale Versorgungslandschaft. Gleichzeitig braucht es eine nüchterne Bestandsaufnahme der eigenen Risikosituation: Wie abhängig ist der Betrieb von OTC-Umsätzen, die perspektivisch unter Druck geraten könnten? Wie robust sind Liquidität, Versicherungsschutz und betriebliche Vorsorge, wenn sich Marktanteile verschieben oder politische Entscheidungen ausbleiben? Gerade in dieser Konstellation werden professionelle Risiko- und Versicherungsstrategien zu einem Teil der Überlebensfrage, nicht zu einer optionalen Kür.

Die Politik wiederum steht vor der Aufgabe, die Balance zwischen Innovation, Wettbewerb und Schutz der Daseinsvorsorge neu zu justieren. Ein pauschales „Nein“ zu neuen Modellen greift ebenso zu kurz wie ein unkritisches „Ja“ zum Markteintritt großer Ketten. Entscheidend ist, welche Leitplanken gesetzt werden: Wie werden Qualitätsanforderungen, Beratungsstandards und Verantwortung bei Arzneimittelrisiken verteilt? Welche Rolle spielt Standortverantwortung, wenn Umsätze zunehmend über zentrale Plattformen abgewickelt werden? Und wie werden diejenigen unterstützt, die auch dann noch öffnen, wenn digitale Bestellungen längst im Lager liegen – nämlich die Betriebe, die nachts, an Wochenenden und in Versorgungslücken physisch erreichbar bleiben? In dieser Debatte sollte nicht erst dann reagiert werden, wenn die erste Welle von Schließungen vollendet ist, sondern bevor ein strukturprägender Player wie dm seine ganze Schlagkraft entfalten kann.

Am Ende entscheidet sich an der Figur dm, ob die Apothekenbranche lediglich Zuschauer eines tiefgreifenden Umbaus wird oder ob sie rechtzeitig eine eigene Erzählung und Strategie dagegen setzt. Der Versandstart aus Tschechien ist dabei weniger der Endpunkt als vielmehr der Auftakt einer Entwicklung, die mit jeder weiteren digitalen Verknüpfung, jeder Marketingkampagne und jedem politischen Liberalisierungsschritt an Fahrt gewinnt. Wer heute noch glaubt, es handele sich nur um „ein weiteres Versandmodell“, unterschätzt den Hebel einer Marke, die in fast jeder Innenstadt präsent ist und die Alltagssprache von Millionen Haushalten spricht. Wenn Vertrauen tatsächlich die Währung der Gesundheitsbranche ist, dann entscheidet sich in den nächsten Jahren, ob dieses Vertrauen bei unabhängigen, versorgungsorientierten Betrieben bleibt – oder ob es Stück für Stück in einen integrierten Drogerie-und-Gesundheits-Kosmos wandert, dessen Logik nicht in erster Linie vom Versorgungsauftrag, sondern von Skaleneffekten und Renditezielen geprägt wird.

Die Annäherung von Drogerie und Arzneimittelversorgung beginnt leise, mit einem Versandlager im tschechischen Bor und einer Handvoll Ankündigungen für ein neues Onlineangebot, doch die strategische Dimension reicht weit über einen weiteren Webshop hinaus. Dort, wo bislang getrennte Welten existierten – die Apotheken mit ihrem Sicherstellungsauftrag und die Drogeriemärkte mit ihrer Konsumlogik –, entsteht ein Zwischenraum, den ein Konzern wie dm mit seiner Marktmacht gezielt besetzen kann. Für die Branche ist diese Entwicklung keine abstrakte Zukunftsmusik, sondern ein Realexperiment darüber, wie viel wohnortnahe Versorgung ein System sich leistet, in dem hochgradig integrierte Handelsketten immer mehr Wertschöpfung an sich ziehen. Wer jetzt genau hinschaut, erkennt, dass es nicht nur um die nächste Rabattaktion geht, sondern um die Frage, wer künftig bestimmt, unter welchen Vorzeichen Gesundheit verkauft und Versorgung organisiert wird.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn ein Handelsriese wie dm seine Logik in den Arzneimittelmarkt trägt, verändert sich die Statik zwischen wohnortnaher Versorgung und zentral gesteuerten Geschäftsmodellen dauerhaft. Jede Apotheke, die heute noch als unverrückbarer Bestandteil der lokalen Infrastruktur wahrgenommen wird, kann in wenigen Jahren zum austauschbaren Standort im Schatten eines dominanten Ökosystems werden, wenn Regulierung und eigene Strategie nicht rechtzeitig gegensteuern. Die eigentliche Währung, um diesen Wandel zu überstehen, ist nicht der günstigste Preis, sondern das Vertrauen, das sich Teams Tag für Tag im direkten Kontakt erarbeiten – und das durch politische Entscheidungen entweder gestützt oder ausgehöhlt wird. Ohne klare Prioritäten für die Sicherung dieses Vertrauenskapitals bleibt die Diskussion über Wettbewerb im Gesundheitsmarkt Oberfläche. Wer die langfristige Versorgung im Blick hat, muss genau jetzt entscheiden, ob dm nur ein weiterer Player im Feld ist oder das Symptom eines Systemumbaus, der sonst erst wahrgenommen wird, wenn die Lücken in den Straßenbildern der Städte nicht mehr zu schließen sind.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die ergänzende Einordnung zeigt, wie politische Reformvorhaben, wirtschaftlicher Druck in der Fläche und investitionsgetriebene Strategien der Industrie zusammenwirken und an welchen Punkten sich daraus Risiken, Chancen und neue Prioritäten für eine verlässliche Versorgung ableiten.

 

Tagesthemenüberblick: https://aporisk.de/aktuell

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